Fanhistorie XLV: Der 25.8.1973 oder wie klein concordia zum eagle mutierte

#
Inspiriert durch die unerreichbaren Beiträge meiner Vorschreiber, nun auch meinen Senf zur Historie.

Ihr müsst wissen, ich hatte eine sehr schwere Kindheit, da in meinem Elternhaus das Interesse für Fußball knapp unter 0 % lag. Na ja bei meinem Papa vielleicht bei 0,25 %. Einen Fernseher hatten auch nur meine Großeltern, die einen Stock über uns wohnten, also auch keine Sportschau.

Fußball fand für mich als kleiner Steppke höchstens ab und an auf der Wiese gegenüber statt, aber auch dort wurde wegen der Mädchen meist „Webbeln oder Scheiteln“ (die Älteren werden sich vielleicht erinnern) gespielt. Und wenn dann mal Fußball gespielt wurde, dann gehörte man bis zum Alter von ca. 6 zum „Gewerzel“, nicht einmal wert gewählt zu werden. In der Grundschule unterrichtete die gute Frau Pigrun im Fach Turnen (das hieß damals so) auch tatsächlich Turnen, Fußball? No way.

Als ich dann 7 oder 8 war, gehörte ich nicht mehr zum „Gewerzel“, das waren jetzt die „Kleinen“, man wurde schon in eine Mannschaft gewählt und so langsam begann Fußball Spaß zu machen. Ungefähr ab 1968 nahm mich dann der Vater eines Klassenkameraden so 2-3 mal pro Jahr mit ins Stadion.

Ich begann nun zu ahnen, dass vielleicht auch der Verein meiner Heimatstadt ganz interessant sein könnte, Sympathie, so ich siedenn überhaupt für professionellen Fußball empfand, hatte ich aber nur zu den Bayern, na ja es gab halt keine Prägung. Besagter Vater eines Klassenkameraden gehörte nämlich ganz eindeutig zu der Spezie Mensch, die von Heinz so liebevoll als Lederhut  kategorisiert wurde. Wenn er also der die Spieler so schlecht fand, warum sollte der Verein was besseres sein?

Nun gut, immer noch hatte klein concordia wenig mit professionellem Fußball am Hut, Fußball mittlerweile gerne, aber dann selbst gekickt. Die erste einschneidende Änderung an  diesen unerfreulichen Zustand war die WM 1970 in Mexico. Sogar mein Papa schaute mit mir gemeinsam (beim Opa) die Spiele und ich war fasziniert, hin und weg, Fußball kann ja richtig geil sein. Der Virus wurde übertragen, schlummerte aber noch recht still und leise vor sich hin.

1971 kam ich aufs Gymnasium und verlor damit meinen „Stadionvater“. Nach rund einem Jahr also Mitte 1972 nahm mich dann mehrmals mein Onkel mit, zwischenzeitlich hatte ich begonnen auf Stadionbesuche zu drängen, allein durfte ich aber nicht und Papa wollte nicht. Mit meinem Onkel war das schon eine ganz andere Sache, er unterstützte (Neudeutsch: supportete) die Eintracht zwar nicht, meckerte aber auch nicht, sondern erklärte mir Taktiken und erläuterte mir das Spiel. Jetzt bekam der Stadionbesuch Gesicht und begann Spaß zu machen. Fasziniert war ich allerdings mehr vom G-Block, weniger vom Verein.

Frühjahr 1973 veränderte sich mein Onkel beruflich und wieder war es vorbei mit den Stadionbesuchen. Ich war jetzt aber doch schon ganz schön angespitzt und habe begonnen meinen Vater planmäßig zu bearbeiten. Nach den Schulferien war die Bastion reifgeschossen und weil mein Papa zwar ein weitestgehend am Fußball Uninteressierter, aber gleichwohl lieber Papa ist, fiel seine Wahl auf den 25.8.1973.

Eintracht Frankfurt : VFB Stuttgart
Wie immer auf der Gegentribüne, umgeben von Lederhüten und einem sehr schweigsamen Papa. Ich habe den Spielverlauf, die Tore e.t.c. extra nicht nachgeschaut, sondern schildere es so, wie es der 12 jährige Steppke erlebte.

In der ersten Halbzeit war die Eintracht optisch überlegen, der VFB versuchte zu kontern, weder der einen noch der andern Mannschaft gelang sonderlich viel, Halbzeit, Pfiffe, Bluna für klein concordia.

Die 2.Hälfte beginnt, ich meine wir saßen noch nicht richtig (ich glaube wir kamen etwas zu spät, Tor für Stuttgart, 0:1 und die Lederhüte fluchten. So um die 55. Minute (wie gesagt, die Zeit ist gefühlt) Tor Stuttgart 0:2, das Gemecker der Lederhüte nimmt gewaltige Ausmaße an. Ich meine beim Stand von 0:2 geht Uwe Kliemann in ein Kopfballduell und bricht sich das Nasenbein. Während das Blut, wie ein Wasserfall aus der Nase schoß und Uwe, mein Held am Spielfeldrand behandelt wird, macht Stuttgart das 0:3, die Lederhüte hörten schlagartig auf zu meckern und saßen ebenso fassungslos, wie still da. Uwe, immer noch leicht blutend kam wieder auf das Spielfeld zurück, egal keine Hand regte sich. Übrigens auch der heute gerne so verklärte G-Block war ruhig, da kam absolut nichts mehr, außer Pfiffen. Ich war den Tränen nah, die Eintracht fand ich doch mittlerweile ganz gut und so im eigenen Stadion gedemütigt zu werden, nein das war einfach nicht fair. Mein Papa versuchte mich zu trösten und während so eine fast schon gespenstische Ruhe herrschte, schoß die Eintracht, es wird wohl so um die 70. gewesen sein doch tatsächlich das 1:3 (Holz?, ich weiß die Torschützen nicht mehr aus dem Kopf). Wie aufgezogen fingen die Lederhüte wieder grußlos an zu meckern (merke, wenn sie meckern, ist es noch nicht so schlimm, dann geht noch was). Stuttgart jetzt aufreizend lässig, die Eintracht plötzlich wieder mit Leben, aber ohne die ganz große Überzeugung. Es muß wohl um die 80. gewesen sein, mehr oder weniger aus dem Nichts fällt das 2:3. Was war denn jetzt los, die Gegentribüne stand geschlossen auf, nix mehr Lederhut, das Stadion kochte, „Eintracht, Eintracht“ hallt es durch das ganze Stadion. Die Jungs plötzlich wie entfesselt, Ecke, Uwe immer noch blutend, stürmt nach vorne, die Ecke kommt, Uwe schraubt sich hoch, köpft und, und ...... verdammt Latte (ca.85.). Macht nix weiter geht’s, die Jungs müssen sich gesagt haben, wenn der Uwe mit Nasenbeinbruch an die Latte köpfen kann, können, nein müssen wir noch einen drauflegen. Und sie stürmen weiter, Stuttgart kommt kaum noch aus dem eigenen Strafraum und dann ca. 88. Jaaaaaaaaa, 3:3, das gibt’s doch nicht, alles schreit, jubelt, fällt sich um den Hals, tatsächlich auch mein Papa (unglaublich, wenn man ihn kennt), hüpft, springt, schreit, feuert an. Das Stadion steht Kopf. Aber damit nicht genug, wenn diese Eintracht mal ins Rollen kommt, muß der Gegner, der das übersteht erst noch geboren werden. Und richtig, kurz vor Schluß, geradezu zwangsläufig das 4:3 und Fertig, Abpfiff, Aus.
Was danach los war, spottet jeder Beschreibung, es war ein Hammer.

Der Virus war ausgebrochen, hart, heftig, unbarmherzig und durch nichts und niemanden zu besiegen. Ich habe verloren, der Virus wird mich mein Leben lang begleiten. Wie ging es weiter, mein Papa ging nie wieder ins Stadion (ich glaube er schämte sich, als er ohne Stimme, verschwitzt, stinkend und völlig derangiert wieder zu Hause ankam). Klein concordia kaufte sich ab der Saison 74/75 eine Dauerkarte für den G-Block und die Liebesbeziehung geriet nur noch kurz in Gefahr, als klein concordia meinte am 25.1.1975 nur im Eintrachttrikot (aber das sieht halt so cool aus) bei 1 Grad und Nieselregen das Spiel gegen Bremen sehen zu müssen und sich eine Lungenentzündung einfing. Da war die Dauerkarte ernstlich in Gefahr von Muttern eingezogen zu werden. Weil ich aber auch eine liebe Mama habe, konnte ich diese Krise meistern.

Ich glaube es war der Lattenkopfball von meinem Held Uwe, der den Virus unheilbar hat werden lassen, der jede Gegenwehr bei klein concordia auslöschte.

Gruß
concordia-eagle
#
Mensch Leutz, was macht ihr denn?
Ich komme nicht vom PC weg und hab dabei noch so viel zu tun (meine Frau meckert schon).

Einfach nur geil, super geschrieben und man ist wieder beim damaligen Spiel dabei.

In jeder Historie steckten neben persönlichen Dingen auch so viele déjà-vues.

Im Moment ist das Forum viel mehr als nur eine Information- und Diskussionsplattform, es ist eine Art Zeitmaschine in die eigene Vergangenheit.

Ich bin mir aber sicher, auch für die etwas jüngeren User kommt etwas vom Eintrachtgefühl der damaligen Zeit rüber
#
Nur für Dich Uli
Die böse Bube und Mädcher,die meinen Fred verhunzt haben ,weggugge.


#
Mein lieber Uli,

vielen Dank für deinen schönen Bericht. Da gibt es die eine oder andere Parallele zu meiner "Menschwerdung", aber davon irgend wann einmal mehr...

Ich beziehe mich etwas ausdrücklicher auf deine Schilderung des Spieles gegen Stuttgart. Denn auch früher wurde das hier im Forum schon einmal thematisiert, allerdings unter dem Gesichtspunkt "Zu früh nach Hause gehen." Ich schrieb damals schon einen etwas ausführlicheren Beitrag. Ich ahnte, das wir irgendwann einmal wieder auf dieses Spiel zu sprechen kommen. Deshalb hob ich mir den Link zum Fred auf, was mich in die schöne Lage versetzt, hier nun prompt reagieren zu können.

Ich bin deshalb so frei, meinen damaligen Beitrag an dieser Stelle noch mal reinzustellen. Ich hoffe, ihr habt nicht nur Verständnis, sondern auch etwas Spaß daran. Denn er vermittelt mehr als nur einen historischen Tag...

"Saison 1973/74.

Eintracht - VFB Stuttgart, 4.Spieltag

Es war nach langen Jahren mal wieder eine gute Saison. Die Eintracht hatte zuvor in Köln 1:1, gegen Duisburg 3:0, und in Lautern 4:1 gespielt.

Es war ein heisser Sommertag. Das Stadion war im Umbau für die WM 74 und mit 35.000 hoffnungsfrohen Zuschauern ausverkauft.

Stuttgart war ebenfalls gut gestartet.

Und nach ich glaube etwa 70 Minuten stand es aussichtslos 0:3. Die Eintracht hatte einfach kein Mittel gefunden, und Stuttgart spielte clever das Spiel runter.

Meine Heimat war damals der G-Block.

Mit etwa 10 Leuten rollten wir unsere großen Fahnen ein, trotteten nach oben und gingen auf der Rückseite die Stufen runter zum Blockausgang.

Ein paar Meter weiter war eine Getränkestand, wo wir noch mal anhielten und uns etwas Kühles gönnten.

Wir standen einige Minuten desillusioniert da, als plötzlich Torjubel aufbrandete!

Wir rechneten mit dem 0:4, erkannten jedoch nach ein paar Sekunden, daß die Eintracht verkürzt hatte.

Sofort hasteten wir wieder die Stufen zum Block hinauf. Dort standen aber eine Menge Leute herum, ein Durchkommen war unmöglich, und zu sehen war auch nichts.

Was tun?

Wir rannten wieder runter, rüber zum Block H, und dort wieder rauf.

Damals gab es, vom G-Block durch einen Zaun getrennt, einen etwa 1 Meter breiten Streifen oberhalb des H-Bocks und seitlich vom oberen Teil des G-Blocks. Unterhalb dieses Streifens begann der Abhang der Bepflanzung von Bäumen und Sträuchern.

Vom H-Block aus, in den man im übrigen wegen der vielen Leute auch nicht mehr reinkam, konnte man auf diesen schmalen Streifen raufkraxeln.
Auch dort standen zwar schon etliche Leute, aber es war noch etwas Platz, und wir quetschten uns dazwischen.

Es dauerte auch nicht lange, da fiel das 2:3, was schon sehr starke Turbulenzen zur Folge hatte. Nach lebhaftem Jubel wurden dann auch flugs die großen Fahnen wieder zusammengebaut, obwohl es dort kaum PLatz zum Schwenken gab.

Die Stimmung im Stadion hatte sich schlagartig geändert.

Nach dem 0:3 gab es keine Pfiffe (warum auch, die Eintracht spielte nicht schlecht, aber es gibt ja so Tage an denen halt anscheinend einfach nichts klappt...). Es war einfach nur Stille.

Nach dem 1:3 gab es aufmunternde Anfeuerung.

Diese wich nach 2:3 wilden "EINTRACHT! - (klatsch klatsch klatsch) - EINTRACHT!" - Stakkatos (ich muß dazu sagen: wir haben auch damals schon ne Menge Lieder geträllert, aber das war bei diesem Spiel und zu diesem Spielstand völlig irrelevant. Die Leute waren nun viel zu angespannt).

Auf dem Platz hatte die Eintracht das Spiel schon längst an sich gerissen. Stuttgart kam nicht mehr über die Mittellinie. Angriff auf Angriff brandete auf das Stuttgarter Tor.

Nun, es kam wie es zum Glück eben kam an diesem großen Tag in der Eintracht-Geschichte: die Eintracht glich aus zum 3:3.

Bei den Leuten gab es kein Halten mehr.

Man wußte garnicht mehr was man zuerst tun sollte: brüllen, springen wie ein wildgewordener Ochse, Leute umarmen, versuchen die Fahne zu schwenken, in die damals weitverbreitete 3-Klang-Hupe, die einem um den Hals baumelte, reinpusten das die Backen platzen...

Das Spiel lief weiter. Die Eintracht stürmte mit Mann und Maus. Die Zuschauer hatten sämtliche Hemmungen fahren lassen und brüllten wie die Stiere. "EINTRACHT! EINTRACHT!" donnerte es durchs Stadion. Niemand saß mehr auf seinem PLatz. Stuttgart fand nicht mehr statt, wurde nun förmlich hinausgefegt aus dem Stadion von dem Orkan auf dem Platz und den Rängen!

Das Spiel erhob sich nun zur Legende: es folgte das 4:3!

Das Stadion bebte, wildfremde Menschen lagen sich in Rudeln in den Armen und sprangen und tanzten als hätten sie alle Last der Welt abgeschüttelt, die Unsterblichkeit erlangt und noch nen 6er im Lotto obendrauf.

Von unserem Mob hinterm Zaun war nichts mehr erkennbar. Arme, Beine, Köpfe, Fahnen, alles wie nach einem Wirbelsturm wild durcheinander gemischt und umhüllt von einer dicken Staubwolke.

Wir verloren nicht nur den Boden unter den Füssen sondern purzelten anschließend in tiefer Glückseligkeit zwischen Bäumen und Sträuchern 20 Meter den Abhang hinunter.

Schlusspfiff!

Beim Gedanken an diesen Tag überkommt es mich noch heute, 30 Jahre später.

Zu allem Glück kommt noch, daß der Vater von einem unserer damaligen Jungs die Endphase des Spieles, die live und ungeschnitten im Radio übertragen wurde, auf Cassette aufgenommen hat.

Eine Kopie davon hab ich hier zuhause. Von Zeit zu Zeit, wenn ich etwas Aufmunterung nötig habe, höre ich es mir an.
Die Klangqualität ist mies. Der Radioreporter ist nach dem 2:3 kaum mehr zu verstehen so tobt die Kulisse.

15 Minuten Legende für die Ohren. Unbezahlbar.

Es sind Dinge wie diese, die mich auf ewig an diesen Verein binden.

Und die Erinnerung an solche Tage wie diesen oder das 5:1 gegen Lautern im Mai 99 werde ich eines Tages mitnehmen in eine hoffentlich bessere Welt..."

Mehr möchte ich im Moment nicht anfügen. Die Erinnerungen und Gefühle sind auch nach über 30 Jahren noch riesig.
#
Schön "Kölner".
Danke

Mein erstes Spiel war 1966 auch gegen den VfB Stuttgart.
(Das ist zumindest meine erste Karte.)
Ich weiß  aber nur noch, dass ich auf der Stange, wohl im späteren A-Block, saß.
#
Lieber Miep,

auf Leute wie dich hatte ich damals einen Hals.
Ich stand auch bei dem legendären Spiel gegen den VFB im G-Block und habe mich furchtbar über diejenigen aufgeregt, die nach dem 0:3 rausgingen. Ich sehe heute noch mein damaliges Ido Uwe Kliemann im Strafraum stehen. er war für mich das Symbol, auch bei einem 0:3 nie aufzugeben. Leute, das war ein geiles Spiel.
#
Sch... historien, habt ihr alle Weichspüler gesoffen. Kann hier nicht endlich mal wieder richtig gemütlich gepöbelt werden?  
...
...
...
Nee quatsch:

Geile Gefühls- und Spielbeschreibung (und Respekt vor deinem Gedächtnis, ich hab jetzt schon wieder halb vergessen was du geschrieben hast, also les ich’s lieber noch mal...)
#
@ Petermann

mal wieder vielen Dank für die "Untermalung" durch den Kicker.

@ Wahrer Bembel

Ich weiß garnicht was du willst. Es war ein heißer Sommertag, deutlich über 30 Grad. Wir hatten uns mal wieder bis nahe an die Bewußtlosigkeit gebrüllt und brauchten einfach eine Erfrischung.
Garnicht nett fand ich, daß die Eintracht das erste Tor schoß, als wir grade mal kurz draußen waren. Und noch weniger nett fand ich, daß die Luschen oben im Block, die eh nur die ganze Zeit dumm rumstanden, uns nicht wieder auf unsere Plätze ließen...
#

Ich muss unbedingt "gereizt" rechtgeben. So kann das nicht weitergehn. Da wird das Forum mit wechselseitigem Lob zugemüllt und alle haben sich ganz arg lieb. Was ist los mit euch? Okay, wir haben seit vier Pflichtspielen nicht mehr verloren und stehen nicht mehr auf einem Abstiegsplatz. Ja, und das Tor von Preuß war ja schon ganz nett. Soll aber deswegen hier schon die Große Harmonie ausbrechen? *kreisch* NIEMALS! Wir müssen uns wieder auf unser Kerngeschäft konzentrieren: Pöbeln, Meckern, Maulen, Fukel raus, Augenkrebs, MannMannMann! Ich schaue Seite 1 von "Unsere Eintracht" an, was muss ich lesen: "schön", "gut", "herzlichen Glückwunsch" etc. etc.     Und der JJJ-Fred droht unbemerkt auf Seite 2 zu emigrieren, nach gerade mal 56 Tsd. clicks  



 



So, jetzt kann man mich wenigstens nicht mehr der Sentimentalität zeihen. Schee geschriebe, CE. Des gibbt e Extrafedder für de Kopfbutz! Tja, auch wenn man einen Jungadler im Hühnerstall aussetzt und sich anfangs alle über ihn lusdisch mache, weil er nicht so schön mit dem Kopf rucken kann wie ein Huhn - eines Tages wird er die Flügel ausbreiten und majestätisch davonfliegen, die Hühnerwelt weit unter sich lassend.

À pro Po: bin gespannt, wann Attila sich entschließt und zur Feder (!) greift. "Nachdem ich mit einem letzten verzweifelten Schnabelhieb die Einerschale zersprengt hatte und neugierig meinen Kopf rausstreckte, fiel mein scharfer Adlerblick auf ein riesiges ovales Ding voller Zweibeiner mit merkwürdig schwarz-rot gefärbtem Gefieder. In der Mitte rannten andere Zweibeiner in Richtung eines nestähnlichen Gebildes und rollten sich dabei abwechselnd ein annähernd eiförmiges Gebilde zu. Plötzlich lag das Ei im Nest. Alle waren außer sich und hüpften und schlugen mit ihren Flügelstummeln, als wollten sie auf der Stelle verzweifelt fliegen lernen. Da war mir mit einem Mal klar, dass das da unten irgendwie alles Adler waren. Und ich - auch einer." etc. etc.

@ Attila: To be continued!
#
Also für einen der auf der L-Schule wahrscheinlich mit Ach und Krach das Notabitur geschafft  hat, ist der Beitrag gar nicht sooooooooo schlecht.

Ich weiß auch noch wo ich das Stuttgartspiel erlebt habe. Ich befuhr mit meinem Bonanzarad die damals noch nicht eröffnete A66 in Höhe der heutigen Bundesbank ein kleines Radio direkt am Chopper Lenker. Sehr cool. Ihr hättet mich sehen müssen.
Ich konnte nicht glauben was da aus dem Radio kam. Meine Kinder würden das wohl endgeil nennen.


Ungeachtet dessen muß ich den Herren CE in einem Detail noch korrigieren.

Auch ich hatte das Glück bei Frau Pigrun in der Heinrich Seliger Schule meine ersten Erfahrungen mit Frauen zu machen, die nicht wie Mama waren.
Das Fach hieß übrigens nicht Turnen ,sondern Leibeserziehung. Und genauso schön wie sich dieses Wort anhörte ,war auch der Unterricht.

Frau Pigrun- meines Erachtens eine ehemalige BDM_Führerin- hatte sehr wohl etwas für Fußball übrig. Sie übte immer ganz kräftig den Abschlag des Tormanns. Allerdings benutzte sie dafür  keinen Ball, sondern  die Hintern der ihr anvertrauten Kinder, falls diese beim Feldaufschwung mal wieder  versagten.
kein Wunder das wir das geworden sind was wir sind.
#
HeinzGründel schrieb:
.. Ich befuhr mit meinem Bonanzarad die damals noch nicht eröffnete A66 in Höhe der heutigen Bundesbank ein kleines Radio direkt am Chopper Lenker. Sehr cool. Ihr hättet mich sehen müssen. .. Meine Kinder würden das wohl notgeil nennen.
... Allerdings benutzte sie dafür keinen Ball, sondern die Hintern der ihr anvertrauten Kinder, falls diese beim Feldaufschwung mal wieder versagten.
kein Wunder das wir das geworden sind was wir sind.

Spricht für deine Kinder, dieses ungetrübte Urteilsvermögen.
Und du bist natürlich für dein Auftreten auf der A 66 entschuldigt. Scheinst ja durch eine "harte" Schule gegangen zu sein...  

@klein concordia
Großes Kino!
#
Großes Kino!

Ich habe seit 1970 nur wenige Spiele im Stadion versäumt. Von den vielen hundert Erlebten gehört das hier so eindrucksvoll geschilderte mit Sicherheit zu den Top Ten (wäre eigentlich mal einen eigenen Thread wert: Die individuelle Hitliste). Ich sehe mich heute noch nach erfolgreicher Aufholjagd vor Begeisterung fast wahnsinnig werden.

Ein guter Freund verließ damals nach dem 0:3 schon das Stadion. Gelernt hat er aus diesem unverzeihlichen Fehler offenbar nichts. An einem sagenumwobenen Maisamstag 1999 tat er nach dem zwischenzeitlichen Ausgleich genau das Gleiche

Gruß

Adler 1959
#
Auch eine schöne Geschichte.

concordia-eagle schrieb:
als klein concordia meinte am 25.1.1975 nur im Eintrachttrikot (aber das sieht halt so cool aus) bei 1 Grad und Nieselregen das Spiel gegen Bremen sehen zu müssen und sich eine Lungenentzündung einfing.


Naja, ein wenig Optimismus gehört schon dazu. Und immerhin wars ja noch über 0°C. Da wäre Eintrachtverbot auch etwas hart gewesen.
#
Peter,
meinen allerherzlichsten Dank für die prompte Zurverfügungstellung des Spielberichts. Bis auf das erste Stuttgarter Tor, was ich als früher empfand, lag ich mit den Toren gar nicht mal soo falsch.

Klaus,
unglaublich, ich kannte Deine Schilderung nicht. Wie haben ja eine fast 100%ige Übereinstimmung bei der Spielwahrnehmung, einschließlich der "Grabesstille" nach dem 0:3. Füe zwei so alte Säcke nach über 30 Jahren gar net mal so schlecht

ak,
ein sehr starker Anfang für Attilas "Memoiren". Aus Gründen der inhaltlichen Ordnung müßte ja wohl Matzel die Fortsetzung schreiben.

Heinz,
Notabitur Dir huste ich was. Ich hätte Dich aber zu gerne auf Deinem Bonanzarad mit dem coolen Radio gesehen. Als ich das las und mir Dich dabei bildlich vor Augen führte, bin ich vor Lachen fast zusammengebrochen. Pigrun BDM stimmt. Hieß das wirklich Leibeserziehung? Na Du mußt es wissen, Du bist ja noch viiiel jünger, als ich

all,
Danke
Gruß
concordia-eagle
#
@Concordia Eagle
erstmal vielen Dank fuer deinen tollen Bericht. Schwere Kindheit?, du hattest es doch gut, bei uns gab es bis Ende 70 auch kein Fernsehen (den ersten habe ich der Familie mit meinem ersten Lehrlingsgehalt gespendet). Das Problem bei uns wohnten keine Grosseltern.

Meine Familie selbst interessiert sich bis zum heutigen Tag nicht fuer Fussball. Ich kann mich auch nicht erinnern, dass mein Vater mit mir einmal Fussball gespielt haette. Schlussendlich kann man sagen dass es deine und meine freie Entscheidung war Eintracht Fan zu werden.
Was ich so besonders finde, auch fuer mich war dieses 4:3 das erste Spiel an das ich mich so richtig erinnern kann. Ich hatte so ein kleines Transitorradio, es war Sommer und ein paar Kumpels und ich spielten Fussball am Semenbach. Wie der Zufall es wollte machten wir eine Pause, ich schaltete mein Radio ein, eine Stimme meldete sich und sprach vom 0:3, doch kurze Zeit spaeter fiel das 1:3, ich war wie gebannt am Radio. Nur meine Kumpels fandens nicht so toll, da jetzt jemand beim Fusball spiel fehlte.

Als ich gegen 18:00 nach Hause kam und meinen Eltern stolz davon berichtete, war die Antwort nur, dass Wasser im Bad ist heis, du kannst dann baden.

Heute erzaehle ich meinen Kindern noch immer diese Geschichte vom 4:3, wenn es darum geht nicht aufzugeben. Mittlerweile sagen sie nur noch, wir wissen 4:3.

Gruss aus Kapstadt
#
concordia-eagle schrieb:

Ihr müsst wissen, ich hatte eine sehr schwere Kindheit, da in meinem Elternhaus das Interesse für Fußball knapp unter 0 % lag.  


Ich wage es zu behaupten, das es da so manchen härter erwischte ,-)

Wahrlich eine schöne Annäherung an die Eintracht, die mit einem wahrlich besonderem Feuerwerk als Initialzündung endete. Dieses Spiel hatte eigentlich nur ein einziges Manko, es kam ein Jahr zu früh (zumindest aus meiner Sicht).

Ein weiteres Highlight, in diesen Tagen, die uns so viele dieser Art bescheren. Mir ist nicht bekannt, das Fans anderer Vereine ebenso reich beschenkt werden.

Thx little concordia und auch Klaus, für die tollen Schilderungen.
#
Saugeil! Ich wäre gerne dabei gewesen. Alleine Miep und Co zu sehen, wie sie 20m einen Abhang runterpurzeln!    Ich hoffe nur, daß ihr euch dabei nicht verletzt habt.
Etwas ähnliches habe ich im Vorfeld zum Wunder '99 erlebt - zwar nicht im Sadion, aber am Radio beim Autosäubern:
Schalke 2:3 Eintracht
Nach 15 min stand es 2:0 für Schalke und Frankfurt war so gut wie sicher abgestiegen...
Bei Sobotziks Elfmeter habe ich mir sämtliche Fingernägel abgekaut und nach dem Siegestreffer von Janßen rannte ich wie wild mit meiner Fahne durch die Gegend. Schee wars! Am Di (oder war es der Mi?) darauf holte ich mir noch Stehkarten für das Finale.
#
Schöne Erinnerung für die Sommerpause! Danke
#
gereizt schrieb:
Schöne Erinnerung für die Sommerpause! Danke




Ich glaube ich stöbert auch ein bisschen, die Fanhistorien sind immer schön zu lesen.
#
Die lese ich sehr oft. Gerade dann wenn man von unserer Mannschaftsleistung etwas enttäuscht ist, lese ich dieses und dann geht´s einem wieder richtig gut.


Teilen

Du befindest Dich im Netzadler Modus!