Bundestagswahl 2017 (24.09.2017)


Thread wurde von SGE_Werner am Samstag, 07. Oktober 2017, 00:42 Uhr um 00:42 Uhr gesperrt weil:
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Also eben bin ich an ca. 300 Wahlplakaten vorbei. Überzeugungen  habe ich nur bei den Grünen, Linken und der AfD gesehen.

CDU und SPD kümmern sich nur um Erststimmen und Lindner ist wohl das einzige Mitglied in der FDP.
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Tafelberg schrieb:

Ich denke viele wählen die AfD ,weil sie ist wie sie ist.


Viele ja. Aber nicht alle. Ich kenne ja paar AfD Sympathisanten, die wirklich Merkel abstrafen wollen. Also Leute, die weniger für die AfD stimmen, sondern gegen die Politik der GroKo.
Da ist auch viel Protest dabei.

Und dass keine Partei im Bundestag derzeit die Politik vertritt, die ein erheblicher Teil der Bevölkerung will, hilft auch nicht.

Wen wählt denn jemand, der Sorge hat, dass wir mit der Flüchtlingspolitik und Integration überfordert sein werden und der das Gefühl hat, dass das Land sich in eine falsche Richtung bewegt? Da bleibt ja nicht viel übrig außer AfD und Linke und Kleinstparteien.

Es gibt diese Menschen eben. Wenn man diese Menschen politisch nicht beachtet über Jahre, dann darf man sich nicht wundern, wenn Populisten sie abgreifen.

Ob die Sorgen und Ängste, genauso wie die Vorurteile, berechtigt sind, bezweifle ich auch. Aber diese Menschen sind eben da.

Aber igorpamic hat recht. Es geht bei dieser Wahl eigentlich nicht nur um die Partei. Aber die Unterschiede zwischen den vier koalitionsfähigen Parteien bzw fünf mit der CSU sind mittlerweile immer geringer geworden. So beschäftigt man sich mit denen, bei denen leicht und schnell Unterschiede und Diskussionsstoff zu finden sind.
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SGE_Werner schrieb:

Und dass keine Partei im Bundestag derzeit die Politik vertritt, die ein erheblicher Teil der Bevölkerung will, hilft auch nicht.


was noch zu beweisen wäre. wenn wir mal das völlig aufgebauschte thema flüchtlingspolitik aussen vor lassen, welche politik wollen die meisten bürger denn? die einen wollen mehr geld für die benachteilgten, die anderen wollen dass man den besserverdienenden nichts ab nimmt und finden die niedrigsten spitzensteuersatz aller zeiten in ordnung (und meckern gleichzeitig über einen linksrutsch in der politik). die einen glauben an den klimawandel, wenige andere nicht. manche bringt die vorstellung auf die barrikaden man könnte ihnen vorschlagen einmal die woche auf fleisch zu verzichten (!), wieder andere möchten ungerne von der automobilindusrtie vergiftet werden. die meisten sind für gleichstellung von homosexuellen menschen, andere nicht. wenn es darum geht das fahrvergnügen des autofahrers einzuschränken gibt es lustige reaktionen von vielen seiten. eine partei die da allen 100% gerecht wird ist eine illusion.

und eine partei die sich dem lauf der dinge und der zeit komplett entgegenstellt, vielleicht sogar gegen besseres wissen, wird in deutschland nicht einmal im ansatz mehrheitsfähig sein.

es finden sich, in grüppchen natürlich, leute zusammen die sich ein kernthema aussuchen und damit dann alles andere auch schlecht und falsch finden und machen. als wäre auch nur ein einziges existenzielles problem gelöst wenn man keine flüchtlinge mehr aufnimmt. die welt ist so viel überschaubarer wenn man sie monothematisch wahr nimmt.

die deckungsgleichheit der parteien entsteht auch daraus, dass es bezüglich der wichtigsten werte einen konsens gibt. in welcher welt die afd-wähler leben möchten, darüber kann ich nur spekulieren. mit ihrer homophoben, ausländerunfreundlichen und deutschtümelnden politik stehen sie aber gegen eine absolute mehrheit der bürger. wenn die zivilisation nun einmal den punkt erreicht hat, dass man begreift dass fremde menschen auch menschen sind, randgruppen auch ein recht auf ihr eigenes leben haben und niemand hungern und frieren sollte da man das verhindern kann, dann muss sich die politik dem beugen. auch wenn manche das sehr langsam begreifen und es früher irgendwie besser fanden *ironie an* als sie noch nicht homosexuell werden mussten, eine frau noch ihren platz kannte, der ausländer die mülltonnen geleert hat und die kinder noch gut erzogen waren. wenigstens das mit den langen und ungepflegten haaren ist ja irgendwie vorbei. *ironie aus*

und wenn es um unsachliche und einseitige diskussionsführung geht, da können die vom öffentlich-rechtlichen noch eine ganze menge vom kollegen strunz von den privaten lernen.

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Tafelberg schrieb:

Ich denke viele wählen die AfD ,weil sie ist wie sie ist.


Viele ja. Aber nicht alle. Ich kenne ja paar AfD Sympathisanten, die wirklich Merkel abstrafen wollen. Also Leute, die weniger für die AfD stimmen, sondern gegen die Politik der GroKo.
Da ist auch viel Protest dabei.

Und dass keine Partei im Bundestag derzeit die Politik vertritt, die ein erheblicher Teil der Bevölkerung will, hilft auch nicht.

Wen wählt denn jemand, der Sorge hat, dass wir mit der Flüchtlingspolitik und Integration überfordert sein werden und der das Gefühl hat, dass das Land sich in eine falsche Richtung bewegt? Da bleibt ja nicht viel übrig außer AfD und Linke und Kleinstparteien.

Es gibt diese Menschen eben. Wenn man diese Menschen politisch nicht beachtet über Jahre, dann darf man sich nicht wundern, wenn Populisten sie abgreifen.

Ob die Sorgen und Ängste, genauso wie die Vorurteile, berechtigt sind, bezweifle ich auch. Aber diese Menschen sind eben da.

Aber igorpamic hat recht. Es geht bei dieser Wahl eigentlich nicht nur um die Partei. Aber die Unterschiede zwischen den vier koalitionsfähigen Parteien bzw fünf mit der CSU sind mittlerweile immer geringer geworden. So beschäftigt man sich mit denen, bei denen leicht und schnell Unterschiede und Diskussionsstoff zu finden sind.
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SGE_Werner schrieb:

Wen wählt denn jemand, der Sorge hat, dass wir mit der Flüchtlingspolitik und Integration überfordert sein werden und der das Gefühl hat, dass das Land sich in eine falsche Richtung bewegt? Da bleibt ja nicht viel übrig außer AfD und Linke und Kleinstparteien.

Es gibt diese Menschen eben. Wenn man diese Menschen politisch nicht beachtet über Jahre, dann darf man sich nicht wundern, wenn Populisten sie abgreifen.

Ob die Sorgen und Ängste, genauso wie die Vorurteile, berechtigt sind, bezweifle ich auch. Aber diese Menschen sind eben da.


andersrum gefragt, wie kann man jemandes ängste und sorgen berücksichtigen, dem es egal ist, daß er rassisten und fremdenfeinde in den bundestag wählt erst recht, wenn es dann  nur darum geht jemanden abzustrafen.

die zuwendung zur afd ist die zweite große verschiebung des klimas in diesem land in den letzten 25 jahren, das erstarken der afd macht fremdenfeindlichkeit, rücksichtslosigkeit etc wieder salonfähig.

es ist schwierig jemanden angemessen politisch zu berücksichtigen, dem all das egal ist.

ich weiss, dass es notwendig ist, sich auch mit diesen leuten zu beschäftigen, die sich abgehängt glauben. aber mir persönlich fehlen die rezepte dafür, über das zuhören geht das bei mir nicht hinaus, denn argumenten sind diese menschen aus meiner erfahrung in der mehrheit nicht zugänglich.

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Aber warum regt sich dann niemand darüber auf, dass doch die so angeblich tote und neoliberale Einpersonen Partei FDP mit einem konservativen Parteichef auf einmal an den 10 Prozent kratzt.

Also ich bezeichne die mal als AFD light.
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Aber warum regt sich dann niemand darüber auf, dass doch die so angeblich tote und neoliberale Einpersonen Partei FDP mit einem konservativen Parteichef auf einmal an den 10 Prozent kratzt.

Also ich bezeichne die mal als AFD light.
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igorpamic schrieb:

Aber warum regt sich dann niemand darüber auf, dass doch die so angeblich tote und neoliberale Einpersonen Partei FDP mit einem konservativen Parteichef auf einmal an den 10 Prozent kratzt.

Also ich bezeichne die mal als AFD light.


Mit einem Üblen Raubtierkapitalismuswahlprogramm... japp.. finde ich ebenso gruselig.
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Für die Union wäre Schwarz/Gelb die absolute Wunschkonstellation.

Dann wären vier Parteien in der Opposition, welche sich bis auf SPD und Grünen wohl noch gegenseitig bekämpfen werden.



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Also ich glaube, dass die Bevölkerung nicht rechter oder rassistischer denkt als vor 10, 20 oder 30 Jahren.

Nur haben diese Menschen früher die Union wählen können und die Union hat ihre Haltung zum Teil auch befriedigt. Die Zeit ist vorbei.

Ähnlich politisch verlief ja der Prozess bei der SPD und der Linke. Deren Ruck unter Schröder ließ auch einer Partei von Kommunisten, ex SED Mitgliedern usw. mehr Platz.
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Für die Union wäre Schwarz/Gelb die absolute Wunschkonstellation.

Dann wären vier Parteien in der Opposition, welche sich bis auf SPD und Grünen wohl noch gegenseitig bekämpfen werden.



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igorpamic schrieb:

Für die Union wäre Schwarz/Gelb die absolute Wunschkonstellation.



Für die SPD wohl auch.
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Ich würde mich ja freuen, wenn Parteien Überzeugungen vertreten.

Warum man Menschen am rechten Rand abholen soll und damit seine Ideen verraten sollte, um mehr Wählerstimmen zu holen, so was werde ich wohl nie verstehen.
Seit Jahren schon zeigen übrigens die Ergebnisse der SPD oder der Grünen, dass das langfristig auch nix bringt.
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reggaetyp schrieb:

Warum man Menschen am rechten Rand abholen soll und damit seine Ideen verraten sollte, um mehr Wählerstimmen zu holen, so was werde ich wohl nie verstehen.



naja, die union müsste ja nicht gleich im braunen sumpf fischen. wenn wir aber tatsächlich mal wieder eine parlamentarische demokratie mit spannungsbögen gegen politikverdrossenheit haben wollen, müssten die konservativen halt mal wieder politik für ihr publikum machen.

ansonsten machen wir halt "weiter so!" ist ja letzten endes auch nicht das schlimmste, was der breiten mehrheit so passieren kann.
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reggaetyp schrieb:

Warum man Menschen am rechten Rand abholen soll und damit seine Ideen verraten sollte, um mehr Wählerstimmen zu holen, so was werde ich wohl nie verstehen.



naja, die union müsste ja nicht gleich im braunen sumpf fischen. wenn wir aber tatsächlich mal wieder eine parlamentarische demokratie mit spannungsbögen gegen politikverdrossenheit haben wollen, müssten die konservativen halt mal wieder politik für ihr publikum machen.

ansonsten machen wir halt "weiter so!" ist ja letzten endes auch nicht das schlimmste, was der breiten mehrheit so passieren kann.
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Xbuerger schrieb:

ansonsten machen wir halt "weiter so!" ist ja letzten endes auch nicht das schlimmste, was der breiten mehrheit so passieren kann.


Ja. Das ist das Problem. Viele sehen Probleme und die Union schreibt "weiter so, alles prima" , die SPD "weiter so, aber mit jemand anderem an der Spitze" , die Grünen und die FDP ähnlich.

Wo ist da noch Veränderung oder Eingehen auf Ängste und Sorgen?

Man kann mit der breiten Mitte in Deutschland mit 60 prozent Anteil jederzeit die Wahl gewinnen. Man kann aber keine Gesellschaft aufrecht erhalten, bei der die Politik 40 Prozent vergisst. Früher gab es politische Alternativen. Mitte links oder Mitte rechts.

Heute gibt es nur noch Mitte oder Mitte oder links oder rechts.

Von den 38 Prozent, die die Union derzeit hat, sind mindestens 8 Prozent eigentlich SPD Wähler. Wenn die zur SPD zurück kehren, haben Union und SPD 30 und der Rest je 8-12 Prozent.

Die Union muss sich halt fragen, wem sie die Stimmen abnimmt. Der AfD oder der SPD.
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Bzw als Fazit. Entweder man kommt den Rändern politisch entgegen oder man muss akzeptieren, dass an beiden Rändern Parteien mit 10-20 Prozent entstehen, die dauerhaft aufgrund dann permanenter GroKo immer weiter wachsen wie die FPÖ in Österreich.

Man darf sich dann halt nicht wundern, wenn Trump, Le Pen, Orban usw gewinnen. Da es Deutschland gut geht und wir eine gewisse Historie haben, hängen wir diesen Entwicklungen noch 10 bis 20 Jahre hinterher.

Bleibt die CDU da, wo sie jetzt ist, wird die AfD sich etablieren und konstant im zweistelligen Bereich sein.

Das ist die logische Folge, wenn 60 Prozent der Bevölkerung in gewissen Fragen nur noch von einer Partei unterstützt werden.

Also entweder ändert sich die Meinung des Volkes oder das Volk ändert seine Wahl.
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SGE_Werner schrieb:

Also entweder ändert sich die Meinung des Volkes oder das Volk ändert seine Wahl.



       

Beim Lesen der Beiträge der letzten Stunden und besonders dem zitierten, kam mir  - warum auch immer - der alte Brecht in den Kopf, mit seinem Gedicht aus den Buckower Eligen:

Die Lösung
Nach dem Aufstand des 17. Juni
Ließ der Sekretär des Schriftstellerverbands
In der Stalinallee Flugblätter verteilen
Auf denen zu lesen war, daß das Volk
Das Vertrauen der Regierung verscherzt habe
Und es nur durch verdoppelte Arbeit
zurückerobern könne. Wäre es da
Nicht doch einfacher, die Regierung
Löste das Volk auf und
Wählte ein anderes?  

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Xbuerger schrieb:

ansonsten machen wir halt "weiter so!" ist ja letzten endes auch nicht das schlimmste, was der breiten mehrheit so passieren kann.


Ja. Das ist das Problem. Viele sehen Probleme und die Union schreibt "weiter so, alles prima" , die SPD "weiter so, aber mit jemand anderem an der Spitze" , die Grünen und die FDP ähnlich.

Wo ist da noch Veränderung oder Eingehen auf Ängste und Sorgen?

Man kann mit der breiten Mitte in Deutschland mit 60 prozent Anteil jederzeit die Wahl gewinnen. Man kann aber keine Gesellschaft aufrecht erhalten, bei der die Politik 40 Prozent vergisst. Früher gab es politische Alternativen. Mitte links oder Mitte rechts.

Heute gibt es nur noch Mitte oder Mitte oder links oder rechts.

Von den 38 Prozent, die die Union derzeit hat, sind mindestens 8 Prozent eigentlich SPD Wähler. Wenn die zur SPD zurück kehren, haben Union und SPD 30 und der Rest je 8-12 Prozent.

Die Union muss sich halt fragen, wem sie die Stimmen abnimmt. Der AfD oder der SPD.
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SGE_Werner schrieb:

Wo ist da noch Veränderung oder Eingehen auf Ängste und Sorgen?


welche veränderungen wollen die menschen denn, mal über das punktuelle hinweg gesehen? mal übertrieben, soll eine partei die todesstrafe befürworten weil ein teil der bevölkerung die nach jeder sexualstraftat an kindern fordert?

mir fallen nicht all zu viele rationalen (!) ängste ein, die von der afd bedient werden. da wird einfach alles in einen topf geworfen, angst vor dem fremden, angst vor dem abstieg, angst vor kriminalität  und angst vor dem geräusch im schrank und auf einen kleinen faktor minimiert: die ausländer sind es und die im schrank sind die linken und links beginnt links von steinbach.

wenn man die ängste dieser leute irgendwie rational begründen könnte, dann könnte man dagegen etwas tun. die lassen sich rational aber nicht begründen. und, da gebe ich dem mann aus kreuzberg völlig recht, das große und ganze will ja auch kaum jemand ändern, man hat sich weitestgehend eingerichtet im hier und jetzt. und deshalb ist es vielen auch relativ egal wer regiert, es wird schon nichts schlimmes passieren.
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Wenn es so kommen sollte, wie augenblicklich prognostiziert, gäbe es schwarz-rot oder Jamaika.
Oder: Minderheitenregierung mit wechselnden Mehrheiten?
Das wäre so ungewöhnlich, das traut sich niemand.

Ob sich das folgende jemand trauen würde?
Wie fändet Ihr eigentlich rot-grün-rot-gelb? (etwa im Verhältnis 22:9:9:9)
Ich weiß schon, dass sich das zunächst irre anhört.
Grundlage ist, dass CDU/CSU und AfD gemeinsam keine Mehrheit haben (natürlich würden die auch bei einer Mehrheit (noch) nicht kooperieren, aber meine Frage an Euch wäre dann obsolet).

Kanzler: N.N. (SPD)
Soziales und Arbeit: Linke
Gesundheit: Linke
Außen: FDP
Finanzen: SPD
Wirtschaft: FDP
Umwelt, Energie, Landwirtschaft: GRÜNE
Verkehr, Infrastruktur und Europa: GRÜNE
Weitere Ministerien wie Verteidigung, Wirtschaftliche Zusammenarbeit, Wissenschaft und Kunst, Familie an SPD.

Jeder bekommt also Steckenpferde - die Koalition heißt übrigens sozialliberallinksökologisch
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SGE_Werner schrieb:

Wo ist da noch Veränderung oder Eingehen auf Ängste und Sorgen?


welche veränderungen wollen die menschen denn, mal über das punktuelle hinweg gesehen? mal übertrieben, soll eine partei die todesstrafe befürworten weil ein teil der bevölkerung die nach jeder sexualstraftat an kindern fordert?

mir fallen nicht all zu viele rationalen (!) ängste ein, die von der afd bedient werden. da wird einfach alles in einen topf geworfen, angst vor dem fremden, angst vor dem abstieg, angst vor kriminalität  und angst vor dem geräusch im schrank und auf einen kleinen faktor minimiert: die ausländer sind es und die im schrank sind die linken und links beginnt links von steinbach.

wenn man die ängste dieser leute irgendwie rational begründen könnte, dann könnte man dagegen etwas tun. die lassen sich rational aber nicht begründen. und, da gebe ich dem mann aus kreuzberg völlig recht, das große und ganze will ja auch kaum jemand ändern, man hat sich weitestgehend eingerichtet im hier und jetzt. und deshalb ist es vielen auch relativ egal wer regiert, es wird schon nichts schlimmes passieren.
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Begründen und vor allem benennen kann man diese Ängste schon. Die R+V hat das gerade getan:

Nach Anschlägen in Berlin und anderen europäischen Städten haben viele Menschen in Deutschland Angst vor Terror. Die Sorge vor derartigen Attacken liege unverändert auf Platz eins der Langzeit-Umfrage "Die Ängste der Deutschen", teilte die R+V Versicherung mit. 71 Prozent der rund 2400 Befragten fühlten sich demnach von Terrorismus bedroht, zwei Prozentpunkte weniger als beim Rekordhoch 2016. Die Herausgeber sprechen aber noch immer von einem der höchsten je erfassten Werte. Mit deutlichem Abstand auf Terrorismus folgen wie im Vorjahr die Ängste vor politischem Extremismus (62 Prozent) und vor Spannungen durch den Zuzug von Ausländern (61 Prozent).
https://www.onetz.de/deutschland-und-die-welt-r/vermischtes-de-welt/buerger-fuerchten-sich-vor-terror-die-aengste-der-deutschen-d1778874.html

Das vollkommen Verrückte dabei: Die Terrorgefahr betrifft - wieviel Menschen?  0,00001 Prozent? Keine Ahnung. Die Gefahr aber, die uns alle betrifft, die Gefahr, die unser aller Leben am stärksten bedroht und die jedes Jahr sichtbarer wird, und gleichzeitig die Gefahr, an der wir alle noch am ehesten etwas ändern können, taucht unter den Top Ten der größten Ängste der Deutschen gar nicht auf: Der Klimawandel und seine Folgen.

@ Werner: wie soll jemand, der davon überzeugt ist, Menschen in Not müsse geholfen werden, die Leute abholen, die das überhaupt nicht finden? Wie soll das gehen?
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Wenn es so kommen sollte, wie augenblicklich prognostiziert, gäbe es schwarz-rot oder Jamaika.
Oder: Minderheitenregierung mit wechselnden Mehrheiten?
Das wäre so ungewöhnlich, das traut sich niemand.

Ob sich das folgende jemand trauen würde?
Wie fändet Ihr eigentlich rot-grün-rot-gelb? (etwa im Verhältnis 22:9:9:9)
Ich weiß schon, dass sich das zunächst irre anhört.
Grundlage ist, dass CDU/CSU und AfD gemeinsam keine Mehrheit haben (natürlich würden die auch bei einer Mehrheit (noch) nicht kooperieren, aber meine Frage an Euch wäre dann obsolet).

Kanzler: N.N. (SPD)
Soziales und Arbeit: Linke
Gesundheit: Linke
Außen: FDP
Finanzen: SPD
Wirtschaft: FDP
Umwelt, Energie, Landwirtschaft: GRÜNE
Verkehr, Infrastruktur und Europa: GRÜNE
Weitere Ministerien wie Verteidigung, Wirtschaftliche Zusammenarbeit, Wissenschaft und Kunst, Familie an SPD.

Jeder bekommt also Steckenpferde - die Koalition heißt übrigens sozialliberallinksökologisch
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edmund schrieb:

Wie fändet Ihr eigentlich rot-grün-rot-gelb? (etwa im Verhältnis 22:9:9:9)
Ich weiß schon, dass sich das zunächst irre anhört.

Ja, zunächst klingt das ganz schön irre. Allerdings wirds nicht besser, wenn es sich erst mal gesetzt hat.
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Begründen und vor allem benennen kann man diese Ängste schon. Die R+V hat das gerade getan:

Nach Anschlägen in Berlin und anderen europäischen Städten haben viele Menschen in Deutschland Angst vor Terror. Die Sorge vor derartigen Attacken liege unverändert auf Platz eins der Langzeit-Umfrage "Die Ängste der Deutschen", teilte die R+V Versicherung mit. 71 Prozent der rund 2400 Befragten fühlten sich demnach von Terrorismus bedroht, zwei Prozentpunkte weniger als beim Rekordhoch 2016. Die Herausgeber sprechen aber noch immer von einem der höchsten je erfassten Werte. Mit deutlichem Abstand auf Terrorismus folgen wie im Vorjahr die Ängste vor politischem Extremismus (62 Prozent) und vor Spannungen durch den Zuzug von Ausländern (61 Prozent).
https://www.onetz.de/deutschland-und-die-welt-r/vermischtes-de-welt/buerger-fuerchten-sich-vor-terror-die-aengste-der-deutschen-d1778874.html

Das vollkommen Verrückte dabei: Die Terrorgefahr betrifft - wieviel Menschen?  0,00001 Prozent? Keine Ahnung. Die Gefahr aber, die uns alle betrifft, die Gefahr, die unser aller Leben am stärksten bedroht und die jedes Jahr sichtbarer wird, und gleichzeitig die Gefahr, an der wir alle noch am ehesten etwas ändern können, taucht unter den Top Ten der größten Ängste der Deutschen gar nicht auf: Der Klimawandel und seine Folgen.

@ Werner: wie soll jemand, der davon überzeugt ist, Menschen in Not müsse geholfen werden, die Leute abholen, die das überhaupt nicht finden? Wie soll das gehen?
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WuerzburgerAdler schrieb:

Das vollkommen Verrückte dabei: Die Terrorgefahr betrifft - wieviel Menschen?  0,00001 Prozent?


genau das habe ich mit irrational gemeint.

WuerzburgerAdler schrieb:

Der Klimawandel und seine Folgen.


ist ja auch blöd wenn die eigene lebensweise und die dazu gehörigen umstände das problem sind. die ganze absurdität eröffnet sich im individualverkehr. lieber mit 70 kmh mehr über die autobahn brausen können, falls das auto es hergibt, als die zahl der unfalltoten zu reduzieren. mit einem tempolimit auf der autobahn ließen sich mehr menschenleben retten als terroristen menschenleben vernichten.
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WuerzburgerAdler schrieb:

Das vollkommen Verrückte dabei: Die Terrorgefahr betrifft - wieviel Menschen?  0,00001 Prozent?


genau das habe ich mit irrational gemeint.

WuerzburgerAdler schrieb:

Der Klimawandel und seine Folgen.


ist ja auch blöd wenn die eigene lebensweise und die dazu gehörigen umstände das problem sind. die ganze absurdität eröffnet sich im individualverkehr. lieber mit 70 kmh mehr über die autobahn brausen können, falls das auto es hergibt, als die zahl der unfalltoten zu reduzieren. mit einem tempolimit auf der autobahn ließen sich mehr menschenleben retten als terroristen menschenleben vernichten.
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Also sind wir uns in der Irrationalität einig.
Was mir nicht in den Kopf will: warum versucht man nicht, den Leuten diese Irrationalität klarzumachen? Warum rennt man lieber diesen irrationalen Gedanken hinterher, statt sie durch Aufklärung aufzulösen?

Beispiel die Grünen. Dieselskandal, Lebensmittelskandale, Klimawandel (jetzt aktuell die fürchterlichen Stürme in den USA oder bei uns die Obsternte), der ungezügelte Flächenfraß - alles Steilvorlagen. Warum bedienen sie sich dessen nicht?
Ich verstehe es nicht.
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Also sind wir uns in der Irrationalität einig.
Was mir nicht in den Kopf will: warum versucht man nicht, den Leuten diese Irrationalität klarzumachen? Warum rennt man lieber diesen irrationalen Gedanken hinterher, statt sie durch Aufklärung aufzulösen?

Beispiel die Grünen. Dieselskandal, Lebensmittelskandale, Klimawandel (jetzt aktuell die fürchterlichen Stürme in den USA oder bei uns die Obsternte), der ungezügelte Flächenfraß - alles Steilvorlagen. Warum bedienen sie sich dessen nicht?
Ich verstehe es nicht.
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WuerzburgerAdler schrieb:

Beispiel die Grünen. Dieselskandal, Lebensmittelskandale, Klimawandel (jetzt aktuell die fürchterlichen Stürme in den USA oder bei uns die Obsternte), der ungezügelte Flächenfraß - alles Steilvorlagen. Warum bedienen sie sich dessen nicht?
Ich verstehe es nicht.

Ich verstehe es auch nicht. Aber weder Göring-Eckardt noch Özdemir stehen für klassisch grüne Themen und ausgerechnet den Hofreiter haben sie ja erfolgreich aus der Führungsrolle gedrängt. Erstaunlich, dass den Grünen wichtiger ist einen Geschlechterproporz zu wahren als grüne Politik zu betreiben.
Und das ist ja so ziemlich das, was Werner gesagt hat, was ich schon gesagt hatte und vermutlich auch viele andere mehr: wenn jede Partei dorthin strebt, wo sie 60 % der Stimmen verortet, dann wenden sich halt viele derer ab, die zu Zeiten als Parteien noch ein Profil und eine Klientel hatten, einer Idee anhingen, die heute keine Repräsentanz mehr findet.
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Also ich glaube, dass die Bevölkerung nicht rechter oder rassistischer denkt als vor 10, 20 oder 30 Jahren.

Nur haben diese Menschen früher die Union wählen können und die Union hat ihre Haltung zum Teil auch befriedigt. Die Zeit ist vorbei.

Ähnlich politisch verlief ja der Prozess bei der SPD und der Linke. Deren Ruck unter Schröder ließ auch einer Partei von Kommunisten, ex SED Mitgliedern usw. mehr Platz.
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SGE_Werner schrieb:

Also ich glaube, dass die Bevölkerung nicht rechter oder rassistischer denkt als vor 10, 20 oder 30 Jahren.

Nur haben diese Menschen früher die Union wählen können und die Union hat ihre Haltung zum Teil auch befriedigt. Die Zeit ist vorbei.

Ähnlich politisch verlief ja der Prozess bei der SPD und der Linke. Deren Ruck unter Schröder ließ auch einer Partei von Kommunisten, ex SED Mitgliedern usw. mehr Platz.

Es ist schon auch beeindruckend, wenn man die Linke auf Kommunisten und Alt-SEDler verkürzt in der Beschreibung und dabei völlig außer Acht lässt, dass eben diese Linke klassische sozialdemokratische Positionen die die SPD preisgegeben hat besetzt, andererseits aber analysiert, dass die AfD ehemalige Unionswähler vom rechten Rand abholt und das völlig schlüssig findet.
Besonders unangenehm wird das vor allem dadurch, dass die Linke sich sukzessive entradikalisiert (hatte), während sich die AfD permanent weiter radikalisiert!
Wenn Wähler das nicht wahrnehmen wollen kann man sie nicht aus der Verantwortung für das Fördern von Rassisten und Rechtsradikalen entlassen. Hier geht mir dein Verständnis dafür deutlich zu weit!
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Xbuerger schrieb:

ansonsten machen wir halt "weiter so!" ist ja letzten endes auch nicht das schlimmste, was der breiten mehrheit so passieren kann.


Ja. Das ist das Problem. Viele sehen Probleme und die Union schreibt "weiter so, alles prima" , die SPD "weiter so, aber mit jemand anderem an der Spitze" , die Grünen und die FDP ähnlich.

Wo ist da noch Veränderung oder Eingehen auf Ängste und Sorgen?

Man kann mit der breiten Mitte in Deutschland mit 60 prozent Anteil jederzeit die Wahl gewinnen. Man kann aber keine Gesellschaft aufrecht erhalten, bei der die Politik 40 Prozent vergisst. Früher gab es politische Alternativen. Mitte links oder Mitte rechts.

Heute gibt es nur noch Mitte oder Mitte oder links oder rechts.

Von den 38 Prozent, die die Union derzeit hat, sind mindestens 8 Prozent eigentlich SPD Wähler. Wenn die zur SPD zurück kehren, haben Union und SPD 30 und der Rest je 8-12 Prozent.

Die Union muss sich halt fragen, wem sie die Stimmen abnimmt. Der AfD oder der SPD.
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SGE_Werner schrieb:

Wo ist da noch [...] Eingehen auf Ängste und Sorgen?


wurde ja schon geschrieben, aber tatsächlich sehe ich hier weniger die politik, denn die psychotherapie in der pflicht.
jetzt hatten wir in der hauptstadt letztes jahr knapp doppelt so viele getötete fahrradfahrer wie terroropfer. daran kann man doch keine politik ausrichten.

was fehlt den 40% denn, was sind ihre probleme?
wir hatten zuletzt neu im sortiment: mindestlohn, rente nach 45 arbeitsjahren, elterngeld plus.

und wo genau soll denn die mitte-mitte-regierung ansetzen, um die besorgten abzuholen?
mal böse zu hartz4 gesagt: die meisten sächsischen afd-wähler wären doch im alten system auch schon längst aus der arbeitslosenhilfe heraus gefallen und nun bei sozialhilfe angelangt. ist doch am ende auch jacke wie hose.

am ende hilft nur aufklärung, aber selbst das wird bei knapp 10% funktionalen analphabeten ein schwieriges unterfangen...
ich erkenne dabei eine korrelation in parteiensympathie!

SGE_Werner schrieb:

Die Union muss sich halt fragen, wem sie die Stimmen abnimmt. Der AfD oder der SPD.


wenn man das so betrachtet, wirds mmn eigentlich auch wieder recht deutlich. mir persönlich ist dann eine mit den 3 mitte-sozial-liberal-grünen parteien koalitionsfähige cdu am ende lieber...


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