Schönesge schrieb: Klingt aber ein bisschen so, als ob man als Eintracht Frankfurt nicht in der Lage ist, die besten Talente zu binden. Lennart Karl war wohl das größte Talent aus der jüngeren Vergangenheit, welches man nicht vom Eintracht Weg überzeugen konnte.
Was jetzt aber auch niemanden überraschen sollte. Die meisten Vereine verlieren jedes Jahr irgendein Talent, das sie gerne gehalten hätten. Und ein absoluter Überflieger, dem jeder das Talent zur Weltkarriere bescheinigt, wird bei uns vermutlich nie seine gesamte Jugendzeit absolvieren. Schau dir nur mal an, wo die meisten Nationalspieler den Sprung zu den Profis gemacht haben, vor allem jene, die früh als Riesentalente galten wie Moukoko, Musiala, Karl, Havertz oder Beier, früher auch Özil oder Kroos.
Die haben alle ursprünglich mal in anderen NLZs gespielt. Dann gibt es noch die Spieler wie Wirtz oder Kimmich, die am Übergang zum Profifußball gewechselt sind, bzw. Götze oder Lahm, die fast von Anfang an bei einem der ganz großen Player waren. Dann hattest du noch die Schalker, die in ihrer Glanzzeit sowohl ein großer und finanzstarker Verein waren als auch eine hervorragende Jugendarbeit mit Spielern wie Neuer, Draxler, Sané oder Ouédraogo besaßen. Stuttgart ist noch eine ähnliche Nummer. Geschichten wie ein El Mala, der in Gladbach aussortiert wurde und dann bei Viktoria Köln über die Jugend und die dritte Liga den Sprung geschafft hat, oder Goretzka, der bis zum ersten Profijahr in Bochum geblieben ist, gibt es natürlich auch, sind aber die Ausnahme.
Da können wir mit einigen anderen Vereinen einfach nicht mithalten. Sei es aus finanziellen, infrastrukturellen oder sportlichen Gründen. Ist ja bei den Profis nicht anders. Im Jugendbereich wird seit Jahren immer früher und intensiver abgeworben. Es gibt Spieler, die wechseln teilweise jedes Jahr und haben in bis zu vier verschiedenen NLZs gespielt. Und das nicht nur im dichtbesiedelten NRW, wo sich die Profivereine tummeln. Richard Makengo ist so ein – wenn auch eher unbekanntes – Beispiel. Ist als gebürtiger Frankfurter insgesamt dreimal zum FSV zurückgekehrt (stand dort diese Saison ein Mal im Regionalligakader), kam 2023 vom FSV zu uns, ist 2024 nach Schalke (wo er sogar Kapitän war), 2025 zum FSV zurück und wechselt jetzt im Sommer in die U19 von Lautern.
Karl ist bei uns ja nur das letzte prominente Beispiel. Emre Can ist mit 15 zu den Bayern, Niklas Süle mit 14 nach Hoffenheim, Jeff Chabot mit 16 nach Leipzig, Marvin Schwäbe mit 18 nach Hoffenheim gegangen. Auch wenn sie den Sprung nicht ganz geschafft haben, könnte man noch die Itters nennen, die mit 16 nach Wolfsburg sind.
Bei Karl wusste wirklich jeder in Deutschland früh genug Bescheid über das Talent. Der ist auch bei uns in der Jugend voll herausgestochen. Deshalb sind die Bayern auch schon an ihn und seine Familie herangetreten, als er 13 Jahre alt war. Deshalb wird er seit er 16 ist von Michael Ballack beraten. Aber was soll die Eintracht machen? In dem Alter kannst du einen Spieler noch weniger rechtlich an den Verein binden und ihn zwingen, hier zu spielen. Die Bayern haben die Eintracht dann vor vollendete Tatsachen gestellt, die Eintracht hat ihn daraufhin nicht mehr eingesetzt, weshalb er vor dem Wechsel zu den Bayern noch mal für ein halbes Jahr zum Heimatverein nach Aschaffenburg zurück ist.
Fairerweise muss man sagen, dass nach der Generation Kittel/Stendera/Kempf/Waldschmidt der Jugendbereich bei uns jahrelang mehr oder weniger brach lag, weil er schon zuvor viel zu lange stiefmütterlich behandelt wurde. Das hat sich in den letzten Jahren unter der Leitung von Alex Richter und seit der Ausgliederung des NLZs in die AG deutlich verbessert, auch wenn wir weiterhin gewisse Limitationen haben. Momentan stehen wir sowohl von den Ergebnissen als auch von den Talenten wohl so gut wie seit über zehn Jahren nicht mehr da. Unter anderem stellen wir von allen Bundesligisten mit die meisten deutschen U-Nationalspieler. Es geht also absolut in die richtige Richtung.
Aktuell sehe ich eher das Problem, dass es im Profibereich an der Bereitschaft mangelt, die Jungs auch mal spielen zu lassen. Aymen Barkok war jetzt auch nicht der überragende Jugendspieler und hat sich letztlich auch nicht vollständig in der Bundesliga etabliert, aber der hatte wenigstens mal eine Chance bekommen und sie zumindest so genutzt, dass er für ein paar Jahre doch ein wertvoller Kaderspieler war, der seine Impulse gesetzt hat. So stehen am Ende auch 113 Bundesligaspiele in seiner Vita. Ohne diese Chance wäre er vielleicht nie in die Bundesliga gekommen. Selbst Brown und Collins haben anfangs keine Chance bekommen, sich dann aber nach ihren Bundesligadebüts innerhalb von einem Jahr bis in die Nationalmannschaft gespielt. Man sollte immer mal ein paar Jungs reinwerfen, vor allem wenn es der Rest der Mannschaft ohnehin nicht besser macht.
Wenn Baum nach überragender Leihsaison als bester Zweitligaspieler auf seiner Position kaum eine Chance bekommt, ist das ein schlechtes Zeichen. Wenn Staff als vermeintlich größtes Sturmtalent trotz Verletzung sämtlicher Stürmer keine Chance erhält, ist das ein schlechtes Zeichen. Wenn einem İş als vermeintlichem Toptalent, das im Trainingslager bei den Profis überzeugt hat, ein bereits aussortierter Dahoud vorgezogen wird, der im Trainingslager nicht mal dabei war, ist das ein schlechtes Zeichen. Das sind Dinge, die uns in der Nachwuchsarbeit wieder über Jahre zurückwerfen können, weil das logischerweise auch alle talentierten Spieler und deren Umfelder registrieren.
Bei allen anderen Vereinen funktioniert es auch, nur bei uns findet man immer irgendwelche Ausreden. Es muss ja auch nicht immer ein Lennart Karl sein. Ein Marco Russ oder ein Timothy Chandler waren jetzt auch nicht die begnadeten Fußballer vor dem Herrn. Beide haben trotzdem jeweils rund 300 Bundesligaspiele absolviert und somit eine deutlich bessere Karriere hingelegt als die meisten großen Talente. Damit stehen beide sogar in den Top Ten der Spieler mit den meisten Bundesligaspielen, die jemals in unserer Jugendabteilung waren. Das ist jedenfalls sinnvoller und nachhaltiger sowie ein deutlich gangbarer Weg als 7,5 Millionen Euro Ablöse für Niels Nkounkou oder dicke Millionengehälter für Michy Batshuayi oder Mo Dahoud zu zahlen, die uns am Ende in Relation dazu sportlich maximal bedingt weiterhelfen.
In Freiburg oder Mainz laufen jetzt auch nicht nur Toptalente rum. Trotzdem ist dort die Durchlässigkeit enorm hoch und es schaffen vergleichsweise viele den Sprung in die Bundesliga, sodass nahezu der halbe Kader aus Eigengewächsen besteht. Weil das an diesen Standorten gelebte Praxis ist. Genau da müssen wir bestenfalls auch hinkommen. Weil es eben auch in der Jugend immer einen größeren Fisch gibt und das auch in Zukunft sicher nicht das Pfund ist, mit dem wir wuchern können. Aber in der Rhein-Main-Region laufen genug Talente rum, dass wir es schaffen sollten, den einen oder anderen selbst für unsere Profimannschaft auszubilden.
Zu diesen Themen gab es im entsprechenden Thread vor einigen Monaten auch schon eine Diskussion. Hierzu mal der Link zum Ausgangspost (https://community.eintracht.de/forum/diskussionen/142711?page=2#5835785). Ich werde wahrscheinlich die Tage auch noch mal ein Saisonfazit zur U17, U19 und U21 posten sowie in einem Beitrag bezüglich der Kaderplanung noch mal auf das Thema Jugendspieler eingehen.
Don sehr toller Bericht. Lese deine Berichte immer am Liebsten.
Ich bin auch enttäuscht, dass wir diese Durchlässigkeit seit 10 Jahren nicht mehr haben. Es wird immer davon gesprochen und debattiert, aber letztlich passiert es nicht.
Ich würde mich freuen wenn Staff, Is, Wünsch oder Dills nicht nur in der Vorbereitung teilhaben dürfen oder mit ins Trainingslager reisen, danach aber keine Verwendung mehr bekommen.
Dazu würde ich den 15 jährigen Ilicevic, wird glaube ich diesen Sommer 16, umgehend in den Profikader hochziehen. Q Als klares Zeichen an die weiteren guten NLZ Spieler. mit den vielen Nationalspieler die wir stellen, muss doch eine bessere Durchlässigkeit möglich sein.
Das Konzept bzgl. junge Talente aus dem Ausland holen und nach xy Jahren teuer verkaufen, kann man Art acta legen. Bilde die eigenen Talente der Akademie aus, die kosten keine Ablöse und können am Ende einen größeren Reingewinn bringen.
Wie du sagtest Don, das NLZ steht heute so gut da wie noch nie, also nutzt diesen Status aus Liebe Eintracht
Ja, alles richtig und dann auch wieder nicht. Wenn bei uns einer im NLZ alle Gegner in Grund und Boden spielen würde, ein Auge wie Bein, eine Geschwindigkeit wie Bahoya bei gleichzeitiger Ballbehandlung wie Messi hätte, würde er selbstverständlich seine Chance in der ersten Mannschaft bekommen. Allein dem ist halt nicht so.
Ja, da sind Spieler mit Anlagen und grade die Jüngeren versucht man ja durch Einsätze in den älteren Jugendmannschaften zu stählen und durch gute Leihen für höhere Aufgaben vorzubereiten, trotzdem bleibt der Sprung in den Profifussball auf Bundesliganiveau halt groß. Und fairerweise muss man auch zugeben, dass der Sprung in den letzten Jahren durch die internationalen Wettbewerbe nochmal größer geworden war.
Da wird sich zweierlei ändern, zumindest in der nächsten Saison wird Hütter viel trainieren und da vielleicht den einen oder anderen öfter mal in den Kader hieven können. Davon abgesehen, dass wir da schon noch ein paar andere sehr junge Spieler wie Uzun, Chaibi, Bahoya, Baum, Hjolund, Larsson, Ebnoutalib und den Jupp haben, die auch alle noch deutlich dazulernen können und entwickelt werden wollen.
Zum anderen wird ja auch diese Nachwuchsbundesliga eingeführt, die den Spielern an der Kante zur ersten Mannschaft nochmal mehr Spielerfahrung auf gutem Niveau geben wird. Die Möglichkeiten sich da auf einem ansprechenden Niveau zu zeigen und sich Hütter aufzudrängen vermehren sich allemal. Das wird auch dem neuen Stürmer Pimpong helfen und wer da noch dazukommen wird.
Wichtig ist aber, dass es seit Krösche deutliche Bewegung und Professionalisierung auch im NLZ gibt, dass Richter da gute Arbeit macht und sich auch dadurch mittelfristig die Chancen erhöhen, dass wir wieder mehr selbstausgebildete Spieler in den Kader hochieven können. Ob das am Ende reicht um zB den kleinen Bruder von Lennart Karl bei der Eintracht zu halten - puh, da spielen eben noch ganz andere Faktoren eine Rolle. Und die liegen nicht nur in unseren Händen.
Grundsätzlich hab ich aber viel Spaß an den Spielen der U17, U19 und U21 auf EintrachtTV und die haben mir grade letzten Saison öfter mal das Wochenende gerettet. Da ich ja in Bornheim wohne geh ich auch öfter mal zum Riederwald runter und finde schon, dass sich da viel getan hat seit die U17 vor 15 Jahren mal deutscher Meister geworden ist. Damals hing das an einem hochbegabten Kittel, jetzt sehe ich da doch deutlich mehr Talent am Riederwald.
Don sehr toller Bericht.
Lese deine Berichte immer am Liebsten.
Ich bin auch enttäuscht, dass wir diese Durchlässigkeit seit 10 Jahren nicht mehr haben.
Es wird immer davon gesprochen und debattiert, aber letztlich passiert es nicht.
Ich würde mich freuen wenn Staff, Is, Wünsch oder Dills nicht nur in der Vorbereitung teilhaben dürfen oder mit ins Trainingslager reisen, danach aber keine Verwendung mehr bekommen.
Dazu würde ich den 15 jährigen Ilicevic, wird glaube ich diesen Sommer 16, umgehend in den Profikader hochziehen.
Q
Als klares Zeichen an die weiteren guten NLZ Spieler. mit den vielen Nationalspieler die wir stellen, muss doch eine bessere Durchlässigkeit möglich sein.
Das Konzept bzgl. junge Talente aus dem Ausland holen und nach xy Jahren teuer verkaufen, kann man Art acta legen. Bilde die eigenen Talente der Akademie aus, die kosten keine Ablöse und können am Ende einen größeren Reingewinn bringen.
Wie du sagtest Don, das NLZ steht heute so gut da wie noch nie, also nutzt diesen Status aus Liebe Eintracht
Ja, da sind Spieler mit Anlagen und grade die Jüngeren versucht man ja durch Einsätze in den älteren Jugendmannschaften zu stählen und durch gute Leihen für höhere Aufgaben vorzubereiten, trotzdem bleibt der Sprung in den Profifussball auf Bundesliganiveau halt groß. Und fairerweise muss man auch zugeben, dass der Sprung in den letzten Jahren durch die internationalen Wettbewerbe nochmal größer geworden war.
Da wird sich zweierlei ändern, zumindest in der nächsten Saison wird Hütter viel trainieren und da vielleicht den einen oder anderen öfter mal in den Kader hieven können. Davon abgesehen, dass wir da schon noch ein paar andere sehr junge Spieler wie Uzun, Chaibi, Bahoya, Baum, Hjolund, Larsson, Ebnoutalib und den Jupp haben, die auch alle noch deutlich dazulernen können und entwickelt werden wollen.
Zum anderen wird ja auch diese Nachwuchsbundesliga eingeführt, die den Spielern an der Kante zur ersten Mannschaft nochmal mehr Spielerfahrung auf gutem Niveau geben wird. Die Möglichkeiten sich da auf einem ansprechenden Niveau zu zeigen und sich Hütter aufzudrängen vermehren sich allemal. Das wird auch dem neuen Stürmer Pimpong helfen und wer da noch dazukommen wird.
Wichtig ist aber, dass es seit Krösche deutliche Bewegung und Professionalisierung auch im NLZ gibt, dass Richter da gute Arbeit macht und sich auch dadurch mittelfristig die Chancen erhöhen, dass wir wieder mehr selbstausgebildete Spieler in den Kader hochieven können. Ob das am Ende reicht um zB den kleinen Bruder von Lennart Karl bei der Eintracht zu halten - puh, da spielen eben noch ganz andere Faktoren eine Rolle. Und die liegen nicht nur in unseren Händen.
Grundsätzlich hab ich aber viel Spaß an den Spielen der U17, U19 und U21 auf EintrachtTV und die haben mir grade letzten Saison öfter mal das Wochenende gerettet. Da ich ja in Bornheim wohne geh ich auch öfter mal zum Riederwald runter und finde schon, dass sich da viel getan hat seit die U17 vor 15 Jahren mal deutscher Meister geworden ist. Damals hing das an einem hochbegabten Kittel, jetzt sehe ich da doch deutlich mehr Talent am Riederwald.