FC United Manchester ("J.E.R." auf Englisch)

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So, hab' jetzt die Nase voll von der Knickertaktik der Süddeutschen :

Der harte Kern der ManU-Fans hat unter Anleitung eines hageren Sportjournalisten den FC United Manchester gegründet, sozusagen als Protest gegen den Amerikaner, der Old Trafford aufgekauft hat. In den untersten Ligen, wo sie zwangsläufig beginnen müssen, bringen sie den Clubs, die sonst vor 400 spielen, mindestens 4000 und Stimmung in die Bude. Auch altgediente ManU-Fans gehen hin. So 'ne Art Fortuna Düsseldorf in noch größer.

Ist nicht neu (glaube, der FC Wimbledon hat schon mal was ähnliches, aber, mangels Tradi, doch weniger bedeutendes veranstaltet), aber immer noch ursprünglicher als die Mainzer Müzten.

Wird Kult
Adler aus Freiburg  
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Yepp, AFC Wimbledon. Und wenn unser Verein in Red Bull Frankfurt oder Commerzbank Fighters Frankfurt umbenannt wird, machen wir auch so was.
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more & more

'n keep the faith

Adler aus Freiburg
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junge Welt vom 21.05.2005

Keine Emotion mehr
Fans, verbrennt eure Dauerkarten: Der legendäre englische Fußballclub Manchester
United wurde verkauft, und die Anhänger hassen den Verein dafür
Christian Bunke

Es lag Brandgeruch über Old Trafford, dem Stadion von Manchester United, am
Donnerstag, dem 12. Mai. Im Schatten der Matt-Busby-Statue vorm Haupteingang
flogen die Fetzen verbrannter Saisontickets vorbei. An einem Zaun hing ein
Transparent: »Glazer go Home.« Daneben brannte eine Puppe aus Pappmaschee: der
neue Besitzers im Licht der Abendsonne. Nur wenige Stunden vorher hatte sich die
Nachricht wie ein Lauffeuer durch die Straßen Manchesters verbreitet: Malcolm
Glazer, der US amerikanische Multimillionär, und seine Familie haben 74 Prozent
der Manchester-United-Aktien erworben. Dies war nur möglich, weil die irischen
Großaktionäre J.P. McManus und John Magnier sowie der schottische
Bergbaumillionär Harry Dobson ihre Anteile an Glazer verkauft haben. Manchester
United war schon lange im Griff der Reichen und Mächtigen. Glazer fehlte nur
noch ein Prozent, um die Alleinkontrolle über die Aktiengesellschaft Manchester
United zu bekommen. Auch das hat er mittlerweile erreicht. Damit kann er nun
United nun vom Aktienmarkt nehmen und sich die Alleinherrschaft sichern.

Schulden weitergeben

Hierfür hat sich Glazer um 265 Millionen Pfund bei J.P. Morgan Chase and Co.
Bank verschuldet. Diese Schulden werden nun an Manchester United weitergereicht.
Die Banken geben weitere 275 Millionen Pfund an Glazer, als Gegenleistung gibt
Glazer den Banken Anteile am Club. Damit sichern sich die Banken die
Möglichkeit, festes Kapital des Clubs, also Spieler und das Stadion, abzustoßen
und verkaufen zu können, sollte der Pleitegeier einfliegen. Glazer hat also
insgesamt 540 Millionen Pfund Schulden gemacht, die Manchester United nun
jährlich an die Banken abstottern muß. Noel Glazer, der Sohn von Malcolm Glazer,
soll mit den täglichen Geschäften bei Manchester United betraut werden. Er will
dem Eröffnungsspiel der kommenden Saison beiwohnen.

Den Fans reicht es. Das Red Issue Fanzine titelte am 12. Mai mit einer
Beerdigung: »Manchester United 1878  2005: RIP. Außerdem: »Schon zu lange
gibt es bei den Spielen in Old Trafford keine echte Atmosphäre mehr. Die meisten
Leute, die da auftauchen, sind keine Fans, sondern Glorienscheintouristen. Da
ist keine Emotion, kein Singen, kein gar nichts.« Eine Haltung, die vielen
Club-Anhängern aus der Seele spricht. Die traditionelle Fanbasis von Manchester
United kommt aus den ärmsten Arbeitervierteln Manchesters. Eisenbahnarbeiter
gründeten einst den Club. »Irgendwie fühle ich mich in Manchester nicht mehr zu
Hause«, sagt Steve aus Salford, bis vor kurzem noch im 1909 gebauten
ManU-Stadium Old Trafford beschäftigt. »Überall entstehen Wohnsiedlungen für
Yuppies und Luxusgeschäfte für Yuppies. Ich fühle mich so, als ob dieser Stadt
das Herz herausgerissen wird und durch etwas kaltes und herzloses ersetzt wird.
Dasselbe passiert jetzt mit ManU. Der Club gehört nicht irgendwelchen
Aktionären. Ohne die Fans ist der Club tot.«

Rote Armee blockiert

Doch die »rote Armee« der Hardcorefans ist nicht gewillt, kampflos unterzugehen.
Nur wenige Stunden nach Bekanntgabe der Übernahme pilgerten Tausende nach Old
Trafford um ihren Widerstandswillen zu bekunden. Als sich die Fans hinter dem
riesigen »Not for Sale«-Transparent versammelten, herrschte zunächst eine
Atmosphäre der Trauer. »Oh when the Reds go marching in ...« wurde angestimmt,
zunächst langsam, feierlich und der Situation angemessen. Dann immer schneller
werdend und kämpferischer: »I want to be in that number, oh when the Reds go
marching in.« So setzte sich der Zug in Bewegung in Richtung der neben dem
Stadion gelegenen Chester Road, einer im Feierabendverkehr völlig überlasteten
autobahnartigen Pendlertrasse aus und nach Manchester. Diese wird flugs für eine
halbe Stunde blockiert und ein riesiger Stau verursacht. Dann zurück zum Stadion
und der Versuch, dieses zu stürmen, doch United hatte die Schotten dichtgemacht.
Alle Eingänge waren blockiert. Zu dumm, daß drinnen gerade ein Sektempfang
stattfand. Einige in feines Tuch gekleidete Gäste kamen nicht rein, die anderen
nicht raus. Aufstandsbekämpfungseinheiten der Polizei rückten an, Einsatzwagen
der Polizei fuhren mehrmals mitten in die Menge hinein, Polizeipferde tänzelten
vor den Fans herum. Vier Fans wurden mit der Begründung verhaftet, sie hätten
unhöfliche Wörter verwendet.

Unhöfliche Wörter

Am selben Abend störten zirka 300 Fans in Manchester-City einen anderen
Sektempfang: dem Rothschild Bank, einer von Glazers Geldgebern. Für das
FA-Cup-Finale zwischen Manchester United und Arsenal London am heutigen Samstag
in Cardiff ist eine Großdemonstration angekündigt. Fans sind aufgefordert, in
schwarz gekleidet und mit schwarzen Fahnen zu erscheinen. Die Fangruppen IMUSA
(Independent Manchester United Supporters Association) und Shareholders United
rufen zu einem Komplettboykott von Manchester United sowie aller Sponsoren auf.

Am Donnerstag kamen 500 Fans zu einer Protestveranstaltung, die der langjährige
ManU-Unterstützer Andy Walsh mit den Worten eröffnete: »Wir sind Manchester
United, wir geben niemals auf, wir kämpfen bis zum Sieg.« Von der Wand hing eine
riesige Kuba Fahne, allerdings in den Manchester-United-Farben rot und schwarz.
»Hasta La Victoria Siempre« stand darunter zu lesen. Fast 100 Fans betiligten
sich mit Wortbeiträgen nach dem Motto: »Manchester United ist wie ein von einer
feindlichen Armee besetztes Land. Wir werden so lange kämpfen bis Manchester
United den Fans, und nicht den Großaktionären gehört.« Einstimmig wurde eine
Strategie zur Durchführung von Demonstrationen und direkten Aktionen
beschlossen, »bis der Feind geschlagen ist.«

Viva la revolucion! Dokument: Die ManU-Fans gründen einen neuen Club

Wir gründen den FC United Manchester. Eine öffentliche Versammlung wird diese
Woche stattfinden. Ein Aktionsplan wurde erstellt und wird derzeit umgesetzt. Es
wird nach einem geeigneten Veranstaltungsort gesucht. Diese Veranstaltung soll
ermitteln, wie viel Unterstützung es für diese Idee gibt. Außerdem soll es
Menschen ermöglicht werden, sich für neue Aufgaben im Club zur Verfügung zu
stellen. Die Veranstaltung soll Menschen die Möglichkeit geben, ihre Ideen zum
Thema vorzustellen und zu diskutieren. Im Juni wird es eine weitere
Veranstaltung geben, auf der alle Funktionen im neuen Club demokratisch gewählt
werden.

Diejenigen, die am härtesten [gegen Glazer] kämpfen, tun dies zweifellos weil
United ihr Club und ihr Leben ist. Sie wollen nichts mit einem von Glazer
geführten Franchise-Unternehmen zu tun haben. Für viele, viele Fans würde der
Verkauf des Clubs das Ende ihrer Karriere als Reds bedeuten. Diese Leute mußten
lange die schrittweise Erosion ihres einst geliebten wöchentlichen
Stadionerlebnisses miterleben. Glazer kann zwar die Unterstützung [der Aktionäre
und des Vorstandes] bekommen, aber was ist das wert ohne die Unterstützung der
Fans? Er würde keinen Manchester-United-Fußball Club besitzen. Die Fans sind der
Körper, das Herz und die Seele. Ohne die Fans hat der Club keinen Wert.

Der FC United soll eine Alternative zu Glazer bieten. Reds wissen nun, daß sie
Fußball weiterhin erleben können. Und daß es einen Club geben wird, mit dem sie
sich identifizieren können. Die Grundlagen des FC United sollen sein:

Das Malcolm-Glazer-Franchise-Unternehmen wird nicht anerkannt.

FC United wird von den Fans finanziert und getragen.

Alle Profite werden in den Club re-investiert.

FC United wird in den Farben rot, weiß und schwarz spielen.

ManU-Sponsoren dürfen nicht auf den Trikots des Clubs werben.

Die Unterstützung der Jugendlichen aus Manchester und Salford zu gewinnen hat
Priorität. Dies soll aktiv betrieben werden. Für unter 18 jährige wird es
ermäßigten Eintritt geben.

Der FC United wird lokale Firmen unterstützen, wenn immer dies möglich ist.

Der Club wird eine aktive Jugendmannschaft aufbauen.

Malcolm Glazer wird als Feind behandelt werden. Das Ziel von FC United ist es,
den United-Fans die Gemeinschaft zu geben, die sie immer gehabt haben, aber ohne
den Kommerz und das autoritäre Verhalten unter dem wir im Moment leiden. Wir
werden auf einen Regimewechsel bei ManU warten und alle Versuche unterstützen,
die dazu dienen, die illegale Besatzungsmacht zu sabotieren. Wir hoffen, daß wir
eines Tages nach Hause zurückkehren können, wenn der Invasor vernichtet und
bankrott ist. Sobald Glazer geschlagen ist, werden wir die Wiedervereinigung mit
dem Franchise-Unternehmen ManU anstreben. Aber unter der Bedingung, daß der
vereinigte Club von den Fans kontrolliert wird. Viva la revolucion!


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