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Studien-/Ausbildungsplatzwahl und das böse Erwachen (XL)

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Schwarz-Weiss-Rafi schrieb:
SGE Supporter schrieb:
Nur ganz kurz :

Mach dein Studium fertig und verzichte nicht auf diese "Eintrittskarte" - mehr ist es nämlich auch nicht. Aber es macht den Einstieg ( nicht nur in ein Unternehmen ) ungemein einfacher, wohingegen ein abgebrochenes Studium auf der Zielgeraden einem (Personal-)Entscheider eher den Eindruck vermittelt, dass du nicht durchhalten kannst.

Nach dem Abschluss kannst du dich dann umorientieren oder vielleicht findest du ja etwas, was dein theoretisches Wissen mit deinen aktuellen Interessen verknüpft ?!

Ich drücke dir auf jeden Fall schonmal die Daumen    

Der Meinung bin ich auch, obwohl ich noch tief im Schulstress stecke. Mach das erstmal fertig, damit du auf jeden Fall eine Ausbildung in der Tasche hast. Ich werde mir später ganz genau überlegen, wie ich nach dem Abi vorgehe, das weiß ich jetzt schon.

In der Oberstufe dachte ich das auch noch, dann kam plötzlich kurz vorm Abi die Neuregelung und spätere Abschaffung vom Tauglichkeitsgrad T3 (den ich hatte) und das Jahr beim Bund wo ich mir gemütlich meine Gedanken machen wollte war Geschichte. Dann stehst du halt da, zu dem Zeitpunkt war noch net klar wie diese T3 Geschichte letztlich ausgeht, und hast am Ende noch einen Monat Zeit bis die ersten Einschreibungstermine ablaufen.

Genauso können dir so Sachen passieren wie einem meiner Jungs, der zusammen mit seiner Freundin nach Tübingen gezogen ist, Beziehung geht kaputt, paar Monate down in ner Stadt wo du keinen kennst, Sense.

Gibt einfach so viele Unwägbarkeiten, die dir da einen Strich durch die Rechnung machen können. Davon mal abgesehen ist dieser ganze Bachelorkram heute ohnehin auf drei Jahre beschränkt, im äußersten Fall vielleicht vier. Das sind auch einfach nicht mehr die Zeiträume wie früher, du hast kaum noch die Zeit mal Luft zu holen, nach links oder rechts zu schauen und deine Entscheidung nochmal zu überdenken - dann bist du im Zweifel nämlich schon weg vom Fenster.
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Jo-Gi schrieb:
L
Meiner Meinung nach ist man als Abiturient oder Schulabgänger, der sich eine Ausbildungsstelle sucht noch nicht in der Lage, derart richtungweisende Entscheidungen sinnvoll zu treffen. Studienberatungen können einem da auch nicht helfen (die können mMn eh nicht mehr, als einem irgendwelche Broschüren zu irgendwelchen Studiengängen in die Hand zu drücken).


Stimme Dir da zu. Ich habe nach den Abi Soziologie studiert da es meinen Interessen am nächsten kam. Habe dann nach einigen Jahren gemerkt dass es doch nicht das richtige für mich ist.  Etwa zwei Jahre vor meinem Examen habe ich beschlossen eine Umschulung zum Programmierer zu machen, habe das Studium aber noch durchgezogen. Diese Umschulung hat ein Jahre gedauert, das ging als noch. Ich war dann 30 Jahre alt, als ich meinen ersten Job angetreten habe. Da haben andere schon 10 Jahre Berufserfahrung. Heute nach etwa 20 Jahren in der IT-Branche denke ich mir "Hättest Du doch was richtiges gelernt".  Mein Job ist für mich ein Beruf aber keine Erfüllung.

Was die Zukunft bringt kann man einfach nicht wissen. In einigen Jahren wird es vielleicht wieder was anderes geben was Dich mehr interessiert als das, was Dir jetzt als Alternative vorschwebt. Kann so sein, muss es aber nicht. Ich kann mir kaum vorstellen, dass es einen Beruf/Tätigkeit gibt hinter dem/der man während des ganzen Berufsleben 100% steht. Du schreibst ja selbst dass man sich im Lauf der Jahre weiterentwickelt und sich Interessen und Ansichten ändern.

Wenn Du für das was Du gerade machst ein Mindestmaß an Interesse aufbringst, ziehe es durch. Du bist ja offensichtlich nicht am abkotzen. Da sähe die Sache anders aus. Umorientieren kannst Du Dich dann auch noch. Für mich war es bei diversen Bewerbungen in der IT-Branche ein  Pluspunkt dass ich das Studium abgeschlossen habe obwohl klar war dass ich niemals als Soziologe arbeiten werde.

Wenn bei Dir die Konstellation so ist, dass Du Dir wenig Gedanken machen musst einen Einstieg ins Berufsleben zu finden kannst Du Dich glücklich schätzen. Das nur am Rande.
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Hallo zusammen,

nochamls vielen Dank für eure Antworten. Immer wieder interessant zu hören, dass es tatsächlich vielen ähnlich geht und das jeder anders handhabt und es trotzdem weitergeht  .

Was mMn heut zutage schwierig ist, ist die Tatsache, dass einerseits absolute Flexibilität erfordert wird, also räumliche und eigentlich auch zeitliche Ungebundenheit, andererseits ein möglichst stringenter und schlüssiger Lebenslauf ohne allzuviele Lücken, dafür aber mit Auslandsjahr, Praktika, Berufserfahrung etc. Aus Erzählungen weiß ich, dass es früher, also vor ca 20 Jahren anders war und behaupte mal, dass heute andere und höhere Ansprüche an Abgänger oder Absolventen seitens der Arbeitgeber und auch seitens der Gesellschaft gestellt werden. Habe vor einiger Zeit einen sehr guten Artikel im Asta-Magazin gelesen. Da hat ein Psychologe beschrieben, dass ein Großteil der depressiven Erkrankungen bei Menschen zwischen 20 und 30 darauf zurückzuführen ist, dass sie an den an an sie gestellten Ansprüchen von aussen und auch von innen heraus verzweifeln. Soweit muss es natürlich nicht kommen, aber es ist schon ein interessanter Fingerzeig.

Das macht die Sache, wie ich finde, nicht gerade einfacher, hat natürlich aber auch Vorteile. Z.B. hat man wesentlich mehr Möglichkeiten und es stehen einem, was die Ausbildung angeht, eigentlich alle Türen offen. Habt ihr ja selbst beschrieben.

Wahrscheinlich ist es in der Tat das Sinnvollste, sich zwar Gedanken zu machen und trotzdem alles etwas entspannter zu sehen, da man ja grad aufgrund besagter Schnelllebigkeit sowieso keinen exakten Plan aufstellen kann, was wie laufen soll und wird.  
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Jo-Gi schrieb:
Wahrscheinlich ist es in der Tat das Sinnvollste, sich zwar Gedanken zu machen und trotzdem alles etwas entspannter zu sehen, da man ja grad aufgrund besagter Schnelllebigkeit sowieso keinen exakten Plan aufstellen kann, was wie laufen soll und wird.  


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Bishop-Six schrieb:


Vom Großhandelskaufmann zum Archäologen.

Angst? Bedenken? Sorgen?

Ja, aber ich fühle mich gut dabei, denn es ist mein einziges Leben, das ich habe und ich will es sinnvoll für mich nutzen.



Das ist echt mal ein Ding....aber ich find es absolut Klasse!

Archäologie bzw. Paläobiologie war auch mal ein Traum von mir, aber ich hatte ein wenig schiss vor den Kosten (Auslandspraktika-/Semester etc.) und den unsicheren Berufsaussichten, aber wenn du das wirklich willst und durchziehst...ganz großen Respekt!

Ich wollte immer Ökologie oder aber Paläobiologie studieren, mach aber jetzt Bio/Chemie auf Lehramt, da ich auch schiss hatte später keinen Job zu bekommen.

Aber generell würde ich auch empfehlen das zu machen, was einen wirklich interessiert.

Andererseits muss ich sagen, dass viele Leute auch in ihrem privaten Umfeld sehr glücklich sind, obwohl sie eben nicht den ultimativen Traumjob gewählt haben.
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Tuess schrieb:
Bishop-Six schrieb:


Vom Großhandelskaufmann zum Archäologen.

Angst? Bedenken? Sorgen?

Ja, aber ich fühle mich gut dabei, denn es ist mein einziges Leben, das ich habe und ich will es sinnvoll für mich nutzen.



Das ist echt mal ein Ding....aber ich find es absolut Klasse!




Es gibt viele solcher "verrückten" Wechsel, wo man was ganz anderes macht als man eigentlich gelernt hat. Ich hab z.B. demletzt in Indiana einen Deutschen getroffen, der da eine Massagepraxis hat. Hab ihn das erste mal gesehen als er auf der Farmer-Markt einen Stand hatte, wo er Leute massierte  
Hab ihn dann später mal zufällig kennengelernt und mich mit ihm unterhalten, sein erlernter Beruf: Diplom-Geologe
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jona_m schrieb:
Jo-Gi schrieb:
Wahrscheinlich ist es in der Tat das Sinnvollste, sich zwar Gedanken zu machen und trotzdem alles etwas entspannter zu sehen, da man ja grad aufgrund besagter Schnelllebigkeit sowieso keinen exakten Plan aufstellen kann, was wie laufen soll und wird.  


 


Ich nenne das für mich: gesunder Fatalismus  
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dawiede schrieb:
Luu schrieb:


Ich studiere Medizin und bin froh direkt nach dem Abi angefangen zu haben.
Ende 20 ist recht spät für Medizin, aber nicht unmöglich.


Das ist ne deutsche Haltung...es ist nie zu spaet fuer irgendwas (erst recht net fuer Medizin)


Schreibt Luu doch auch!  
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Tuess schrieb:
Bishop-Six schrieb:


Vom Großhandelskaufmann zum Archäologen.

Angst? Bedenken? Sorgen?

Ja, aber ich fühle mich gut dabei, denn es ist mein einziges Leben, das ich habe und ich will es sinnvoll für mich nutzen.



Das ist echt mal ein Ding....aber ich find es absolut Klasse!

Archäologie bzw. Paläobiologie war auch mal ein Traum von mir, aber ich hatte ein wenig schiss vor den Kosten (Auslandspraktika-/Semester etc.) und den unsicheren Berufsaussichten, aber wenn du das wirklich willst und durchziehst...ganz großen Respekt!

Ich wollte immer Ökologie oder aber Paläobiologie studieren, mach aber jetzt Bio/Chemie auf Lehramt, da ich auch schiss hatte später keinen Job zu bekommen.

Aber generell würde ich auch empfehlen das zu machen, was einen wirklich interessiert.

Andererseits muss ich sagen, dass viele Leute auch in ihrem privaten Umfeld sehr glücklich sind, obwohl sie eben nicht den ultimativen Traumjob gewählt haben.





Ja, danke.

Deine Überlegungen sind mir auch bekannt. Ich habe die ganze Zeit zwischen Archäologie und Latein/Geschichtslehramt geschwankt (Interesse contra Perspektive) und habe mich eben nochmals für den wagemutigeren Weg entschieden.

Ich poker da auch ein bißchen, denn ich glaube in 10 Jahren wird unser Bildungsstandart derart problematisch sein, dass man mit einem gewissen Grad an Bildung dennoch Lehrer werden kann (ohne Examen).

Beispielsweise der Chemiker, der Chemielehrer an einer Abendschule wird usw...

Und da ich net immer nur jammern und nörgeln will, habe ich beschlossen diesen Weg zu gehen und selbst wenn es nicht klappen sollte, habe ich es wenigstens versucht.

Aber es wird klappen, denn ich glaube daran.

Ein schönes Beispiel:

Im 1. Bildungsweg hatte ich in Latein nur 6er. Die Lehrer haben mir unter meine Übersetzungen das Unendlichkeitszeichen als Fehler hingesetzt...

Heuer habe ich ein Latinum mit 15 Punkten.

Was ich neben meiner Selbstbeweihräucherung sagen will ,-) :

"Das pack ich net, gibts net!"

Und jeder, der unzufrieden ist und etwas Neues oder anderes machen will, sollte nicht wegen seinen Ängsten aufgehalten werden.

Sondern man sollte das als Ansporn sehen, um es sich selber zu beweisen.

@Jo-Gi

Den ersten Schritt hast du offensichtlich schon getan, indem du dir Gedanken machst. Mich würde es interessieren, wie es weitergeht...
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Riedadler schrieb:
Tuess schrieb:
Bishop-Six schrieb:


Vom Großhandelskaufmann zum Archäologen.

Angst? Bedenken? Sorgen?

Ja, aber ich fühle mich gut dabei, denn es ist mein einziges Leben, das ich habe und ich will es sinnvoll für mich nutzen.



Das ist echt mal ein Ding....aber ich find es absolut Klasse!




Es gibt viele solcher "verrückten" Wechsel, wo man was ganz anderes macht als man eigentlich gelernt hat. Ich hab z.B. demletzt in Indiana einen Deutschen getroffen, der da eine Massagepraxis hat. Hab ihn das erste mal gesehen als er auf der Farmer-Markt einen Stand hatte, wo er Leute massierte  
Hab ihn dann später mal zufällig kennengelernt und mich mit ihm unterhalten, sein erlernter Beruf: Diplom-Geologe



Verrückt???  

Ver-rückt vom Mainstream vielleicht

Aber wirklich ein schönes Beispiel!
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Habe heute durch Zufall einen interessanten Lebenslauf entdeckt  
http://www.uni-weimar.de/cms/fileadmin/architektur/sozi/Dokumente/Lebenslauf.pdf
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zum glück war ich noch nie in dieser situation und gehöre auch eher zu den personen die ihre entscheidungen schnell fassen können und nicht lang hin und her überlegen. außerdem bin ich kurz vor dem ende meines studiums und zum glück noch (im vergleich zu meinen mitstudenten) relativ jung.
ich würde sagen wenn man schon am ende ist sollte man es jetzt auch durch ziehen.

ich denke es kommt auch immer auf die person drauf an, ob sie diese weg weisenden entscheidungen schon für sich treffen kann. also es gibt schon viele die mit 18 schon genaue vorstellungen haben was sie machen bzw. werden wollen. also alles eine sache von der persönlichkeit
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Machs fertig, haste was in der Tasch. Stehst auch bei Neuorientierung besser da als ohne irgendwas. Habs in meiner näheren Umgebung, Mitte Vierzig das Gjammer, hätt ich nur durchgehalten.  

Akademiker ist Akademiker. Egal als was. In Deutschland zählen Titel, Diplome und Zertifikate.

Das Leben kann ja trotzdem dann andere Wege gehen.
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schusch schrieb:
Machs fertig, haste was in der Tasch. Stehst auch bei Neuorientierung besser da als ohne irgendwas. Habs in meiner näheren Umgebung, Mitte Vierzig das Gjammer, hätt ich nur durchgehalten.  

Akademiker ist Akademiker. Egal als was. In Deutschland zählen Titel, Diplome und Zertifikate.

Das Leben kann ja trotzdem dann andere Wege gehen.


Man kann sich lang drüber aufhalten, aber so isses.


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