Jever schrieb: Wobei die ganz große Trauer bei mir da nicht aufkommen mag. Die leben doch nur von ihren Klassikern, die sie ganz nebenbei in den neuen Auflagen auch immer mehr durch schlechte Gestaltung oder Kommentierung verhunzen. Ernstzunehmender Literaturverlag sind die m.E. nach schon länger nicht mehr. Bei Interesse mal anschauen, wie beispielsweise Ruth Klügers "weiter leben" abgelehnt wurde....
Genau. Klassiker in Salamitaktik auf den Markt werfen - Unseld-Politik. Der Big Mac verlegter Literatur. Buchgestaltung ad absurdum führen. Mitunter gute Leute für die Buchgestaltung einkaufen, sie dann aber nicht einsetzen (kennt man das nicht von gewissen Fußballvereinen?). Ich mag Bücher sehr. Vom Suhrkamp-Verlag habe ich in den letzten 10 Jahren (oder noch länger?) keins mehr gekauft. Frankfurt erleidet durch den Umzug dieses Verlages keinen Verlust.
"Durch den Verkauf des Frankfurter Verlagshauses werde die Verlegerin an Geld kommen, mit dem sie ihre Einlage in der Kommanditgesellschaft erhöhen könnte. Dann müssten die anderen Anteilseigner mitziehen. Dafür allerdings würden, so wird weiter spekuliert, dem ungeliebten Stiefsohn die Mittel fehlen, wodurch er gezwungen wäre, billig zu verkaufen. Wie genau sich das mit der Kommanditgesellschaft verhält, weiß aber niemand."
Das wäre dann ja garnicht mal so unschlau eingefädelt. Den Verlag zum Spielball persönlicher Strategien zu machen, nun ja, wäre freilich auch nicht die ganz feine Art. Aber ist diese heutzutage überhaupt noch gefragt?
Knueller schrieb: Naja, die Kultur- und auch die Literatenszene pulsiert aber schon eher in Berlin. Frankfurt ist da nicht der Topstandort für (jaja nicht gleich beleidigt sein, gibt andere tolle Sachen hier ).
In der Richtung hat sich die SZ jetzt auch mal mit Frankfurt beschäftigt:
da steht es ja auch schwarz auf weiß, das die berliner mit mitteln aus dem länderfinanzausgleich und aus eu töpfen den verlag in ihre ach so tolle stadt geholt haben... aber in frankfurt herrschen ja nur rauhe komik und der hang zum derben...
Knueller schrieb: Naja, die Kultur- und auch die Literatenszene pulsiert aber schon eher in Berlin. Frankfurt ist da nicht der Topstandort für (jaja nicht gleich beleidigt sein, gibt andere tolle Sachen hier ).
In der Richtung hat sich die SZ jetzt auch mal mit Frankfurt beschäftigt:
Sehr guter Artikel, dem ich im Großen und Ganzen zustimmen würde. Genauso schätze ich Frankfurt auch ein:
SZ schrieb: aber es lässt sich das Gefühl nicht besiegen, dass alle diese Künstler und Gelehrten, die Theater und Ausstellungen hier nicht sehr tief verwurzelt sind, weder mit der Stadt amalgamiert noch aus ihr hervorgegangen.
Frankfurt steht nunmal nicht für Kunst und Kultur. Trotz Goethe und Buchmesse (s.o.). Wer sich umhört, stellt fest, dass es viele -auch und gerade die jungen- Künstler in die Hauptstadt zieht. Was kein Wunder ist, denn eine bessere Möglichkeit, sich zu entfalten, als in dieser verrückten Stadt, wo es nahezu für jede kulturelle Ausprägung eine eigene Szene gibt, kann man sich kaum vorstellen. Frankfurt ist in der Hinsicht für Berlin keine Konkurrenz. Zu verschlossen und nicht so pulsierernd - und irgendwie nicht so "intellektuell" (klingt scheisse, mir fällt nur grad keine bessere Formulierung ein). Wäre ich Schriftsteller, ich würd mich auch woanders inspirieren lassen als in Frankfurt.
In einem muss ich aber widersprechen:
SZ schrieb: Frankfurt gehört nicht zu den Städten mit auftrumpfendem Lokalpatriotismus.
Das habe ich ganz anders kennengelerent. Habe kaum Leute getroffen, die mit einem solch fürstlichen Lokalpatriotismus gesegnet und so dermaßen stolz auf ihren Dialekt, ihren Äppler, ihre Skyline, ihren Ruf als Hauptstadt des Verbrechens und als Finanzmetropole sind.
zwerg_nase schrieb: aber in frankfurt herrschen ja nur rauhe komik und der hang zum derben...
SZ schrieb: Frankfurt gehört nicht zu den Städten mit auftrumpfendem Lokalpatriotismus.
Das habe ich ganz anders kennengelerent. Habe selten soviele Leute getroffen, die mit einem solch fürstlichen Lokalpatriotismus gesegnet und so dermaßen stolz auf ihren Dialekt, ihren Äppler, ihre Skyline, ihren Ruf als Hauptstadt des Verbrechens und als Finanzmetropole sind.
Frankfurt steht nunmal nicht für Kunst und Kultur. Trotz Goethe und Buchmesse (s.o.). Wer sich umhört, stellt fest, dass es viele -auch und gerade die jungen- Künstler in die Hauptstadt zieht. Was kein Wunder ist, denn eine bessere Möglichkeit, sich zu entfalten, als in dieser verrückten Stadt, wo es nahezu für jede kulturelle Ausprägung eine eigene Szene gibt, kann man sich kaum vorstellen. Frankfurt ist in der Hinsicht für Berlin keine Konkurrenz. Zu verschlossen und nicht so pulsierernd - und irgendwie nicht so "intellektuell" (klingt scheisse, mir fällt nur grad keine bessere Formulierung ein). Wäre ich Schriftsteller, ich würd mich auch woanders inspirieren lassen als in Frankfurt.
Sehe ich nicht so bzw. sehe ich als nix positives. Diesen "entfalten" in Berlin, dieses fuer jede "kulturelle Auspraegung eine eigene Szene": Berlin ist doch so gefangen in seinem Intellektulismus, dass vieles sich selbst wieder einschraenkt. Und mal ehrlich: die "Literatur", die wir so durchschnittlich aus der Hauptstadt zu lesen bekommen, kann man doch getrost in die Tonne kloppen, wenn der Autor nicht ueber 50 ist. Und seh da, da habe ich letzte Woche ein Buch aus dem Ruhrpott gelesen. Das war mal wieder eines, das gut war. Und dann kommt das auch noch aus dem biederen Ruhrpott. Dieses Biedere laesst doch viel mehr Kreativitaet zu als die "Entfalltungsmøglichkeiten" in Berlin.
Durs Grünbein, Wladimir Kaminer, Günter de Bruyn, Sten Nadolny - sind die in Berlin ansässigen Autoren, die mir spontan einfallen, wenn jemand behauptet, die Literatur aus dieser Stadt könne man "in die Tonne kloppen".
Aus Ffm kamen mir in letzter Zeit nur Krimis mit starkem Lokalkolorit unter. :neutral-face
Ffm bleibt die kleinste Weltstadt des Kontinents mit all ihren bekannten Vorzügen, aber man sehe nur mal die bloße Zahl von Theatern, anderen Bühnen, Galerien, etc. in Berlin und behaupte dann ernsthaft, daß der kulturelle Input dieser Stadt mit dem irgendeiner anderen im Lande vergleichbar sei.
Trotzdem halte ich den Umzug von Suhrkamp für unnötig, denn ein großes Büro in Berlin sollte für die Autoren vor Ort genügen und Ffm liegt geographisch einfach bedeutend besser.
maobit schrieb: Durs Grünbein, Wladimir Kaminer, Günter de Bruyn, Sten Nadolny - sind die in Berlin ansässigen Autoren, die mir spontan einfallen, wenn jemand behauptet, die Literatur aus dieser Stadt könne man "in die Tonne kloppen".
Aus Ffm kamen mir in letzter Zeit nur Krimis mit starkem Lokalkolorit unter. :neutral-face
Ffm bleibt die kleinste Weltstadt des Kontinents mit all ihren bekannten Vorzügen, aber man sehe nur mal die bloße Zahl von Theatern, anderen Bühnen, Galerien, etc. in Berlin und behaupte dann ernsthaft, daß der kulturelle Input dieser Stadt mit dem irgendeiner anderen im Lande vergleichbar sei.
Trotzdem halte ich den Umzug von Suhrkamp für unnötig, denn ein großes Büro in Berlin sollte für die Autoren vor Ort genügen und Ffm liegt geographisch einfach bedeutend besser.
Meisterleitung: ich schreib von ueber 50 und zwei von denen sind weit ueber 50. Die anderen beiden...na gut, setz ich halt runter auf ueber 40. Von Frankfurt habe ich gar nix geschrieben.
Frankfurt steht nunmal nicht für Kunst und Kultur. Trotz Goethe und Buchmesse (s.o.). Wer sich umhört, stellt fest, dass es viele -auch und gerade die jungen- Künstler in die Hauptstadt zieht. Was kein Wunder ist, denn eine bessere Möglichkeit, sich zu entfalten, als in dieser verrückten Stadt, wo es nahezu für jede kulturelle Ausprägung eine eigene Szene gibt, kann man sich kaum vorstellen. Frankfurt ist in der Hinsicht für Berlin keine Konkurrenz. Zu verschlossen und nicht so pulsierernd - und irgendwie nicht so "intellektuell" (klingt scheisse, mir fällt nur grad keine bessere Formulierung ein). Wäre ich Schriftsteller, ich würd mich auch woanders inspirieren lassen als in Frankfurt.
Sehe ich nicht so bzw. sehe ich als nix positives. Diesen "entfalten" in Berlin, dieses fuer jede "kulturelle Auspraegung eine eigene Szene": Berlin ist doch so gefangen in seinem Intellektulismus, dass vieles sich selbst wieder einschraenkt. Und mal ehrlich: die "Literatur", die wir so durchschnittlich aus der Hauptstadt zu lesen bekommen, kann man doch getrost in die Tonne kloppen, wenn der Autor nicht ueber 50 ist. Und seh da, da habe ich letzte Woche ein Buch aus dem Ruhrpott gelesen. Das war mal wieder eines, das gut war. Und dann kommt das auch noch aus dem biederen Ruhrpott. Dieses Biedere laesst doch viel mehr Kreativitaet zu als die "Entfalltungsmøglichkeiten" in Berlin.
In Berlin gibt es keine Autoren unter 50. Schreibende unter 50 heißen dort Grundschüler. Titanic hat auch mal den Umzug nach Berlin geprobt. Ist aber wieder nach Frankfurt zurückgekehrt (die Autoren waren halt noch keine gefühlte 50, damals.)
maobit schrieb: Durs Grünbein, Wladimir Kaminer, Günter de Bruyn, Sten Nadolny - sind die in Berlin ansässigen Autoren, die mir spontan einfallen, wenn jemand behauptet, die Literatur aus dieser Stadt könne man "in die Tonne kloppen".
Aus Ffm kamen mir in letzter Zeit nur Krimis mit starkem Lokalkolorit unter. :neutral-face
Ffm bleibt die kleinste Weltstadt des Kontinents mit all ihren bekannten Vorzügen, aber man sehe nur mal die bloße Zahl von Theatern, anderen Bühnen, Galerien, etc. in Berlin und behaupte dann ernsthaft, daß der kulturelle Input dieser Stadt mit dem irgendeiner anderen im Lande vergleichbar sei.
Trotzdem halte ich den Umzug von Suhrkamp für unnötig, denn ein großes Büro in Berlin sollte für die Autoren vor Ort genügen und Ffm liegt geographisch einfach bedeutend besser.
Meisterleitung: ich schreib von ueber 50 und zwei von denen sind weit ueber 50. Die anderen beiden...na gut, setz ich halt runter auf ueber 40. Von Frankfurt habe ich gar nix geschrieben.
Wie viele Autoren kennst Du denn überhaupt, die unter 40 lesenswert und bekannt sind? Ich nicht viele oder es sind so Stuckrad-Barres, also Popschreiber ohne bleibende Wirkung. Interessante Autoren sind eben meist etwas älter. Deshalb habe ich Deine Altersgrenze ignoriert. Ich fand sie sinnlos.
Du hast zwar von Ffm nix geschrieben, aber es geht hier ja um den Umzug eines Verlages von Ffm nach Berlin, deshalb habe ich mir die Bemerkung zu meiner Heimatstadt erlaubt.
Aber, ich weiß, der Berlinhass wird für einige Leute immer modern bleiben und ich habe nach 14 Jahren hier immer noch meine gut gepflegten Ressentiments gegen Preußens Metropole, aber in Sachen Kultur insgesamt (in einzelnen Bereichen gibt es auch anderswo immer wieder einzigartige Highlights) kann ihr keine andere deutsche Stadt ernsthaft das Wasser reichen. Das liegt hauptsächlich an der schieren Masse in einer 3,5 Mio.-Stadt, ist aber deshalb noch lange nicht wegzudiskutieren.
maobit schrieb: Durs Grünbein, Wladimir Kaminer, Günter de Bruyn, Sten Nadolny - sind die in Berlin ansässigen Autoren, die mir spontan einfallen, wenn jemand behauptet, die Literatur aus dieser Stadt könne man "in die Tonne kloppen".
Aus Ffm kamen mir in letzter Zeit nur Krimis mit starkem Lokalkolorit unter. :neutral-face
Ffm bleibt die kleinste Weltstadt des Kontinents mit all ihren bekannten Vorzügen, aber man sehe nur mal die bloße Zahl von Theatern, anderen Bühnen, Galerien, etc. in Berlin und behaupte dann ernsthaft, daß der kulturelle Input dieser Stadt mit dem irgendeiner anderen im Lande vergleichbar sei.
Trotzdem halte ich den Umzug von Suhrkamp für unnötig, denn ein großes Büro in Berlin sollte für die Autoren vor Ort genügen und Ffm liegt geographisch einfach bedeutend besser.
Meisterleitung: ich schreib von ueber 50 und zwei von denen sind weit ueber 50. Die anderen beiden...na gut, setz ich halt runter auf ueber 40. Von Frankfurt habe ich gar nix geschrieben.
Wie viele Autoren kennst Du denn überhaupt, die unter 40 lesenswert und bekannt sind? Ich nicht viele oder es sind so Stuckrad-Barres, also Popschreiber ohne bleibende Wirkung. Interessante Autoren sind eben meist etwas älter. Deshalb habe ich Deine Altersgrenze ignoriert. Ich fand sie sinnlos.
Du hast zwar von Ffm nix geschrieben, aber es geht hier ja um den Umzug eines Verlages von Ffm nach Berlin, deshalb habe ich mir die Bemerkung zu meiner Heimatstadt erlaubt.
Aber, ich weiß, der Berlinhass wird für einige Leute immer modern bleiben und ich habe nach 14 Jahren hier immer noch meine gut gepflegten Ressentiments gegen Preußens Metropole, aber in Sachen Kultur insgesamt (in einzelnen Bereichen gibt es auch anderswo immer wieder einzigartige Highlights) kann ihr keine andere deutsche Stadt ernsthaft das Wasser reichen. Das liegt hauptsächlich an der schieren Masse in einer 3,5 Mio.-Stadt, ist aber deshalb noch lange nicht wegzudiskutieren.
Jetzt unterstellst du mir auch noch Berlinhass? Es wird absurder. Ich, der sich regelmaessig und gerne in Berlin aufhaelt.....
Ja, die Popkultur ist doch eindeutig was ich mit dem Alter anpranger ausgehend von Knuellers Beitrag. Das hast du gut erkannt. Es wurde geschrieben von Szene und Kultur und jeder hat sein Plaetzchen....wenn die juengeren Autoren die Zukunft sind, dann geht es doch mit grossen Schritten Richtung Popkultur aus Berlin. Das ist das, was die Berliner Szene derzeit anbietet... Wenn es fuer jeden Scheiss eine Kultur, eine eigene Szene gibt, dann sieht man ja kaum noch ueber den Tellerrand hinaus, also bleibt da auch wenig Platz zum entfalten. Und dennoch spreche ich auch hier nicht Berlin ab, eine der groessten Kulturszene zu haben.
dawiede, ich glaube, daß wir bei diesem Thema nicht so weit auseinander liegen und uns vielleicht etwas falsch verstanden haben. Der Berlin-Hype hat mich genauso genervt wie die Gegenbewegung, ich nenne sie mal Berlin-Hass. Die "Stuckrad-Barres" (als bestes Beispiel für eine Gruppe stehend) sind sehr vergänglich, aber sie und viele andere Autoren (wie auch Musiker und andere Künstler) sind hierher gezogen, weil man hier günstig leben und sehr viel Input bekommen kann. So ist hier für jeden eine Szene vorhanden und ich verstehe was Du mit dem Tellerrand meinst. Manche bleiben so in ihrer Nische, ihrem Kiez hängen und das kann sich auch sehr provinziell auswirken.
Wie geschrieben, glaube ich, daß die vorgebrachten Argumente für den Suhrkamp-Umzug aber nicht greifen, denn irgendwie ist man hier rein geographisch ab vom Schuss. Es gibt ja noch viele andere Orte an denen Autoren leben und ein Zentralismus wie wir ihn zunehmend in der Politik erleben, würde uns in der Kultur ebenfalls nicht gut tun. Aber für Suhrkamp hat der Umzug eben wirtschaftliche Vorteile und die werden wohl durch den Länderfinanzausgleich ermöglicht. Irgendwie pervers.
Den Umzug der Börse nach Eschborn fand ich übrigens viel bedenklicher für die Stadt Frankfurt.
Wenn da mal nicht der Wunsch Vater des Gedankens ist. Sauf' Du mal weiter Berlin Weisse.
Genau.
Klassiker in Salamitaktik auf den Markt werfen - Unseld-Politik. Der Big Mac verlegter Literatur. Buchgestaltung ad absurdum führen. Mitunter gute Leute für die Buchgestaltung einkaufen, sie dann aber nicht einsetzen (kennt man das nicht von gewissen Fußballvereinen?).
Ich mag Bücher sehr. Vom Suhrkamp-Verlag habe ich in den letzten 10 Jahren (oder noch länger?) keins mehr gekauft.
Frankfurt erleidet durch den Umzug dieses Verlages keinen Verlust.
"Durch den Verkauf des Frankfurter Verlagshauses werde die Verlegerin an Geld kommen, mit dem sie ihre Einlage in der Kommanditgesellschaft erhöhen könnte. Dann müssten die anderen Anteilseigner mitziehen. Dafür allerdings würden, so wird weiter spekuliert, dem ungeliebten Stiefsohn die Mittel fehlen, wodurch er gezwungen wäre, billig zu verkaufen. Wie genau sich das mit der Kommanditgesellschaft verhält, weiß aber niemand."
Das wäre dann ja garnicht mal so unschlau eingefädelt. Den Verlag zum Spielball persönlicher Strategien zu machen, nun ja, wäre freilich auch nicht die ganz feine Art. Aber ist diese heutzutage überhaupt noch gefragt?
hatte auch nicht gewußt, das ein umzug nach bärlin nichts kostet und somit eine firma sich rehabilitiert....
In der Richtung hat sich die SZ jetzt auch mal mit Frankfurt beschäftigt:
http://www.sueddeutsche.de/kultur/996/457654/text/
da steht es ja auch schwarz auf weiß, das die berliner mit mitteln aus dem länderfinanzausgleich und aus eu töpfen den verlag in ihre ach so tolle stadt geholt haben... aber in frankfurt herrschen ja nur rauhe komik und der hang zum derben...
Sehr guter Artikel, dem ich im Großen und Ganzen zustimmen würde. Genauso schätze ich Frankfurt auch ein:
Frankfurt steht nunmal nicht für Kunst und Kultur. Trotz Goethe und Buchmesse (s.o.).
Wer sich umhört, stellt fest, dass es viele -auch und gerade die jungen- Künstler in die Hauptstadt zieht. Was kein Wunder ist, denn eine bessere Möglichkeit, sich zu entfalten, als in dieser verrückten Stadt, wo es nahezu für jede kulturelle Ausprägung eine eigene Szene gibt, kann man sich kaum vorstellen. Frankfurt ist in der Hinsicht für Berlin keine Konkurrenz. Zu verschlossen und nicht so pulsierernd - und irgendwie nicht so "intellektuell" (klingt scheisse, mir fällt nur grad keine bessere Formulierung ein). Wäre ich Schriftsteller, ich würd mich auch woanders inspirieren lassen als in Frankfurt.
In einem muss ich aber widersprechen:
Das habe ich ganz anders kennengelerent. Habe kaum Leute getroffen, die mit einem solch fürstlichen Lokalpatriotismus gesegnet und so dermaßen stolz auf ihren Dialekt, ihren Äppler, ihre Skyline, ihren Ruf als Hauptstadt des Verbrechens und als Finanzmetropole sind.
QED
So stimmts.
Sehe ich nicht so bzw. sehe ich als nix positives. Diesen "entfalten" in Berlin, dieses fuer jede "kulturelle Auspraegung eine eigene Szene": Berlin ist doch so gefangen in seinem Intellektulismus, dass vieles sich selbst wieder einschraenkt. Und mal ehrlich: die "Literatur", die wir so durchschnittlich aus der Hauptstadt zu lesen bekommen, kann man doch getrost in die Tonne kloppen, wenn der Autor nicht ueber 50 ist.
Und seh da, da habe ich letzte Woche ein Buch aus dem Ruhrpott gelesen. Das war mal wieder eines, das gut war. Und dann kommt das auch noch aus dem biederen Ruhrpott. Dieses Biedere laesst doch viel mehr Kreativitaet zu als die "Entfalltungsmøglichkeiten" in Berlin.
Aus Ffm kamen mir in letzter Zeit nur Krimis mit starkem Lokalkolorit unter. :neutral-face
Ffm bleibt die kleinste Weltstadt des Kontinents mit all ihren bekannten Vorzügen, aber man sehe nur mal die bloße Zahl von Theatern, anderen Bühnen, Galerien, etc. in Berlin und behaupte dann ernsthaft, daß der kulturelle Input dieser Stadt mit dem irgendeiner anderen im Lande vergleichbar sei.
Trotzdem halte ich den Umzug von Suhrkamp für unnötig, denn ein großes Büro in Berlin sollte für die Autoren vor Ort genügen und Ffm liegt geographisch einfach bedeutend besser.
Meisterleitung: ich schreib von ueber 50 und zwei von denen sind weit ueber 50. Die anderen beiden...na gut, setz ich halt runter auf ueber 40.
Von Frankfurt habe ich gar nix geschrieben.
In Berlin gibt es keine Autoren unter 50. Schreibende unter 50 heißen dort Grundschüler.
Titanic hat auch mal den Umzug nach Berlin geprobt. Ist aber wieder nach Frankfurt zurückgekehrt (die Autoren waren halt noch keine gefühlte 50, damals.)
"Kreativität von Biederen"? Hessenwahl?
Ja, daran glaube ich und verweise gern an Menschen wie Buechner
Wie viele Autoren kennst Du denn überhaupt, die unter 40 lesenswert und bekannt sind? Ich nicht viele oder es sind so Stuckrad-Barres, also Popschreiber ohne bleibende Wirkung. Interessante Autoren sind eben meist etwas älter. Deshalb habe ich Deine Altersgrenze ignoriert. Ich fand sie sinnlos.
Du hast zwar von Ffm nix geschrieben, aber es geht hier ja um den Umzug eines Verlages von Ffm nach Berlin, deshalb habe ich mir die Bemerkung zu meiner Heimatstadt erlaubt.
Aber, ich weiß, der Berlinhass wird für einige Leute immer modern bleiben und ich habe nach 14 Jahren hier immer noch meine gut gepflegten Ressentiments gegen Preußens Metropole, aber in Sachen Kultur insgesamt (in einzelnen Bereichen gibt es auch anderswo immer wieder einzigartige Highlights) kann ihr keine andere deutsche Stadt ernsthaft das Wasser reichen. Das liegt hauptsächlich an der schieren Masse in einer 3,5 Mio.-Stadt, ist aber deshalb noch lange nicht wegzudiskutieren.
Jetzt unterstellst du mir auch noch Berlinhass? Es wird absurder. Ich, der sich regelmaessig und gerne in Berlin aufhaelt.....
Ja, die Popkultur ist doch eindeutig was ich mit dem Alter anpranger ausgehend von Knuellers Beitrag. Das hast du gut erkannt. Es wurde geschrieben von Szene und Kultur und jeder hat sein Plaetzchen....wenn die juengeren Autoren die Zukunft sind, dann geht es doch mit grossen Schritten Richtung Popkultur aus Berlin. Das ist das, was die Berliner Szene derzeit anbietet...
Wenn es fuer jeden Scheiss eine Kultur, eine eigene Szene gibt, dann sieht man ja kaum noch ueber den Tellerrand hinaus, also bleibt da auch wenig Platz zum entfalten. Und dennoch spreche ich auch hier nicht Berlin ab, eine der groessten Kulturszene zu haben.
Wie geschrieben, glaube ich, daß die vorgebrachten Argumente für den Suhrkamp-Umzug aber nicht greifen, denn irgendwie ist man hier rein geographisch ab vom Schuss. Es gibt ja noch viele andere Orte an denen Autoren leben und ein Zentralismus wie wir ihn zunehmend in der Politik erleben, würde uns in der Kultur ebenfalls nicht gut tun. Aber für Suhrkamp hat der Umzug eben wirtschaftliche Vorteile und die werden wohl durch den Länderfinanzausgleich ermöglicht. Irgendwie pervers.
Den Umzug der Börse nach Eschborn fand ich übrigens viel bedenklicher für die Stadt Frankfurt.
Frieden statt Krieg!
Paläste statt Hütten!
Ok.