Forumstreffen - die Protokolle


Thread wurde von prothurk am Mittwoch, 30. September 2020, 13:49 Uhr um 13:49 Uhr gesperrt weil:
Wird wieder geöffnet sobald die anderen Protokolle vorliegen, prothurk
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Hier stelle ich nur die Protkolle ein. Diskussionen bitte weiterhin im Nachbetrachtungsthread führen!

Bei der Gelegenheit möchte ich noch einmal auf unsere Spendenaktion der Teilnhemer im Rahmen des Treffens aufmerksam machen. Am Ende kamen 600 Euro zusammen, die jeweils zur Hälfte an den Verein Hilfe für krebskranke Kinder Frankfurt e.V. und an die Frankfurter Tafel e.V. gegangen sind. Zudem haben wir beschlossen, diese Sammlung auch hier im Forum fortzuführen. Wir haben über einen MoneyPool bei paypal gesammelt und genau den habe ich jetzt auch wieder eingerichtet, um allen Forumsusern die Möglichkeit zu geben, sich an der Aktion zu beteiligen.

Gespendet werden kann bis zum 14. Oktober unter diesem Link. Da kann auch jeder immer sehen wie der aktuelle Spendenstand ist. Ich würde mich freuen, wenn richtig viel Kohle zusammenkommen würde!

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Forumstreffen 2020 Protokoll
Protokollant: JohanCruyff; Korrektur von und Ergänzungen zu Teil 1: TaunusadlerX

0. Vorbemerkung
Es war nicht nur ein informativer, sondern ein sehr angenehmer und professioneller Abend. Ich denke, ich kann für alle Teilnehmer sprechen, dass wir uns sehr willkommen gefühlt haben. Das fing beim Empfang und der Unterstützung durch die Vorstandsassistentin an und hörte bei Catering-Mitarbeitern nicht auf. Denn auch Oliver Frankenbach, Axel Hellmann und Julien Zamberk zeigten mit viel Engagement in ihren Darlegungen und viel Offenheit gegenüber unseren Fragen, wie wichtig ihnen der Austausch mit uns ist. Es ist schon etwas Besonderes, dass ein Bundesligist ein solches Format anbietet und es mit dieser Ernsthaftigkeit und Freude durchführt.

1. Oliver Frankenbach

„Corona-Krise ist die größte Herausforderung für Eintracht Frankfurt – größer als die Abstiege“

Oliver Frankenbach erinnerte zunächst an die Situation Ende Februar/ Anfang März. Nach dem EL-Spiel gegen Salzburg war die Eintracht-Welt rosarot. Eine normal zu Ende gespielte Saison hätte zu einem Umsatz von ca 295 Mio € und dabei einem Gewinn von ca 26,1 Mio € geführt.
Dann kam Corona und die Bundesliga stand still. Daher wurden von Seiten der Eintracht verschiedene mögliche Szenarien und ihre finanziellen Auswirkungen auf die SGE durchkalkuliert:      1. Die Saison wird abgebrochen und nicht zu Ende gespielt. 2. Die Saison wird ohne Zuschauer zu Ende gespielt. 3. Die Saison wird nach einer Corona-Pause wieder aufgenommen und mit Zuschauern zu Ende gespielt. Wie wir wissen, wurde die Saison ohne Zuschauer zu Ende gespielt, was für die Eintracht zu einem Einbruch der Zuschauer-Einnahmen um ca. 15 Mio führte. Der Umsatz sank von den erwarteten 295 Mio € auf 280 Mio €. Mit den Spielern wurden Gehaltsverzichte vereinbart. Der Gewinn sank von den erwarteten ca. 26,1 Mio € auf ca. 19 Mio €. Das klingt erst einmal nicht so dramatisch, man muss sich aber vor Augen halten, dass dieses Szenario sehr unvorhergesehen das vorangegangene Wachstum unserer Eintracht ausgebremst hat und somit gravierende Auswirkungen für die Planungen der Saison 2020/21 hat.

Außerdem muss man sich vor Augen halten, dass die fehlenden Zuschauereinnahmen auch noch in anderen Bereichen eine wirtschaftliche Relevanz haben. Mit den Zuschauereinnahmen (durch Ticketverkäufe) fallen ja z. B. auch die „Hospitality und Catering“-Einnahmen weg. Beides sind de facto Einnahmeausfälle, aber es gibt auch weitere Auswirkungen. Wenn diese Einnahmen z. B. als Sicherheit bei Kreditverträgen fungieren, steht durch diese Neubewertung auch eine Neubewertung der Kredit-Bedingungen an und im schlechtesten Fall eine Kündigung dieser Kredite; die Eintracht hat in diesen Hinsichten allerdings Glück mit ihren Partnern, die sehr vertrauensvoll und mit wenig Nervosität mit dieser Situation umgehen.

Außerdem sind die nationalen TV Erlöse reduziert worden – auch für die Folgejahre wird die für die zukünftige Finanzplanung grundlegende und bis vor Corona erwartete Steigerung der TV-Erlöse nicht eintreten. Auch bei den internationalen TV-Erlösen aus den EL-Spielen ist mit leicht reduzierten Einnahmen zu rechnen. Dass auch aus dem Haller-Transfer noch einige Mio fehlen, ist ja bekannt. Die Eintracht hat sich mit West Ham mittlerweile geeinigt; für die Eintracht bedeutet das, dass sie alle ausstehenden Zahlungen in Kürze auf einmal erhält und dafür einen kleinen Abschlag in Kauf nehmen muss

Die Planung für die Saison 2020/21 sehen – Stand jetzt - einen Umsatz von 150 Mio € vor. Es wird nach aktueller Planung  ein Verlust von 30 Mio € erwartet. In der Planung wurde davon ausgegangen, dass 2020 alle Spiele ohne Zuschauer stattfinden und auf dem Transfermarkt keine Erlöse zu erzielen sind.

Aufgrund von Corona kam in der Öffentlichkeit die Diskussion über  grundlegende Änderungen im Profifußball auf: reduzierte Spielergehälter, Deckelung von Spielergehältern, Reduzierung von Beraterhonoraren, Einbruch von Transfervergütungen, etc. Hierzu kann mit heutigem Stand festgehalten werden, dass sich bislang an dem System an sich nichts verändert hat und wohl auch in Zukunft nicht wird. Da die bedeutenden TV-Erlöse leicht sinken, werden auch die Spielergehälter tendenziell leicht reduziert werden.

Im hochpreisigen Transfersegment finden weiterhin Transfers statt. Hier sind als Änderungen teilweise gesunkene Transfererlöse, Beispiel: Sané, zu beobachten. Es ist auffällig, dass es vor allem im oberen Segment Transferbewegungen gibt, wohingegen sich in den anderen Abteilungen des Transfermarkts eher wenig tut. Wechselwillige und vereinslose Nicht-Spitzenspieler werden es – so die Erwartung der Eintracht – zunehmend schwerer haben, einen neuen Verein zu finden.

Der coronabedingte Gehaltsverzicht soll bei der Eintracht weiter bestehen bleiben. Dies ist aber ein Diskussionsprozess: Der Gehaltsverzicht wird zwar von der Mannschaft grundsätzlich verstanden und getragen, aber natürlich individuell unterschiedlich diskutiert – insbesondere in Hinblick auf Transferausgaben. Die Situation der Spieler ist eben eine unterschiedliche: Während die einen das als Investition in ihre eigene Zukunft, sportlich und wirtschaftlich (Erfolgsboni), ansehen und gutheißen, bezweifeln andere, dass sie davon innerhalb ihrer Vertragslaufzeit noch davon maßgeblich profitieren werden.

Kündigungen von Dauerkarten (DK) und Logen gehen gegen Null; was aber sicherlich auch daran liegt, dass die Eintracht mit der Corona-Sonder-Situation so umgegangen ist, dass die Kosten für die Spiele ohne Zuschauer erstattet worden sind bzw. hiervon 1 Mio € als Spenden an Frankfurter gemeinnützige Einrichtungen weiter geleitet werden konnten. Für die kommende Saison bleiben die Dauerkarten-Abos bestehen, es sollen „symbolische“ DK ausgegeben werden. Von der Möglichkeit, sich zusätzliche Liquidität durch den Verkauf von DK zu verschaffen, hält Oliver Frankenbach wenig: So lange nicht bekannt ist, wie viele Spiele in der kommenden Saison stattfinden, sei es unredlich, DK mit Teilnahmegarantie verkaufen zu wollen.

Die Bundesliga ist insgesamt besser aufgestellt als andere Ligen. Oliver Frankenbach sieht darin ein Ergebnis des Lizensierungsverfahrens. Dieses betrachtet die Cashflows, also ob auch immer genug Geld verfügbar ist, um die anstehenden Zahlungen zu tätigen. Die Eintracht sieht bisher nicht das Erfordernis oder die Notwendigkeit, bei der KfW Unterstützung zu beantragen. Sollte es irgendwann einmal die Situation geben, dass finanzielle Unterstützung notwendig ist, um z. B. Kredit-Sicherheiten abzusichern, dann würde die Eintracht selbstverständlich einen Antrag stellen – so wie jedes andere Unternehmen auch.

Die langfristigen Folgen von Corona sind nicht gut abschätzbar. Wann werden wie viele Zuschauer zugelassen? Werden die Zuschauer dann auch so zurück ins Stadion strömen wie zuvor? Oder haben sie Angst? Wie sieht es bei jungen Fans aus? Ist bei diesen nach 1-2 Jahren ohne gemeinsame, emotionale Erlebnisse im Stadion die Bindung zur Eintracht noch so stark wie davor?

Durch Corona wird der finanzielle Abstand zu dem oberen Drittel deutlich, weil diese enorme und stabile Geldzuflüsse aus der CL und/ oder Mäzenen und/ oder Unternehmen bekommen. Sich mit Hertha und Gladbach finanziell zu messen, dürfte durch Corona schwieriger werden. Die Situation der Mittelfeld-Vereine ist etwas schwerer zu beurteilen, weil hier jeder Verein versucht, mit verdeckten Karten zu spielen. Die Eintracht dürfte im Vergleich aber sehr stabil aufgestellt sein.

Was die Absicherung von Transfers angeht, so war das bislang bei Vereinbarungen mit Vereinen aus einigen Ligen, z. B. der Türkei, üblich. Bei der umsatzstärksten Liga, der PL, hat man so etwas nicht in Betracht gezogen. Eine Absicherung bedeutet ja auch immer, dass am Ende weniger Geld bei der Eintracht ankommt. Diese bislang gültige Praxis wird nun, nach den Erfahrungen aus dem Haller-Deal, neu bewertet und in Zukunft gegebenenfalls angepasst.

Grundsätzlich wird bei Vertragsverlängerungen berücksichtigt, welche Transfersumme möglicherweise zu erzielen ist – und dementsprechend auch eine höhere Gehaltserhöhung in Erwägung gezogen, um mit dem Spieler einig zu werden. Die Eintracht hat dabei im Blick, dass Spieler mit in absehbarer Zeit auslaufenden Verträgen schnell zum Objekt der Begierde der großen, finanzstarken Vereine der Bundesliga werden, die dann „sehr geschickt“ die kurze Restlaufzeit zu ihren Gunsten auszunutzen wissen. Als konkretes Beispiel wurde der Fall Rode angesprochen, bei dem aber Oliver Frankenbach meinte, dass die Eintracht sehr frühzeitig eine Vertragsverlängerung angestrebt hat.

Dass nun durch Corona wohl tendenziell die Gehälter sinken, macht die anstehenden Verhandlungen natürlich schwieriger. Dass Kamada gehalten werden konnte, liegt vor allem auch daran, dass er die Erfahrung gemacht hat, dass er zunächst bei der Eintracht nicht funktionierte, dann in Belgien funktionierte und dann auch bei der Eintracht. Hier sieht er ein Umfeld und vor allem einen Trainer, der auf ihn setzt, wo er die Leistungen der letzten Saison bestätigen und verbessern kann.

Corona stellt neue strategische Fragen und Anforderungen zu Spielertausch zwischen konkurrierenden Vereinen und auch zu kreativen Formen von Spielertransfers: Hier wird auch auf den Paciencia-Deal hingewiesen. Schalke hat wohl die Bedingungen der Eintracht ohne große Verhandlungen akzeptiert. Allgemeine Info zu Kaufoptionen und deren Höhe: diese können fix, variabel oder in Abhängigkeit von Bedingungen sein.


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