Herbst - Erinnerung und Gegenwart. Zum Buch Eintracht intim

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Eintracht intim – Das neue Buch von Jörg Heinisch –

Vorstellung am 09.10.2007 im Fan-Shop der Eintracht im Waldstadion


Der Herbst ist sonnig, die Blätter der Bäume leuchten zwischen sommergrün und herbstrot und wir wissen; der Herbst ist auch ein Symbol des Übergangs. Der Sommer zuckt ein letztes Mal, der Winter klopft zaghaft an, und mit ihm vergeht die Wärme und was bleibt ist Erinnerung an klare Sommernächte – und die Vorfreude auf den nächsten Sommer. In den letzten Tagen habe ich endlich Zeit gehabt, das Buch Wir waren die Juddebube von Matze Thoma zu lesen und dieses Buch wirft ein klares Licht auf vergangene Tage, die für so viele in Grausamkeit und Tod endeten. Allein die Lektüre versetzt dich in die Stimmung des Herbstes, die Traurigkeit der jüdischen Schicksale, die schleichende und dann donnernde Gewalt der Nazizeit, das Grauen des Alltages, das von vielen Ahnenden verdrängt wurde, da sie selbst nicht wahrhaben wollten, was um sie herum geschah. Manch einer war tatkräftig dabei – und wollte danach nichts mehr davon wissen. Allein die Sorgfalt, mit der Matthias Thoma sich des Themas genähert hat, gibt Anlass zur Hoffnung, dass die Erinnerungen an vergangene Grauen weiterleben, selbst wenn alle Beteiligten zu Staub geworden sind und die Lebenden mit ihrem eigenem Alltag, der Gegenwart, zu kämpfen haben. Matze zitiert den ehemaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker mit den Worten: Wer aber vor der Vergangenheit die Augen verschließt, wird blind für die Gegenwart. Wer sich der Unmenschlichkeit nicht erinnern will, der wird wieder anfällig für neue Ansteckungsgefahren.

Herbst.

Doch nicht nur dunkel und mahnend erinnernd ist der Herbst, er bringt Tage von leuchtender Schönheit hervor – und man kann sich auch wohlig und heiter an Vergangenes erinnern – oder gar manches erfahren, was bislang kaum jemand wusste. Einen Beitrag dazu liefert das derzeit erschienene Buch von Jörg Heinisch: Eintracht intim.

Jörg hatte heute im Fan-Shop zur Buchvorstellung geladen – und dieser Einladung hatten etliche Eintrachtler Folge geleistet. Neben dem bereits erwähnten Matze Thoma sind nicht nur etliche ehemalige Spieler erschienen, so Dieter Lindner, Dieter Stinka, Istvan Sztani, Scheppe Kraus und Bernd Hölzenbein; auch Urgesteine der Frankfurter Presse. Horst Reber, Wolfgang Avenarius und Peppi Schmitt waren ebenso im Fanshop, wie der ehemalige Vize-Präsident und Meistertrainer der A-Jugend von 1982 + 1983, Klaus Mank oder der langjährige Masseur und Physio Lutz Meinl. Vom Verein kam Axel Hellmann (der mit bangem Herzen der Veröffentlichung des Buches entgegen sah – man kann ja nie wissen, welche Kuriositäten ausgegraben werden), von der Ag konnte ich Michael Feick und Philipp Reschke entdecken, von der FuFa Jasmin Schrader, vom FSG den Roger und auch Othmar Hermann (welcher uns zusammen mit Frank Gotta den Bildband Im Herzen von Europa bescherte) kam vorbei. Sogar Kurt Schmitt, Eintracht-Legende und Seele des Vereins gab sich die Ehre, auch einige Fans kamen vorbei. Sabine fotografierte eifrig das Geschehen, die Jungs von Radio FanOmania nahmen die Veranstaltung für eine der nächsten Sendungen auf, während Pia und ich am Rande bei Orangensaft und Brezeln den Anekdoten lauschten, die vor allem Klaus Mank, der jahrelang Tagebuch geführt hatte, dem Auditorium zum Besten gab. Die Klimaanlage ratterte ununterbrochen, so dass einige Beiträge nur schwer zu verstehen waren, dennoch war das Gelächter groß, als inmitten der Fanartikel der Eintracht Klaus erzählte, wie der damalige Präsident Klaus Gramlich mit ihm zu einem Spiel gefahren ist (Handys gab es damals noch nicht) und während der Fahrt mit einem Autotelefon mit seiner Gattin namens Vera telefonierte. Später hatte der Wagen einen Platten, der Reifen musste gewechselt werden – und dabei stellte sich heraus, dass das Telefon gar nicht angeschlossen war.

Wolfgang Kraus, damals Manager der Eintracht, der auf Grund des Detari Wechsels entlassen wurde, schilderte, dass der Betrag, den die Eintracht damals für Lajos bekommen hatte (18,5 Millionen Mark) nicht vollständig in die Eintracht-Kasse geflossen sei. Der Spieler Detari war damals auf Leihbasis nach Frankfurt gewechselt, wobei die Transferrechte zur Eintracht wanderten. Im Vertrag mit Budapest wurde damals festgehalten, dass bei einem erneuten Vereinswechsel die Ablösesumme zwischen der Eintracht und Budapest geteilt werden sollte (abzüglich der bis dahin gezahlten Leihgebühr). So ergab sich, dass Detari wie bekannt nach nur einem Jahr nach Piräus wechselte und die Eintracht von den gezahlten 18,5 Mio Mark nur etwas über 10 Mio aufs Konto bekam, die auch ordentlich verbucht wurden. Ob andere Personen an dem Wechsel (der sich schon vor dem Pokalfinale anbahnte) profitierten, vermochte Kraus nicht zu sagen. Wie schon aus eintrachtfans.tv bekannt, ist ein Großteil des Geldes, welches die Eintracht bekam, in die Eishockey-Abteilung geflossen.

Dieter Lindner wiederum erklärte, dass junge Spieler damals nach Frechheiten nicht nur den Po versohlt bekommen haben, sondern dieser auch mit Schuhcreme schwarz eingeschmiert wurde. Allerdings betonte er, dass die Kameradschaft soweit ging, dass auch bei Säuberung des Allerwertesten dann wieder mitgeholfen wurde.

Holz stellte klar, dass nicht alles hundertprozentig der Wahrheit entspräche was im Buch stünde, dieses aber gleichwohl gut geschrieben sei. So konnte er sich bspw. nicht mehr daran erinnern, dass Charly Körbel (wie dieser wohl Jörg Heinisch gesteckt hatte) ihm Fleischreste zwischen gesammelte Sportzeitungen steckte, die in seiner Sporttasche nach ein paar Tagen kräftig müffelten.

Lutz Meinl erzählte die Geschichte der Eintracht, die 1994 zu einem Freundschaftsspiel in Kolumbien antrat - und urplötzlich in die Wirren um den Drogenboss Ecobar geriet. Der Frau von Escobar wurde in Frankfurt die Einreise nach Deutschland verweigert und auf Grund eines Telefonates, welches diese dann führte, wurde der Aufenthaltsort von Escobar bekannt, welcher daraufhin von der hiesigen Polizei erschossen wurde. Um sich an "Frankfurt" zu rächen, wurde wohl ein Attentat auf die Eintracht geplant, welchem diese nur knapp entgehen konnte, das Team wurde mit dem Hubschrauber vom Hoteldach aus zum Airport geflogen. Es gab zeitgleich wirklich ein Attentat, dem fünf Polizisten zum Opfer fielen, die zur Überwachung des Spiels eingesetzt waren. Dass die Eintracht die Partie mit 0:4 verlor, geriet vollends zur Nebensache.

Kurzweilig war der Mittag, die alten Eintrachtler signierten noch etliche Bücher, ließen sich fotografieren und auch wir verließen den Fan-Shop mit zwei nagelneuen Exemplaren von Eintracht intim.

Viele weitere Anekdoten könnt ihr in Jörgs Buch nachlesen, das ab heute für 9,90 Euro erhältlich ist. Und am Ende wartet sogar ein Quiz mit kniffligen Fragen, so z.B: welcher ehemalige Jugendspieler der Eintracht stand in einem Pflichtspiel sowohl mit Papa Cha als auch mit DuRi Cha auf dem Platz?

Auf dem Vorfeld vor der Arena trainierten die Kinder der Fußballschule und wer weiß, vielleicht haben wir heute schon jemanden gesehen, der in einigen Jahren selbst Stoff für kommende Anekdoten liefern wird. Heimwärts ging’s durch die leuchtende Sonne des Herbstes 2007 – und im Kopf wirbelte die Erinnerung an vergangene Jahre und mir war, als riefe es ein paar Schritte hinter uns Huhn Huhn Huhn. Aber das wird vielleicht in einem anderen Buch stehen. In einem Buch über die Fans der Frankfurter Eintracht. In einem Buch über uns und unsere Zeit, die eben schon Gegenwart und morgen schon Geschichte sein wird. Denn das Wesen der Zeit ist Vergänglichkeit.
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Ich werd mir das Buch  wohl besorgen.

Hinsichtlich der Detari Millionen glaub ich dem Kraus kein Wort. Mag schon sein das die 10 Mios ordnungsgemäß verbucht worden sind.  Über den Verbleib des Restes habe ich eine andere Theorie.

Wiegesagt ich erinnre mich noch sehr gut an einen Spiegel Artikel über Herrn Koskotas in dem kolportiert wurde wie er das Geld in Pappkartons aus " seiner " Bank heraustrug. Getreu dem Motto von Brecht " Was ist der Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank?“ ...


Nun ja die Geschäftspartner auf unserer Seite halte ich für ähnlich seriös. Kann sich ja jeder seinen Teil denken. Ist eh verjährt
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der Beitrag macht wirklich Lust auf  m e h r.........

werd´s  mir wohl auch holen...

durchackern.........

und dann weiterreichen........
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Und ich dachte, mit "Herbst" meinst Du den kommenden Eintracht-November. Der wird ja hoffentlich dieses Jahr ausfallen.
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Sehr schön Axel.

Nicht so prosaisch + für ein anderes Publikum geschrieben meine Geschichte.
http://www.rhein-main.net/fnp/eintrachtblog/?p=177
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Beverungen, das hast Du wunderschön geschrieben, vielen Dank!

Beim Stichwort "Juddebube" muss ich an einen Mann denken, der heute ca. 80-jährig in Australien sitzt + vor 70 Jahren wegen seiner Abstammung Deutschland verlassen und nach Australien auswandern musste. Das damals 10-jährige Kind spielte seinerzeit bei unserer Eintracht. Es blieb der Eintracht immer verbunden. Auch heute noch erkundigt er sich von Australien aus hier im Internet zeitnah über das Schicksal seines, unserer Vereins.
"Auch wenn unsere Haut runzelt, bleiben wir bei dem Gedanken an unsere Eintracht in unserem Herzen jung" (hat so ähnlich Ex-Präsident Achaz von Thümen bei seiner Abschiedsrede gesagt ...).
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Muss mich auch mal in die Reihe der Gratulanten einreihen, ich habe jetzt schon viele Beiträge von dir gelesen, diese sind samt und sonders sehr gut geschrieben und lesenswert, hast du sehr gut dargestellt , auch deine Einleitung hat mir gut gefallen, ein schwieriges Thema einfühlsam rüber gebracht, Daumen hoch.
Das war es jetzt auch mit der Lobhudelei
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@ Axel & Sabine:

Sehr schön geschrieben!

DaZke!
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Hier auch ein Bild vom Buch:

>>KLICK
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Das Buch ist bestellt!!! Ich freue mich schon darauf, es zu lesen.
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http://www.eintracht.de/meine_eintracht/forum/9/11130542/

Und nu?

Naja - bei einem schlechten Thema ist selbst 1 Fred schon zu viel, bei einem guten dürfen es auch gerne mal 2 sein. Oder?  
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Na....
Liest den Beve noch wer?
Es lohnt....
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schusch schrieb:
Und ich dachte, mit "Herbst" meinst Du den kommenden Eintracht-November. Der wird ja hoffentlich dieses Jahr ausfallen.


daran habe ich überhaupt nicht gedacht. das ist auch gut so. aber wenn man den teufel ruft, kommt er.

@ all: dazke!

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schusch schrieb:
Und ich dachte, mit "Herbst" meinst Du den kommenden Eintracht-November. Der wird ja hoffentlich dieses Jahr ausfallen.


Das war auch mein 1. Gedanke ,
als ich die Überschrift gelesen habe.

gruss Maikoff
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Kompliment auch von mir, schön gesprochen.

Habe das Buch am Sonntag schon am Gleisdreieck erstehen können und auf der Zugfahrt zur Arbeit schon kräftig geschmökert. Die 9,90€ lohnen sich absolut, kann ich da nur sagen! Man kommt je nach Kapitel wahlweise aus dem Schmunzeln (die lustigen und skurrilen Ereignisse) oder aus dem Stirnrunzeln (die "dunklen" Kapitelchen der Vereinsgeschichte...) nicht mehr heraus. Beispiele waren ja bereits hier im Forum, im Stadionmagazin oder in "Fan geht vor" zu lesen. Für mich als relativ jungen Fan, der diese ganzen Geschichten aus dem Umfeld nicht mitbekommen hat, weil ich (a) zu der Zeit noch gar nicht gelebt habe oder (b) ich mich als Kind/Teenie nur für die Spiele, Tore und die Helden auf dem Platz interessiert habe, ist das Buch ganz besonders wertvoll.

Absolut empfehlenswert also!
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Beverungen schrieb:
Und am Ende wartet sogar ein Quiz mit kniffligen Fragen, so z.B: welcher ehemalige Jugendspieler der Eintracht stand in einem Pflichtspiel sowohl mit Papa Cha als auch mit DuRi Cha auf dem Platz?

Aber Papa Cha hat da für Leverkusen gespielt, oder? Also ich schreib den Namen hier net rein  

Dazke Beve für den Bericht, werd mir das Buch auch holen.
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@Beve

Super geschrieben. Danke!

Gruss Afrigaaner
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sgevolker schrieb:


Aber Papa Cha hat da für Leverkusen gespielt, oder?



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Hab ein paar Bilder von der Buchvorstellung gemacht!

http://golden-eagles.de/

Viel Spass damit!
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Oh ja Eintracht im November war selten harmonisch, da verspielten sie so manche Punkte, Trainer gingen usw...ist damals der Firlefanz net im Oktober gekommen und im No[font=Comic Sans MS] [/font]vember war er wieder weg???


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