Fanhistorie XLVIII -Magic Moments

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Es war der 29.05.1999. Meine Eltern und ich waren im Urlaub auf Kreta. Glücklicherweise bekamen wir in Griechenland deutsches Fernsehen und so schauten wir ARD. Die Ergebnisse des letzten Spieltages wurden damals im Fernsehen gebracht. Als mein Vater die ersten Ergebnisse sah, wusste er dass die Eintracht abgestiegen war... Als aber plötzlich Frankfurt-Kaiserslautern 5:1 auf dem Bildschirm erschien, waren 2 verschiedene Welten im Zimmer. Mein Vater schlug gegen die Wand und schrie herum. Ich glaube, dass man das damals im ganzen Hotel gehört hat. Ich hab nur auf dem Bett gesessen und auf den Bildschirm gestarrt, wo 5:1 stand, und links nebendran ein Foto von Jan-Aage Fjörtoft eingeblendet wurde. So wirklich habe ich es damals nicht begriffen, glaube ich...Auf jedenfall bekomme ich immer wieder eine Gänsehaut, wenn ich den legendären Übersteiger von Jan-Aage sehe.

Am 25.05.03 war mein Vater zwar zu Hause, aber ich war mit einem Freund weg. Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass es wie verrückt schüttete. Mein Vater war zu Hause am Radio. Erst als ich nach Hause kam, wusste ich, dass es ein verrücktes Spiel gewesen sein musste. Mein Vater war noch ganz außer Atem. Als er mir sagte, dass die Eintracht 6:3 gewonnen hat und das 6:3 in der 94. Minute gefallen war, war ich ehrlich gesagt froh, dass ich nicht am Radio mithören musste. Denn das, was mein Vater an diesem Nachmittag durchstehen hatte müssen, hatte ich nicht unbedingt mitmachen wollen. Mein Vater war an diesem Tag mehrere Mal in die Hölle und wieder zurück gelaufen. Am Ende waren wir jedoch alle im Paradies. Eine Woche später fragte unsere Nachbarin uns, ob sich mein Vater schwer verletzt habe, weil sie vor einer Woche einen sehr lauten Schrei gehört habe, als ob jemand einen Hexenschuss bekommen hätte. Da wusste ich, dass der Schrei von meinem Vater beim 6:3 wirklich eine sehr große Erlösung gewesen sein musste.

Weniger spektakulär, aber in einem viel besseren und engerem Umfeld verbrachten wir den Aufstieg 04/05. In einer Eintracht-Kneipe sahen wir das 3:0 über Wacker Burghausen. Ich bin froh darüber, dass es diesmal nicht irgendwie eng geworden war, denn das muss man ja als Eintracht-Fan bekanntlich schon sehr oft miterleben. Die Heimfahrt war auch sehr geil. Weil es ein warmer Tag war, hatten wir die Fenster im Auto offen und als "Erbarme, die Hesse komme" abgespielt wurde, drehten wir das Radio richtig schön auf. Als wir bei uns in die Einfahrt bogen, schwenkte meine Mutter dort die Eintracht-Fahne.

Unvergessen wird für mich natürlich auch das Achtelfinale gegen Schalke 04 bleiben. Mein Vater dachte vorher, dass Schalke gewinnen würde.Obwohl er das sehr oft sagte, um dann den Schmerz und die Wut bei einer Niederlage besser verkraften zu können Ich glaubte zwar an die Eintracht, aber einen besonderen und oder hohen Sieg erwartete ich wahrlich nicht. Als ich im Videotext schaute und den Doppelschlag der Eintracht sah, drehte ich ab und sprang so fest auf den Boden, dass meine Mutter von unten ganz schön ernst fragte, ob ich noch leben würde. Ich lachte darauf nur. Als es aber wirklich schließlich 6:0 stand und ich runter ging, um das meinem Vater zu sagen, schüttelte auch der nur noch den Kopf. Wir wussten alle nicht, was heute im Waldstadion abgegangen war. Ein Freund von mir schaute erst nach dem Spiel auf Sat 1 im Videotext und glaubte, dass Sat 1 einen Tippfehler gemacht hätte. Als er die Überschrift "Eintracht deklassiert Schalke" sah, dachte er erst an ein 1:0 oder 2:0...

Zwar regt sich jeder Eintracht-Fan über ein Gegentor auf und man könnte meinen, er steht nicht mehr zur SGE, oder er ist ein Erfolgsfan. Im Inneren aber ist jeder immer Eintracht-Fan, glaube ich. Mein Vater ist auch längst nicht mehr der Alte. An ihm sind die vielen Niederlagen,Abstiege, Skandale, Trainer, etc. auch nicht spurlos vorbeigegangen. Im Inneren aber, weiß ich, steht er immer zur Eintracht, selbst wenn sie in der Oberliga spielen würde. Auch wenn man das oft nicht von ihm denkt, wenn man ihn über die Eintracht reden hört.

Für mich wird die Eintracht auch immer der Wunderverein sein, ich werde immer zur Eintracht stehen, egal ob 1., 2., oder 3.Liga. Ich glaube, dass alle Fans von der Eintracht dasselbe denken, auf jedenfall tief im Herzen. Denn diese magischen Momente der schon etwas entfernten Vergangenheit, aber auch die der noch ziemlich nahen Vergangenheit, gehen an keinem Eintracht-Fan spurlos vorbei...
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Und noch einen für den Nachwuchs:
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eagleadler schrieb:


Mein Vater dachte vorher, dass Schalke gewinnen würde.Obwohl er das sehr oft sagte, um dann den Schmerz und die Wut bei einer Niederlage besser verkraften zu können.


Durchschaut, den Herrn Vater  

Auch hier kann ich nur sagen: Kompliment, unserer ganzen schreibenden U17  
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Yep, hast ne gute Familie: Vater ein Adler und Mutter winkt mit der Eintrachtfahne. Chapeau und danke auch für Deine Geschichte !
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Ach ja...die Radiokonferenz gegen Reutlingen...

Ich habe im Internat so laut gejubelt nach dem Treffer und dem Abpfiff, daß aus einem anderen Gebäude ein Lehrer zu mir hoch kam und fragte, was passiert sei...
Mein Zimmernachbar gegenüber war Mainzfan und kam an dem Abend ziemlich zerknittert und stammelte nur etwas von "Glückwunsch!"


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