Eine alte Geschichte...

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Hallo SGEler(innen),

erst mal sorry vorneweg, falls ich hier das falsche Unterforum treffe. Ich lade die Mods gerne zum verschieben ein.

Ich habe mal eine Frage zu einer alten Eintracht Geschichte. Im Netz konnte ich nichts finden. In einem aten Jahrbuch, oder in einem Stadionheft habe ich mal die Geschichte über das Freundschaftsspiel in Kolumbien gelesen. Heute habe ich einem Kollegen die Geschichte erzählen wollen und mit Entsetzen festgestellt, das mir inzwischen fast alle Fakten fehlen. Es gab doch eine Drohung, weil in Frankfurt am Flughafen was passiert ist und nun an der Eintrachtmannschaft Rache geübt werden sollte.

Hat eine(r) von euch die Eckdaten parat?

Merci im Voraus.
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@Petermann: bitte aufklären!!
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HB, bitte ein paar security-leute mehr anfordern, die den kolumbianern am flughafen die atombomben wegnehmen!!
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Immer mit der Ruhe, das ist eine ca 94er Geschichte. Keine Notwendigkeit für aktuelle Security.

Aber es muß echt heftig gewesen sein. Polizeieskorte, Drogenmafia, und alles was zu einem Krimi gehört.
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Im Archiv steht, dass wir 0:4 veloren haben. Könnte mir aber vorstellen, dass die damalige Mannschaft absichtlich verloren hat, um Komplikationen zu vermeiden. Ist reine Spekulation, aber wir waren damals zu stark, um so zu verlieren, auf der anderen Seite wäre die Eintracht ja nicht die Eintracht gewesen, wenn wir uns auch nicht immer wieder mal solche Böcke geleistet hätten  
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Wenn ich für meinen Paten Don Peter kurz einspringen darf...
Duessel_Adler schrieb:
Im Archiv steht, dass wir 0:4 veloren haben. Könnte mir aber vorstellen, dass die damalige Mannschaft absichtlich verloren hat, um Komplikationen zu vermeiden. Ist reine Spekulation, aber wir waren damals zu stark, um so zu verlieren, auf der anderen Seite wäre die Eintracht ja nicht die Eintracht gewesen, wenn wir uns auch nicht immer wieder mal solche Böcke geleistet hätten    

So stark, dass wir nicht gegen die Nationalmannschaft von Kolumbien, die sich gerade auf die WM-Endrunde 1994 vorbereitete, durch Tore von Asprilla (2), Rincon und Aristizabal hätten verlieren können, waren wir dann doch nicht.  

Zumal wir lediglich mit 14 Spielern angereist waren, die auch alle zum Einsatz kamen: Im Tor Thomas Ernst und als Feldspieler Binz, Zchadadse, Bindewald, Kaymak, Frank Möller, Komljenovic, Bein, Dickhaut, Dirk Wolf, Yeboah, Furtok, Matthias Becker und Yeboah-Cousin Mike Osei. Nicht gerade eine Übermannschaft, was?

Die Geschichte spielte sich in etwa so ab:
An Pfingsten 1994 sprang die Eintracht kurzfristig für Borussia Dortmund als Testspielgegner von WM-Teilnehmer Kolumbien ein.

100.000 DM Gage, aber auch 16 Stunden Flug über Caracas und Bogota. Gespielt wurde in Medellin, 1.538 Meter über dem Meeresspiegel.

Nach fünf Spielminuten lag die Eintracht bereits mit 0:2 zurück, am Ende ging die Partie 0:4 verloren und sie war gleichzeitig das letzte Spiel von Uwe Bein für die Frankfurter Eintracht. Bein wurde bereits nach bereits 36 Minuten Bein mit einer Prellung ausgewechselt, im Juli wechselte er dann zu Urawa Red Diamonds, ohne vorher noch einmal für die Eintracht aufgelaufen zu sein.

Nur eine halbe Stunde nach Spielende wurde das Stadtzentrum von einem Bombenanschlag erschüttert. Die Detonation ereignete sich nur wenige Straßenzüge vom Stadion entfernt. Fünf Polizisten, die zur Überwachung des Spiels eingesetzt waren, wurden getötet, weitere elf Menschen verletzt, zwei davon schwer.

Die Eintrachtspieler kamen nicht zu schaden, wurden aber nach ihrer Rückkehr aus dem Stadion mit mehreren Hubschrauberflügen vom Dach ihres Hotels zum Flughafen gebracht. Der ursprünglich vorgesehene Weg über eine Höhenstraße erschien den Sicherheitsverantwortlichen nach dem Anschlag zu unsicher.

Nacheinander stiegen die Frankfurter – natürlich ohne Gepäck - an der ungeschützten Dachkante des Hotels in den an der Seite offenen Hubschrauber. Die Aufregung legte sich allerdings auch am Flughafen nicht, weil man befürchtete, dass ein erneutes Feuergefecht ausbrechen könnte. Letztendlich kehrten aber alle Frankfurter unversehrt an den Main zurück.
(Quelle: Würstchen, Bomben, Fußballzauber – Eintracht Frankfurt in aller Welt von Jörg Heinisch)

Schwarzroter Gruß
Kid
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KidKlappergass schrieb:
Wenn ich für meinen Paten Don Peter kurz einspringen darf...

Schwarzroter Gruß
Kid


Danke Rüdiger-Du hast mir aus einer großen Verlegenheit geholfen.
Den Vorfall hatte ich echt net mehr im Kopp.
Ohne Kicker bin ich so hilflos-wie LtC. ohne Boni.
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Ich hatte damals schon extra meine Wasserpistole aus dem Keller geholt.
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wenn es sich lohnt hier im Forum etwas zu lesen dann gehören die Beiträge von @KIDKLAPPERGASS an die Spitze! Sehr informativ und wie alles von KID gut recherchiert,Chapeau  
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Petermann schrieb:

Ohne Kicker bin ich so hilflos-wie LtC. ohne Boni, StefanK ohne Schaf, HG ohne Moni, Concordia ohne Rom, Schorsch ohne Taxi, adler ohne kadabra, Kid ohne Spielberichtssklaven ...




Ach, was wären wir alle ohne ...
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Auch von mir danke für die Aufklärung. Hat mir sehr weiter geholfen und direkt ein neues Buch zum kaufen gebracht.
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SaintesSGE schrieb:
Auch von mir danke für die Aufklärung. Hat mir sehr weiter geholfen und direkt ein neues Buch zum kaufen gebracht.


Falls du im Osten Frankfurts wohnst:
die beiden besten Buchhandlungen vor Ort haben dieses Buch natürlich vorrätig  
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KidKlappergass schrieb:
Nach fünf Spielminuten lag die Eintracht bereits mit 0:2 zurück, am Ende ging die Partie 0:4 verloren und sie war gleichzeitig das letzte Spiel von Uwe Bein für die Frankfurter Eintracht. Bein wurde bereits nach bereits 36 Minuten Bein mit einer Prellung ausgewechselt, im Juli wechselte er dann zu Urawa Red Diamonds, ohne vorher noch einmal für die Eintracht aufgelaufen zu sein.


Mal ne ganz dumme Frage Kid: War das nach der BL-Saison? Das letze Spiel, das ich mit Uwe Bein gesehen habe war am letzten Spieltag in Köln. 3:2 Sieg dort und damit noch für den UEFA-Cup qualifiziert, weil der KSC gleichzeitig in Wattenscheid verlor. Wenn Kolumbien über Pfingsten war, hat demnach Bein sehr wohl noch mal für die Eintracht gespielt. Oder die Saison war ungewöhnlich früh, also vor Pfingsten bereits, beendet.
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Petermann schrieb:

Ohne Kicker bin ich so hilflos-wie LtC. ohne Boni.


was mir allerdings nicht passiert. Bekanntermassen habe ich immer ein paar wenige für Notfälle im Verbandskasten

Sicher ist sicher. Prost

Danke Kid, schön diese besonderen Erinnerungen nicht versenkt zu wissen.

Irgendwo stand damals zu lesen: "Eintracht wandelt auf den Spuren von 007."
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Rigobert_G schrieb:

Mal ne ganz dumme Frage Kid: War das nach der BL-Saison? Das letze Spiel, das ich mit Uwe Bein gesehen habe war am letzten Spieltag in Köln. 3:2 Sieg dort und damit noch für den UEFA-Cup qualifiziert, weil der KSC gleichzeitig in Wattenscheid verlor. Wenn Kolumbien über Pfingsten war, hat demnach Bein sehr wohl noch mal für die Eintracht gespielt. Oder die Saison war ungewöhnlich früh, also vor Pfingsten bereits, beendet.

Ja, das war sie.

Also, Pfingsten war 1994 am 22. Mai.
(Quelle: http://www.bernhardpeter.de/Feste/osterdatum.htm)

In Köln spielte die Eintracht am 34. Spieltag, der am 7. Mai 1994 statt fand:
http://eintracht-archiv.de/1993/1994-05-07st.html

Das Spiel in Medellin wurde am 22. Mai 1994 ausgetragen:
http://eintracht-archiv.de/1993/1994-05-22st.html

Jörg liegt richtig, wie es scheint.
(Ich hatte es natürlich überprüft, bevor ich es übernommen habe    und in Franks Archiv taucht Uwe Bein nach dem Spiel in Medellin nicht mehr auf, zumindest nicht unter den Torschützen - die Mannschaftsaufstellungen fehlen im Archiv.)
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Dann stimmt es wohl. Ist Pfingsten immer so spät?  
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Nachtrag

„11 Freunde“ erwähnt in der aktuellen Ausgabe im Zusammenhang mit Jörg Heinischs neuem Buch „Eintracht intim“ in den "25 Punkten über die Eintracht" in zwei Punkten auch die Vorfälle in Medellin. Hier wird der Eröffnungspost von SaintesSGE
SaintesSGE schrieb:
Es gab doch eine Drohung, weil in Frankfurt am Flughafen was passiert ist und nun an der Eintrachtmannschaft Rache geübt werden sollte.  

bestätigt.

Demnach hat sich die Explosion bei der Rückfahrt vom Stadion – unbemerkt von den Eintrachtspielern – hinter deren Bus ereignet. Der Anschlag soll von Mitgliedern der Bande des am 2. Dezember 1993 erschossenen Drogenhändlers aus dem Medellin-Kartell, Pablo Escobar, als Rache an der Stadt Frankfurt geplant gewesen sein, weil Escobars Familie (Frau, Sohn und Tochter) am Rhein-Main-Flughafen die Einreise in die Bundesrepublik verweigert worden war.
(Zur verweigerten Einreise:
http://de.wikipedia.org/wiki/Pablo_Escobar#Verfolgung
http://de.wikipedia.org/wiki/Diskussion:Pablo_Escobar#Kleine_Anmerkungen)
Vom Hoteldach ausgeflogen wurden die Frankfurter übrigens erst am nächsten Morgen.


Mehr Infos über Jörgs neues Buch gibt es hier:
http://www.fan-geht-vor.de/pages/buch-eintracht-intim.php
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Habe ich eben mal aus dem neuen Buch kopiert:

...

Auf die Geschehnisse aus dem Mai 1994 in Kolumbien wurde bereits in dieser Buchreihe (Würstchen, Bomben, Fußballzauber – Eintracht Frankfurt in aller Welt), unterstützt durch Fotomaterial, eingegangen. Da die Erinnerungen von Masseur und Physiotherapeut Lutz Meinl noch mehr Informationen mit sich bringen, soll dieses hier noch einmal Berücksichtigung finden. Lutz Meinl in eigenen Worten: „Es war im Mai 1994. Die Bundesliga-Saison war sehr früh beendet, da im Sommer die Weltmeisterschaft stattfand. Für uns ging es noch auf einen Kurztrip nach Kolumbien, wo wir gegen die Nationalmannschaft als Sparringspartner für die WM-Vorbereitung antraten. Gespielt wurde in Medellin, der Heimat des früheren kolumbianischen Drogenbosses Escobar (Chef des berüchtigten Medellin-Kartells; d. Red.). Wir waren schon ganz schön geschlaucht, als wir im Grand Hotel ankamen. Der Flughafen Medellin liegt in rund 2.000 m Höhe, die Innenstadt in 1.500 m Höhe. Dann die Zeitumstellung und die große Hitze. Bis zum Spiel am nächsten Nachmittag hatten sich die Spieler noch nicht von den Strapazen erholt. Schon nach etwa 15 Minuten haben wir 0:4 zurückgelegen. Nur weil die Kolumbianer einen Gang zurück geschaltet haben, blieb uns ein Debakel erspart. Schon vor dem Spiel wunderten wir uns über die vielen Soldaten im Stadion. Selbst in den Kabinengängen wimmelte es von Militär. Als Uwe Bein ausgewechselt wurde, brachten ihn Soldaten mit Schutzschildern in die Kabine. Wir konnten uns aber einfach nicht erklären, warum; haben gedacht, dass es hier normal wäre. Nach dem Spiel bei der Rückkehr ins Hotel sahen wir dann, dass das Hotel komplett von Armeestreitkräften umstellt war. Wir haben dann von einem deutschen Manager der Hoechst AG erfahren, dass auf unseren Mannschaftsbus bei der Rückfahrt vom Stadion ein Anschlag verübt worden wäre. Getroffen worden sei jedoch ein Polizeiauto hinter uns. Dabei habe es vier Tote gegeben. Natürlich hat keiner von uns in der Nacht ein Auge zu machen können. Draußen hat man ständig den Funksprechverkehr des Militärs gehört. Panzerwagen fuhren hin und her. Am nächsten Morgen dann sollte unsere Maschine zurück nach Frankfurt gehen. Doch wie heil vom Hotel über die Serpentinen von Medellin zum 500 m höher gelegenen Flughafen kommen? Denn scheinbar war die Gefahr eines Anschlages auf uns noch nicht gebannt. Das Militär hat dann Armee-Hubschrauber geschickt. Mannschaft, Trainer und Betreuer wurden vom Hoteldach abgeholt und zum Flughafen gebracht. Als wir wieder in Deutschland waren, haben wir dann den Grund für das alles erfahren. Medellins Drogenboss Escobar war erschossen worden. Geortet wurde er wohl während eines abgehörten Telefongesprächs mit seiner Ehefrau. Diese war kurz zuvor am Frankfurter Flughafen zurückgewiesen worden, durfte nicht nach Deutschland einreisen und musste sofort den Heimflug nach Kolumbien antreten. Aus diesem Grund wollten sich Escobars Gefolgsleute vermutlich irgendwie an Frankfurt rächen, was ja auch fast gelungen wäre. Glauben Sie mir, ich habe viel erlebt in meinen 20 Jahren bei der Eintracht. Aber das war der Hammer. Der Schreck sitzt mir heute noch in den Gliedern.“

aus dem ab Samstag erhältlichen 240-seitigem Buch "Eintracht intim - Anekdoten und Kuriositäten aus der Geschichte von Eintracht Frankfurt" / Jörg Heinisch


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