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SAW 23.07.2009 - Gebabbel

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seventh_son schrieb:
Die von dir genannten Dinge würde ich dann zum großen Laufwege-Einmaleins zählen

Abgemacht, darauf können wir uns verständigen.

Aber während beim kleinen Laufwege-Einmaleins quasi alle gut geschulten Mannschaften gleich spielen, gibt's beim großen Einmaleins Riesenunterschiede. Die eine Mannschaft spielt z.B. mit Abseitsfalle, die andere nicht. Deshalb muss man das große Einmaleins auch nicht unbedingt aktiv (d.h. für das eigene Spiel) komplett beherrschen, sondern nur die Teile, der eigene Trainer für seine Taktik braucht.  (Deshalb wird auch unter Skibbe jetzt ein zeitaufwändiger Lernprozess einsetzen müssen.)

Passiv beherrschen sollte eine gute Mannschaft das große Einmaleins eigentlich komplett, d.h. sie muss ungefähr wissen, was zu tun ist, wenn der Gegner irgendwelche Taktiken aus diesem großen bekannten Vorrat nutzt.

In der Praxis gestaltet sich das trotzdem manchmal schwierig, besonders, wenn die gegnerische Mannschaft sehr extreme Taktiken spielt (und die notwendige Qualität hat, das umzusetzen). Ich denke da z.B. an die Taktik, die Thomas Schaaf in Bremen eingeführt hat. Schnelles Passspiel im Mittelfeld mit Überzahl durch extrem weit aufgerückte Abwehr, dazu ein zentraler Spielmacher wie früher Micoud oder zuletzt Diego. Da haben die anderen Mannschaften jahrelang nicht gewusst, was man dagegen tun soll. Jetzt bin ich nicht mehr sicher. Für mich ist keineswegs klar, dass das letzte Jahr bei Werder nur ein einmaliger Ausrutscher war. Für sich betrachtet sind die Einzelteile der Werder-Taktik nie besonders innovativ gewesen. In der Summe aber lange Zeit schon, sogar so gut, dass ein eigentlich mittelgroßer Club wie Werder ganz an die deutsche Spitze kommen konnte.

seventh_son schrieb:
Auch solche Dinge sind keine neuen Erfindungen, mit denen man noch groß überraschen kann. In dem hoch "taktisierten" Fußball, den wir heute sehen, haben Trainer kaum noch viel Spielraum für neues.
Mit dem Hinweis auf Thomas Schaaf bei Werder oder früher Volker Finke in Freiburg kann ich dir da nicht zustimmen. Auch mit alten Ideen kann man, passend zusammengebaut, die Konkurrenz überraschen. Das würde ich sogar für Thomas Doll und sein erstes Jahr beim HSV gelten lassen (es ging mit teils exzellentem Defensivfußball italienischer Prägung vom unteren Mittelfeld bis in die CL; dass danach alles gründlichst den Bach runtergegangen ist, ist ein anderes Thema.)

Ein guter Trainer schafft es, eine Taktik zu finden, die die Mannschaft stärker macht als man beim Aussummieren der individuellen Stärken der Einzelspieler normalerweise erwarten könnte. Und ein sehr guter Trainer schafft es vielleicht sogar, dabei eine Taktik zu finden, die zumindest ein Stück weit "innovativ" ist, so dass die Konkurrenz lange braucht, um passende Gegenmittel zu entwickeln. Wenn man den Blick auf das Gesamte richtet und nicht auf den einzelnen Spielzug, ist meiner Meinung nach auch in der modernen Fußballwelt noch Innovation möglich. Jedenfalls dann, wenn man einen Trainer mehrere Jahre am Stück arbeiten lässt, das ist nämlich die Grundvoraussetzung dafür.

seventh_son schrieb:
Die Handschrift des Trainers würde ich darin sehen, dass ein Team taktisch gut geschult ist und ein Spieler in den meisten Situationen automatisch/unterbewußt weiß, was er am Besten tun sollte. [...]
Volle Zustimmung für den Bereich Defensive, aber für mich gibt's eine "Handschrift des Trainers" auch in der Offensive. Dafür habe ich z.B. Dieter Hecking hier in Aachen immer geschätzt. Das waren einfache Stilmittel, viel über außen, Standards, hohe Bälle nach vorne auf Rösler, alles nix Weltbewegendes, aber so gut automatisiert, dass davon verdammt viel Torgefahr ausging. Unter Frontzeck (völlige Niete!) oder Buchwald war nichts mehr von Offensivkonzept zu erkennen und erst jetzt mit Seeberger macht's wieder Spaß, ins Stadion zu gehen, weil wieder mit System und Verstand gespielt wird.
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Aachener_Adler schrieb:
Ein guter Trainer schafft es, eine Taktik zu finden, die die Mannschaft stärker macht als man beim Aussummieren der individuellen Stärken der Einzelspieler normalerweise erwarten könnte.


= "Konzept-Fußball"
Dafür gibt's den "Goldenen Ra-Poldi".

In meinen Augen schafft es ein guter Trainer, das Team mosaikgleich so zusammenzustellen, dass sich die Einzelteile, also Spielertypen, bestmöglich ergänzen. In Frankfurt war das mal nicht unbekannt.


Aachener_Adler schrieb:
... für mich gibt's eine "Handschrift des Trainers" auch in der Offensive. Dafür habe ich z.B. Dieter Hecking hier in Aachen immer geschätzt. Das waren einfache Stilmittel, viel über außen, Standards, hohe Bälle nach vorne auf Rösler, alles nix Weltbewegendes, aber so gut automatisiert, dass davon verdammt viel Torgefahr ausging. Unter Frontzeck (völlige Niete!) oder Buchwald war nichts mehr von Offensivkonzept zu erkennen und erst jetzt mit Seeberger macht's wieder Spaß, ins Stadion zu gehen, weil wieder mit System und Verstand gespielt wird.


Das Beispiel Hecking könnte doch aber inzwischen zum Beleg dienen, dass es eben doch nicht nur sein System war, das Dir in Aachen gefallen hat. Warum kann er dies sonst nicht bei H96 durchsetzen? Er hatte ja jetzt schon ein wenig Zeit.
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Misanthrop schrieb:
Das Beispiel Hecking könnte doch aber inzwischen zum Beleg dienen, dass es eben doch nicht nur sein System war, das Dir in Aachen gefallen hat. Warum kann er dies sonst nicht bei H96 durchsetzen? Er hatte ja jetzt schon ein wenig Zeit.

Absolut berechtigte und gute Frage. Hecking musste in Hannover einen Kader übernehmen, der nicht von ihm zusammengestellt war. Insofern muss man ihm etwas Zeit geben. Immerhin hat er Hannover eine phänomenale Heimstärke eingeimpft, für die auch die Alemannia unter seiner Trainerschaft bekannt war. Das sind schon mal Parallelen. Warum aber Hannover auswärts so gar nichts gerissen hat, verstehe ich wirklich nicht. Vielleicht ist's auch die beliebte Hecking'sche Auswärtstaktik gerade bei starken Gegnern (nämlich: die ersten 20 Minuten Vollgas geben mit einem Tempo, dass man keine 60 Minuten durchhalten könnte, dabei in Führung gehen, dann alles über die Zeit schaukeln), die in Liga 1 einfach nicht funktionieren will.

In eine ähnliche Richtung geht die Beobachtung, dass man mit eher bescheidenen, leicht auszurechnenden spielerischen Mitteln auch bei noch so viel Übung und Automatisierung es in Liga 1 deutlich schwerer hat als in Liga 2. Das wäre dann ein ähnlicher Vorwurf, wie er auch Friedhelm Funkel gerne gemacht wird und so ganz unterschiedlich sind beide Trainer sicher nicht. Beide Trainer stellen das Kollektiv weit über die individuelle Klasse einzelner Spieler, so weit, dass ich selbst als bekennender "Kollektiv-Denker" mich manchmal frage, ob das noch sinnvoll ist.

Trotz aller Kiritk an seinen ausgeprägt einfachen Konzepten gebe ich aber offen zu, dass ich von Hecking recht viel halte (die sichere Beherrschung des kleinen Fußball-Einmaleins ist nun mal die Grundlage für alles weitere und menschlich hatte Hecking seine Truppe immer ausgezeichnet im Griff). Von Hannover hätte ich letztes Jahr deutlich mehr erwartet. Aber aus Eintracht-Sicht bin ich nicht unglücklich, dass die mit ihrer Strategie "jetzt greifen wir mit großen Investitionen mal richtig oben an!" gründlichst auf die Schnauze gefallen sind.
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Aachener_Adler schrieb:
Misanthrop schrieb:
Das Beispiel Hecking könnte doch aber inzwischen zum Beleg dienen, dass es eben doch nicht nur sein System war, das Dir in Aachen gefallen hat. Warum kann er dies sonst nicht bei H96 durchsetzen? Er hatte ja jetzt schon ein wenig Zeit.

Absolut berechtigte und gute Frage. Hecking musste in Hannover einen Kader übernehmen, der nicht von ihm zusammengestellt war. Insofern muss man ihm etwas Zeit geben.

Alle Trainer in Hannover haben die letzten Jahre ähnliche Platzierungen mit Schwankungen erzielt.

Das eigentliche Problem ist doch das selbe wie in Frankfurt auch und bei den Fahrstuhlmannschaften:
man hat nicht die individuelle Klasse und Kleingeld.

Mit Taktik und Einmaleins ob gross oder klein kann man diese Gesetzmässigkeiten kaum ausser Kraft setzen.
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Marco72 schrieb:

Das eigentliche Problem ist doch das selbe wie in Frankfurt auch und bei den Fahrstuhlmannschaften:
man hat nicht die individuelle Klasse und Kleingeld.

Mit Taktik und Einmaleins ob gross oder klein kann man diese Gesetzmässigkeiten kaum ausser Kraft setzen.


Das ist natürlich auch wahr. Auch ein Thomas Schaaf kann in Frankfurt nicht das gleiche offensive System spielen lassen wie in Bremen und damit Erfolg haben. Die fußballerische Klasse ist natürlich erstmal entscheidend, was vor allem in der Offensive möglich ist. Man kann leichter Räume zu stellen und Verschieben lernen, als schnelles Kurzpassspiel und Kreativität. Für ersteres braucht es Übung, ein bißchen Intelligenz und Laufbereitschaft. Für zweiteres hängt dann doch viel vom Talent ab. Auch bei der Eintracht wird so ein mancher Spieler mit der neuen Taktik nicht klar kommen, weil es einfach seine "Füße" nicht hergeben.

Aber Aachener_Adler hat mich schon etwas überzeugt, dass man mit einer guten taktischen Einstellung die Gegner erstmal schon überraschen kann. Vielleicht schaffen grade wir das ja mal im Laufe der Saison.
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Ich bin nicht so der Taktikfreak und Toni Holzbein ist wirklich genial wenn es stimmt was er so postet.
Auch jucken mich Aufstellungen ,Ein-/Auswechslungen überhaupt nicht,ist einfach Trainersache.

Aber grade Taktik usw....es spielt doch jedes Team so professionell wie möglich und gut wies geht.
Ich denke auch alle Trainer haben Ihre Berechtigung.

Aber letztendlich hab ich den Glauben schon sehr lange verloren das irgendwelche Taktiken oder dies und jenes ein grossen Vorteil bringen.
Das mag mal 1 Jahr was bringen wie bei Hertha oder Hoffenheim,aber im Mittel setzt sich doch irgendwie immer derjenige durch,der am meisten in individuelle Qualität investieren kann.

Denn ich denke die Trainer sind in der 1.Liga alle irgendwo gut in der Breite,nur spezifisch mögen sie sich unterscheiden.

Aber im Enddefekt steht meist der vorne,der am meisten Finanzkraft hat.
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Marco72 schrieb:

Aber im Enddefekt steht meist der vorne,der am meisten Finanzkraft hat.


Du meinst, es reicht nicht Visionen zu haben?
Trittst du damit nicht den Illusionen mancher Fans etwas zu nahe?


Programmierer
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Programmierer schrieb:
Marco72 schrieb:

Aber im Enddefekt steht meist der vorne,der am meisten Finanzkraft hat.


Du meinst, es reicht nicht Visionen zu haben?
Trittst du damit nicht den Illusionen mancher Fans etwas zu nahe?


Programmierer


Du sagts ja schon den Begriff " Illusionen",das sagt doch schon genug oder?
Man kann Träume,Ziele etc haben ,aber im Enddefket zählt immer die Realität im Hier und Jetzt.
Von träumen alleine kann man sich nichts kaufen
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Marco72 schrieb:

Von träumen alleine kann man sich nichts kaufen


Stimmt. Aber Träume machen das Leben oft schöner.  


Programmierer
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Programmierer schrieb:
Marco72 schrieb:

Von träumen alleine kann man sich nichts kaufen


Stimmt. Aber Träume machen das Leben oft schöner.  


Programmierer



Stimmt nicht. Denn man muss irgendwann aufwachen. Und Aufwachen ist immer scheiße
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Man muss im Fussball einfach Abschied nehmen von unrealistischen Visionen.
Ich seh das extrem negativ im Fussballgeschäft.
Immer wird nur gefordert,ohne an die Realitäten zu denken,die Realität wird doch meist ausgeblendet.

Visionen sind prima für die Zukunft,wer weiss schon wie die Zukunft in paar Jahren bei der Eintracht aussieht.
Ich finde es lohnenswert bei der Eintracht in Visionen zu denken,aber man darf die augenblickiche Realität nicht aus den Augen verlieren und diese sieht derzet ganz anders aus,aber das heisst ja nicht das sie nicht in ein paar Jahren ganz anders aussieht,aber momentan halt nicht.
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Marco72 schrieb:
...,aber man darf die augenblickiche Realität nicht aus den Augen verlieren und diese sieht derzet ganz anders aus,aber das heisst ja nicht das sie nicht in ein paar Jahren ganz anders aussieht,aber momentan halt nicht.


Was erlaube Skippy???  
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Misanthrop schrieb:
Marco72 schrieb:
...,aber man darf die augenblickiche Realität nicht aus den Augen verlieren und diese sieht derzet ganz anders aus,aber das heisst ja nicht das sie nicht in ein paar Jahren ganz anders aussieht,aber momentan halt nicht.


Was erlaube Skippy???  

was hat denn das mit dem zu tun,das sag ich Trainer unabhängig.
Das trifft eher die Zeit nach Skibbe,aber auch nur vielleicht...
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Nuriel schrieb:
Programmierer schrieb:
Marco72 schrieb:

Von träumen alleine kann man sich nichts kaufen


Stimmt. Aber Träume machen das Leben oft schöner.  


Programmierer



Stimmt nicht. Denn man muss irgendwann aufwachen. Und Aufwachen ist immer scheiße


Das Aufwachen verschiebe ich auf morgen.  


Programmierer
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Programmierer schrieb:
erikeasy schrieb:
Doch gut einstudierte Laufwege bringen auch durchschnittliche Mannschaften enorm voran!


Einstudierte Laufwege sind schön und gut. Nur wenn die Flexibilität fehlt, wenn alles nach Schema F geht, dann lernen die Gegner schnell, diese Laufwege zuzustellen.

Wenn man dann keine Alternativen hat, ist es schnell vorbei mit der Herrlichkeit der neuen Laufwege.

Ein gutes Beispiel war das erste Heimspiel der letzten Saison gegen Berlin. Favre hat die bis dahin von der Eintracht in Freundschaftspielen gezeigte Stärke, das Spiel über die Flügel, taktisch klug konterkariert und war damit erfolgreich.



Programmierer



Einstudierte Laufwege werden nicht permanent umgesetzt. Dafür entstehen in einem Spiel viel zu viele unterschiedliche Situationen. Natürlich werden viele Laufwege und Angriffstaktiken eingeübt, die man dann entsprechend variieren kann, damit man nicht ausrechenbar wird.

Favres Taktik gegen uns war wirklich passend und die Berliner waren ebenfalls in den Einzelduellen größtenteils überlegen. Cicero spielte groß auf zum Bsp.

Erik
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seventh_son schrieb:
Aber Aachener_Adler hat mich schon etwas überzeugt, dass man mit einer guten taktischen Einstellung die Gegner erstmal schon überraschen kann. Vielleicht schaffen grade wir das ja mal im Laufe der Saison.

Kann ich umgekehrt zurückgeben: ich habe von deiner Argumentation auch einiges für mich übernommen. (Gilt im Prinzip genauso auch für einige andere in diesem Taktik-Thread.) So macht diskutieren im Forum Spaß!

Und Deine Hoffnung, die anderen Mannschaften in der kommenden Saison wieder etwas mehr überraschen zu können, teile ich genauso. Herr Skibbe, zeigen Sie uns, was Sie können!
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Aachener_Adler schrieb:
Misanthrop schrieb:
Das Beispiel Hecking könnte doch aber inzwischen zum Beleg dienen, dass es eben doch nicht nur sein System war, das Dir in Aachen gefallen hat. Warum kann er dies sonst nicht bei H96 durchsetzen? Er hatte ja jetzt schon ein wenig Zeit.

Absolut berechtigte und gute Frage. Hecking musste in Hannover einen Kader übernehmen, der nicht von ihm zusammengestellt war. Insofern muss man ihm etwas Zeit geben. Immerhin hat er Hannover eine phänomenale Heimstärke eingeimpft, für die auch die Alemannia unter seiner Trainerschaft bekannt war. Das sind schon mal Parallelen. Warum aber Hannover auswärts so gar nichts gerissen hat, verstehe ich wirklich nicht. Vielleicht ist's auch die beliebte Hecking'sche Auswärtstaktik gerade bei starken Gegnern (nämlich: die ersten 20 Minuten Vollgas geben mit einem Tempo, dass man keine 60 Minuten durchhalten könnte, dabei in Führung gehen, dann alles über die Zeit schaukeln), die in Liga 1 einfach nicht funktionieren will.

In eine ähnliche Richtung geht die Beobachtung, dass man mit eher bescheidenen, leicht auszurechnenden spielerischen Mitteln auch bei noch so viel Übung und Automatisierung es in Liga 1 deutlich schwerer hat als in Liga 2. Das wäre dann ein ähnlicher Vorwurf, wie er auch Friedhelm Funkel gerne gemacht wird und so ganz unterschiedlich sind beide Trainer sicher nicht. Beide Trainer stellen das Kollektiv weit über die individuelle Klasse einzelner Spieler, so weit, dass ich selbst als bekennender "Kollektiv-Denker" mich manchmal frage, ob das noch sinnvoll ist.

Trotz aller Kiritk an seinen ausgeprägt einfachen Konzepten gebe ich aber offen zu, dass ich von Hecking recht viel halte (die sichere Beherrschung des kleinen Fußball-Einmaleins ist nun mal die Grundlage für alles weitere und menschlich hatte Hecking seine Truppe immer ausgezeichnet im Griff). Von Hannover hätte ich letztes Jahr deutlich mehr erwartet. Aber aus Eintracht-Sicht bin ich nicht unglücklich, dass die mit ihrer Strategie "jetzt greifen wir mit großen Investitionen mal richtig oben an!" gründlichst auf die Schnauze gefallen sind.


Mir werden die Hannoveraner ohnehin schlechter gemacht als sie tatsächlich sind.
Auch sie hatten mit beträchtlichem Verletzungspech zu kämpfen.
Dennoch hatte ich immer mal wieder den Eindruck, dass sie neben vielen grottenschlechten Spielen wo sie verdient verloren haben, einige wirklich blöde Niederlagen hatten.
Auf der anderen Seite aber auch richtig überzeugende Spiele abgeliefert.
Dabei war eine recht offensive Auslegung oftmals zu erkennen, wobei 49 Tore bei rumkamen, immerhin 10 Buden mehr als bei der Eintracht.
Und hej: Es kamen nebenbei auch 40 Punkte bei rum.


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