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Srebrenica

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Als gerade in der Tagessschau an den 20. Jahrestag des Massakers von Srebrenica erinnert wurde, musste ich zurückdenken an den Sommer 1993.
Damals war ich Zivi des Diakonischen Werks in Wetzlar. Eines Morgens erhielt ich den Auftrag, eine Gruppe bosnischer Kinder im Alter zwischen 10 und 15, die damals mit ihren Familien in der Sixt von Armin-Kaserne untergebracht waren, zu einem Ausflug nach Greifenstein zu fahren. Diese Art von Einsätzen war unter uns Zivis immer sehr begehrt, denn man durfte dann den Diakonie-Bus, einen T3 mit 110 PS fahren, und das Teil ging wie Hölle.  
Die Verständigung mit den Kindern erwies sich als schwieg, weil sie noch nicht viel Deutsch gelernt hatten. Aber sie mochten meinen Fahrstil.  
Vor allem die kleine Flugeinlage über den Bahnübergang in Katzenfurt, der damals noch nicht untertunnelt war:
http://www.drehscheibe-online.de/foren/read.php?3,7193642,7193901#msg-7193901
stieß auf große Begeisterung.
In Greifenstein verlebten wir einen schönen Tag zusammen. Nachdem wir dann am Nachmittag noch eine bißchen zusammen gekickt hatten, war das Eis endgültig gebrochen. Auf der Rückfahrt schob ich eine Tom-Petty-Kassette ins Autoradio und lies immer wieder einen Song laufen, den auch die Kinder mochten. Und ich habe ihnen ein paar mal den Text vorgesungen, bis sie ihn auch drauf hatten und schließlich der ganze Bus gröhlte: "You don't - have - to live like a refugee, don't have to live like a refugee"
https://www.youtube.com/watch?v=Orv_F2HV4gk
Ein unvergessliches Erlebnis.
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LDKler schrieb:
Als gerade in der Tagessschau an den 20. Jahrestag des Massakers von Srebrenica erinnert wurde, musste ich zurückdenken an den Sommer 1993.
Damals war ich Zivi des Diakonischen Werks in Wetzlar. Eines Morgens erhielt ich den Auftrag, eine Gruppe bosnischer Kinder im Alter zwischen 10 und 15, die damals mit ihren Familien in der Sixt von Armin-Kaserne untergebracht waren, zu einem Ausflug nach Greifenstein zu fahren. Diese Art von Einsätzen war unter uns Zivis immer sehr begehrt, denn man durfte dann den Diakonie-Bus, einen T3 mit 110 PS fahren, und das Teil ging wie Hölle.  
Die Verständigung mit den Kindern erwies sich als schwieg, weil sie noch nicht viel Deutsch gelernt hatten. Aber sie mochten meinen Fahrstil.  
Vor allem die kleine Flugeinlage über den Bahnübergang in Katzenfurt, der damals noch nicht untertunnelt war:
http://www.drehscheibe-online.de/foren/read.php?3,7193642,7193901#msg-7193901
stieß auf große Begeisterung.
In Greifenstein verlebten wir einen schönen Tag zusammen. Nachdem wir dann am Nachmittag noch eine bißchen zusammen gekickt hatten, war das Eis endgültig gebrochen. Auf der Rückfahrt schob ich eine Tom-Petty-Kassette ins Autoradio und lies immer wieder einen Song laufen, den auch die Kinder mochten. Und ich habe ihnen ein paar mal den Text vorgesungen, bis sie ihn auch drauf hatten und schließlich der ganze Bus gröhlte: "You don't - have - to live like a refugee, don't have to live like a refugee"
https://www.youtube.com/watch?v=Orv_F2HV4gk
Ein unvergessliches Erlebnis.


Du meintest wohl das hier:
https://www.youtube.com/watch?v=gJ-bhM-xuec

Srebrenica - da kann ich mich an das Entsetzen erinnern, das mich überkam und die Wut, das die Politiker wieder endlos quatschten, statt ihre Armeen in Marsch zu setzen.
Die Bilder aus den Gefangenen-Lagern, wo die Insassen aussahen wie KZ-Häftlinge '45 sehe ich noch heute vor mir.
Da so etwas in Europa (wieder) passieren konnte und gleichzeitig die Politik immer noch von "diplomatischen Lösungen" sprach, machte mich fassungslos.

Viele dieser Massaker hätten verhindert werden können, wenn die internationale und vor allem die europäische Gemeinschaft früher reagiert hätte.
Nicht nur an den Händen der unmittelbaren Täter klebt Blut.
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Ich hab mich für das Auftreten der Holländer geschämt. Als besonders schlimm empfand ich die Slivowitz-Sauferei des Dutch-Bat Kommandeurs mit den serbischen  Befehlshabern..

Indes sieht die neuere Forschung die Schuld nicht nur bei einer Partei.. Der gestrige Artikel in der FAZ ist wirklich lesenswert, insbesondere der letzte Absatz. Das war mir nicht bekannt

http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/srebrenica-massaker-muslime-im-stich-gelassen-13696084.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2
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HeinzGründel schrieb:

Indes sieht die neuere Forschung die Schuld nicht nur bei einer Partei.. Der gestrige Artikel in der FAZ ist wirklich lesenswert, insbesondere der letzte Absatz. Das war mir nicht bekannt


Mir war das bekannt. Interessant ist wirklich das Studium der Tagesschau-vor-20-Jahren-Sendungen seit 1991 mit den heute bekannten Fakten. Auch damals wurde schon von Gräueltaten der anderen Seiten (Bosnier und Kroaten) berichtet, aber vor allem in Nebensätzen. Das muss man bis heute den damaligen Medien vorwerfen. Das soll die Taten der bosnischen Serben nicht schmälern, die vermutlich den größten Anteil an Kriegsverbrechen begangen haben im Bosnienkrieg.
Den Vorwurf würde ich übrigens nicht nur an den holländischen UN-Soldaten fest machen, die waren halt gerade an Ort und Stelle, so ziemlich jede andere UN-Einheit hätte selbiges Verhalten an den Tag gelegt. Die UN war ein zahnloses Miezekätzchen in diesem Konflikt, die Russen haben ständig Vetos eingelegt, die NATO wollte unbedingt losschlagen, wartete aber auf die UN, die viel zu zögerlich war und versuchte, es allen recht zu machen. Angesichts der Wochen vor Srebrenica, wo die UN-Soldaten als lebende Schutzschilde der bosnischen Serben-Armee genutzt wurden oder der bosnischen Regierungspolitik, die die UN am liebsten raus gehabt hätte, wenn sie schon nicht komplett in ihrem Sinne arbeitet und auch immer wieder UN-Konvois blockiert haben, wenn es ihnen gepasst hat (sicherlich seltener als die Serben, aber kam vor), war das Verhalten der holländischen UN-Einheit zu erwarten. Die fehlende Unterstützung durch die NATO, die erst nach der Einnahme von Srebrenica nichts besseres zu tun hatte, als ein paar kraftlose Luftschläge zu machen... die fehlende Unterstützung durch frz. Soldaten, die hätten eingreifen können, die fehlende Unterstützung der ganzen Welt inkl. Deutschland, die bis kurz vor Srebrenica sich schon schwer tat, überhaupt sowas wie Gegengewalt zu erwägen und lieber mit jahrelangen Sanktionen und der 593. Verhandlung mit dem 4953. brüchigen Waffenstillstand agierte...

Kurzum: Da hat die ganze Weltgemeinschaft versagt. Vor ihren Augen.
Zum Bosnienkrieg kann man lange genug noch diskutieren, da ist bis heute noch nichts geklärt worden, dieser Flickenteppich serbischer, kroatischer und bosnischer Gebiete ist kein Staat. Und das Aufzwingen gegenüber der Serben, dass dieses Gebilde existent bleiben muss, war auch einer der Gründe, warum sich dieser Krieg in den 90ern so lange hinzog.
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Und schämen tun sich viele Serben scheinbar nicht, wenn man den Berichten zu der Gedenkfeier glauben kann. Eine Schande  
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HeinzGründel schrieb:
Ich hab mich für das Auftreten der Holländer geschämt. Als besonders schlimm empfand ich die Slivowitz-Sauferei des Dutch-Bat Kommandeurs mit den serbischen  Befehlshabern..

Indes sieht die neuere Forschung die Schuld nicht nur bei einer Partei.. Der gestrige Artikel in der FAZ ist wirklich lesenswert, insbesondere der letzte Absatz. Das war mir nicht bekannt

http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/srebrenica-massaker-muslime-im-stich-gelassen-13696084.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2


Die Schuld an Kriegsverbrechen kann man nie nur bei einer Seite suchen.
Insbesondere in Bürgerkriegen ist der Hass oft so groß, das es auf beiden Seiten zu Übergriffen kommt.
Allerdings die "Hauptschuld" an dem Konflikt an sich sehe ich immer noch bei den Serben, da sie m.E. das ganze begonnen haben.
Direkt danach, die internationale Gemeinschaft, die vollständig versagt hat.

O.T.
im übrigen haben unsere "Befreier" auch etliche Kriegsverbrechen begangen, (Gefangenen Erschießungen, Massaker an Zivilisten, Vergewaltigungen etc.) die bis heute weder offiziell zugegeben, noch jemals irgend ein Alliierter dafür verurteilt wurde.
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raideg schrieb:

Allerdings die "Hauptschuld" an dem Konflikt an sich sehe ich immer noch bei den Serben, da sie m.E. das ganze begonnen haben.


Da würde ich teilweise widersprechen, zumindest was die politischen Gründe für den Ausbruch der diversen Kriege angeht, da haben alle ihre Anteile in immer radikalisierteren Unabhängigkeitsbestrebungen. Militärisch ging das meiste von Jugoslawien (serbisch-montegrinisch dominiert) aus.

In einem Punkt kann man die Serben sogar heute noch verstehen... Erhebliche Teile Kroatiens, Bosniens, Nordkosovo etc. waren serbisch geprägt. Es gab viel mehr serbischen Bevölkerungseinfluss in den Teilrepubliken als in umgekehrter Ethnie. Das erinnert übrigens alles ein wenig an die heutigen Konflikte in den russischsprachigen Gebieten.

Man muss heute noch z.B. die CSSR dafür loben, dass sie sich so friedlich getrennt haben. Es geht auch anders.
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SGE_Werner schrieb:

Man muss heute noch z.B. die CSSR dafür loben, dass sie sich so friedlich getrennt haben. Es geht auch anders.


Dass Dir so etwas passiert: Die CSSR hat sich nie getrennt, sondern die CSFR. Kleiner, aber feiner Unterschied  ,-)
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HeinzGründel schrieb:
Ich hab mich für das Auftreten der Holländer geschämt. Als besonders schlimm empfand ich die Slivowitz-Sauferei des Dutch-Bat Kommandeurs mit den serbischen  Befehlshabern

In 3Sat-Kulturzeit wurden heute 2 holländische Veteranen interviewt. Wers nicht gesehen hat, morgen 06:20 wird die Sendung wiederholt.

@raideg
Danke für den link-Korrektur, keine Ahnung was da schief gegangen ist.
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DBecki schrieb:
SGE_Werner schrieb:

Man muss heute noch z.B. die CSSR dafür loben, dass sie sich so friedlich getrennt haben. Es geht auch anders.


Dass Dir so etwas passiert: Die CSSR hat sich nie getrennt, sondern die CSFR. Kleiner, aber feiner Unterschied  ,-)  


Hast recht, wobei natürlich die CSFR nur der Rechtsnachfolger der CSSR war für die letzten gut zwei Jahre. CSSR ist eben geläufiger.
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raideg schrieb:
Allerdings die "Hauptschuld" an dem Konflikt an sich sehe ich immer noch bei den Serben, da sie m.E. das ganze begonnen haben.


raideg, es gibt eine offensichtlich sehr sorgfältig gemachte Dokumentation des ORF zum Balkankonflikt, vor allem zu seiner Entstehung. Die akribisch aufbereitete Chronologie der Ereignisse lässt demnach nur einen Schluss zu: es gibt keinen Allein- und noch nicht mal einen Hauptschuldigen an diesem Krieg. Wenn überhaupt jemand den "Anfang" gemacht hat, dann Slowenien mit der Festsetzung der kasernierten Serben auf ihrem "Staats"gebiet. Unmittelbar darauf begannen in der Krajina ethnische Säuberungsaktionen, und zwar auf beiden Seiten.
Der ganze weitere Wahnsinn folgte daraus.


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