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trauer

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Hat jemand das Plakat zu dem Uefa-Cup Spiel ( glaube 1976 ) noch daheim ?

Bitte um Angebote an

whynot1@arcor.de
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Anlässlich dem heutigem Spiel in Glasgow einige Pressestimmen zu unserem Finale 1960 !!!


7:3 sagt nicht die Wahrheit
Eintracht spielte auch als besiegte Elf Deutschland glanzvoll ins Rampenlicht des Weltfußballs

Fußball wurde zum rauschenden Festball! Das war das Köstlichste am Europapokal-Schauspiel von Glasgow: es entfachte die Begeisterung für die Schönheit, für das Kunstvolle unseres Spiels. Es faszinierte Millionen. Mehr als 127000 sahen es mit eigenen Augen.

„Kicker“ 23.05.1960



25 Minuten sah Eintracht wie die bessere Mannschaft aus. Jede schottische Mannschaft wäre schon in zwei Minuten vernichtet worden.

„Daily Express“



Keine Schande für die Eintracht! Ihr gelang was keine britische Mannschaft vermocht hätte, nämlich diese Madrilenischen Zauberer in Weiß achtbar in Grenzen zu halten.

„Daily Mail“



Auch die Besiegten spendeten den Siegern Beifall. In dieser sportlichen und höflichen Geste der Deutschen kann man den Schlüssel zu jenem unvergesslichen Spiel erblicken...“

„Arriba“ / Spanien



Die Eintracht machte den Spaniern den Sieg in keiner Weise leicht. Real musste sich gegen die Kühnheit, das Tempo und die enorme Moral der Deutschen durchsetzen.

„YA“ / Spanien



Das beste und reichste aller Europapokal-Endspiele!

„Equipe“ / Frankreich
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Erinnerung an eines der größten Spiele im Waldstadion !!!


Quelle: Eintracht Hefte 5 / 1960
Eintracht – Rangers im Frankfurter Stadion
Aus der Sicht des Zuschauers!

Aus Wien erreichte uns ein Spielbericht, den ein Fußballbegeisterter Frankfurter an seinen Freund in der Donaustadt schrieb.
Wir bringen diesen Bericht ungekürzt, weil wir annehmen, dass viele tausend Frankfurter ähnlich dachten.



Lieber Franz!

Nach der gestrigen Nachtschlacht, die ich für diesen Brief unbedingt abwarten wollte, habe ich mich heute morgen nach einem Tiefschlaf ins Cafe an der Ecke gesetzt, um Dir Bericht zu erstatten. Du kennst meine Nervosität „uffm Platz“, aber mit dem Abstand einer Nacht will ich ganz objektiv sein.
Die 800 km-Reise, die Du hättest machen müssen, wäre nicht umsonst gewesen. Es war eines der ganz großen Spiele, die man nie vergessen wird. Eins ist sicher, - dass ich nämlich noch niemals nach einem Spiel so fertig war, als ob ich als Verteidiger, Läufer oder Stürmer selbst mitgemischt hätte.
Mit seiner Bedeutung und seinem phantastischen Rahmen übertraf es noch das Endspiel in Berlin. Das herrliche Waldstadion an einem warmen Frühlingsabend zum Überlaufen voll. Das Tribünengebäude lag wie ein Ozeandampfer vor dem Auslaufen im festlichen Licht. Die riesigen Lichtmasten machten das Stadion zugleich zu einem gewaltigen Festsaal, den 80000 Menschen mit Stimmung und eine Ami-Kapelle mit flotter Musik füllten.
Die Eintracht Reserve eröffnete zunächst mit einem guten Spiel (Schämer dabei sehr gut) und schoss 6 feine Tore. Eine Viertelstunde vor Spielbeginn – das Vorspiel war aus – kochte dann das Stadion wie ein Kessel Wäsche oder besser noch wie der Krater eines Vulkans. Rauchschwaden, Raketen, Leuchtkugeln, bengalisches Feuer, wogende Massen und schließlich der große Ausbruch der Stimmenorkane machten die Illusion fast zur gespenstischen Wirklichkeit – ein surrealistisches Bild.
Der Lautsprecher sprach von kleinen Waldbränden und beschwor zahlreiche Menschen, die in die Lichtmasten gestiegen waren, wegen Lebensgefahr herunterzukommen. Vergeblich, - nun stiegen noch mehr gen Himmel.
In dieser Viertelstunde nun führten an die hundert Schotten in Uniform und Zivil in fast südländischer Manier Tänze mit Fahnen und Transparenten vor, dass man an den Fasching erinnert wurde. Immer wieder umkreisten sie jubelnd und tanzend die Laufbahn und stürmten die Tore, - ohne Ball allerdings. Allgemeine Heiterkeit, als der Fahnenträger von den Schultern purzelte.
Dann endlich war es soweit. Das Einlaufen der Mannschaften beendet die Spannung, die man innerlich all die Tage und Wochen vorher angesammelt hat. Die Gedanken, die abends vor dem Einschlafen und morgens beim Aufwachen immer um das Spiel kreisten, haben jetzt endlich den festen Punkt – nämlich die Eintracht-Mannschaft, die den prächtigen Rasen wie eine riesige Bühne betritt. Dutzende von Reportern konterfeien Kapitäne und Schiedsrichter bei der Platzwahl. Die schottigen Schlachtenbummler beziehen Stellung hinter dem Eintrachttor, so als wäre es das Selbstverständlichste von der Welt, dass dort die Entscheidung fällt.
Die Ouvertüre war vorbei, jetzt wurde es Ernst. Die ersten paar Minuten schienen die Rangers zu regieren. Einige technische Tricks waren sehenswert. Prächtig wie die außen sich einsetzten, schneller Antritt von der Außenlinie in direktem Zug aufs Tor, schossen dann selbst oder gaben zum 11-Meter-Punkt zurück, von wo auch prompt 2 Schüsse aufs Eintrachttor zischten. Aber dann wusste man Bescheid – bei Höfer gab’s keinen Stich mehr, während Lutz mit Scott zunächst noch einige Mühe hatte, der in seiner Art ein wenig Richard Kreß ähnelt, ohne ihn allerdings an Wirkung zu erreichen.
Sehr bald schon begann sich die Eintracht durchzusetzen, - und das mit einem Fußballzauber gegen einen einen cleveren Gegner, der trocken, hart und moralisch unerschütterlich spielte, technisch gekonnt, - es will schon was heißen, wenn die Eintracht diesem Gegner langsam aber sicher das heft aus der Hand wand. Die Schotten konterten eiskalt und Loy musste wie sein gegenüber Niven wahre Pantersprünge zeigen, um Einschläge zu verhüten. Niven wehrte eine 15-Meter-Bombe mit der Faust ab und musste prompt behandelt werden. Was dieser Mann an Schwerstarbeit  geleistet hat, das verdient Bewunderung und bedauern zugleich. Mehrmals musste sein Verteidiger auf der Linie aushelfen.
Schon bei der Halbzeit hätte Eintracht führen müssen und das nicht nur wegen des verschossenen Elfmeters, den Richard Kreß zwar mit genügend Nervenstärke aber mit wenig Geschick prompt daneben schoß. Es gibt Elfmeter , bei deren Verschießen auch der Zuschauer spürt, - das kommt nicht wieder! Jetzt kommt Sand ins Getriebe. Merkwürdig, - wohl niemand hatte das Gefühl, dass eine nie wiederkehrende Gelegenheit verpasst war. Zu sicher lief das Spiel der Eintracht an diesem tage. Niemand hätte sich gewundert, wenn die Eintracht bei Halbzeit 3:1 geführt hätte. Als scheinbar die Experten kniffen, bewies Richard Mut und fasste sich verzweifelt an den Kopf! Sehr fatal!
Der prächtige faire Stinka verwandelte eine im Direktspiel sauber herausgearbeitete Vorlage und sorgte für das erste Tor des Tages. Ein harter Einsatz gerade im Strafraum, so eben an der Grenze zum Foulspiel, reichte zum Elfmeter für die Schotten. Es war ein ähnliches Vergehen wie das an Kreß, aber der Richard war im Alleingang, aussichtsreich, - niemand sonst im Strafraum. Die Schotten dagegen waren kaum um eine aussichtsreiche Chance gebracht worden. Es war Ansichtsache, aber der ausgezeichnete Referee schien mit dem englischen Fußball sehr vertraut. Für meinen Geschmack ließ er „gestrecktes Bein“ zu oft durchgehen. Die Schotten waren hart aber fairer als die Wiener, natürlich auch weit besser. Warum die Wiener in Frankfurt nicht 6:1 verloren haben? Erstens hatten sie mehr Glück und 2. hatte Alfreds Spiellaune damals einen Knacks bekommen.
Gestern aber beflügelte ihn sein einmaliger, phantastischer Strafstoß zum 3:1 etwa 15 Minuten nach der Halbzeit. Er spielte mit einem Einfallsreichtum und mit Tricks am laufenden Band, dass die Schotten für 10 Minuten nach Strich und Faden ins Schwimmen gerieten, ohne dass sie aber hilflos wirkten. Eine gewisse Ruhe strömten sie immer aus, auch wenn viere am Boden lagen und der Ball im Netz zappelte.
Von jenem Strafstoß wird man noch lange sprechen. Für Alfred scheint es manchmal einfacher zu sein, den Ball aus 18 oder 20 Metern um oder über die Mauer von 8 Spielern ins Tor zu bringen als vom Elfmeterpunkt aus, wenn niemand als der arme Torwart stören kann. Diesmal hatte der Kapitän der Schotten seine Mauer noch von Schusspunkt aus einvisiert. Diesmal gab es keine Lücke. Alfred leistete ein fast wissenschaftliche Arbeit und drehte den Ball mit Effet um die Mauer. Wer von Zufall spricht, hat Alfreds zahlreiche Traumschüsse aus ähnlichen Situationen noch nicht gesehen !
Ein weiteres Tor fiel nach einer Kanonade, als 4 oder fünf Bombenschüsse aus allen Ecken des schottischen Tores geschlagen oder geköpft wurden, bis schließlich wiederum Alfred Pfaff klug einknallte. Minutenlang ging es ähnlich weiter: Angriffe, Ecken, Freistöße und dabei gelang Dieter Lindner ein verdientes Kopfballtor. Der Zuschauerkrater hatte seinen größten Ausbruch! Sie spielten wie die Götter und es gelang plötzlich alles. Fliegende Kombinationen brandeten aufs schottische Tor, wobei die königlichen Schotten mit fliegenden Fahnen untergingen. Ihre Schlachtenbummler hatten zu diesem Zeitpunkt offenbar schon die Flucht ergriffen: vom Erdboden verschluckt, vom Krater ausgespien, in die Wälder geflüchtet. – den Schrecken im Nacken !
Aber nach leistet die schottische Mannschaft verbissen Widerstand. Sie konnten für kurze Zeit verteiltes Spiel erzwingen und sogar gefährlich durchbrechen. Aber Loy war nicht  mehr zu schlagen und einmal half ihn die Latte.
Dann kam wieder die Eintracht – einsatzfreudig – schneller am Ball – Direktspiel. Und wieder schlug es ein – Lindner! Die Zuschauerkehlen waren schon matter als die Lungen der entfesselten Eintracht-Mannschaft. Dann bekam Erwin Stein wie damals in Wien eine weite Vorlage, schüttelte den Mittelläufer ab, umspielte auch den Torwart, der ihm entgegenlief und aus spitzen Winkel hart bedrängt schoß er zum 6:1 ein! Gefasst ertrugen die Schotten das Todesurteil. Dann kam mit dem Schlusspfiff die Erlösung für die tapferen Rangers und zugleich die Bestätigung eines Eintracht-Triumphes ohnegleichen.
Wie ein Bienenschwarm im Aufbruch bewegte es sich im Stadion, Massen liefen auf das Spielfeld und unter den Klängen des Eintracht-Liedes, mit Raketen und Fahnen verließ ein glücklicher, menschlicher Ameisenhaufen die Stätte des großen, unvergesslichen Spiels.
Den spanischen Spionen war die Reise sicher aufschlussreich. Sie werden nicht schlecht gestaunt haben. Und diesmal musste auch Sepp Herberger nur Positives berichten können. Es wäre kaum zu fassen, wenn er niemanden gesehen hätte, der reif für die Nationalmannschaft ist. Vielleicht schickt er gar die komplette Eintracht nach Chile!

In diesem Sinne herzliche Grüße

Dein Freund Heinz