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U19 Saison 25/26

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Ich denke, dass die Erwartungen, die ans NLZ geknüpft werden, mal einer realistischeren Grundlage bedürfen.

Don Guillermos Insiderwissen in allen Ehren, aber was er alles anführt, ist schlicht obsolet.
Da geht es von den schlafmützigen Versäumnissen der Herren Kraaz, Möller/Pezzaiuoli und Ochs direkt zu Alex Richter, dem besten Leiter, der dem NLZ passieren konnte. Es folgen ein Haufen Ergebnisse, Tabellenstände, Quervergleiche, Regionalmeisterschaften, ein name-dropping von Talenten ohne Zahl, allesamt in irgendeiner Art erfolgversprechend, die Erwartungen und Aussichten sind rosigst. Das missfällt mir, weil es weit an den wirklichen Realitäten vorbeigeht.

Die Realität unseres NLZ im Vergleich zu unseren Wettbewerbern lautet: Mittelmaß, eher noch unteres Mittelmaß. Unser NLZ ist nicht wirklich konkurrenzfähig. Es leidet an drei gravierenden strukturbedingten Mängeln: Verkehrslage, Internatsplätze, Trainingsflächen.

Die Verkehrslage ist katastrophal im chronisch verstopften Riederwald, gerade zu den Trainingszeiten aller Mannschaften von nachmittags bis abends (Feierabendverkehr). Wer wie ich einen Jugendlichen fünf Jahre lang vier mal die Woche aus der Friedberger Ecke zum Training gefahren hat, kann ein Lied davon singen.

Das NLZ hat viel zu wenig Internatsplätze. Diese sind natürlich immer belegt, weitere Plätze, die auch mal ein etwas weiter gestecktes Einzugsgebiet bedienen würden, gibt es nicht.

Das absolut größte Manko ist der Mangel an Trainingsplätzen. Es gibt einen Kunstrasenplatz, auf dem sich oft zwei, manchmal sogar drei Mannschaften einteilen müssen. Außerhalb des Geländes befinden sich zwei Rasenplätze, leidlich liniert und als Fußballplatz erkennbar. Eingerahmt von Schrebergärten.

Die geschilderten Mängel sind an diesem Standort nicht zu verbessern. Gerade jetzt wird geplant, an das bestehende Gebäude, also hinten quer an die Steubinghalle einen zweistöckigen Anbau zu kleben. Es heißt, dies würde die Raumnot entlasten, der dadurch frei werdende Raum käme allen Jugendmannschaften zugute. Hmm.

Kurzum: wer schon einmal das Vergnügen hatte, als Angehöriger eines Spielers eingeladen zu sein zwecks Vereinswechsels die NLZ von Hoffenheim oder Leipzig zu besichtigen, dem sei dies empfohlen. Allerdings besteht die unbedingte Gefahr eines Riesenminderwertigkeitkomplexes. Es ist einfach eine andere  Fußballwelt. Anderer Stern. Jeder Junior mit Ambitionen hat spätestens auf der Rückfahrt seine Entscheidung schon getroffen.

Diese misslichen Umstände sind es  -und in erster Linie eben nicht die leitenden Personen, ob Alex Richter oder dahinter Krösche-  welche die Eintracht mächtig ins Hintertreffen bringen. Und etwa um die U17 herum werden diese Dinge hochakut. Bis dahin waren die Kinder und Jugendlichen noch halbwegs regionalstolz, dem NLZ anzugehören. Ab dann spätestens, die Jungs sind einigermaßen entwickelt, die Scouts hatten lange Zeit, Entwicklungen und Fortschritte zu beobachten, die Jungs stehen auf den Zetteln, sie werden gelockt. Wofür werden sie und ihre Eltern und Berater sich entscheiden? Ganz sicher für das professionellste, was man geboten bekommen kann, fußballerisch, schulisch, Unterbringung, Vertrag, Vergütung, kurzum, für das beste Umfeld.
Hoffenheim und Leipzig waren nur mir bekannte Beispiele, Bayern und Dortmund sind noch prominenter, unter den Eltern am Riederwald wurden auch Mainz und Freiburg hoch gehandelt, diese besonders wegen ihrer Durchlässigkeit.

Ich sage etwas überspitzt, am Riederwald bleiben nur diejenigen bis zur U19, die keine Begehrlichkeiten bei Konkurrenten wecken konnten  -ich räume ein, selbstverständlich aber auch die, welche aus sozialen, schulischen und sonstwelchen Gründen ihr Elternhaus (noch) nicht verlassen wollen.
Allerdings: diejenigen, die die früheste Möglichkeit ergreifen, haben da schon die professionellere Einstellung. Profifußballer sein heißt, mobil und selbsständig sein zu müssen.

Noch eine Bemerkung zur weiteren Karriere nach der U19 bei der Eintracht. Auch die U21 ist nicht das Gelbe vom Ei. Schon garnicht, wenn die in der Hessenliga spielt. Das ist keine adäquate Weiterbildung im Männerfußball, aus einem NLZ kommend. Selbst die Regionalliga sollte für einen sehr guten oder guten U19er zu gering sein. Natürlich gibt es gute Umwege, schönes Beispiel ist Elias Baum. Dem NLZ treu geblieben (Schule/Abitur, familiäre Bande), da stellte sich schon die Frage, ob das zu zögerlich sein könnte. Dann aber ein Jahr U21 Stammspieler  -und danach die Riesenchance Zweite Liga Elversberg. Dort undisputed Stammspieler  -toll aufgegangen, diese Rechnung.
Nebenbei: Baum ist 2005er Jahrgang. Diesen Jahrgang habe ich intensiv beobachtet von der U12 (damals jüngster Einstiegsjahrgang) bis zur U19. Diese Mannschaft hat alles in Grund und Boden gespielt, sie war gespickt mit Landesauswahl- und DFB-Spielern. Bis zur U17  hat diese Mannschaft in unveränderter Besetzung gespielt, dann begann es leicht zu bröckeln. Bis zur U19 war die Mannschaft dann noch oberes Mittelmaß. Wer von dieser Mannschaft ist übriggeblieben? Genau, Elias Baum. Alle anderen, zum Teil deutlich begabter, sind weit unterklassig gelandet oder gänzlich vom Radar verschwunden. Das ist bittere Realität, das ist quasi das Normalergebnis. Alles andere ist die große Ausnahme. Und um diese seltene große Ausnahme geht der Kampf der NLZ. Und somit in der Spitze ohne unser NLZ.

Andere, Tom Bischof aus dem Odenwald, frühzeitig ins NLZ Hoffenheim gegangen, ist auf Anhieb Faststamm bei Bayern, Kollege Max Moerstedt, ebenfalls NLZ Hoffenheim, Faststamm ebendort. Auch eine schöne Möglichkeit: Ayoube Amaimouni-E., U19 Bielefeld, Rotweiß-Essen, Erkenschwick, Hoffenheim II 3. Liga  -und dann der Sprung in die Bundesliga.

Lange Rede, kurzer Sinn. Ein ambitionierter Spieler sollte, aus einer U19 kommend, möglichst hochklassig Männerfußball spielen. Also keinesfalls Oberliga, bestenfalls nicht mal Regionalliga.
Die künftige Planung (oder ist es schon beschlossen?), die U21 in einer eigenen Liga spielen zu lassen, halte ich für fragwürdig. Was sollen solche Jahrgangswettbewerbe, die die Jungs schon immer gegeneinander gespielt haben?
Ich wundere mich, warum das auch unser Krösche mit aus der Taufe gehoben hat? Wo bleibt die ewige Erkenntnis, dass der Übergang vom Jugendfußball zum Männerfußball der schwerste Schritt sei? Sollte man den dann nicht mal endlich gehen, statt ihm weiter auszuweichen?

Mein Fazit zum NLZ: die Eintracht ist leider ziemlich abgehängt worden. Das hat ganz ursächlich zu tun mit den Steinen (Steine und Beine).  Böten die Steine ein besseres, ein gutes Fundament, könnte man über die personelle Besetzung sprechen.

Sorry für die Länge.
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Vielen Dank - da bin ich ganz bei Dir. Du beschreibst die Situation dort sehr richtig - vielleicht liegt es wirklich nicht an den Köpfen, sondern den von Dir aufgeführten Punkten.
Ich selbst bin in Bornheim und Seckbach aufgewachsen, also ganz in der Nähe des Riederwalds. Ich erinnere mich, als Peter Fischer im Jahr 2000 stolz den Ausbau des Riederwalds verkündete und ich dachte: was soll denn das ? Wer schickt denn als Eltern seine Kinder in diese trostlose Gegend.??
Auf die anderen, negativen Antworten auf meinen Ursprungspost möchte ich nicht näher eingehen. ich bin nun mal auch nicht sehr beliebt hier im Forum. Sollen sich die Betreffenden freuen, wie toll alles in ihren Augen läuft. Für mich stellt sich nun mal als zugegebenermaßen Nicht-Insider einfach die nackte Realität dar: und da ist es so, dass am Ende nichts Gescheites rauskommt, und das seit Jahren. Das war früher trotz der rostigen Duschen und der Kakerlaken ja besser, was natürlich auch den Zeiten liegen kann, die sich geändert haben. Früher war ich bei jedem Jugend- und Amateurspiel dabei, und habe mich daran gefreut, aus wem vielleicht mal ein BL-Spieler werden könnte - und aus wem nicht. Ich habe einige große Talente kommen sehen, oft aber wurden auch große Hoffnungen enttäuscht. Wer von den Älteren erinnert sich nicht an Ronny Borcher, Wolfgang Kraus, Wolfgang Trapp, Fips Wacker (leider erkrankt), Holger Anthes (vom FSV geholt und auch nach Verletzung nicht auf die Beine gekommen), Fred Schaub (von dem mir ein damaliger A-Jugendspieler des FSV schon damals sagte, er hätte bei weitem nicht das Talent eines Rudi Völler aus Offenbach), dem großmäuligen Anicic (immerhin viele Spiele gemacht in der BL), Tisi Hagner (mega in der Jugend und anfänglich auch bei den Profis), Becker (eine Mischung aus Hölzenbein und Hoeneß hieß es damals), Harald Krämer (immerhin auch einige Tore gemacht in der BL), die Weise Bubis Binz, Falkenmayer, Kraaz, Bertold & Co, Thomas Reis, Thomas Sobotzik,Patrick Falk, später Russ, Ochs (kam von der FG Seckbach; ich kannte die Familie sehr gut) usw usw . Was ich damit sagen will: es wäre schön, wenn es heute nur halb so viele der tollen Talente, die Don Guillimero so aufgeführt als Ausweis für die tollen Leistungen des NLZ es tatsächlich auch mal schaffen würden...Erst dann bin ich bereit zu loben. Und wenn an meiner Kritik gekrittelt wird, bei anderen Vereinen sei es auch nicht besser: oh doch, es ist viel besser bei anderen, bei den blöden Mainzern schon lange, bei Hoffenheim und bei den Bayern, sogar offenbar bei der Hertha und sicherlich noch einigen anderen Vereinen mehr. .
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DonGuillermo schrieb:
Staff wird zum 18. Geburtstag im Juni sicher einen Profivertrag erhalten und so wie Gradascevic gefördert wird, mache ich mir da wegen eines Abgangs ebenfalls keine Sorgen. Entweder stimmt da die Angabe nicht oder es gibt schon eine entsprechende Absprache.


Und auch bei Gradascevic wurde die Vertragsverlängerung nun offiziell verkündet.

U.K. schrieb:

DonGuillermo schrieb:

Harangi wird vermutlich jetzt noch mal (gibt Gerüchte aus Ungarn), spätestens aber im Sommer höherklassig verliehen.

https://www.fussballtransfers.com/a642851596579683735-eintracht-vermeldet-spaeten-abgang
Ist wohl fix.


Ist nun aber wohl leider ein fester Wechsel ohne Rückkaufoption geworden. Zumindest wurde nirgendwo eine erwähnt, auch nicht in den Medien. Dass die Eintracht selbst so etwas nicht bekannt gibt, gab es in der Vergangenheit schon öfter. Finde ich tatsächlich etwas schade. Harangi hat mir in der Regionalliga und bei den Testspielen für die Profis echt gut gefallen. Dass er sich sofort bei einem Spitzenteam der MLS durchsetzen konnte und jetzt auch in Europa in eine erste Liga wechselt, zeigt, dass er auf jeden Fall eine gewisse Qualität mitbringt.

Nachdem Buta gewechselt ist und auch Chandler im Sommer seine Karriere wohl beenden wird sowie auf der anderen Seite ein Abgang von Brown im Raum steht und auch Nkounkou im Sommer wahrscheinlich abgegeben werden soll, hätte ich bei Harangi schon die Perspektive zum Kaderspieler gesehen. Zumal er auf beiden Seiten Außenverteidiger und zusätzlich im defensiven Mittelfeld spielen kann, also eine große Flexibilität mitbringt.

Genau für diese Rollen im Kader muss es das Ziel sein, mehr Eigengewächse bei den Profis zu etablieren. Da haben wir auch in den vergangenen Jahren für zu viele Spieler relativ teure Ablösen oder Gehälter bezahlt, die dann im Endeffekt die Erwartungen nicht erfüllt haben. Es müssen ja nicht immer Stammspieler sein, aber wenn man diese Posten mit Spielern aus dem eigenen NLZ besetzen kann, wäre das schon ein großer Gewinn für den Verein. Auch im Hinblick auf weitere Faktoren wie die Kaderlisten für die Europapokalwettbewerbe, wo vier Eigengewächse für die A-Liste Pflicht sind oder man dann (wie wir in den letzten Jahren) nicht die vorgesehenen 25 Spieler nominieren darf.

Letztendlich muss man einen Fall wie Harangi aber auch als Erfolg des NLZ verbuchen. Man hat dem Spieler den Sprung in eine Profiliga ermöglicht und vermutlich eine entsprechende Ablöse erzielt. Auch das sind Erfolge, mit denen man zukünftige Talente davon überzeugen kann, in Frankfurt zu bleiben. Warum es jetzt am Ende Ungarn geworden ist und nicht zurück in die MLS ging? Darüber kann ich auch nur spekulieren. Harangi hat ja auch ungarische Wurzeln und könnte künftig auch auf Nationalmannschaftsebene wieder für Ungarn spielen. Dann ergibt ein Wechsel nach Ungarn sicher mehr Sinn.

Bechtheim85 schrieb:
Ja, vielen Dank, tolle und sehr detaillierte Informationen, die nahelegen, dass Du eine enge Verbindung zum NLZ hast.Das bekommt man sonst nirgends, allenfalls bruchstückhaft zu lesen.


Habe ich tatsächlich nicht. Jedenfalls nicht mehr als zur Profimannschaft oder den Frauen. Ich interessiere mich als Fan einfach für Eintracht Frankfurt und verfolge jede Mannschaft so gut wie möglich.

Bechtheim85 schrieb:
Was es für den Profikader wirklich bedeuten wird, ist allerdings noch völlig ungewiss. Bis jetzt jedenfalls hat  noch kein Spieler aus dem NLZ  den Sprung in den Stammkader der Profis geschafft, auch Baum nicht. da war Barkok ja näher dran... Warten wir also ab, wie es in zwei oder drei Jahren hoffentlich aussieht.Ob einzelne Spieler in der 2. oder 3. Liga oder in Ungarn erfolgreich, ist für mich nachrangig, es geht alleine um den Nachwuchs in der Profimannschaft.


Das ist sicher richtig, aber der Verein ist in den letzten acht Jahren auch enorm gewachsen. Barkok ist in eine Mannschaft gekommen, die ein paar Monate vorher fast abgestiegen wäre und für 2,5 Millionen Euro externe Spieler gekauft hat. Baum ist im Sommer in eine Mannschaft gekommen, die sich für die Champions League qualifiziert hat und Transferausgaben in Höhe von 67 Millionen Euro verzeichnet hat. Diesen Kontext sollte man bei dem Vergleich nicht außer Acht lassen.

Wir sind uns sicher einig darüber, dass die Entwicklung von Profispielern für den eigenen Verein das höchste Ziel der Ausbildung sein sollte. Für mich kann das aber nicht der einzige Parameter bei der Bewertung der Verantwortlichen sein. Warum ich im Gegenzug zu dir Alex Richter für einen Glücksgriff und die aktuelle Situation und Entwicklung des NLZ nicht für erbärmlich halte, habe ich denke ich bereits lang und breit ausgeführt.

Bechtheim85 schrieb:
Aber vermutlich ist es sonneklar, dass meine Bedenken nur gequirlter Mist sind.


Ein paar andere User haben dich ja auch schon darauf hingewiesen, dass Teile deiner Kritik absolut substanzlos sind, weil du offensichtlich nicht das aktuelle System im Jugendfußball verstehst. Bis auf die U21 im vergangenen Jahr gab es keinen Abstieg, weil man als zertifiziertes NLZ in der U19 sowie der U17 überhaupt nicht mehr absteigen kann. Man spielt jetzt lediglich ein halbes Jahr in einer Liga mit anderen NLZs, die in der Vorrunde ebenfalls nicht so gut abgeschnitten haben, sowie mit den Meistern aus den Regionalligen.

Das ist übrigens auch einer der Hauptgründe, warum dieses System überhaupt eingeführt wurde. Weil die Mannschaften durch die fehlende Abstiegsmöglichkeit nicht mehr den großen Ergebnisdruck haben und der Fokus stattdessen verstärkt auf der individuellen Entwicklung liegt. Und wie bereits von mir ausgeführt, war das gerade in der U17 mit den zahlreichen Jungjahrgängen der Hauptgrund, warum man den Sprung in die A-Liga verpasst hat.

Bechtheim85 schrieb:
Es wäre interessant zu erfahren, wie die Leiter anderer NLZs die Qualität unseres NLZ unter Alex Richter so beurteilen. Das gäbe eine besseres Bild als die Ausführungen eines SGE-Insiders.


Alex Richter hat zuletzt öffentlich in Interviews zumindest verlauten lassen, dass er mit seinem Kollegen Volker Kersting vom hochgelobten Konkurrenten Mainz 05 ein sehr gutes Verhältnis pflegt und sich der Abstand zwischen den beiden NLZs sichtbar verringert hat. Mittlerweile hat man wohl auch ein Agreement, dass man sich gegenseitig keine Spieler mehr abwirbt. Noch zu Beginn seiner Amtszeit soll Richter "überrascht davon gewesen sein, dass täglich mehrere Mainzer Kleinbusse durch Frankfurt gefahren sind und Spieler abgeholt haben". (https://www.fr.de/eintracht-frankfurt/league-die-eintracht-setzt-auf-den-eigenen-nachwuchs-und-spielt-youth-94151835.html)

Ich kann dir gerne auch noch eine weitere Quelle dafür geben, wie die Leiter der anderen NLZs Alex Richter und seine Arbeit so beurteilen: Zusammen mit Kersting, Finn Holsing (Bielefeld), Dominic Peitz (Kiel), Jochen Sauer (Bayern), Paul Schaffran (Dortmund), Andreas Steiert (Freiburg), Michael Wiesinger (Nürnberg) und Manfred Paula (1860) ist er Teil der DFL-Kommission "Leistungszentren", die direkt von den Vertretern der 56 deutschen NLZs gewählt wird. Du kannst also getrost davon ausgehen, dass die anderen NLZ-Leiter ihn nicht für einen Vollblinden halten, wenn er in solch ein Gremium gewählt wird. (https://www.dfl.de/de/ueber-uns/dfl-deutsche-fussball-liga-ev/dfl-kommissionen/)

SemperFi schrieb:

upandaway schrieb:

Don Guillermos Insiderwissen in allen Ehren, aber was er alles anführt, ist schlicht obsolet.


Ich glaube ihr seid gar nicht so weit voneinander weg, denn ich bin mir sicher, dass er Dir in vielen Punkten zustimmt. Sein Fokus in der Betrachtung lag halt auf Personen und Änderungen durch die Personen (da ja Personen angegriffen wurden)


Das kann ich so nur unterstreichen. UAA hat in seinen Ausführungen zu den infrastrukturellen Gegebenheiten in so ziemlich jedem Punkt recht. Das ist ja auch nicht zu übersehen, wenn man selbst vor Ort ist oder wie von UAA angegeben sogar mehrmals die Woche selbst an den Riederwald fahren musste. Im Grunde genommen war ja direkt nach dem Neubau der Geschäftsstelle am Riederwald vor 15 Jahren schon klar, dass die Kapazitäten des NLZs dort viel zu knapp für die Ansprüche des modernen Fußballs sind. Leider haben Verein und AG damals noch mehr gegen- statt miteinander gearbeitet.

Ich würde aber zum einen insgesamt nicht zu so einem niederschmetternden Fazit kommen und zum anderen war es eben nicht mein Punkt. Der Ausgangspunkt der Diskussion war die Kritik an der Arbeit von Richter. Und die war eben in meinen Augen in weiten Teilen völlig unberechtigt und wie es UAA auch schon angemerkt hat, ist Richter bezüglich der Infrastruktur weder verantwortlich noch wird er sie großartig ändern können.

In einem vereinseigenen Interview (https://nachwuchs.eintracht.de/news/den-einzelnen-spieler-im-fokus-160882) hat er vor eineinhalb Jahren auch genau diese Problematik beschrieben und ausgesagt, dass es sein größter Wunsch wäre, diese Situation zu ändern. Dass der Verein da nur bedingt eine Handhabe hat, sollte allerdings klar sein. Innerhalb von Frankfurt wird man wohl kaum ein ausreichend großes Gelände für einen kompletten Neubau eines modernen NLZs zugesprochen geschweige denn finanziert bekommen. Die selbsternannte Sportstadt Frankfurt hat es schließlich auch über 25 Jahre lang versäumt überhaupt mal eine moderne Sporthalle auf den Weg zu bringen.

Im Rahmen der Möglichkeiten hat man meiner Meinung nach aber zuletzt die richtigen Maßnahmen getroffen. Das NLZ wurde endlich vom Verein in die AG ausgegliedert, womit man die Strukturen unter anderem durch eine bessere Finanzierung professionalisieren konnte. Für die zweite Mannschaft hat man in Dreieich eine adäquate Heimat gefunden, ohne den Standort am Riederwald weiter zu belasten. Ich sehe auch den beschlossenen Anbau für das NLZ am Riederwald als wichtigen Schritt an, der zudem in der Geschäftsstelle Platz für die restlichen Abteilungen schafft. Denn auch bei den anderen Sportarten ist das Vereinspräsidium ja sehr bemüht, weitere Kapazitäten in Frankfurt zu schaffen und hatte damit in den vergangenen Jahren auch erste Erfolge, siehe die Anschubbahn für den Bobsport.

Leider hat man durch die zusätzliche Eingliederung des FFC Frankfurt wohl weder im Stadtwald noch in Dreieich die Kapazitäten gehabt, um auch der U19 und der U17 ein besseres Umfeld zu bieten. Vor Baubeginn des Proficamps war es ja durchaus angedacht, dass auch die U19 und die U17 in den Stadtwald ziehen. Da war auch noch von zusätzlichen Trainingsplätzen die Rede, die ja nicht entstanden sind. Die fünf Trainingsplätze (wobei der eine ja mittlerweile wegen des Businesszelts nicht mehr genutzt wird) wären vielleicht noch ausreichend geworden, aber selbst die Frauen sind ja was die Räumlichkeiten angeht nur relativ zweckmäßig in der Wintersporthalle untergekommen. Das war für die Frauen sicher erst mal ein großer Fortschritt, dürfte aber in einigen Jahren auch nicht mehr dem Standard gerecht werden.

Ich würde dennoch auf einige Punkte gerne noch einmal konkret eingehen.

upandaway schrieb:
Das NLZ hat viel zu wenig Internatsplätze. Diese sind natürlich immer belegt, weitere Plätze, die auch mal ein etwas weiter gestecktes Einzugsgebiet bedienen würden, gibt es nicht.


Das ist sicher ein Problem, aber dafür kann man Lösungen finden. Dass das dann kein optimaler Zustand ist, weiß ich auch. Die Mainzer besitzen aber beispielsweise auch kein vereinseigenes Internat (das allerdings in den kommenden Jahren durch ein neues Gebäude am Bruchweg entstehen soll), sondern kooperieren mit dem Kolpinghaus, das Plätze für Nachwuchsspieler zur Verfügung stellt. Für volljährige Spieler im Nachwuchsbereich hat die Eintracht soweit ich weiß auch einige Wohnungen in Frankfurt angemietet, um zusätzliche Kapazitäten zu schaffen.

Grundsätzlich halte ich es aber auch für richtig, dass sich die Eintracht auf das direkte Einzugsgebiet fokussiert. Zum einen, weil Frankfurt und das Rhein-Main-Gebiet groß genug sind, um genügend talentierte Spieler zu finden. Zum anderen weil ich es für falsch halte, Jugendliche (im Zweifelsfall für viel Geld) aus dem gewohnten Umfeld zu reißen.

upandaway schrieb:
Hoffenheim und Leipzig waren nur mir bekannte Beispiele, Bayern und Dortmund sind noch prominenter, unter den Eltern am Riederwald wurden auch Mainz und Freiburg hoch gehandelt, diese besonders wegen ihrer Durchlässigkeit.


Und genau deshalb muss man sich mit möglichst guter Arbeit einen Ruf wie Mainz oder Freiburg erarbeiten, damit man die Spieler mit sportlichen Argumenten überzeugen kann. So wie wir bei den Profis mit den absoluten Topteams oder extern finanzierten Vereinen infrastrukturell oder finanziell nicht mithalten können, ist es eben auch in der Jugend. Wobei ich mal anmerken will, dass die oft hochgelobte Jugend von Leipzig zwar regelmäßig gute Ergebnisse erzielt, allerdings auch kaum Spieler für den Profibereich entwickelt. Und da werden ganz andere Summen investiert.

upandaway schrieb:
Ich sage etwas überspitzt, am Riederwald bleiben nur diejenigen bis zur U19, die keine Begehrlichkeiten bei Konkurrenten wecken konnten.


Das mag sicher lange Zeit so gewesen sein. Das hat sich meiner Meinung nach aber auch schon verändert. An Ebu Bekir Is und Alexander Staff waren sicher auch andere Bundesligisten in den letzten Jahren interessiert. Bei Is gilt beispielsweise ein Interesse aus Stuttgart als verbrieft. Und bei Niko Ilicevic war zuletzt sogar vom Interesse absoluter internationaler Spitzenteams wie Real Madrid, Chelsea oder Milan die Rede. Dem hat man aber letzten Sommer mit seinem Testspieleinsatz im Alter von 14 Jahren schon überdeutlich gemacht, dass er so schnell wie möglich zu den Profis durchgeschoben wird.

Es kann und wird aber natürlich trotzdem auch weiterhin vorkommen, dass uns große Talente abgeworben werden. Lennart Karl vor einigen Jahren ist da das aktuellste Beispiel, ein Emre Can, Niklas Süle, Jeff Chabot oder Marvin Schwäbe wurden ja auch schon genannt. Das lässt sich dann aber eben auch nicht immer verhindern. Seit Richter im Amt ist, hat sich das schon deutlich verringert. Lediglich Hoffenheim hat uns in den letzten Jahren noch den einen oder anderen vielversprechenden Spieler abgeworben wie zuletzt Natnael Abraha.

Manolo Merx und Kelvin Kunstmann, die man beide nach Darmstadt abgegeben hat, sind für mich Grenzfälle, bei denen es möglicherweise aber auch an der individuellen Talenteinschätzung lag. In beiden Fällen hat man wohl zumindest eine Ablöse erhalten und die Spieler kommen auch aus Darmstadt bzw. Pfungstadt, was für einen Wechsel gesprochen haben könnte. Ansonsten fällt mir spontan nur noch Luka Vulin ein, den man wohl gerne gehalten hätte, der aber letzten Sommer zu Union Berlin gewechselt ist.

upandaway schrieb:
Wer von dieser Mannschaft ist übriggeblieben? Genau, Elias Baum. Alle anderen, zum Teil deutlich begabter, sind weit unterklassig gelandet oder gänzlich vom Radar verschwunden. Das ist bittere Realität, das ist quasi das Normalergebnis. Alles andere ist die große Ausnahme.


Auch das ist mir selbstverständlich klar. Deshalb spreche ich auch immer von Perspektive und Potenzial zum Profispieler. Die Realität ist letztendlich, dass es im Durchschnitt pro Verein vielleicht einer, maximal zwei Spieler pro Jahrgang auf das höchste Niveau schafft. Und auch da ist der Weg nicht immer vorgezeichnet. Aymen Barkok war in seinen Teams jetzt auch nicht der Überflieger.

Aber auch da hat sich die Situation finde ich schon deutlich gebessert. Wenn ich mir meine Posts vor einigen Jahren über den Jugendbereich anschaue, dann habe ich damals über Spieler wie Fynn Otto, Felix Irorere, Mason Judge, Ali Loune, Hüseyin Bakirsu und Jong Min Seo gesprochen, bei denen ich mir eine Profikarriere vorstellen konnte. Das umfasst für mich in Deutschland dann aber auch die ersten drei Ligen und vielleicht noch Topteams der Regionalliga.

Otto ist mittlerweile Stammspieler bei einem Spitzenteam der dritten Liga, Irorere stand in der zweiten Liga bei Karlsruhe unter Vertrag, hat den Sprung in den Herrenbereich aufgrund von vielen schweren Verletzungen aber nie geschafft. Judge hat es tatsächlich nur bis in die fünfte Liga geschafft, Bakirsu immerhin in die vierte Liga, bevor er nach zwei Kreuzbandrissen seine Profikarriere wohl beenden musste. Loune und Seo haben es zu Einsätzen in der zweiten Liga gebracht und spielen aktuell in der zweiten belgischen bzw. der zweiten österreichischen Liga. So verkehrt habe ich damals also nicht gelegen.

Mit den angebrachten Beispielen Elias Baum, Nacho Ferri oder jetzt auch Aiden Harangi und Noah Fenyö bewegen wir uns da zuletzt aber schon auf einem höheren Niveau. Fairerweise kann man auch da jetzt dagegen argumentieren, dass noch niemand den Durchbruch auf dem allerhöchsten Niveau geschafft hat, aber es ist schon eine positive Entwicklung zu sehen.

upandaway schrieb:
Lange Rede, kurzer Sinn. Ein ambitionierter Spieler sollte, aus einer U19 kommend, möglichst hochklassig Männerfußball spielen. Also keinesfalls Oberliga, bestenfalls nicht mal Regionalliga.


Auch das ist sicher richtig, aber nicht universell zutreffend. Zum einen bietet eine zweite Mannschaft in der Regionalliga den Vorteil, dass man Jugendspieler schon frühzeitig an den Herrenfußball heranführen kann. So haben Ebu Bekir Is und Alexander Staff beispielsweise schon mit 16 Jahren, also noch im U17-Bereich, erste Erfahrungen in der zweiten Mannschaft sammeln können. Bei Niko Ilicevic würde es mich nicht wundern, wenn der mit dem 16. Geburtstag sogar schon direkt zu den Profis gezogen wird, was bei den absoluten Toptalenten sicher der Idealfall ist.

Zum anderen gibt es eben Spieler, für die der Sprung mit 18 Jahren aus verschiedenen Gründen noch zu früh kommt. Mit Younes Ebnoutalib haben wir da das beste Beispiel im eigenen Kader. Der hat vor zwei Jahren im Alter von 20 Jahren noch in der Regionalliga auf einer Stufe mit unserer zweiten Mannschaft gespielt. Im Idealfall hat man durch eine zweite Mannschaft bei solchen Spielern noch etwas länger die Hand drauf und kann die Entwicklung (auch durch höherklassige Leihen) steuern. In solch einem Fall hätten wir uns jedenfalls die 8 Millionen Euro Ablöse sparen können.

upandaway schrieb:
Die künftige Planung (oder ist es schon beschlossen?), die U21 in einer eigenen Liga spielen zu lassen, halte ich für fragwürdig. Was sollen solche Jahrgangswettbewerbe, die die Jungs schon immer gegeneinander gespielt haben? Ich wundere mich, warum das auch unser Krösche mit aus der Taufe gehoben hat?


Hierzu kurz zur Erklärung: Ja, dieser Wettbewerb ist schon mehr oder weniger beschlossene Sache (die offizielle Abstimmung findet bei der DFL-Mitgliederversammlung am 3. März statt) und soll bereits zur kommenden Saison eingeführt werden. Die Teilnahme an dieser reinen U21-Spielrunde ist aber zum einen freiwillig und wird zum anderen die zweiten Mannschaften im regulären Ligabetrieb nicht ersetzen. Das würde ich sonst auch genau wie du als vollkommen falsches Signal werten.

Die Spiele finden parallel zum regulären Ligabetrieb statt und dienen einzig und allein der zusätzlichen Spielpraxis. Wenn also ein Spieler in der zweiten Mannschaft noch nicht so zum Zug kommt, weil beispielsweise auf seiner Position einer der älteren Führungsspieler Stammkraft ist, bekommt er über die U21-Spielrunde eine weitere Möglichkeit, um Spielpraxis zu erhalten. Die Ansetzungen sollen auch relativ kurzfristig und in verschiedenen Varianten, beispielsweise auch 3 x 45 Minuten, möglich sein (https://www.sportschau.de/fussball/bundesliga/Nachwuchsproblem,u21-spielrunde-einfuehrung-102.html).

Bechtheim85 schrieb:
Für mich stellt sich nun mal als zugegebenermaßen Nicht-Insider einfach die nackte Realität dar: und da ist es so, dass am Ende nichts Gescheites rauskommt, und das seit Jahren.


Das liegt aber auch daran, dass der Jugendbereich bei der Eintracht über viele Jahre vernachlässigt wurde bzw. es keinerlei umfassende Ausrichtung gab. Das lässt sich eben nicht alles einfach so aufholen. Weil du einen Vergleich zwischen Krösche und Richter gebracht hast: Bei einer Profimannschaft kannst du die Probleme im Idealfall in einer Transferperiode beheben. Bei einer ganzen Jugendabteilung eben nicht.

In der Regel sagt man, dass es im Jugendbereich fünf Jahre lang dauert, bis sich Veränderungen richtig durchschlagen und in Resultaten bemerkbar machen. Demnach hätte Richter also noch ein Jahr Zeit, bis man die Arbeit konkret bewerten kann. Aber ich habe ja bereits sehr ausführlich geschildert, warum sich die Situation meiner Meinung nach schon in der bisherigen Amtszeit deutlich verbessert hat.

Da hilft mir jetzt auch kein Vergleich, der bis in die 70er-, 80er- und 90er-Jahre zurückgeht. Es stimmt natürlich, dass die Eintracht von den späten 70ern bis zu den frühen 90ern noch zu den führenden Jugendabteilungen Deutschlands gehört und bis vor circa 15 Jahren noch halbwegs regelmäßig Profispieler produziert hat. Das waren aber noch ganz andere Zeiten, als die Spieler grundsätzlich heimatverbundener waren (auch, weil sie neben der Fußballkarriere teilweise noch einen zweiten Job hatten) und jahrelang beim selben Verein geblieben sind.

Der heutige Fußball hat sich grundlegend verändert, Stichwort Bosman-Urteil. Das ist im Jugendfußball nicht anders, wo früher sicher nicht so aggressiv Spieler abgeworben wurden. Zudem gab es bis in die 90er hinein noch eine strenge Auslegung der Ausländerregel, nach der nur drei ausländische Spieler pro Verein zum Einsatz kommen durften, bevor man das zuerst für EU-Bürger und seit 2006 komplett aufgehoben hat. Da die Kader also ohnehin zu 95 Prozent aus deutschen Spielern bestehen mussten, gab es zu dieser Zeit logischerweise auch deutlich mehr Spieler in der Bundesliga, die aus den eigenen Nachwuchsabteilungen der Vereine stammten.
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DonGuillermo schrieb:
Staff wird zum 18. Geburtstag im Juni sicher einen Profivertrag erhalten und so wie Gradascevic gefördert wird, mache ich mir da wegen eines Abgangs ebenfalls keine Sorgen. Entweder stimmt da die Angabe nicht oder es gibt schon eine entsprechende Absprache.


Und auch bei Gradascevic wurde die Vertragsverlängerung nun offiziell verkündet.

U.K. schrieb:

DonGuillermo schrieb:

Harangi wird vermutlich jetzt noch mal (gibt Gerüchte aus Ungarn), spätestens aber im Sommer höherklassig verliehen.

https://www.fussballtransfers.com/a642851596579683735-eintracht-vermeldet-spaeten-abgang
Ist wohl fix.


Ist nun aber wohl leider ein fester Wechsel ohne Rückkaufoption geworden. Zumindest wurde nirgendwo eine erwähnt, auch nicht in den Medien. Dass die Eintracht selbst so etwas nicht bekannt gibt, gab es in der Vergangenheit schon öfter. Finde ich tatsächlich etwas schade. Harangi hat mir in der Regionalliga und bei den Testspielen für die Profis echt gut gefallen. Dass er sich sofort bei einem Spitzenteam der MLS durchsetzen konnte und jetzt auch in Europa in eine erste Liga wechselt, zeigt, dass er auf jeden Fall eine gewisse Qualität mitbringt.

Nachdem Buta gewechselt ist und auch Chandler im Sommer seine Karriere wohl beenden wird sowie auf der anderen Seite ein Abgang von Brown im Raum steht und auch Nkounkou im Sommer wahrscheinlich abgegeben werden soll, hätte ich bei Harangi schon die Perspektive zum Kaderspieler gesehen. Zumal er auf beiden Seiten Außenverteidiger und zusätzlich im defensiven Mittelfeld spielen kann, also eine große Flexibilität mitbringt.

Genau für diese Rollen im Kader muss es das Ziel sein, mehr Eigengewächse bei den Profis zu etablieren. Da haben wir auch in den vergangenen Jahren für zu viele Spieler relativ teure Ablösen oder Gehälter bezahlt, die dann im Endeffekt die Erwartungen nicht erfüllt haben. Es müssen ja nicht immer Stammspieler sein, aber wenn man diese Posten mit Spielern aus dem eigenen NLZ besetzen kann, wäre das schon ein großer Gewinn für den Verein. Auch im Hinblick auf weitere Faktoren wie die Kaderlisten für die Europapokalwettbewerbe, wo vier Eigengewächse für die A-Liste Pflicht sind oder man dann (wie wir in den letzten Jahren) nicht die vorgesehenen 25 Spieler nominieren darf.

Letztendlich muss man einen Fall wie Harangi aber auch als Erfolg des NLZ verbuchen. Man hat dem Spieler den Sprung in eine Profiliga ermöglicht und vermutlich eine entsprechende Ablöse erzielt. Auch das sind Erfolge, mit denen man zukünftige Talente davon überzeugen kann, in Frankfurt zu bleiben. Warum es jetzt am Ende Ungarn geworden ist und nicht zurück in die MLS ging? Darüber kann ich auch nur spekulieren. Harangi hat ja auch ungarische Wurzeln und könnte künftig auch auf Nationalmannschaftsebene wieder für Ungarn spielen. Dann ergibt ein Wechsel nach Ungarn sicher mehr Sinn.

Bechtheim85 schrieb:
Ja, vielen Dank, tolle und sehr detaillierte Informationen, die nahelegen, dass Du eine enge Verbindung zum NLZ hast.Das bekommt man sonst nirgends, allenfalls bruchstückhaft zu lesen.


Habe ich tatsächlich nicht. Jedenfalls nicht mehr als zur Profimannschaft oder den Frauen. Ich interessiere mich als Fan einfach für Eintracht Frankfurt und verfolge jede Mannschaft so gut wie möglich.

Bechtheim85 schrieb:
Was es für den Profikader wirklich bedeuten wird, ist allerdings noch völlig ungewiss. Bis jetzt jedenfalls hat  noch kein Spieler aus dem NLZ  den Sprung in den Stammkader der Profis geschafft, auch Baum nicht. da war Barkok ja näher dran... Warten wir also ab, wie es in zwei oder drei Jahren hoffentlich aussieht.Ob einzelne Spieler in der 2. oder 3. Liga oder in Ungarn erfolgreich, ist für mich nachrangig, es geht alleine um den Nachwuchs in der Profimannschaft.


Das ist sicher richtig, aber der Verein ist in den letzten acht Jahren auch enorm gewachsen. Barkok ist in eine Mannschaft gekommen, die ein paar Monate vorher fast abgestiegen wäre und für 2,5 Millionen Euro externe Spieler gekauft hat. Baum ist im Sommer in eine Mannschaft gekommen, die sich für die Champions League qualifiziert hat und Transferausgaben in Höhe von 67 Millionen Euro verzeichnet hat. Diesen Kontext sollte man bei dem Vergleich nicht außer Acht lassen.

Wir sind uns sicher einig darüber, dass die Entwicklung von Profispielern für den eigenen Verein das höchste Ziel der Ausbildung sein sollte. Für mich kann das aber nicht der einzige Parameter bei der Bewertung der Verantwortlichen sein. Warum ich im Gegenzug zu dir Alex Richter für einen Glücksgriff und die aktuelle Situation und Entwicklung des NLZ nicht für erbärmlich halte, habe ich denke ich bereits lang und breit ausgeführt.

Bechtheim85 schrieb:
Aber vermutlich ist es sonneklar, dass meine Bedenken nur gequirlter Mist sind.


Ein paar andere User haben dich ja auch schon darauf hingewiesen, dass Teile deiner Kritik absolut substanzlos sind, weil du offensichtlich nicht das aktuelle System im Jugendfußball verstehst. Bis auf die U21 im vergangenen Jahr gab es keinen Abstieg, weil man als zertifiziertes NLZ in der U19 sowie der U17 überhaupt nicht mehr absteigen kann. Man spielt jetzt lediglich ein halbes Jahr in einer Liga mit anderen NLZs, die in der Vorrunde ebenfalls nicht so gut abgeschnitten haben, sowie mit den Meistern aus den Regionalligen.

Das ist übrigens auch einer der Hauptgründe, warum dieses System überhaupt eingeführt wurde. Weil die Mannschaften durch die fehlende Abstiegsmöglichkeit nicht mehr den großen Ergebnisdruck haben und der Fokus stattdessen verstärkt auf der individuellen Entwicklung liegt. Und wie bereits von mir ausgeführt, war das gerade in der U17 mit den zahlreichen Jungjahrgängen der Hauptgrund, warum man den Sprung in die A-Liga verpasst hat.

Bechtheim85 schrieb:
Es wäre interessant zu erfahren, wie die Leiter anderer NLZs die Qualität unseres NLZ unter Alex Richter so beurteilen. Das gäbe eine besseres Bild als die Ausführungen eines SGE-Insiders.


Alex Richter hat zuletzt öffentlich in Interviews zumindest verlauten lassen, dass er mit seinem Kollegen Volker Kersting vom hochgelobten Konkurrenten Mainz 05 ein sehr gutes Verhältnis pflegt und sich der Abstand zwischen den beiden NLZs sichtbar verringert hat. Mittlerweile hat man wohl auch ein Agreement, dass man sich gegenseitig keine Spieler mehr abwirbt. Noch zu Beginn seiner Amtszeit soll Richter "überrascht davon gewesen sein, dass täglich mehrere Mainzer Kleinbusse durch Frankfurt gefahren sind und Spieler abgeholt haben". (https://www.fr.de/eintracht-frankfurt/league-die-eintracht-setzt-auf-den-eigenen-nachwuchs-und-spielt-youth-94151835.html)

Ich kann dir gerne auch noch eine weitere Quelle dafür geben, wie die Leiter der anderen NLZs Alex Richter und seine Arbeit so beurteilen: Zusammen mit Kersting, Finn Holsing (Bielefeld), Dominic Peitz (Kiel), Jochen Sauer (Bayern), Paul Schaffran (Dortmund), Andreas Steiert (Freiburg), Michael Wiesinger (Nürnberg) und Manfred Paula (1860) ist er Teil der DFL-Kommission "Leistungszentren", die direkt von den Vertretern der 56 deutschen NLZs gewählt wird. Du kannst also getrost davon ausgehen, dass die anderen NLZ-Leiter ihn nicht für einen Vollblinden halten, wenn er in solch ein Gremium gewählt wird. (https://www.dfl.de/de/ueber-uns/dfl-deutsche-fussball-liga-ev/dfl-kommissionen/)

SemperFi schrieb:

upandaway schrieb:

Don Guillermos Insiderwissen in allen Ehren, aber was er alles anführt, ist schlicht obsolet.


Ich glaube ihr seid gar nicht so weit voneinander weg, denn ich bin mir sicher, dass er Dir in vielen Punkten zustimmt. Sein Fokus in der Betrachtung lag halt auf Personen und Änderungen durch die Personen (da ja Personen angegriffen wurden)


Das kann ich so nur unterstreichen. UAA hat in seinen Ausführungen zu den infrastrukturellen Gegebenheiten in so ziemlich jedem Punkt recht. Das ist ja auch nicht zu übersehen, wenn man selbst vor Ort ist oder wie von UAA angegeben sogar mehrmals die Woche selbst an den Riederwald fahren musste. Im Grunde genommen war ja direkt nach dem Neubau der Geschäftsstelle am Riederwald vor 15 Jahren schon klar, dass die Kapazitäten des NLZs dort viel zu knapp für die Ansprüche des modernen Fußballs sind. Leider haben Verein und AG damals noch mehr gegen- statt miteinander gearbeitet.

Ich würde aber zum einen insgesamt nicht zu so einem niederschmetternden Fazit kommen und zum anderen war es eben nicht mein Punkt. Der Ausgangspunkt der Diskussion war die Kritik an der Arbeit von Richter. Und die war eben in meinen Augen in weiten Teilen völlig unberechtigt und wie es UAA auch schon angemerkt hat, ist Richter bezüglich der Infrastruktur weder verantwortlich noch wird er sie großartig ändern können.

In einem vereinseigenen Interview (https://nachwuchs.eintracht.de/news/den-einzelnen-spieler-im-fokus-160882) hat er vor eineinhalb Jahren auch genau diese Problematik beschrieben und ausgesagt, dass es sein größter Wunsch wäre, diese Situation zu ändern. Dass der Verein da nur bedingt eine Handhabe hat, sollte allerdings klar sein. Innerhalb von Frankfurt wird man wohl kaum ein ausreichend großes Gelände für einen kompletten Neubau eines modernen NLZs zugesprochen geschweige denn finanziert bekommen. Die selbsternannte Sportstadt Frankfurt hat es schließlich auch über 25 Jahre lang versäumt überhaupt mal eine moderne Sporthalle auf den Weg zu bringen.

Im Rahmen der Möglichkeiten hat man meiner Meinung nach aber zuletzt die richtigen Maßnahmen getroffen. Das NLZ wurde endlich vom Verein in die AG ausgegliedert, womit man die Strukturen unter anderem durch eine bessere Finanzierung professionalisieren konnte. Für die zweite Mannschaft hat man in Dreieich eine adäquate Heimat gefunden, ohne den Standort am Riederwald weiter zu belasten. Ich sehe auch den beschlossenen Anbau für das NLZ am Riederwald als wichtigen Schritt an, der zudem in der Geschäftsstelle Platz für die restlichen Abteilungen schafft. Denn auch bei den anderen Sportarten ist das Vereinspräsidium ja sehr bemüht, weitere Kapazitäten in Frankfurt zu schaffen und hatte damit in den vergangenen Jahren auch erste Erfolge, siehe die Anschubbahn für den Bobsport.

Leider hat man durch die zusätzliche Eingliederung des FFC Frankfurt wohl weder im Stadtwald noch in Dreieich die Kapazitäten gehabt, um auch der U19 und der U17 ein besseres Umfeld zu bieten. Vor Baubeginn des Proficamps war es ja durchaus angedacht, dass auch die U19 und die U17 in den Stadtwald ziehen. Da war auch noch von zusätzlichen Trainingsplätzen die Rede, die ja nicht entstanden sind. Die fünf Trainingsplätze (wobei der eine ja mittlerweile wegen des Businesszelts nicht mehr genutzt wird) wären vielleicht noch ausreichend geworden, aber selbst die Frauen sind ja was die Räumlichkeiten angeht nur relativ zweckmäßig in der Wintersporthalle untergekommen. Das war für die Frauen sicher erst mal ein großer Fortschritt, dürfte aber in einigen Jahren auch nicht mehr dem Standard gerecht werden.

Ich würde dennoch auf einige Punkte gerne noch einmal konkret eingehen.

upandaway schrieb:
Das NLZ hat viel zu wenig Internatsplätze. Diese sind natürlich immer belegt, weitere Plätze, die auch mal ein etwas weiter gestecktes Einzugsgebiet bedienen würden, gibt es nicht.


Das ist sicher ein Problem, aber dafür kann man Lösungen finden. Dass das dann kein optimaler Zustand ist, weiß ich auch. Die Mainzer besitzen aber beispielsweise auch kein vereinseigenes Internat (das allerdings in den kommenden Jahren durch ein neues Gebäude am Bruchweg entstehen soll), sondern kooperieren mit dem Kolpinghaus, das Plätze für Nachwuchsspieler zur Verfügung stellt. Für volljährige Spieler im Nachwuchsbereich hat die Eintracht soweit ich weiß auch einige Wohnungen in Frankfurt angemietet, um zusätzliche Kapazitäten zu schaffen.

Grundsätzlich halte ich es aber auch für richtig, dass sich die Eintracht auf das direkte Einzugsgebiet fokussiert. Zum einen, weil Frankfurt und das Rhein-Main-Gebiet groß genug sind, um genügend talentierte Spieler zu finden. Zum anderen weil ich es für falsch halte, Jugendliche (im Zweifelsfall für viel Geld) aus dem gewohnten Umfeld zu reißen.

upandaway schrieb:
Hoffenheim und Leipzig waren nur mir bekannte Beispiele, Bayern und Dortmund sind noch prominenter, unter den Eltern am Riederwald wurden auch Mainz und Freiburg hoch gehandelt, diese besonders wegen ihrer Durchlässigkeit.


Und genau deshalb muss man sich mit möglichst guter Arbeit einen Ruf wie Mainz oder Freiburg erarbeiten, damit man die Spieler mit sportlichen Argumenten überzeugen kann. So wie wir bei den Profis mit den absoluten Topteams oder extern finanzierten Vereinen infrastrukturell oder finanziell nicht mithalten können, ist es eben auch in der Jugend. Wobei ich mal anmerken will, dass die oft hochgelobte Jugend von Leipzig zwar regelmäßig gute Ergebnisse erzielt, allerdings auch kaum Spieler für den Profibereich entwickelt. Und da werden ganz andere Summen investiert.

upandaway schrieb:
Ich sage etwas überspitzt, am Riederwald bleiben nur diejenigen bis zur U19, die keine Begehrlichkeiten bei Konkurrenten wecken konnten.


Das mag sicher lange Zeit so gewesen sein. Das hat sich meiner Meinung nach aber auch schon verändert. An Ebu Bekir Is und Alexander Staff waren sicher auch andere Bundesligisten in den letzten Jahren interessiert. Bei Is gilt beispielsweise ein Interesse aus Stuttgart als verbrieft. Und bei Niko Ilicevic war zuletzt sogar vom Interesse absoluter internationaler Spitzenteams wie Real Madrid, Chelsea oder Milan die Rede. Dem hat man aber letzten Sommer mit seinem Testspieleinsatz im Alter von 14 Jahren schon überdeutlich gemacht, dass er so schnell wie möglich zu den Profis durchgeschoben wird.

Es kann und wird aber natürlich trotzdem auch weiterhin vorkommen, dass uns große Talente abgeworben werden. Lennart Karl vor einigen Jahren ist da das aktuellste Beispiel, ein Emre Can, Niklas Süle, Jeff Chabot oder Marvin Schwäbe wurden ja auch schon genannt. Das lässt sich dann aber eben auch nicht immer verhindern. Seit Richter im Amt ist, hat sich das schon deutlich verringert. Lediglich Hoffenheim hat uns in den letzten Jahren noch den einen oder anderen vielversprechenden Spieler abgeworben wie zuletzt Natnael Abraha.

Manolo Merx und Kelvin Kunstmann, die man beide nach Darmstadt abgegeben hat, sind für mich Grenzfälle, bei denen es möglicherweise aber auch an der individuellen Talenteinschätzung lag. In beiden Fällen hat man wohl zumindest eine Ablöse erhalten und die Spieler kommen auch aus Darmstadt bzw. Pfungstadt, was für einen Wechsel gesprochen haben könnte. Ansonsten fällt mir spontan nur noch Luka Vulin ein, den man wohl gerne gehalten hätte, der aber letzten Sommer zu Union Berlin gewechselt ist.

upandaway schrieb:
Wer von dieser Mannschaft ist übriggeblieben? Genau, Elias Baum. Alle anderen, zum Teil deutlich begabter, sind weit unterklassig gelandet oder gänzlich vom Radar verschwunden. Das ist bittere Realität, das ist quasi das Normalergebnis. Alles andere ist die große Ausnahme.


Auch das ist mir selbstverständlich klar. Deshalb spreche ich auch immer von Perspektive und Potenzial zum Profispieler. Die Realität ist letztendlich, dass es im Durchschnitt pro Verein vielleicht einer, maximal zwei Spieler pro Jahrgang auf das höchste Niveau schafft. Und auch da ist der Weg nicht immer vorgezeichnet. Aymen Barkok war in seinen Teams jetzt auch nicht der Überflieger.

Aber auch da hat sich die Situation finde ich schon deutlich gebessert. Wenn ich mir meine Posts vor einigen Jahren über den Jugendbereich anschaue, dann habe ich damals über Spieler wie Fynn Otto, Felix Irorere, Mason Judge, Ali Loune, Hüseyin Bakirsu und Jong Min Seo gesprochen, bei denen ich mir eine Profikarriere vorstellen konnte. Das umfasst für mich in Deutschland dann aber auch die ersten drei Ligen und vielleicht noch Topteams der Regionalliga.

Otto ist mittlerweile Stammspieler bei einem Spitzenteam der dritten Liga, Irorere stand in der zweiten Liga bei Karlsruhe unter Vertrag, hat den Sprung in den Herrenbereich aufgrund von vielen schweren Verletzungen aber nie geschafft. Judge hat es tatsächlich nur bis in die fünfte Liga geschafft, Bakirsu immerhin in die vierte Liga, bevor er nach zwei Kreuzbandrissen seine Profikarriere wohl beenden musste. Loune und Seo haben es zu Einsätzen in der zweiten Liga gebracht und spielen aktuell in der zweiten belgischen bzw. der zweiten österreichischen Liga. So verkehrt habe ich damals also nicht gelegen.

Mit den angebrachten Beispielen Elias Baum, Nacho Ferri oder jetzt auch Aiden Harangi und Noah Fenyö bewegen wir uns da zuletzt aber schon auf einem höheren Niveau. Fairerweise kann man auch da jetzt dagegen argumentieren, dass noch niemand den Durchbruch auf dem allerhöchsten Niveau geschafft hat, aber es ist schon eine positive Entwicklung zu sehen.

upandaway schrieb:
Lange Rede, kurzer Sinn. Ein ambitionierter Spieler sollte, aus einer U19 kommend, möglichst hochklassig Männerfußball spielen. Also keinesfalls Oberliga, bestenfalls nicht mal Regionalliga.


Auch das ist sicher richtig, aber nicht universell zutreffend. Zum einen bietet eine zweite Mannschaft in der Regionalliga den Vorteil, dass man Jugendspieler schon frühzeitig an den Herrenfußball heranführen kann. So haben Ebu Bekir Is und Alexander Staff beispielsweise schon mit 16 Jahren, also noch im U17-Bereich, erste Erfahrungen in der zweiten Mannschaft sammeln können. Bei Niko Ilicevic würde es mich nicht wundern, wenn der mit dem 16. Geburtstag sogar schon direkt zu den Profis gezogen wird, was bei den absoluten Toptalenten sicher der Idealfall ist.

Zum anderen gibt es eben Spieler, für die der Sprung mit 18 Jahren aus verschiedenen Gründen noch zu früh kommt. Mit Younes Ebnoutalib haben wir da das beste Beispiel im eigenen Kader. Der hat vor zwei Jahren im Alter von 20 Jahren noch in der Regionalliga auf einer Stufe mit unserer zweiten Mannschaft gespielt. Im Idealfall hat man durch eine zweite Mannschaft bei solchen Spielern noch etwas länger die Hand drauf und kann die Entwicklung (auch durch höherklassige Leihen) steuern. In solch einem Fall hätten wir uns jedenfalls die 8 Millionen Euro Ablöse sparen können.

upandaway schrieb:
Die künftige Planung (oder ist es schon beschlossen?), die U21 in einer eigenen Liga spielen zu lassen, halte ich für fragwürdig. Was sollen solche Jahrgangswettbewerbe, die die Jungs schon immer gegeneinander gespielt haben? Ich wundere mich, warum das auch unser Krösche mit aus der Taufe gehoben hat?


Hierzu kurz zur Erklärung: Ja, dieser Wettbewerb ist schon mehr oder weniger beschlossene Sache (die offizielle Abstimmung findet bei der DFL-Mitgliederversammlung am 3. März statt) und soll bereits zur kommenden Saison eingeführt werden. Die Teilnahme an dieser reinen U21-Spielrunde ist aber zum einen freiwillig und wird zum anderen die zweiten Mannschaften im regulären Ligabetrieb nicht ersetzen. Das würde ich sonst auch genau wie du als vollkommen falsches Signal werten.

Die Spiele finden parallel zum regulären Ligabetrieb statt und dienen einzig und allein der zusätzlichen Spielpraxis. Wenn also ein Spieler in der zweiten Mannschaft noch nicht so zum Zug kommt, weil beispielsweise auf seiner Position einer der älteren Führungsspieler Stammkraft ist, bekommt er über die U21-Spielrunde eine weitere Möglichkeit, um Spielpraxis zu erhalten. Die Ansetzungen sollen auch relativ kurzfristig und in verschiedenen Varianten, beispielsweise auch 3 x 45 Minuten, möglich sein (https://www.sportschau.de/fussball/bundesliga/Nachwuchsproblem,u21-spielrunde-einfuehrung-102.html).

Bechtheim85 schrieb:
Für mich stellt sich nun mal als zugegebenermaßen Nicht-Insider einfach die nackte Realität dar: und da ist es so, dass am Ende nichts Gescheites rauskommt, und das seit Jahren.


Das liegt aber auch daran, dass der Jugendbereich bei der Eintracht über viele Jahre vernachlässigt wurde bzw. es keinerlei umfassende Ausrichtung gab. Das lässt sich eben nicht alles einfach so aufholen. Weil du einen Vergleich zwischen Krösche und Richter gebracht hast: Bei einer Profimannschaft kannst du die Probleme im Idealfall in einer Transferperiode beheben. Bei einer ganzen Jugendabteilung eben nicht.

In der Regel sagt man, dass es im Jugendbereich fünf Jahre lang dauert, bis sich Veränderungen richtig durchschlagen und in Resultaten bemerkbar machen. Demnach hätte Richter also noch ein Jahr Zeit, bis man die Arbeit konkret bewerten kann. Aber ich habe ja bereits sehr ausführlich geschildert, warum sich die Situation meiner Meinung nach schon in der bisherigen Amtszeit deutlich verbessert hat.

Da hilft mir jetzt auch kein Vergleich, der bis in die 70er-, 80er- und 90er-Jahre zurückgeht. Es stimmt natürlich, dass die Eintracht von den späten 70ern bis zu den frühen 90ern noch zu den führenden Jugendabteilungen Deutschlands gehört und bis vor circa 15 Jahren noch halbwegs regelmäßig Profispieler produziert hat. Das waren aber noch ganz andere Zeiten, als die Spieler grundsätzlich heimatverbundener waren (auch, weil sie neben der Fußballkarriere teilweise noch einen zweiten Job hatten) und jahrelang beim selben Verein geblieben sind.

Der heutige Fußball hat sich grundlegend verändert, Stichwort Bosman-Urteil. Das ist im Jugendfußball nicht anders, wo früher sicher nicht so aggressiv Spieler abgeworben wurden. Zudem gab es bis in die 90er hinein noch eine strenge Auslegung der Ausländerregel, nach der nur drei ausländische Spieler pro Verein zum Einsatz kommen durften, bevor man das zuerst für EU-Bürger und seit 2006 komplett aufgehoben hat. Da die Kader also ohnehin zu 95 Prozent aus deutschen Spielern bestehen mussten, gab es zu dieser Zeit logischerweise auch deutlich mehr Spieler in der Bundesliga, die aus den eigenen Nachwuchsabteilungen der Vereine stammten.
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Vielen lieben Dank, DonGuillermo, dass Du Dir zu Zeit genommen hast, auf UUA und mich so ausführlich, kenntnisreich und vor allem auch sachlich zu antworten. Ich habe alle Deine Antworten mit großem Interesse gelesen und bin deutlich schlauer geworden. Tut mir leid, wenn ich in meinen Schlussfolgerungen zu naiv und oberflächlich gewesen bin.
In den 70er und 80er, auch in den ersten 90er Jahren kannte ich mich auch gut aus im Jugendfußbball, auch die Spieler anderer Vereine. Jetzt ist das seit langem nicht mehr der Fall, und klar, die Zeiten haben sich gewaltig geändert, die Gegebenheiten heute sind nicht mehr mit den einfacheren von damals zu vergleichen. Ich hoffe, noch öfter Beiträge von Dir hier zu lesen.
Beste Grüße
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Leider hat es nach allen Stürmern bei den Profis sowie den Leihspielern Wahi und Ngankam nun auch in der Jugend Gaul Souza und Oteng-Mensah verletzungsbedingt erwischt, die beide längerfristig ausfallen. Genaueres lässt sich dank des üblichen Jargons "bis auf Weiteres" nicht sagen. Bei Gaul Souza steht aber sogar eine OP am Knie an. Ziemlich beschissen alles. Gerade jetzt, wo diese Woche das Pokalviertelfinale gegen Köln und nächste Woche das Achtelfinale in der Youth League gegen Sporting ansteht.

Gauli wird damit leider weiterhin nicht in Tritt kommen. Da hatte ich nach den starken U19-Länderspielen im Herbst schon Hoffnung, aber leider hat Schmitt in der zweiten Mannschaft zuletzt überhaupt nicht mehr auf ihn gesetzt. Wenn er jetzt noch den Großteil der Rückrunde ausfällt, war das leider ein verlorenes Jahr.

Und Oteng-Mensah kam Anfang dieser Saison eigentlich super zurück, nachdem er die beiden Jahre davor aufgrund von Verletzungen fast komplett ausgefallen ist. Aber seit Mitte Oktober ist er jetzt schon wieder fast dauerhaft mit diversen Verletzungen ausgefallen. Lediglich die beiden Youth League Spiele in Barcelona und Bilbao hat er seitdem absolviert, beim Restart in der Liga musste er gegen Freiberg nach einem Zusammenprall mit dem Torwart auch schon verletzt raus. Jetzt also eine Fußverletzung im Training. Scheint zumindest nicht allzu schlimm zu sein und zum Glück nichts am Knie, wo er ja auch schon einen Kreuzbandriss hatte.
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Unsere U19 musste sich im Viertelfinale leider dem FC Köln mit 1:2 geschlagen geben. In der ersten Hälfte ist man in Führung gegangen und sogar ein schmeichelhafter Elfmeter wurde gehalten. In der zweiten Hälfte hat Köln nach einer Ecke ausgeglichen und per Fernschuss nachgelegt.
Generell waren die Kölner körperlich überlegen, waren aber auch circa 1 Jahr älter im Schnitt.
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Schade, schade. Am Ende knapp mit 1:2 gegen Köln verloren. Auch wenn Köln die bessere Mannschaft war, wäre mehr drin gewesen. Der Spielverlauf war eigentlich günstig für uns, nachdem wir in der ersten Halbzeit in Führung gehen und Emil Möhler noch einen (unberechtigten) Elfmeter genau vor dem Halbzeitpfiff entschärft. Köln hatte zwar vor allem durch Starstürmer Fynn Schenten mehrere gute Möglichkeiten aus dem Spiel, umso bitterer, dass man dann durch ein Standardgegentor nach Ecke, bei dem Möhler am Ball vorbeifliegt, und einen gut platzierten Distanzschuss verliert.

Man kann den Jungs aber keinen großen Vorwurf machen. Selbst in Bestbesetzung wäre Köln als amtierender Meister in der A-Jugend und mit der in dieser Saison gruppenübergreifend besten Abwehr der Liga der Favorit gewesen. Tatsächlich haben wir aber vor allem defensiv so ziemlich mit dem letzten Aufgebot gespielt, da Philipp Eisele und Yannis Ahouannou aktuell wohl auch ausfallen. Damit haben allein in der Innenverteidigung mit Eisele, Niklas Scheller (verletzt), Nicolas Peter (gesperrt) und Ahouannou die ersten vier Optionen gefehlt.

Somit mussten Lean Husterer (der in der Hinrunde nur einmal in der Startelf stand) und Luca Gebhardt (der eigentlich Sechser spielt) in der Innenverteidigung ran. Teilweise hat Gebhardt auch mit Ebu Bekir Is die Position getauscht, damit dieser das Spiel von hinten aufbauen konnte. Darüber hinaus haben auf den Außenverteidigerpositionen rechts mit dem ebenfalls verletzten Paul Bahoya sowie Ahouannou die ersten beiden Optionen und links mit Nilo Neuendorff (verletzt und gesperrt) drei weitere Spieler gefehlt. Während des Spiels musste auch noch Akram Ayadi mit einer Zerrung raus, sodass mit Maximilian Arlinghaus als Linksverteidiger ebenfalls die letzte Option auf dem Feld stand.

Hinten rechts hat überraschenderweise Christian Prenaj angefangen, der eigentlich zentraler Mittelfeldspieler ist. Da hätte es mit Johannes Vött und Sahin Balta zwei andere Optionen gegeben, die diese Position schon öfter ausgefüllt haben. Balta wurde nach seiner Einwechslung dann auch als Rechtsverteidiger gestellt. Prenaj auf dem Feld zu haben, hatte aber den Vorteil, dass mit Prenaj, Tsiokos, Is, Dills, Ilicevic und Dzanovic viele gute Zocker unterwegs waren, wobei Dzanovic so überhaupt nicht im Spiel war. Die anderen haben aber gerade in der ersten Halbzeit für einige gute Kombinationen gesorgt, so auch Ilicevic und Tsiokos im Zusammenspiel mit Alex Staff beim Führungstor.

Dennoch hat man gemerkt, dass die Kräfte zum Ende des Spiels schwinden. In den letzten beiden Ligaspielen hat man ja schon nicht mal mehr den Spieltagskader vollbekommen. Offensiv sind wie gesagt mit Alessandro Gaul Souza und Keziah Oteng-Mensah ja auch noch zwei absolute Unterschiedsspieler ausgefallen. Das sind insgesamt acht Ausfälle von Spielern, die in diesem Spiel sicherlich zum Kader gehört hätten, plus eine weitere Verletzung im laufenden Spiel. Dazu kommt, dass man in den meisten Spielen eh schon körperlich unterlegen ist. Heute standen mit Staff und Husterer auch wieder lediglich zwei Spieler auf dem Platz, die knapp über 1,80 Meter groß sind.
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Erst mal vielen Dank für die Spielberichte euch beiden!

Was ist das denn für eine Verletzungsseuche in diesem Jahr über alle Mannschaften hinweg? Das ist doch in keinster Weise mehr normal...
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Unsere U19 musste sich im Viertelfinale leider dem FC Köln mit 1:2 geschlagen geben. In der ersten Hälfte ist man in Führung gegangen und sogar ein schmeichelhafter Elfmeter wurde gehalten. In der zweiten Hälfte hat Köln nach einer Ecke ausgeglichen und per Fernschuss nachgelegt.
Generell waren die Kölner körperlich überlegen, waren aber auch circa 1 Jahr älter im Schnitt.
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U.K. schrieb:

Unsere U19 musste sich im Viertelfinale leider dem FC Köln mit 1:2 geschlagen geben. In der ersten Hälfte ist man in Führung gegangen und sogar ein schmeichelhafter Elfmeter wurde gehalten. In der zweiten Hälfte hat Köln nach einer Ecke ausgeglichen und per Fernschuss nachgelegt.
Generell waren die Kölner körperlich überlegen, waren aber auch circa 1 Jahr älter im Schnitt.



Köln geht mir langsam tierisch auf den Geist mit Ihrer Jugendarbeit.
Sch.... Köln.
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Ist das bitter, dass du am Ende durch solch ein blödes Tor ausscheidest. Ich habe es schon nach dem Spiel in Bilbao gesagt: So gut Siljevic auch auf der Linie ist, bei Hereingaben hat er leider manchmal diese komplett wilden Aktionen dabei, wo er vollkommen unkonventionell zum Ball geht. Danach hat er die Mannschaft aber mit zwei überragenden Aktionen im Spiel gehalten. Schade, dass wir nicht selbst früh in Führung gegangen sind, aber Staff hat den Kopfball zu Beginn des Spiels leider zu zentral gesetzt. In der Schlussphase waren durchaus noch mal einige Möglichkeiten für den Ausgleich da, aber da waren die Jungs oft auch zu zögerlich im Abschluss.

Sporting hatte durch die Umschaltsituationen zwar die gefährlicheren Chancen, aber insgesamt waren wir in dem Spiel mindestens ebenbürtig, wenn nicht sogar leicht überlegen. Das ist angesichts der Verletzungsmisere aller Ehren wert. Da kann man den Jungs wirklich keinen Vorwurf machen. Sie haben alles gegeben, aber am Ende hat dann vielleicht auch dieser Tick Qualität gefehlt, um das Spiel für sich zu entscheiden. In Bestbesetzung hätten wir Sporting denke ich geschlagen, da war Bilbao für mich qualitativ noch mal ein ganz anderes Kaliber.

So haben halt mit Eisele, Scheller und Ahouannou (der auch rechts spielen kann) drei Innenverteidiger, mit Neuendorff und Ayadi zwei Linksverteidiger und mit Bahoya ein Rechtsverteidiger defensiv sowie offensiv mit Gaul Souza und Oteng-Mensah zwei absolute Unterschiedsspieler verletzt gefehlt. Zudem konnte Dills durch seine heute defensivere Rolle nicht die übliche Wirkung entfalten. Dadurch hat vorne so ein bisschen die Durchschlagskraft gefehlt und auf den Außenverteidigerpositionen waren das mit Spahn auf der anderen Seite und dem aktuell zum Rechtsverteidiger umfunktionierten Prenaj ohnehin zwei absolute Notlösungen.

Spielerisch und auch kämpferisch sah es über weite Strecken trotz körperlicher Nachteile sehr gut aus. Ebu hat wirklich ein klasse Spiel gemacht. Dills und Ilicevic waren sehr spielfreudig, auch wenn es Ilicevic in der einen oder anderen Situation etwas übertrieben hat und lieber früher abspielen sollte. Dzanovic ist wie schon gegen Köln leider überhaupt nicht ins Spiel gekommen, Awusi mit zu vielen leichten Fehlern in aussichtsreicher Position. Defensiv hat mir vor allem Boakye Osei trotz der späten gelb-roten Karte sehr gut gefallen. So kurz vor Schluss war es wahrscheinlich auch sinnvoller, lieber den Platzverweis als das zweite Gegentor zu riskieren. Auch Peter hat sich in jeden Ball geworfen, Spahn und Prenaj hatten auf ungewohnter Position jeweils einen schweren Stand.

Lobend muss ich an dieser Stelle auch den englischen Schiedsrichter Samuel Barrott erwähnen. Für mich der beste Mann auf dem Platz. Er hatte eine sehr klare Kommunikation mit den Spielern und eine einheitliche Linie auf beiden Seiten. Die Karten waren alle vollkommen berechtigt, ansonsten ließ er in den Duellen viel laufen und ist auch nicht auf Spielchen eingegangen, wenn jemand leicht zu Boden gegangen ist oder provozieren wollte. Das tat dem Spielfluss sehr gut, nachdem sich die Spieler darauf eingestellt hatten. Wirklich eine sehr angenehme Spielleitung.
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DonGuillermo schrieb:
Sowohl bei [Benjamin Dzanovic] als auch bei Philipp Eisele ist es jedenfalls auffällig, dass die Zukunft im letzten Jugendjahr noch nicht geklärt ist, obwohl beide zumindest klare Kandidaten für die zweite Mannschaft sind. Die meisten Spieler in dieser Kategorie erhalten ja bereits kurz nach ihrem 18. Geburtstag einen Profivertrag.


Und schon hat man den Vertrag mit Eisele verlängert

Für mich ein ganz wichtiges Zeichen. Neben Noah Fenyö wahrscheinlich der größte Anführer, der die letzten Jahre unser NLZ durchlaufen hat. Eisele ist wirklich ein echter Leader, der in all seinen Mannschaften Kapitän war, und gleichzeitig ein absoluter Kämpfer, der schon einige Rückschläge wegstecken musste. Hat die damalige U17 vor zwei Jahren grandios zum Staffelsieg (wenn er auf dem Platz stand, wurden alle Spiele gewonnen) und ins Halbfinale um die Deutsche Meisterschaft geführt und ist auch dieses Jahr stark zurückgekommen, nachdem er das komplette letzte Jahr verletzungsbedingt gefehlt hat. Ich hoffe, er bekommt in der zweiten Mannschaft auch genug Spielzeit.

Dadurch, dass er auch oft im defensiven Mittelfeld spielt, bringt er für mich alles mit, was ein moderner Innenverteidiger können muss. Vorne ist er auch immer mal für einen wichtigen Treffer gut wie damals im Halbfinale gegen Leverkusen oder zuletzt in der Youth League in Bilbao. Durch seine peruanische Staatsbürgerschaft und die Spiele für die dortigen U-Nationalmannschaften besitzt er darüber hinaus internationale Erfahrung. Er hat im U-Bereich bereits eine Kontinentalmeisterschaft gespielt und war zuletzt auf dem Radar der A-Nationalmannschaft.

Es besteht also auch bei Dzanovic noch Hoffnung. Allgemein wird die Kaderplanung für die zweite Mannschaft der kommenden Saison sehr interessant. Da gilt es viele Faktoren abzuwiegen. Welche Spieler will ich mit Spielzeit auf dem Niveau (hoffentlich Regionalliga) fördern? Wen will ich schon vorzeitig durchschieben? Wer ist vielleicht auch schon für das Profiteam interessant? Wer wird möglicherweise höherklassig verliehen oder sogar ganz abgegeben?

Von den Spielern im letzten Jugendjahr würde ich ansonsten nur noch möglicherweise bei Akram Ayadi mit einer Vertragsverlängerung rechnen. Aber auch da kommt es auf die Personalplanung an. Eigentlich ist man auf der Position im kommenden Jahr mit Pedro Guimaraes und Nilo Neuendorff schon gut besetzt. Guimaraes kommt jedoch neu aus dem Ausland und Neuendorff wird mit einer schweren Knieverletzung noch monatelang ausfallen. Aber auch Doumbia und Boakye Osei können links verteidigen, Wünsch und Bauer bei einer Dreierkette auf der Schiene spielen. Wobei auch hier bei allen vier Spielern noch überhaupt nicht sicher ist, ob sie kommende Saison dabei sind.

Harangi wird vermutlich jetzt noch mal (gibt Gerüchte aus Ungarn), spätestens aber im Sommer höherklassig verliehen. Das könnte für Ayadi vielleicht zum Vorteil werden. Denn wenn Harangi noch verliehen wird, Neuendorff verletzt ausfällt und Doumbia wegen Theates Verletzung bei den Profis aushelfen muss, wird es auch in der zweiten Mannschaft eng. Da könnte er diese Saison also vielleicht schon reinschnuppern.

Bei Jasha Barry und Lean Husterer sehe ich keine Perspektive auf einen Verbleib. Bei Barry lief in der U19 leider nicht mehr viel zusammen, sodass die Rückkehr ins NLZ ähnlich wie bei Abolfazl Masjedizadah eher ein Reinfall war. Laut Transfermarkt laufen bei der U19 ansonsten noch die Verträge von Alex Staff, Leonidas Tsiokos, Shayan Ahmadi, Yannis Ahouannou, Marlon Franzen, Niklas Scheller, Liam Mehic und Meris Gradascevic aus. Staff wird zum 18. Geburtstag im Juni sicher einen Profivertrag erhalten und so wie Gradascevic gefördert wird, mache ich mir da wegen eines Abgangs ebenfalls keine Sorgen. Entweder stimmt da die Angabe nicht oder es gibt schon eine entsprechende Absprache.

Tsiokos und Scheller bleiben hoffentlich auch über den Sommer hinaus. Das wären zwei bittere Abgänge, weil beide im kommenden Jahr zumindest Leistungsträger der U19 sein dürften. Gerade Scheller hat zuletzt eine riesige Entwicklung hingelegt, die in seinem Auftritt bei der U17-WM gipfelte. Franzen hingegen hat im Tor hinter Möhler und Gradascevic wenig Perspektive und Mehic hat diese Saison (aus mir unbekannten Gründen) noch überhaupt nicht gespielt. Da kann man in beiden Fällen von einem Abgang ausgehen.

Bei Ahouannou und Ahmadi ist die Entscheidung wahrscheinlich offener. Ahouannou war diese Saison in der Innenverteidigung zwar überwiegend gesetzt, da sehe ich nächstes Jahr aber Nicolas Peter, Igor Dola und Scheller (sofern er bleibt) vorne. Da hat er dieses Jahr auch von den Verletzungen von Peter und Scheller profitiert. Rechts müsste er sich mit Paul Bahoya, Sahin Balta und Johannes Vött messen. Meier scheint aber auf Ahouannou zu setzen, er hat auch in der Youth League viel gespielt. Das sieht bei Ahmadi schon anders aus und im Mittelfeld kommt im Sommer auch jede Menge Konkurrenz aus der U17 hoch.
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Und auch Scheller hat verlängert.

Mir macht der Umgang mit unseren Talenten im Kontext der ersten Mannschaft aber immer mehr Sorgen (von außen betrachtet und ohne ernsthafte aktuelle Kenntnisse zum Status quo).

Baum spielt kaum, Staff zumindest jetzt mal in der 2ten, Is auch nur 2te und dazu jetzt das Schalkegerücht... Wirklich vorwärts geht da nix...


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