Ich würde die beiden Halbzeiten gegen Augsburg weniger unter „Mentalität“ oder pauschal unter „fehlender Qualität“ betrachten, sondern zunächst über die Statik unseres Spielmodells. Denn ich glaube, dass genau dort momentan sowohl unsere große Chance als auch unser größtes Risiko liegt. Hütter möchte proaktiv verteidigen. Das war in der ersten Halbzeit auch ziemlich deutlich zu erkennen. Interessant war dabei für mich weniger unser Ballbesitz als vielmehr die Positionierung gegen den Ball und unmittelbar nach Ballverlust. Wir haben Augsburg häufig mit einer hohen letzten Linie verteidigt und versucht, den Raum bereits weit vor unserem eigenen Strafraum zu kontrollieren. Entscheidend dafür war das konsequente Nachschieben. Sobald Augsburg auf eine Seite gelenkt wurde, konnte die ballnahe Seite verdichten, während die letzte Linie aggressiv Anschluss gehalten hat. Dadurch waren die vertikalen Abstände klein. Und genau das ist wichtig, weil ein Ballverlust dann nicht zwangsläufig sofort verteidigt werden muss, sondern zunächst gegengepresst werden kann. Deshalb sah unsere Defensive in der ersten Halbzeit für mich auch wesentlich stabiler aus. Nicht weil Baum, Koch, Brassier oder Kosugi plötzlich individuell bessere Verteidiger waren, sondern weil sie wesentlich seltener isoliert verteidigen mussten. Das ist ein elementarer Unterschied. Eine Viererkette verteidigt nicht unabhängig vom Rest der Mannschaft. Wenn die Abstände zwischen Angriff, Mittelfeld und letzter Linie stimmen, kann ich nach Ballverlust sofort Anschlussdruck herstellen. Werden diese Abstände zu groß, entstehen Laufduelle, offene Halbräume und Situationen, in denen beispielsweise ein Außenverteidiger plötzlich gleichzeitig Breite und Tiefe kontrollieren soll. Dann sieht am Ende häufig der Verteidiger schlecht aus, obwohl der eigentliche Fehler zehn oder zwanzig Meter weiter vorne entstanden ist. Genau deshalb würde ich unsere Defensive momentan auch nicht isoliert anhand der Namen bewerten. Viel interessanter finde ich beispielsweise die Besetzung des Zentrums. Mit Onyedika haben wir im Grunde nur einen klassischen absichernden Mittelfeldspieler aufgestellt. Davor beziehungsweise daneben bewegen sich Spieler, deren natürliche Orientierung wesentlich offensiver ist. Das kann sehr attraktiv sein, weil man viele Spieler zwischen und hinter die gegnerischen Linien bekommt. Gleichzeitig erzeugt diese Struktur aber eine enorme Verantwortung für Onyedika. Wenn die Außenverteidiger Höhe geben und gleichzeitig mehrere offensive Spieler vor dem Ball positioniert sind, muss nach Ballverlust die erste Gegenpressingaktion sitzen. Tut sie das nicht, wird der Sechser zum Feuerwehrmann für eine Fläche, die ein einzelner Spieler überhaupt nicht kontrollieren kann. Und genau hier liegt für mich einer der Schlüssel für die zwei Gesichter. Solange unser Gegenpressing in Halbzeit eins Zugriff hatte, funktionierte diese mutige Besetzung. Augsburg kam kaum in Situationen, in denen unsere Restverteidigung offen verteidigen musste. Wir konnten Ballverluste häufig bereits im ersten oder zweiten Zugriff auffangen und Augsburg damit daran hindern, überhaupt kontrolliert in unsere letzte Linie zu kommen. Genau darin liegt aber gleichzeitig die Fragilität dieses Ansatzes: Wird die erste Gegenpressinglinie überspielt, fehlt uns aktuell noch zu häufig der zweite Zugriff. Dann wird aus einer aggressiven Vorwärtsverteidigung innerhalb weniger Sekunden eine offene Rückwärtsbewegung. Und dann reden wir plötzlich nicht mehr über Pressing, sondern über Notverteidigung. Das ist für mich momentan einer der wesentlichen Punkte. Denn eine Mannschaft, die hoch verteidigen möchte, muss nach einem überspielten Pressing sehr schnell erkennen, ob sie weiterhin Zugriff herstellen kann oder ob sie abbrechen, Tiefe sichern und sich neu organisieren muss. Genau diese Entscheidungsfindung funktioniert noch nicht zuverlässig. Und hier wird es für mich nach dem Augsburger Doppelschlag besonders interessant. Nach einem Gegentor gibt es bei einer hoch verteidigenden Mannschaft grundsätzlich verschiedene Möglichkeiten. Ich kann meine Höhe beibehalten, benötige dann aber sofort wieder maximalen Druck auf den Ball. Oder ich nehme vorübergehend einige Meter heraus, verdichte zunächst das Zentrum, sichere Tiefe und stelle wieder Kontrolle her. Was nicht funktioniert, ist die Zwischenlösung: Vorne weiterhin attackieren wollen, während hinten bereits vorsichtiger verteidigt wird. Genau dann verliert eine Mannschaft ihre vertikale Kompaktheit. Die erste Linie presst, das Mittelfeld kommt nicht mehr sauber hinterher, die letzte Linie beginnt aufgrund fehlenden Balldrucks tiefer zu denken – und plötzlich entstehen zwischen den Mannschaftsteilen Räume, die vorher überhaupt nicht vorhanden waren. Dann sieht es von außen schnell nach fehlender Mentalität oder individueller Qualität aus. In Wirklichkeit hat die Mannschaft aber zunächst ihre gemeinsame Raumordnung verloren. Und damit bin ich auch bei der viel diskutierten Mentalität. Mir ist die Gleichung „Rasmus und Theate weg = Mentalität weg“ deutlich zu einfach. Bei Rasmus kann ich das aufgrund seiner Präsenz, Emotionalität und Zweikampfführung durchaus nachvollziehen. Bei Theate sehe ich das wesentlich kritischer. Seine aggressive Art zu verteidigen, seine Körpersprache und die Verbindung zu den Fans haben dieses Bild sicherlich begünstigt. Nur ist das für mich nicht automatisch Führungsqualität. Ein Abwehrchef definiert sich nicht darüber, wie spektakulär er einen Zweikampf führt oder wie sehr seine Art beim Publikum ankommt. Er definiert sich vor allem über Steuerung. Höhe der Kette vorgeben. Herausrücken kommandieren. Rückwärtspressing einfordern. Abstände korrigieren. Mitspieler verschieben. Nach Überspielen des Pressings erkennen, wann nicht mehr nach vorne verteidigt werden darf, sondern zunächst Raum gesichert und verzögert werden muss. Gerade in der vergangenen Saison habe ich Theate nicht dauerhaft als diesen großen ordnenden Stabilisator wahrgenommen, als der er rückblickend gerade teilweise dargestellt wird. Unser Problem gegen Augsburg war deshalb für mich auch nicht: „Uns fehlt Theate.“ Unser Problem war, dass nach dem Bruch im Spiel die kollektive Pressinglogik verloren ging. Und genau dort sehe ich momentan Hütters größte Baustelle. Für mich ist deshalb beispielsweise auch die Konstellation Götze/Onyedika wesentlich interessanter als die reflexartige Forderung nach dem nächsten Innenverteidiger. Götze kann einem Spiel über seine Orientierung, sein Freilaufverhalten, seine Passwinkel und seine Fähigkeit, Drucksituationen spielerisch aufzulösen, enorme Qualität geben. Er ist aber naturgemäß kein zweiter Onyedika, der im defensiven Umschalten große Räume schließt. Wenn ich diese Konstellation spielen möchte, muss ich strukturell dafür sorgen, dass entweder ein Außenverteidiger in der Restverteidigung tiefer bleibt, ein offensiver Achter nach Ballverlust sofort einrückt oder meine Gegenpressingstruktur so eng ist, dass der Gegner den ersten Pass nach Ballgewinn gar nicht sauber spielen kann. Ansonsten entsteht hinter fünf oder sechs Spielern eine Fläche, die kaum noch kontrollierbar ist. Das ist keine Kritik an Götze. Das ist eine Frage der Rollenkompatibilität. Und genau deshalb finde ich auch Baum und Kosugi wesentlich interessanter, als sie momentan teilweise dargestellt werden. Die Frage sollte nicht sein, ob beide heute bereits dieselbe defensive Sicherheit besitzen wie ein Außenverteidiger mit 150 Bundesligaspielen. Die Frage muss lauten, welche Funktionen sie innerhalb von Hütters Spielmodell übernehmen sollen. Beide können Dynamik erzeugen und Höhe geben. Dadurch kann die Breite über die Außenverteidiger hergestellt werden und offensive Spieler können enger in den Halbräumen positioniert werden. Das wiederum schafft andere Passwinkel, andere Anschlussaktionen und bessere Voraussetzungen für Überladungen. Aber jede offensive Freiheit erzeugt irgendwo eine defensive Verpflichtung. Wenn Baum hochschiebt, muss sein Rücken abgesichert werden. Wenn Kosugi auf der anderen Seite gleichzeitig Höhe gibt, verändert sich die gesamte Restverteidigung. Dann muss entweder Onyedika Räume vor beziehungsweise zwischen den Innenverteidigern schließen oder ein ballferner Spieler frühzeitig einrücken. Deshalb interessiert mich auch nicht besonders, ob Baum am dritten Spieltag mal einen Zweikampf verliert. Mich interessiert, ob die Absicherungsmechanismen um Baum herum in sechs Wochen besser funktionieren. Genau dort zeigt sich Entwicklung. Und aus diesem Grund gefällt mir der kleinere Kader grundsätzlich sogar. Hütter muss gerade keine Ansammlung von Einzelspielern verwalten. Er muss eine gemeinsame Rauminterpretation entwickeln. Pressinghöhe, Pressingtrigger, Rückwärtspressing, ballfernes Einrücken, Anschlussdruck, Tiefensicherung, Restverteidigung und das Verhalten nach Überspielen der ersten Linie entstehen nicht dadurch, dass man sie einmal auf eine Taktiktafel malt. Sie entstehen durch Wiederholung. Und dafür brauche ich Trainingskonstanz, klare Rollen und Spieler, die regelmäßig miteinander arbeiten. Insofern sehe ich das Transferfenster sportlich auch nicht ausschließlich über die Frage: Wer ersetzt Theate? Wer ersetzt Rasmus? Wer ersetzt Spieler X? Gute Kaderplanung bedeutet nicht zwingend, jedes abgegebene Profil eins zu eins durch dasselbe Profil zu ersetzen. Man kann auch das Spielmodell verändern, weil die vorhandenen Spieler andere Stärken besitzen. Das bedeutet ausdrücklich nicht, dass ich dieses Transferfenster für perfekt halte. Mir ist der Sturm quantitativ ebenfalls etwas dünn. Eine weitere defensive Option hätte ich auch genommen. Aber Risiko und schlechte Kaderplanung sind für mich zwei verschiedene Dinge. Genauso muss man zwischen Kaderplanung, individueller Form und Trainerentscheidungen unterscheiden. Wenn Koch momentan nicht seine beste Form erreicht oder die letzte Linie nicht ausreichend führt, ist das ein Thema. Wenn Hütter eine Zentrumsbesetzung wählt, die im defensiven Umschalten nicht funktioniert, ist das ein Thema. Wenn ein junger Außenverteidiger einen individuellen Fehler macht, ist das ein Thema. Aber aus drei unterschiedlichen Problemen automatisch ein einziges „Krösche hat den Kader schlecht zusammengestellt“ zu machen, ist mir deutlich zu simpel. Kaderqualität, individuelle Form und taktische Umsetzung sind drei verschiedene Dinge. Ähnlich sehe ich es offensiv. Was uns gegenüber früheren Mannschaften möglicherweise tatsächlich fehlt, ist ein bestimmtes Profil: Spieler, die aus einer zunächst neutralen oder sogar schlecht vorbereiteten Situation über ein Tempodribbling selbstständig Raumgewinn herstellen und damit eine komplette gegnerische Linie überspielen. Solche Spieler können strukturelle Unsauberkeiten kaschieren. Fehlt diese individuelle Dynamik, muss ich Chancen anders vorbereiten. Dann brauche ich saubere Halbraumbesetzung, Überladungen, Gegenbewegungen, dritte-Mann-Läufe, besseres Freiziehen von Räumen und vor allem Anschlussaktionen, nachdem eine gegnerische Linie überspielt wurde. Dann muss der Gegner über Positionsspiel bewegt werden, anstatt darauf zu hoffen, dass ein Einzelspieler aus dem Stand Unordnung erzeugt. Das benötigt deutlich mehr Abstimmung. Deshalb halte ich auch Aussagen wie „Doan bringt keinen Output“ für viel zu eindimensional. Der Wert eines Spielers innerhalb eines Positionsangriffs bemisst sich nicht ausschließlich daran, wer am Ende Tor oder Assist bekommt. Entscheidend kann genauso sein, ob seine Positionierung einen Gegenspieler bindet, einen Halbraum öffnet, einen Passweg erzeugt oder die nächste Aktion vorbereitet. Und damit komme ich wieder zu den „zwei Gesichtern“. Für mich war Halbzeit eins nicht einfach gut und Halbzeit zwei einfach schlecht. Halbzeit eins hat gezeigt, unter welchen strukturellen Bedingungen Hütters Idee funktionieren kann. Halbzeit zwei hat gezeigt, wie fragil diese Bedingungen momentan noch sind, sobald der erste Zugriff verloren geht. Das ist für mich ein wesentlich interessanterer Befund als die pauschale Aussage, der Mannschaft fehle Qualität. Denn individuelle Qualität kann ich im Wesentlichen nur über Personal verändern. Strukturelle Stabilität kann ich trainieren. Und genau deshalb würde ich jetzt auch nicht hektisch irgendeinen Spieler verpflichten, nur weil wir sieben Gegentore in zwei Spielen bekommen haben. Wenn wir in sechs oder acht Wochen noch immer dieselben Probleme haben, wenn unser Gegenpressing nach Überspielen der ersten Linie weiterhin keinen zweiten Zugriff besitzt, die Restverteidigung regelmäßig in Gleichzahl oder Unterzahl gerät, die Abstände zwischen den Linien nicht stimmen und Hütter keine Balance für seine Zentrumsbesetzung findet, dann haben wir ein strukturelles Problem, über das man sehr ernsthaft reden muss. Momentan sehe ich aber zunächst einen Trainer, der versucht, die Mannschaft höher und proaktiver verteidigen zu lassen, gleichzeitig viele technisch starke Spieler auf den Platz bringen möchte und dafür bewusst Risiko in der Absicherung akzeptiert. Seine Aufgabe besteht jetzt darin, dieses Risiko kontrollierbar zu machen. Und genau deshalb bin ich auch vorsichtig mit dem Anspruchsdenken von uns Fans. Natürlich darf jeder kritisieren. Ich mache das selbst. Aber nur weil jemand seit 20 Jahren Mitglied ist, eine Dauerkarte besitzt, Eintritt bezahlt oder jedes zweite Wochenende hunderte Kilometer auswärts fährt, besitzt er dadurch weder ein größeres Mitspracherecht bei sportlichen Entscheidungen noch automatisch eine höhere fachliche Kompetenz. All diese Dinge tun wir freiwillig, weil wir Eintracht unterstützen und diesen Verein lieben. Daraus entsteht aber kein Anspruch darauf, dass die sportliche Leitung den Kader nach unseren Vorstellungen zusammenstellt. Eine Eintrittskarte ist eine Eintrittskarte und kein Anteilsschein an der Kaderplanung. Wir kennen weder sämtliche Transferoptionen noch interne Gespräche, Trainingswerte, medizinische Daten, definierte Spielerprofile, finanzielle Grenzen oder die taktischen Überlegungen hinter einzelnen Personalentscheidungen. Deshalb unterscheide ich ziemlich deutlich zwischen: „Ich halte diese Entscheidung für falsch.“ und „Ich weiß, dass diese Entscheidung falsch ist.“ Ersteres ist Kritik. Zweiteres setzt Informationen voraus, die wir Außenstehenden schlicht nicht besitzen. Und genau deshalb würde ich nach zwei Bundesligaspielen weder die Kaderplanung abfeiern noch sie beerdigen. Für mich lautet die entscheidende Frage nach Augsburg nicht: „Wen hätte Krösche noch kaufen müssen?“ Sondern: Warum konnte dieselbe Mannschaft Augsburg zunächst kontrollieren und verlor anschließend innerhalb kürzester Zeit ihre komplette Zugriffskontrolle? Wenn Hütter darauf eine Antwort findet, verschwinden möglicherweise einige der momentan diskutierten vermeintlichen Kaderprobleme ganz von selbst. Wenn er sie nicht findet, werden wir irgendwann ganz andere Diskussionen führen müssen. Aber genau daran würde ich diese Mannschaft in den kommenden Wochen messen: Nicht daran, ob jeder junge Spieler sofort fehlerfrei funktioniert. Nicht daran, ob nach zwei Spieltagen irgendeine Tabelle unseren Erwartungen entspricht. Sondern daran, ob aus individuellem Verteidigen wieder kollektives Verteidigen wird, ob nach dem ersten verlorenen Zugriff ein zweiter entsteht, ob die Restverteidigung sauberer organisiert wird, ob die Abstände unter gegnerischem Druck stabil bleiben und ob diese Mannschaft lernt, nach einem Wirkungstreffer nicht ihre komplette Raumordnung zu verlieren. Dann werden aus den zwei Gesichtern irgendwann nicht deshalb eines, weil plötzlich bessere Einzelspieler auf dem Platz stehen – sondern weil elf Spieler anfangen, dieselben Situationen gleich zu interpretieren. Und genau das ist am Ende Trainerarbeit.
Auch wenn ich einige Aspekte etwas anders sehe, einfach mal 👍👍👍
Du darfst mir gerne deine Ansicht nennen. Dann können wir uns gerne diesbezüglich austauschen 🙂 so, wie es sich für ein Forum gehört 😉
Würde ich gerne machen, im Moment hab ich da leider die Energie nicht für, die das verdienen würde und es geht im Forumskontext wirklich nur um Kleinigkeiten, war vlt. unklar ausgedrückt. In Relation zur hier vorherrschenden Hysterie sind wir de facto deckungsgleich.
Auch wenn ich einige Aspekte etwas anders sehe, einfach mal 👍👍👍
Du darfst mir gerne deine Ansicht nennen. Dann können wir uns gerne diesbezüglich austauschen 🙂 so, wie es sich für ein Forum gehört 😉
Würde ich gerne machen, im Moment hab ich da leider die Energie nicht für, die das verdienen würde und es geht im Forumskontext wirklich nur um Kleinigkeiten, war vlt. unklar ausgedrückt. In Relation zur hier vorherrschenden Hysterie sind wir de facto deckungsgleich.
Verstehe ich. Dann müssen wir das jetzt auch nicht künstlich auseinandernehmen. 😁 Wenn es im Grunde nur um ein paar Nuancen geht, sind wir in der Sache ja ziemlich nah beieinander. Und gerade bei der aktuell teilweise völlig überdrehten Stimmung im Forum ist das ja schon fast wohltuend. 😉
Auch wenn ich einige Aspekte etwas anders sehe, einfach mal 👍👍👍
Du darfst mir gerne deine Ansicht nennen. Dann können wir uns gerne diesbezüglich austauschen 🙂 so, wie es sich für ein Forum gehört 😉
Würde ich gerne machen, im Moment hab ich da leider die Energie nicht für, die das verdienen würde und es geht im Forumskontext wirklich nur um Kleinigkeiten, war vlt. unklar ausgedrückt. In Relation zur hier vorherrschenden Hysterie sind wir de facto deckungsgleich.
Auch wenn ich einige Aspekte etwas anders sehe, einfach mal 👍👍👍
Du darfst mir gerne deine Ansicht nennen. Dann können wir uns gerne diesbezüglich austauschen 🙂 so, wie es sich für ein Forum gehört 😉
Würde ich gerne machen, im Moment hab ich da leider die Energie nicht für, die das verdienen würde und es geht im Forumskontext wirklich nur um Kleinigkeiten, war vlt. unklar ausgedrückt. In Relation zur hier vorherrschenden Hysterie sind wir de facto deckungsgleich.
Verstehe ich. Dann müssen wir das jetzt auch nicht künstlich auseinandernehmen. 😁 Wenn es im Grunde nur um ein paar Nuancen geht, sind wir in der Sache ja ziemlich nah beieinander. Und gerade bei der aktuell teilweise völlig überdrehten Stimmung im Forum ist das ja schon fast wohltuend. 😉
Ich würde die beiden Halbzeiten gegen Augsburg weniger unter „Mentalität“ oder pauschal unter „fehlender Qualität“ betrachten, sondern zunächst über die Statik unseres Spielmodells. Denn ich glaube, dass genau dort momentan sowohl unsere große Chance als auch unser größtes Risiko liegt. Hütter möchte proaktiv verteidigen. Das war in der ersten Halbzeit auch ziemlich deutlich zu erkennen. Interessant war dabei für mich weniger unser Ballbesitz als vielmehr die Positionierung gegen den Ball und unmittelbar nach Ballverlust. Wir haben Augsburg häufig mit einer hohen letzten Linie verteidigt und versucht, den Raum bereits weit vor unserem eigenen Strafraum zu kontrollieren. Entscheidend dafür war das konsequente Nachschieben. Sobald Augsburg auf eine Seite gelenkt wurde, konnte die ballnahe Seite verdichten, während die letzte Linie aggressiv Anschluss gehalten hat. Dadurch waren die vertikalen Abstände klein. Und genau das ist wichtig, weil ein Ballverlust dann nicht zwangsläufig sofort verteidigt werden muss, sondern zunächst gegengepresst werden kann. Deshalb sah unsere Defensive in der ersten Halbzeit für mich auch wesentlich stabiler aus. Nicht weil Baum, Koch, Brassier oder Kosugi plötzlich individuell bessere Verteidiger waren, sondern weil sie wesentlich seltener isoliert verteidigen mussten. Das ist ein elementarer Unterschied. Eine Viererkette verteidigt nicht unabhängig vom Rest der Mannschaft. Wenn die Abstände zwischen Angriff, Mittelfeld und letzter Linie stimmen, kann ich nach Ballverlust sofort Anschlussdruck herstellen. Werden diese Abstände zu groß, entstehen Laufduelle, offene Halbräume und Situationen, in denen beispielsweise ein Außenverteidiger plötzlich gleichzeitig Breite und Tiefe kontrollieren soll. Dann sieht am Ende häufig der Verteidiger schlecht aus, obwohl der eigentliche Fehler zehn oder zwanzig Meter weiter vorne entstanden ist. Genau deshalb würde ich unsere Defensive momentan auch nicht isoliert anhand der Namen bewerten. Viel interessanter finde ich beispielsweise die Besetzung des Zentrums. Mit Onyedika haben wir im Grunde nur einen klassischen absichernden Mittelfeldspieler aufgestellt. Davor beziehungsweise daneben bewegen sich Spieler, deren natürliche Orientierung wesentlich offensiver ist. Das kann sehr attraktiv sein, weil man viele Spieler zwischen und hinter die gegnerischen Linien bekommt. Gleichzeitig erzeugt diese Struktur aber eine enorme Verantwortung für Onyedika. Wenn die Außenverteidiger Höhe geben und gleichzeitig mehrere offensive Spieler vor dem Ball positioniert sind, muss nach Ballverlust die erste Gegenpressingaktion sitzen. Tut sie das nicht, wird der Sechser zum Feuerwehrmann für eine Fläche, die ein einzelner Spieler überhaupt nicht kontrollieren kann. Und genau hier liegt für mich einer der Schlüssel für die zwei Gesichter. Solange unser Gegenpressing in Halbzeit eins Zugriff hatte, funktionierte diese mutige Besetzung. Augsburg kam kaum in Situationen, in denen unsere Restverteidigung offen verteidigen musste. Wir konnten Ballverluste häufig bereits im ersten oder zweiten Zugriff auffangen und Augsburg damit daran hindern, überhaupt kontrolliert in unsere letzte Linie zu kommen. Genau darin liegt aber gleichzeitig die Fragilität dieses Ansatzes: Wird die erste Gegenpressinglinie überspielt, fehlt uns aktuell noch zu häufig der zweite Zugriff. Dann wird aus einer aggressiven Vorwärtsverteidigung innerhalb weniger Sekunden eine offene Rückwärtsbewegung. Und dann reden wir plötzlich nicht mehr über Pressing, sondern über Notverteidigung. Das ist für mich momentan einer der wesentlichen Punkte. Denn eine Mannschaft, die hoch verteidigen möchte, muss nach einem überspielten Pressing sehr schnell erkennen, ob sie weiterhin Zugriff herstellen kann oder ob sie abbrechen, Tiefe sichern und sich neu organisieren muss. Genau diese Entscheidungsfindung funktioniert noch nicht zuverlässig. Und hier wird es für mich nach dem Augsburger Doppelschlag besonders interessant. Nach einem Gegentor gibt es bei einer hoch verteidigenden Mannschaft grundsätzlich verschiedene Möglichkeiten. Ich kann meine Höhe beibehalten, benötige dann aber sofort wieder maximalen Druck auf den Ball. Oder ich nehme vorübergehend einige Meter heraus, verdichte zunächst das Zentrum, sichere Tiefe und stelle wieder Kontrolle her. Was nicht funktioniert, ist die Zwischenlösung: Vorne weiterhin attackieren wollen, während hinten bereits vorsichtiger verteidigt wird. Genau dann verliert eine Mannschaft ihre vertikale Kompaktheit. Die erste Linie presst, das Mittelfeld kommt nicht mehr sauber hinterher, die letzte Linie beginnt aufgrund fehlenden Balldrucks tiefer zu denken – und plötzlich entstehen zwischen den Mannschaftsteilen Räume, die vorher überhaupt nicht vorhanden waren. Dann sieht es von außen schnell nach fehlender Mentalität oder individueller Qualität aus. In Wirklichkeit hat die Mannschaft aber zunächst ihre gemeinsame Raumordnung verloren. Und damit bin ich auch bei der viel diskutierten Mentalität. Mir ist die Gleichung „Rasmus und Theate weg = Mentalität weg“ deutlich zu einfach. Bei Rasmus kann ich das aufgrund seiner Präsenz, Emotionalität und Zweikampfführung durchaus nachvollziehen. Bei Theate sehe ich das wesentlich kritischer. Seine aggressive Art zu verteidigen, seine Körpersprache und die Verbindung zu den Fans haben dieses Bild sicherlich begünstigt. Nur ist das für mich nicht automatisch Führungsqualität. Ein Abwehrchef definiert sich nicht darüber, wie spektakulär er einen Zweikampf führt oder wie sehr seine Art beim Publikum ankommt. Er definiert sich vor allem über Steuerung. Höhe der Kette vorgeben. Herausrücken kommandieren. Rückwärtspressing einfordern. Abstände korrigieren. Mitspieler verschieben. Nach Überspielen des Pressings erkennen, wann nicht mehr nach vorne verteidigt werden darf, sondern zunächst Raum gesichert und verzögert werden muss. Gerade in der vergangenen Saison habe ich Theate nicht dauerhaft als diesen großen ordnenden Stabilisator wahrgenommen, als der er rückblickend gerade teilweise dargestellt wird. Unser Problem gegen Augsburg war deshalb für mich auch nicht: „Uns fehlt Theate.“ Unser Problem war, dass nach dem Bruch im Spiel die kollektive Pressinglogik verloren ging. Und genau dort sehe ich momentan Hütters größte Baustelle. Für mich ist deshalb beispielsweise auch die Konstellation Götze/Onyedika wesentlich interessanter als die reflexartige Forderung nach dem nächsten Innenverteidiger. Götze kann einem Spiel über seine Orientierung, sein Freilaufverhalten, seine Passwinkel und seine Fähigkeit, Drucksituationen spielerisch aufzulösen, enorme Qualität geben. Er ist aber naturgemäß kein zweiter Onyedika, der im defensiven Umschalten große Räume schließt. Wenn ich diese Konstellation spielen möchte, muss ich strukturell dafür sorgen, dass entweder ein Außenverteidiger in der Restverteidigung tiefer bleibt, ein offensiver Achter nach Ballverlust sofort einrückt oder meine Gegenpressingstruktur so eng ist, dass der Gegner den ersten Pass nach Ballgewinn gar nicht sauber spielen kann. Ansonsten entsteht hinter fünf oder sechs Spielern eine Fläche, die kaum noch kontrollierbar ist. Das ist keine Kritik an Götze. Das ist eine Frage der Rollenkompatibilität. Und genau deshalb finde ich auch Baum und Kosugi wesentlich interessanter, als sie momentan teilweise dargestellt werden. Die Frage sollte nicht sein, ob beide heute bereits dieselbe defensive Sicherheit besitzen wie ein Außenverteidiger mit 150 Bundesligaspielen. Die Frage muss lauten, welche Funktionen sie innerhalb von Hütters Spielmodell übernehmen sollen. Beide können Dynamik erzeugen und Höhe geben. Dadurch kann die Breite über die Außenverteidiger hergestellt werden und offensive Spieler können enger in den Halbräumen positioniert werden. Das wiederum schafft andere Passwinkel, andere Anschlussaktionen und bessere Voraussetzungen für Überladungen. Aber jede offensive Freiheit erzeugt irgendwo eine defensive Verpflichtung. Wenn Baum hochschiebt, muss sein Rücken abgesichert werden. Wenn Kosugi auf der anderen Seite gleichzeitig Höhe gibt, verändert sich die gesamte Restverteidigung. Dann muss entweder Onyedika Räume vor beziehungsweise zwischen den Innenverteidigern schließen oder ein ballferner Spieler frühzeitig einrücken. Deshalb interessiert mich auch nicht besonders, ob Baum am dritten Spieltag mal einen Zweikampf verliert. Mich interessiert, ob die Absicherungsmechanismen um Baum herum in sechs Wochen besser funktionieren. Genau dort zeigt sich Entwicklung. Und aus diesem Grund gefällt mir der kleinere Kader grundsätzlich sogar. Hütter muss gerade keine Ansammlung von Einzelspielern verwalten. Er muss eine gemeinsame Rauminterpretation entwickeln. Pressinghöhe, Pressingtrigger, Rückwärtspressing, ballfernes Einrücken, Anschlussdruck, Tiefensicherung, Restverteidigung und das Verhalten nach Überspielen der ersten Linie entstehen nicht dadurch, dass man sie einmal auf eine Taktiktafel malt. Sie entstehen durch Wiederholung. Und dafür brauche ich Trainingskonstanz, klare Rollen und Spieler, die regelmäßig miteinander arbeiten. Insofern sehe ich das Transferfenster sportlich auch nicht ausschließlich über die Frage: Wer ersetzt Theate? Wer ersetzt Rasmus? Wer ersetzt Spieler X? Gute Kaderplanung bedeutet nicht zwingend, jedes abgegebene Profil eins zu eins durch dasselbe Profil zu ersetzen. Man kann auch das Spielmodell verändern, weil die vorhandenen Spieler andere Stärken besitzen. Das bedeutet ausdrücklich nicht, dass ich dieses Transferfenster für perfekt halte. Mir ist der Sturm quantitativ ebenfalls etwas dünn. Eine weitere defensive Option hätte ich auch genommen. Aber Risiko und schlechte Kaderplanung sind für mich zwei verschiedene Dinge. Genauso muss man zwischen Kaderplanung, individueller Form und Trainerentscheidungen unterscheiden. Wenn Koch momentan nicht seine beste Form erreicht oder die letzte Linie nicht ausreichend führt, ist das ein Thema. Wenn Hütter eine Zentrumsbesetzung wählt, die im defensiven Umschalten nicht funktioniert, ist das ein Thema. Wenn ein junger Außenverteidiger einen individuellen Fehler macht, ist das ein Thema. Aber aus drei unterschiedlichen Problemen automatisch ein einziges „Krösche hat den Kader schlecht zusammengestellt“ zu machen, ist mir deutlich zu simpel. Kaderqualität, individuelle Form und taktische Umsetzung sind drei verschiedene Dinge. Ähnlich sehe ich es offensiv. Was uns gegenüber früheren Mannschaften möglicherweise tatsächlich fehlt, ist ein bestimmtes Profil: Spieler, die aus einer zunächst neutralen oder sogar schlecht vorbereiteten Situation über ein Tempodribbling selbstständig Raumgewinn herstellen und damit eine komplette gegnerische Linie überspielen. Solche Spieler können strukturelle Unsauberkeiten kaschieren. Fehlt diese individuelle Dynamik, muss ich Chancen anders vorbereiten. Dann brauche ich saubere Halbraumbesetzung, Überladungen, Gegenbewegungen, dritte-Mann-Läufe, besseres Freiziehen von Räumen und vor allem Anschlussaktionen, nachdem eine gegnerische Linie überspielt wurde. Dann muss der Gegner über Positionsspiel bewegt werden, anstatt darauf zu hoffen, dass ein Einzelspieler aus dem Stand Unordnung erzeugt. Das benötigt deutlich mehr Abstimmung. Deshalb halte ich auch Aussagen wie „Doan bringt keinen Output“ für viel zu eindimensional. Der Wert eines Spielers innerhalb eines Positionsangriffs bemisst sich nicht ausschließlich daran, wer am Ende Tor oder Assist bekommt. Entscheidend kann genauso sein, ob seine Positionierung einen Gegenspieler bindet, einen Halbraum öffnet, einen Passweg erzeugt oder die nächste Aktion vorbereitet. Und damit komme ich wieder zu den „zwei Gesichtern“. Für mich war Halbzeit eins nicht einfach gut und Halbzeit zwei einfach schlecht. Halbzeit eins hat gezeigt, unter welchen strukturellen Bedingungen Hütters Idee funktionieren kann. Halbzeit zwei hat gezeigt, wie fragil diese Bedingungen momentan noch sind, sobald der erste Zugriff verloren geht. Das ist für mich ein wesentlich interessanterer Befund als die pauschale Aussage, der Mannschaft fehle Qualität. Denn individuelle Qualität kann ich im Wesentlichen nur über Personal verändern. Strukturelle Stabilität kann ich trainieren. Und genau deshalb würde ich jetzt auch nicht hektisch irgendeinen Spieler verpflichten, nur weil wir sieben Gegentore in zwei Spielen bekommen haben. Wenn wir in sechs oder acht Wochen noch immer dieselben Probleme haben, wenn unser Gegenpressing nach Überspielen der ersten Linie weiterhin keinen zweiten Zugriff besitzt, die Restverteidigung regelmäßig in Gleichzahl oder Unterzahl gerät, die Abstände zwischen den Linien nicht stimmen und Hütter keine Balance für seine Zentrumsbesetzung findet, dann haben wir ein strukturelles Problem, über das man sehr ernsthaft reden muss. Momentan sehe ich aber zunächst einen Trainer, der versucht, die Mannschaft höher und proaktiver verteidigen zu lassen, gleichzeitig viele technisch starke Spieler auf den Platz bringen möchte und dafür bewusst Risiko in der Absicherung akzeptiert. Seine Aufgabe besteht jetzt darin, dieses Risiko kontrollierbar zu machen. Und genau deshalb bin ich auch vorsichtig mit dem Anspruchsdenken von uns Fans. Natürlich darf jeder kritisieren. Ich mache das selbst. Aber nur weil jemand seit 20 Jahren Mitglied ist, eine Dauerkarte besitzt, Eintritt bezahlt oder jedes zweite Wochenende hunderte Kilometer auswärts fährt, besitzt er dadurch weder ein größeres Mitspracherecht bei sportlichen Entscheidungen noch automatisch eine höhere fachliche Kompetenz. All diese Dinge tun wir freiwillig, weil wir Eintracht unterstützen und diesen Verein lieben. Daraus entsteht aber kein Anspruch darauf, dass die sportliche Leitung den Kader nach unseren Vorstellungen zusammenstellt. Eine Eintrittskarte ist eine Eintrittskarte und kein Anteilsschein an der Kaderplanung. Wir kennen weder sämtliche Transferoptionen noch interne Gespräche, Trainingswerte, medizinische Daten, definierte Spielerprofile, finanzielle Grenzen oder die taktischen Überlegungen hinter einzelnen Personalentscheidungen. Deshalb unterscheide ich ziemlich deutlich zwischen: „Ich halte diese Entscheidung für falsch.“ und „Ich weiß, dass diese Entscheidung falsch ist.“ Ersteres ist Kritik. Zweiteres setzt Informationen voraus, die wir Außenstehenden schlicht nicht besitzen. Und genau deshalb würde ich nach zwei Bundesligaspielen weder die Kaderplanung abfeiern noch sie beerdigen. Für mich lautet die entscheidende Frage nach Augsburg nicht: „Wen hätte Krösche noch kaufen müssen?“ Sondern: Warum konnte dieselbe Mannschaft Augsburg zunächst kontrollieren und verlor anschließend innerhalb kürzester Zeit ihre komplette Zugriffskontrolle? Wenn Hütter darauf eine Antwort findet, verschwinden möglicherweise einige der momentan diskutierten vermeintlichen Kaderprobleme ganz von selbst. Wenn er sie nicht findet, werden wir irgendwann ganz andere Diskussionen führen müssen. Aber genau daran würde ich diese Mannschaft in den kommenden Wochen messen: Nicht daran, ob jeder junge Spieler sofort fehlerfrei funktioniert. Nicht daran, ob nach zwei Spieltagen irgendeine Tabelle unseren Erwartungen entspricht. Sondern daran, ob aus individuellem Verteidigen wieder kollektives Verteidigen wird, ob nach dem ersten verlorenen Zugriff ein zweiter entsteht, ob die Restverteidigung sauberer organisiert wird, ob die Abstände unter gegnerischem Druck stabil bleiben und ob diese Mannschaft lernt, nach einem Wirkungstreffer nicht ihre komplette Raumordnung zu verlieren. Dann werden aus den zwei Gesichtern irgendwann nicht deshalb eines, weil plötzlich bessere Einzelspieler auf dem Platz stehen – sondern weil elf Spieler anfangen, dieselben Situationen gleich zu interpretieren. Und genau das ist am Ende Trainerarbeit.
Ich würde die beiden Halbzeiten gegen Augsburg weniger unter „Mentalität“ oder pauschal unter „fehlender Qualität“ betrachten, sondern zunächst über die Statik unseres Spielmodells. Denn ich glaube, dass genau dort momentan sowohl unsere große Chance als auch unser größtes Risiko liegt. Hütter möchte proaktiv verteidigen. Das war in der ersten Halbzeit auch ziemlich deutlich zu erkennen. Interessant war dabei für mich weniger unser Ballbesitz als vielmehr die Positionierung gegen den Ball und unmittelbar nach Ballverlust. Wir haben Augsburg häufig mit einer hohen letzten Linie verteidigt und versucht, den Raum bereits weit vor unserem eigenen Strafraum zu kontrollieren. Entscheidend dafür war das konsequente Nachschieben. Sobald Augsburg auf eine Seite gelenkt wurde, konnte die ballnahe Seite verdichten, während die letzte Linie aggressiv Anschluss gehalten hat. Dadurch waren die vertikalen Abstände klein. Und genau das ist wichtig, weil ein Ballverlust dann nicht zwangsläufig sofort verteidigt werden muss, sondern zunächst gegengepresst werden kann. Deshalb sah unsere Defensive in der ersten Halbzeit für mich auch wesentlich stabiler aus. Nicht weil Baum, Koch, Brassier oder Kosugi plötzlich individuell bessere Verteidiger waren, sondern weil sie wesentlich seltener isoliert verteidigen mussten. Das ist ein elementarer Unterschied. Eine Viererkette verteidigt nicht unabhängig vom Rest der Mannschaft. Wenn die Abstände zwischen Angriff, Mittelfeld und letzter Linie stimmen, kann ich nach Ballverlust sofort Anschlussdruck herstellen. Werden diese Abstände zu groß, entstehen Laufduelle, offene Halbräume und Situationen, in denen beispielsweise ein Außenverteidiger plötzlich gleichzeitig Breite und Tiefe kontrollieren soll. Dann sieht am Ende häufig der Verteidiger schlecht aus, obwohl der eigentliche Fehler zehn oder zwanzig Meter weiter vorne entstanden ist. Genau deshalb würde ich unsere Defensive momentan auch nicht isoliert anhand der Namen bewerten. Viel interessanter finde ich beispielsweise die Besetzung des Zentrums. Mit Onyedika haben wir im Grunde nur einen klassischen absichernden Mittelfeldspieler aufgestellt. Davor beziehungsweise daneben bewegen sich Spieler, deren natürliche Orientierung wesentlich offensiver ist. Das kann sehr attraktiv sein, weil man viele Spieler zwischen und hinter die gegnerischen Linien bekommt. Gleichzeitig erzeugt diese Struktur aber eine enorme Verantwortung für Onyedika. Wenn die Außenverteidiger Höhe geben und gleichzeitig mehrere offensive Spieler vor dem Ball positioniert sind, muss nach Ballverlust die erste Gegenpressingaktion sitzen. Tut sie das nicht, wird der Sechser zum Feuerwehrmann für eine Fläche, die ein einzelner Spieler überhaupt nicht kontrollieren kann. Und genau hier liegt für mich einer der Schlüssel für die zwei Gesichter. Solange unser Gegenpressing in Halbzeit eins Zugriff hatte, funktionierte diese mutige Besetzung. Augsburg kam kaum in Situationen, in denen unsere Restverteidigung offen verteidigen musste. Wir konnten Ballverluste häufig bereits im ersten oder zweiten Zugriff auffangen und Augsburg damit daran hindern, überhaupt kontrolliert in unsere letzte Linie zu kommen. Genau darin liegt aber gleichzeitig die Fragilität dieses Ansatzes: Wird die erste Gegenpressinglinie überspielt, fehlt uns aktuell noch zu häufig der zweite Zugriff. Dann wird aus einer aggressiven Vorwärtsverteidigung innerhalb weniger Sekunden eine offene Rückwärtsbewegung. Und dann reden wir plötzlich nicht mehr über Pressing, sondern über Notverteidigung. Das ist für mich momentan einer der wesentlichen Punkte. Denn eine Mannschaft, die hoch verteidigen möchte, muss nach einem überspielten Pressing sehr schnell erkennen, ob sie weiterhin Zugriff herstellen kann oder ob sie abbrechen, Tiefe sichern und sich neu organisieren muss. Genau diese Entscheidungsfindung funktioniert noch nicht zuverlässig. Und hier wird es für mich nach dem Augsburger Doppelschlag besonders interessant. Nach einem Gegentor gibt es bei einer hoch verteidigenden Mannschaft grundsätzlich verschiedene Möglichkeiten. Ich kann meine Höhe beibehalten, benötige dann aber sofort wieder maximalen Druck auf den Ball. Oder ich nehme vorübergehend einige Meter heraus, verdichte zunächst das Zentrum, sichere Tiefe und stelle wieder Kontrolle her. Was nicht funktioniert, ist die Zwischenlösung: Vorne weiterhin attackieren wollen, während hinten bereits vorsichtiger verteidigt wird. Genau dann verliert eine Mannschaft ihre vertikale Kompaktheit. Die erste Linie presst, das Mittelfeld kommt nicht mehr sauber hinterher, die letzte Linie beginnt aufgrund fehlenden Balldrucks tiefer zu denken – und plötzlich entstehen zwischen den Mannschaftsteilen Räume, die vorher überhaupt nicht vorhanden waren. Dann sieht es von außen schnell nach fehlender Mentalität oder individueller Qualität aus. In Wirklichkeit hat die Mannschaft aber zunächst ihre gemeinsame Raumordnung verloren. Und damit bin ich auch bei der viel diskutierten Mentalität. Mir ist die Gleichung „Rasmus und Theate weg = Mentalität weg“ deutlich zu einfach. Bei Rasmus kann ich das aufgrund seiner Präsenz, Emotionalität und Zweikampfführung durchaus nachvollziehen. Bei Theate sehe ich das wesentlich kritischer. Seine aggressive Art zu verteidigen, seine Körpersprache und die Verbindung zu den Fans haben dieses Bild sicherlich begünstigt. Nur ist das für mich nicht automatisch Führungsqualität. Ein Abwehrchef definiert sich nicht darüber, wie spektakulär er einen Zweikampf führt oder wie sehr seine Art beim Publikum ankommt. Er definiert sich vor allem über Steuerung. Höhe der Kette vorgeben. Herausrücken kommandieren. Rückwärtspressing einfordern. Abstände korrigieren. Mitspieler verschieben. Nach Überspielen des Pressings erkennen, wann nicht mehr nach vorne verteidigt werden darf, sondern zunächst Raum gesichert und verzögert werden muss. Gerade in der vergangenen Saison habe ich Theate nicht dauerhaft als diesen großen ordnenden Stabilisator wahrgenommen, als der er rückblickend gerade teilweise dargestellt wird. Unser Problem gegen Augsburg war deshalb für mich auch nicht: „Uns fehlt Theate.“ Unser Problem war, dass nach dem Bruch im Spiel die kollektive Pressinglogik verloren ging. Und genau dort sehe ich momentan Hütters größte Baustelle. Für mich ist deshalb beispielsweise auch die Konstellation Götze/Onyedika wesentlich interessanter als die reflexartige Forderung nach dem nächsten Innenverteidiger. Götze kann einem Spiel über seine Orientierung, sein Freilaufverhalten, seine Passwinkel und seine Fähigkeit, Drucksituationen spielerisch aufzulösen, enorme Qualität geben. Er ist aber naturgemäß kein zweiter Onyedika, der im defensiven Umschalten große Räume schließt. Wenn ich diese Konstellation spielen möchte, muss ich strukturell dafür sorgen, dass entweder ein Außenverteidiger in der Restverteidigung tiefer bleibt, ein offensiver Achter nach Ballverlust sofort einrückt oder meine Gegenpressingstruktur so eng ist, dass der Gegner den ersten Pass nach Ballgewinn gar nicht sauber spielen kann. Ansonsten entsteht hinter fünf oder sechs Spielern eine Fläche, die kaum noch kontrollierbar ist. Das ist keine Kritik an Götze. Das ist eine Frage der Rollenkompatibilität. Und genau deshalb finde ich auch Baum und Kosugi wesentlich interessanter, als sie momentan teilweise dargestellt werden. Die Frage sollte nicht sein, ob beide heute bereits dieselbe defensive Sicherheit besitzen wie ein Außenverteidiger mit 150 Bundesligaspielen. Die Frage muss lauten, welche Funktionen sie innerhalb von Hütters Spielmodell übernehmen sollen. Beide können Dynamik erzeugen und Höhe geben. Dadurch kann die Breite über die Außenverteidiger hergestellt werden und offensive Spieler können enger in den Halbräumen positioniert werden. Das wiederum schafft andere Passwinkel, andere Anschlussaktionen und bessere Voraussetzungen für Überladungen. Aber jede offensive Freiheit erzeugt irgendwo eine defensive Verpflichtung. Wenn Baum hochschiebt, muss sein Rücken abgesichert werden. Wenn Kosugi auf der anderen Seite gleichzeitig Höhe gibt, verändert sich die gesamte Restverteidigung. Dann muss entweder Onyedika Räume vor beziehungsweise zwischen den Innenverteidigern schließen oder ein ballferner Spieler frühzeitig einrücken. Deshalb interessiert mich auch nicht besonders, ob Baum am dritten Spieltag mal einen Zweikampf verliert. Mich interessiert, ob die Absicherungsmechanismen um Baum herum in sechs Wochen besser funktionieren. Genau dort zeigt sich Entwicklung. Und aus diesem Grund gefällt mir der kleinere Kader grundsätzlich sogar. Hütter muss gerade keine Ansammlung von Einzelspielern verwalten. Er muss eine gemeinsame Rauminterpretation entwickeln. Pressinghöhe, Pressingtrigger, Rückwärtspressing, ballfernes Einrücken, Anschlussdruck, Tiefensicherung, Restverteidigung und das Verhalten nach Überspielen der ersten Linie entstehen nicht dadurch, dass man sie einmal auf eine Taktiktafel malt. Sie entstehen durch Wiederholung. Und dafür brauche ich Trainingskonstanz, klare Rollen und Spieler, die regelmäßig miteinander arbeiten. Insofern sehe ich das Transferfenster sportlich auch nicht ausschließlich über die Frage: Wer ersetzt Theate? Wer ersetzt Rasmus? Wer ersetzt Spieler X? Gute Kaderplanung bedeutet nicht zwingend, jedes abgegebene Profil eins zu eins durch dasselbe Profil zu ersetzen. Man kann auch das Spielmodell verändern, weil die vorhandenen Spieler andere Stärken besitzen. Das bedeutet ausdrücklich nicht, dass ich dieses Transferfenster für perfekt halte. Mir ist der Sturm quantitativ ebenfalls etwas dünn. Eine weitere defensive Option hätte ich auch genommen. Aber Risiko und schlechte Kaderplanung sind für mich zwei verschiedene Dinge. Genauso muss man zwischen Kaderplanung, individueller Form und Trainerentscheidungen unterscheiden. Wenn Koch momentan nicht seine beste Form erreicht oder die letzte Linie nicht ausreichend führt, ist das ein Thema. Wenn Hütter eine Zentrumsbesetzung wählt, die im defensiven Umschalten nicht funktioniert, ist das ein Thema. Wenn ein junger Außenverteidiger einen individuellen Fehler macht, ist das ein Thema. Aber aus drei unterschiedlichen Problemen automatisch ein einziges „Krösche hat den Kader schlecht zusammengestellt“ zu machen, ist mir deutlich zu simpel. Kaderqualität, individuelle Form und taktische Umsetzung sind drei verschiedene Dinge. Ähnlich sehe ich es offensiv. Was uns gegenüber früheren Mannschaften möglicherweise tatsächlich fehlt, ist ein bestimmtes Profil: Spieler, die aus einer zunächst neutralen oder sogar schlecht vorbereiteten Situation über ein Tempodribbling selbstständig Raumgewinn herstellen und damit eine komplette gegnerische Linie überspielen. Solche Spieler können strukturelle Unsauberkeiten kaschieren. Fehlt diese individuelle Dynamik, muss ich Chancen anders vorbereiten. Dann brauche ich saubere Halbraumbesetzung, Überladungen, Gegenbewegungen, dritte-Mann-Läufe, besseres Freiziehen von Räumen und vor allem Anschlussaktionen, nachdem eine gegnerische Linie überspielt wurde. Dann muss der Gegner über Positionsspiel bewegt werden, anstatt darauf zu hoffen, dass ein Einzelspieler aus dem Stand Unordnung erzeugt. Das benötigt deutlich mehr Abstimmung. Deshalb halte ich auch Aussagen wie „Doan bringt keinen Output“ für viel zu eindimensional. Der Wert eines Spielers innerhalb eines Positionsangriffs bemisst sich nicht ausschließlich daran, wer am Ende Tor oder Assist bekommt. Entscheidend kann genauso sein, ob seine Positionierung einen Gegenspieler bindet, einen Halbraum öffnet, einen Passweg erzeugt oder die nächste Aktion vorbereitet. Und damit komme ich wieder zu den „zwei Gesichtern“. Für mich war Halbzeit eins nicht einfach gut und Halbzeit zwei einfach schlecht. Halbzeit eins hat gezeigt, unter welchen strukturellen Bedingungen Hütters Idee funktionieren kann. Halbzeit zwei hat gezeigt, wie fragil diese Bedingungen momentan noch sind, sobald der erste Zugriff verloren geht. Das ist für mich ein wesentlich interessanterer Befund als die pauschale Aussage, der Mannschaft fehle Qualität. Denn individuelle Qualität kann ich im Wesentlichen nur über Personal verändern. Strukturelle Stabilität kann ich trainieren. Und genau deshalb würde ich jetzt auch nicht hektisch irgendeinen Spieler verpflichten, nur weil wir sieben Gegentore in zwei Spielen bekommen haben. Wenn wir in sechs oder acht Wochen noch immer dieselben Probleme haben, wenn unser Gegenpressing nach Überspielen der ersten Linie weiterhin keinen zweiten Zugriff besitzt, die Restverteidigung regelmäßig in Gleichzahl oder Unterzahl gerät, die Abstände zwischen den Linien nicht stimmen und Hütter keine Balance für seine Zentrumsbesetzung findet, dann haben wir ein strukturelles Problem, über das man sehr ernsthaft reden muss. Momentan sehe ich aber zunächst einen Trainer, der versucht, die Mannschaft höher und proaktiver verteidigen zu lassen, gleichzeitig viele technisch starke Spieler auf den Platz bringen möchte und dafür bewusst Risiko in der Absicherung akzeptiert. Seine Aufgabe besteht jetzt darin, dieses Risiko kontrollierbar zu machen. Und genau deshalb bin ich auch vorsichtig mit dem Anspruchsdenken von uns Fans. Natürlich darf jeder kritisieren. Ich mache das selbst. Aber nur weil jemand seit 20 Jahren Mitglied ist, eine Dauerkarte besitzt, Eintritt bezahlt oder jedes zweite Wochenende hunderte Kilometer auswärts fährt, besitzt er dadurch weder ein größeres Mitspracherecht bei sportlichen Entscheidungen noch automatisch eine höhere fachliche Kompetenz. All diese Dinge tun wir freiwillig, weil wir Eintracht unterstützen und diesen Verein lieben. Daraus entsteht aber kein Anspruch darauf, dass die sportliche Leitung den Kader nach unseren Vorstellungen zusammenstellt. Eine Eintrittskarte ist eine Eintrittskarte und kein Anteilsschein an der Kaderplanung. Wir kennen weder sämtliche Transferoptionen noch interne Gespräche, Trainingswerte, medizinische Daten, definierte Spielerprofile, finanzielle Grenzen oder die taktischen Überlegungen hinter einzelnen Personalentscheidungen. Deshalb unterscheide ich ziemlich deutlich zwischen: „Ich halte diese Entscheidung für falsch.“ und „Ich weiß, dass diese Entscheidung falsch ist.“ Ersteres ist Kritik. Zweiteres setzt Informationen voraus, die wir Außenstehenden schlicht nicht besitzen. Und genau deshalb würde ich nach zwei Bundesligaspielen weder die Kaderplanung abfeiern noch sie beerdigen. Für mich lautet die entscheidende Frage nach Augsburg nicht: „Wen hätte Krösche noch kaufen müssen?“ Sondern: Warum konnte dieselbe Mannschaft Augsburg zunächst kontrollieren und verlor anschließend innerhalb kürzester Zeit ihre komplette Zugriffskontrolle? Wenn Hütter darauf eine Antwort findet, verschwinden möglicherweise einige der momentan diskutierten vermeintlichen Kaderprobleme ganz von selbst. Wenn er sie nicht findet, werden wir irgendwann ganz andere Diskussionen führen müssen. Aber genau daran würde ich diese Mannschaft in den kommenden Wochen messen: Nicht daran, ob jeder junge Spieler sofort fehlerfrei funktioniert. Nicht daran, ob nach zwei Spieltagen irgendeine Tabelle unseren Erwartungen entspricht. Sondern daran, ob aus individuellem Verteidigen wieder kollektives Verteidigen wird, ob nach dem ersten verlorenen Zugriff ein zweiter entsteht, ob die Restverteidigung sauberer organisiert wird, ob die Abstände unter gegnerischem Druck stabil bleiben und ob diese Mannschaft lernt, nach einem Wirkungstreffer nicht ihre komplette Raumordnung zu verlieren. Dann werden aus den zwei Gesichtern irgendwann nicht deshalb eines, weil plötzlich bessere Einzelspieler auf dem Platz stehen – sondern weil elf Spieler anfangen, dieselben Situationen gleich zu interpretieren. Und genau das ist am Ende Trainerarbeit.
Die sge sollte erwägen, Dich als Taktik Berater ins Team aufzunehmen 😎👍
Ich würde mich ja anbieten und warte eigentlich nur noch auf den Anruf von Hütter. 😂 Ich glaube allerdings, er reagiert etwas empfindlich, wenn ich ihm montags erstmal seine Restverteidigung erkläre. Aber immerhin scheint die UEFA-Pro-Lizenz-Ausbildung langsam ihre Früchte zu tragen. 😂 Bis dahin muss eben das Forum mit meinen taktischen Ergüssen leben. 😁 Danke dir! 👍
Ich würde die beiden Halbzeiten gegen Augsburg weniger unter „Mentalität“ oder pauschal unter „fehlender Qualität“ betrachten, sondern zunächst über die Statik unseres Spielmodells. Denn ich glaube, dass genau dort momentan sowohl unsere große Chance als auch unser größtes Risiko liegt. Hütter möchte proaktiv verteidigen. Das war in der ersten Halbzeit auch ziemlich deutlich zu erkennen. Interessant war dabei für mich weniger unser Ballbesitz als vielmehr die Positionierung gegen den Ball und unmittelbar nach Ballverlust. Wir haben Augsburg häufig mit einer hohen letzten Linie verteidigt und versucht, den Raum bereits weit vor unserem eigenen Strafraum zu kontrollieren. Entscheidend dafür war das konsequente Nachschieben. Sobald Augsburg auf eine Seite gelenkt wurde, konnte die ballnahe Seite verdichten, während die letzte Linie aggressiv Anschluss gehalten hat. Dadurch waren die vertikalen Abstände klein. Und genau das ist wichtig, weil ein Ballverlust dann nicht zwangsläufig sofort verteidigt werden muss, sondern zunächst gegengepresst werden kann. Deshalb sah unsere Defensive in der ersten Halbzeit für mich auch wesentlich stabiler aus. Nicht weil Baum, Koch, Brassier oder Kosugi plötzlich individuell bessere Verteidiger waren, sondern weil sie wesentlich seltener isoliert verteidigen mussten. Das ist ein elementarer Unterschied. Eine Viererkette verteidigt nicht unabhängig vom Rest der Mannschaft. Wenn die Abstände zwischen Angriff, Mittelfeld und letzter Linie stimmen, kann ich nach Ballverlust sofort Anschlussdruck herstellen. Werden diese Abstände zu groß, entstehen Laufduelle, offene Halbräume und Situationen, in denen beispielsweise ein Außenverteidiger plötzlich gleichzeitig Breite und Tiefe kontrollieren soll. Dann sieht am Ende häufig der Verteidiger schlecht aus, obwohl der eigentliche Fehler zehn oder zwanzig Meter weiter vorne entstanden ist. Genau deshalb würde ich unsere Defensive momentan auch nicht isoliert anhand der Namen bewerten. Viel interessanter finde ich beispielsweise die Besetzung des Zentrums. Mit Onyedika haben wir im Grunde nur einen klassischen absichernden Mittelfeldspieler aufgestellt. Davor beziehungsweise daneben bewegen sich Spieler, deren natürliche Orientierung wesentlich offensiver ist. Das kann sehr attraktiv sein, weil man viele Spieler zwischen und hinter die gegnerischen Linien bekommt. Gleichzeitig erzeugt diese Struktur aber eine enorme Verantwortung für Onyedika. Wenn die Außenverteidiger Höhe geben und gleichzeitig mehrere offensive Spieler vor dem Ball positioniert sind, muss nach Ballverlust die erste Gegenpressingaktion sitzen. Tut sie das nicht, wird der Sechser zum Feuerwehrmann für eine Fläche, die ein einzelner Spieler überhaupt nicht kontrollieren kann. Und genau hier liegt für mich einer der Schlüssel für die zwei Gesichter. Solange unser Gegenpressing in Halbzeit eins Zugriff hatte, funktionierte diese mutige Besetzung. Augsburg kam kaum in Situationen, in denen unsere Restverteidigung offen verteidigen musste. Wir konnten Ballverluste häufig bereits im ersten oder zweiten Zugriff auffangen und Augsburg damit daran hindern, überhaupt kontrolliert in unsere letzte Linie zu kommen. Genau darin liegt aber gleichzeitig die Fragilität dieses Ansatzes: Wird die erste Gegenpressinglinie überspielt, fehlt uns aktuell noch zu häufig der zweite Zugriff. Dann wird aus einer aggressiven Vorwärtsverteidigung innerhalb weniger Sekunden eine offene Rückwärtsbewegung. Und dann reden wir plötzlich nicht mehr über Pressing, sondern über Notverteidigung. Das ist für mich momentan einer der wesentlichen Punkte. Denn eine Mannschaft, die hoch verteidigen möchte, muss nach einem überspielten Pressing sehr schnell erkennen, ob sie weiterhin Zugriff herstellen kann oder ob sie abbrechen, Tiefe sichern und sich neu organisieren muss. Genau diese Entscheidungsfindung funktioniert noch nicht zuverlässig. Und hier wird es für mich nach dem Augsburger Doppelschlag besonders interessant. Nach einem Gegentor gibt es bei einer hoch verteidigenden Mannschaft grundsätzlich verschiedene Möglichkeiten. Ich kann meine Höhe beibehalten, benötige dann aber sofort wieder maximalen Druck auf den Ball. Oder ich nehme vorübergehend einige Meter heraus, verdichte zunächst das Zentrum, sichere Tiefe und stelle wieder Kontrolle her. Was nicht funktioniert, ist die Zwischenlösung: Vorne weiterhin attackieren wollen, während hinten bereits vorsichtiger verteidigt wird. Genau dann verliert eine Mannschaft ihre vertikale Kompaktheit. Die erste Linie presst, das Mittelfeld kommt nicht mehr sauber hinterher, die letzte Linie beginnt aufgrund fehlenden Balldrucks tiefer zu denken – und plötzlich entstehen zwischen den Mannschaftsteilen Räume, die vorher überhaupt nicht vorhanden waren. Dann sieht es von außen schnell nach fehlender Mentalität oder individueller Qualität aus. In Wirklichkeit hat die Mannschaft aber zunächst ihre gemeinsame Raumordnung verloren. Und damit bin ich auch bei der viel diskutierten Mentalität. Mir ist die Gleichung „Rasmus und Theate weg = Mentalität weg“ deutlich zu einfach. Bei Rasmus kann ich das aufgrund seiner Präsenz, Emotionalität und Zweikampfführung durchaus nachvollziehen. Bei Theate sehe ich das wesentlich kritischer. Seine aggressive Art zu verteidigen, seine Körpersprache und die Verbindung zu den Fans haben dieses Bild sicherlich begünstigt. Nur ist das für mich nicht automatisch Führungsqualität. Ein Abwehrchef definiert sich nicht darüber, wie spektakulär er einen Zweikampf führt oder wie sehr seine Art beim Publikum ankommt. Er definiert sich vor allem über Steuerung. Höhe der Kette vorgeben. Herausrücken kommandieren. Rückwärtspressing einfordern. Abstände korrigieren. Mitspieler verschieben. Nach Überspielen des Pressings erkennen, wann nicht mehr nach vorne verteidigt werden darf, sondern zunächst Raum gesichert und verzögert werden muss. Gerade in der vergangenen Saison habe ich Theate nicht dauerhaft als diesen großen ordnenden Stabilisator wahrgenommen, als der er rückblickend gerade teilweise dargestellt wird. Unser Problem gegen Augsburg war deshalb für mich auch nicht: „Uns fehlt Theate.“ Unser Problem war, dass nach dem Bruch im Spiel die kollektive Pressinglogik verloren ging. Und genau dort sehe ich momentan Hütters größte Baustelle. Für mich ist deshalb beispielsweise auch die Konstellation Götze/Onyedika wesentlich interessanter als die reflexartige Forderung nach dem nächsten Innenverteidiger. Götze kann einem Spiel über seine Orientierung, sein Freilaufverhalten, seine Passwinkel und seine Fähigkeit, Drucksituationen spielerisch aufzulösen, enorme Qualität geben. Er ist aber naturgemäß kein zweiter Onyedika, der im defensiven Umschalten große Räume schließt. Wenn ich diese Konstellation spielen möchte, muss ich strukturell dafür sorgen, dass entweder ein Außenverteidiger in der Restverteidigung tiefer bleibt, ein offensiver Achter nach Ballverlust sofort einrückt oder meine Gegenpressingstruktur so eng ist, dass der Gegner den ersten Pass nach Ballgewinn gar nicht sauber spielen kann. Ansonsten entsteht hinter fünf oder sechs Spielern eine Fläche, die kaum noch kontrollierbar ist. Das ist keine Kritik an Götze. Das ist eine Frage der Rollenkompatibilität. Und genau deshalb finde ich auch Baum und Kosugi wesentlich interessanter, als sie momentan teilweise dargestellt werden. Die Frage sollte nicht sein, ob beide heute bereits dieselbe defensive Sicherheit besitzen wie ein Außenverteidiger mit 150 Bundesligaspielen. Die Frage muss lauten, welche Funktionen sie innerhalb von Hütters Spielmodell übernehmen sollen. Beide können Dynamik erzeugen und Höhe geben. Dadurch kann die Breite über die Außenverteidiger hergestellt werden und offensive Spieler können enger in den Halbräumen positioniert werden. Das wiederum schafft andere Passwinkel, andere Anschlussaktionen und bessere Voraussetzungen für Überladungen. Aber jede offensive Freiheit erzeugt irgendwo eine defensive Verpflichtung. Wenn Baum hochschiebt, muss sein Rücken abgesichert werden. Wenn Kosugi auf der anderen Seite gleichzeitig Höhe gibt, verändert sich die gesamte Restverteidigung. Dann muss entweder Onyedika Räume vor beziehungsweise zwischen den Innenverteidigern schließen oder ein ballferner Spieler frühzeitig einrücken. Deshalb interessiert mich auch nicht besonders, ob Baum am dritten Spieltag mal einen Zweikampf verliert. Mich interessiert, ob die Absicherungsmechanismen um Baum herum in sechs Wochen besser funktionieren. Genau dort zeigt sich Entwicklung. Und aus diesem Grund gefällt mir der kleinere Kader grundsätzlich sogar. Hütter muss gerade keine Ansammlung von Einzelspielern verwalten. Er muss eine gemeinsame Rauminterpretation entwickeln. Pressinghöhe, Pressingtrigger, Rückwärtspressing, ballfernes Einrücken, Anschlussdruck, Tiefensicherung, Restverteidigung und das Verhalten nach Überspielen der ersten Linie entstehen nicht dadurch, dass man sie einmal auf eine Taktiktafel malt. Sie entstehen durch Wiederholung. Und dafür brauche ich Trainingskonstanz, klare Rollen und Spieler, die regelmäßig miteinander arbeiten. Insofern sehe ich das Transferfenster sportlich auch nicht ausschließlich über die Frage: Wer ersetzt Theate? Wer ersetzt Rasmus? Wer ersetzt Spieler X? Gute Kaderplanung bedeutet nicht zwingend, jedes abgegebene Profil eins zu eins durch dasselbe Profil zu ersetzen. Man kann auch das Spielmodell verändern, weil die vorhandenen Spieler andere Stärken besitzen. Das bedeutet ausdrücklich nicht, dass ich dieses Transferfenster für perfekt halte. Mir ist der Sturm quantitativ ebenfalls etwas dünn. Eine weitere defensive Option hätte ich auch genommen. Aber Risiko und schlechte Kaderplanung sind für mich zwei verschiedene Dinge. Genauso muss man zwischen Kaderplanung, individueller Form und Trainerentscheidungen unterscheiden. Wenn Koch momentan nicht seine beste Form erreicht oder die letzte Linie nicht ausreichend führt, ist das ein Thema. Wenn Hütter eine Zentrumsbesetzung wählt, die im defensiven Umschalten nicht funktioniert, ist das ein Thema. Wenn ein junger Außenverteidiger einen individuellen Fehler macht, ist das ein Thema. Aber aus drei unterschiedlichen Problemen automatisch ein einziges „Krösche hat den Kader schlecht zusammengestellt“ zu machen, ist mir deutlich zu simpel. Kaderqualität, individuelle Form und taktische Umsetzung sind drei verschiedene Dinge. Ähnlich sehe ich es offensiv. Was uns gegenüber früheren Mannschaften möglicherweise tatsächlich fehlt, ist ein bestimmtes Profil: Spieler, die aus einer zunächst neutralen oder sogar schlecht vorbereiteten Situation über ein Tempodribbling selbstständig Raumgewinn herstellen und damit eine komplette gegnerische Linie überspielen. Solche Spieler können strukturelle Unsauberkeiten kaschieren. Fehlt diese individuelle Dynamik, muss ich Chancen anders vorbereiten. Dann brauche ich saubere Halbraumbesetzung, Überladungen, Gegenbewegungen, dritte-Mann-Läufe, besseres Freiziehen von Räumen und vor allem Anschlussaktionen, nachdem eine gegnerische Linie überspielt wurde. Dann muss der Gegner über Positionsspiel bewegt werden, anstatt darauf zu hoffen, dass ein Einzelspieler aus dem Stand Unordnung erzeugt. Das benötigt deutlich mehr Abstimmung. Deshalb halte ich auch Aussagen wie „Doan bringt keinen Output“ für viel zu eindimensional. Der Wert eines Spielers innerhalb eines Positionsangriffs bemisst sich nicht ausschließlich daran, wer am Ende Tor oder Assist bekommt. Entscheidend kann genauso sein, ob seine Positionierung einen Gegenspieler bindet, einen Halbraum öffnet, einen Passweg erzeugt oder die nächste Aktion vorbereitet. Und damit komme ich wieder zu den „zwei Gesichtern“. Für mich war Halbzeit eins nicht einfach gut und Halbzeit zwei einfach schlecht. Halbzeit eins hat gezeigt, unter welchen strukturellen Bedingungen Hütters Idee funktionieren kann. Halbzeit zwei hat gezeigt, wie fragil diese Bedingungen momentan noch sind, sobald der erste Zugriff verloren geht. Das ist für mich ein wesentlich interessanterer Befund als die pauschale Aussage, der Mannschaft fehle Qualität. Denn individuelle Qualität kann ich im Wesentlichen nur über Personal verändern. Strukturelle Stabilität kann ich trainieren. Und genau deshalb würde ich jetzt auch nicht hektisch irgendeinen Spieler verpflichten, nur weil wir sieben Gegentore in zwei Spielen bekommen haben. Wenn wir in sechs oder acht Wochen noch immer dieselben Probleme haben, wenn unser Gegenpressing nach Überspielen der ersten Linie weiterhin keinen zweiten Zugriff besitzt, die Restverteidigung regelmäßig in Gleichzahl oder Unterzahl gerät, die Abstände zwischen den Linien nicht stimmen und Hütter keine Balance für seine Zentrumsbesetzung findet, dann haben wir ein strukturelles Problem, über das man sehr ernsthaft reden muss. Momentan sehe ich aber zunächst einen Trainer, der versucht, die Mannschaft höher und proaktiver verteidigen zu lassen, gleichzeitig viele technisch starke Spieler auf den Platz bringen möchte und dafür bewusst Risiko in der Absicherung akzeptiert. Seine Aufgabe besteht jetzt darin, dieses Risiko kontrollierbar zu machen. Und genau deshalb bin ich auch vorsichtig mit dem Anspruchsdenken von uns Fans. Natürlich darf jeder kritisieren. Ich mache das selbst. Aber nur weil jemand seit 20 Jahren Mitglied ist, eine Dauerkarte besitzt, Eintritt bezahlt oder jedes zweite Wochenende hunderte Kilometer auswärts fährt, besitzt er dadurch weder ein größeres Mitspracherecht bei sportlichen Entscheidungen noch automatisch eine höhere fachliche Kompetenz. All diese Dinge tun wir freiwillig, weil wir Eintracht unterstützen und diesen Verein lieben. Daraus entsteht aber kein Anspruch darauf, dass die sportliche Leitung den Kader nach unseren Vorstellungen zusammenstellt. Eine Eintrittskarte ist eine Eintrittskarte und kein Anteilsschein an der Kaderplanung. Wir kennen weder sämtliche Transferoptionen noch interne Gespräche, Trainingswerte, medizinische Daten, definierte Spielerprofile, finanzielle Grenzen oder die taktischen Überlegungen hinter einzelnen Personalentscheidungen. Deshalb unterscheide ich ziemlich deutlich zwischen: „Ich halte diese Entscheidung für falsch.“ und „Ich weiß, dass diese Entscheidung falsch ist.“ Ersteres ist Kritik. Zweiteres setzt Informationen voraus, die wir Außenstehenden schlicht nicht besitzen. Und genau deshalb würde ich nach zwei Bundesligaspielen weder die Kaderplanung abfeiern noch sie beerdigen. Für mich lautet die entscheidende Frage nach Augsburg nicht: „Wen hätte Krösche noch kaufen müssen?“ Sondern: Warum konnte dieselbe Mannschaft Augsburg zunächst kontrollieren und verlor anschließend innerhalb kürzester Zeit ihre komplette Zugriffskontrolle? Wenn Hütter darauf eine Antwort findet, verschwinden möglicherweise einige der momentan diskutierten vermeintlichen Kaderprobleme ganz von selbst. Wenn er sie nicht findet, werden wir irgendwann ganz andere Diskussionen führen müssen. Aber genau daran würde ich diese Mannschaft in den kommenden Wochen messen: Nicht daran, ob jeder junge Spieler sofort fehlerfrei funktioniert. Nicht daran, ob nach zwei Spieltagen irgendeine Tabelle unseren Erwartungen entspricht. Sondern daran, ob aus individuellem Verteidigen wieder kollektives Verteidigen wird, ob nach dem ersten verlorenen Zugriff ein zweiter entsteht, ob die Restverteidigung sauberer organisiert wird, ob die Abstände unter gegnerischem Druck stabil bleiben und ob diese Mannschaft lernt, nach einem Wirkungstreffer nicht ihre komplette Raumordnung zu verlieren. Dann werden aus den zwei Gesichtern irgendwann nicht deshalb eines, weil plötzlich bessere Einzelspieler auf dem Platz stehen – sondern weil elf Spieler anfangen, dieselben Situationen gleich zu interpretieren. Und genau das ist am Ende Trainerarbeit.
Die sge sollte erwägen, Dich als Taktik Berater ins Team aufzunehmen 😎👍
Ich würde mich ja anbieten und warte eigentlich nur noch auf den Anruf von Hütter. 😂 Ich glaube allerdings, er reagiert etwas empfindlich, wenn ich ihm montags erstmal seine Restverteidigung erkläre. Aber immerhin scheint die UEFA-Pro-Lizenz-Ausbildung langsam ihre Früchte zu tragen. 😂 Bis dahin muss eben das Forum mit meinen taktischen Ergüssen leben. 😁 Danke dir! 👍
Ich würde die beiden Halbzeiten gegen Augsburg weniger unter „Mentalität“ oder pauschal unter „fehlender Qualität“ betrachten, sondern zunächst über die Statik unseres Spielmodells. Denn ich glaube, dass genau dort momentan sowohl unsere große Chance als auch unser größtes Risiko liegt. Hütter möchte proaktiv verteidigen. Das war in der ersten Halbzeit auch ziemlich deutlich zu erkennen. Interessant war dabei für mich weniger unser Ballbesitz als vielmehr die Positionierung gegen den Ball und unmittelbar nach Ballverlust. Wir haben Augsburg häufig mit einer hohen letzten Linie verteidigt und versucht, den Raum bereits weit vor unserem eigenen Strafraum zu kontrollieren. Entscheidend dafür war das konsequente Nachschieben. Sobald Augsburg auf eine Seite gelenkt wurde, konnte die ballnahe Seite verdichten, während die letzte Linie aggressiv Anschluss gehalten hat. Dadurch waren die vertikalen Abstände klein. Und genau das ist wichtig, weil ein Ballverlust dann nicht zwangsläufig sofort verteidigt werden muss, sondern zunächst gegengepresst werden kann. Deshalb sah unsere Defensive in der ersten Halbzeit für mich auch wesentlich stabiler aus. Nicht weil Baum, Koch, Brassier oder Kosugi plötzlich individuell bessere Verteidiger waren, sondern weil sie wesentlich seltener isoliert verteidigen mussten. Das ist ein elementarer Unterschied. Eine Viererkette verteidigt nicht unabhängig vom Rest der Mannschaft. Wenn die Abstände zwischen Angriff, Mittelfeld und letzter Linie stimmen, kann ich nach Ballverlust sofort Anschlussdruck herstellen. Werden diese Abstände zu groß, entstehen Laufduelle, offene Halbräume und Situationen, in denen beispielsweise ein Außenverteidiger plötzlich gleichzeitig Breite und Tiefe kontrollieren soll. Dann sieht am Ende häufig der Verteidiger schlecht aus, obwohl der eigentliche Fehler zehn oder zwanzig Meter weiter vorne entstanden ist. Genau deshalb würde ich unsere Defensive momentan auch nicht isoliert anhand der Namen bewerten. Viel interessanter finde ich beispielsweise die Besetzung des Zentrums. Mit Onyedika haben wir im Grunde nur einen klassischen absichernden Mittelfeldspieler aufgestellt. Davor beziehungsweise daneben bewegen sich Spieler, deren natürliche Orientierung wesentlich offensiver ist. Das kann sehr attraktiv sein, weil man viele Spieler zwischen und hinter die gegnerischen Linien bekommt. Gleichzeitig erzeugt diese Struktur aber eine enorme Verantwortung für Onyedika. Wenn die Außenverteidiger Höhe geben und gleichzeitig mehrere offensive Spieler vor dem Ball positioniert sind, muss nach Ballverlust die erste Gegenpressingaktion sitzen. Tut sie das nicht, wird der Sechser zum Feuerwehrmann für eine Fläche, die ein einzelner Spieler überhaupt nicht kontrollieren kann. Und genau hier liegt für mich einer der Schlüssel für die zwei Gesichter. Solange unser Gegenpressing in Halbzeit eins Zugriff hatte, funktionierte diese mutige Besetzung. Augsburg kam kaum in Situationen, in denen unsere Restverteidigung offen verteidigen musste. Wir konnten Ballverluste häufig bereits im ersten oder zweiten Zugriff auffangen und Augsburg damit daran hindern, überhaupt kontrolliert in unsere letzte Linie zu kommen. Genau darin liegt aber gleichzeitig die Fragilität dieses Ansatzes: Wird die erste Gegenpressinglinie überspielt, fehlt uns aktuell noch zu häufig der zweite Zugriff. Dann wird aus einer aggressiven Vorwärtsverteidigung innerhalb weniger Sekunden eine offene Rückwärtsbewegung. Und dann reden wir plötzlich nicht mehr über Pressing, sondern über Notverteidigung. Das ist für mich momentan einer der wesentlichen Punkte. Denn eine Mannschaft, die hoch verteidigen möchte, muss nach einem überspielten Pressing sehr schnell erkennen, ob sie weiterhin Zugriff herstellen kann oder ob sie abbrechen, Tiefe sichern und sich neu organisieren muss. Genau diese Entscheidungsfindung funktioniert noch nicht zuverlässig. Und hier wird es für mich nach dem Augsburger Doppelschlag besonders interessant. Nach einem Gegentor gibt es bei einer hoch verteidigenden Mannschaft grundsätzlich verschiedene Möglichkeiten. Ich kann meine Höhe beibehalten, benötige dann aber sofort wieder maximalen Druck auf den Ball. Oder ich nehme vorübergehend einige Meter heraus, verdichte zunächst das Zentrum, sichere Tiefe und stelle wieder Kontrolle her. Was nicht funktioniert, ist die Zwischenlösung: Vorne weiterhin attackieren wollen, während hinten bereits vorsichtiger verteidigt wird. Genau dann verliert eine Mannschaft ihre vertikale Kompaktheit. Die erste Linie presst, das Mittelfeld kommt nicht mehr sauber hinterher, die letzte Linie beginnt aufgrund fehlenden Balldrucks tiefer zu denken – und plötzlich entstehen zwischen den Mannschaftsteilen Räume, die vorher überhaupt nicht vorhanden waren. Dann sieht es von außen schnell nach fehlender Mentalität oder individueller Qualität aus. In Wirklichkeit hat die Mannschaft aber zunächst ihre gemeinsame Raumordnung verloren. Und damit bin ich auch bei der viel diskutierten Mentalität. Mir ist die Gleichung „Rasmus und Theate weg = Mentalität weg“ deutlich zu einfach. Bei Rasmus kann ich das aufgrund seiner Präsenz, Emotionalität und Zweikampfführung durchaus nachvollziehen. Bei Theate sehe ich das wesentlich kritischer. Seine aggressive Art zu verteidigen, seine Körpersprache und die Verbindung zu den Fans haben dieses Bild sicherlich begünstigt. Nur ist das für mich nicht automatisch Führungsqualität. Ein Abwehrchef definiert sich nicht darüber, wie spektakulär er einen Zweikampf führt oder wie sehr seine Art beim Publikum ankommt. Er definiert sich vor allem über Steuerung. Höhe der Kette vorgeben. Herausrücken kommandieren. Rückwärtspressing einfordern. Abstände korrigieren. Mitspieler verschieben. Nach Überspielen des Pressings erkennen, wann nicht mehr nach vorne verteidigt werden darf, sondern zunächst Raum gesichert und verzögert werden muss. Gerade in der vergangenen Saison habe ich Theate nicht dauerhaft als diesen großen ordnenden Stabilisator wahrgenommen, als der er rückblickend gerade teilweise dargestellt wird. Unser Problem gegen Augsburg war deshalb für mich auch nicht: „Uns fehlt Theate.“ Unser Problem war, dass nach dem Bruch im Spiel die kollektive Pressinglogik verloren ging. Und genau dort sehe ich momentan Hütters größte Baustelle. Für mich ist deshalb beispielsweise auch die Konstellation Götze/Onyedika wesentlich interessanter als die reflexartige Forderung nach dem nächsten Innenverteidiger. Götze kann einem Spiel über seine Orientierung, sein Freilaufverhalten, seine Passwinkel und seine Fähigkeit, Drucksituationen spielerisch aufzulösen, enorme Qualität geben. Er ist aber naturgemäß kein zweiter Onyedika, der im defensiven Umschalten große Räume schließt. Wenn ich diese Konstellation spielen möchte, muss ich strukturell dafür sorgen, dass entweder ein Außenverteidiger in der Restverteidigung tiefer bleibt, ein offensiver Achter nach Ballverlust sofort einrückt oder meine Gegenpressingstruktur so eng ist, dass der Gegner den ersten Pass nach Ballgewinn gar nicht sauber spielen kann. Ansonsten entsteht hinter fünf oder sechs Spielern eine Fläche, die kaum noch kontrollierbar ist. Das ist keine Kritik an Götze. Das ist eine Frage der Rollenkompatibilität. Und genau deshalb finde ich auch Baum und Kosugi wesentlich interessanter, als sie momentan teilweise dargestellt werden. Die Frage sollte nicht sein, ob beide heute bereits dieselbe defensive Sicherheit besitzen wie ein Außenverteidiger mit 150 Bundesligaspielen. Die Frage muss lauten, welche Funktionen sie innerhalb von Hütters Spielmodell übernehmen sollen. Beide können Dynamik erzeugen und Höhe geben. Dadurch kann die Breite über die Außenverteidiger hergestellt werden und offensive Spieler können enger in den Halbräumen positioniert werden. Das wiederum schafft andere Passwinkel, andere Anschlussaktionen und bessere Voraussetzungen für Überladungen. Aber jede offensive Freiheit erzeugt irgendwo eine defensive Verpflichtung. Wenn Baum hochschiebt, muss sein Rücken abgesichert werden. Wenn Kosugi auf der anderen Seite gleichzeitig Höhe gibt, verändert sich die gesamte Restverteidigung. Dann muss entweder Onyedika Räume vor beziehungsweise zwischen den Innenverteidigern schließen oder ein ballferner Spieler frühzeitig einrücken. Deshalb interessiert mich auch nicht besonders, ob Baum am dritten Spieltag mal einen Zweikampf verliert. Mich interessiert, ob die Absicherungsmechanismen um Baum herum in sechs Wochen besser funktionieren. Genau dort zeigt sich Entwicklung. Und aus diesem Grund gefällt mir der kleinere Kader grundsätzlich sogar. Hütter muss gerade keine Ansammlung von Einzelspielern verwalten. Er muss eine gemeinsame Rauminterpretation entwickeln. Pressinghöhe, Pressingtrigger, Rückwärtspressing, ballfernes Einrücken, Anschlussdruck, Tiefensicherung, Restverteidigung und das Verhalten nach Überspielen der ersten Linie entstehen nicht dadurch, dass man sie einmal auf eine Taktiktafel malt. Sie entstehen durch Wiederholung. Und dafür brauche ich Trainingskonstanz, klare Rollen und Spieler, die regelmäßig miteinander arbeiten. Insofern sehe ich das Transferfenster sportlich auch nicht ausschließlich über die Frage: Wer ersetzt Theate? Wer ersetzt Rasmus? Wer ersetzt Spieler X? Gute Kaderplanung bedeutet nicht zwingend, jedes abgegebene Profil eins zu eins durch dasselbe Profil zu ersetzen. Man kann auch das Spielmodell verändern, weil die vorhandenen Spieler andere Stärken besitzen. Das bedeutet ausdrücklich nicht, dass ich dieses Transferfenster für perfekt halte. Mir ist der Sturm quantitativ ebenfalls etwas dünn. Eine weitere defensive Option hätte ich auch genommen. Aber Risiko und schlechte Kaderplanung sind für mich zwei verschiedene Dinge. Genauso muss man zwischen Kaderplanung, individueller Form und Trainerentscheidungen unterscheiden. Wenn Koch momentan nicht seine beste Form erreicht oder die letzte Linie nicht ausreichend führt, ist das ein Thema. Wenn Hütter eine Zentrumsbesetzung wählt, die im defensiven Umschalten nicht funktioniert, ist das ein Thema. Wenn ein junger Außenverteidiger einen individuellen Fehler macht, ist das ein Thema. Aber aus drei unterschiedlichen Problemen automatisch ein einziges „Krösche hat den Kader schlecht zusammengestellt“ zu machen, ist mir deutlich zu simpel. Kaderqualität, individuelle Form und taktische Umsetzung sind drei verschiedene Dinge. Ähnlich sehe ich es offensiv. Was uns gegenüber früheren Mannschaften möglicherweise tatsächlich fehlt, ist ein bestimmtes Profil: Spieler, die aus einer zunächst neutralen oder sogar schlecht vorbereiteten Situation über ein Tempodribbling selbstständig Raumgewinn herstellen und damit eine komplette gegnerische Linie überspielen. Solche Spieler können strukturelle Unsauberkeiten kaschieren. Fehlt diese individuelle Dynamik, muss ich Chancen anders vorbereiten. Dann brauche ich saubere Halbraumbesetzung, Überladungen, Gegenbewegungen, dritte-Mann-Läufe, besseres Freiziehen von Räumen und vor allem Anschlussaktionen, nachdem eine gegnerische Linie überspielt wurde. Dann muss der Gegner über Positionsspiel bewegt werden, anstatt darauf zu hoffen, dass ein Einzelspieler aus dem Stand Unordnung erzeugt. Das benötigt deutlich mehr Abstimmung. Deshalb halte ich auch Aussagen wie „Doan bringt keinen Output“ für viel zu eindimensional. Der Wert eines Spielers innerhalb eines Positionsangriffs bemisst sich nicht ausschließlich daran, wer am Ende Tor oder Assist bekommt. Entscheidend kann genauso sein, ob seine Positionierung einen Gegenspieler bindet, einen Halbraum öffnet, einen Passweg erzeugt oder die nächste Aktion vorbereitet. Und damit komme ich wieder zu den „zwei Gesichtern“. Für mich war Halbzeit eins nicht einfach gut und Halbzeit zwei einfach schlecht. Halbzeit eins hat gezeigt, unter welchen strukturellen Bedingungen Hütters Idee funktionieren kann. Halbzeit zwei hat gezeigt, wie fragil diese Bedingungen momentan noch sind, sobald der erste Zugriff verloren geht. Das ist für mich ein wesentlich interessanterer Befund als die pauschale Aussage, der Mannschaft fehle Qualität. Denn individuelle Qualität kann ich im Wesentlichen nur über Personal verändern. Strukturelle Stabilität kann ich trainieren. Und genau deshalb würde ich jetzt auch nicht hektisch irgendeinen Spieler verpflichten, nur weil wir sieben Gegentore in zwei Spielen bekommen haben. Wenn wir in sechs oder acht Wochen noch immer dieselben Probleme haben, wenn unser Gegenpressing nach Überspielen der ersten Linie weiterhin keinen zweiten Zugriff besitzt, die Restverteidigung regelmäßig in Gleichzahl oder Unterzahl gerät, die Abstände zwischen den Linien nicht stimmen und Hütter keine Balance für seine Zentrumsbesetzung findet, dann haben wir ein strukturelles Problem, über das man sehr ernsthaft reden muss. Momentan sehe ich aber zunächst einen Trainer, der versucht, die Mannschaft höher und proaktiver verteidigen zu lassen, gleichzeitig viele technisch starke Spieler auf den Platz bringen möchte und dafür bewusst Risiko in der Absicherung akzeptiert. Seine Aufgabe besteht jetzt darin, dieses Risiko kontrollierbar zu machen. Und genau deshalb bin ich auch vorsichtig mit dem Anspruchsdenken von uns Fans. Natürlich darf jeder kritisieren. Ich mache das selbst. Aber nur weil jemand seit 20 Jahren Mitglied ist, eine Dauerkarte besitzt, Eintritt bezahlt oder jedes zweite Wochenende hunderte Kilometer auswärts fährt, besitzt er dadurch weder ein größeres Mitspracherecht bei sportlichen Entscheidungen noch automatisch eine höhere fachliche Kompetenz. All diese Dinge tun wir freiwillig, weil wir Eintracht unterstützen und diesen Verein lieben. Daraus entsteht aber kein Anspruch darauf, dass die sportliche Leitung den Kader nach unseren Vorstellungen zusammenstellt. Eine Eintrittskarte ist eine Eintrittskarte und kein Anteilsschein an der Kaderplanung. Wir kennen weder sämtliche Transferoptionen noch interne Gespräche, Trainingswerte, medizinische Daten, definierte Spielerprofile, finanzielle Grenzen oder die taktischen Überlegungen hinter einzelnen Personalentscheidungen. Deshalb unterscheide ich ziemlich deutlich zwischen: „Ich halte diese Entscheidung für falsch.“ und „Ich weiß, dass diese Entscheidung falsch ist.“ Ersteres ist Kritik. Zweiteres setzt Informationen voraus, die wir Außenstehenden schlicht nicht besitzen. Und genau deshalb würde ich nach zwei Bundesligaspielen weder die Kaderplanung abfeiern noch sie beerdigen. Für mich lautet die entscheidende Frage nach Augsburg nicht: „Wen hätte Krösche noch kaufen müssen?“ Sondern: Warum konnte dieselbe Mannschaft Augsburg zunächst kontrollieren und verlor anschließend innerhalb kürzester Zeit ihre komplette Zugriffskontrolle? Wenn Hütter darauf eine Antwort findet, verschwinden möglicherweise einige der momentan diskutierten vermeintlichen Kaderprobleme ganz von selbst. Wenn er sie nicht findet, werden wir irgendwann ganz andere Diskussionen führen müssen. Aber genau daran würde ich diese Mannschaft in den kommenden Wochen messen: Nicht daran, ob jeder junge Spieler sofort fehlerfrei funktioniert. Nicht daran, ob nach zwei Spieltagen irgendeine Tabelle unseren Erwartungen entspricht. Sondern daran, ob aus individuellem Verteidigen wieder kollektives Verteidigen wird, ob nach dem ersten verlorenen Zugriff ein zweiter entsteht, ob die Restverteidigung sauberer organisiert wird, ob die Abstände unter gegnerischem Druck stabil bleiben und ob diese Mannschaft lernt, nach einem Wirkungstreffer nicht ihre komplette Raumordnung zu verlieren. Dann werden aus den zwei Gesichtern irgendwann nicht deshalb eines, weil plötzlich bessere Einzelspieler auf dem Platz stehen – sondern weil elf Spieler anfangen, dieselben Situationen gleich zu interpretieren. Und genau das ist am Ende Trainerarbeit.
Unser Problem war, dass nach dem Bruch im Spiel die kollektive Pressinglogik verloren ging.
Die Frage ist, warum das passiert, wenn der Gegner mal glücklich ein Tor schießt oder sogar in 100 Sekunden 2 wie jetzt am Sonntag.
Nur das sehen wir von außen, und zwar schon seit letzter Saison, und jetzt haben wir im Vergleich zur letzten Saison sehr viele neue Spieler, wie Atubolu, Baum, Brassier, Kosug, Oneydika etc.
Die spielen quasi eine perfekte Halbzeit, Chancen selbst viele, Gegner eine per Freistoß.
Ich habe selbst geschrieben, dass ich die Diskussion, dass wir noch einen Stürmer brauchen oder weiteren Verteidiger nicht nachvollziehen kann. Denn das hat mE nichts mit der oben zu beantwortenden Frage zu tun. Du sagst es sei kein Mentalitätsproblem. Aber wenn immer leichter Gegenwind kommt die komplette Orientierung verloren geht, was ist es dann? Für mich bleibt das ein saisonübergreifendes Kopfproblem, und obwohl viele neue da sind, erleben wir seit Brentford ein Dauer Dejavu der letzten Rückrunde. Am Ende ist es mir auch egal wie man es nennt. Es ist nicht das grundsätzliche "Nichtkönnen", siehe Halbzeit 1, Gegner ohne Chance, es ist der rote Verhaltensfaden nach Gegenwind. Anstatt einfach mit dem weiterzumachen, was man gerade auf bestmögliche Weise über 45 Minuten gemacht hat, bricht das fragile Kartenhaus sofort wider zusammen.
Unser Problem war, dass nach dem Bruch im Spiel die kollektive Pressinglogik verloren ging.
Die Frage ist, warum das passiert, wenn der Gegner mal glücklich ein Tor schießt oder sogar in 100 Sekunden 2 wie jetzt am Sonntag.
Nur das sehen wir von außen, und zwar schon seit letzter Saison, und jetzt haben wir im Vergleich zur letzten Saison sehr viele neue Spieler, wie Atubolu, Baum, Brassier, Kosug, Oneydika etc.
Die spielen quasi eine perfekte Halbzeit, Chancen selbst viele, Gegner eine per Freistoß.
Ich habe selbst geschrieben, dass ich die Diskussion, dass wir noch einen Stürmer brauchen oder weiteren Verteidiger nicht nachvollziehen kann. Denn das hat mE nichts mit der oben zu beantwortenden Frage zu tun. Du sagst es sei kein Mentalitätsproblem. Aber wenn immer leichter Gegenwind kommt die komplette Orientierung verloren geht, was ist es dann? Für mich bleibt das ein saisonübergreifendes Kopfproblem, und obwohl viele neue da sind, erleben wir seit Brentford ein Dauer Dejavu der letzten Rückrunde. Am Ende ist es mir auch egal wie man es nennt. Es ist nicht das grundsätzliche "Nichtkönnen", siehe Halbzeit 1, Gegner ohne Chance, es ist der rote Verhaltensfaden nach Gegenwind. Anstatt einfach mit dem weiterzumachen, was man gerade auf bestmögliche Weise über 45 Minuten gemacht hat, bricht das fragile Kartenhaus sofort wider zusammen.
Da bin ich gar nicht so weit weg von dir. Ich würde es nur etwas anders einordnen als unter dem großen Begriff „Mentalitätsproblem“.
Bei einer Mannschaft, die auf mehreren Positionen neu zusammengesetzt ist und zudem unter einem neuen Trainer andere Abläufe einstudiert, fehlen zunächst Automatismen. Und die zeigen sich weniger dann, wenn ein Spiel läuft wie geplant, sondern genau in diesen Stressmomenten. Nach einem Gegentor müssen die Spieler eigentlich sofort wissen: Bleiben wir in unserer Pressinghöhe? Nehmen wir fünf Meter raus? Wer stellt Zugriff her? Wer sichert Tiefe? Wie bekommen wir die Abstände zwischen den Linien wieder kompakt?
Solange diese Abläufe noch nicht automatisiert sind, reicht ein Wirkungstreffer und plötzlich interpretiert jeder die Situation ein bisschen anders. Einer schiebt raus, der nächste bleibt, der Sechser hängt dazwischen – und innerhalb kürzester Zeit ist die komplette Ordnung weg.
Was mir dabei allerdings ebenfalls fehlt, ist Führung auf dem Platz. Nicht dieses gerne bemühte „Mentalitätsmonster“, weil einer laut ist oder sich nach einem Zweikampf auf die Brust klopft. Sondern ein Spieler, der erkennt, dass die Mannschaft gerade den Zugriff verliert und aktiv in die Spielsteuerung eingreift.
Nach dem 1:1 muss einer da sein, der das Spiel für zwei, drei Minuten herunterkühlt. Mannschaft zusammenziehen, Abstände verkürzen, nächste Aktionen simpel halten, vielleicht bewusst mal einen Angriff abbrechen und wieder über die Innenverteidiger aufbauen. Hauptsache, die Mannschaft bekommt wieder eine gemeinsame Ordnung.
Genau so einen Spielertyp wie Boateng damals vermisse ich. Der war nicht nur wegen seiner individuellen Qualität wichtig. Der hatte eine natürliche Autorität und konnte den Rhythmus und auch die emotionale Lage einer Mannschaft beeinflussen.
Im Moment fehlt uns diese Selbstregulation auf dem Platz. Sobald das Spiel kippt, brauchen wir gefühlt sofort Hilfe von außen. Eine wirklich stabile Mannschaft löst solche Phasen irgendwann selbst.
Deshalb würde ich es als Kombination sehen: fehlende Automatismen plus fehlende Führungsstruktur. Hütter muss ersteres entwickeln und gleichzeitig innerhalb der Mannschaft eine Hierarchie schaffen, die in solchen Phasen trägt.
Und da schaue ich durchaus auch auf Koch. Als Kapitän und zentraler Spieler der letzten Linie wäre er eigentlich einer derjenigen, die in genau solchen Momenten die Mannschaft führen und die Ordnung wiederherstellen müssten. Denn bei einem Gegentor darfst du kurz wackeln. Was nicht passieren darf: Dass aus einem Wirkungstreffer innerhalb von Sekunden ein kompletter Kontrollverlust wird. Genau das passiert uns momentan viel zu schnell.
Unser Problem war, dass nach dem Bruch im Spiel die kollektive Pressinglogik verloren ging.
Die Frage ist, warum das passiert, wenn der Gegner mal glücklich ein Tor schießt oder sogar in 100 Sekunden 2 wie jetzt am Sonntag.
Nur das sehen wir von außen, und zwar schon seit letzter Saison, und jetzt haben wir im Vergleich zur letzten Saison sehr viele neue Spieler, wie Atubolu, Baum, Brassier, Kosug, Oneydika etc.
Die spielen quasi eine perfekte Halbzeit, Chancen selbst viele, Gegner eine per Freistoß.
Ich habe selbst geschrieben, dass ich die Diskussion, dass wir noch einen Stürmer brauchen oder weiteren Verteidiger nicht nachvollziehen kann. Denn das hat mE nichts mit der oben zu beantwortenden Frage zu tun. Du sagst es sei kein Mentalitätsproblem. Aber wenn immer leichter Gegenwind kommt die komplette Orientierung verloren geht, was ist es dann? Für mich bleibt das ein saisonübergreifendes Kopfproblem, und obwohl viele neue da sind, erleben wir seit Brentford ein Dauer Dejavu der letzten Rückrunde. Am Ende ist es mir auch egal wie man es nennt. Es ist nicht das grundsätzliche "Nichtkönnen", siehe Halbzeit 1, Gegner ohne Chance, es ist der rote Verhaltensfaden nach Gegenwind. Anstatt einfach mit dem weiterzumachen, was man gerade auf bestmögliche Weise über 45 Minuten gemacht hat, bricht das fragile Kartenhaus sofort wider zusammen.
Unser Problem war, dass nach dem Bruch im Spiel die kollektive Pressinglogik verloren ging.
Die Frage ist, warum das passiert, wenn der Gegner mal glücklich ein Tor schießt oder sogar in 100 Sekunden 2 wie jetzt am Sonntag.
Nur das sehen wir von außen, und zwar schon seit letzter Saison, und jetzt haben wir im Vergleich zur letzten Saison sehr viele neue Spieler, wie Atubolu, Baum, Brassier, Kosug, Oneydika etc.
Die spielen quasi eine perfekte Halbzeit, Chancen selbst viele, Gegner eine per Freistoß.
Ich habe selbst geschrieben, dass ich die Diskussion, dass wir noch einen Stürmer brauchen oder weiteren Verteidiger nicht nachvollziehen kann. Denn das hat mE nichts mit der oben zu beantwortenden Frage zu tun. Du sagst es sei kein Mentalitätsproblem. Aber wenn immer leichter Gegenwind kommt die komplette Orientierung verloren geht, was ist es dann? Für mich bleibt das ein saisonübergreifendes Kopfproblem, und obwohl viele neue da sind, erleben wir seit Brentford ein Dauer Dejavu der letzten Rückrunde. Am Ende ist es mir auch egal wie man es nennt. Es ist nicht das grundsätzliche "Nichtkönnen", siehe Halbzeit 1, Gegner ohne Chance, es ist der rote Verhaltensfaden nach Gegenwind. Anstatt einfach mit dem weiterzumachen, was man gerade auf bestmögliche Weise über 45 Minuten gemacht hat, bricht das fragile Kartenhaus sofort wider zusammen.
Da bin ich gar nicht so weit weg von dir. Ich würde es nur etwas anders einordnen als unter dem großen Begriff „Mentalitätsproblem“.
Bei einer Mannschaft, die auf mehreren Positionen neu zusammengesetzt ist und zudem unter einem neuen Trainer andere Abläufe einstudiert, fehlen zunächst Automatismen. Und die zeigen sich weniger dann, wenn ein Spiel läuft wie geplant, sondern genau in diesen Stressmomenten. Nach einem Gegentor müssen die Spieler eigentlich sofort wissen: Bleiben wir in unserer Pressinghöhe? Nehmen wir fünf Meter raus? Wer stellt Zugriff her? Wer sichert Tiefe? Wie bekommen wir die Abstände zwischen den Linien wieder kompakt?
Solange diese Abläufe noch nicht automatisiert sind, reicht ein Wirkungstreffer und plötzlich interpretiert jeder die Situation ein bisschen anders. Einer schiebt raus, der nächste bleibt, der Sechser hängt dazwischen – und innerhalb kürzester Zeit ist die komplette Ordnung weg.
Was mir dabei allerdings ebenfalls fehlt, ist Führung auf dem Platz. Nicht dieses gerne bemühte „Mentalitätsmonster“, weil einer laut ist oder sich nach einem Zweikampf auf die Brust klopft. Sondern ein Spieler, der erkennt, dass die Mannschaft gerade den Zugriff verliert und aktiv in die Spielsteuerung eingreift.
Nach dem 1:1 muss einer da sein, der das Spiel für zwei, drei Minuten herunterkühlt. Mannschaft zusammenziehen, Abstände verkürzen, nächste Aktionen simpel halten, vielleicht bewusst mal einen Angriff abbrechen und wieder über die Innenverteidiger aufbauen. Hauptsache, die Mannschaft bekommt wieder eine gemeinsame Ordnung.
Genau so einen Spielertyp wie Boateng damals vermisse ich. Der war nicht nur wegen seiner individuellen Qualität wichtig. Der hatte eine natürliche Autorität und konnte den Rhythmus und auch die emotionale Lage einer Mannschaft beeinflussen.
Im Moment fehlt uns diese Selbstregulation auf dem Platz. Sobald das Spiel kippt, brauchen wir gefühlt sofort Hilfe von außen. Eine wirklich stabile Mannschaft löst solche Phasen irgendwann selbst.
Deshalb würde ich es als Kombination sehen: fehlende Automatismen plus fehlende Führungsstruktur. Hütter muss ersteres entwickeln und gleichzeitig innerhalb der Mannschaft eine Hierarchie schaffen, die in solchen Phasen trägt.
Und da schaue ich durchaus auch auf Koch. Als Kapitän und zentraler Spieler der letzten Linie wäre er eigentlich einer derjenigen, die in genau solchen Momenten die Mannschaft führen und die Ordnung wiederherstellen müssten. Denn bei einem Gegentor darfst du kurz wackeln. Was nicht passieren darf: Dass aus einem Wirkungstreffer innerhalb von Sekunden ein kompletter Kontrollverlust wird. Genau das passiert uns momentan viel zu schnell.
Es passiert uns wie schon in der letzten Saison. Ob es diesmal andere Gründe gibt, und der rote Faden nur im Moment wie ein roter auszusehen scheint, aber gar keiner ist, werden wir bald sehen.
Wenn es lediglich ein Führungsproblem sein soll, und Koch das Gesicht dieses Problem ist, dann hat Adi zumindest schonmal eine schwerwiegende Fehlentscheidung getroffen. Das müsste dann wie auch immer angepasst werden, weil andernfalls das Problem weiterhin bestehen wird, mit der Folge, dass es größer wird. Wo letzteres enden wird, kann man sich nur zu gut vorstellen.
Wie dem auch sei, wir sehen von außen was passiert bzw nicht passiert. Adi muss die richtige Analyse machen, um den Turnaround zu schaffen. Spielerische Qualität, Stürmer die Tore schießen können, oder eine Mannschaft die grundsätzlich verteidigen kann, siehe Halbzeit 1, fehlen uns (ganz) gewiss nicht. Aber es fehlt etwas mit Gegenwind umzugehen.
Unser Problem war, dass nach dem Bruch im Spiel die kollektive Pressinglogik verloren ging.
Die Frage ist, warum das passiert, wenn der Gegner mal glücklich ein Tor schießt oder sogar in 100 Sekunden 2 wie jetzt am Sonntag.
Nur das sehen wir von außen, und zwar schon seit letzter Saison, und jetzt haben wir im Vergleich zur letzten Saison sehr viele neue Spieler, wie Atubolu, Baum, Brassier, Kosug, Oneydika etc.
Die spielen quasi eine perfekte Halbzeit, Chancen selbst viele, Gegner eine per Freistoß.
Ich habe selbst geschrieben, dass ich die Diskussion, dass wir noch einen Stürmer brauchen oder weiteren Verteidiger nicht nachvollziehen kann. Denn das hat mE nichts mit der oben zu beantwortenden Frage zu tun. Du sagst es sei kein Mentalitätsproblem. Aber wenn immer leichter Gegenwind kommt die komplette Orientierung verloren geht, was ist es dann? Für mich bleibt das ein saisonübergreifendes Kopfproblem, und obwohl viele neue da sind, erleben wir seit Brentford ein Dauer Dejavu der letzten Rückrunde. Am Ende ist es mir auch egal wie man es nennt. Es ist nicht das grundsätzliche "Nichtkönnen", siehe Halbzeit 1, Gegner ohne Chance, es ist der rote Verhaltensfaden nach Gegenwind. Anstatt einfach mit dem weiterzumachen, was man gerade auf bestmögliche Weise über 45 Minuten gemacht hat, bricht das fragile Kartenhaus sofort wider zusammen.
Da bin ich gar nicht so weit weg von dir. Ich würde es nur etwas anders einordnen als unter dem großen Begriff „Mentalitätsproblem“.
Bei einer Mannschaft, die auf mehreren Positionen neu zusammengesetzt ist und zudem unter einem neuen Trainer andere Abläufe einstudiert, fehlen zunächst Automatismen. Und die zeigen sich weniger dann, wenn ein Spiel läuft wie geplant, sondern genau in diesen Stressmomenten. Nach einem Gegentor müssen die Spieler eigentlich sofort wissen: Bleiben wir in unserer Pressinghöhe? Nehmen wir fünf Meter raus? Wer stellt Zugriff her? Wer sichert Tiefe? Wie bekommen wir die Abstände zwischen den Linien wieder kompakt?
Solange diese Abläufe noch nicht automatisiert sind, reicht ein Wirkungstreffer und plötzlich interpretiert jeder die Situation ein bisschen anders. Einer schiebt raus, der nächste bleibt, der Sechser hängt dazwischen – und innerhalb kürzester Zeit ist die komplette Ordnung weg.
Was mir dabei allerdings ebenfalls fehlt, ist Führung auf dem Platz. Nicht dieses gerne bemühte „Mentalitätsmonster“, weil einer laut ist oder sich nach einem Zweikampf auf die Brust klopft. Sondern ein Spieler, der erkennt, dass die Mannschaft gerade den Zugriff verliert und aktiv in die Spielsteuerung eingreift.
Nach dem 1:1 muss einer da sein, der das Spiel für zwei, drei Minuten herunterkühlt. Mannschaft zusammenziehen, Abstände verkürzen, nächste Aktionen simpel halten, vielleicht bewusst mal einen Angriff abbrechen und wieder über die Innenverteidiger aufbauen. Hauptsache, die Mannschaft bekommt wieder eine gemeinsame Ordnung.
Genau so einen Spielertyp wie Boateng damals vermisse ich. Der war nicht nur wegen seiner individuellen Qualität wichtig. Der hatte eine natürliche Autorität und konnte den Rhythmus und auch die emotionale Lage einer Mannschaft beeinflussen.
Im Moment fehlt uns diese Selbstregulation auf dem Platz. Sobald das Spiel kippt, brauchen wir gefühlt sofort Hilfe von außen. Eine wirklich stabile Mannschaft löst solche Phasen irgendwann selbst.
Deshalb würde ich es als Kombination sehen: fehlende Automatismen plus fehlende Führungsstruktur. Hütter muss ersteres entwickeln und gleichzeitig innerhalb der Mannschaft eine Hierarchie schaffen, die in solchen Phasen trägt.
Und da schaue ich durchaus auch auf Koch. Als Kapitän und zentraler Spieler der letzten Linie wäre er eigentlich einer derjenigen, die in genau solchen Momenten die Mannschaft führen und die Ordnung wiederherstellen müssten. Denn bei einem Gegentor darfst du kurz wackeln. Was nicht passieren darf: Dass aus einem Wirkungstreffer innerhalb von Sekunden ein kompletter Kontrollverlust wird. Genau das passiert uns momentan viel zu schnell.
Es passiert uns wie schon in der letzten Saison. Ob es diesmal andere Gründe gibt, und der rote Faden nur im Moment wie ein roter auszusehen scheint, aber gar keiner ist, werden wir bald sehen.
Wenn es lediglich ein Führungsproblem sein soll, und Koch das Gesicht dieses Problem ist, dann hat Adi zumindest schonmal eine schwerwiegende Fehlentscheidung getroffen. Das müsste dann wie auch immer angepasst werden, weil andernfalls das Problem weiterhin bestehen wird, mit der Folge, dass es größer wird. Wo letzteres enden wird, kann man sich nur zu gut vorstellen.
Wie dem auch sei, wir sehen von außen was passiert bzw nicht passiert. Adi muss die richtige Analyse machen, um den Turnaround zu schaffen. Spielerische Qualität, Stürmer die Tore schießen können, oder eine Mannschaft die grundsätzlich verteidigen kann, siehe Halbzeit 1, fehlen uns (ganz) gewiss nicht. Aber es fehlt etwas mit Gegenwind umzugehen.
Ich würde Koch nicht zum Gesicht des Problems machen und daraus schon gar keine schwerwiegende Fehlentscheidung von Hütter ableiten. Dafür ist mir das zu sehr auf eine Person reduziert.
Führung innerhalb einer Mannschaft funktioniert nicht nur über die Kapitänsbinde. Im Idealfall hast du auf unterschiedlichen Mannschaftsteilen Spieler, die Situationen erkennen und regulierend eingreifen. Koch gehört aufgrund seiner Position und Funktion sicherlich dazu und von ihm erwarte ich momentan mehr. Aber er kann das nicht alleine auffangen.
Was uns fehlt, ist für mich vor allem kollektive Resilienz. Eine stabile Mannschaft erkennt nach einem Wirkungstreffer, dass sich gerade die Spieldynamik verändert, und reagiert darauf. Abstände verkürzen, Pressinghöhe gegebenenfalls anpassen, Ballbesitz sichern, zwei oder drei einfache Aktionen spielen und erstmal wieder Kontrolle herstellen.
Genau das passiert bei uns momentan nicht. Wir versuchen nach dem Gegentor teilweise weiterzuspielen, als wäre nichts passiert, obwohl sich das Spiel längst verändert hat. Dann reichen ein oder zwei weitere unsaubere Aktionen und aus einem Gegentor wird innerhalb kürzester Zeit kompletter Kontrollverlust.
Da bin ich bei dir: Spielerische Qualität ist offensichtlich vorhanden. Halbzeit eins zeigt das ziemlich deutlich. Die spannende Aufgabe für Hütter ist jetzt weniger, den Jungs Fußball beizubringen, sondern dieser Mannschaft Mechanismen zu geben, mit denen sie Stressphasen selbstständig kontrollieren kann. Und dafür braucht es beides: Automatismen und Spieler, die auf dem Platz erkennen, wann sie diese Automatismen auch mal bewusst verändern müssen.
Genau daran wird man in den nächsten Wochen ganz gut erkennen können, wie weit diese Mannschaft wirklich ist.
Auch wenn ich einige Aspekte etwas anders sehe, einfach mal 👍👍👍
Du darfst mir gerne deine Ansicht nennen. Dann können wir uns gerne diesbezüglich austauschen 🙂 so, wie es sich für ein Forum gehört 😉
Würde ich gerne machen, im Moment hab ich da leider die Energie nicht für, die das verdienen würde und es geht im Forumskontext wirklich nur um Kleinigkeiten, war vlt. unklar ausgedrückt. In Relation zur hier vorherrschenden Hysterie sind wir de facto deckungsgleich.
Verstehe ich. Dann müssen wir das jetzt auch nicht künstlich auseinandernehmen. 😁 Wenn es im Grunde nur um ein paar Nuancen geht, sind wir in der Sache ja ziemlich nah beieinander. Und gerade bei der aktuell teilweise völlig überdrehten Stimmung im Forum ist das ja schon fast wohltuend. 😉
Es passiert uns wie schon in der letzten Saison. Ob es diesmal andere Gründe gibt, und der rote Faden nur im Moment wie ein roter auszusehen scheint, aber gar keiner ist, werden wir bald sehen.
Wenn es lediglich ein Führungsproblem sein soll, und Koch das Gesicht dieses Problem ist, dann hat Adi zumindest schonmal eine schwerwiegende Fehlentscheidung getroffen. Das müsste dann wie auch immer angepasst werden, weil andernfalls das Problem weiterhin bestehen wird, mit der Folge, dass es größer wird. Wo letzteres enden wird, kann man sich nur zu gut vorstellen.
Wie dem auch sei, wir sehen von außen was passiert bzw nicht passiert. Adi muss die richtige Analyse machen, um den Turnaround zu schaffen. Spielerische Qualität, Stürmer die Tore schießen können, oder eine Mannschaft die grundsätzlich verteidigen kann, siehe Halbzeit 1, fehlen uns (ganz) gewiss nicht. Aber es fehlt etwas mit Gegenwind umzugehen.
Ich würde Koch nicht zum Gesicht des Problems machen und daraus schon gar keine schwerwiegende Fehlentscheidung von Hütter ableiten. Dafür ist mir das zu sehr auf eine Person reduziert.
Führung innerhalb einer Mannschaft funktioniert nicht nur über die Kapitänsbinde. Im Idealfall hast du auf unterschiedlichen Mannschaftsteilen Spieler, die Situationen erkennen und regulierend eingreifen. Koch gehört aufgrund seiner Position und Funktion sicherlich dazu und von ihm erwarte ich momentan mehr. Aber er kann das nicht alleine auffangen.
Was uns fehlt, ist für mich vor allem kollektive Resilienz. Eine stabile Mannschaft erkennt nach einem Wirkungstreffer, dass sich gerade die Spieldynamik verändert, und reagiert darauf. Abstände verkürzen, Pressinghöhe gegebenenfalls anpassen, Ballbesitz sichern, zwei oder drei einfache Aktionen spielen und erstmal wieder Kontrolle herstellen.
Genau das passiert bei uns momentan nicht. Wir versuchen nach dem Gegentor teilweise weiterzuspielen, als wäre nichts passiert, obwohl sich das Spiel längst verändert hat. Dann reichen ein oder zwei weitere unsaubere Aktionen und aus einem Gegentor wird innerhalb kürzester Zeit kompletter Kontrollverlust.
Da bin ich bei dir: Spielerische Qualität ist offensichtlich vorhanden. Halbzeit eins zeigt das ziemlich deutlich. Die spannende Aufgabe für Hütter ist jetzt weniger, den Jungs Fußball beizubringen, sondern dieser Mannschaft Mechanismen zu geben, mit denen sie Stressphasen selbstständig kontrollieren kann. Und dafür braucht es beides: Automatismen und Spieler, die auf dem Platz erkennen, wann sie diese Automatismen auch mal bewusst verändern müssen.
Genau daran wird man in den nächsten Wochen ganz gut erkennen können, wie weit diese Mannschaft wirklich ist.
Wenn eine Person nicht führen kann, aber Kapitän ist, dann ist das ein Problem. Ich halte es dann auch für ein schwerwiegendes. Davon abgesehen dürfen selbstverständlich auch andere Spieler Führung und Verantwortung übernehmen. Wie schon letzte Saison hat das aber bisher nicht funktioniert.
Was für ein Problem es am Ende wirklich ist, wird Adi herausfinden müssen. Genau das ist sein Job. Dass das Problem nicht ein eindimensionales sein wird, ist sehr wahrscheinlich.
Ob es tatsächlich "nur" eine sich findende Führungshierarchie + Automatismen sein sollen, will ich nicht ausschließen. Da sich aber in der gesamten letzten Saison keine geeignete Führungshierarchie herausstellen konnte, und Automatismen eigentlich aus der Vorsaison gegeben sein mussten, lässt an dieser Theorie bei mir Zweifel bestehen. Vielleicht ist es aber zumindest ein Teil der Wahrheit. Was für mich auf jeden Fall klar ist, und das war es auch schon bei Dino oder Riera. Für eine funktionierende Mannschaft trägt der Trainer die Hauptverantwortung. Das Thema ist für mich also auf jeden Fall: Adi Job. Ausreden gelten nicht. Ob da ein weiterer Spieler mehr schön gewesen wäre oder sich nicht. Gegen Union und vor allem gegen Augsburg darfst du die Spiele niemals so aus der Hand geben.
Ich würde Koch nicht zum Gesicht des Problems machen und daraus schon gar keine schwerwiegende Fehlentscheidung von Hütter ableiten. Dafür ist mir das zu sehr auf eine Person reduziert.
Führung innerhalb einer Mannschaft funktioniert nicht nur über die Kapitänsbinde. Im Idealfall hast du auf unterschiedlichen Mannschaftsteilen Spieler, die Situationen erkennen und regulierend eingreifen. Koch gehört aufgrund seiner Position und Funktion sicherlich dazu und von ihm erwarte ich momentan mehr. Aber er kann das nicht alleine auffangen.
Was uns fehlt, ist für mich vor allem kollektive Resilienz. Eine stabile Mannschaft erkennt nach einem Wirkungstreffer, dass sich gerade die Spieldynamik verändert, und reagiert darauf. Abstände verkürzen, Pressinghöhe gegebenenfalls anpassen, Ballbesitz sichern, zwei oder drei einfache Aktionen spielen und erstmal wieder Kontrolle herstellen.
Genau das passiert bei uns momentan nicht. Wir versuchen nach dem Gegentor teilweise weiterzuspielen, als wäre nichts passiert, obwohl sich das Spiel längst verändert hat. Dann reichen ein oder zwei weitere unsaubere Aktionen und aus einem Gegentor wird innerhalb kürzester Zeit kompletter Kontrollverlust.
Da bin ich bei dir: Spielerische Qualität ist offensichtlich vorhanden. Halbzeit eins zeigt das ziemlich deutlich. Die spannende Aufgabe für Hütter ist jetzt weniger, den Jungs Fußball beizubringen, sondern dieser Mannschaft Mechanismen zu geben, mit denen sie Stressphasen selbstständig kontrollieren kann. Und dafür braucht es beides: Automatismen und Spieler, die auf dem Platz erkennen, wann sie diese Automatismen auch mal bewusst verändern müssen.
Genau daran wird man in den nächsten Wochen ganz gut erkennen können, wie weit diese Mannschaft wirklich ist.
Du beschreibst es sehr gut und ausführlich. Ich würde sogar etwas weiter gehen. Und genau hierfür werde ich jetzt wahrscheinlich Kritik einstecken müssen. Aktuell Frage ich mich, ist Hütter der falsche Trainer zur falschen Zeit! Nicht falsch verstehen. Hütter ist ein toller Trainer. Aber wie ich schon vor der Saison sagte, schon bei seinem letzten Engament gab es das Problem mit vielen Gegentoren und da war die Abwehr besser besetzt. Jetzt sollen wir mit dieser Abwehr offensiv weiter spielen. In meinen Augen ist das Harakiri. Gerade wenn wir es nicht schaffen, wie am Wochenende unsere vielen Chancen zu nutzen.
Nicht falsch verstehen, ich mag es wenn wir offensiv spielen, aber aktuell muss der sportliche Erfolg im Vordergrund stehen um der negativen Spirale nicht zu viel Power zu geben. Und hier sage ich klar. Wir sollten jetzt ein Spielsystem spielen, mit ruhigem, kontrolliertem Aufbau und definitiv defensiver stehen. Nicht nur wildes nach vorne rennen. Ja Hütter hat das auch verlangt, das man die Defensive sichert, aber trotzdem ist es deutlich zu offensiv. Soll es halt mal 60 bis 70 Minuten langweiliger Fussball sein in dem es 0zu0 steht und dann schlagen wir zu oder retten den Punkt. Ich glaube auch, das würde Kosugi, Baum, Koch, Brassier helfen sich zu finden und stabilisieren. Ist doch kein Wunder, das die hier total überfordert sind. Man muss sich mal überlegen. Koch ist zu langsam für diese offensive Absicherung. Brassier, Baum, Kosugi versuchen erstmal anzukommen in der BL. Das kann doch nur schief gehen.
Ganz ehrlich, aktuell würde ich mir Funkel als Trainer für unser Team wünschen. Der würde aktuell mehr Punkte rausholen, mit so einer wackligen Defensive. Du kannst meiner Meinung nach mit so einer Defensive Hütters Powerfußball nach vorne nicht sehr erfolgreich umsetzen. Hätten wir Leute wie Abraham, Hinteregger, Ndicka, Tuta Kostic usw. Im Team ist das was anderes. Aber so wird das meiner Meinung nach nichts.
Ich würde Koch nicht zum Gesicht des Problems machen und daraus schon gar keine schwerwiegende Fehlentscheidung von Hütter ableiten. Dafür ist mir das zu sehr auf eine Person reduziert.
Führung innerhalb einer Mannschaft funktioniert nicht nur über die Kapitänsbinde. Im Idealfall hast du auf unterschiedlichen Mannschaftsteilen Spieler, die Situationen erkennen und regulierend eingreifen. Koch gehört aufgrund seiner Position und Funktion sicherlich dazu und von ihm erwarte ich momentan mehr. Aber er kann das nicht alleine auffangen.
Was uns fehlt, ist für mich vor allem kollektive Resilienz. Eine stabile Mannschaft erkennt nach einem Wirkungstreffer, dass sich gerade die Spieldynamik verändert, und reagiert darauf. Abstände verkürzen, Pressinghöhe gegebenenfalls anpassen, Ballbesitz sichern, zwei oder drei einfache Aktionen spielen und erstmal wieder Kontrolle herstellen.
Genau das passiert bei uns momentan nicht. Wir versuchen nach dem Gegentor teilweise weiterzuspielen, als wäre nichts passiert, obwohl sich das Spiel längst verändert hat. Dann reichen ein oder zwei weitere unsaubere Aktionen und aus einem Gegentor wird innerhalb kürzester Zeit kompletter Kontrollverlust.
Da bin ich bei dir: Spielerische Qualität ist offensichtlich vorhanden. Halbzeit eins zeigt das ziemlich deutlich. Die spannende Aufgabe für Hütter ist jetzt weniger, den Jungs Fußball beizubringen, sondern dieser Mannschaft Mechanismen zu geben, mit denen sie Stressphasen selbstständig kontrollieren kann. Und dafür braucht es beides: Automatismen und Spieler, die auf dem Platz erkennen, wann sie diese Automatismen auch mal bewusst verändern müssen.
Genau daran wird man in den nächsten Wochen ganz gut erkennen können, wie weit diese Mannschaft wirklich ist.
Wenn eine Person nicht führen kann, aber Kapitän ist, dann ist das ein Problem. Ich halte es dann auch für ein schwerwiegendes. Davon abgesehen dürfen selbstverständlich auch andere Spieler Führung und Verantwortung übernehmen. Wie schon letzte Saison hat das aber bisher nicht funktioniert.
Was für ein Problem es am Ende wirklich ist, wird Adi herausfinden müssen. Genau das ist sein Job. Dass das Problem nicht ein eindimensionales sein wird, ist sehr wahrscheinlich.
Ob es tatsächlich "nur" eine sich findende Führungshierarchie + Automatismen sein sollen, will ich nicht ausschließen. Da sich aber in der gesamten letzten Saison keine geeignete Führungshierarchie herausstellen konnte, und Automatismen eigentlich aus der Vorsaison gegeben sein mussten, lässt an dieser Theorie bei mir Zweifel bestehen. Vielleicht ist es aber zumindest ein Teil der Wahrheit. Was für mich auf jeden Fall klar ist, und das war es auch schon bei Dino oder Riera. Für eine funktionierende Mannschaft trägt der Trainer die Hauptverantwortung. Das Thema ist für mich also auf jeden Fall: Adi Job. Ausreden gelten nicht. Ob da ein weiterer Spieler mehr schön gewesen wäre oder sich nicht. Gegen Union und vor allem gegen Augsburg darfst du die Spiele niemals so aus der Hand geben.
Wenn eine Person nicht führen kann, aber Kapitän ist, dann ist das ein Problem. Ich halte es dann auch für ein schwerwiegendes. Davon abgesehen dürfen selbstverständlich auch andere Spieler Führung und Verantwortung übernehmen. Wie schon letzte Saison hat das aber bisher nicht funktioniert.
Was für ein Problem es am Ende wirklich ist, wird Adi herausfinden müssen. Genau das ist sein Job. Dass das Problem nicht ein eindimensionales sein wird, ist sehr wahrscheinlich.
Ob es tatsächlich "nur" eine sich findende Führungshierarchie + Automatismen sein sollen, will ich nicht ausschließen. Da sich aber in der gesamten letzten Saison keine geeignete Führungshierarchie herausstellen konnte, und Automatismen eigentlich aus der Vorsaison gegeben sein mussten, lässt an dieser Theorie bei mir Zweifel bestehen. Vielleicht ist es aber zumindest ein Teil der Wahrheit. Was für mich auf jeden Fall klar ist, und das war es auch schon bei Dino oder Riera. Für eine funktionierende Mannschaft trägt der Trainer die Hauptverantwortung. Das Thema ist für mich also auf jeden Fall: Adi Job. Ausreden gelten nicht. Ob da ein weiterer Spieler mehr schön gewesen wäre oder sich nicht. Gegen Union und vor allem gegen Augsburg darfst du die Spiele niemals so aus der Hand geben.
Bei Koch würde ich Hütters Entscheidung deshalb auch nicht isoliert danach bewerten, ob er für uns von außen wie der ideale Kapitän wirkt. So eine Entscheidung hat immer auch eine gruppenpsychologische Komponente.
Hütter übernimmt eine Mannschaft, die ohnehin einen größeren Umbruch hinter sich hat. Wenn er Koch dann direkt die Binde nimmt, verändert er nicht nur einen Namen auf dem Spielberichtsbogen, sondern setzt innerhalb der Kabine ein ziemlich deutliches Signal: Die bisherige Hierarchie gilt nicht mehr. Das kann funktionieren und neue Kräfte freisetzen. Es kann aber genauso einen Spieler beschädigen, der innerhalb der Gruppe möglicherweise wesentlich mehr Anerkennung besitzt, als wir von außen wahrnehmen.
Insofern kann ich durchaus nachvollziehen, warum Hütter Koch zunächst bestätigt hat. Er schafft damit erstmal Kontinuität in einer Mannschaft, in der ohnehin genügend andere Rollen neu verteilt werden müssen. Und er gibt Koch gleichzeitig Vertrauen und Verantwortung, statt ihn durch eine öffentliche Degradierung gleich zu Beginn zu schwächen. Gerade bei einem Spieler, der zuletzt selbst nicht seine beste Phase hatte, kann das psychologisch sogar ganz bewusst gewählt sein: Du bleibst mein Kapitän, ich traue dir zu, wieder diese Rolle auszufüllen.
Die Kehrseite gibt es natürlich auch. Vertrauen darf nicht dazu führen, dass eine Hierarchie nur deshalb konserviert wird, weil sie schon vorhanden war. Wenn sich herausstellt, dass Koch in diesen kritischen Phasen weder kommunikativ noch spielerisch die notwendige Orientierung geben kann, muss Hütter irgendwann korrigieren. Kapitän sollte keine Besitzstandswahrung sein.
Ich persönlich hätte mich übrigens wahrscheinlich für Burkardt entschieden. Nicht weil Koch deshalb ein schlechter Kapitän sein muss, sondern weil Burkardt für mich eher das Profil mitbringt, um eine neue Mannschaft zu verkörpern: Präsenz, Verantwortungsbereitschaft, Intensität und eine gewisse natürliche Wirkung auf Mitspieler. Gerade in einem Umbruch hätte ich damit vielleicht bewusst eine neue Hierarchie angestoßen.
Trotzdem verstehe ich, warum Hütter den anderen Weg gewählt hat. Koch abzusetzen wäre ebenfalls eine Entscheidung mit möglichen Nebenwirkungen gewesen. Manchmal ist es für einen neuen Trainer sinnvoller, eine bestehende Hierarchie zunächst zu beobachten und erst dann einzugreifen, statt am ersten Tag sämtliche Machtstrukturen neu zu sortieren.
Viel interessanter wird deshalb sein, was jetzt innerhalb dieser Mannschaft entsteht. Denn am Ende hilft dir auch der beste Kapitän wenig, wenn bei Gegenwind alle zehn anderen auf ihn warten. Eine funktionierende Mannschaft braucht mehrere Führungspunkte auf dem Platz.
Und genau daran muss Hütter jetzt arbeiten. Gegen Union und Augsburg hat man gesehen, dass uns in diesen Stressphasen noch Spieler fehlen, die das Spiel von innen heraus regulieren. Bleibt das über Wochen so, muss er irgendwann personell oder innerhalb der Hierarchie reagieren.
Wenn eine Person nicht führen kann, aber Kapitän ist, dann ist das ein Problem. Ich halte es dann auch für ein schwerwiegendes. Davon abgesehen dürfen selbstverständlich auch andere Spieler Führung und Verantwortung übernehmen. Wie schon letzte Saison hat das aber bisher nicht funktioniert.
Was für ein Problem es am Ende wirklich ist, wird Adi herausfinden müssen. Genau das ist sein Job. Dass das Problem nicht ein eindimensionales sein wird, ist sehr wahrscheinlich.
Ob es tatsächlich "nur" eine sich findende Führungshierarchie + Automatismen sein sollen, will ich nicht ausschließen. Da sich aber in der gesamten letzten Saison keine geeignete Führungshierarchie herausstellen konnte, und Automatismen eigentlich aus der Vorsaison gegeben sein mussten, lässt an dieser Theorie bei mir Zweifel bestehen. Vielleicht ist es aber zumindest ein Teil der Wahrheit. Was für mich auf jeden Fall klar ist, und das war es auch schon bei Dino oder Riera. Für eine funktionierende Mannschaft trägt der Trainer die Hauptverantwortung. Das Thema ist für mich also auf jeden Fall: Adi Job. Ausreden gelten nicht. Ob da ein weiterer Spieler mehr schön gewesen wäre oder sich nicht. Gegen Union und vor allem gegen Augsburg darfst du die Spiele niemals so aus der Hand geben.
Jayjay77, die Frage, seit wann wir diese Probleme haben, finde ich tatsächlich interessant. Ich würde das auch nicht ausschließlich Hütter zuschreiben. Ein Teil davon zieht sich schon aus der Zeit unter Toppmöller durch.
Mit Marmoush und später Ekitiké hatten wir Spieler, die strukturell unsaubere Situationen durch individuelle Dynamik lösen konnten. Ballgewinn, vertikaler Pass, 30 Meter Raumgewinn – damit überspielst du zwei Linien und kaschierst natürlich einiges.
Willst du dagegen so hoch und dominant spielen wie Hütter momentan, muss bereits bei eigenem Ballbesitz die Restverteidigung stimmen. Und da sehe ich aktuell unsere größte Baustelle.
Bei deinem Punkt, dem Gegner auch mal den Ball zu geben, würde ich deshalb etwas anders rangehen. Es geht weniger darum, freiwillig den Ball abzugeben, sondern zu erkennen, wann ein Angriff nicht sauber vorbereitet ist. Dann eben nochmal zurück, Gegner bewegen, Abstände herstellen und neu aufbauen. Nicht jedes offene Passfenster muss vertikal bespielt werden.
Uzun ist dafür ein gutes Beispiel. Natürlich verliert der Bälle. Das muss er sogar dürfen, wenn ich möchte, dass er zwischen den Linien aufdreht und Risiko eingeht. Entscheidend ist, wie wir hinter seinem Ballverlust gestaffelt sind. Steht Onyedika richtig? Ist der ballferne Außenverteidiger eingerückt? Haben wir sofort Druck auf den Ball? Und wenn der erste Zugriff überspielt wird: Wer stellt den zweiten her?
Genau dieser zweite Zugriff fehlt mir momentan. Und deshalb sehe ich auch die 70-Meter-Rückwärtssprints etwas anders. Wenn meine Spieler regelmäßig solche Wege machen müssen, ist das nicht nur eine Frage von Fitness oder Einsatz. Dann stimmt vorher meistens schon etwas in der Restverteidigung nicht.
Gegen Augsburg war das nach der Pause gut zu sehen. Vorne wurde teilweise weiterhin aggressiv angelaufen, während hinten nicht mehr konsequent nachgeschoben wurde. Damit verlierst du die vertikale Kompaktheit, das Mittelfeld hängt dazwischen und Onyedika soll plötzlich Räume kontrollieren, die ein einzelner Sechser gar nicht kontrollieren kann.
Am Ende sieht dann Baum, Kosugi oder ein Innenverteidiger schlecht aus, obwohl der eigentliche Fehler deutlich früher entstanden ist. Bei den jungen Spielern bin ich deshalb bei dir. Denen muss keiner mehr die Grundlagen erklären. Die müssen lernen, diese Situationen auf Bundesliganiveau gemeinsam gleich zu interpretieren: Wann schiebe ich nach? Wann sichere ich Tiefe? Wann breche ich das Pressing ab? Wer übernimmt den Rücken des Außenverteidigers?
Das ist für mich auch Hütters eigentliche Aufgabe. Die erste Halbzeit hat gezeigt, dass seine Idee funktionieren kann. Die zweite hat gezeigt, wie fragil sie noch ist, sobald der erste Zugriff verloren geht.
Und genau daran würde ich die Entwicklung messen: Restverteidigung, zweiter Zugriff, Abstände und Spielsteuerung.
Denn das Entscheidende ist nicht, ob diese Mannschaft Fußball spielen kann. Das kann sie. Sie muss lernen zu erkennen, wann sie welchen Fußball spielen muss.
anpii Ich stimme Dir komplett zu. Alle Ausführungen sehe ich auch so und bei den AVs könnte man natürlich etwas bremsen aber wenn sie richtig gesichert sind, brauchen sie kein Sprint nach hinten machen. Kennt man ja selbst aus Taktiken in untern liegen, bei 4er Kette schiebt der andere AV rein. Wir schieben zwar mit beiden AVs hoch aber auch dafür gibt’s mit dem 6er eine Möglichkeit der Sicherung.
Ich denke die SGE hat auch genug Analysten um alles im Detail zu wissen. Problem, bei uns hat das Team keine Zeit. Wir sind nicht Freiburg, wo ein neuer Trainer Zeit bekommt. Die Fans haben eine Erwartungshaltung und klar der Kader ist im wert immer noch gut aber bekanntlich heißt das nicht viel. Die Presse versucht abos zu generieren (anders kann man es nicht mehr nennen). Hütter weiß worauf er sich eingelassen hat, aber leider ist es ausgerechnet dieses Jahr kein guter Spielplan für uns. Wir haben die Teams unter Platz 7 am Anfang. Ich hoffe in Mainz das Ding dreckig zu gewinnen, Hütter braucht jetzt jede Woche mit dem Team um es hinzubekommen. Man muss auch sagen, wir hatten gestern sehr viel Pech. So ein Elfer wurde bspw auch schon mal gepfiffen und das 3 und 4 Tor passiert auch nicht alle Tage.
anpii Ich stimme Dir komplett zu. Alle Ausführungen sehe ich auch so und bei den AVs könnte man natürlich etwas bremsen aber wenn sie richtig gesichert sind, brauchen sie kein Sprint nach hinten machen. Kennt man ja selbst aus Taktiken in untern liegen, bei 4er Kette schiebt der andere AV rein. Wir schieben zwar mit beiden AVs hoch aber auch dafür gibt’s mit dem 6er eine Möglichkeit der Sicherung.
Ich denke die SGE hat auch genug Analysten um alles im Detail zu wissen. Problem, bei uns hat das Team keine Zeit. Wir sind nicht Freiburg, wo ein neuer Trainer Zeit bekommt. Die Fans haben eine Erwartungshaltung und klar der Kader ist im wert immer noch gut aber bekanntlich heißt das nicht viel. Die Presse versucht abos zu generieren (anders kann man es nicht mehr nennen). Hütter weiß worauf er sich eingelassen hat, aber leider ist es ausgerechnet dieses Jahr kein guter Spielplan für uns. Wir haben die Teams unter Platz 7 am Anfang. Ich hoffe in Mainz das Ding dreckig zu gewinnen, Hütter braucht jetzt jede Woche mit dem Team um es hinzubekommen. Man muss auch sagen, wir hatten gestern sehr viel Pech. So ein Elfer wurde bspw auch schon mal gepfiffen und das 3 und 4 Tor passiert auch nicht alle Tage.
Bei einem Punkt sehe ich es etwas anders: Ich glaube schon, dass Hütter intern die notwendige Zeit bekommen wird. Vielleicht denken wir da zu sehr in den üblichen Mechanismen des Profifußballs.
Denn wenn man Hütter jetzt diesen Kader gibt und ihn bei einer schwierigen Hinrunde direkt wieder entlässt, wäre die Trainerfrage irgendwann gar nicht mehr die entscheidende. Dann würde sich zwangsläufig die Frage stellen, wer diesen Kader zusammengestellt und innerhalb kürzester Zeit erneut den Trainer wechseln müsste. Spätestens dann würde der Druck auf Krösche eine ganz andere Dimension erreichen.
Zumal Hütter für die jetzige Kaderstruktur bisher am wenigsten kann. Er übernimmt einen größeren Umbruch, muss mehrere junge Spieler integrieren, eine neue Hierarchie entwickeln und gleichzeitig seine Spielidee implementieren. Dass so etwas nicht nach ein paar Wochen abgeschlossen ist, sollte eigentlich selbstverständlich sein.
Seine erste Amtszeit ist dafür sogar ein ganz guter Hinweis. Auch damals brauchte es zunächst Zeit, bis seine Prinzipien wirklich gegriffen haben. Danach entstand eine Mannschaft, bei der irgendwann jeder wusste, wann angelaufen, nachgeschoben oder abgesichert wird.
Das größere Problem sehe ich deshalb tatsächlich außerhalb der Mannschaft. Medien und vor allem soziale Netzwerke geben einem solchen Prozess diese Zeit kaum noch. Nach zwei Spieltagen werden bereits Transferfenster endgültig bewertet, Spieler abgeschrieben und die Saison hochgerechnet. Vieles davon entsteht unmittelbar aus der Enttäuschung über ein Ergebnis. Emotional völlig nachvollziehbar – für eine vernünftige Bewertung aber wenig hilfreich.
Vielleicht wäre genau deshalb diese Saison mal eine, in der wir unsere eigenen Erwartungen etwas zurückfahren sollten. Nicht schon im September festlegen: Platz 6 muss es mindestens sein, sonst war alles schlecht.
Alexander Pope hat mal sinngemäß gesagt: „Wer nichts erwartet, kann auch nicht enttäuscht werden.“
Ganz so anspruchslos müssen wir natürlich nicht werden. 😂 Aber etwas weniger Erwartungsdruck würde uns momentan vermutlich guttun.
Gebt Hütter und dieser Mannschaft erstmal die Möglichkeit, sich zu finden. Wenn daraus am Ende Platz 5 wird – wunderbar. Wird es Platz 9, aber wir sehen eine klare Entwicklung und haben Baum, Kosugi, Uzun und Co. ein Jahr weitergebracht, muss das nicht automatisch eine schlechte Saison gewesen sein.
Vielleicht sollten wir diese Saison ausnahmsweise einmal nicht permanent auf die Tabelle schauen, sondern darauf, was bis Mai aus dieser Mannschaft geworden ist.
Es freut mich sehr, dass hier eine Diskussion entsteht bei der relativ unemotional über die aktuellen sportlichen Probleme gesprochen wird. Danke dafür an alle Beteiligten. Ich kann natürlich auch verstehen, wenn man sauer oder enttäuscht ist, dass die Ergebnisse nicht so kommen wie man es gerne hätte aber ich finde es schade, dass nach zwei Spieltage nur Vorwürfe in alle Richtungen kommen. Ich finde man kann schon sehen was mit der Mannschaft möglich ist, denn wir hatten sowohl offensiv als auch defensiv in beiden Spielen gute Phasen bzw Hz eine sehr gute Halbzeit. Dass wir dann ähnlich wie letzte Saison in den Spielen so einknicken ist verständlicherweise schon ein wenig besorgniserregend. Aber ich bin froh, dass wir mit Adi einen erfahrenen Trainer haben der das meiner Meinung nach hinbekommen kann.
@anpii du hast ja davon gesprochen, dass vor allem die Entscheidungsfindung schlecht ist bzw die Absprache nicht funktioniert, wann die gesamte Mannschaft ins Pressing geht oder absichert. Auch wenn Dino nicht ganz so weit vorne hat pressen lassen sind, sofern ich mich richtig erinnere, unter ihm viele Gegentore so entstanden. Entweder haben die defensiven nicht nachgeschoben oder die offensiven haben gepresst in Situationen wo die Verteidigung gar nicht in der Position war nach zu schieben. (Ich erinnere mich an ein Interview mit Dino nach dem Spiel wo er sogar in der Analyse Doan genau dafür kritisiert). Ich hatte die Hoffnung, dass es auch am Fehlen von Burkhardt lag, da er ja auch in Mainz so der Initiator des Pressing war und zumindest offensiv das dann ansagen kann. Ich muss sagen das finde ich dann doch auch ein wenig besorgniserregend, dass es gerade wieder an ähnlichen Dingen scheitert. Denn wie du sagst ist das ja eigentlich etwas was trainiert werden kann bzw sollte. Natürlich kommt dazu, dass die Mannschaft unerfahren bzw nicht gut eingespielt ist und der Spielverlauf mit den zwei schnellen und auch glücklichen Gegentore die Mannschaft schon sehr verunsichert hat.
Götze fand ich in der ersten Halbzeit sehr stark, war an vielen Kombinationen vorne beteiligt aber ich erwarte von ihm, dass er das Spiel dann eben nach dem schnellen Gegentor oder auch danach beruhigt und mithilft die Mannschaft zu stabilisieren. Leider sah er dann auch vor dem 3:1 ziemlich schlecht aus als er ein einfaches Foul ziehen will was der Schiri aber auch das ganze Spiel schon so nicht gepfiffen hat...
Onyedika hat finde ich angedeutet wie er uns helfen kann. Ich finde ihn im Zweikampf stark und er hat schon eine gute Ruhe am Ball bzw in Zweikampf. Auch fand ich, dass er nach Ballverlusten oder in Konter Situationen schnell wieder in der richtigen Position war was mir bei Skhiri oft nicht gefallen hat. Im Mittelfeld hoffe ich sehr, dass Aseko das fehlende Puzzlestück sein kann.
Mich ärgert es vor allem sehr, dass die Mannschaft jetzt wieder sehr viel Druck in den Spielen haben wird und keine Zeit bekommt sich gut einzuspielen. Man braucht die positiven Erlebnisse damit man von der Taktik überzeugt ist. Wenn man auf dem Platz zweifelt dann werden immer wieder fehler im Pressing funktionieren und dann kommen wir aus dieser miesen Gegentorspirale nicht mehr raus.
Und da wünsche ich mir einfach ein bisschen mehr Glück in den Spielen (Gelb Rote gegen Union, Eigentor gegen Augsburg) damit die Mannschaft sich für gute Leistungen auch belohnt und anfängt an sich zu glauben.
Dafür gehört für mich aber auch dazu, dass wir vorne anfangen einfache Tore zu machen und den Ball am Schluss einfach noch mal Quer legen oder den Angriff zuende spielen, dann würden wir hier glaube ich über was ganz anderes Diskutieren.
Jetzt habe ich mir ein bisschen den Frust von der Seele geschrieben, aber ich hoffe ich konnte auch was zu der Diskussion beitragen
Es freut mich sehr, dass hier eine Diskussion entsteht bei der relativ unemotional über die aktuellen sportlichen Probleme gesprochen wird. Danke dafür an alle Beteiligten. Ich kann natürlich auch verstehen, wenn man sauer oder enttäuscht ist, dass die Ergebnisse nicht so kommen wie man es gerne hätte aber ich finde es schade, dass nach zwei Spieltage nur Vorwürfe in alle Richtungen kommen. Ich finde man kann schon sehen was mit der Mannschaft möglich ist, denn wir hatten sowohl offensiv als auch defensiv in beiden Spielen gute Phasen bzw Hz eine sehr gute Halbzeit. Dass wir dann ähnlich wie letzte Saison in den Spielen so einknicken ist verständlicherweise schon ein wenig besorgniserregend. Aber ich bin froh, dass wir mit Adi einen erfahrenen Trainer haben der das meiner Meinung nach hinbekommen kann.
@anpii du hast ja davon gesprochen, dass vor allem die Entscheidungsfindung schlecht ist bzw die Absprache nicht funktioniert, wann die gesamte Mannschaft ins Pressing geht oder absichert. Auch wenn Dino nicht ganz so weit vorne hat pressen lassen sind, sofern ich mich richtig erinnere, unter ihm viele Gegentore so entstanden. Entweder haben die defensiven nicht nachgeschoben oder die offensiven haben gepresst in Situationen wo die Verteidigung gar nicht in der Position war nach zu schieben. (Ich erinnere mich an ein Interview mit Dino nach dem Spiel wo er sogar in der Analyse Doan genau dafür kritisiert). Ich hatte die Hoffnung, dass es auch am Fehlen von Burkhardt lag, da er ja auch in Mainz so der Initiator des Pressing war und zumindest offensiv das dann ansagen kann. Ich muss sagen das finde ich dann doch auch ein wenig besorgniserregend, dass es gerade wieder an ähnlichen Dingen scheitert. Denn wie du sagst ist das ja eigentlich etwas was trainiert werden kann bzw sollte. Natürlich kommt dazu, dass die Mannschaft unerfahren bzw nicht gut eingespielt ist und der Spielverlauf mit den zwei schnellen und auch glücklichen Gegentore die Mannschaft schon sehr verunsichert hat.
Götze fand ich in der ersten Halbzeit sehr stark, war an vielen Kombinationen vorne beteiligt aber ich erwarte von ihm, dass er das Spiel dann eben nach dem schnellen Gegentor oder auch danach beruhigt und mithilft die Mannschaft zu stabilisieren. Leider sah er dann auch vor dem 3:1 ziemlich schlecht aus als er ein einfaches Foul ziehen will was der Schiri aber auch das ganze Spiel schon so nicht gepfiffen hat...
Onyedika hat finde ich angedeutet wie er uns helfen kann. Ich finde ihn im Zweikampf stark und er hat schon eine gute Ruhe am Ball bzw in Zweikampf. Auch fand ich, dass er nach Ballverlusten oder in Konter Situationen schnell wieder in der richtigen Position war was mir bei Skhiri oft nicht gefallen hat. Im Mittelfeld hoffe ich sehr, dass Aseko das fehlende Puzzlestück sein kann.
Mich ärgert es vor allem sehr, dass die Mannschaft jetzt wieder sehr viel Druck in den Spielen haben wird und keine Zeit bekommt sich gut einzuspielen. Man braucht die positiven Erlebnisse damit man von der Taktik überzeugt ist. Wenn man auf dem Platz zweifelt dann werden immer wieder fehler im Pressing funktionieren und dann kommen wir aus dieser miesen Gegentorspirale nicht mehr raus.
Und da wünsche ich mir einfach ein bisschen mehr Glück in den Spielen (Gelb Rote gegen Union, Eigentor gegen Augsburg) damit die Mannschaft sich für gute Leistungen auch belohnt und anfängt an sich zu glauben.
Dafür gehört für mich aber auch dazu, dass wir vorne anfangen einfache Tore zu machen und den Ball am Schluss einfach noch mal Quer legen oder den Angriff zuende spielen, dann würden wir hier glaube ich über was ganz anderes Diskutieren.
Jetzt habe ich mir ein bisschen den Frust von der Seele geschrieben, aber ich hoffe ich konnte auch was zu der Diskussion beitragen
Ich sehe das mit dem Pressing ähnlich. Für mich sieht das momentan weniger danach aus, dass die Mannschaft grundsätzlich nicht pressen kann, sondern dass innerhalb des Pressings noch unterschiedliche Entscheidungen getroffen werden. Einer löst aus, der nächste schiebt eine Sekunde zu spät nach, dahinter wird nicht konsequent nachgerückt und schon wird aus eigentlich gewollter Aggressivität ein riesiger Raum zwischen den Linien.
Das ist gerade bei einer höheren Grundposition der Viererkette tödlich. Wenn vorne angelaufen wird, muss die letzte Linie eigentlich gleichzeitig reagieren und den Raum dahinter bzw. zwischen den Mannschaftsteilen verkürzen. Bleibt sie stehen, hat der Gegner nach Überspielen der ersten Linie sofort Platz. Umgekehrt bringt es natürlich genauso wenig, wenn die Abwehr hochschiebt und vorne keiner Druck auf den Ball bekommt. Dann verteidigst du mit offener Tiefe. Ich glaube, dass wir momentan genau diese unterschiedlichen Interpretationen derselben Situation sehen.
Deshalb bin ich bei Burkardt auch etwas vorsichtiger. Dass er das Pressing auslöst, ist grundsätzlich völlig in Ordnung. Als vorderster Spieler gehört das sogar zu seiner Aufgabe. Nur müssen die anderen erkennen, wann er auslöst und entsprechend mitgehen. Wenn Burkardt presst und der Rest nicht geschlossen nachschiebt, sieht es hinterher so aus, als hätte er kopflos angelaufen. Dabei kann die eigentliche Ursache zwei Linien dahinter liegen.
Bei Götze bin ich ebenfalls bei dir. Gerade von einem Spieler mit seiner Erfahrung würde ich nach dem 1:1 erwarten, dass er versucht, das Spiel für ein paar Minuten herunterzukühlen. Nicht indem wir uns hinten reinstellen, sondern indem wir wieder längere Ballbesitzphasen herstellen, einfache Anschlussaktionen wählen und Augsburg erstmal wieder laufen lassen. Nach einem Wirkungstreffer muss ich nicht sofort den nächsten vertikalen Ball erzwingen. Da darf man auch mal zwei Minuten Fußball spielen, bei dem überhaupt nichts passiert.
Onyedika hat mir in dieser Hinsicht übrigens auch gefallen. Körperlich präsent, relativ sauber in seinen Positionierungen und nach Ballverlusten mit einem guten Gefühl dafür, wo er hin muss. Wenn Aseko dazukommt und sich diese Achse entwickelt, könnte uns das im Zentrum enorm helfen, weil wir dort jemanden brauchen, der nicht nur Zweikämpfe gewinnt, sondern auch dafür sorgt, dass nach eigenem Ballverlust nicht jedes Mal sofort ein offenes Spiel entsteht.
Was momentan noch fehlt, ist diese gemeinsame Reaktion auf bestimmte Spielsituationen. Das lässt sich trainieren, braucht bei so vielen neuen Spielern aber Wiederholungen. Pressingauslöser, Nachschieben, Restverteidigung, Abstände – irgendwann darf darüber auf dem Platz keiner mehr groß nachdenken müssen. Der eine geht und die anderen wissen automatisch, was ihre nächste Aktion ist. Davon sind wir momentan noch ein Stück entfernt.
Und dann kommt der Kopf dazu. Wenn dir zweimal hintereinander nach einem Gegentor das Spiel komplett entgleitet, schleppst du das irgendwann mit dir herum. Beim nächsten 1:1 geht dann vielleicht schon bei dem einen oder anderen im Hinterkopf los: „Scheiße, nicht schon wieder.“ Dann werden Entscheidungen hektischer, Abstände größer und plötzlich versucht jeder, die Situation individuell zu lösen. Genau dann zerfällt eine Mannschaft.
Deshalb könnte uns momentan sogar so ein richtig dreckiges 1:0 enorm helfen. Kein Spektakel, kein Hurra-Fußball. Einfach mal Gegenwind bekommen, eine schwierige Phase überstehen und feststellen: Es passiert gar nichts. Wir bleiben stabil und bringen das Ding nach Hause. Sowas gibt einer Mannschaft irgendwann auch die Sicherheit zurück, die dir keine Taktiktafel der Welt vermitteln kann.
Und deshalb würde ich nach zwei Spieltagen auch noch nicht anfangen, alles grundsätzlich infrage zu stellen. Dass da Baustellen sind, sieht jeder. Mich interessiert aber wesentlich mehr, ob Hütter es in den nächsten Wochen schafft, aus diesen vielen individuellen Entscheidungen wieder gemeinsame Abläufe zu machen. Die erste Halbzeit gegen Augsburg hat zumindest gezeigt, dass die Idee funktionieren kann. Jetzt muss die Mannschaft lernen, diesen Fußball auch dann weiterzuspielen, wenn ihr das Spiel einmal eine aufs Maul gibt. Denn genau da trennt sich momentan unsere gute von unserer katastrophalen Phase.
Ich würde Koch nicht zum Gesicht des Problems machen und daraus schon gar keine schwerwiegende Fehlentscheidung von Hütter ableiten. Dafür ist mir das zu sehr auf eine Person reduziert.
Führung innerhalb einer Mannschaft funktioniert nicht nur über die Kapitänsbinde. Im Idealfall hast du auf unterschiedlichen Mannschaftsteilen Spieler, die Situationen erkennen und regulierend eingreifen. Koch gehört aufgrund seiner Position und Funktion sicherlich dazu und von ihm erwarte ich momentan mehr. Aber er kann das nicht alleine auffangen.
Was uns fehlt, ist für mich vor allem kollektive Resilienz. Eine stabile Mannschaft erkennt nach einem Wirkungstreffer, dass sich gerade die Spieldynamik verändert, und reagiert darauf. Abstände verkürzen, Pressinghöhe gegebenenfalls anpassen, Ballbesitz sichern, zwei oder drei einfache Aktionen spielen und erstmal wieder Kontrolle herstellen.
Genau das passiert bei uns momentan nicht. Wir versuchen nach dem Gegentor teilweise weiterzuspielen, als wäre nichts passiert, obwohl sich das Spiel längst verändert hat. Dann reichen ein oder zwei weitere unsaubere Aktionen und aus einem Gegentor wird innerhalb kürzester Zeit kompletter Kontrollverlust.
Da bin ich bei dir: Spielerische Qualität ist offensichtlich vorhanden. Halbzeit eins zeigt das ziemlich deutlich. Die spannende Aufgabe für Hütter ist jetzt weniger, den Jungs Fußball beizubringen, sondern dieser Mannschaft Mechanismen zu geben, mit denen sie Stressphasen selbstständig kontrollieren kann. Und dafür braucht es beides: Automatismen und Spieler, die auf dem Platz erkennen, wann sie diese Automatismen auch mal bewusst verändern müssen.
Genau daran wird man in den nächsten Wochen ganz gut erkennen können, wie weit diese Mannschaft wirklich ist.
Ich würde Koch nicht zum Gesicht des Problems machen und daraus schon gar keine schwerwiegende Fehlentscheidung von Hütter ableiten. Dafür ist mir das zu sehr auf eine Person reduziert.
Führung innerhalb einer Mannschaft funktioniert nicht nur über die Kapitänsbinde. Im Idealfall hast du auf unterschiedlichen Mannschaftsteilen Spieler, die Situationen erkennen und regulierend eingreifen. Koch gehört aufgrund seiner Position und Funktion sicherlich dazu und von ihm erwarte ich momentan mehr. Aber er kann das nicht alleine auffangen.
Was uns fehlt, ist für mich vor allem kollektive Resilienz. Eine stabile Mannschaft erkennt nach einem Wirkungstreffer, dass sich gerade die Spieldynamik verändert, und reagiert darauf. Abstände verkürzen, Pressinghöhe gegebenenfalls anpassen, Ballbesitz sichern, zwei oder drei einfache Aktionen spielen und erstmal wieder Kontrolle herstellen.
Genau das passiert bei uns momentan nicht. Wir versuchen nach dem Gegentor teilweise weiterzuspielen, als wäre nichts passiert, obwohl sich das Spiel längst verändert hat. Dann reichen ein oder zwei weitere unsaubere Aktionen und aus einem Gegentor wird innerhalb kürzester Zeit kompletter Kontrollverlust.
Da bin ich bei dir: Spielerische Qualität ist offensichtlich vorhanden. Halbzeit eins zeigt das ziemlich deutlich. Die spannende Aufgabe für Hütter ist jetzt weniger, den Jungs Fußball beizubringen, sondern dieser Mannschaft Mechanismen zu geben, mit denen sie Stressphasen selbstständig kontrollieren kann. Und dafür braucht es beides: Automatismen und Spieler, die auf dem Platz erkennen, wann sie diese Automatismen auch mal bewusst verändern müssen.
Genau daran wird man in den nächsten Wochen ganz gut erkennen können, wie weit diese Mannschaft wirklich ist.
Du beschreibst es sehr gut und ausführlich. Ich würde sogar etwas weiter gehen. Und genau hierfür werde ich jetzt wahrscheinlich Kritik einstecken müssen. Aktuell Frage ich mich, ist Hütter der falsche Trainer zur falschen Zeit! Nicht falsch verstehen. Hütter ist ein toller Trainer. Aber wie ich schon vor der Saison sagte, schon bei seinem letzten Engament gab es das Problem mit vielen Gegentoren und da war die Abwehr besser besetzt. Jetzt sollen wir mit dieser Abwehr offensiv weiter spielen. In meinen Augen ist das Harakiri. Gerade wenn wir es nicht schaffen, wie am Wochenende unsere vielen Chancen zu nutzen.
Nicht falsch verstehen, ich mag es wenn wir offensiv spielen, aber aktuell muss der sportliche Erfolg im Vordergrund stehen um der negativen Spirale nicht zu viel Power zu geben. Und hier sage ich klar. Wir sollten jetzt ein Spielsystem spielen, mit ruhigem, kontrolliertem Aufbau und definitiv defensiver stehen. Nicht nur wildes nach vorne rennen. Ja Hütter hat das auch verlangt, das man die Defensive sichert, aber trotzdem ist es deutlich zu offensiv. Soll es halt mal 60 bis 70 Minuten langweiliger Fussball sein in dem es 0zu0 steht und dann schlagen wir zu oder retten den Punkt. Ich glaube auch, das würde Kosugi, Baum, Koch, Brassier helfen sich zu finden und stabilisieren. Ist doch kein Wunder, das die hier total überfordert sind. Man muss sich mal überlegen. Koch ist zu langsam für diese offensive Absicherung. Brassier, Baum, Kosugi versuchen erstmal anzukommen in der BL. Das kann doch nur schief gehen.
Ganz ehrlich, aktuell würde ich mir Funkel als Trainer für unser Team wünschen. Der würde aktuell mehr Punkte rausholen, mit so einer wackligen Defensive. Du kannst meiner Meinung nach mit so einer Defensive Hütters Powerfußball nach vorne nicht sehr erfolgreich umsetzen. Hätten wir Leute wie Abraham, Hinteregger, Ndicka, Tuta Kostic usw. Im Team ist das was anderes. Aber so wird das meiner Meinung nach nichts.
Ich würde jetzt gerade nicht den Fehler machen, nach zwei Spielen die komplette Spielidee über Bord zu werfen. Damit erzeugst du im Zweifel noch mehr Unsicherheit.
Die erste Halbzeit gegen Augsburg war ja nicht schlecht. Im Gegenteil: Die Abläufe im Anlaufen haben funktioniert, wir hatten Zugriff, Augsburg kaum Entlastung und wir hätten das Spiel eigentlich schon vor der Pause deutlich in unsere Richtung ziehen müssen. Wenn ein System 45 Minuten funktioniert und nach einem Gegentor innerhalb kürzester Zeit komplett zusammenbricht, würde ich als Trainer zunächst wissen wollen, warum die Mannschaft ihre Ordnung verliert, statt ihr am Montag eine neue Ordnung hinzustellen.
Und genau deshalb halte ich Hütter momentan auch nicht für den „falschen Trainer zur falschen Zeit“. Nach Dino wurde hier jahrelange Bundesligaerfahrung gefordert. Jetzt steht da ein Trainer, der Frankfurt kennt, international gearbeitet hat, unterschiedliche Systeme gespielt hat und nun soll nach zwei Bundesligaspielen schon wieder die Trainerfrage gestellt werden.
Wer Hütter ein bisschen verfolgt hat, weiß außerdem, dass er kein Trainer ist, der stur seine Formation durchdrückt. Er hat in seiner ersten Amtszeit mehrfach angepasst und auch später unterschiedliche Grundordnungen spielen lassen. Ich traue ihm durchaus zu, selbst zu erkennen, wenn seine Mannschaft bestimmte Räume anders absichern muss.
Nur würde ich das nicht mit einem kompletten Rückzug verwechseln. Natürlich kann man situativ tiefer verteidigen, die Restverteidigung verändern, einen Außenverteidiger stärker einbinden oder im Aufbau eine zusätzliche Absicherung herstellen. Das sind Anpassungen innerhalb einer Spielidee. Aber jetzt plötzlich 60 Minuten lang tief stehen, auf zweite Bälle gehen und hoffen, dass vorne irgendwann einer einen Konter verwertet, wäre für mich keine Lösung, sondern eine Flucht vor dem eigentlichen Problem.
Denn unser größtes Problem entsteht momentan nach Widerständen. Nach dem Gegentor verändert sich nicht nur die Formation auf dem Papier, sondern das Verhalten der Spieler. Entscheidungen werden hektischer, Abstände stimmen nicht mehr, einer presst, während der andere absichert, und plötzlich macht jeder etwas anderes. Das bekommst du nicht dadurch weg, dass du aus einem 4-2-3-1 ein 5-4-1 malst.
Du musst momentan vor allem in die Köpfe dieser Mannschaft kommen. Sie muss wieder lernen, nach einem Gegentor nicht sämtliche Sicherheit und Orientierung zu verlieren. Wenn das nicht gelingt, kannst du jede Woche eine andere Formation auf die Taktiktafel malen und wirst trotzdem dieselben Probleme bekommen.
Und Funkel? Das wäre dann wirklich die komplette Kehrtwende. Kann man sich wünschen. Aber dann können wir uns die ganze Diskussion über Entwicklung einer neuen Mannschaft und einer neuen Spielidee auch sparen und nach jeder Niederlage einfach den nächsten Trainer suchen, dessen Fußball gerade besser zur Tabelle passt.
Hütter ist erfahren genug, sein System anzupassen. Ich würde ihm nur erstmal die Gelegenheit geben, dieses System zu stabilisieren, bevor ich von ihm verlange, es wieder einzureißen.
Wenn eine Person nicht führen kann, aber Kapitän ist, dann ist das ein Problem. Ich halte es dann auch für ein schwerwiegendes. Davon abgesehen dürfen selbstverständlich auch andere Spieler Führung und Verantwortung übernehmen. Wie schon letzte Saison hat das aber bisher nicht funktioniert.
Was für ein Problem es am Ende wirklich ist, wird Adi herausfinden müssen. Genau das ist sein Job. Dass das Problem nicht ein eindimensionales sein wird, ist sehr wahrscheinlich.
Ob es tatsächlich "nur" eine sich findende Führungshierarchie + Automatismen sein sollen, will ich nicht ausschließen. Da sich aber in der gesamten letzten Saison keine geeignete Führungshierarchie herausstellen konnte, und Automatismen eigentlich aus der Vorsaison gegeben sein mussten, lässt an dieser Theorie bei mir Zweifel bestehen. Vielleicht ist es aber zumindest ein Teil der Wahrheit. Was für mich auf jeden Fall klar ist, und das war es auch schon bei Dino oder Riera. Für eine funktionierende Mannschaft trägt der Trainer die Hauptverantwortung. Das Thema ist für mich also auf jeden Fall: Adi Job. Ausreden gelten nicht. Ob da ein weiterer Spieler mehr schön gewesen wäre oder sich nicht. Gegen Union und vor allem gegen Augsburg darfst du die Spiele niemals so aus der Hand geben.
Wenn eine Person nicht führen kann, aber Kapitän ist, dann ist das ein Problem. Ich halte es dann auch für ein schwerwiegendes. Davon abgesehen dürfen selbstverständlich auch andere Spieler Führung und Verantwortung übernehmen. Wie schon letzte Saison hat das aber bisher nicht funktioniert.
Was für ein Problem es am Ende wirklich ist, wird Adi herausfinden müssen. Genau das ist sein Job. Dass das Problem nicht ein eindimensionales sein wird, ist sehr wahrscheinlich.
Ob es tatsächlich "nur" eine sich findende Führungshierarchie + Automatismen sein sollen, will ich nicht ausschließen. Da sich aber in der gesamten letzten Saison keine geeignete Führungshierarchie herausstellen konnte, und Automatismen eigentlich aus der Vorsaison gegeben sein mussten, lässt an dieser Theorie bei mir Zweifel bestehen. Vielleicht ist es aber zumindest ein Teil der Wahrheit. Was für mich auf jeden Fall klar ist, und das war es auch schon bei Dino oder Riera. Für eine funktionierende Mannschaft trägt der Trainer die Hauptverantwortung. Das Thema ist für mich also auf jeden Fall: Adi Job. Ausreden gelten nicht. Ob da ein weiterer Spieler mehr schön gewesen wäre oder sich nicht. Gegen Union und vor allem gegen Augsburg darfst du die Spiele niemals so aus der Hand geben.
Bei Koch würde ich Hütters Entscheidung deshalb auch nicht isoliert danach bewerten, ob er für uns von außen wie der ideale Kapitän wirkt. So eine Entscheidung hat immer auch eine gruppenpsychologische Komponente.
Hütter übernimmt eine Mannschaft, die ohnehin einen größeren Umbruch hinter sich hat. Wenn er Koch dann direkt die Binde nimmt, verändert er nicht nur einen Namen auf dem Spielberichtsbogen, sondern setzt innerhalb der Kabine ein ziemlich deutliches Signal: Die bisherige Hierarchie gilt nicht mehr. Das kann funktionieren und neue Kräfte freisetzen. Es kann aber genauso einen Spieler beschädigen, der innerhalb der Gruppe möglicherweise wesentlich mehr Anerkennung besitzt, als wir von außen wahrnehmen.
Insofern kann ich durchaus nachvollziehen, warum Hütter Koch zunächst bestätigt hat. Er schafft damit erstmal Kontinuität in einer Mannschaft, in der ohnehin genügend andere Rollen neu verteilt werden müssen. Und er gibt Koch gleichzeitig Vertrauen und Verantwortung, statt ihn durch eine öffentliche Degradierung gleich zu Beginn zu schwächen. Gerade bei einem Spieler, der zuletzt selbst nicht seine beste Phase hatte, kann das psychologisch sogar ganz bewusst gewählt sein: Du bleibst mein Kapitän, ich traue dir zu, wieder diese Rolle auszufüllen.
Die Kehrseite gibt es natürlich auch. Vertrauen darf nicht dazu führen, dass eine Hierarchie nur deshalb konserviert wird, weil sie schon vorhanden war. Wenn sich herausstellt, dass Koch in diesen kritischen Phasen weder kommunikativ noch spielerisch die notwendige Orientierung geben kann, muss Hütter irgendwann korrigieren. Kapitän sollte keine Besitzstandswahrung sein.
Ich persönlich hätte mich übrigens wahrscheinlich für Burkardt entschieden. Nicht weil Koch deshalb ein schlechter Kapitän sein muss, sondern weil Burkardt für mich eher das Profil mitbringt, um eine neue Mannschaft zu verkörpern: Präsenz, Verantwortungsbereitschaft, Intensität und eine gewisse natürliche Wirkung auf Mitspieler. Gerade in einem Umbruch hätte ich damit vielleicht bewusst eine neue Hierarchie angestoßen.
Trotzdem verstehe ich, warum Hütter den anderen Weg gewählt hat. Koch abzusetzen wäre ebenfalls eine Entscheidung mit möglichen Nebenwirkungen gewesen. Manchmal ist es für einen neuen Trainer sinnvoller, eine bestehende Hierarchie zunächst zu beobachten und erst dann einzugreifen, statt am ersten Tag sämtliche Machtstrukturen neu zu sortieren.
Viel interessanter wird deshalb sein, was jetzt innerhalb dieser Mannschaft entsteht. Denn am Ende hilft dir auch der beste Kapitän wenig, wenn bei Gegenwind alle zehn anderen auf ihn warten. Eine funktionierende Mannschaft braucht mehrere Führungspunkte auf dem Platz.
Und genau daran muss Hütter jetzt arbeiten. Gegen Union und Augsburg hat man gesehen, dass uns in diesen Stressphasen noch Spieler fehlen, die das Spiel von innen heraus regulieren. Bleibt das über Wochen so, muss er irgendwann personell oder innerhalb der Hierarchie reagieren.
anpii Ich stimme Dir komplett zu. Alle Ausführungen sehe ich auch so und bei den AVs könnte man natürlich etwas bremsen aber wenn sie richtig gesichert sind, brauchen sie kein Sprint nach hinten machen. Kennt man ja selbst aus Taktiken in untern liegen, bei 4er Kette schiebt der andere AV rein. Wir schieben zwar mit beiden AVs hoch aber auch dafür gibt’s mit dem 6er eine Möglichkeit der Sicherung.
Ich denke die SGE hat auch genug Analysten um alles im Detail zu wissen. Problem, bei uns hat das Team keine Zeit. Wir sind nicht Freiburg, wo ein neuer Trainer Zeit bekommt. Die Fans haben eine Erwartungshaltung und klar der Kader ist im wert immer noch gut aber bekanntlich heißt das nicht viel. Die Presse versucht abos zu generieren (anders kann man es nicht mehr nennen). Hütter weiß worauf er sich eingelassen hat, aber leider ist es ausgerechnet dieses Jahr kein guter Spielplan für uns. Wir haben die Teams unter Platz 7 am Anfang. Ich hoffe in Mainz das Ding dreckig zu gewinnen, Hütter braucht jetzt jede Woche mit dem Team um es hinzubekommen. Man muss auch sagen, wir hatten gestern sehr viel Pech. So ein Elfer wurde bspw auch schon mal gepfiffen und das 3 und 4 Tor passiert auch nicht alle Tage.
anpii Ich stimme Dir komplett zu. Alle Ausführungen sehe ich auch so und bei den AVs könnte man natürlich etwas bremsen aber wenn sie richtig gesichert sind, brauchen sie kein Sprint nach hinten machen. Kennt man ja selbst aus Taktiken in untern liegen, bei 4er Kette schiebt der andere AV rein. Wir schieben zwar mit beiden AVs hoch aber auch dafür gibt’s mit dem 6er eine Möglichkeit der Sicherung.
Ich denke die SGE hat auch genug Analysten um alles im Detail zu wissen. Problem, bei uns hat das Team keine Zeit. Wir sind nicht Freiburg, wo ein neuer Trainer Zeit bekommt. Die Fans haben eine Erwartungshaltung und klar der Kader ist im wert immer noch gut aber bekanntlich heißt das nicht viel. Die Presse versucht abos zu generieren (anders kann man es nicht mehr nennen). Hütter weiß worauf er sich eingelassen hat, aber leider ist es ausgerechnet dieses Jahr kein guter Spielplan für uns. Wir haben die Teams unter Platz 7 am Anfang. Ich hoffe in Mainz das Ding dreckig zu gewinnen, Hütter braucht jetzt jede Woche mit dem Team um es hinzubekommen. Man muss auch sagen, wir hatten gestern sehr viel Pech. So ein Elfer wurde bspw auch schon mal gepfiffen und das 3 und 4 Tor passiert auch nicht alle Tage.
Bei einem Punkt sehe ich es etwas anders: Ich glaube schon, dass Hütter intern die notwendige Zeit bekommen wird. Vielleicht denken wir da zu sehr in den üblichen Mechanismen des Profifußballs.
Denn wenn man Hütter jetzt diesen Kader gibt und ihn bei einer schwierigen Hinrunde direkt wieder entlässt, wäre die Trainerfrage irgendwann gar nicht mehr die entscheidende. Dann würde sich zwangsläufig die Frage stellen, wer diesen Kader zusammengestellt und innerhalb kürzester Zeit erneut den Trainer wechseln müsste. Spätestens dann würde der Druck auf Krösche eine ganz andere Dimension erreichen.
Zumal Hütter für die jetzige Kaderstruktur bisher am wenigsten kann. Er übernimmt einen größeren Umbruch, muss mehrere junge Spieler integrieren, eine neue Hierarchie entwickeln und gleichzeitig seine Spielidee implementieren. Dass so etwas nicht nach ein paar Wochen abgeschlossen ist, sollte eigentlich selbstverständlich sein.
Seine erste Amtszeit ist dafür sogar ein ganz guter Hinweis. Auch damals brauchte es zunächst Zeit, bis seine Prinzipien wirklich gegriffen haben. Danach entstand eine Mannschaft, bei der irgendwann jeder wusste, wann angelaufen, nachgeschoben oder abgesichert wird.
Das größere Problem sehe ich deshalb tatsächlich außerhalb der Mannschaft. Medien und vor allem soziale Netzwerke geben einem solchen Prozess diese Zeit kaum noch. Nach zwei Spieltagen werden bereits Transferfenster endgültig bewertet, Spieler abgeschrieben und die Saison hochgerechnet. Vieles davon entsteht unmittelbar aus der Enttäuschung über ein Ergebnis. Emotional völlig nachvollziehbar – für eine vernünftige Bewertung aber wenig hilfreich.
Vielleicht wäre genau deshalb diese Saison mal eine, in der wir unsere eigenen Erwartungen etwas zurückfahren sollten. Nicht schon im September festlegen: Platz 6 muss es mindestens sein, sonst war alles schlecht.
Alexander Pope hat mal sinngemäß gesagt: „Wer nichts erwartet, kann auch nicht enttäuscht werden.“
Ganz so anspruchslos müssen wir natürlich nicht werden. 😂 Aber etwas weniger Erwartungsdruck würde uns momentan vermutlich guttun.
Gebt Hütter und dieser Mannschaft erstmal die Möglichkeit, sich zu finden. Wenn daraus am Ende Platz 5 wird – wunderbar. Wird es Platz 9, aber wir sehen eine klare Entwicklung und haben Baum, Kosugi, Uzun und Co. ein Jahr weitergebracht, muss das nicht automatisch eine schlechte Saison gewesen sein.
Vielleicht sollten wir diese Saison ausnahmsweise einmal nicht permanent auf die Tabelle schauen, sondern darauf, was bis Mai aus dieser Mannschaft geworden ist.
Hütter möchte proaktiv verteidigen. Das war in der ersten Halbzeit auch ziemlich deutlich zu erkennen. Interessant war dabei für mich weniger unser Ballbesitz als vielmehr die Positionierung gegen den Ball und unmittelbar nach Ballverlust.
Wir haben Augsburg häufig mit einer hohen letzten Linie verteidigt und versucht, den Raum bereits weit vor unserem eigenen Strafraum zu kontrollieren. Entscheidend dafür war das konsequente Nachschieben. Sobald Augsburg auf eine Seite gelenkt wurde, konnte die ballnahe Seite verdichten, während die letzte Linie aggressiv Anschluss gehalten hat.
Dadurch waren die vertikalen Abstände klein. Und genau das ist wichtig, weil ein Ballverlust dann nicht zwangsläufig sofort verteidigt werden muss, sondern zunächst gegengepresst werden kann.
Deshalb sah unsere Defensive in der ersten Halbzeit für mich auch wesentlich stabiler aus. Nicht weil Baum, Koch, Brassier oder Kosugi plötzlich individuell bessere Verteidiger waren, sondern weil sie wesentlich seltener isoliert verteidigen mussten.
Das ist ein elementarer Unterschied.
Eine Viererkette verteidigt nicht unabhängig vom Rest der Mannschaft. Wenn die Abstände zwischen Angriff, Mittelfeld und letzter Linie stimmen, kann ich nach Ballverlust sofort Anschlussdruck herstellen. Werden diese Abstände zu groß, entstehen Laufduelle, offene Halbräume und Situationen, in denen beispielsweise ein Außenverteidiger plötzlich gleichzeitig Breite und Tiefe kontrollieren soll.
Dann sieht am Ende häufig der Verteidiger schlecht aus, obwohl der eigentliche Fehler zehn oder zwanzig Meter weiter vorne entstanden ist.
Genau deshalb würde ich unsere Defensive momentan auch nicht isoliert anhand der Namen bewerten.
Viel interessanter finde ich beispielsweise die Besetzung des Zentrums.
Mit Onyedika haben wir im Grunde nur einen klassischen absichernden Mittelfeldspieler aufgestellt. Davor beziehungsweise daneben bewegen sich Spieler, deren natürliche Orientierung wesentlich offensiver ist.
Das kann sehr attraktiv sein, weil man viele Spieler zwischen und hinter die gegnerischen Linien bekommt. Gleichzeitig erzeugt diese Struktur aber eine enorme Verantwortung für Onyedika.
Wenn die Außenverteidiger Höhe geben und gleichzeitig mehrere offensive Spieler vor dem Ball positioniert sind, muss nach Ballverlust die erste Gegenpressingaktion sitzen. Tut sie das nicht, wird der Sechser zum Feuerwehrmann für eine Fläche, die ein einzelner Spieler überhaupt nicht kontrollieren kann.
Und genau hier liegt für mich einer der Schlüssel für die zwei Gesichter.
Solange unser Gegenpressing in Halbzeit eins Zugriff hatte, funktionierte diese mutige Besetzung. Augsburg kam kaum in Situationen, in denen unsere Restverteidigung offen verteidigen musste. Wir konnten Ballverluste häufig bereits im ersten oder zweiten Zugriff auffangen und Augsburg damit daran hindern, überhaupt kontrolliert in unsere letzte Linie zu kommen.
Genau darin liegt aber gleichzeitig die Fragilität dieses Ansatzes: Wird die erste Gegenpressinglinie überspielt, fehlt uns aktuell noch zu häufig der zweite Zugriff. Dann wird aus einer aggressiven Vorwärtsverteidigung innerhalb weniger Sekunden eine offene Rückwärtsbewegung.
Und dann reden wir plötzlich nicht mehr über Pressing, sondern über Notverteidigung.
Das ist für mich momentan einer der wesentlichen Punkte.
Denn eine Mannschaft, die hoch verteidigen möchte, muss nach einem überspielten Pressing sehr schnell erkennen, ob sie weiterhin Zugriff herstellen kann oder ob sie abbrechen, Tiefe sichern und sich neu organisieren muss.
Genau diese Entscheidungsfindung funktioniert noch nicht zuverlässig.
Und hier wird es für mich nach dem Augsburger Doppelschlag besonders interessant.
Nach einem Gegentor gibt es bei einer hoch verteidigenden Mannschaft grundsätzlich verschiedene Möglichkeiten. Ich kann meine Höhe beibehalten, benötige dann aber sofort wieder maximalen Druck auf den Ball. Oder ich nehme vorübergehend einige Meter heraus, verdichte zunächst das Zentrum, sichere Tiefe und stelle wieder Kontrolle her.
Was nicht funktioniert, ist die Zwischenlösung:
Vorne weiterhin attackieren wollen, während hinten bereits vorsichtiger verteidigt wird.
Genau dann verliert eine Mannschaft ihre vertikale Kompaktheit.
Die erste Linie presst, das Mittelfeld kommt nicht mehr sauber hinterher, die letzte Linie beginnt aufgrund fehlenden Balldrucks tiefer zu denken – und plötzlich entstehen zwischen den Mannschaftsteilen Räume, die vorher überhaupt nicht vorhanden waren.
Dann sieht es von außen schnell nach fehlender Mentalität oder individueller Qualität aus. In Wirklichkeit hat die Mannschaft aber zunächst ihre gemeinsame Raumordnung verloren.
Und damit bin ich auch bei der viel diskutierten Mentalität.
Mir ist die Gleichung „Rasmus und Theate weg = Mentalität weg“ deutlich zu einfach.
Bei Rasmus kann ich das aufgrund seiner Präsenz, Emotionalität und Zweikampfführung durchaus nachvollziehen. Bei Theate sehe ich das wesentlich kritischer. Seine aggressive Art zu verteidigen, seine Körpersprache und die Verbindung zu den Fans haben dieses Bild sicherlich begünstigt.
Nur ist das für mich nicht automatisch Führungsqualität.
Ein Abwehrchef definiert sich nicht darüber, wie spektakulär er einen Zweikampf führt oder wie sehr seine Art beim Publikum ankommt.
Er definiert sich vor allem über Steuerung.
Höhe der Kette vorgeben. Herausrücken kommandieren. Rückwärtspressing einfordern. Abstände korrigieren. Mitspieler verschieben. Nach Überspielen des Pressings erkennen, wann nicht mehr nach vorne verteidigt werden darf, sondern zunächst Raum gesichert und verzögert werden muss.
Gerade in der vergangenen Saison habe ich Theate nicht dauerhaft als diesen großen ordnenden Stabilisator wahrgenommen, als der er rückblickend gerade teilweise dargestellt wird.
Unser Problem gegen Augsburg war deshalb für mich auch nicht: „Uns fehlt Theate.“
Unser Problem war, dass nach dem Bruch im Spiel die kollektive Pressinglogik verloren ging.
Und genau dort sehe ich momentan Hütters größte Baustelle.
Für mich ist deshalb beispielsweise auch die Konstellation Götze/Onyedika wesentlich interessanter als die reflexartige Forderung nach dem nächsten Innenverteidiger.
Götze kann einem Spiel über seine Orientierung, sein Freilaufverhalten, seine Passwinkel und seine Fähigkeit, Drucksituationen spielerisch aufzulösen, enorme Qualität geben. Er ist aber naturgemäß kein zweiter Onyedika, der im defensiven Umschalten große Räume schließt.
Wenn ich diese Konstellation spielen möchte, muss ich strukturell dafür sorgen, dass entweder ein Außenverteidiger in der Restverteidigung tiefer bleibt, ein offensiver Achter nach Ballverlust sofort einrückt oder meine Gegenpressingstruktur so eng ist, dass der Gegner den ersten Pass nach Ballgewinn gar nicht sauber spielen kann.
Ansonsten entsteht hinter fünf oder sechs Spielern eine Fläche, die kaum noch kontrollierbar ist.
Das ist keine Kritik an Götze. Das ist eine Frage der Rollenkompatibilität.
Und genau deshalb finde ich auch Baum und Kosugi wesentlich interessanter, als sie momentan teilweise dargestellt werden.
Die Frage sollte nicht sein, ob beide heute bereits dieselbe defensive Sicherheit besitzen wie ein Außenverteidiger mit 150 Bundesligaspielen.
Die Frage muss lauten, welche Funktionen sie innerhalb von Hütters Spielmodell übernehmen sollen.
Beide können Dynamik erzeugen und Höhe geben. Dadurch kann die Breite über die Außenverteidiger hergestellt werden und offensive Spieler können enger in den Halbräumen positioniert werden. Das wiederum schafft andere Passwinkel, andere Anschlussaktionen und bessere Voraussetzungen für Überladungen.
Aber jede offensive Freiheit erzeugt irgendwo eine defensive Verpflichtung.
Wenn Baum hochschiebt, muss sein Rücken abgesichert werden. Wenn Kosugi auf der anderen Seite gleichzeitig Höhe gibt, verändert sich die gesamte Restverteidigung. Dann muss entweder Onyedika Räume vor beziehungsweise zwischen den Innenverteidigern schließen oder ein ballferner Spieler frühzeitig einrücken.
Deshalb interessiert mich auch nicht besonders, ob Baum am dritten Spieltag mal einen Zweikampf verliert.
Mich interessiert, ob die Absicherungsmechanismen um Baum herum in sechs Wochen besser funktionieren.
Genau dort zeigt sich Entwicklung.
Und aus diesem Grund gefällt mir der kleinere Kader grundsätzlich sogar.
Hütter muss gerade keine Ansammlung von Einzelspielern verwalten. Er muss eine gemeinsame Rauminterpretation entwickeln.
Pressinghöhe, Pressingtrigger, Rückwärtspressing, ballfernes Einrücken, Anschlussdruck, Tiefensicherung, Restverteidigung und das Verhalten nach Überspielen der ersten Linie entstehen nicht dadurch, dass man sie einmal auf eine Taktiktafel malt.
Sie entstehen durch Wiederholung.
Und dafür brauche ich Trainingskonstanz, klare Rollen und Spieler, die regelmäßig miteinander arbeiten.
Insofern sehe ich das Transferfenster sportlich auch nicht ausschließlich über die Frage: Wer ersetzt Theate? Wer ersetzt Rasmus? Wer ersetzt Spieler X?
Gute Kaderplanung bedeutet nicht zwingend, jedes abgegebene Profil eins zu eins durch dasselbe Profil zu ersetzen.
Man kann auch das Spielmodell verändern, weil die vorhandenen Spieler andere Stärken besitzen.
Das bedeutet ausdrücklich nicht, dass ich dieses Transferfenster für perfekt halte. Mir ist der Sturm quantitativ ebenfalls etwas dünn. Eine weitere defensive Option hätte ich auch genommen.
Aber Risiko und schlechte Kaderplanung sind für mich zwei verschiedene Dinge.
Genauso muss man zwischen Kaderplanung, individueller Form und Trainerentscheidungen unterscheiden.
Wenn Koch momentan nicht seine beste Form erreicht oder die letzte Linie nicht ausreichend führt, ist das ein Thema.
Wenn Hütter eine Zentrumsbesetzung wählt, die im defensiven Umschalten nicht funktioniert, ist das ein Thema.
Wenn ein junger Außenverteidiger einen individuellen Fehler macht, ist das ein Thema.
Aber aus drei unterschiedlichen Problemen automatisch ein einziges „Krösche hat den Kader schlecht zusammengestellt“ zu machen, ist mir deutlich zu simpel.
Kaderqualität, individuelle Form und taktische Umsetzung sind drei verschiedene Dinge.
Ähnlich sehe ich es offensiv.
Was uns gegenüber früheren Mannschaften möglicherweise tatsächlich fehlt, ist ein bestimmtes Profil: Spieler, die aus einer zunächst neutralen oder sogar schlecht vorbereiteten Situation über ein Tempodribbling selbstständig Raumgewinn herstellen und damit eine komplette gegnerische Linie überspielen.
Solche Spieler können strukturelle Unsauberkeiten kaschieren.
Fehlt diese individuelle Dynamik, muss ich Chancen anders vorbereiten.
Dann brauche ich saubere Halbraumbesetzung, Überladungen, Gegenbewegungen, dritte-Mann-Läufe, besseres Freiziehen von Räumen und vor allem Anschlussaktionen, nachdem eine gegnerische Linie überspielt wurde.
Dann muss der Gegner über Positionsspiel bewegt werden, anstatt darauf zu hoffen, dass ein Einzelspieler aus dem Stand Unordnung erzeugt.
Das benötigt deutlich mehr Abstimmung.
Deshalb halte ich auch Aussagen wie „Doan bringt keinen Output“ für viel zu eindimensional. Der Wert eines Spielers innerhalb eines Positionsangriffs bemisst sich nicht ausschließlich daran, wer am Ende Tor oder Assist bekommt. Entscheidend kann genauso sein, ob seine Positionierung einen Gegenspieler bindet, einen Halbraum öffnet, einen Passweg erzeugt oder die nächste Aktion vorbereitet.
Und damit komme ich wieder zu den „zwei Gesichtern“.
Für mich war Halbzeit eins nicht einfach gut und Halbzeit zwei einfach schlecht.
Halbzeit eins hat gezeigt, unter welchen strukturellen Bedingungen Hütters Idee funktionieren kann.
Halbzeit zwei hat gezeigt, wie fragil diese Bedingungen momentan noch sind, sobald der erste Zugriff verloren geht.
Das ist für mich ein wesentlich interessanterer Befund als die pauschale Aussage, der Mannschaft fehle Qualität.
Denn individuelle Qualität kann ich im Wesentlichen nur über Personal verändern.
Strukturelle Stabilität kann ich trainieren.
Und genau deshalb würde ich jetzt auch nicht hektisch irgendeinen Spieler verpflichten, nur weil wir sieben Gegentore in zwei Spielen bekommen haben.
Wenn wir in sechs oder acht Wochen noch immer dieselben Probleme haben, wenn unser Gegenpressing nach Überspielen der ersten Linie weiterhin keinen zweiten Zugriff besitzt, die Restverteidigung regelmäßig in Gleichzahl oder Unterzahl gerät, die Abstände zwischen den Linien nicht stimmen und Hütter keine Balance für seine Zentrumsbesetzung findet, dann haben wir ein strukturelles Problem, über das man sehr ernsthaft reden muss.
Momentan sehe ich aber zunächst einen Trainer, der versucht, die Mannschaft höher und proaktiver verteidigen zu lassen, gleichzeitig viele technisch starke Spieler auf den Platz bringen möchte und dafür bewusst Risiko in der Absicherung akzeptiert.
Seine Aufgabe besteht jetzt darin, dieses Risiko kontrollierbar zu machen.
Und genau deshalb bin ich auch vorsichtig mit dem Anspruchsdenken von uns Fans.
Natürlich darf jeder kritisieren. Ich mache das selbst. Aber nur weil jemand seit 20 Jahren Mitglied ist, eine Dauerkarte besitzt, Eintritt bezahlt oder jedes zweite Wochenende hunderte Kilometer auswärts fährt, besitzt er dadurch weder ein größeres Mitspracherecht bei sportlichen Entscheidungen noch automatisch eine höhere fachliche Kompetenz.
All diese Dinge tun wir freiwillig, weil wir Eintracht unterstützen und diesen Verein lieben.
Daraus entsteht aber kein Anspruch darauf, dass die sportliche Leitung den Kader nach unseren Vorstellungen zusammenstellt.
Eine Eintrittskarte ist eine Eintrittskarte und kein Anteilsschein an der Kaderplanung.
Wir kennen weder sämtliche Transferoptionen noch interne Gespräche, Trainingswerte, medizinische Daten, definierte Spielerprofile, finanzielle Grenzen oder die taktischen Überlegungen hinter einzelnen Personalentscheidungen.
Deshalb unterscheide ich ziemlich deutlich zwischen:
„Ich halte diese Entscheidung für falsch.“
und
„Ich weiß, dass diese Entscheidung falsch ist.“
Ersteres ist Kritik. Zweiteres setzt Informationen voraus, die wir Außenstehenden schlicht nicht besitzen.
Und genau deshalb würde ich nach zwei Bundesligaspielen weder die Kaderplanung abfeiern noch sie beerdigen.
Für mich lautet die entscheidende Frage nach Augsburg nicht:
„Wen hätte Krösche noch kaufen müssen?“
Sondern:
Warum konnte dieselbe Mannschaft Augsburg zunächst kontrollieren und verlor anschließend innerhalb kürzester Zeit ihre komplette Zugriffskontrolle?
Wenn Hütter darauf eine Antwort findet, verschwinden möglicherweise einige der momentan diskutierten vermeintlichen Kaderprobleme ganz von selbst.
Wenn er sie nicht findet, werden wir irgendwann ganz andere Diskussionen führen müssen.
Aber genau daran würde ich diese Mannschaft in den kommenden Wochen messen:
Nicht daran, ob jeder junge Spieler sofort fehlerfrei funktioniert. Nicht daran, ob nach zwei Spieltagen irgendeine Tabelle unseren Erwartungen entspricht.
Sondern daran, ob aus individuellem Verteidigen wieder kollektives Verteidigen wird, ob nach dem ersten verlorenen Zugriff ein zweiter entsteht, ob die Restverteidigung sauberer organisiert wird, ob die Abstände unter gegnerischem Druck stabil bleiben und ob diese Mannschaft lernt, nach einem Wirkungstreffer nicht ihre komplette Raumordnung zu verlieren.
Dann werden aus den zwei Gesichtern irgendwann nicht deshalb eines, weil plötzlich bessere Einzelspieler auf dem Platz stehen – sondern weil elf Spieler anfangen, dieselben Situationen gleich zu interpretieren.
Und genau das ist am Ende Trainerarbeit.
Danke dir. Freut mich. 🙂
Danke dir. Freut mich. 🙂
Du darfst mir gerne deine Ansicht nennen. Dann können wir uns gerne diesbezüglich austauschen 🙂 so, wie es sich für ein Forum gehört 😉
Würde ich gerne machen, im Moment hab ich da leider die Energie nicht für, die das verdienen würde und es geht im Forumskontext wirklich nur um Kleinigkeiten, war vlt. unklar ausgedrückt.
In Relation zur hier vorherrschenden Hysterie sind wir de facto deckungsgleich.
Verstehe ich. Dann müssen wir das jetzt auch nicht künstlich auseinandernehmen. 😁 Wenn es im Grunde nur um ein paar Nuancen geht, sind wir in der Sache ja ziemlich nah beieinander.
Und gerade bei der aktuell teilweise völlig überdrehten Stimmung im Forum ist das ja schon fast wohltuend. 😉
Würde ich gerne machen, im Moment hab ich da leider die Energie nicht für, die das verdienen würde und es geht im Forumskontext wirklich nur um Kleinigkeiten, war vlt. unklar ausgedrückt.
In Relation zur hier vorherrschenden Hysterie sind wir de facto deckungsgleich.
Verstehe ich. Dann müssen wir das jetzt auch nicht künstlich auseinandernehmen. 😁 Wenn es im Grunde nur um ein paar Nuancen geht, sind wir in der Sache ja ziemlich nah beieinander.
Und gerade bei der aktuell teilweise völlig überdrehten Stimmung im Forum ist das ja schon fast wohltuend. 😉
Künstlich auseinandernehmen finde ich auch unnötig, wenngleich durchaus verlockend. 🧐
Hütter möchte proaktiv verteidigen. Das war in der ersten Halbzeit auch ziemlich deutlich zu erkennen. Interessant war dabei für mich weniger unser Ballbesitz als vielmehr die Positionierung gegen den Ball und unmittelbar nach Ballverlust.
Wir haben Augsburg häufig mit einer hohen letzten Linie verteidigt und versucht, den Raum bereits weit vor unserem eigenen Strafraum zu kontrollieren. Entscheidend dafür war das konsequente Nachschieben. Sobald Augsburg auf eine Seite gelenkt wurde, konnte die ballnahe Seite verdichten, während die letzte Linie aggressiv Anschluss gehalten hat.
Dadurch waren die vertikalen Abstände klein. Und genau das ist wichtig, weil ein Ballverlust dann nicht zwangsläufig sofort verteidigt werden muss, sondern zunächst gegengepresst werden kann.
Deshalb sah unsere Defensive in der ersten Halbzeit für mich auch wesentlich stabiler aus. Nicht weil Baum, Koch, Brassier oder Kosugi plötzlich individuell bessere Verteidiger waren, sondern weil sie wesentlich seltener isoliert verteidigen mussten.
Das ist ein elementarer Unterschied.
Eine Viererkette verteidigt nicht unabhängig vom Rest der Mannschaft. Wenn die Abstände zwischen Angriff, Mittelfeld und letzter Linie stimmen, kann ich nach Ballverlust sofort Anschlussdruck herstellen. Werden diese Abstände zu groß, entstehen Laufduelle, offene Halbräume und Situationen, in denen beispielsweise ein Außenverteidiger plötzlich gleichzeitig Breite und Tiefe kontrollieren soll.
Dann sieht am Ende häufig der Verteidiger schlecht aus, obwohl der eigentliche Fehler zehn oder zwanzig Meter weiter vorne entstanden ist.
Genau deshalb würde ich unsere Defensive momentan auch nicht isoliert anhand der Namen bewerten.
Viel interessanter finde ich beispielsweise die Besetzung des Zentrums.
Mit Onyedika haben wir im Grunde nur einen klassischen absichernden Mittelfeldspieler aufgestellt. Davor beziehungsweise daneben bewegen sich Spieler, deren natürliche Orientierung wesentlich offensiver ist.
Das kann sehr attraktiv sein, weil man viele Spieler zwischen und hinter die gegnerischen Linien bekommt. Gleichzeitig erzeugt diese Struktur aber eine enorme Verantwortung für Onyedika.
Wenn die Außenverteidiger Höhe geben und gleichzeitig mehrere offensive Spieler vor dem Ball positioniert sind, muss nach Ballverlust die erste Gegenpressingaktion sitzen. Tut sie das nicht, wird der Sechser zum Feuerwehrmann für eine Fläche, die ein einzelner Spieler überhaupt nicht kontrollieren kann.
Und genau hier liegt für mich einer der Schlüssel für die zwei Gesichter.
Solange unser Gegenpressing in Halbzeit eins Zugriff hatte, funktionierte diese mutige Besetzung. Augsburg kam kaum in Situationen, in denen unsere Restverteidigung offen verteidigen musste. Wir konnten Ballverluste häufig bereits im ersten oder zweiten Zugriff auffangen und Augsburg damit daran hindern, überhaupt kontrolliert in unsere letzte Linie zu kommen.
Genau darin liegt aber gleichzeitig die Fragilität dieses Ansatzes: Wird die erste Gegenpressinglinie überspielt, fehlt uns aktuell noch zu häufig der zweite Zugriff. Dann wird aus einer aggressiven Vorwärtsverteidigung innerhalb weniger Sekunden eine offene Rückwärtsbewegung.
Und dann reden wir plötzlich nicht mehr über Pressing, sondern über Notverteidigung.
Das ist für mich momentan einer der wesentlichen Punkte.
Denn eine Mannschaft, die hoch verteidigen möchte, muss nach einem überspielten Pressing sehr schnell erkennen, ob sie weiterhin Zugriff herstellen kann oder ob sie abbrechen, Tiefe sichern und sich neu organisieren muss.
Genau diese Entscheidungsfindung funktioniert noch nicht zuverlässig.
Und hier wird es für mich nach dem Augsburger Doppelschlag besonders interessant.
Nach einem Gegentor gibt es bei einer hoch verteidigenden Mannschaft grundsätzlich verschiedene Möglichkeiten. Ich kann meine Höhe beibehalten, benötige dann aber sofort wieder maximalen Druck auf den Ball. Oder ich nehme vorübergehend einige Meter heraus, verdichte zunächst das Zentrum, sichere Tiefe und stelle wieder Kontrolle her.
Was nicht funktioniert, ist die Zwischenlösung:
Vorne weiterhin attackieren wollen, während hinten bereits vorsichtiger verteidigt wird.
Genau dann verliert eine Mannschaft ihre vertikale Kompaktheit.
Die erste Linie presst, das Mittelfeld kommt nicht mehr sauber hinterher, die letzte Linie beginnt aufgrund fehlenden Balldrucks tiefer zu denken – und plötzlich entstehen zwischen den Mannschaftsteilen Räume, die vorher überhaupt nicht vorhanden waren.
Dann sieht es von außen schnell nach fehlender Mentalität oder individueller Qualität aus. In Wirklichkeit hat die Mannschaft aber zunächst ihre gemeinsame Raumordnung verloren.
Und damit bin ich auch bei der viel diskutierten Mentalität.
Mir ist die Gleichung „Rasmus und Theate weg = Mentalität weg“ deutlich zu einfach.
Bei Rasmus kann ich das aufgrund seiner Präsenz, Emotionalität und Zweikampfführung durchaus nachvollziehen. Bei Theate sehe ich das wesentlich kritischer. Seine aggressive Art zu verteidigen, seine Körpersprache und die Verbindung zu den Fans haben dieses Bild sicherlich begünstigt.
Nur ist das für mich nicht automatisch Führungsqualität.
Ein Abwehrchef definiert sich nicht darüber, wie spektakulär er einen Zweikampf führt oder wie sehr seine Art beim Publikum ankommt.
Er definiert sich vor allem über Steuerung.
Höhe der Kette vorgeben. Herausrücken kommandieren. Rückwärtspressing einfordern. Abstände korrigieren. Mitspieler verschieben. Nach Überspielen des Pressings erkennen, wann nicht mehr nach vorne verteidigt werden darf, sondern zunächst Raum gesichert und verzögert werden muss.
Gerade in der vergangenen Saison habe ich Theate nicht dauerhaft als diesen großen ordnenden Stabilisator wahrgenommen, als der er rückblickend gerade teilweise dargestellt wird.
Unser Problem gegen Augsburg war deshalb für mich auch nicht: „Uns fehlt Theate.“
Unser Problem war, dass nach dem Bruch im Spiel die kollektive Pressinglogik verloren ging.
Und genau dort sehe ich momentan Hütters größte Baustelle.
Für mich ist deshalb beispielsweise auch die Konstellation Götze/Onyedika wesentlich interessanter als die reflexartige Forderung nach dem nächsten Innenverteidiger.
Götze kann einem Spiel über seine Orientierung, sein Freilaufverhalten, seine Passwinkel und seine Fähigkeit, Drucksituationen spielerisch aufzulösen, enorme Qualität geben. Er ist aber naturgemäß kein zweiter Onyedika, der im defensiven Umschalten große Räume schließt.
Wenn ich diese Konstellation spielen möchte, muss ich strukturell dafür sorgen, dass entweder ein Außenverteidiger in der Restverteidigung tiefer bleibt, ein offensiver Achter nach Ballverlust sofort einrückt oder meine Gegenpressingstruktur so eng ist, dass der Gegner den ersten Pass nach Ballgewinn gar nicht sauber spielen kann.
Ansonsten entsteht hinter fünf oder sechs Spielern eine Fläche, die kaum noch kontrollierbar ist.
Das ist keine Kritik an Götze. Das ist eine Frage der Rollenkompatibilität.
Und genau deshalb finde ich auch Baum und Kosugi wesentlich interessanter, als sie momentan teilweise dargestellt werden.
Die Frage sollte nicht sein, ob beide heute bereits dieselbe defensive Sicherheit besitzen wie ein Außenverteidiger mit 150 Bundesligaspielen.
Die Frage muss lauten, welche Funktionen sie innerhalb von Hütters Spielmodell übernehmen sollen.
Beide können Dynamik erzeugen und Höhe geben. Dadurch kann die Breite über die Außenverteidiger hergestellt werden und offensive Spieler können enger in den Halbräumen positioniert werden. Das wiederum schafft andere Passwinkel, andere Anschlussaktionen und bessere Voraussetzungen für Überladungen.
Aber jede offensive Freiheit erzeugt irgendwo eine defensive Verpflichtung.
Wenn Baum hochschiebt, muss sein Rücken abgesichert werden. Wenn Kosugi auf der anderen Seite gleichzeitig Höhe gibt, verändert sich die gesamte Restverteidigung. Dann muss entweder Onyedika Räume vor beziehungsweise zwischen den Innenverteidigern schließen oder ein ballferner Spieler frühzeitig einrücken.
Deshalb interessiert mich auch nicht besonders, ob Baum am dritten Spieltag mal einen Zweikampf verliert.
Mich interessiert, ob die Absicherungsmechanismen um Baum herum in sechs Wochen besser funktionieren.
Genau dort zeigt sich Entwicklung.
Und aus diesem Grund gefällt mir der kleinere Kader grundsätzlich sogar.
Hütter muss gerade keine Ansammlung von Einzelspielern verwalten. Er muss eine gemeinsame Rauminterpretation entwickeln.
Pressinghöhe, Pressingtrigger, Rückwärtspressing, ballfernes Einrücken, Anschlussdruck, Tiefensicherung, Restverteidigung und das Verhalten nach Überspielen der ersten Linie entstehen nicht dadurch, dass man sie einmal auf eine Taktiktafel malt.
Sie entstehen durch Wiederholung.
Und dafür brauche ich Trainingskonstanz, klare Rollen und Spieler, die regelmäßig miteinander arbeiten.
Insofern sehe ich das Transferfenster sportlich auch nicht ausschließlich über die Frage: Wer ersetzt Theate? Wer ersetzt Rasmus? Wer ersetzt Spieler X?
Gute Kaderplanung bedeutet nicht zwingend, jedes abgegebene Profil eins zu eins durch dasselbe Profil zu ersetzen.
Man kann auch das Spielmodell verändern, weil die vorhandenen Spieler andere Stärken besitzen.
Das bedeutet ausdrücklich nicht, dass ich dieses Transferfenster für perfekt halte. Mir ist der Sturm quantitativ ebenfalls etwas dünn. Eine weitere defensive Option hätte ich auch genommen.
Aber Risiko und schlechte Kaderplanung sind für mich zwei verschiedene Dinge.
Genauso muss man zwischen Kaderplanung, individueller Form und Trainerentscheidungen unterscheiden.
Wenn Koch momentan nicht seine beste Form erreicht oder die letzte Linie nicht ausreichend führt, ist das ein Thema.
Wenn Hütter eine Zentrumsbesetzung wählt, die im defensiven Umschalten nicht funktioniert, ist das ein Thema.
Wenn ein junger Außenverteidiger einen individuellen Fehler macht, ist das ein Thema.
Aber aus drei unterschiedlichen Problemen automatisch ein einziges „Krösche hat den Kader schlecht zusammengestellt“ zu machen, ist mir deutlich zu simpel.
Kaderqualität, individuelle Form und taktische Umsetzung sind drei verschiedene Dinge.
Ähnlich sehe ich es offensiv.
Was uns gegenüber früheren Mannschaften möglicherweise tatsächlich fehlt, ist ein bestimmtes Profil: Spieler, die aus einer zunächst neutralen oder sogar schlecht vorbereiteten Situation über ein Tempodribbling selbstständig Raumgewinn herstellen und damit eine komplette gegnerische Linie überspielen.
Solche Spieler können strukturelle Unsauberkeiten kaschieren.
Fehlt diese individuelle Dynamik, muss ich Chancen anders vorbereiten.
Dann brauche ich saubere Halbraumbesetzung, Überladungen, Gegenbewegungen, dritte-Mann-Läufe, besseres Freiziehen von Räumen und vor allem Anschlussaktionen, nachdem eine gegnerische Linie überspielt wurde.
Dann muss der Gegner über Positionsspiel bewegt werden, anstatt darauf zu hoffen, dass ein Einzelspieler aus dem Stand Unordnung erzeugt.
Das benötigt deutlich mehr Abstimmung.
Deshalb halte ich auch Aussagen wie „Doan bringt keinen Output“ für viel zu eindimensional. Der Wert eines Spielers innerhalb eines Positionsangriffs bemisst sich nicht ausschließlich daran, wer am Ende Tor oder Assist bekommt. Entscheidend kann genauso sein, ob seine Positionierung einen Gegenspieler bindet, einen Halbraum öffnet, einen Passweg erzeugt oder die nächste Aktion vorbereitet.
Und damit komme ich wieder zu den „zwei Gesichtern“.
Für mich war Halbzeit eins nicht einfach gut und Halbzeit zwei einfach schlecht.
Halbzeit eins hat gezeigt, unter welchen strukturellen Bedingungen Hütters Idee funktionieren kann.
Halbzeit zwei hat gezeigt, wie fragil diese Bedingungen momentan noch sind, sobald der erste Zugriff verloren geht.
Das ist für mich ein wesentlich interessanterer Befund als die pauschale Aussage, der Mannschaft fehle Qualität.
Denn individuelle Qualität kann ich im Wesentlichen nur über Personal verändern.
Strukturelle Stabilität kann ich trainieren.
Und genau deshalb würde ich jetzt auch nicht hektisch irgendeinen Spieler verpflichten, nur weil wir sieben Gegentore in zwei Spielen bekommen haben.
Wenn wir in sechs oder acht Wochen noch immer dieselben Probleme haben, wenn unser Gegenpressing nach Überspielen der ersten Linie weiterhin keinen zweiten Zugriff besitzt, die Restverteidigung regelmäßig in Gleichzahl oder Unterzahl gerät, die Abstände zwischen den Linien nicht stimmen und Hütter keine Balance für seine Zentrumsbesetzung findet, dann haben wir ein strukturelles Problem, über das man sehr ernsthaft reden muss.
Momentan sehe ich aber zunächst einen Trainer, der versucht, die Mannschaft höher und proaktiver verteidigen zu lassen, gleichzeitig viele technisch starke Spieler auf den Platz bringen möchte und dafür bewusst Risiko in der Absicherung akzeptiert.
Seine Aufgabe besteht jetzt darin, dieses Risiko kontrollierbar zu machen.
Und genau deshalb bin ich auch vorsichtig mit dem Anspruchsdenken von uns Fans.
Natürlich darf jeder kritisieren. Ich mache das selbst. Aber nur weil jemand seit 20 Jahren Mitglied ist, eine Dauerkarte besitzt, Eintritt bezahlt oder jedes zweite Wochenende hunderte Kilometer auswärts fährt, besitzt er dadurch weder ein größeres Mitspracherecht bei sportlichen Entscheidungen noch automatisch eine höhere fachliche Kompetenz.
All diese Dinge tun wir freiwillig, weil wir Eintracht unterstützen und diesen Verein lieben.
Daraus entsteht aber kein Anspruch darauf, dass die sportliche Leitung den Kader nach unseren Vorstellungen zusammenstellt.
Eine Eintrittskarte ist eine Eintrittskarte und kein Anteilsschein an der Kaderplanung.
Wir kennen weder sämtliche Transferoptionen noch interne Gespräche, Trainingswerte, medizinische Daten, definierte Spielerprofile, finanzielle Grenzen oder die taktischen Überlegungen hinter einzelnen Personalentscheidungen.
Deshalb unterscheide ich ziemlich deutlich zwischen:
„Ich halte diese Entscheidung für falsch.“
und
„Ich weiß, dass diese Entscheidung falsch ist.“
Ersteres ist Kritik. Zweiteres setzt Informationen voraus, die wir Außenstehenden schlicht nicht besitzen.
Und genau deshalb würde ich nach zwei Bundesligaspielen weder die Kaderplanung abfeiern noch sie beerdigen.
Für mich lautet die entscheidende Frage nach Augsburg nicht:
„Wen hätte Krösche noch kaufen müssen?“
Sondern:
Warum konnte dieselbe Mannschaft Augsburg zunächst kontrollieren und verlor anschließend innerhalb kürzester Zeit ihre komplette Zugriffskontrolle?
Wenn Hütter darauf eine Antwort findet, verschwinden möglicherweise einige der momentan diskutierten vermeintlichen Kaderprobleme ganz von selbst.
Wenn er sie nicht findet, werden wir irgendwann ganz andere Diskussionen führen müssen.
Aber genau daran würde ich diese Mannschaft in den kommenden Wochen messen:
Nicht daran, ob jeder junge Spieler sofort fehlerfrei funktioniert. Nicht daran, ob nach zwei Spieltagen irgendeine Tabelle unseren Erwartungen entspricht.
Sondern daran, ob aus individuellem Verteidigen wieder kollektives Verteidigen wird, ob nach dem ersten verlorenen Zugriff ein zweiter entsteht, ob die Restverteidigung sauberer organisiert wird, ob die Abstände unter gegnerischem Druck stabil bleiben und ob diese Mannschaft lernt, nach einem Wirkungstreffer nicht ihre komplette Raumordnung zu verlieren.
Dann werden aus den zwei Gesichtern irgendwann nicht deshalb eines, weil plötzlich bessere Einzelspieler auf dem Platz stehen – sondern weil elf Spieler anfangen, dieselben Situationen gleich zu interpretieren.
Und genau das ist am Ende Trainerarbeit.
Die sge sollte erwägen, Dich als Taktik Berater ins Team aufzunehmen 😎👍
Aber immerhin scheint die UEFA-Pro-Lizenz-Ausbildung langsam ihre Früchte zu tragen. 😂
Bis dahin muss eben das Forum mit meinen taktischen Ergüssen leben. 😁
Danke dir! 👍
Die sge sollte erwägen, Dich als Taktik Berater ins Team aufzunehmen 😎👍
Aber immerhin scheint die UEFA-Pro-Lizenz-Ausbildung langsam ihre Früchte zu tragen. 😂
Bis dahin muss eben das Forum mit meinen taktischen Ergüssen leben. 😁
Danke dir! 👍
Hütter möchte proaktiv verteidigen. Das war in der ersten Halbzeit auch ziemlich deutlich zu erkennen. Interessant war dabei für mich weniger unser Ballbesitz als vielmehr die Positionierung gegen den Ball und unmittelbar nach Ballverlust.
Wir haben Augsburg häufig mit einer hohen letzten Linie verteidigt und versucht, den Raum bereits weit vor unserem eigenen Strafraum zu kontrollieren. Entscheidend dafür war das konsequente Nachschieben. Sobald Augsburg auf eine Seite gelenkt wurde, konnte die ballnahe Seite verdichten, während die letzte Linie aggressiv Anschluss gehalten hat.
Dadurch waren die vertikalen Abstände klein. Und genau das ist wichtig, weil ein Ballverlust dann nicht zwangsläufig sofort verteidigt werden muss, sondern zunächst gegengepresst werden kann.
Deshalb sah unsere Defensive in der ersten Halbzeit für mich auch wesentlich stabiler aus. Nicht weil Baum, Koch, Brassier oder Kosugi plötzlich individuell bessere Verteidiger waren, sondern weil sie wesentlich seltener isoliert verteidigen mussten.
Das ist ein elementarer Unterschied.
Eine Viererkette verteidigt nicht unabhängig vom Rest der Mannschaft. Wenn die Abstände zwischen Angriff, Mittelfeld und letzter Linie stimmen, kann ich nach Ballverlust sofort Anschlussdruck herstellen. Werden diese Abstände zu groß, entstehen Laufduelle, offene Halbräume und Situationen, in denen beispielsweise ein Außenverteidiger plötzlich gleichzeitig Breite und Tiefe kontrollieren soll.
Dann sieht am Ende häufig der Verteidiger schlecht aus, obwohl der eigentliche Fehler zehn oder zwanzig Meter weiter vorne entstanden ist.
Genau deshalb würde ich unsere Defensive momentan auch nicht isoliert anhand der Namen bewerten.
Viel interessanter finde ich beispielsweise die Besetzung des Zentrums.
Mit Onyedika haben wir im Grunde nur einen klassischen absichernden Mittelfeldspieler aufgestellt. Davor beziehungsweise daneben bewegen sich Spieler, deren natürliche Orientierung wesentlich offensiver ist.
Das kann sehr attraktiv sein, weil man viele Spieler zwischen und hinter die gegnerischen Linien bekommt. Gleichzeitig erzeugt diese Struktur aber eine enorme Verantwortung für Onyedika.
Wenn die Außenverteidiger Höhe geben und gleichzeitig mehrere offensive Spieler vor dem Ball positioniert sind, muss nach Ballverlust die erste Gegenpressingaktion sitzen. Tut sie das nicht, wird der Sechser zum Feuerwehrmann für eine Fläche, die ein einzelner Spieler überhaupt nicht kontrollieren kann.
Und genau hier liegt für mich einer der Schlüssel für die zwei Gesichter.
Solange unser Gegenpressing in Halbzeit eins Zugriff hatte, funktionierte diese mutige Besetzung. Augsburg kam kaum in Situationen, in denen unsere Restverteidigung offen verteidigen musste. Wir konnten Ballverluste häufig bereits im ersten oder zweiten Zugriff auffangen und Augsburg damit daran hindern, überhaupt kontrolliert in unsere letzte Linie zu kommen.
Genau darin liegt aber gleichzeitig die Fragilität dieses Ansatzes: Wird die erste Gegenpressinglinie überspielt, fehlt uns aktuell noch zu häufig der zweite Zugriff. Dann wird aus einer aggressiven Vorwärtsverteidigung innerhalb weniger Sekunden eine offene Rückwärtsbewegung.
Und dann reden wir plötzlich nicht mehr über Pressing, sondern über Notverteidigung.
Das ist für mich momentan einer der wesentlichen Punkte.
Denn eine Mannschaft, die hoch verteidigen möchte, muss nach einem überspielten Pressing sehr schnell erkennen, ob sie weiterhin Zugriff herstellen kann oder ob sie abbrechen, Tiefe sichern und sich neu organisieren muss.
Genau diese Entscheidungsfindung funktioniert noch nicht zuverlässig.
Und hier wird es für mich nach dem Augsburger Doppelschlag besonders interessant.
Nach einem Gegentor gibt es bei einer hoch verteidigenden Mannschaft grundsätzlich verschiedene Möglichkeiten. Ich kann meine Höhe beibehalten, benötige dann aber sofort wieder maximalen Druck auf den Ball. Oder ich nehme vorübergehend einige Meter heraus, verdichte zunächst das Zentrum, sichere Tiefe und stelle wieder Kontrolle her.
Was nicht funktioniert, ist die Zwischenlösung:
Vorne weiterhin attackieren wollen, während hinten bereits vorsichtiger verteidigt wird.
Genau dann verliert eine Mannschaft ihre vertikale Kompaktheit.
Die erste Linie presst, das Mittelfeld kommt nicht mehr sauber hinterher, die letzte Linie beginnt aufgrund fehlenden Balldrucks tiefer zu denken – und plötzlich entstehen zwischen den Mannschaftsteilen Räume, die vorher überhaupt nicht vorhanden waren.
Dann sieht es von außen schnell nach fehlender Mentalität oder individueller Qualität aus. In Wirklichkeit hat die Mannschaft aber zunächst ihre gemeinsame Raumordnung verloren.
Und damit bin ich auch bei der viel diskutierten Mentalität.
Mir ist die Gleichung „Rasmus und Theate weg = Mentalität weg“ deutlich zu einfach.
Bei Rasmus kann ich das aufgrund seiner Präsenz, Emotionalität und Zweikampfführung durchaus nachvollziehen. Bei Theate sehe ich das wesentlich kritischer. Seine aggressive Art zu verteidigen, seine Körpersprache und die Verbindung zu den Fans haben dieses Bild sicherlich begünstigt.
Nur ist das für mich nicht automatisch Führungsqualität.
Ein Abwehrchef definiert sich nicht darüber, wie spektakulär er einen Zweikampf führt oder wie sehr seine Art beim Publikum ankommt.
Er definiert sich vor allem über Steuerung.
Höhe der Kette vorgeben. Herausrücken kommandieren. Rückwärtspressing einfordern. Abstände korrigieren. Mitspieler verschieben. Nach Überspielen des Pressings erkennen, wann nicht mehr nach vorne verteidigt werden darf, sondern zunächst Raum gesichert und verzögert werden muss.
Gerade in der vergangenen Saison habe ich Theate nicht dauerhaft als diesen großen ordnenden Stabilisator wahrgenommen, als der er rückblickend gerade teilweise dargestellt wird.
Unser Problem gegen Augsburg war deshalb für mich auch nicht: „Uns fehlt Theate.“
Unser Problem war, dass nach dem Bruch im Spiel die kollektive Pressinglogik verloren ging.
Und genau dort sehe ich momentan Hütters größte Baustelle.
Für mich ist deshalb beispielsweise auch die Konstellation Götze/Onyedika wesentlich interessanter als die reflexartige Forderung nach dem nächsten Innenverteidiger.
Götze kann einem Spiel über seine Orientierung, sein Freilaufverhalten, seine Passwinkel und seine Fähigkeit, Drucksituationen spielerisch aufzulösen, enorme Qualität geben. Er ist aber naturgemäß kein zweiter Onyedika, der im defensiven Umschalten große Räume schließt.
Wenn ich diese Konstellation spielen möchte, muss ich strukturell dafür sorgen, dass entweder ein Außenverteidiger in der Restverteidigung tiefer bleibt, ein offensiver Achter nach Ballverlust sofort einrückt oder meine Gegenpressingstruktur so eng ist, dass der Gegner den ersten Pass nach Ballgewinn gar nicht sauber spielen kann.
Ansonsten entsteht hinter fünf oder sechs Spielern eine Fläche, die kaum noch kontrollierbar ist.
Das ist keine Kritik an Götze. Das ist eine Frage der Rollenkompatibilität.
Und genau deshalb finde ich auch Baum und Kosugi wesentlich interessanter, als sie momentan teilweise dargestellt werden.
Die Frage sollte nicht sein, ob beide heute bereits dieselbe defensive Sicherheit besitzen wie ein Außenverteidiger mit 150 Bundesligaspielen.
Die Frage muss lauten, welche Funktionen sie innerhalb von Hütters Spielmodell übernehmen sollen.
Beide können Dynamik erzeugen und Höhe geben. Dadurch kann die Breite über die Außenverteidiger hergestellt werden und offensive Spieler können enger in den Halbräumen positioniert werden. Das wiederum schafft andere Passwinkel, andere Anschlussaktionen und bessere Voraussetzungen für Überladungen.
Aber jede offensive Freiheit erzeugt irgendwo eine defensive Verpflichtung.
Wenn Baum hochschiebt, muss sein Rücken abgesichert werden. Wenn Kosugi auf der anderen Seite gleichzeitig Höhe gibt, verändert sich die gesamte Restverteidigung. Dann muss entweder Onyedika Räume vor beziehungsweise zwischen den Innenverteidigern schließen oder ein ballferner Spieler frühzeitig einrücken.
Deshalb interessiert mich auch nicht besonders, ob Baum am dritten Spieltag mal einen Zweikampf verliert.
Mich interessiert, ob die Absicherungsmechanismen um Baum herum in sechs Wochen besser funktionieren.
Genau dort zeigt sich Entwicklung.
Und aus diesem Grund gefällt mir der kleinere Kader grundsätzlich sogar.
Hütter muss gerade keine Ansammlung von Einzelspielern verwalten. Er muss eine gemeinsame Rauminterpretation entwickeln.
Pressinghöhe, Pressingtrigger, Rückwärtspressing, ballfernes Einrücken, Anschlussdruck, Tiefensicherung, Restverteidigung und das Verhalten nach Überspielen der ersten Linie entstehen nicht dadurch, dass man sie einmal auf eine Taktiktafel malt.
Sie entstehen durch Wiederholung.
Und dafür brauche ich Trainingskonstanz, klare Rollen und Spieler, die regelmäßig miteinander arbeiten.
Insofern sehe ich das Transferfenster sportlich auch nicht ausschließlich über die Frage: Wer ersetzt Theate? Wer ersetzt Rasmus? Wer ersetzt Spieler X?
Gute Kaderplanung bedeutet nicht zwingend, jedes abgegebene Profil eins zu eins durch dasselbe Profil zu ersetzen.
Man kann auch das Spielmodell verändern, weil die vorhandenen Spieler andere Stärken besitzen.
Das bedeutet ausdrücklich nicht, dass ich dieses Transferfenster für perfekt halte. Mir ist der Sturm quantitativ ebenfalls etwas dünn. Eine weitere defensive Option hätte ich auch genommen.
Aber Risiko und schlechte Kaderplanung sind für mich zwei verschiedene Dinge.
Genauso muss man zwischen Kaderplanung, individueller Form und Trainerentscheidungen unterscheiden.
Wenn Koch momentan nicht seine beste Form erreicht oder die letzte Linie nicht ausreichend führt, ist das ein Thema.
Wenn Hütter eine Zentrumsbesetzung wählt, die im defensiven Umschalten nicht funktioniert, ist das ein Thema.
Wenn ein junger Außenverteidiger einen individuellen Fehler macht, ist das ein Thema.
Aber aus drei unterschiedlichen Problemen automatisch ein einziges „Krösche hat den Kader schlecht zusammengestellt“ zu machen, ist mir deutlich zu simpel.
Kaderqualität, individuelle Form und taktische Umsetzung sind drei verschiedene Dinge.
Ähnlich sehe ich es offensiv.
Was uns gegenüber früheren Mannschaften möglicherweise tatsächlich fehlt, ist ein bestimmtes Profil: Spieler, die aus einer zunächst neutralen oder sogar schlecht vorbereiteten Situation über ein Tempodribbling selbstständig Raumgewinn herstellen und damit eine komplette gegnerische Linie überspielen.
Solche Spieler können strukturelle Unsauberkeiten kaschieren.
Fehlt diese individuelle Dynamik, muss ich Chancen anders vorbereiten.
Dann brauche ich saubere Halbraumbesetzung, Überladungen, Gegenbewegungen, dritte-Mann-Läufe, besseres Freiziehen von Räumen und vor allem Anschlussaktionen, nachdem eine gegnerische Linie überspielt wurde.
Dann muss der Gegner über Positionsspiel bewegt werden, anstatt darauf zu hoffen, dass ein Einzelspieler aus dem Stand Unordnung erzeugt.
Das benötigt deutlich mehr Abstimmung.
Deshalb halte ich auch Aussagen wie „Doan bringt keinen Output“ für viel zu eindimensional. Der Wert eines Spielers innerhalb eines Positionsangriffs bemisst sich nicht ausschließlich daran, wer am Ende Tor oder Assist bekommt. Entscheidend kann genauso sein, ob seine Positionierung einen Gegenspieler bindet, einen Halbraum öffnet, einen Passweg erzeugt oder die nächste Aktion vorbereitet.
Und damit komme ich wieder zu den „zwei Gesichtern“.
Für mich war Halbzeit eins nicht einfach gut und Halbzeit zwei einfach schlecht.
Halbzeit eins hat gezeigt, unter welchen strukturellen Bedingungen Hütters Idee funktionieren kann.
Halbzeit zwei hat gezeigt, wie fragil diese Bedingungen momentan noch sind, sobald der erste Zugriff verloren geht.
Das ist für mich ein wesentlich interessanterer Befund als die pauschale Aussage, der Mannschaft fehle Qualität.
Denn individuelle Qualität kann ich im Wesentlichen nur über Personal verändern.
Strukturelle Stabilität kann ich trainieren.
Und genau deshalb würde ich jetzt auch nicht hektisch irgendeinen Spieler verpflichten, nur weil wir sieben Gegentore in zwei Spielen bekommen haben.
Wenn wir in sechs oder acht Wochen noch immer dieselben Probleme haben, wenn unser Gegenpressing nach Überspielen der ersten Linie weiterhin keinen zweiten Zugriff besitzt, die Restverteidigung regelmäßig in Gleichzahl oder Unterzahl gerät, die Abstände zwischen den Linien nicht stimmen und Hütter keine Balance für seine Zentrumsbesetzung findet, dann haben wir ein strukturelles Problem, über das man sehr ernsthaft reden muss.
Momentan sehe ich aber zunächst einen Trainer, der versucht, die Mannschaft höher und proaktiver verteidigen zu lassen, gleichzeitig viele technisch starke Spieler auf den Platz bringen möchte und dafür bewusst Risiko in der Absicherung akzeptiert.
Seine Aufgabe besteht jetzt darin, dieses Risiko kontrollierbar zu machen.
Und genau deshalb bin ich auch vorsichtig mit dem Anspruchsdenken von uns Fans.
Natürlich darf jeder kritisieren. Ich mache das selbst. Aber nur weil jemand seit 20 Jahren Mitglied ist, eine Dauerkarte besitzt, Eintritt bezahlt oder jedes zweite Wochenende hunderte Kilometer auswärts fährt, besitzt er dadurch weder ein größeres Mitspracherecht bei sportlichen Entscheidungen noch automatisch eine höhere fachliche Kompetenz.
All diese Dinge tun wir freiwillig, weil wir Eintracht unterstützen und diesen Verein lieben.
Daraus entsteht aber kein Anspruch darauf, dass die sportliche Leitung den Kader nach unseren Vorstellungen zusammenstellt.
Eine Eintrittskarte ist eine Eintrittskarte und kein Anteilsschein an der Kaderplanung.
Wir kennen weder sämtliche Transferoptionen noch interne Gespräche, Trainingswerte, medizinische Daten, definierte Spielerprofile, finanzielle Grenzen oder die taktischen Überlegungen hinter einzelnen Personalentscheidungen.
Deshalb unterscheide ich ziemlich deutlich zwischen:
„Ich halte diese Entscheidung für falsch.“
und
„Ich weiß, dass diese Entscheidung falsch ist.“
Ersteres ist Kritik. Zweiteres setzt Informationen voraus, die wir Außenstehenden schlicht nicht besitzen.
Und genau deshalb würde ich nach zwei Bundesligaspielen weder die Kaderplanung abfeiern noch sie beerdigen.
Für mich lautet die entscheidende Frage nach Augsburg nicht:
„Wen hätte Krösche noch kaufen müssen?“
Sondern:
Warum konnte dieselbe Mannschaft Augsburg zunächst kontrollieren und verlor anschließend innerhalb kürzester Zeit ihre komplette Zugriffskontrolle?
Wenn Hütter darauf eine Antwort findet, verschwinden möglicherweise einige der momentan diskutierten vermeintlichen Kaderprobleme ganz von selbst.
Wenn er sie nicht findet, werden wir irgendwann ganz andere Diskussionen führen müssen.
Aber genau daran würde ich diese Mannschaft in den kommenden Wochen messen:
Nicht daran, ob jeder junge Spieler sofort fehlerfrei funktioniert. Nicht daran, ob nach zwei Spieltagen irgendeine Tabelle unseren Erwartungen entspricht.
Sondern daran, ob aus individuellem Verteidigen wieder kollektives Verteidigen wird, ob nach dem ersten verlorenen Zugriff ein zweiter entsteht, ob die Restverteidigung sauberer organisiert wird, ob die Abstände unter gegnerischem Druck stabil bleiben und ob diese Mannschaft lernt, nach einem Wirkungstreffer nicht ihre komplette Raumordnung zu verlieren.
Dann werden aus den zwei Gesichtern irgendwann nicht deshalb eines, weil plötzlich bessere Einzelspieler auf dem Platz stehen – sondern weil elf Spieler anfangen, dieselben Situationen gleich zu interpretieren.
Und genau das ist am Ende Trainerarbeit.
Die Frage ist, warum das passiert, wenn der Gegner mal glücklich ein Tor schießt oder sogar in 100 Sekunden 2 wie jetzt am Sonntag.
Nur das sehen wir von außen, und zwar schon seit letzter Saison, und jetzt haben wir im Vergleich zur letzten Saison sehr viele neue Spieler, wie Atubolu, Baum, Brassier, Kosug, Oneydika etc.
Die spielen quasi eine perfekte Halbzeit, Chancen selbst viele, Gegner eine per Freistoß.
Ich habe selbst geschrieben, dass ich die Diskussion, dass wir noch einen Stürmer brauchen oder weiteren Verteidiger nicht nachvollziehen kann. Denn das hat mE nichts mit der oben zu beantwortenden Frage zu tun. Du sagst es sei kein Mentalitätsproblem. Aber wenn immer leichter Gegenwind kommt die komplette Orientierung verloren geht, was ist es dann? Für mich bleibt das ein saisonübergreifendes Kopfproblem, und obwohl viele neue da sind, erleben wir seit Brentford ein Dauer Dejavu der letzten Rückrunde. Am Ende ist es mir auch egal wie man es nennt. Es ist nicht das grundsätzliche "Nichtkönnen", siehe Halbzeit 1, Gegner ohne Chance, es ist der rote Verhaltensfaden nach Gegenwind. Anstatt einfach mit dem weiterzumachen, was man gerade auf bestmögliche Weise über 45 Minuten gemacht hat, bricht das fragile Kartenhaus sofort wider zusammen.
Da bin ich gar nicht so weit weg von dir. Ich würde es nur etwas anders einordnen als unter dem großen Begriff „Mentalitätsproblem“.
Bei einer Mannschaft, die auf mehreren Positionen neu zusammengesetzt ist und zudem unter einem neuen Trainer andere Abläufe einstudiert, fehlen zunächst Automatismen.
Und die zeigen sich weniger dann, wenn ein Spiel läuft wie geplant, sondern genau in diesen Stressmomenten. Nach einem Gegentor müssen die Spieler eigentlich sofort wissen: Bleiben wir in unserer Pressinghöhe? Nehmen wir fünf Meter raus? Wer stellt Zugriff her? Wer sichert Tiefe? Wie bekommen wir die Abstände zwischen den Linien wieder kompakt?
Solange diese Abläufe noch nicht automatisiert sind, reicht ein Wirkungstreffer und plötzlich interpretiert jeder die Situation ein bisschen anders. Einer schiebt raus, der nächste bleibt, der Sechser hängt dazwischen – und innerhalb kürzester Zeit ist die komplette Ordnung weg.
Was mir dabei allerdings ebenfalls fehlt, ist Führung auf dem Platz. Nicht dieses gerne bemühte „Mentalitätsmonster“, weil einer laut ist oder sich nach einem Zweikampf auf die Brust klopft. Sondern ein Spieler, der erkennt, dass die Mannschaft gerade den Zugriff verliert und aktiv in die Spielsteuerung eingreift.
Nach dem 1:1 muss einer da sein, der das Spiel für zwei, drei Minuten herunterkühlt. Mannschaft zusammenziehen, Abstände verkürzen, nächste Aktionen simpel halten, vielleicht bewusst mal einen Angriff abbrechen und wieder über die Innenverteidiger aufbauen. Hauptsache, die Mannschaft bekommt wieder eine gemeinsame Ordnung.
Genau so einen Spielertyp wie Boateng damals vermisse ich. Der war nicht nur wegen seiner individuellen Qualität wichtig. Der hatte eine natürliche Autorität und konnte den Rhythmus und auch die emotionale Lage einer Mannschaft beeinflussen.
Im Moment fehlt uns diese Selbstregulation auf dem Platz. Sobald das Spiel kippt, brauchen wir gefühlt sofort Hilfe von außen. Eine wirklich stabile Mannschaft löst solche Phasen irgendwann selbst.
Deshalb würde ich es als Kombination sehen: fehlende Automatismen plus fehlende Führungsstruktur. Hütter muss ersteres entwickeln und gleichzeitig innerhalb der Mannschaft eine Hierarchie schaffen, die in solchen Phasen trägt.
Und da schaue ich durchaus auch auf Koch. Als Kapitän und zentraler Spieler der letzten Linie wäre er eigentlich einer derjenigen, die in genau solchen Momenten die Mannschaft führen und die Ordnung wiederherstellen müssten.
Denn bei einem Gegentor darfst du kurz wackeln. Was nicht passieren darf: Dass aus einem Wirkungstreffer innerhalb von Sekunden ein kompletter Kontrollverlust wird. Genau das passiert uns momentan viel zu schnell.
Die Frage ist, warum das passiert, wenn der Gegner mal glücklich ein Tor schießt oder sogar in 100 Sekunden 2 wie jetzt am Sonntag.
Nur das sehen wir von außen, und zwar schon seit letzter Saison, und jetzt haben wir im Vergleich zur letzten Saison sehr viele neue Spieler, wie Atubolu, Baum, Brassier, Kosug, Oneydika etc.
Die spielen quasi eine perfekte Halbzeit, Chancen selbst viele, Gegner eine per Freistoß.
Ich habe selbst geschrieben, dass ich die Diskussion, dass wir noch einen Stürmer brauchen oder weiteren Verteidiger nicht nachvollziehen kann. Denn das hat mE nichts mit der oben zu beantwortenden Frage zu tun. Du sagst es sei kein Mentalitätsproblem. Aber wenn immer leichter Gegenwind kommt die komplette Orientierung verloren geht, was ist es dann? Für mich bleibt das ein saisonübergreifendes Kopfproblem, und obwohl viele neue da sind, erleben wir seit Brentford ein Dauer Dejavu der letzten Rückrunde. Am Ende ist es mir auch egal wie man es nennt. Es ist nicht das grundsätzliche "Nichtkönnen", siehe Halbzeit 1, Gegner ohne Chance, es ist der rote Verhaltensfaden nach Gegenwind. Anstatt einfach mit dem weiterzumachen, was man gerade auf bestmögliche Weise über 45 Minuten gemacht hat, bricht das fragile Kartenhaus sofort wider zusammen.
Da bin ich gar nicht so weit weg von dir. Ich würde es nur etwas anders einordnen als unter dem großen Begriff „Mentalitätsproblem“.
Bei einer Mannschaft, die auf mehreren Positionen neu zusammengesetzt ist und zudem unter einem neuen Trainer andere Abläufe einstudiert, fehlen zunächst Automatismen.
Und die zeigen sich weniger dann, wenn ein Spiel läuft wie geplant, sondern genau in diesen Stressmomenten. Nach einem Gegentor müssen die Spieler eigentlich sofort wissen: Bleiben wir in unserer Pressinghöhe? Nehmen wir fünf Meter raus? Wer stellt Zugriff her? Wer sichert Tiefe? Wie bekommen wir die Abstände zwischen den Linien wieder kompakt?
Solange diese Abläufe noch nicht automatisiert sind, reicht ein Wirkungstreffer und plötzlich interpretiert jeder die Situation ein bisschen anders. Einer schiebt raus, der nächste bleibt, der Sechser hängt dazwischen – und innerhalb kürzester Zeit ist die komplette Ordnung weg.
Was mir dabei allerdings ebenfalls fehlt, ist Führung auf dem Platz. Nicht dieses gerne bemühte „Mentalitätsmonster“, weil einer laut ist oder sich nach einem Zweikampf auf die Brust klopft. Sondern ein Spieler, der erkennt, dass die Mannschaft gerade den Zugriff verliert und aktiv in die Spielsteuerung eingreift.
Nach dem 1:1 muss einer da sein, der das Spiel für zwei, drei Minuten herunterkühlt. Mannschaft zusammenziehen, Abstände verkürzen, nächste Aktionen simpel halten, vielleicht bewusst mal einen Angriff abbrechen und wieder über die Innenverteidiger aufbauen. Hauptsache, die Mannschaft bekommt wieder eine gemeinsame Ordnung.
Genau so einen Spielertyp wie Boateng damals vermisse ich. Der war nicht nur wegen seiner individuellen Qualität wichtig. Der hatte eine natürliche Autorität und konnte den Rhythmus und auch die emotionale Lage einer Mannschaft beeinflussen.
Im Moment fehlt uns diese Selbstregulation auf dem Platz. Sobald das Spiel kippt, brauchen wir gefühlt sofort Hilfe von außen. Eine wirklich stabile Mannschaft löst solche Phasen irgendwann selbst.
Deshalb würde ich es als Kombination sehen: fehlende Automatismen plus fehlende Führungsstruktur. Hütter muss ersteres entwickeln und gleichzeitig innerhalb der Mannschaft eine Hierarchie schaffen, die in solchen Phasen trägt.
Und da schaue ich durchaus auch auf Koch. Als Kapitän und zentraler Spieler der letzten Linie wäre er eigentlich einer derjenigen, die in genau solchen Momenten die Mannschaft führen und die Ordnung wiederherstellen müssten.
Denn bei einem Gegentor darfst du kurz wackeln. Was nicht passieren darf: Dass aus einem Wirkungstreffer innerhalb von Sekunden ein kompletter Kontrollverlust wird. Genau das passiert uns momentan viel zu schnell.
Wenn es lediglich ein Führungsproblem sein soll, und Koch das Gesicht dieses Problem ist, dann hat Adi zumindest schonmal eine schwerwiegende Fehlentscheidung getroffen. Das müsste dann wie auch immer angepasst werden, weil andernfalls das Problem weiterhin bestehen wird, mit der Folge, dass es größer wird. Wo letzteres enden wird, kann man sich nur zu gut vorstellen.
Wie dem auch sei, wir sehen von außen was passiert bzw nicht passiert. Adi muss die richtige Analyse machen, um den Turnaround zu schaffen. Spielerische Qualität, Stürmer die Tore schießen können, oder eine Mannschaft die grundsätzlich verteidigen kann, siehe Halbzeit 1, fehlen uns (ganz) gewiss nicht. Aber es fehlt etwas mit Gegenwind umzugehen.
Da bin ich gar nicht so weit weg von dir. Ich würde es nur etwas anders einordnen als unter dem großen Begriff „Mentalitätsproblem“.
Bei einer Mannschaft, die auf mehreren Positionen neu zusammengesetzt ist und zudem unter einem neuen Trainer andere Abläufe einstudiert, fehlen zunächst Automatismen.
Und die zeigen sich weniger dann, wenn ein Spiel läuft wie geplant, sondern genau in diesen Stressmomenten. Nach einem Gegentor müssen die Spieler eigentlich sofort wissen: Bleiben wir in unserer Pressinghöhe? Nehmen wir fünf Meter raus? Wer stellt Zugriff her? Wer sichert Tiefe? Wie bekommen wir die Abstände zwischen den Linien wieder kompakt?
Solange diese Abläufe noch nicht automatisiert sind, reicht ein Wirkungstreffer und plötzlich interpretiert jeder die Situation ein bisschen anders. Einer schiebt raus, der nächste bleibt, der Sechser hängt dazwischen – und innerhalb kürzester Zeit ist die komplette Ordnung weg.
Was mir dabei allerdings ebenfalls fehlt, ist Führung auf dem Platz. Nicht dieses gerne bemühte „Mentalitätsmonster“, weil einer laut ist oder sich nach einem Zweikampf auf die Brust klopft. Sondern ein Spieler, der erkennt, dass die Mannschaft gerade den Zugriff verliert und aktiv in die Spielsteuerung eingreift.
Nach dem 1:1 muss einer da sein, der das Spiel für zwei, drei Minuten herunterkühlt. Mannschaft zusammenziehen, Abstände verkürzen, nächste Aktionen simpel halten, vielleicht bewusst mal einen Angriff abbrechen und wieder über die Innenverteidiger aufbauen. Hauptsache, die Mannschaft bekommt wieder eine gemeinsame Ordnung.
Genau so einen Spielertyp wie Boateng damals vermisse ich. Der war nicht nur wegen seiner individuellen Qualität wichtig. Der hatte eine natürliche Autorität und konnte den Rhythmus und auch die emotionale Lage einer Mannschaft beeinflussen.
Im Moment fehlt uns diese Selbstregulation auf dem Platz. Sobald das Spiel kippt, brauchen wir gefühlt sofort Hilfe von außen. Eine wirklich stabile Mannschaft löst solche Phasen irgendwann selbst.
Deshalb würde ich es als Kombination sehen: fehlende Automatismen plus fehlende Führungsstruktur. Hütter muss ersteres entwickeln und gleichzeitig innerhalb der Mannschaft eine Hierarchie schaffen, die in solchen Phasen trägt.
Und da schaue ich durchaus auch auf Koch. Als Kapitän und zentraler Spieler der letzten Linie wäre er eigentlich einer derjenigen, die in genau solchen Momenten die Mannschaft führen und die Ordnung wiederherstellen müssten.
Denn bei einem Gegentor darfst du kurz wackeln. Was nicht passieren darf: Dass aus einem Wirkungstreffer innerhalb von Sekunden ein kompletter Kontrollverlust wird. Genau das passiert uns momentan viel zu schnell.
Wenn es lediglich ein Führungsproblem sein soll, und Koch das Gesicht dieses Problem ist, dann hat Adi zumindest schonmal eine schwerwiegende Fehlentscheidung getroffen. Das müsste dann wie auch immer angepasst werden, weil andernfalls das Problem weiterhin bestehen wird, mit der Folge, dass es größer wird. Wo letzteres enden wird, kann man sich nur zu gut vorstellen.
Wie dem auch sei, wir sehen von außen was passiert bzw nicht passiert. Adi muss die richtige Analyse machen, um den Turnaround zu schaffen. Spielerische Qualität, Stürmer die Tore schießen können, oder eine Mannschaft die grundsätzlich verteidigen kann, siehe Halbzeit 1, fehlen uns (ganz) gewiss nicht. Aber es fehlt etwas mit Gegenwind umzugehen.
Führung innerhalb einer Mannschaft funktioniert nicht nur über die Kapitänsbinde. Im Idealfall hast du auf unterschiedlichen Mannschaftsteilen Spieler, die Situationen erkennen und regulierend eingreifen. Koch gehört aufgrund seiner Position und Funktion sicherlich dazu und von ihm erwarte ich momentan mehr. Aber er kann das nicht alleine auffangen.
Was uns fehlt, ist für mich vor allem kollektive Resilienz. Eine stabile Mannschaft erkennt nach einem Wirkungstreffer, dass sich gerade die Spieldynamik verändert, und reagiert darauf. Abstände verkürzen, Pressinghöhe gegebenenfalls anpassen, Ballbesitz sichern, zwei oder drei einfache Aktionen spielen und erstmal wieder Kontrolle herstellen.
Genau das passiert bei uns momentan nicht. Wir versuchen nach dem Gegentor teilweise weiterzuspielen, als wäre nichts passiert, obwohl sich das Spiel längst verändert hat. Dann reichen ein oder zwei weitere unsaubere Aktionen und aus einem Gegentor wird innerhalb kürzester Zeit kompletter Kontrollverlust.
Da bin ich bei dir: Spielerische Qualität ist offensichtlich vorhanden. Halbzeit eins zeigt das ziemlich deutlich. Die spannende Aufgabe für Hütter ist jetzt weniger, den Jungs Fußball beizubringen, sondern dieser Mannschaft Mechanismen zu geben, mit denen sie Stressphasen selbstständig kontrollieren kann.
Und dafür braucht es beides: Automatismen und Spieler, die auf dem Platz erkennen, wann sie diese Automatismen auch mal bewusst verändern müssen.
Genau daran wird man in den nächsten Wochen ganz gut erkennen können, wie weit diese Mannschaft wirklich ist.
Verstehe ich. Dann müssen wir das jetzt auch nicht künstlich auseinandernehmen. 😁 Wenn es im Grunde nur um ein paar Nuancen geht, sind wir in der Sache ja ziemlich nah beieinander.
Und gerade bei der aktuell teilweise völlig überdrehten Stimmung im Forum ist das ja schon fast wohltuend. 😉
Künstlich auseinandernehmen finde ich auch unnötig, wenngleich durchaus verlockend. 🧐
Verlockend ist es definitiv. 😂 Aber wir müssen ja nicht aus jeder kleinen Meinungsabweichung einen 14-seitigen Forumsbürgerkrieg machen. 😁
Wenn es lediglich ein Führungsproblem sein soll, und Koch das Gesicht dieses Problem ist, dann hat Adi zumindest schonmal eine schwerwiegende Fehlentscheidung getroffen. Das müsste dann wie auch immer angepasst werden, weil andernfalls das Problem weiterhin bestehen wird, mit der Folge, dass es größer wird. Wo letzteres enden wird, kann man sich nur zu gut vorstellen.
Wie dem auch sei, wir sehen von außen was passiert bzw nicht passiert. Adi muss die richtige Analyse machen, um den Turnaround zu schaffen. Spielerische Qualität, Stürmer die Tore schießen können, oder eine Mannschaft die grundsätzlich verteidigen kann, siehe Halbzeit 1, fehlen uns (ganz) gewiss nicht. Aber es fehlt etwas mit Gegenwind umzugehen.
Führung innerhalb einer Mannschaft funktioniert nicht nur über die Kapitänsbinde. Im Idealfall hast du auf unterschiedlichen Mannschaftsteilen Spieler, die Situationen erkennen und regulierend eingreifen. Koch gehört aufgrund seiner Position und Funktion sicherlich dazu und von ihm erwarte ich momentan mehr. Aber er kann das nicht alleine auffangen.
Was uns fehlt, ist für mich vor allem kollektive Resilienz. Eine stabile Mannschaft erkennt nach einem Wirkungstreffer, dass sich gerade die Spieldynamik verändert, und reagiert darauf. Abstände verkürzen, Pressinghöhe gegebenenfalls anpassen, Ballbesitz sichern, zwei oder drei einfache Aktionen spielen und erstmal wieder Kontrolle herstellen.
Genau das passiert bei uns momentan nicht. Wir versuchen nach dem Gegentor teilweise weiterzuspielen, als wäre nichts passiert, obwohl sich das Spiel längst verändert hat. Dann reichen ein oder zwei weitere unsaubere Aktionen und aus einem Gegentor wird innerhalb kürzester Zeit kompletter Kontrollverlust.
Da bin ich bei dir: Spielerische Qualität ist offensichtlich vorhanden. Halbzeit eins zeigt das ziemlich deutlich. Die spannende Aufgabe für Hütter ist jetzt weniger, den Jungs Fußball beizubringen, sondern dieser Mannschaft Mechanismen zu geben, mit denen sie Stressphasen selbstständig kontrollieren kann.
Und dafür braucht es beides: Automatismen und Spieler, die auf dem Platz erkennen, wann sie diese Automatismen auch mal bewusst verändern müssen.
Genau daran wird man in den nächsten Wochen ganz gut erkennen können, wie weit diese Mannschaft wirklich ist.
Was für ein Problem es am Ende wirklich ist, wird Adi herausfinden müssen. Genau das ist sein Job. Dass das Problem nicht ein eindimensionales sein wird, ist sehr wahrscheinlich.
Ob es tatsächlich "nur" eine sich findende Führungshierarchie + Automatismen sein sollen, will ich nicht ausschließen. Da sich aber in der gesamten letzten Saison keine geeignete Führungshierarchie herausstellen konnte, und Automatismen eigentlich aus der Vorsaison gegeben sein mussten, lässt an dieser Theorie bei mir Zweifel bestehen. Vielleicht ist es aber zumindest ein Teil der Wahrheit. Was für mich auf jeden Fall klar ist, und das war es auch schon bei Dino oder Riera. Für eine funktionierende Mannschaft trägt der Trainer die Hauptverantwortung. Das Thema ist für mich also auf jeden Fall: Adi Job. Ausreden gelten nicht. Ob da ein weiterer Spieler mehr schön gewesen wäre oder sich nicht. Gegen Union und vor allem gegen Augsburg darfst du die Spiele niemals so aus der Hand geben.
Du beschreibst es sehr gut und ausführlich.
Ich würde sogar etwas weiter gehen.
Und genau hierfür werde ich jetzt wahrscheinlich Kritik einstecken müssen.
Aktuell Frage ich mich, ist Hütter der falsche Trainer zur falschen Zeit!
Nicht falsch verstehen. Hütter ist ein toller Trainer. Aber wie ich schon vor der Saison sagte, schon bei seinem letzten Engament gab es das Problem mit vielen Gegentoren und da war die Abwehr besser besetzt. Jetzt sollen wir mit dieser Abwehr offensiv weiter spielen.
In meinen Augen ist das Harakiri.
Gerade wenn wir es nicht schaffen, wie am Wochenende unsere vielen Chancen zu nutzen.
Nicht falsch verstehen, ich mag es wenn wir offensiv spielen, aber aktuell muss der sportliche Erfolg im Vordergrund stehen um der negativen Spirale nicht zu viel Power zu geben.
Und hier sage ich klar. Wir sollten jetzt ein Spielsystem spielen, mit ruhigem, kontrolliertem Aufbau und definitiv defensiver stehen.
Nicht nur wildes nach vorne rennen.
Ja Hütter hat das auch verlangt, das man die Defensive sichert, aber trotzdem ist es deutlich zu offensiv. Soll es halt mal 60 bis 70 Minuten langweiliger Fussball sein in dem es 0zu0 steht und dann schlagen wir zu oder retten den Punkt.
Ich glaube auch, das würde Kosugi, Baum, Koch, Brassier helfen sich zu finden und stabilisieren.
Ist doch kein Wunder, das die hier total überfordert sind.
Man muss sich mal überlegen.
Koch ist zu langsam für diese offensive Absicherung.
Brassier, Baum, Kosugi versuchen erstmal anzukommen in der BL.
Das kann doch nur schief gehen.
Ganz ehrlich, aktuell würde ich mir Funkel als Trainer für unser Team wünschen.
Der würde aktuell mehr Punkte rausholen, mit so einer wackligen Defensive.
Du kannst meiner Meinung nach mit so einer Defensive Hütters Powerfußball nach vorne nicht sehr erfolgreich umsetzen.
Hätten wir Leute wie Abraham, Hinteregger, Ndicka, Tuta Kostic usw. Im Team ist das was anderes. Aber so wird das meiner Meinung nach nichts.
Künstlich auseinandernehmen finde ich auch unnötig, wenngleich durchaus verlockend. 🧐
Verlockend ist es definitiv. 😂 Aber wir müssen ja nicht aus jeder kleinen Meinungsabweichung einen 14-seitigen Forumsbürgerkrieg machen. 😁
Nein, das wäre nicht wirklich intelligent. ☝️
Verlockend ist es definitiv. 😂 Aber wir müssen ja nicht aus jeder kleinen Meinungsabweichung einen 14-seitigen Forumsbürgerkrieg machen. 😁
Nein, das wäre nicht wirklich intelligent. ☝️
Führung innerhalb einer Mannschaft funktioniert nicht nur über die Kapitänsbinde. Im Idealfall hast du auf unterschiedlichen Mannschaftsteilen Spieler, die Situationen erkennen und regulierend eingreifen. Koch gehört aufgrund seiner Position und Funktion sicherlich dazu und von ihm erwarte ich momentan mehr. Aber er kann das nicht alleine auffangen.
Was uns fehlt, ist für mich vor allem kollektive Resilienz. Eine stabile Mannschaft erkennt nach einem Wirkungstreffer, dass sich gerade die Spieldynamik verändert, und reagiert darauf. Abstände verkürzen, Pressinghöhe gegebenenfalls anpassen, Ballbesitz sichern, zwei oder drei einfache Aktionen spielen und erstmal wieder Kontrolle herstellen.
Genau das passiert bei uns momentan nicht. Wir versuchen nach dem Gegentor teilweise weiterzuspielen, als wäre nichts passiert, obwohl sich das Spiel längst verändert hat. Dann reichen ein oder zwei weitere unsaubere Aktionen und aus einem Gegentor wird innerhalb kürzester Zeit kompletter Kontrollverlust.
Da bin ich bei dir: Spielerische Qualität ist offensichtlich vorhanden. Halbzeit eins zeigt das ziemlich deutlich. Die spannende Aufgabe für Hütter ist jetzt weniger, den Jungs Fußball beizubringen, sondern dieser Mannschaft Mechanismen zu geben, mit denen sie Stressphasen selbstständig kontrollieren kann.
Und dafür braucht es beides: Automatismen und Spieler, die auf dem Platz erkennen, wann sie diese Automatismen auch mal bewusst verändern müssen.
Genau daran wird man in den nächsten Wochen ganz gut erkennen können, wie weit diese Mannschaft wirklich ist.
Was für ein Problem es am Ende wirklich ist, wird Adi herausfinden müssen. Genau das ist sein Job. Dass das Problem nicht ein eindimensionales sein wird, ist sehr wahrscheinlich.
Ob es tatsächlich "nur" eine sich findende Führungshierarchie + Automatismen sein sollen, will ich nicht ausschließen. Da sich aber in der gesamten letzten Saison keine geeignete Führungshierarchie herausstellen konnte, und Automatismen eigentlich aus der Vorsaison gegeben sein mussten, lässt an dieser Theorie bei mir Zweifel bestehen. Vielleicht ist es aber zumindest ein Teil der Wahrheit. Was für mich auf jeden Fall klar ist, und das war es auch schon bei Dino oder Riera. Für eine funktionierende Mannschaft trägt der Trainer die Hauptverantwortung. Das Thema ist für mich also auf jeden Fall: Adi Job. Ausreden gelten nicht. Ob da ein weiterer Spieler mehr schön gewesen wäre oder sich nicht. Gegen Union und vor allem gegen Augsburg darfst du die Spiele niemals so aus der Hand geben.
Wie im sonstigen Leben auch, richtig.
Bei Koch würde ich Hütters Entscheidung deshalb auch nicht isoliert danach bewerten, ob er für uns von außen wie der ideale Kapitän wirkt. So eine Entscheidung hat immer auch eine gruppenpsychologische Komponente.
Hütter übernimmt eine Mannschaft, die ohnehin einen größeren Umbruch hinter sich hat. Wenn er Koch dann direkt die Binde nimmt, verändert er nicht nur einen Namen auf dem Spielberichtsbogen, sondern setzt innerhalb der Kabine ein ziemlich deutliches Signal: Die bisherige Hierarchie gilt nicht mehr. Das kann funktionieren und neue Kräfte freisetzen. Es kann aber genauso einen Spieler beschädigen, der innerhalb der Gruppe möglicherweise wesentlich mehr Anerkennung besitzt, als wir von außen wahrnehmen.
Insofern kann ich durchaus nachvollziehen, warum Hütter Koch zunächst bestätigt hat. Er schafft damit erstmal Kontinuität in einer Mannschaft, in der ohnehin genügend andere Rollen neu verteilt werden müssen. Und er gibt Koch gleichzeitig Vertrauen und Verantwortung, statt ihn durch eine öffentliche Degradierung gleich zu Beginn zu schwächen. Gerade bei einem Spieler, der zuletzt selbst nicht seine beste Phase hatte, kann das psychologisch sogar ganz bewusst gewählt sein: Du bleibst mein Kapitän, ich traue dir zu, wieder diese Rolle auszufüllen.
Die Kehrseite gibt es natürlich auch. Vertrauen darf nicht dazu führen, dass eine Hierarchie nur deshalb konserviert wird, weil sie schon vorhanden war. Wenn sich herausstellt, dass Koch in diesen kritischen Phasen weder kommunikativ noch spielerisch die notwendige Orientierung geben kann, muss Hütter irgendwann korrigieren. Kapitän sollte keine Besitzstandswahrung sein.
Ich persönlich hätte mich übrigens wahrscheinlich für Burkardt entschieden. Nicht weil Koch deshalb ein schlechter Kapitän sein muss, sondern weil Burkardt für mich eher das Profil mitbringt, um eine neue Mannschaft zu verkörpern: Präsenz, Verantwortungsbereitschaft, Intensität und eine gewisse natürliche Wirkung auf Mitspieler. Gerade in einem Umbruch hätte ich damit vielleicht bewusst eine neue Hierarchie angestoßen.
Trotzdem verstehe ich, warum Hütter den anderen Weg gewählt hat. Koch abzusetzen wäre ebenfalls eine Entscheidung mit möglichen Nebenwirkungen gewesen. Manchmal ist es für einen neuen Trainer sinnvoller, eine bestehende Hierarchie zunächst zu beobachten und erst dann einzugreifen, statt am ersten Tag sämtliche Machtstrukturen neu zu sortieren.
Viel interessanter wird deshalb sein, was jetzt innerhalb dieser Mannschaft entsteht. Denn am Ende hilft dir auch der beste Kapitän wenig, wenn bei Gegenwind alle zehn anderen auf ihn warten. Eine funktionierende Mannschaft braucht mehrere Führungspunkte auf dem Platz.
Und genau daran muss Hütter jetzt arbeiten. Gegen Union und Augsburg hat man gesehen, dass uns in diesen Stressphasen noch Spieler fehlen, die das Spiel von innen heraus regulieren. Bleibt das über Wochen so, muss er irgendwann personell oder innerhalb der Hierarchie reagieren.
Was für ein Problem es am Ende wirklich ist, wird Adi herausfinden müssen. Genau das ist sein Job. Dass das Problem nicht ein eindimensionales sein wird, ist sehr wahrscheinlich.
Ob es tatsächlich "nur" eine sich findende Führungshierarchie + Automatismen sein sollen, will ich nicht ausschließen. Da sich aber in der gesamten letzten Saison keine geeignete Führungshierarchie herausstellen konnte, und Automatismen eigentlich aus der Vorsaison gegeben sein mussten, lässt an dieser Theorie bei mir Zweifel bestehen. Vielleicht ist es aber zumindest ein Teil der Wahrheit. Was für mich auf jeden Fall klar ist, und das war es auch schon bei Dino oder Riera. Für eine funktionierende Mannschaft trägt der Trainer die Hauptverantwortung. Das Thema ist für mich also auf jeden Fall: Adi Job. Ausreden gelten nicht. Ob da ein weiterer Spieler mehr schön gewesen wäre oder sich nicht. Gegen Union und vor allem gegen Augsburg darfst du die Spiele niemals so aus der Hand geben.
Wie im sonstigen Leben auch, richtig.
Mit Marmoush und später Ekitiké hatten wir Spieler, die strukturell unsaubere Situationen durch individuelle Dynamik lösen konnten. Ballgewinn, vertikaler Pass, 30 Meter Raumgewinn – damit überspielst du zwei Linien und kaschierst natürlich einiges.
Willst du dagegen so hoch und dominant spielen wie Hütter momentan, muss bereits bei eigenem Ballbesitz die Restverteidigung stimmen. Und da sehe ich aktuell unsere größte Baustelle.
Bei deinem Punkt, dem Gegner auch mal den Ball zu geben, würde ich deshalb etwas anders rangehen. Es geht weniger darum, freiwillig den Ball abzugeben, sondern zu erkennen, wann ein Angriff nicht sauber vorbereitet ist. Dann eben nochmal zurück, Gegner bewegen, Abstände herstellen und neu aufbauen. Nicht jedes offene Passfenster muss vertikal bespielt werden.
Uzun ist dafür ein gutes Beispiel. Natürlich verliert der Bälle. Das muss er sogar dürfen, wenn ich möchte, dass er zwischen den Linien aufdreht und Risiko eingeht.
Entscheidend ist, wie wir hinter seinem Ballverlust gestaffelt sind. Steht Onyedika richtig? Ist der ballferne Außenverteidiger eingerückt? Haben wir sofort Druck auf den Ball? Und wenn der erste Zugriff überspielt wird: Wer stellt den zweiten her?
Genau dieser zweite Zugriff fehlt mir momentan.
Und deshalb sehe ich auch die 70-Meter-Rückwärtssprints etwas anders. Wenn meine Spieler regelmäßig solche Wege machen müssen, ist das nicht nur eine Frage von Fitness oder Einsatz. Dann stimmt vorher meistens schon etwas in der Restverteidigung nicht.
Gegen Augsburg war das nach der Pause gut zu sehen. Vorne wurde teilweise weiterhin aggressiv angelaufen, während hinten nicht mehr konsequent nachgeschoben wurde. Damit verlierst du die vertikale Kompaktheit, das Mittelfeld hängt dazwischen und Onyedika soll plötzlich Räume kontrollieren, die ein einzelner Sechser gar nicht kontrollieren kann.
Am Ende sieht dann Baum, Kosugi oder ein Innenverteidiger schlecht aus, obwohl der eigentliche Fehler deutlich früher entstanden ist.
Bei den jungen Spielern bin ich deshalb bei dir. Denen muss keiner mehr die Grundlagen erklären. Die müssen lernen, diese Situationen auf Bundesliganiveau gemeinsam gleich zu interpretieren: Wann schiebe ich nach? Wann sichere ich Tiefe? Wann breche ich das Pressing ab? Wer übernimmt den Rücken des Außenverteidigers?
Das ist für mich auch Hütters eigentliche Aufgabe. Die erste Halbzeit hat gezeigt, dass seine Idee funktionieren kann. Die zweite hat gezeigt, wie fragil sie noch ist, sobald der erste Zugriff verloren geht.
Und genau daran würde ich die Entwicklung messen: Restverteidigung, zweiter Zugriff, Abstände und Spielsteuerung.
Denn das Entscheidende ist nicht, ob diese Mannschaft Fußball spielen kann. Das kann sie. Sie muss lernen zu erkennen, wann sie welchen Fußball spielen muss.
Ich denke die SGE hat auch genug Analysten um alles im Detail zu wissen. Problem, bei uns hat das Team keine Zeit. Wir sind nicht Freiburg, wo ein neuer Trainer Zeit bekommt. Die Fans haben eine Erwartungshaltung und klar der Kader ist im wert immer noch gut aber bekanntlich heißt das nicht viel. Die Presse versucht abos zu generieren (anders kann man es nicht mehr nennen).
Hütter weiß worauf er sich eingelassen hat, aber leider ist es ausgerechnet dieses Jahr kein guter Spielplan für uns. Wir haben die Teams unter Platz 7 am Anfang.
Ich hoffe in Mainz das Ding dreckig zu gewinnen, Hütter braucht jetzt jede Woche mit dem Team um es hinzubekommen.
Man muss auch sagen, wir hatten gestern sehr viel Pech. So ein Elfer wurde bspw auch schon mal gepfiffen und das 3 und 4 Tor passiert auch nicht alle Tage.
Bei einem Punkt sehe ich es etwas anders: Ich glaube schon, dass Hütter intern die notwendige Zeit bekommen wird. Vielleicht denken wir da zu sehr in den üblichen Mechanismen des Profifußballs.
Denn wenn man Hütter jetzt diesen Kader gibt und ihn bei einer schwierigen Hinrunde direkt wieder entlässt, wäre die Trainerfrage irgendwann gar nicht mehr die entscheidende. Dann würde sich zwangsläufig die Frage stellen, wer diesen Kader zusammengestellt und innerhalb kürzester Zeit erneut den Trainer wechseln müsste. Spätestens dann würde der Druck auf Krösche eine ganz andere Dimension erreichen.
Zumal Hütter für die jetzige Kaderstruktur bisher am wenigsten kann. Er übernimmt einen größeren Umbruch, muss mehrere junge Spieler integrieren, eine neue Hierarchie entwickeln und gleichzeitig seine Spielidee implementieren. Dass so etwas nicht nach ein paar Wochen abgeschlossen ist, sollte eigentlich selbstverständlich sein.
Seine erste Amtszeit ist dafür sogar ein ganz guter Hinweis. Auch damals brauchte es zunächst Zeit, bis seine Prinzipien wirklich gegriffen haben. Danach entstand eine Mannschaft, bei der irgendwann jeder wusste, wann angelaufen, nachgeschoben oder abgesichert wird.
Das größere Problem sehe ich deshalb tatsächlich außerhalb der Mannschaft. Medien und vor allem soziale Netzwerke geben einem solchen Prozess diese Zeit kaum noch. Nach zwei Spieltagen werden bereits Transferfenster endgültig bewertet, Spieler abgeschrieben und die Saison hochgerechnet. Vieles davon entsteht unmittelbar aus der Enttäuschung über ein Ergebnis. Emotional völlig nachvollziehbar – für eine vernünftige Bewertung aber wenig hilfreich.
Vielleicht wäre genau deshalb diese Saison mal eine, in der wir unsere eigenen Erwartungen etwas zurückfahren sollten. Nicht schon im September festlegen: Platz 6 muss es mindestens sein, sonst war alles schlecht.
Alexander Pope hat mal sinngemäß gesagt: „Wer nichts erwartet, kann auch nicht enttäuscht werden.“
Ganz so anspruchslos müssen wir natürlich nicht werden. 😂 Aber etwas weniger Erwartungsdruck würde uns momentan vermutlich guttun.
Gebt Hütter und dieser Mannschaft erstmal die Möglichkeit, sich zu finden. Wenn daraus am Ende Platz 5 wird – wunderbar. Wird es Platz 9, aber wir sehen eine klare Entwicklung und haben Baum, Kosugi, Uzun und Co. ein Jahr weitergebracht, muss das nicht automatisch eine schlechte Saison gewesen sein.
Vielleicht sollten wir diese Saison ausnahmsweise einmal nicht permanent auf die Tabelle schauen, sondern darauf, was bis Mai aus dieser Mannschaft geworden ist.
@anpii du hast ja davon gesprochen, dass vor allem die Entscheidungsfindung schlecht ist bzw die Absprache nicht funktioniert, wann die gesamte Mannschaft ins Pressing geht oder absichert. Auch wenn Dino nicht ganz so weit vorne hat pressen lassen sind, sofern ich mich richtig erinnere, unter ihm viele Gegentore so entstanden. Entweder haben die defensiven nicht nachgeschoben oder die offensiven haben gepresst in Situationen wo die Verteidigung gar nicht in der Position war nach zu schieben. (Ich erinnere mich an ein Interview mit Dino nach dem Spiel wo er sogar in der Analyse Doan genau dafür kritisiert). Ich hatte die Hoffnung, dass es auch am Fehlen von Burkhardt lag, da er ja auch in Mainz so der Initiator des Pressing war und zumindest offensiv das dann ansagen kann. Ich muss sagen das finde ich dann doch auch ein wenig besorgniserregend, dass es gerade wieder an ähnlichen Dingen scheitert. Denn wie du sagst ist das ja eigentlich etwas was trainiert werden kann bzw sollte. Natürlich kommt dazu, dass die Mannschaft unerfahren bzw nicht gut eingespielt ist und der Spielverlauf mit den zwei schnellen und auch glücklichen Gegentore die Mannschaft schon sehr verunsichert hat.
Götze fand ich in der ersten Halbzeit sehr stark, war an vielen Kombinationen vorne beteiligt aber ich erwarte von ihm, dass er das Spiel dann eben nach dem schnellen Gegentor oder auch danach beruhigt und mithilft die Mannschaft zu stabilisieren. Leider sah er dann auch vor dem 3:1 ziemlich schlecht aus als er ein einfaches Foul ziehen will was der Schiri aber auch das ganze Spiel schon so nicht gepfiffen hat...
Onyedika hat finde ich angedeutet wie er uns helfen kann. Ich finde ihn im Zweikampf stark und er hat schon eine gute Ruhe am Ball bzw in Zweikampf. Auch fand ich, dass er nach Ballverlusten oder in Konter Situationen schnell wieder in der richtigen Position war was mir bei Skhiri oft nicht gefallen hat. Im Mittelfeld hoffe ich sehr, dass Aseko das fehlende Puzzlestück sein kann.
Mich ärgert es vor allem sehr, dass die Mannschaft jetzt wieder sehr viel Druck in den Spielen haben wird und keine Zeit bekommt sich gut einzuspielen. Man braucht die positiven Erlebnisse damit man von der Taktik überzeugt ist. Wenn man auf dem Platz zweifelt dann werden immer wieder fehler im Pressing funktionieren und dann kommen wir aus dieser miesen Gegentorspirale nicht mehr raus.
Und da wünsche ich mir einfach ein bisschen mehr Glück in den Spielen (Gelb Rote gegen Union, Eigentor gegen Augsburg) damit die Mannschaft sich für gute Leistungen auch belohnt und anfängt an sich zu glauben.
Dafür gehört für mich aber auch dazu, dass wir vorne anfangen einfache Tore zu machen und den Ball am Schluss einfach noch mal Quer legen oder den Angriff zuende spielen, dann würden wir hier glaube ich über was ganz anderes Diskutieren.
Jetzt habe ich mir ein bisschen den Frust von der Seele geschrieben, aber ich hoffe ich konnte auch was zu der Diskussion beitragen
Ich sehe das mit dem Pressing ähnlich. Für mich sieht das momentan weniger danach aus, dass die Mannschaft grundsätzlich nicht pressen kann, sondern dass innerhalb des Pressings noch unterschiedliche Entscheidungen getroffen werden. Einer löst aus, der nächste schiebt eine Sekunde zu spät nach, dahinter wird nicht konsequent nachgerückt und schon wird aus eigentlich gewollter Aggressivität ein riesiger Raum zwischen den Linien.
Das ist gerade bei einer höheren Grundposition der Viererkette tödlich. Wenn vorne angelaufen wird, muss die letzte Linie eigentlich gleichzeitig reagieren und den Raum dahinter bzw. zwischen den Mannschaftsteilen verkürzen. Bleibt sie stehen, hat der Gegner nach Überspielen der ersten Linie sofort Platz. Umgekehrt bringt es natürlich genauso wenig, wenn die Abwehr hochschiebt und vorne keiner Druck auf den Ball bekommt. Dann verteidigst du mit offener Tiefe. Ich glaube, dass wir momentan genau diese unterschiedlichen Interpretationen derselben Situation sehen.
Deshalb bin ich bei Burkardt auch etwas vorsichtiger. Dass er das Pressing auslöst, ist grundsätzlich völlig in Ordnung. Als vorderster Spieler gehört das sogar zu seiner Aufgabe. Nur müssen die anderen erkennen, wann er auslöst und entsprechend mitgehen. Wenn Burkardt presst und der Rest nicht geschlossen nachschiebt, sieht es hinterher so aus, als hätte er kopflos angelaufen. Dabei kann die eigentliche Ursache zwei Linien dahinter liegen.
Bei Götze bin ich ebenfalls bei dir. Gerade von einem Spieler mit seiner Erfahrung würde ich nach dem 1:1 erwarten, dass er versucht, das Spiel für ein paar Minuten herunterzukühlen. Nicht indem wir uns hinten reinstellen, sondern indem wir wieder längere Ballbesitzphasen herstellen, einfache Anschlussaktionen wählen und Augsburg erstmal wieder laufen lassen. Nach einem Wirkungstreffer muss ich nicht sofort den nächsten vertikalen Ball erzwingen. Da darf man auch mal zwei Minuten Fußball spielen, bei dem überhaupt nichts passiert.
Onyedika hat mir in dieser Hinsicht übrigens auch gefallen. Körperlich präsent, relativ sauber in seinen Positionierungen und nach Ballverlusten mit einem guten Gefühl dafür, wo er hin muss. Wenn Aseko dazukommt und sich diese Achse entwickelt, könnte uns das im Zentrum enorm helfen, weil wir dort jemanden brauchen, der nicht nur Zweikämpfe gewinnt, sondern auch dafür sorgt, dass nach eigenem Ballverlust nicht jedes Mal sofort ein offenes Spiel entsteht.
Was momentan noch fehlt, ist diese gemeinsame Reaktion auf bestimmte Spielsituationen. Das lässt sich trainieren, braucht bei so vielen neuen Spielern aber Wiederholungen. Pressingauslöser, Nachschieben, Restverteidigung, Abstände – irgendwann darf darüber auf dem Platz keiner mehr groß nachdenken müssen. Der eine geht und die anderen wissen automatisch, was ihre nächste Aktion ist. Davon sind wir momentan noch ein Stück entfernt.
Und dann kommt der Kopf dazu. Wenn dir zweimal hintereinander nach einem Gegentor das Spiel komplett entgleitet, schleppst du das irgendwann mit dir herum. Beim nächsten 1:1 geht dann vielleicht schon bei dem einen oder anderen im Hinterkopf los: „Scheiße, nicht schon wieder.“ Dann werden Entscheidungen hektischer, Abstände größer und plötzlich versucht jeder, die Situation individuell zu lösen. Genau dann zerfällt eine Mannschaft.
Deshalb könnte uns momentan sogar so ein richtig dreckiges 1:0 enorm helfen. Kein Spektakel, kein Hurra-Fußball. Einfach mal Gegenwind bekommen, eine schwierige Phase überstehen und feststellen: Es passiert gar nichts. Wir bleiben stabil und bringen das Ding nach Hause. Sowas gibt einer Mannschaft irgendwann auch die Sicherheit zurück, die dir keine Taktiktafel der Welt vermitteln kann.
Und deshalb würde ich nach zwei Spieltagen auch noch nicht anfangen, alles grundsätzlich infrage zu stellen. Dass da Baustellen sind, sieht jeder. Mich interessiert aber wesentlich mehr, ob Hütter es in den nächsten Wochen schafft, aus diesen vielen individuellen Entscheidungen wieder gemeinsame Abläufe zu machen. Die erste Halbzeit gegen Augsburg hat zumindest gezeigt, dass die Idee funktionieren kann. Jetzt muss die Mannschaft lernen, diesen Fußball auch dann weiterzuspielen, wenn ihr das Spiel einmal eine aufs Maul gibt. Denn genau da trennt sich momentan unsere gute von unserer katastrophalen Phase.
Führung innerhalb einer Mannschaft funktioniert nicht nur über die Kapitänsbinde. Im Idealfall hast du auf unterschiedlichen Mannschaftsteilen Spieler, die Situationen erkennen und regulierend eingreifen. Koch gehört aufgrund seiner Position und Funktion sicherlich dazu und von ihm erwarte ich momentan mehr. Aber er kann das nicht alleine auffangen.
Was uns fehlt, ist für mich vor allem kollektive Resilienz. Eine stabile Mannschaft erkennt nach einem Wirkungstreffer, dass sich gerade die Spieldynamik verändert, und reagiert darauf. Abstände verkürzen, Pressinghöhe gegebenenfalls anpassen, Ballbesitz sichern, zwei oder drei einfache Aktionen spielen und erstmal wieder Kontrolle herstellen.
Genau das passiert bei uns momentan nicht. Wir versuchen nach dem Gegentor teilweise weiterzuspielen, als wäre nichts passiert, obwohl sich das Spiel längst verändert hat. Dann reichen ein oder zwei weitere unsaubere Aktionen und aus einem Gegentor wird innerhalb kürzester Zeit kompletter Kontrollverlust.
Da bin ich bei dir: Spielerische Qualität ist offensichtlich vorhanden. Halbzeit eins zeigt das ziemlich deutlich. Die spannende Aufgabe für Hütter ist jetzt weniger, den Jungs Fußball beizubringen, sondern dieser Mannschaft Mechanismen zu geben, mit denen sie Stressphasen selbstständig kontrollieren kann.
Und dafür braucht es beides: Automatismen und Spieler, die auf dem Platz erkennen, wann sie diese Automatismen auch mal bewusst verändern müssen.
Genau daran wird man in den nächsten Wochen ganz gut erkennen können, wie weit diese Mannschaft wirklich ist.
Du beschreibst es sehr gut und ausführlich.
Ich würde sogar etwas weiter gehen.
Und genau hierfür werde ich jetzt wahrscheinlich Kritik einstecken müssen.
Aktuell Frage ich mich, ist Hütter der falsche Trainer zur falschen Zeit!
Nicht falsch verstehen. Hütter ist ein toller Trainer. Aber wie ich schon vor der Saison sagte, schon bei seinem letzten Engament gab es das Problem mit vielen Gegentoren und da war die Abwehr besser besetzt. Jetzt sollen wir mit dieser Abwehr offensiv weiter spielen.
In meinen Augen ist das Harakiri.
Gerade wenn wir es nicht schaffen, wie am Wochenende unsere vielen Chancen zu nutzen.
Nicht falsch verstehen, ich mag es wenn wir offensiv spielen, aber aktuell muss der sportliche Erfolg im Vordergrund stehen um der negativen Spirale nicht zu viel Power zu geben.
Und hier sage ich klar. Wir sollten jetzt ein Spielsystem spielen, mit ruhigem, kontrolliertem Aufbau und definitiv defensiver stehen.
Nicht nur wildes nach vorne rennen.
Ja Hütter hat das auch verlangt, das man die Defensive sichert, aber trotzdem ist es deutlich zu offensiv. Soll es halt mal 60 bis 70 Minuten langweiliger Fussball sein in dem es 0zu0 steht und dann schlagen wir zu oder retten den Punkt.
Ich glaube auch, das würde Kosugi, Baum, Koch, Brassier helfen sich zu finden und stabilisieren.
Ist doch kein Wunder, das die hier total überfordert sind.
Man muss sich mal überlegen.
Koch ist zu langsam für diese offensive Absicherung.
Brassier, Baum, Kosugi versuchen erstmal anzukommen in der BL.
Das kann doch nur schief gehen.
Ganz ehrlich, aktuell würde ich mir Funkel als Trainer für unser Team wünschen.
Der würde aktuell mehr Punkte rausholen, mit so einer wackligen Defensive.
Du kannst meiner Meinung nach mit so einer Defensive Hütters Powerfußball nach vorne nicht sehr erfolgreich umsetzen.
Hätten wir Leute wie Abraham, Hinteregger, Ndicka, Tuta Kostic usw. Im Team ist das was anderes. Aber so wird das meiner Meinung nach nichts.
Die erste Halbzeit gegen Augsburg war ja nicht schlecht. Im Gegenteil: Die Abläufe im Anlaufen haben funktioniert, wir hatten Zugriff, Augsburg kaum Entlastung und wir hätten das Spiel eigentlich schon vor der Pause deutlich in unsere Richtung ziehen müssen. Wenn ein System 45 Minuten funktioniert und nach einem Gegentor innerhalb kürzester Zeit komplett zusammenbricht, würde ich als Trainer zunächst wissen wollen, warum die Mannschaft ihre Ordnung verliert, statt ihr am Montag eine neue Ordnung hinzustellen.
Und genau deshalb halte ich Hütter momentan auch nicht für den „falschen Trainer zur falschen Zeit“. Nach Dino wurde hier jahrelange Bundesligaerfahrung gefordert. Jetzt steht da ein Trainer, der Frankfurt kennt, international gearbeitet hat, unterschiedliche Systeme gespielt hat und nun soll nach zwei Bundesligaspielen schon wieder die Trainerfrage gestellt werden.
Wer Hütter ein bisschen verfolgt hat, weiß außerdem, dass er kein Trainer ist, der stur seine Formation durchdrückt. Er hat in seiner ersten Amtszeit mehrfach angepasst und auch später unterschiedliche Grundordnungen spielen lassen. Ich traue ihm durchaus zu, selbst zu erkennen, wenn seine Mannschaft bestimmte Räume anders absichern muss.
Nur würde ich das nicht mit einem kompletten Rückzug verwechseln. Natürlich kann man situativ tiefer verteidigen, die Restverteidigung verändern, einen Außenverteidiger stärker einbinden oder im Aufbau eine zusätzliche Absicherung herstellen. Das sind Anpassungen innerhalb einer Spielidee. Aber jetzt plötzlich 60 Minuten lang tief stehen, auf zweite Bälle gehen und hoffen, dass vorne irgendwann einer einen Konter verwertet, wäre für mich keine Lösung, sondern eine Flucht vor dem eigentlichen Problem.
Denn unser größtes Problem entsteht momentan nach Widerständen. Nach dem Gegentor verändert sich nicht nur die Formation auf dem Papier, sondern das Verhalten der Spieler. Entscheidungen werden hektischer, Abstände stimmen nicht mehr, einer presst, während der andere absichert, und plötzlich macht jeder etwas anderes. Das bekommst du nicht dadurch weg, dass du aus einem 4-2-3-1 ein 5-4-1 malst.
Du musst momentan vor allem in die Köpfe dieser Mannschaft kommen. Sie muss wieder lernen, nach einem Gegentor nicht sämtliche Sicherheit und Orientierung zu verlieren. Wenn das nicht gelingt, kannst du jede Woche eine andere Formation auf die Taktiktafel malen und wirst trotzdem dieselben Probleme bekommen.
Und Funkel? Das wäre dann wirklich die komplette Kehrtwende. Kann man sich wünschen. Aber dann können wir uns die ganze Diskussion über Entwicklung einer neuen Mannschaft und einer neuen Spielidee auch sparen und nach jeder Niederlage einfach den nächsten Trainer suchen, dessen Fußball gerade besser zur Tabelle passt.
Hütter ist erfahren genug, sein System anzupassen. Ich würde ihm nur erstmal die Gelegenheit geben, dieses System zu stabilisieren, bevor ich von ihm verlange, es wieder einzureißen.
Was für ein Problem es am Ende wirklich ist, wird Adi herausfinden müssen. Genau das ist sein Job. Dass das Problem nicht ein eindimensionales sein wird, ist sehr wahrscheinlich.
Ob es tatsächlich "nur" eine sich findende Führungshierarchie + Automatismen sein sollen, will ich nicht ausschließen. Da sich aber in der gesamten letzten Saison keine geeignete Führungshierarchie herausstellen konnte, und Automatismen eigentlich aus der Vorsaison gegeben sein mussten, lässt an dieser Theorie bei mir Zweifel bestehen. Vielleicht ist es aber zumindest ein Teil der Wahrheit. Was für mich auf jeden Fall klar ist, und das war es auch schon bei Dino oder Riera. Für eine funktionierende Mannschaft trägt der Trainer die Hauptverantwortung. Das Thema ist für mich also auf jeden Fall: Adi Job. Ausreden gelten nicht. Ob da ein weiterer Spieler mehr schön gewesen wäre oder sich nicht. Gegen Union und vor allem gegen Augsburg darfst du die Spiele niemals so aus der Hand geben.
Bei Koch würde ich Hütters Entscheidung deshalb auch nicht isoliert danach bewerten, ob er für uns von außen wie der ideale Kapitän wirkt. So eine Entscheidung hat immer auch eine gruppenpsychologische Komponente.
Hütter übernimmt eine Mannschaft, die ohnehin einen größeren Umbruch hinter sich hat. Wenn er Koch dann direkt die Binde nimmt, verändert er nicht nur einen Namen auf dem Spielberichtsbogen, sondern setzt innerhalb der Kabine ein ziemlich deutliches Signal: Die bisherige Hierarchie gilt nicht mehr. Das kann funktionieren und neue Kräfte freisetzen. Es kann aber genauso einen Spieler beschädigen, der innerhalb der Gruppe möglicherweise wesentlich mehr Anerkennung besitzt, als wir von außen wahrnehmen.
Insofern kann ich durchaus nachvollziehen, warum Hütter Koch zunächst bestätigt hat. Er schafft damit erstmal Kontinuität in einer Mannschaft, in der ohnehin genügend andere Rollen neu verteilt werden müssen. Und er gibt Koch gleichzeitig Vertrauen und Verantwortung, statt ihn durch eine öffentliche Degradierung gleich zu Beginn zu schwächen. Gerade bei einem Spieler, der zuletzt selbst nicht seine beste Phase hatte, kann das psychologisch sogar ganz bewusst gewählt sein: Du bleibst mein Kapitän, ich traue dir zu, wieder diese Rolle auszufüllen.
Die Kehrseite gibt es natürlich auch. Vertrauen darf nicht dazu führen, dass eine Hierarchie nur deshalb konserviert wird, weil sie schon vorhanden war. Wenn sich herausstellt, dass Koch in diesen kritischen Phasen weder kommunikativ noch spielerisch die notwendige Orientierung geben kann, muss Hütter irgendwann korrigieren. Kapitän sollte keine Besitzstandswahrung sein.
Ich persönlich hätte mich übrigens wahrscheinlich für Burkardt entschieden. Nicht weil Koch deshalb ein schlechter Kapitän sein muss, sondern weil Burkardt für mich eher das Profil mitbringt, um eine neue Mannschaft zu verkörpern: Präsenz, Verantwortungsbereitschaft, Intensität und eine gewisse natürliche Wirkung auf Mitspieler. Gerade in einem Umbruch hätte ich damit vielleicht bewusst eine neue Hierarchie angestoßen.
Trotzdem verstehe ich, warum Hütter den anderen Weg gewählt hat. Koch abzusetzen wäre ebenfalls eine Entscheidung mit möglichen Nebenwirkungen gewesen. Manchmal ist es für einen neuen Trainer sinnvoller, eine bestehende Hierarchie zunächst zu beobachten und erst dann einzugreifen, statt am ersten Tag sämtliche Machtstrukturen neu zu sortieren.
Viel interessanter wird deshalb sein, was jetzt innerhalb dieser Mannschaft entsteht. Denn am Ende hilft dir auch der beste Kapitän wenig, wenn bei Gegenwind alle zehn anderen auf ihn warten. Eine funktionierende Mannschaft braucht mehrere Führungspunkte auf dem Platz.
Und genau daran muss Hütter jetzt arbeiten. Gegen Union und Augsburg hat man gesehen, dass uns in diesen Stressphasen noch Spieler fehlen, die das Spiel von innen heraus regulieren. Bleibt das über Wochen so, muss er irgendwann personell oder innerhalb der Hierarchie reagieren.
Ich denke die SGE hat auch genug Analysten um alles im Detail zu wissen. Problem, bei uns hat das Team keine Zeit. Wir sind nicht Freiburg, wo ein neuer Trainer Zeit bekommt. Die Fans haben eine Erwartungshaltung und klar der Kader ist im wert immer noch gut aber bekanntlich heißt das nicht viel. Die Presse versucht abos zu generieren (anders kann man es nicht mehr nennen).
Hütter weiß worauf er sich eingelassen hat, aber leider ist es ausgerechnet dieses Jahr kein guter Spielplan für uns. Wir haben die Teams unter Platz 7 am Anfang.
Ich hoffe in Mainz das Ding dreckig zu gewinnen, Hütter braucht jetzt jede Woche mit dem Team um es hinzubekommen.
Man muss auch sagen, wir hatten gestern sehr viel Pech. So ein Elfer wurde bspw auch schon mal gepfiffen und das 3 und 4 Tor passiert auch nicht alle Tage.
Bei einem Punkt sehe ich es etwas anders: Ich glaube schon, dass Hütter intern die notwendige Zeit bekommen wird. Vielleicht denken wir da zu sehr in den üblichen Mechanismen des Profifußballs.
Denn wenn man Hütter jetzt diesen Kader gibt und ihn bei einer schwierigen Hinrunde direkt wieder entlässt, wäre die Trainerfrage irgendwann gar nicht mehr die entscheidende. Dann würde sich zwangsläufig die Frage stellen, wer diesen Kader zusammengestellt und innerhalb kürzester Zeit erneut den Trainer wechseln müsste. Spätestens dann würde der Druck auf Krösche eine ganz andere Dimension erreichen.
Zumal Hütter für die jetzige Kaderstruktur bisher am wenigsten kann. Er übernimmt einen größeren Umbruch, muss mehrere junge Spieler integrieren, eine neue Hierarchie entwickeln und gleichzeitig seine Spielidee implementieren. Dass so etwas nicht nach ein paar Wochen abgeschlossen ist, sollte eigentlich selbstverständlich sein.
Seine erste Amtszeit ist dafür sogar ein ganz guter Hinweis. Auch damals brauchte es zunächst Zeit, bis seine Prinzipien wirklich gegriffen haben. Danach entstand eine Mannschaft, bei der irgendwann jeder wusste, wann angelaufen, nachgeschoben oder abgesichert wird.
Das größere Problem sehe ich deshalb tatsächlich außerhalb der Mannschaft. Medien und vor allem soziale Netzwerke geben einem solchen Prozess diese Zeit kaum noch. Nach zwei Spieltagen werden bereits Transferfenster endgültig bewertet, Spieler abgeschrieben und die Saison hochgerechnet. Vieles davon entsteht unmittelbar aus der Enttäuschung über ein Ergebnis. Emotional völlig nachvollziehbar – für eine vernünftige Bewertung aber wenig hilfreich.
Vielleicht wäre genau deshalb diese Saison mal eine, in der wir unsere eigenen Erwartungen etwas zurückfahren sollten. Nicht schon im September festlegen: Platz 6 muss es mindestens sein, sonst war alles schlecht.
Alexander Pope hat mal sinngemäß gesagt: „Wer nichts erwartet, kann auch nicht enttäuscht werden.“
Ganz so anspruchslos müssen wir natürlich nicht werden. 😂 Aber etwas weniger Erwartungsdruck würde uns momentan vermutlich guttun.
Gebt Hütter und dieser Mannschaft erstmal die Möglichkeit, sich zu finden. Wenn daraus am Ende Platz 5 wird – wunderbar. Wird es Platz 9, aber wir sehen eine klare Entwicklung und haben Baum, Kosugi, Uzun und Co. ein Jahr weitergebracht, muss das nicht automatisch eine schlechte Saison gewesen sein.
Vielleicht sollten wir diese Saison ausnahmsweise einmal nicht permanent auf die Tabelle schauen, sondern darauf, was bis Mai aus dieser Mannschaft geworden ist.