
Kanten
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Kanten
Sorry, dass das alles immer tiefer geht…
Pragmatik muss man in dem Fall eigentlich komplett rausnehmen, da Sprechsituationen letztlich beliebige Betonungsverteilungen hervorrufen können. Also:
1. „Ich springe nicht vom ‚EIN-Meter-Brett’, sondern vom ‚DREI-Meter-Brett’!“
2. „Ich springe nicht vom ‚Ein-Meter-BRETT’, sondern vom ‚Ein-Meter-TURM’!“
3. „Ich springe nicht vom ‚Ein-METER-Brett’, sondern vom ‚Ein-YARD-Brett’!“
In neutralen Situationen wären aber sowohl Ein- als auch Drei-Meter-Brett auf Meter betont. Mögliche (und klassische) Begründung: „Ein-Meter“ ist eine syntaktische Konstruktion und daher finalbetont, „Ein-Meter-Brett“ hingegen ist ein Kompositum aus ebendieser Phrase und dem Kopf des Wortes – Brett. Komposita in germanischen Sprachen sind initialbetont, daher liegt auch hier die Betonung auf dem ersten Wortteil…
Pragmatik muss man in dem Fall eigentlich komplett rausnehmen, da Sprechsituationen letztlich beliebige Betonungsverteilungen hervorrufen können. Also:
1. „Ich springe nicht vom ‚EIN-Meter-Brett’, sondern vom ‚DREI-Meter-Brett’!“
2. „Ich springe nicht vom ‚Ein-Meter-BRETT’, sondern vom ‚Ein-Meter-TURM’!“
3. „Ich springe nicht vom ‚Ein-METER-Brett’, sondern vom ‚Ein-YARD-Brett’!“
In neutralen Situationen wären aber sowohl Ein- als auch Drei-Meter-Brett auf Meter betont. Mögliche (und klassische) Begründung: „Ein-Meter“ ist eine syntaktische Konstruktion und daher finalbetont, „Ein-Meter-Brett“ hingegen ist ein Kompositum aus ebendieser Phrase und dem Kopf des Wortes – Brett. Komposita in germanischen Sprachen sind initialbetont, daher liegt auch hier die Betonung auf dem ersten Wortteil…
adlerkadabra schrieb:Kanten schrieb:
Chomsky&Halle würden dir antworten, dass es sich um den Unterschied zwischen der Herkunft oder Ableitung einer zusammengesetzten Einheit handelt. Im Prinzip wären dann alle syntaktischen Einheiten (z.B. Phrasen) endbetont, während alle "echten" Komposita (also letztlich zusammengesetzte Wörter) die Betonung auf dem vorderen Wortteil hätten.
Im Deutschen ist das relativ einfach nachvollziehbar, bleibt aber problematisch, da es umstritten ist, ob z.B. nur "GRÜNtee" als Kompositum gelten sollte oder auch "grüner TEE" (wesentlich idiomatischer und wahrscheinlich im mentalen Lexikon abgespeichert, was gemeinhin als Indikator für Wortstatus gilt). Im Englischen ist das alles noch wesentlich komplizierter - vgl. z.B. "CAR dealer" mit "summer DRESS". Es scheint sich dabei eher um unterschiedliche semantische Relationen innerhalb der Einheiten zu handeln, die für die Betonungsverteilung verantwortlich sind.
Der Mainstreamansatz versteht aber, wie oben bereits erwähnt, die germanische Initialbetonung als ebenso vorherrschend in Komposita wie in einfachen Stammwörtern. Das deutlich weniger germanische Vokabular des Englischen könnte dann auch das dortige Wirrwarr erklären. Alles in allem ist das aber ein recht umstrittener Bereich in der Linguistik...
Ich bin da nicht so drin wie Du, vermute aber, dass, nachdem Herr Chomsky seit geraumer Zeit vorwiegend andere Rösser reitet, der im Raum stehenden Frage heute v.a. auf dem weiten Feld der Psycho- und Neurolinguistik nachgegangen wird.
Auf die Schnelle bin ich noch auf einen Link gestoßen, der ganz verheißungsvoll aussieht:
http://books.google.de/books?id=5hZN__n0EZsC&pg=PA444&lpg=PA444&dq=chomsky+%2Bkomposita&source=bl&ots=4iFzIdt53e&sig=Jh8q3CMxSkT8ah1c79A3j60D3kE&hl=de&ei=NAtgTKzJMNClOJi0hL0J&sa=X&oi=book_result&ct=result&resnum=4&ved=0CCYQ6AEwAw#v=onepage&q=chomsky%20%2Bkomposita&f=false
Mit den anderen Rössern Chomskys hast du natürlich recht (auch wenn er sich zunehmend verzweifelt an diesen festhält) - aber die meisten neueren Studien (z.B. Korpusstudien von Liberman&Sproat aus den 90ern oder Theorien von Giegerich und Olsen in den 2000ern) beziehen sich immer noch, zumindest als Ausgangspunkt, auf die Unterscheidung der beiden "Stress Rules". Inwieweit diese dann als richtig angesehen werden ist natürlich eine andere Frage.
In der Psycholinguistik scheint vor allem die Beschäftigung mit Aphasiepatienten beliebt, weil diese oft in einem bestimmten Grammatikmodul beeinträchtigt sind - also z.B. eindeutige Schwächen im Bereich der Morphologie oder der Syntax aufweisen. Da scheint zumindest einiges darauf hinzuweisen, dass viele der typischen Komposita (die in germanischen Sprachen eben häufig initialbetont sind) einfacher abrufbar sind, weil sie sich bereits als fertiggeformte Einheiten im Wortschatz befinden. Das hat aber nur bedingt mit der Frage der Betonung zu tun - die verbleibt m.W.n. ziemlich auf der theoretischen Spielwiese.
Chomsky&Halle würden dir antworten, dass es sich um den Unterschied zwischen der Herkunft oder Ableitung einer zusammengesetzten Einheit handelt. Im Prinzip wären dann alle syntaktischen Einheiten (z.B. Phrasen) endbetont, während alle "echten" Komposita (also letztlich zusammengesetzte Wörter) die Betonung auf dem vorderen Wortteil hätten.
Im Deutschen ist das relativ einfach nachvollziehbar, bleibt aber problematisch, da es umstritten ist, ob z.B. nur "GRÜNtee" als Kompositum gelten sollte oder auch "grüner TEE" (wesentlich idiomatischer und wahrscheinlich im mentalen Lexikon abgespeichert, was gemeinhin als Indikator für Wortstatus gilt). Im Englischen ist das alles noch wesentlich komplizierter - vgl. z.B. "CAR dealer" mit "summer DRESS". Es scheint sich dabei eher um unterschiedliche semantische Relationen innerhalb der Einheiten zu handeln, die für die Betonungsverteilung verantwortlich sind.
Der Mainstreamansatz versteht aber, wie oben bereits erwähnt, die germanische Initialbetonung als ebenso vorherrschend in Komposita wie in einfachen Stammwörtern. Das deutlich weniger germanische Vokabular des Englischen könnte dann auch das dortige Wirrwarr erklären. Alles in allem ist das aber ein recht umstrittener Bereich in der Linguistik...
Im Deutschen ist das relativ einfach nachvollziehbar, bleibt aber problematisch, da es umstritten ist, ob z.B. nur "GRÜNtee" als Kompositum gelten sollte oder auch "grüner TEE" (wesentlich idiomatischer und wahrscheinlich im mentalen Lexikon abgespeichert, was gemeinhin als Indikator für Wortstatus gilt). Im Englischen ist das alles noch wesentlich komplizierter - vgl. z.B. "CAR dealer" mit "summer DRESS". Es scheint sich dabei eher um unterschiedliche semantische Relationen innerhalb der Einheiten zu handeln, die für die Betonungsverteilung verantwortlich sind.
Der Mainstreamansatz versteht aber, wie oben bereits erwähnt, die germanische Initialbetonung als ebenso vorherrschend in Komposita wie in einfachen Stammwörtern. Das deutlich weniger germanische Vokabular des Englischen könnte dann auch das dortige Wirrwarr erklären. Alles in allem ist das aber ein recht umstrittener Bereich in der Linguistik...