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Herbst - frei nach Rilke

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Herr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß
Leg deinen Schatten auf ein Auswärtsspiel,
und auf den Fanzug laß die Bullen los.

Befiehl den letzten Deppen voll zu sein;
gieb ihnen noch zwei Wodka mit Red Bull und
lass sie gröhlen, dümmlich grinsen, kotzen und
am ende hochgradig besoffen sein.

Wer jetzt noch Spaß hat, hat ihn bald nicht mehr.
Wer jetzt zum Fußball geht, wird leiden, klagen,
wird träumen, von den alten Zeiten, Tagen
und wird in den Bussen hin und her
unruhig wandern, und bald nichts mehr sagen.



original:

 Herr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
 Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
 und auf den Fluren laß die Winde los.
 
 Befiehl den letzten Früchten voll zu sein;
 gieb ihnen noch zwei südlichere Tage,
 dränge sie zur Vollendung hin und jage
 die letzte Süße in den schweren Wein.
 
 Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
 Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
 wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
 und wird in den Alleen hin und her
 unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.

 
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Fussball und Lyrik ist doch miteinander vereinbar!  
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Ich habe Daheim noch die Ausgabe: "Rilke für Gestresste", auch dort findet man sicherlich so manches treffliche.

Sodann,

auf den Fussballfrühling hoffend
kommt man doch dem Hebste nah
die Tage werden kurz und kürzer
kaum weiss man noch wie´s Sommer war.

Doch bei allem tristen Schein,
stimmt es traurig nicht so ganz,
fürwahr, so wird ewig sein,
der Wechsel zwischen Grau und Glanz.
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sehr schön, lt commander, sehr schön

darauf trinken wir demnächst nen boni. ganz und gar nicht grau.
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Beverungen schrieb:
sehr schön, lt commander, sehr schön

darauf trinken wir demnächst nen boni. ganz und gar nicht grau.



Na dann werde ich weiterhin meine stillen Notfallreserven mitführen, um jederzeit gerüstet zu sein.

Genervt hat mich allerdings, das ich das nun im Fettdruck hervorgehobene "es" vergass. Die Frage nach der Editierfunktion stelle ich nicht, wir haben ja nen Vorschau Button.

auf den Fussballfrühling hoffend
kommt man doch dem Hebste nah
die Tage werden kurz und kürzer
kaum weiss man noch wie´s Sommer war.

Doch bei allem tristen Schein,
stimmt es traurig nicht so ganz,
fürwahr, so wird es ewig sein,
der Wechsel zwischen Grau und Glanz.
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ich hab das "es" gelesen, obwohls gar nicht da war
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@Beverungen: Wenn Du noch einen zusätzlichen Tritt aufs Drastikpedal tun möchtest, könnte Rilkes 'Spätherbst in Venedig' erste Wahl sein, mit dem einprägsamen Vers: "Kopfüber, müde, umgebracht"  


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