Abgezockter Haller, abwinkender Gaci - Fazit und Spielerbewertungen zum Trainingslager in Thun, 13.7.

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Gude aus Enkhaam,

Testspiele sind das Salz in der Suppe von Trainingslagern. Morgens noch fleißig trainieren, abends dann vermöbelt werden (1:5) oder selbst wegfiedeln (3:1). Euphorie, Hochmut, Fall und Wiederaufstehen sind nur wenige Übungseinheiten voneinander entfernt. Bei der Bewertung von Testkicks gilt: Neben Salz kann auch immer ein Haar in der Suppe gefunden werden, man muss gar nicht lange darin herumrühren. Doch die Proben für den Ernstfall sind häufig ein Muster ohne Wert, geschuldet der taktischen Experimentierfreudigkeit der Trainer, dem konditionellen Zustand und der grundsätzlichen Leistungsfähigkeit des Spielerpersonals. Daher sollte man weder die Niederlage gegen Bern, noch den Sieg gegen Luzern überbewerten. Ausgelöffelt wird die heiße Suppe nämlich erst in der EL-Qualifikation, und mit den Trainingsleistungen von Thun sollte das Team sowohl gegen Tallinn als auch Niš bestehen können. Kurzfristiger Handlungsbedarf besteht aber auf jeden Fall noch auf der Position des Torwarts.

Die Tage in Thun waren geprägt von konzentriertem Arbeiten unter Chefcoach Adi Hütter, der den Beginn einer jeden Trainingseinheit Athletik-Guru Martin Spohrer anvertraute. Kondition gebolzt wurde nicht, dafür steht das erste Pflichtspiel schon viel zu kurz vor der Tür. Ein paar Box-to-Box-Läufe und das Drehen von Leichtathletikrunden waren das höchste, was die Spieler leisten mussten. Ärgerlich war die frühe Verletzung von Sow, der wochenlang fehlen wird. Spielerisch legte das Trainerteam sehr viel Wert auf das Überzahlspiel und die Passsicherheit, auch einige Übungen mit sehr frühem Pressing wurden eingestreut. Zur ersten Elf ließen sich noch keine Rückschlüsse ziehen, vor allem die Besetzung der Abwehrzentrale und von DM und OM sind noch ziemlich offen. In meinen Bewertungen, die Ihr unten findet, lassen sich aber vielleicht schon manche Favoriten für eine Position erkennen.

Danke sagen möchte ich für Euer zahlreiches Lob und die netten Kommentare, es hat mal wieder Spaß gemacht! Aus Windischgarsten wird sich übrigens der Wiener melden und Euch mit Infos versorgen. Und wer das Buch von Exil-Bischemer und mir noch nicht vorbestellt hat, hier nochmal der Hinweis
Die insgesamt rund 130 Trainingslagerberichte werden am 28. Oktober gesammelt in einem über 500 Seiten dicken Wälzer erscheinen. Vorbestellt werden kann das gute Stück hier https://tinyurl.com/gude-aus-dhabi-vorbestellung
Weitere Infos gibt es auf https://www.facebook.com/GudeBuch und https://twitter.com/enkhaamer1
Leseprobe: https://tinyurl.com/leseprobe-gudebuch

Viele Grüße,
Enkhaamer



Frederik Rönnow (4-): Strahlte im Kick gegen Bern und bei vielen Trainingsspielchen wenig Souveränität aus. Bei den Übungen von Moppes, die ich beobachten konnte, häufig derjenige mit den schlechtesten Paraden. Eine wirkliche Nummer Eins müsste eigentlich bis zum EL-Quali-Start her. Wenn es nicht Trapp ist, dann ein anderer.

Felix Wiedwald (4+): Man merkte, dass er in der Rückrunde beim MSV Duisburg Spielpraxis gesammelt hatte, wirkte recht sicher. Unverständlich, dass er in der Tissot-Arena keine Möglichkeit bekam, sich vor dem Uhrencup-Publikum zu präsentieren. Klappt es nicht mit dem alten Neuen oder einem neuen Neuen, wäre es mir anhand der Thuner Trainingseindrücke wohler, wenn Wiedwald gegen Tallinn/Niš im Tor stehen würde.

Elias Bördner (4): U19-Note 2. Der einzige Jugendspieler, der mit ins Lager mitgenommen wurde, machte seine Sache unauffällig. Unauffällig gut. Durfte zwar selten bei Halb- oder Ganzfeldspielchen ins Tor, aber bei abwehrenden Torabschlussübungen konnte er ein ums andere Mal sein Talent beweisen.

Filip Kostić (1-): Schon in der exzellenten Form der Vorsaison, spulte sein Pensum auf der linken Außenbahn gewohnt hochtourig ab. No-Brainer.

Erik Durm (2-): Als etwas defensiver ausgerichteter Backup von Filip beeindruckte Erik in den ersten Tagen mit guter Präsenz und Körperlichkeit. Am Ende ein paar Mal im Hotel geblieben, sollte sich aber nah an die erste Elf ranspielen können. Frag sich nur, auf welcher Position, denn der dauerrennende Kostić blockiert ja schon die ganze linke Seite.

Jetro Willems (3-): Besser als in seiner persönlichen Katastrophenrückrunde 2019. Sein Spiel wirkte etwas strukturierter, mit weniger sinnfreien Pässen und Flanken ins Nirwana, siehe das Luzern-Spiel. Ärgerlich aber, dass er sich bei alltäglichen Übungsformen wie dem Rondo manchmal völlig hängen ließ und bocklos im Kreis umherirrte.

Taleb Tawatha (5-): Machte meist nur das Aufwärmprogramm mit, dann auf dem Nebenplatz oder der Tartanbahn vorstellig geworden. Komplett untergegangen, wenn er mal an den Ball durfte. Wird Zeit, dass er einen neuen Verein findet.

Evan Ndicka (3-): Die technische Eleganz seiner Spielweise ist ein bisschen abhanden gekommen. Ab und zu mit seltsam hölzernen Abwehraktionen. Wird sich steigern müssen, um seinen Platz in der Stammverteidigung zu bekommen.

Tuta (4-): Hatte ganz schön zu kämpfen, wurde häufiger für die eher ungewohnte linke Abwehrseite eingeteilt. Darüber fiel dann auch prompt das 0:1 gegen Bern nach schlimmen Ballverlust von Tuta. Im Training manchmal nicht so ganz bei der Sache, wenn er eine Übung erst mit Verspätung startete.

David Abraham (3+): Ob El Capitano die neue Saison ohne Wehwehchen und schlimmere Verletzung übersteht? Fehlte gleich beim ersten Training und dann beim letzten Testspiel, wurde mit Samthandschuhen vom Medizin-Staff angefasst. Seine Schnelligkeit und Kompromisslosigkeit im Zweikampf waren auf jeden Fall noch sichtbar, wenn er in vollem Saft auf dem saftigen Grün im Berner Oberland stand.

Makoto Hasebe (2-): Ackerte wie Rebić mit hochgekrempeltem T-Shirt über den Platz, vorbildlich sein Einsatz und seine Konzentration bei jeder Übung. Von hinten rausspielerisch aber noch nicht so präsent wie gewohnt.

Marco Russ (3-): Das Urgestein ist nach wie vor ein begnadeter Kopfballspieler, hatte die uneingeschränkte Lufthoheit bei Trainingskicks. Wenn es aber am Boden etwas schneller wurde, holten ihn die Gegenspieler geschwind auf eben diesen wieder zurück. In einem breiten Europa-League-Kader aber nach wie vor ein brauchbarer Backup.

Danny da Costa (2+): Ähnlich wie Kostić auf der linken Seite des Thunersees, spulte Danny ordentlich Kilometer ab. Für eine Verschnaufpause bleibt wohl auch in Zukunft keine Zeit, zu gut waren seine Leistungen im Trainingslager, und zu wenig Druck kam von seinen Konkurrenten auf der RV-Position.

Timothy Chandler (4): Quälte sich über den Platz, bei aussichtsreichen Kontern über rechts brach er seltsamerweise häufig ab und bugsierte den Ball ins defensive Mittelfeld. Seine lange verletzungsbedingte Auszeit war immer noch deutlich sichtbar.

Almamy Touré (4-): Uninspirierter Auftritt des gebürtigen Maliers. Schlechter Spielaufbau von hinten, im Training wünschte man sich manchmal, dass das Übungsfeld etwas nach rechts vergrößert würde, damit die Bälle nicht reihenweise ins Aus gingen.

Dominik Kohr (3+): Wenn das mit #freehinti nicht klappt, könnte #hardkohr der neue Kampfsau-Publikumsliebling werden. Schmiss sich gediegen in die Mittelfeld-Zweikämpfe. Das so etwas Limitiertes aber mittlerweile knapp 10 Millionen Euro kostet, ist schon krass.

Lucas Torró (2-): Mit seinen 1,90 Metern der Leuchtturm am Mittelkreis, überzeugte mit Übersicht und guten Bällen. Bei Läufen von Box zu Box überpünktlich, seine Gewissenhaftigkeit ist mit der von Hase vergleichbar.

Djibril Sow (2): Gerade erst hatte ich mich an seine Statur und seinen Bewegungsablauf gewöhnt, um ihn einmal quer über dem Platz sicher bei Übungen identifizieren zu können, da ereilte unseren Schweizer Neuzugang eine schwere Sehnenverletzung. Bis dahin der Typ aggressiver Leader, der den Laden zusammenhalten kann. Hoffentlich kommt er schneller als erwartet zurück.

Gelson Fernandes (): Nicht zu bewerten, da er durch eine hartnäckige Wadenverletzung fast nicht auf dem Platz zu sehen war.

Marc Stendera (2-): Dafür, dass er keine Chance im Team von Adi Hütter haben soll, kämpfte er verbissen dafür, diese trotzdem zu nutzen. War einer der wenigen nicht ganz so schlechten beim Test gegen Bern, in Thun mit vielen guten Ballaktionen. Fitness gebolzt wurde praktisch nicht, das war vielleicht sein Glück. Denn in vergangenen Trainingslagern zeigte sich dann, dass er mit den anderen körperlich nicht mithalten kann.

Jonathan de Guzmán (3+): Hielt die internationale Truppe stimmungstechnisch gut zusammen und zeigte darüber hinaus auch Vollstreckerqualitäten. Das Schießen von Standards war aber leider nicht so pralle.

Sahverdi Cetin (4): Hatte einen schweren Stand während des Trainingslagers. Manchmal nur auf der Leichtathletikbahn umherlaufend, gegen Bern und Luzern nicht eingesetzt. Beim Kleinfeldturnier am Donnerstag aber in der blauen Siegermannschaft mit sehr guten Aktionen. Ob so ein kleines Erfolgserlebnis Auftrieb bringt? Wohl kaum.

Mijat Gaćinović (5): Die abwinkende Handbewegung, mal mit rechts, dann mit links, war die auffälligste Leistung von Mijat in dieser Schweizer Woche. Eigener Pass kommt nicht an? Abwinken. Pass vom Kollegen erreicht ihn nicht? Abwinken. Falscher Laufweg? Abwinken? Schuss verzogen? Abwinken. Bislang stimmten bei Gaci ja immer Einsatz und Willen, wenngleich die Ausführung oft wenig ertragreich war. Kommt jetzt aber noch Demotivation und Misslaunigkeit hinzu, wird Mijat es schwer haben, in der ersten Elf zu bestehen.

Marijan Ćavar (5-): Was Marijan bei der Eintracht will, weiß er wohl selbst nicht so genau. Auf dem Trainingsplatz stand er den anderen Spieler eher im Weg, als dass er sich nützlich machte. Gegen Bern und Luzern nicht dabei, auch bei Trainingsspielchen nur ganz sporadisch eingesetzt. War verliehen, sollte wieder abgegeben werden.

Daichi Kamada (1-): Der Mann des Trainingslagers. Sozusagen der Gaci in der vollendeten Version, mit einem Strauß voller Fußballideen, die er aber auch konsequent und erfolgreich zu Ende bringt. Im Winter 2018 hatten Exil-Bischemer und ich Kamada noch die Note 5 gegeben und geschrieben: "Ging völlig unter in Alicante. Man konnte ihm nicht ansehen, dass er in die erste Elf drängt. Schon beim Aufwärmen oftmals abwesend wirkend." Wie sich die Zeiten ändern und die Leihe zu einem belgischen Verein Wunder bewirken können: körperlich deutlich zugelegt, nicht mehr so an Hasebe hängend, kommunikativ mit anderen Mitspielern, gute Technik und gewissenhaft bei den alltäglichen Basisübungen. Scorerpunktsammler und Torschütze bei den beiden Tests in der Tissot-Arena.

Nicolai Müller (6): Ist der Adler, oder kann der weg? Selten so eine schwache Vorstellung eines Spielers in einem Trainingslager gesehen. Gegen Bern und Luzern völlig zurecht nicht berücksichtigt, im Training ebenfalls fast durchgängig übergangen. Äußerst missmutig bei den zahlreichen Laufrunden um den Thuner Platz, im Kreis wenig heiß. Mit offensichtlich unnötigen Sperenzchen, wie dem Anlegen des schwarzen GPS-Tracking-Sport-BHs über dem Trainingsshirt.

Ante Rebić (3-): Lustloser Start in Trainingslager, mal sich dezent bei den Dehnübungen zurückhaltend, dann auffallend provozierend den anderen bei Box-to-Box-Läufen hinterherwackelnd. Auch die vielen kroatischen Fans auf der Haupttribüne des Lachen-Stadions konnte offenbar keinen positiven Einfluss auf ihn ausüben. Fing sich so langsam zur Wochenmitte, sein Engagement gegen Luzern lässt hoffen, dass es doch wieder was wird mit dem heißblütigen Kopf-durch-die-Wand-Ante bei der SGE.

Sébastien Haller (1-): NICHT ziehen lassen. Ganz dringend für die kommenden EL-Aufgaben benötigter Stabilisator im Offensivverbund, der in Thun seine ganze Abgezocktheit während der Trainingsspielchen unter Beweis stellte. Neben Hase und Torró wohl der Spieler mit dem größten Körperbewusstsein, sehr menschlich im Umgang mit den Teamkollegen. Netzte gegen Luzern ein, es war hoffentlich nicht sein letztes Tor im SGE-Dress.

Gonçalo Paciência (2-): Bei ihm wechselten sich Geistesblitze, die in geile Tore mündeten, ab mit weinerlichen Fado-Auftritten, wenn er eine Chance versiebte. Wirkte voll austrainert, was wichtig werden könnte. Denn falls Haller wirklich gehen sollte, wird viel Offensivlast auf seinen Schultern lagern.

Dejan Joveljić (3+): Typ unscheinbares Schlitzohr. Traf immerhin zum Ehrentreffer gegen Bern. In Trainingsspielchen mit sehr guten Vollstreckerqualitäten, das erinnerte schon sehr an Jović, nur ohne Oberschenkel wie Baumstämme. An der Physis muss er noch ordentlich arbeiten, von Hünen wie Russ wurde im Training nämlich gerne mal umgemäht.
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Gude aus Enkhaam,

Testspiele sind das Salz in der Suppe von Trainingslagern. Morgens noch fleißig trainieren, abends dann vermöbelt werden (1:5) oder selbst wegfiedeln (3:1). Euphorie, Hochmut, Fall und Wiederaufstehen sind nur wenige Übungseinheiten voneinander entfernt. Bei der Bewertung von Testkicks gilt: Neben Salz kann auch immer ein Haar in der Suppe gefunden werden, man muss gar nicht lange darin herumrühren. Doch die Proben für den Ernstfall sind häufig ein Muster ohne Wert, geschuldet der taktischen Experimentierfreudigkeit der Trainer, dem konditionellen Zustand und der grundsätzlichen Leistungsfähigkeit des Spielerpersonals. Daher sollte man weder die Niederlage gegen Bern, noch den Sieg gegen Luzern überbewerten. Ausgelöffelt wird die heiße Suppe nämlich erst in der EL-Qualifikation, und mit den Trainingsleistungen von Thun sollte das Team sowohl gegen Tallinn als auch Niš bestehen können. Kurzfristiger Handlungsbedarf besteht aber auf jeden Fall noch auf der Position des Torwarts.

Die Tage in Thun waren geprägt von konzentriertem Arbeiten unter Chefcoach Adi Hütter, der den Beginn einer jeden Trainingseinheit Athletik-Guru Martin Spohrer anvertraute. Kondition gebolzt wurde nicht, dafür steht das erste Pflichtspiel schon viel zu kurz vor der Tür. Ein paar Box-to-Box-Läufe und das Drehen von Leichtathletikrunden waren das höchste, was die Spieler leisten mussten. Ärgerlich war die frühe Verletzung von Sow, der wochenlang fehlen wird. Spielerisch legte das Trainerteam sehr viel Wert auf das Überzahlspiel und die Passsicherheit, auch einige Übungen mit sehr frühem Pressing wurden eingestreut. Zur ersten Elf ließen sich noch keine Rückschlüsse ziehen, vor allem die Besetzung der Abwehrzentrale und von DM und OM sind noch ziemlich offen. In meinen Bewertungen, die Ihr unten findet, lassen sich aber vielleicht schon manche Favoriten für eine Position erkennen.

Danke sagen möchte ich für Euer zahlreiches Lob und die netten Kommentare, es hat mal wieder Spaß gemacht! Aus Windischgarsten wird sich übrigens der Wiener melden und Euch mit Infos versorgen. Und wer das Buch von Exil-Bischemer und mir noch nicht vorbestellt hat, hier nochmal der Hinweis
Die insgesamt rund 130 Trainingslagerberichte werden am 28. Oktober gesammelt in einem über 500 Seiten dicken Wälzer erscheinen. Vorbestellt werden kann das gute Stück hier https://tinyurl.com/gude-aus-dhabi-vorbestellung
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Leseprobe: https://tinyurl.com/leseprobe-gudebuch

Viele Grüße,
Enkhaamer



Frederik Rönnow (4-): Strahlte im Kick gegen Bern und bei vielen Trainingsspielchen wenig Souveränität aus. Bei den Übungen von Moppes, die ich beobachten konnte, häufig derjenige mit den schlechtesten Paraden. Eine wirkliche Nummer Eins müsste eigentlich bis zum EL-Quali-Start her. Wenn es nicht Trapp ist, dann ein anderer.

Felix Wiedwald (4+): Man merkte, dass er in der Rückrunde beim MSV Duisburg Spielpraxis gesammelt hatte, wirkte recht sicher. Unverständlich, dass er in der Tissot-Arena keine Möglichkeit bekam, sich vor dem Uhrencup-Publikum zu präsentieren. Klappt es nicht mit dem alten Neuen oder einem neuen Neuen, wäre es mir anhand der Thuner Trainingseindrücke wohler, wenn Wiedwald gegen Tallinn/Niš im Tor stehen würde.

Elias Bördner (4): U19-Note 2. Der einzige Jugendspieler, der mit ins Lager mitgenommen wurde, machte seine Sache unauffällig. Unauffällig gut. Durfte zwar selten bei Halb- oder Ganzfeldspielchen ins Tor, aber bei abwehrenden Torabschlussübungen konnte er ein ums andere Mal sein Talent beweisen.

Filip Kostić (1-): Schon in der exzellenten Form der Vorsaison, spulte sein Pensum auf der linken Außenbahn gewohnt hochtourig ab. No-Brainer.

Erik Durm (2-): Als etwas defensiver ausgerichteter Backup von Filip beeindruckte Erik in den ersten Tagen mit guter Präsenz und Körperlichkeit. Am Ende ein paar Mal im Hotel geblieben, sollte sich aber nah an die erste Elf ranspielen können. Frag sich nur, auf welcher Position, denn der dauerrennende Kostić blockiert ja schon die ganze linke Seite.

Jetro Willems (3-): Besser als in seiner persönlichen Katastrophenrückrunde 2019. Sein Spiel wirkte etwas strukturierter, mit weniger sinnfreien Pässen und Flanken ins Nirwana, siehe das Luzern-Spiel. Ärgerlich aber, dass er sich bei alltäglichen Übungsformen wie dem Rondo manchmal völlig hängen ließ und bocklos im Kreis umherirrte.

Taleb Tawatha (5-): Machte meist nur das Aufwärmprogramm mit, dann auf dem Nebenplatz oder der Tartanbahn vorstellig geworden. Komplett untergegangen, wenn er mal an den Ball durfte. Wird Zeit, dass er einen neuen Verein findet.

Evan Ndicka (3-): Die technische Eleganz seiner Spielweise ist ein bisschen abhanden gekommen. Ab und zu mit seltsam hölzernen Abwehraktionen. Wird sich steigern müssen, um seinen Platz in der Stammverteidigung zu bekommen.

Tuta (4-): Hatte ganz schön zu kämpfen, wurde häufiger für die eher ungewohnte linke Abwehrseite eingeteilt. Darüber fiel dann auch prompt das 0:1 gegen Bern nach schlimmen Ballverlust von Tuta. Im Training manchmal nicht so ganz bei der Sache, wenn er eine Übung erst mit Verspätung startete.

David Abraham (3+): Ob El Capitano die neue Saison ohne Wehwehchen und schlimmere Verletzung übersteht? Fehlte gleich beim ersten Training und dann beim letzten Testspiel, wurde mit Samthandschuhen vom Medizin-Staff angefasst. Seine Schnelligkeit und Kompromisslosigkeit im Zweikampf waren auf jeden Fall noch sichtbar, wenn er in vollem Saft auf dem saftigen Grün im Berner Oberland stand.

Makoto Hasebe (2-): Ackerte wie Rebić mit hochgekrempeltem T-Shirt über den Platz, vorbildlich sein Einsatz und seine Konzentration bei jeder Übung. Von hinten rausspielerisch aber noch nicht so präsent wie gewohnt.

Marco Russ (3-): Das Urgestein ist nach wie vor ein begnadeter Kopfballspieler, hatte die uneingeschränkte Lufthoheit bei Trainingskicks. Wenn es aber am Boden etwas schneller wurde, holten ihn die Gegenspieler geschwind auf eben diesen wieder zurück. In einem breiten Europa-League-Kader aber nach wie vor ein brauchbarer Backup.

Danny da Costa (2+): Ähnlich wie Kostić auf der linken Seite des Thunersees, spulte Danny ordentlich Kilometer ab. Für eine Verschnaufpause bleibt wohl auch in Zukunft keine Zeit, zu gut waren seine Leistungen im Trainingslager, und zu wenig Druck kam von seinen Konkurrenten auf der RV-Position.

Timothy Chandler (4): Quälte sich über den Platz, bei aussichtsreichen Kontern über rechts brach er seltsamerweise häufig ab und bugsierte den Ball ins defensive Mittelfeld. Seine lange verletzungsbedingte Auszeit war immer noch deutlich sichtbar.

Almamy Touré (4-): Uninspirierter Auftritt des gebürtigen Maliers. Schlechter Spielaufbau von hinten, im Training wünschte man sich manchmal, dass das Übungsfeld etwas nach rechts vergrößert würde, damit die Bälle nicht reihenweise ins Aus gingen.

Dominik Kohr (3+): Wenn das mit #freehinti nicht klappt, könnte #hardkohr der neue Kampfsau-Publikumsliebling werden. Schmiss sich gediegen in die Mittelfeld-Zweikämpfe. Das so etwas Limitiertes aber mittlerweile knapp 10 Millionen Euro kostet, ist schon krass.

Lucas Torró (2-): Mit seinen 1,90 Metern der Leuchtturm am Mittelkreis, überzeugte mit Übersicht und guten Bällen. Bei Läufen von Box zu Box überpünktlich, seine Gewissenhaftigkeit ist mit der von Hase vergleichbar.

Djibril Sow (2): Gerade erst hatte ich mich an seine Statur und seinen Bewegungsablauf gewöhnt, um ihn einmal quer über dem Platz sicher bei Übungen identifizieren zu können, da ereilte unseren Schweizer Neuzugang eine schwere Sehnenverletzung. Bis dahin der Typ aggressiver Leader, der den Laden zusammenhalten kann. Hoffentlich kommt er schneller als erwartet zurück.

Gelson Fernandes (): Nicht zu bewerten, da er durch eine hartnäckige Wadenverletzung fast nicht auf dem Platz zu sehen war.

Marc Stendera (2-): Dafür, dass er keine Chance im Team von Adi Hütter haben soll, kämpfte er verbissen dafür, diese trotzdem zu nutzen. War einer der wenigen nicht ganz so schlechten beim Test gegen Bern, in Thun mit vielen guten Ballaktionen. Fitness gebolzt wurde praktisch nicht, das war vielleicht sein Glück. Denn in vergangenen Trainingslagern zeigte sich dann, dass er mit den anderen körperlich nicht mithalten kann.

Jonathan de Guzmán (3+): Hielt die internationale Truppe stimmungstechnisch gut zusammen und zeigte darüber hinaus auch Vollstreckerqualitäten. Das Schießen von Standards war aber leider nicht so pralle.

Sahverdi Cetin (4): Hatte einen schweren Stand während des Trainingslagers. Manchmal nur auf der Leichtathletikbahn umherlaufend, gegen Bern und Luzern nicht eingesetzt. Beim Kleinfeldturnier am Donnerstag aber in der blauen Siegermannschaft mit sehr guten Aktionen. Ob so ein kleines Erfolgserlebnis Auftrieb bringt? Wohl kaum.

Mijat Gaćinović (5): Die abwinkende Handbewegung, mal mit rechts, dann mit links, war die auffälligste Leistung von Mijat in dieser Schweizer Woche. Eigener Pass kommt nicht an? Abwinken. Pass vom Kollegen erreicht ihn nicht? Abwinken. Falscher Laufweg? Abwinken? Schuss verzogen? Abwinken. Bislang stimmten bei Gaci ja immer Einsatz und Willen, wenngleich die Ausführung oft wenig ertragreich war. Kommt jetzt aber noch Demotivation und Misslaunigkeit hinzu, wird Mijat es schwer haben, in der ersten Elf zu bestehen.

Marijan Ćavar (5-): Was Marijan bei der Eintracht will, weiß er wohl selbst nicht so genau. Auf dem Trainingsplatz stand er den anderen Spieler eher im Weg, als dass er sich nützlich machte. Gegen Bern und Luzern nicht dabei, auch bei Trainingsspielchen nur ganz sporadisch eingesetzt. War verliehen, sollte wieder abgegeben werden.

Daichi Kamada (1-): Der Mann des Trainingslagers. Sozusagen der Gaci in der vollendeten Version, mit einem Strauß voller Fußballideen, die er aber auch konsequent und erfolgreich zu Ende bringt. Im Winter 2018 hatten Exil-Bischemer und ich Kamada noch die Note 5 gegeben und geschrieben: "Ging völlig unter in Alicante. Man konnte ihm nicht ansehen, dass er in die erste Elf drängt. Schon beim Aufwärmen oftmals abwesend wirkend." Wie sich die Zeiten ändern und die Leihe zu einem belgischen Verein Wunder bewirken können: körperlich deutlich zugelegt, nicht mehr so an Hasebe hängend, kommunikativ mit anderen Mitspielern, gute Technik und gewissenhaft bei den alltäglichen Basisübungen. Scorerpunktsammler und Torschütze bei den beiden Tests in der Tissot-Arena.

Nicolai Müller (6): Ist der Adler, oder kann der weg? Selten so eine schwache Vorstellung eines Spielers in einem Trainingslager gesehen. Gegen Bern und Luzern völlig zurecht nicht berücksichtigt, im Training ebenfalls fast durchgängig übergangen. Äußerst missmutig bei den zahlreichen Laufrunden um den Thuner Platz, im Kreis wenig heiß. Mit offensichtlich unnötigen Sperenzchen, wie dem Anlegen des schwarzen GPS-Tracking-Sport-BHs über dem Trainingsshirt.

Ante Rebić (3-): Lustloser Start in Trainingslager, mal sich dezent bei den Dehnübungen zurückhaltend, dann auffallend provozierend den anderen bei Box-to-Box-Läufen hinterherwackelnd. Auch die vielen kroatischen Fans auf der Haupttribüne des Lachen-Stadions konnte offenbar keinen positiven Einfluss auf ihn ausüben. Fing sich so langsam zur Wochenmitte, sein Engagement gegen Luzern lässt hoffen, dass es doch wieder was wird mit dem heißblütigen Kopf-durch-die-Wand-Ante bei der SGE.

Sébastien Haller (1-): NICHT ziehen lassen. Ganz dringend für die kommenden EL-Aufgaben benötigter Stabilisator im Offensivverbund, der in Thun seine ganze Abgezocktheit während der Trainingsspielchen unter Beweis stellte. Neben Hase und Torró wohl der Spieler mit dem größten Körperbewusstsein, sehr menschlich im Umgang mit den Teamkollegen. Netzte gegen Luzern ein, es war hoffentlich nicht sein letztes Tor im SGE-Dress.

Gonçalo Paciência (2-): Bei ihm wechselten sich Geistesblitze, die in geile Tore mündeten, ab mit weinerlichen Fado-Auftritten, wenn er eine Chance versiebte. Wirkte voll austrainert, was wichtig werden könnte. Denn falls Haller wirklich gehen sollte, wird viel Offensivlast auf seinen Schultern lagern.

Dejan Joveljić (3+): Typ unscheinbares Schlitzohr. Traf immerhin zum Ehrentreffer gegen Bern. In Trainingsspielchen mit sehr guten Vollstreckerqualitäten, das erinnerte schon sehr an Jović, nur ohne Oberschenkel wie Baumstämme. An der Physis muss er noch ordentlich arbeiten, von Hünen wie Russ wurde im Training nämlich gerne mal umgemäht.
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Vielen Dank.

Was ist nur mit Müller und Gaci los?

Müller hatte doch mit 3 Toren in einer Mannschaft, die aus Prinzip keine Tore schiesst, gar nicht soo schlecht performed.

Und Gaci war bei aller Hektik ja immer extrem einsatzfreudig.

Komisch.
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Gude aus Enkhaam,

Testspiele sind das Salz in der Suppe von Trainingslagern. Morgens noch fleißig trainieren, abends dann vermöbelt werden (1:5) oder selbst wegfiedeln (3:1). Euphorie, Hochmut, Fall und Wiederaufstehen sind nur wenige Übungseinheiten voneinander entfernt. Bei der Bewertung von Testkicks gilt: Neben Salz kann auch immer ein Haar in der Suppe gefunden werden, man muss gar nicht lange darin herumrühren. Doch die Proben für den Ernstfall sind häufig ein Muster ohne Wert, geschuldet der taktischen Experimentierfreudigkeit der Trainer, dem konditionellen Zustand und der grundsätzlichen Leistungsfähigkeit des Spielerpersonals. Daher sollte man weder die Niederlage gegen Bern, noch den Sieg gegen Luzern überbewerten. Ausgelöffelt wird die heiße Suppe nämlich erst in der EL-Qualifikation, und mit den Trainingsleistungen von Thun sollte das Team sowohl gegen Tallinn als auch Niš bestehen können. Kurzfristiger Handlungsbedarf besteht aber auf jeden Fall noch auf der Position des Torwarts.

Die Tage in Thun waren geprägt von konzentriertem Arbeiten unter Chefcoach Adi Hütter, der den Beginn einer jeden Trainingseinheit Athletik-Guru Martin Spohrer anvertraute. Kondition gebolzt wurde nicht, dafür steht das erste Pflichtspiel schon viel zu kurz vor der Tür. Ein paar Box-to-Box-Läufe und das Drehen von Leichtathletikrunden waren das höchste, was die Spieler leisten mussten. Ärgerlich war die frühe Verletzung von Sow, der wochenlang fehlen wird. Spielerisch legte das Trainerteam sehr viel Wert auf das Überzahlspiel und die Passsicherheit, auch einige Übungen mit sehr frühem Pressing wurden eingestreut. Zur ersten Elf ließen sich noch keine Rückschlüsse ziehen, vor allem die Besetzung der Abwehrzentrale und von DM und OM sind noch ziemlich offen. In meinen Bewertungen, die Ihr unten findet, lassen sich aber vielleicht schon manche Favoriten für eine Position erkennen.

Danke sagen möchte ich für Euer zahlreiches Lob und die netten Kommentare, es hat mal wieder Spaß gemacht! Aus Windischgarsten wird sich übrigens der Wiener melden und Euch mit Infos versorgen. Und wer das Buch von Exil-Bischemer und mir noch nicht vorbestellt hat, hier nochmal der Hinweis
Die insgesamt rund 130 Trainingslagerberichte werden am 28. Oktober gesammelt in einem über 500 Seiten dicken Wälzer erscheinen. Vorbestellt werden kann das gute Stück hier https://tinyurl.com/gude-aus-dhabi-vorbestellung
Weitere Infos gibt es auf https://www.facebook.com/GudeBuch und https://twitter.com/enkhaamer1
Leseprobe: https://tinyurl.com/leseprobe-gudebuch

Viele Grüße,
Enkhaamer



Frederik Rönnow (4-): Strahlte im Kick gegen Bern und bei vielen Trainingsspielchen wenig Souveränität aus. Bei den Übungen von Moppes, die ich beobachten konnte, häufig derjenige mit den schlechtesten Paraden. Eine wirkliche Nummer Eins müsste eigentlich bis zum EL-Quali-Start her. Wenn es nicht Trapp ist, dann ein anderer.

Felix Wiedwald (4+): Man merkte, dass er in der Rückrunde beim MSV Duisburg Spielpraxis gesammelt hatte, wirkte recht sicher. Unverständlich, dass er in der Tissot-Arena keine Möglichkeit bekam, sich vor dem Uhrencup-Publikum zu präsentieren. Klappt es nicht mit dem alten Neuen oder einem neuen Neuen, wäre es mir anhand der Thuner Trainingseindrücke wohler, wenn Wiedwald gegen Tallinn/Niš im Tor stehen würde.

Elias Bördner (4): U19-Note 2. Der einzige Jugendspieler, der mit ins Lager mitgenommen wurde, machte seine Sache unauffällig. Unauffällig gut. Durfte zwar selten bei Halb- oder Ganzfeldspielchen ins Tor, aber bei abwehrenden Torabschlussübungen konnte er ein ums andere Mal sein Talent beweisen.

Filip Kostić (1-): Schon in der exzellenten Form der Vorsaison, spulte sein Pensum auf der linken Außenbahn gewohnt hochtourig ab. No-Brainer.

Erik Durm (2-): Als etwas defensiver ausgerichteter Backup von Filip beeindruckte Erik in den ersten Tagen mit guter Präsenz und Körperlichkeit. Am Ende ein paar Mal im Hotel geblieben, sollte sich aber nah an die erste Elf ranspielen können. Frag sich nur, auf welcher Position, denn der dauerrennende Kostić blockiert ja schon die ganze linke Seite.

Jetro Willems (3-): Besser als in seiner persönlichen Katastrophenrückrunde 2019. Sein Spiel wirkte etwas strukturierter, mit weniger sinnfreien Pässen und Flanken ins Nirwana, siehe das Luzern-Spiel. Ärgerlich aber, dass er sich bei alltäglichen Übungsformen wie dem Rondo manchmal völlig hängen ließ und bocklos im Kreis umherirrte.

Taleb Tawatha (5-): Machte meist nur das Aufwärmprogramm mit, dann auf dem Nebenplatz oder der Tartanbahn vorstellig geworden. Komplett untergegangen, wenn er mal an den Ball durfte. Wird Zeit, dass er einen neuen Verein findet.

Evan Ndicka (3-): Die technische Eleganz seiner Spielweise ist ein bisschen abhanden gekommen. Ab und zu mit seltsam hölzernen Abwehraktionen. Wird sich steigern müssen, um seinen Platz in der Stammverteidigung zu bekommen.

Tuta (4-): Hatte ganz schön zu kämpfen, wurde häufiger für die eher ungewohnte linke Abwehrseite eingeteilt. Darüber fiel dann auch prompt das 0:1 gegen Bern nach schlimmen Ballverlust von Tuta. Im Training manchmal nicht so ganz bei der Sache, wenn er eine Übung erst mit Verspätung startete.

David Abraham (3+): Ob El Capitano die neue Saison ohne Wehwehchen und schlimmere Verletzung übersteht? Fehlte gleich beim ersten Training und dann beim letzten Testspiel, wurde mit Samthandschuhen vom Medizin-Staff angefasst. Seine Schnelligkeit und Kompromisslosigkeit im Zweikampf waren auf jeden Fall noch sichtbar, wenn er in vollem Saft auf dem saftigen Grün im Berner Oberland stand.

Makoto Hasebe (2-): Ackerte wie Rebić mit hochgekrempeltem T-Shirt über den Platz, vorbildlich sein Einsatz und seine Konzentration bei jeder Übung. Von hinten rausspielerisch aber noch nicht so präsent wie gewohnt.

Marco Russ (3-): Das Urgestein ist nach wie vor ein begnadeter Kopfballspieler, hatte die uneingeschränkte Lufthoheit bei Trainingskicks. Wenn es aber am Boden etwas schneller wurde, holten ihn die Gegenspieler geschwind auf eben diesen wieder zurück. In einem breiten Europa-League-Kader aber nach wie vor ein brauchbarer Backup.

Danny da Costa (2+): Ähnlich wie Kostić auf der linken Seite des Thunersees, spulte Danny ordentlich Kilometer ab. Für eine Verschnaufpause bleibt wohl auch in Zukunft keine Zeit, zu gut waren seine Leistungen im Trainingslager, und zu wenig Druck kam von seinen Konkurrenten auf der RV-Position.

Timothy Chandler (4): Quälte sich über den Platz, bei aussichtsreichen Kontern über rechts brach er seltsamerweise häufig ab und bugsierte den Ball ins defensive Mittelfeld. Seine lange verletzungsbedingte Auszeit war immer noch deutlich sichtbar.

Almamy Touré (4-): Uninspirierter Auftritt des gebürtigen Maliers. Schlechter Spielaufbau von hinten, im Training wünschte man sich manchmal, dass das Übungsfeld etwas nach rechts vergrößert würde, damit die Bälle nicht reihenweise ins Aus gingen.

Dominik Kohr (3+): Wenn das mit #freehinti nicht klappt, könnte #hardkohr der neue Kampfsau-Publikumsliebling werden. Schmiss sich gediegen in die Mittelfeld-Zweikämpfe. Das so etwas Limitiertes aber mittlerweile knapp 10 Millionen Euro kostet, ist schon krass.

Lucas Torró (2-): Mit seinen 1,90 Metern der Leuchtturm am Mittelkreis, überzeugte mit Übersicht und guten Bällen. Bei Läufen von Box zu Box überpünktlich, seine Gewissenhaftigkeit ist mit der von Hase vergleichbar.

Djibril Sow (2): Gerade erst hatte ich mich an seine Statur und seinen Bewegungsablauf gewöhnt, um ihn einmal quer über dem Platz sicher bei Übungen identifizieren zu können, da ereilte unseren Schweizer Neuzugang eine schwere Sehnenverletzung. Bis dahin der Typ aggressiver Leader, der den Laden zusammenhalten kann. Hoffentlich kommt er schneller als erwartet zurück.

Gelson Fernandes (): Nicht zu bewerten, da er durch eine hartnäckige Wadenverletzung fast nicht auf dem Platz zu sehen war.

Marc Stendera (2-): Dafür, dass er keine Chance im Team von Adi Hütter haben soll, kämpfte er verbissen dafür, diese trotzdem zu nutzen. War einer der wenigen nicht ganz so schlechten beim Test gegen Bern, in Thun mit vielen guten Ballaktionen. Fitness gebolzt wurde praktisch nicht, das war vielleicht sein Glück. Denn in vergangenen Trainingslagern zeigte sich dann, dass er mit den anderen körperlich nicht mithalten kann.

Jonathan de Guzmán (3+): Hielt die internationale Truppe stimmungstechnisch gut zusammen und zeigte darüber hinaus auch Vollstreckerqualitäten. Das Schießen von Standards war aber leider nicht so pralle.

Sahverdi Cetin (4): Hatte einen schweren Stand während des Trainingslagers. Manchmal nur auf der Leichtathletikbahn umherlaufend, gegen Bern und Luzern nicht eingesetzt. Beim Kleinfeldturnier am Donnerstag aber in der blauen Siegermannschaft mit sehr guten Aktionen. Ob so ein kleines Erfolgserlebnis Auftrieb bringt? Wohl kaum.

Mijat Gaćinović (5): Die abwinkende Handbewegung, mal mit rechts, dann mit links, war die auffälligste Leistung von Mijat in dieser Schweizer Woche. Eigener Pass kommt nicht an? Abwinken. Pass vom Kollegen erreicht ihn nicht? Abwinken. Falscher Laufweg? Abwinken? Schuss verzogen? Abwinken. Bislang stimmten bei Gaci ja immer Einsatz und Willen, wenngleich die Ausführung oft wenig ertragreich war. Kommt jetzt aber noch Demotivation und Misslaunigkeit hinzu, wird Mijat es schwer haben, in der ersten Elf zu bestehen.

Marijan Ćavar (5-): Was Marijan bei der Eintracht will, weiß er wohl selbst nicht so genau. Auf dem Trainingsplatz stand er den anderen Spieler eher im Weg, als dass er sich nützlich machte. Gegen Bern und Luzern nicht dabei, auch bei Trainingsspielchen nur ganz sporadisch eingesetzt. War verliehen, sollte wieder abgegeben werden.

Daichi Kamada (1-): Der Mann des Trainingslagers. Sozusagen der Gaci in der vollendeten Version, mit einem Strauß voller Fußballideen, die er aber auch konsequent und erfolgreich zu Ende bringt. Im Winter 2018 hatten Exil-Bischemer und ich Kamada noch die Note 5 gegeben und geschrieben: "Ging völlig unter in Alicante. Man konnte ihm nicht ansehen, dass er in die erste Elf drängt. Schon beim Aufwärmen oftmals abwesend wirkend." Wie sich die Zeiten ändern und die Leihe zu einem belgischen Verein Wunder bewirken können: körperlich deutlich zugelegt, nicht mehr so an Hasebe hängend, kommunikativ mit anderen Mitspielern, gute Technik und gewissenhaft bei den alltäglichen Basisübungen. Scorerpunktsammler und Torschütze bei den beiden Tests in der Tissot-Arena.

Nicolai Müller (6): Ist der Adler, oder kann der weg? Selten so eine schwache Vorstellung eines Spielers in einem Trainingslager gesehen. Gegen Bern und Luzern völlig zurecht nicht berücksichtigt, im Training ebenfalls fast durchgängig übergangen. Äußerst missmutig bei den zahlreichen Laufrunden um den Thuner Platz, im Kreis wenig heiß. Mit offensichtlich unnötigen Sperenzchen, wie dem Anlegen des schwarzen GPS-Tracking-Sport-BHs über dem Trainingsshirt.

Ante Rebić (3-): Lustloser Start in Trainingslager, mal sich dezent bei den Dehnübungen zurückhaltend, dann auffallend provozierend den anderen bei Box-to-Box-Läufen hinterherwackelnd. Auch die vielen kroatischen Fans auf der Haupttribüne des Lachen-Stadions konnte offenbar keinen positiven Einfluss auf ihn ausüben. Fing sich so langsam zur Wochenmitte, sein Engagement gegen Luzern lässt hoffen, dass es doch wieder was wird mit dem heißblütigen Kopf-durch-die-Wand-Ante bei der SGE.

Sébastien Haller (1-): NICHT ziehen lassen. Ganz dringend für die kommenden EL-Aufgaben benötigter Stabilisator im Offensivverbund, der in Thun seine ganze Abgezocktheit während der Trainingsspielchen unter Beweis stellte. Neben Hase und Torró wohl der Spieler mit dem größten Körperbewusstsein, sehr menschlich im Umgang mit den Teamkollegen. Netzte gegen Luzern ein, es war hoffentlich nicht sein letztes Tor im SGE-Dress.

Gonçalo Paciência (2-): Bei ihm wechselten sich Geistesblitze, die in geile Tore mündeten, ab mit weinerlichen Fado-Auftritten, wenn er eine Chance versiebte. Wirkte voll austrainert, was wichtig werden könnte. Denn falls Haller wirklich gehen sollte, wird viel Offensivlast auf seinen Schultern lagern.

Dejan Joveljić (3+): Typ unscheinbares Schlitzohr. Traf immerhin zum Ehrentreffer gegen Bern. In Trainingsspielchen mit sehr guten Vollstreckerqualitäten, das erinnerte schon sehr an Jović, nur ohne Oberschenkel wie Baumstämme. An der Physis muss er noch ordentlich arbeiten, von Hünen wie Russ wurde im Training nämlich gerne mal umgemäht.
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Enkhaamer schrieb:

Sébastien Haller (1-): NICHT ziehen lassen.

Nicht nur hier, aber vor allem hier teile ich deine Einschätzung.
Bin normalerweise kein Schwarzseher, aber der Abgang von Haller wäre nur mit einem absoluten, erfahrenen und bewährten "Kracher" zu kompensieren. Und vermutlich nicht einmal durch den.

Vielen Dank für alle Berichte!
#
Vielen Dank, Enkhaamer, für Dein Fazit.

Sieht also, nach Mannschaftsteilen beurteilt, etwa so aus:

Sturm: keine größeren Probleme - solange Helmut bleibt (sehr d'accord: bloß net abgeben!)

Außenbahnen: auch ganz okay, wobei jetzt mit Durm ein Backup für Kostic bereitsteht; um dies auch für da Costa sagen zu können, müsste der gute Timmy sich wohl noch ein bissle strecken.

Mittelfeld: ebenfalls nicht so übel, nachdem Kamada sich gut einzufinden scheint; Torró und Kohr, dazu Rode und Sow hoffentlich bald zurück, und wir sind auch hier gut besetzt.

Verteidigung: nicht so schlecht, obwohl es hier mit dem Vadder (verletzungsanfällig), Russ (Abwehrturm mit der Schnelligkeit eines solchen) und N'Dicka (offenbar noch immer etwas verunsichert) mehr Wackelkandidaten gibt als wünschenswert. Hier wäre mindestens das Wiedereinrücken der HintiArmy erforderlich.

Goalie: Trapp, ja, oder ein Neuer. Und auch dann wäre die Position 2 noch fraglich.

#
Rönnow
Abraham  Hase  N'Dicka
Danny  Torro  Kohr  Kostic
Kamada
Pacencia Haller Rebic

Klingt schon nicht verkehrt. Mit Trapp und Hinti hätte ich erst mal keine Bauchschmerzen.
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Rönnow
Abraham  Hase  N'Dicka
Danny  Torro  Kohr  Kostic
Kamada
Pacencia Haller Rebic

Klingt schon nicht verkehrt. Mit Trapp und Hinti hätte ich erst mal keine Bauchschmerzen.
#
Oh doch!
Das klingt ganz und gar verkehrt!
Mit dieser Aufstellung gewinnen wir kein Spiel sondern verlieren alle mit 0:3!

Ansonsten bleibt zu sagen, vielen Dank für die ganzen Berichte. Du bist echt der Wahnsinn!!!
#
Gude aus Enkhaam,

Testspiele sind das Salz in der Suppe von Trainingslagern. Morgens noch fleißig trainieren, abends dann vermöbelt werden (1:5) oder selbst wegfiedeln (3:1). Euphorie, Hochmut, Fall und Wiederaufstehen sind nur wenige Übungseinheiten voneinander entfernt. Bei der Bewertung von Testkicks gilt: Neben Salz kann auch immer ein Haar in der Suppe gefunden werden, man muss gar nicht lange darin herumrühren. Doch die Proben für den Ernstfall sind häufig ein Muster ohne Wert, geschuldet der taktischen Experimentierfreudigkeit der Trainer, dem konditionellen Zustand und der grundsätzlichen Leistungsfähigkeit des Spielerpersonals. Daher sollte man weder die Niederlage gegen Bern, noch den Sieg gegen Luzern überbewerten. Ausgelöffelt wird die heiße Suppe nämlich erst in der EL-Qualifikation, und mit den Trainingsleistungen von Thun sollte das Team sowohl gegen Tallinn als auch Niš bestehen können. Kurzfristiger Handlungsbedarf besteht aber auf jeden Fall noch auf der Position des Torwarts.

Die Tage in Thun waren geprägt von konzentriertem Arbeiten unter Chefcoach Adi Hütter, der den Beginn einer jeden Trainingseinheit Athletik-Guru Martin Spohrer anvertraute. Kondition gebolzt wurde nicht, dafür steht das erste Pflichtspiel schon viel zu kurz vor der Tür. Ein paar Box-to-Box-Läufe und das Drehen von Leichtathletikrunden waren das höchste, was die Spieler leisten mussten. Ärgerlich war die frühe Verletzung von Sow, der wochenlang fehlen wird. Spielerisch legte das Trainerteam sehr viel Wert auf das Überzahlspiel und die Passsicherheit, auch einige Übungen mit sehr frühem Pressing wurden eingestreut. Zur ersten Elf ließen sich noch keine Rückschlüsse ziehen, vor allem die Besetzung der Abwehrzentrale und von DM und OM sind noch ziemlich offen. In meinen Bewertungen, die Ihr unten findet, lassen sich aber vielleicht schon manche Favoriten für eine Position erkennen.

Danke sagen möchte ich für Euer zahlreiches Lob und die netten Kommentare, es hat mal wieder Spaß gemacht! Aus Windischgarsten wird sich übrigens der Wiener melden und Euch mit Infos versorgen. Und wer das Buch von Exil-Bischemer und mir noch nicht vorbestellt hat, hier nochmal der Hinweis
Die insgesamt rund 130 Trainingslagerberichte werden am 28. Oktober gesammelt in einem über 500 Seiten dicken Wälzer erscheinen. Vorbestellt werden kann das gute Stück hier https://tinyurl.com/gude-aus-dhabi-vorbestellung
Weitere Infos gibt es auf https://www.facebook.com/GudeBuch und https://twitter.com/enkhaamer1
Leseprobe: https://tinyurl.com/leseprobe-gudebuch

Viele Grüße,
Enkhaamer



Frederik Rönnow (4-): Strahlte im Kick gegen Bern und bei vielen Trainingsspielchen wenig Souveränität aus. Bei den Übungen von Moppes, die ich beobachten konnte, häufig derjenige mit den schlechtesten Paraden. Eine wirkliche Nummer Eins müsste eigentlich bis zum EL-Quali-Start her. Wenn es nicht Trapp ist, dann ein anderer.

Felix Wiedwald (4+): Man merkte, dass er in der Rückrunde beim MSV Duisburg Spielpraxis gesammelt hatte, wirkte recht sicher. Unverständlich, dass er in der Tissot-Arena keine Möglichkeit bekam, sich vor dem Uhrencup-Publikum zu präsentieren. Klappt es nicht mit dem alten Neuen oder einem neuen Neuen, wäre es mir anhand der Thuner Trainingseindrücke wohler, wenn Wiedwald gegen Tallinn/Niš im Tor stehen würde.

Elias Bördner (4): U19-Note 2. Der einzige Jugendspieler, der mit ins Lager mitgenommen wurde, machte seine Sache unauffällig. Unauffällig gut. Durfte zwar selten bei Halb- oder Ganzfeldspielchen ins Tor, aber bei abwehrenden Torabschlussübungen konnte er ein ums andere Mal sein Talent beweisen.

Filip Kostić (1-): Schon in der exzellenten Form der Vorsaison, spulte sein Pensum auf der linken Außenbahn gewohnt hochtourig ab. No-Brainer.

Erik Durm (2-): Als etwas defensiver ausgerichteter Backup von Filip beeindruckte Erik in den ersten Tagen mit guter Präsenz und Körperlichkeit. Am Ende ein paar Mal im Hotel geblieben, sollte sich aber nah an die erste Elf ranspielen können. Frag sich nur, auf welcher Position, denn der dauerrennende Kostić blockiert ja schon die ganze linke Seite.

Jetro Willems (3-): Besser als in seiner persönlichen Katastrophenrückrunde 2019. Sein Spiel wirkte etwas strukturierter, mit weniger sinnfreien Pässen und Flanken ins Nirwana, siehe das Luzern-Spiel. Ärgerlich aber, dass er sich bei alltäglichen Übungsformen wie dem Rondo manchmal völlig hängen ließ und bocklos im Kreis umherirrte.

Taleb Tawatha (5-): Machte meist nur das Aufwärmprogramm mit, dann auf dem Nebenplatz oder der Tartanbahn vorstellig geworden. Komplett untergegangen, wenn er mal an den Ball durfte. Wird Zeit, dass er einen neuen Verein findet.

Evan Ndicka (3-): Die technische Eleganz seiner Spielweise ist ein bisschen abhanden gekommen. Ab und zu mit seltsam hölzernen Abwehraktionen. Wird sich steigern müssen, um seinen Platz in der Stammverteidigung zu bekommen.

Tuta (4-): Hatte ganz schön zu kämpfen, wurde häufiger für die eher ungewohnte linke Abwehrseite eingeteilt. Darüber fiel dann auch prompt das 0:1 gegen Bern nach schlimmen Ballverlust von Tuta. Im Training manchmal nicht so ganz bei der Sache, wenn er eine Übung erst mit Verspätung startete.

David Abraham (3+): Ob El Capitano die neue Saison ohne Wehwehchen und schlimmere Verletzung übersteht? Fehlte gleich beim ersten Training und dann beim letzten Testspiel, wurde mit Samthandschuhen vom Medizin-Staff angefasst. Seine Schnelligkeit und Kompromisslosigkeit im Zweikampf waren auf jeden Fall noch sichtbar, wenn er in vollem Saft auf dem saftigen Grün im Berner Oberland stand.

Makoto Hasebe (2-): Ackerte wie Rebić mit hochgekrempeltem T-Shirt über den Platz, vorbildlich sein Einsatz und seine Konzentration bei jeder Übung. Von hinten rausspielerisch aber noch nicht so präsent wie gewohnt.

Marco Russ (3-): Das Urgestein ist nach wie vor ein begnadeter Kopfballspieler, hatte die uneingeschränkte Lufthoheit bei Trainingskicks. Wenn es aber am Boden etwas schneller wurde, holten ihn die Gegenspieler geschwind auf eben diesen wieder zurück. In einem breiten Europa-League-Kader aber nach wie vor ein brauchbarer Backup.

Danny da Costa (2+): Ähnlich wie Kostić auf der linken Seite des Thunersees, spulte Danny ordentlich Kilometer ab. Für eine Verschnaufpause bleibt wohl auch in Zukunft keine Zeit, zu gut waren seine Leistungen im Trainingslager, und zu wenig Druck kam von seinen Konkurrenten auf der RV-Position.

Timothy Chandler (4): Quälte sich über den Platz, bei aussichtsreichen Kontern über rechts brach er seltsamerweise häufig ab und bugsierte den Ball ins defensive Mittelfeld. Seine lange verletzungsbedingte Auszeit war immer noch deutlich sichtbar.

Almamy Touré (4-): Uninspirierter Auftritt des gebürtigen Maliers. Schlechter Spielaufbau von hinten, im Training wünschte man sich manchmal, dass das Übungsfeld etwas nach rechts vergrößert würde, damit die Bälle nicht reihenweise ins Aus gingen.

Dominik Kohr (3+): Wenn das mit #freehinti nicht klappt, könnte #hardkohr der neue Kampfsau-Publikumsliebling werden. Schmiss sich gediegen in die Mittelfeld-Zweikämpfe. Das so etwas Limitiertes aber mittlerweile knapp 10 Millionen Euro kostet, ist schon krass.

Lucas Torró (2-): Mit seinen 1,90 Metern der Leuchtturm am Mittelkreis, überzeugte mit Übersicht und guten Bällen. Bei Läufen von Box zu Box überpünktlich, seine Gewissenhaftigkeit ist mit der von Hase vergleichbar.

Djibril Sow (2): Gerade erst hatte ich mich an seine Statur und seinen Bewegungsablauf gewöhnt, um ihn einmal quer über dem Platz sicher bei Übungen identifizieren zu können, da ereilte unseren Schweizer Neuzugang eine schwere Sehnenverletzung. Bis dahin der Typ aggressiver Leader, der den Laden zusammenhalten kann. Hoffentlich kommt er schneller als erwartet zurück.

Gelson Fernandes (): Nicht zu bewerten, da er durch eine hartnäckige Wadenverletzung fast nicht auf dem Platz zu sehen war.

Marc Stendera (2-): Dafür, dass er keine Chance im Team von Adi Hütter haben soll, kämpfte er verbissen dafür, diese trotzdem zu nutzen. War einer der wenigen nicht ganz so schlechten beim Test gegen Bern, in Thun mit vielen guten Ballaktionen. Fitness gebolzt wurde praktisch nicht, das war vielleicht sein Glück. Denn in vergangenen Trainingslagern zeigte sich dann, dass er mit den anderen körperlich nicht mithalten kann.

Jonathan de Guzmán (3+): Hielt die internationale Truppe stimmungstechnisch gut zusammen und zeigte darüber hinaus auch Vollstreckerqualitäten. Das Schießen von Standards war aber leider nicht so pralle.

Sahverdi Cetin (4): Hatte einen schweren Stand während des Trainingslagers. Manchmal nur auf der Leichtathletikbahn umherlaufend, gegen Bern und Luzern nicht eingesetzt. Beim Kleinfeldturnier am Donnerstag aber in der blauen Siegermannschaft mit sehr guten Aktionen. Ob so ein kleines Erfolgserlebnis Auftrieb bringt? Wohl kaum.

Mijat Gaćinović (5): Die abwinkende Handbewegung, mal mit rechts, dann mit links, war die auffälligste Leistung von Mijat in dieser Schweizer Woche. Eigener Pass kommt nicht an? Abwinken. Pass vom Kollegen erreicht ihn nicht? Abwinken. Falscher Laufweg? Abwinken? Schuss verzogen? Abwinken. Bislang stimmten bei Gaci ja immer Einsatz und Willen, wenngleich die Ausführung oft wenig ertragreich war. Kommt jetzt aber noch Demotivation und Misslaunigkeit hinzu, wird Mijat es schwer haben, in der ersten Elf zu bestehen.

Marijan Ćavar (5-): Was Marijan bei der Eintracht will, weiß er wohl selbst nicht so genau. Auf dem Trainingsplatz stand er den anderen Spieler eher im Weg, als dass er sich nützlich machte. Gegen Bern und Luzern nicht dabei, auch bei Trainingsspielchen nur ganz sporadisch eingesetzt. War verliehen, sollte wieder abgegeben werden.

Daichi Kamada (1-): Der Mann des Trainingslagers. Sozusagen der Gaci in der vollendeten Version, mit einem Strauß voller Fußballideen, die er aber auch konsequent und erfolgreich zu Ende bringt. Im Winter 2018 hatten Exil-Bischemer und ich Kamada noch die Note 5 gegeben und geschrieben: "Ging völlig unter in Alicante. Man konnte ihm nicht ansehen, dass er in die erste Elf drängt. Schon beim Aufwärmen oftmals abwesend wirkend." Wie sich die Zeiten ändern und die Leihe zu einem belgischen Verein Wunder bewirken können: körperlich deutlich zugelegt, nicht mehr so an Hasebe hängend, kommunikativ mit anderen Mitspielern, gute Technik und gewissenhaft bei den alltäglichen Basisübungen. Scorerpunktsammler und Torschütze bei den beiden Tests in der Tissot-Arena.

Nicolai Müller (6): Ist der Adler, oder kann der weg? Selten so eine schwache Vorstellung eines Spielers in einem Trainingslager gesehen. Gegen Bern und Luzern völlig zurecht nicht berücksichtigt, im Training ebenfalls fast durchgängig übergangen. Äußerst missmutig bei den zahlreichen Laufrunden um den Thuner Platz, im Kreis wenig heiß. Mit offensichtlich unnötigen Sperenzchen, wie dem Anlegen des schwarzen GPS-Tracking-Sport-BHs über dem Trainingsshirt.

Ante Rebić (3-): Lustloser Start in Trainingslager, mal sich dezent bei den Dehnübungen zurückhaltend, dann auffallend provozierend den anderen bei Box-to-Box-Läufen hinterherwackelnd. Auch die vielen kroatischen Fans auf der Haupttribüne des Lachen-Stadions konnte offenbar keinen positiven Einfluss auf ihn ausüben. Fing sich so langsam zur Wochenmitte, sein Engagement gegen Luzern lässt hoffen, dass es doch wieder was wird mit dem heißblütigen Kopf-durch-die-Wand-Ante bei der SGE.

Sébastien Haller (1-): NICHT ziehen lassen. Ganz dringend für die kommenden EL-Aufgaben benötigter Stabilisator im Offensivverbund, der in Thun seine ganze Abgezocktheit während der Trainingsspielchen unter Beweis stellte. Neben Hase und Torró wohl der Spieler mit dem größten Körperbewusstsein, sehr menschlich im Umgang mit den Teamkollegen. Netzte gegen Luzern ein, es war hoffentlich nicht sein letztes Tor im SGE-Dress.

Gonçalo Paciência (2-): Bei ihm wechselten sich Geistesblitze, die in geile Tore mündeten, ab mit weinerlichen Fado-Auftritten, wenn er eine Chance versiebte. Wirkte voll austrainert, was wichtig werden könnte. Denn falls Haller wirklich gehen sollte, wird viel Offensivlast auf seinen Schultern lagern.

Dejan Joveljić (3+): Typ unscheinbares Schlitzohr. Traf immerhin zum Ehrentreffer gegen Bern. In Trainingsspielchen mit sehr guten Vollstreckerqualitäten, das erinnerte schon sehr an Jović, nur ohne Oberschenkel wie Baumstämme. An der Physis muss er noch ordentlich arbeiten, von Hünen wie Russ wurde im Training nämlich gerne mal umgemäht.
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Großen - ganz großen Dank für diese Einschätzungen! Wie wir alle wissen sind Deine Analysen wirklich Gold wert in Bezug auf die Entwicklung und künftige Bedeutung unserer Spieler in der Mannschaft. Deine Einschätzung von Kamada freut mich ungemein, denn genau so habe ich ihn in den beiden "Testspielen" auch wahrgenommen. Inzwischen bin ich recht sicher, dass er künftig eine gute Rolle in unserem Team spielen wird. Sehr schade Deine Bewertung von Rönnow. Seine Trainingsleistung kann ich logischerweise nicht beurteilen, aber sein Spiel in den beiden Tests gegen Bern und Luzern war meiner Meinung nach auch nicht gerade überragend. Er hat ein paar Mal gut, sogar sehr gut gehalten, aber Souveränität strahlte er überhaupt nicht aus und war somit auch nicht der emotionale Rückhalt der Mannschaft. Ich bin sicher, dass sich auf dieser Position noch etwas tun wird. Entweder kommt Trapp (wovon ich ausgehe) oder eine neue Nummer Eins.
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Vielen vielen Dank für die hervorragenden Berichte! Es war eine Freude diese täglich aufzusaugen!

Finde auch, dass Haller ganz schwer zu ersetzen sein wird, er ist so unfassbar wichtig für uns.

Das mit Kamada freut mich auch, hoffentlich bekommt er die Chance sich in der Bundesliga zu zeigen..und nutzt diese auch!

Hoffe Mijat bekommt wieder die Kurve in den nächsten Wochen! Echt bitter, dass sich Djibi so „schwer“ verletzt hat.

Bin auch für eine Verpflichtung von Trappo, mit Rönnow als Nr. 1 hätte ich arge Bauchschmerzen.

Und zu guter Letzt..ich hätte gerne unbedingt Hinti wieder!

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Oh doch!
Das klingt ganz und gar verkehrt!
Mit dieser Aufstellung gewinnen wir kein Spiel sondern verlieren alle mit 0:3!

Ansonsten bleibt zu sagen, vielen Dank für die ganzen Berichte. Du bist echt der Wahnsinn!!!
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Ok, hatte den / vergessen zwischen Rebic und Pacencia. Toller Kommentar

Danke für die tollen Berichte .
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Vielen Dank für die Einschätzungen!

Mit Ausnahme von Gacinovic (da bin ich wirklich enttäuscht) ist es ungefähr so, wie man erwarten durfte. Dass es bei Tawatha, Cavar, Müller, Wiedwald & co eng werden würde war klar.
Chandler braucht noch Zeit, die wird man ihm auch geben.
Bei Toure frägt man sich schon, wie er es in Monaco zu so vielen CL-Spielen gebracht hat.

Für Kamada freut es mich ganz besonders. Er könnte das torgefährliche Puzzle-Stück werden im Om, das uns letzte Saison noch gefehlt hat.
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Vielen Dank für deine Berichte und die Einschätzungen!

Insbesondere die Beurteilung von Rönnow wird einigen vielleicht die Augen öffnen. Es lag eben nicht (nur) am Knie, sondern es reicht einfach nicht, um ein wirklich guter Rückhalt zu sein, den wir für unsere Ziele brauchen.
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Wie immer klasse Berichte, Enkhaamer! 👌🏻

Das mit Gacinovic hört sich ja nicht so toll an. Er scheint aktuell etwas neben der Spur zu sein. Generell glaube ich bei ihm eh nicht mehr an den großen Durchbruch... Aber dafür macht Kamada Hoffnung... 👍🏻
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Ich hab mal ne Frage an die Sportmediziner hier in der Runde:
Auf Konditionsbolzerei wurde ja vollends verzichtet, ein ungeschriebenes Gesetz sagt aber doch seit Jahrzehnten das ohne die Konditionseinheiten am Anfang der Vorbereitung der Einbruch irgendwann kommen wird. Ich erinnere an die Saison unter Veh wo er es unter ähnlichen Umständen (Doppelbelastung) arg schleifen ließ im Trainingslager und wir dann regelmäßig die Totalabstürze ab der 85.min hatten...

Natürlich müssen wir schauen das wir am 25.7. voll im Saft stehen und nicht übermüdet ins erste Pflichtspiel gehen müssen, das ist völlig klar. Aber irgendwie hab ich ein flaues Gefühl bei der ganzen Sache und hoffe nicht das mich dieses Gefühl irgendwann im November einholt...

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Vielen herzlichen Dank für die Einschätzungen.

Bin sehr gespannt auf Kamada und Joveljic.
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Danke für die Einschätzung.

Rönnow hat mir bei den Testspielen schon nicht gefallen, er war immer ziemlich unsicher. Das es auch im Training schon so ist, das er mit der schlechteste ist, das wundert mich dann doch irgendwo. Vielleicht ist es wirklich besser ihn wieder abzugeben. Man hat ja noch Zimmermann und zur Not Wiede (wenn er denn wirklich sicherer ist).

Bei Gaci frag ich mich auch was da los ist. Vielleicht hat er private Probleme oder sonstige. Auch wenn das aufm Platz keine Rolle spielen sollte. Eigentlich hat er ja immer viel spaß am Fußball.

Naja, in 2 Wochen ist man schlauer. Danke für die Einschätzung wie gesagt!
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Ich hab mal ne Frage an die Sportmediziner hier in der Runde:
Auf Konditionsbolzerei wurde ja vollends verzichtet, ein ungeschriebenes Gesetz sagt aber doch seit Jahrzehnten das ohne die Konditionseinheiten am Anfang der Vorbereitung der Einbruch irgendwann kommen wird. Ich erinnere an die Saison unter Veh wo er es unter ähnlichen Umständen (Doppelbelastung) arg schleifen ließ im Trainingslager und wir dann regelmäßig die Totalabstürze ab der 85.min hatten...

Natürlich müssen wir schauen das wir am 25.7. voll im Saft stehen und nicht übermüdet ins erste Pflichtspiel gehen müssen, das ist völlig klar. Aber irgendwie hab ich ein flaues Gefühl bei der ganzen Sache und hoffe nicht das mich dieses Gefühl irgendwann im November einholt...

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Ich denke mal, dass man dem vorgebeugt hat, indem man den Spielern anspruchsvollere Traingspläne mit an die Hand gegeben hat. Hütter hat ja auch von sehr guten Ergebnissen beim Laktat-Test gesprochen, also gehe ich davon aus, dass die Spieler in gewisser Weise selbst verantwortlich für ihre Fitness sind/waren.
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Kamadas Formstärke kommt wirklich zur perfekten Zeit.
Nach Sows Verletzung hätte ich mich zunächst gefragt, ob man nicht einen Ersatz holt, da wir derzeit sonst keinen haben, den ich dauerhaft einen Platz auf der 8/10 zutraue.
Aber mit Kamada scheint das ja wirklich zu klappen.
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Gude aus Enkhaam,

Testspiele sind das Salz in der Suppe von Trainingslagern. Morgens noch fleißig trainieren, abends dann vermöbelt werden (1:5) oder selbst wegfiedeln (3:1). Euphorie, Hochmut, Fall und Wiederaufstehen sind nur wenige Übungseinheiten voneinander entfernt. Bei der Bewertung von Testkicks gilt: Neben Salz kann auch immer ein Haar in der Suppe gefunden werden, man muss gar nicht lange darin herumrühren. Doch die Proben für den Ernstfall sind häufig ein Muster ohne Wert, geschuldet der taktischen Experimentierfreudigkeit der Trainer, dem konditionellen Zustand und der grundsätzlichen Leistungsfähigkeit des Spielerpersonals. Daher sollte man weder die Niederlage gegen Bern, noch den Sieg gegen Luzern überbewerten. Ausgelöffelt wird die heiße Suppe nämlich erst in der EL-Qualifikation, und mit den Trainingsleistungen von Thun sollte das Team sowohl gegen Tallinn als auch Niš bestehen können. Kurzfristiger Handlungsbedarf besteht aber auf jeden Fall noch auf der Position des Torwarts.

Die Tage in Thun waren geprägt von konzentriertem Arbeiten unter Chefcoach Adi Hütter, der den Beginn einer jeden Trainingseinheit Athletik-Guru Martin Spohrer anvertraute. Kondition gebolzt wurde nicht, dafür steht das erste Pflichtspiel schon viel zu kurz vor der Tür. Ein paar Box-to-Box-Läufe und das Drehen von Leichtathletikrunden waren das höchste, was die Spieler leisten mussten. Ärgerlich war die frühe Verletzung von Sow, der wochenlang fehlen wird. Spielerisch legte das Trainerteam sehr viel Wert auf das Überzahlspiel und die Passsicherheit, auch einige Übungen mit sehr frühem Pressing wurden eingestreut. Zur ersten Elf ließen sich noch keine Rückschlüsse ziehen, vor allem die Besetzung der Abwehrzentrale und von DM und OM sind noch ziemlich offen. In meinen Bewertungen, die Ihr unten findet, lassen sich aber vielleicht schon manche Favoriten für eine Position erkennen.

Danke sagen möchte ich für Euer zahlreiches Lob und die netten Kommentare, es hat mal wieder Spaß gemacht! Aus Windischgarsten wird sich übrigens der Wiener melden und Euch mit Infos versorgen. Und wer das Buch von Exil-Bischemer und mir noch nicht vorbestellt hat, hier nochmal der Hinweis
Die insgesamt rund 130 Trainingslagerberichte werden am 28. Oktober gesammelt in einem über 500 Seiten dicken Wälzer erscheinen. Vorbestellt werden kann das gute Stück hier https://tinyurl.com/gude-aus-dhabi-vorbestellung
Weitere Infos gibt es auf https://www.facebook.com/GudeBuch und https://twitter.com/enkhaamer1
Leseprobe: https://tinyurl.com/leseprobe-gudebuch

Viele Grüße,
Enkhaamer



Frederik Rönnow (4-): Strahlte im Kick gegen Bern und bei vielen Trainingsspielchen wenig Souveränität aus. Bei den Übungen von Moppes, die ich beobachten konnte, häufig derjenige mit den schlechtesten Paraden. Eine wirkliche Nummer Eins müsste eigentlich bis zum EL-Quali-Start her. Wenn es nicht Trapp ist, dann ein anderer.

Felix Wiedwald (4+): Man merkte, dass er in der Rückrunde beim MSV Duisburg Spielpraxis gesammelt hatte, wirkte recht sicher. Unverständlich, dass er in der Tissot-Arena keine Möglichkeit bekam, sich vor dem Uhrencup-Publikum zu präsentieren. Klappt es nicht mit dem alten Neuen oder einem neuen Neuen, wäre es mir anhand der Thuner Trainingseindrücke wohler, wenn Wiedwald gegen Tallinn/Niš im Tor stehen würde.

Elias Bördner (4): U19-Note 2. Der einzige Jugendspieler, der mit ins Lager mitgenommen wurde, machte seine Sache unauffällig. Unauffällig gut. Durfte zwar selten bei Halb- oder Ganzfeldspielchen ins Tor, aber bei abwehrenden Torabschlussübungen konnte er ein ums andere Mal sein Talent beweisen.

Filip Kostić (1-): Schon in der exzellenten Form der Vorsaison, spulte sein Pensum auf der linken Außenbahn gewohnt hochtourig ab. No-Brainer.

Erik Durm (2-): Als etwas defensiver ausgerichteter Backup von Filip beeindruckte Erik in den ersten Tagen mit guter Präsenz und Körperlichkeit. Am Ende ein paar Mal im Hotel geblieben, sollte sich aber nah an die erste Elf ranspielen können. Frag sich nur, auf welcher Position, denn der dauerrennende Kostić blockiert ja schon die ganze linke Seite.

Jetro Willems (3-): Besser als in seiner persönlichen Katastrophenrückrunde 2019. Sein Spiel wirkte etwas strukturierter, mit weniger sinnfreien Pässen und Flanken ins Nirwana, siehe das Luzern-Spiel. Ärgerlich aber, dass er sich bei alltäglichen Übungsformen wie dem Rondo manchmal völlig hängen ließ und bocklos im Kreis umherirrte.

Taleb Tawatha (5-): Machte meist nur das Aufwärmprogramm mit, dann auf dem Nebenplatz oder der Tartanbahn vorstellig geworden. Komplett untergegangen, wenn er mal an den Ball durfte. Wird Zeit, dass er einen neuen Verein findet.

Evan Ndicka (3-): Die technische Eleganz seiner Spielweise ist ein bisschen abhanden gekommen. Ab und zu mit seltsam hölzernen Abwehraktionen. Wird sich steigern müssen, um seinen Platz in der Stammverteidigung zu bekommen.

Tuta (4-): Hatte ganz schön zu kämpfen, wurde häufiger für die eher ungewohnte linke Abwehrseite eingeteilt. Darüber fiel dann auch prompt das 0:1 gegen Bern nach schlimmen Ballverlust von Tuta. Im Training manchmal nicht so ganz bei der Sache, wenn er eine Übung erst mit Verspätung startete.

David Abraham (3+): Ob El Capitano die neue Saison ohne Wehwehchen und schlimmere Verletzung übersteht? Fehlte gleich beim ersten Training und dann beim letzten Testspiel, wurde mit Samthandschuhen vom Medizin-Staff angefasst. Seine Schnelligkeit und Kompromisslosigkeit im Zweikampf waren auf jeden Fall noch sichtbar, wenn er in vollem Saft auf dem saftigen Grün im Berner Oberland stand.

Makoto Hasebe (2-): Ackerte wie Rebić mit hochgekrempeltem T-Shirt über den Platz, vorbildlich sein Einsatz und seine Konzentration bei jeder Übung. Von hinten rausspielerisch aber noch nicht so präsent wie gewohnt.

Marco Russ (3-): Das Urgestein ist nach wie vor ein begnadeter Kopfballspieler, hatte die uneingeschränkte Lufthoheit bei Trainingskicks. Wenn es aber am Boden etwas schneller wurde, holten ihn die Gegenspieler geschwind auf eben diesen wieder zurück. In einem breiten Europa-League-Kader aber nach wie vor ein brauchbarer Backup.

Danny da Costa (2+): Ähnlich wie Kostić auf der linken Seite des Thunersees, spulte Danny ordentlich Kilometer ab. Für eine Verschnaufpause bleibt wohl auch in Zukunft keine Zeit, zu gut waren seine Leistungen im Trainingslager, und zu wenig Druck kam von seinen Konkurrenten auf der RV-Position.

Timothy Chandler (4): Quälte sich über den Platz, bei aussichtsreichen Kontern über rechts brach er seltsamerweise häufig ab und bugsierte den Ball ins defensive Mittelfeld. Seine lange verletzungsbedingte Auszeit war immer noch deutlich sichtbar.

Almamy Touré (4-): Uninspirierter Auftritt des gebürtigen Maliers. Schlechter Spielaufbau von hinten, im Training wünschte man sich manchmal, dass das Übungsfeld etwas nach rechts vergrößert würde, damit die Bälle nicht reihenweise ins Aus gingen.

Dominik Kohr (3+): Wenn das mit #freehinti nicht klappt, könnte #hardkohr der neue Kampfsau-Publikumsliebling werden. Schmiss sich gediegen in die Mittelfeld-Zweikämpfe. Das so etwas Limitiertes aber mittlerweile knapp 10 Millionen Euro kostet, ist schon krass.

Lucas Torró (2-): Mit seinen 1,90 Metern der Leuchtturm am Mittelkreis, überzeugte mit Übersicht und guten Bällen. Bei Läufen von Box zu Box überpünktlich, seine Gewissenhaftigkeit ist mit der von Hase vergleichbar.

Djibril Sow (2): Gerade erst hatte ich mich an seine Statur und seinen Bewegungsablauf gewöhnt, um ihn einmal quer über dem Platz sicher bei Übungen identifizieren zu können, da ereilte unseren Schweizer Neuzugang eine schwere Sehnenverletzung. Bis dahin der Typ aggressiver Leader, der den Laden zusammenhalten kann. Hoffentlich kommt er schneller als erwartet zurück.

Gelson Fernandes (): Nicht zu bewerten, da er durch eine hartnäckige Wadenverletzung fast nicht auf dem Platz zu sehen war.

Marc Stendera (2-): Dafür, dass er keine Chance im Team von Adi Hütter haben soll, kämpfte er verbissen dafür, diese trotzdem zu nutzen. War einer der wenigen nicht ganz so schlechten beim Test gegen Bern, in Thun mit vielen guten Ballaktionen. Fitness gebolzt wurde praktisch nicht, das war vielleicht sein Glück. Denn in vergangenen Trainingslagern zeigte sich dann, dass er mit den anderen körperlich nicht mithalten kann.

Jonathan de Guzmán (3+): Hielt die internationale Truppe stimmungstechnisch gut zusammen und zeigte darüber hinaus auch Vollstreckerqualitäten. Das Schießen von Standards war aber leider nicht so pralle.

Sahverdi Cetin (4): Hatte einen schweren Stand während des Trainingslagers. Manchmal nur auf der Leichtathletikbahn umherlaufend, gegen Bern und Luzern nicht eingesetzt. Beim Kleinfeldturnier am Donnerstag aber in der blauen Siegermannschaft mit sehr guten Aktionen. Ob so ein kleines Erfolgserlebnis Auftrieb bringt? Wohl kaum.

Mijat Gaćinović (5): Die abwinkende Handbewegung, mal mit rechts, dann mit links, war die auffälligste Leistung von Mijat in dieser Schweizer Woche. Eigener Pass kommt nicht an? Abwinken. Pass vom Kollegen erreicht ihn nicht? Abwinken. Falscher Laufweg? Abwinken? Schuss verzogen? Abwinken. Bislang stimmten bei Gaci ja immer Einsatz und Willen, wenngleich die Ausführung oft wenig ertragreich war. Kommt jetzt aber noch Demotivation und Misslaunigkeit hinzu, wird Mijat es schwer haben, in der ersten Elf zu bestehen.

Marijan Ćavar (5-): Was Marijan bei der Eintracht will, weiß er wohl selbst nicht so genau. Auf dem Trainingsplatz stand er den anderen Spieler eher im Weg, als dass er sich nützlich machte. Gegen Bern und Luzern nicht dabei, auch bei Trainingsspielchen nur ganz sporadisch eingesetzt. War verliehen, sollte wieder abgegeben werden.

Daichi Kamada (1-): Der Mann des Trainingslagers. Sozusagen der Gaci in der vollendeten Version, mit einem Strauß voller Fußballideen, die er aber auch konsequent und erfolgreich zu Ende bringt. Im Winter 2018 hatten Exil-Bischemer und ich Kamada noch die Note 5 gegeben und geschrieben: "Ging völlig unter in Alicante. Man konnte ihm nicht ansehen, dass er in die erste Elf drängt. Schon beim Aufwärmen oftmals abwesend wirkend." Wie sich die Zeiten ändern und die Leihe zu einem belgischen Verein Wunder bewirken können: körperlich deutlich zugelegt, nicht mehr so an Hasebe hängend, kommunikativ mit anderen Mitspielern, gute Technik und gewissenhaft bei den alltäglichen Basisübungen. Scorerpunktsammler und Torschütze bei den beiden Tests in der Tissot-Arena.

Nicolai Müller (6): Ist der Adler, oder kann der weg? Selten so eine schwache Vorstellung eines Spielers in einem Trainingslager gesehen. Gegen Bern und Luzern völlig zurecht nicht berücksichtigt, im Training ebenfalls fast durchgängig übergangen. Äußerst missmutig bei den zahlreichen Laufrunden um den Thuner Platz, im Kreis wenig heiß. Mit offensichtlich unnötigen Sperenzchen, wie dem Anlegen des schwarzen GPS-Tracking-Sport-BHs über dem Trainingsshirt.

Ante Rebić (3-): Lustloser Start in Trainingslager, mal sich dezent bei den Dehnübungen zurückhaltend, dann auffallend provozierend den anderen bei Box-to-Box-Läufen hinterherwackelnd. Auch die vielen kroatischen Fans auf der Haupttribüne des Lachen-Stadions konnte offenbar keinen positiven Einfluss auf ihn ausüben. Fing sich so langsam zur Wochenmitte, sein Engagement gegen Luzern lässt hoffen, dass es doch wieder was wird mit dem heißblütigen Kopf-durch-die-Wand-Ante bei der SGE.

Sébastien Haller (1-): NICHT ziehen lassen. Ganz dringend für die kommenden EL-Aufgaben benötigter Stabilisator im Offensivverbund, der in Thun seine ganze Abgezocktheit während der Trainingsspielchen unter Beweis stellte. Neben Hase und Torró wohl der Spieler mit dem größten Körperbewusstsein, sehr menschlich im Umgang mit den Teamkollegen. Netzte gegen Luzern ein, es war hoffentlich nicht sein letztes Tor im SGE-Dress.

Gonçalo Paciência (2-): Bei ihm wechselten sich Geistesblitze, die in geile Tore mündeten, ab mit weinerlichen Fado-Auftritten, wenn er eine Chance versiebte. Wirkte voll austrainert, was wichtig werden könnte. Denn falls Haller wirklich gehen sollte, wird viel Offensivlast auf seinen Schultern lagern.

Dejan Joveljić (3+): Typ unscheinbares Schlitzohr. Traf immerhin zum Ehrentreffer gegen Bern. In Trainingsspielchen mit sehr guten Vollstreckerqualitäten, das erinnerte schon sehr an Jović, nur ohne Oberschenkel wie Baumstämme. An der Physis muss er noch ordentlich arbeiten, von Hünen wie Russ wurde im Training nämlich gerne mal umgemäht.
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Vielen Dank für Deine fundierte Einschätzung.
An sich könnte man glatt einen eigenen Torwartthread und einen Konditionsthread starten.

Auch mir stellt sich die Frage, wie die Grundlagenausdauer aufgebaut werden soll. Oder ist die Grundlage wirklich bereits hinreichend aufgebaut, so dass es nur noch um Spritzigkeit und Belastungssteuerung geht?

Welche Rolle spielt unser neuer Athletiktrainer dabei? Hat sich das Athletiktraining unter ihm verändert? Geht es vielleicht sogar auf seinen Einfluss zurück, dass es jetzt keine reine Konditionsphase gibt?
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Toure hat in den 2 Testspielen wirklich schwach gespielt.
Das wundert mich jedoch etwas.
Vor 2-3 Jahren wahren seine Leistungen bei Monaco ziemlich gut. Wirkte spritzig, technisch gut und auch defensiv ordentlich, obwohl das in der Ligue 1 generell immer etwas lockerer vonstatten geht.
Letzte Saison war er bei Monaco dann weg vom Fenster. Wenn er da im Training so gespielt hat, wie in den Testspielen wird das bei uns auch der Fall sein. Hoffe er kriegt nochmal die Kurve, denn er zeigte schonmal viel Potential
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Vielen Dank für die Einschätzungen!

Mit Ausnahme von Gacinovic (da bin ich wirklich enttäuscht) ist es ungefähr so, wie man erwarten durfte. Dass es bei Tawatha, Cavar, Müller, Wiedwald & co eng werden würde war klar.
Chandler braucht noch Zeit, die wird man ihm auch geben.
Bei Toure frägt man sich schon, wie er es in Monaco zu so vielen CL-Spielen gebracht hat.

Für Kamada freut es mich ganz besonders. Er könnte das torgefährliche Puzzle-Stück werden im Om, das uns letzte Saison noch gefehlt hat.
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Wuschelblubb schrieb:

Vielen Dank für die Einschätzungen!

Mit Ausnahme von Gacinovic (da bin ich wirklich enttäuscht) ist es ungefähr so, wie man erwarten durfte. Dass es bei Tawatha, Cavar, Müller, Wiedwald & co eng werden würde war klar.
Chandler braucht noch Zeit, die wird man ihm auch geben.
Bei Toure frägt man sich schon, wie er es in Monaco zu so vielen CL-Spielen gebracht hat.

Für Kamada freut es mich ganz besonders. Er könnte das torgefährliche Puzzle-Stück werden im Om, das uns letzte Saison noch gefehlt hat.


Kamada und Joveljic werden es ohne Haller leider nicht richten, aber es freut mich einen "guten" OM zu haben (der einzigste!)


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