Über die Sichtweisen in China und des Westens, die Möglichkeit einer Weltkrise, falls es zur Eskalation kommen sollte, und die Wiederaufnahme des Dialogs.
Über die Sichtweisen in China und des Westens, die Möglichkeit einer Weltkrise, falls es zur Eskalation kommen sollte, und die Wiederaufnahme des Dialogs.
Ein besonnener Kommentar, den sich Dahramsala genauer ansehen sollte.
adlerkadabra schrieb: In der heutigen TAZ: Chinas vergessener Wandel
Der Autor Thomas Heberer ist Sinologe und Professor für Ostasiatische Politik, und sein Beitrag hebt sich durch gründliche Kenntnis der Materie und auch Sachlichkeit wohltuend vom Gros der Berichterstattung ab.
Nur zwei kritische Anmerkungen zu seinen Ausführungen:
Heberer sieht Tibet historisch permanent unter chinesischer Oberherrschaft. Geht man aber nur einen Schritt weiter zurück als er, sieht man, dass Tibet ohne fest definiertes Staatsterritorium bis Anfang des 18. Jhdts. locker mit der Mongolei assoziiert war. Erst nach dem Ende des mongolischen Reiches erklärte (!) China Tibet zum eigenen Protektorat – dies allerdings durchaus zunächst zum Vorteil beider Seiten.
Anfang des 20. Jahrhunderts kam - und das war entscheidend - durch koloniale Einmischung Großbritanniens erhebliche Schärfe in die tibetisch-chinesischen Beziehungen. Zur Eskalation kam es dann in den 50er Jahren, als China nicht länger bereit war, die politisch-kulturell-religiöse Autonomie Tibets zu respektieren. Dazu meine zweite kritische Anmerkung: die ungeheuere Grausamkeit, mit der in der Folge die Revolutionsgarden und die Armee gegen die Zivil-Bevölkerung und namentlich die Mönche vorging; die unersetzlichen Verluste, die durch Zerstörung von über 90% der Klöster entstanden; die Verwüstung ganzer Regionen des Landes durch rücksichtslose Ausbeutung seiner Ressourcen; die Tatsache, dass die Tibeter durch massenhafte Zuwanderung von Han-Chinesen zur Minderheit im eigenen Land wurden – darauf geht der Autor zu wenig ein.
Sicherlich ist es aber richtig und wichtig zu betonen, dass es jetzt nicht darum gehen kann, China vom Westen her populistisch an den Pranger zu stellen. Sicher, der Finger muss in die Wunde gelegt werden, darin kein Nachlassen. Aber es sollte mit Respekt und Vernunft miteinander gesprochen werden. Das scheint mir der Ansatz des Dalai Lama zu sein, den China immer noch völlig zu Unrecht und im Endeffekt ganz gegen die eigenen Interessen verteufelt.
Über die Sichtweisen in China und des Westens, die Möglichkeit einer Weltkrise, falls es zur Eskalation kommen sollte, und die Wiederaufnahme des Dialogs.
Ein Beitrag des deutschen Ex-Botschafters in Peking, der allein dadurch für sich einnimmt, dass er mit einem verständnisvollen und liebenden Auge auf China geschrieben wurde. Ich kann das gut nachvollziehen. Nur so allerdings kann man sich auch erklären, wie es sein kann, dass einem klugen Mann ein Satz wie dieser passiert:
"Was geschieht, wenn sich die Lage nicht "beruhigt" (...) und die chinesische Regierung auf Mönche schießen lässt?"
Der allergrößte Teil der vor der Flucht des Dalai Lama in Tibet praktizierenden Mönche wurde v.a. in den zwei darauf folgenden Jahrzehnten von den chinesischen Kulturrevolutionären und der Armee ermordet, in Umerziehungslager gesteckt, gedemütigt, gefoltert. Die Mönche von Klöstern, die sich ihrer Auflösung widersetzten, wurden erschossen oder verbrannten aus freiem Entschluss mit ihrem Kloster. Dies waren auch keine Einzelfälle, sondern gängige Praxis jener Zeit.
Was geschieht also, wenn die chinesische Regierung wieder auf Mönche schießen lässt? Heute, im Gegensatz zu damals, einiges. Und das ist gut so.
Über die Sichtweisen in China und des Westens, die Möglichkeit einer Weltkrise, falls es zur Eskalation kommen sollte, und die Wiederaufnahme des Dialogs.
Ein Beitrag des deutschen Ex-Botschafters in Peking, der allein dadurch für sich einnimmt, dass er mit einem verständnisvollen und liebenden Auge auf China geschrieben wurde. Ich kann das gut nachvollziehen. Nur so allerdings kann man sich auch erklären, wie es sein kann, dass einem klugen Mann ein Satz wie dieser passiert:
"Was geschieht, wenn sich die Lage nicht "beruhigt" (...) und die chinesische Regierung auf Mönche schießen lässt?"
Der allergrößte Teil der vor der Flucht des Dalai Lama in Tibet praktizierenden Mönche wurde v.a. in den zwei darauf folgenden Jahrzehnten von den chinesischen Kulturrevolutionären und der Armee ermordet, in Umerziehungslager gesteckt, gedemütigt, gefoltert. Die Mönche von Klöstern, die sich ihrer Auflösung widersetzten, wurden erschossen oder verbrannten aus freiem Entschluss mit ihrem Kloster. Dies waren auch keine Einzelfälle, sondern gängige Praxis jener Zeit.
Was geschieht also, wenn die chinesische Regierung wieder auf Mönche schießen lässt? Heute, im Gegensatz zu damals, einiges. Und das ist gut so.
Nun ja, der Zusammenhang, in dem das steht, ist ja die Möglichkeit einer sich steigernden Eskalation der Schwere des momentanen Konflikts. Die bombenlegenden Tibeter und die auf Mönche schießende chinesische Regierung werden dabei als Beispiele für diese Eskalation angeführt.
Ohne das Leid, das China hier verursacht hat, beschönigen zu wollen, im geschilderten Zusammenhang muß man darauf nicht extra hinweisen.
Das lässt für die Gespräche nicht unbedingt Gutes erwarten. Naja, kann Taktik sein, warten wir's ab.
TIBET-KONFLIKT Chinas Staatsmedien beschimpfen Dalai Lama Sie nennen ihn einen "Kriminellen" und "Zerstörer": Kurz vor den Gesprächen mit tibetischen Gesandten attackieren Chinas Medien den Dalai Lama.
Es wäre der geniale Zeitpunkt für China, jetzt, im Vorfeld der Spiele, einen essentiellen Schritt auf Tibet zuzugehen. Sein Ansehen in der Welt würde exponentiell steigen.
DIALOG MIT DALAI LAMA Peking spielt bei Tibet-Gesprächen auf Zeit Erstmals seit den Unruhen in Tibet haben sich Vertreter der chinesischen Regierung mit Abgesandten des Dalai Lamas getroffen. Einziges Ergebnis der Verhandlungen: Sie sollen fortgesetzt werden.http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,551357,00.html
Ich bin schon auch der Auffassung, dass der Westen, um es mal so allgemein zu sagen, seinen Blick auf beide, China wie Tibet, schärfen sollte, aktuell wie historisch. Dennoch, welche der beiden Seiten momentan mehr die Unwahrheit sagt, und zwar drastisch mehr, ist offensichtlich:
http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,551577,00.html PROPAGANDA AUS PEKING China lügt die Geschichte Tibets um Von Andreas Lorenz, Peking Die Bauern darben, während der Dalai Lama im Luxus lebt: So deutet eine Ausstellung im Pekinger Nationalitätenpalast die Geschichte Tibets um. Zentrale Botschaft der Propaganda-Offensive gegen die "Dalai-Clique": Erst mit China kam die Zivilisation nach Tibet.
Der Spiegel schrieb: Große Teile der Geschichte bleiben allerdings ausgeblendet. Dass die KP die Ländereien, die sie an die Tibeter verteilt hatte, ihnen bei den großen Zwangskollektivierungen bald wieder wegnahm, wird ebenso verschwiegen wie die Kulturrevolution mit ihren grausamen Kampagnen gegen Tempel und Mönche. Gleiches gilt für die zerstörten Klöster, die Verhaftungen und Aufstände.
Diese Vorgänge betreffen allerdings die Politik der KP Chinas bezüglich des gesamten Chinas und nicht nur Tibets. Auch die Herrschaft der als "Viererbande" in die Geschichte der KP Chinas eingegangenen Führer betraf ganz China, ebenso wie die Auswüchse der "Kulturrevolution". Unter diesen Verhältnissen litt die gesamte Chinesische Bevölkerung und nicht nur die Tibeter. Das in dieser Ausstellung lediglich Wohltaten und Geschichtsklitterung gezeigt wird, kann man sicher kritisieren. Dies und die verschwiegenen historischen Vorgänge haben allerdings gerade damit zu tun, daß Tibet eben als Teil Chinas diese Zeiten durchlebte, wie dies die übrigen Chinesen auch erdulden mußten.
Auch die Indianer Nordamerikas können aus ihrer Ausrottung und Unterdrückung heute keinen ernsthaften Anspruch auf Loslösung ihrer ehemaligen oder gegenwärtigen Territorien von der USA herleiten, sondern lediglich eine kulturelle und wirtschaftliche Autonomie beanspruchen. Diese sollte allerdings bei den anstehenden Verhandlungen zwischen dem DL und der KP Chinas schon herausspringen.
Nächste Woche besucht der Dalai Lama, das religiöse Oberhaupt der Tibeter, Deutschland. Im Gespräch mit stern.de-Reporter Teja Fiedler erklärt er, was für eine Form von Autonomie er von China fordert, weshalb es für Peking besser wäre, seine Tibet-Politik langfristig zu korrigieren - und was er von seiner Deutschlandvisite erwartet. http://www.stern.de/politik/ausland/619728.html
Das soll hier auch stehen: NATURKATASTROPHE Tausende sterben bei Erdbeben in China
Die Folgen des Erdbebens in Südwestchina sind weit gravierender als zunächst angenommen: Inzwischen sprechen die chinesischen Behörden von mindestens 3000 bis 5000 Toten und mehr als 10.000 Verletzten. Offenbar stürzten mehrere Schulen ein. http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,552785,00.html
einestages wirft einen Blick die Aufstände in Tibet End der 50er, die daraus folgende, endgültige Unterwerfung des Landes und auf die Flucht des Dalai Lama:
Am Pranger des Westens
Über die Sichtweisen in China und des Westens, die Möglichkeit einer Weltkrise, falls es zur Eskalation kommen sollte, und die Wiederaufnahme des Dialogs.
Ein besonnener Kommentar, den sich Dahramsala genauer ansehen sollte.
http://www.taz.de/nc/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=sw&dig=2008%2F04%2F16%2Fa0108&src=GI&cHash=3ce85d0869
Ein Beitrag des deutschen Ex-Botschafters in Peking, der allein dadurch für sich einnimmt, dass er mit einem verständnisvollen und liebenden Auge auf China geschrieben wurde. Ich kann das gut nachvollziehen. Nur so allerdings kann man sich auch erklären, wie es sein kann, dass einem klugen Mann ein Satz wie dieser passiert:
"Was geschieht, wenn sich die Lage nicht "beruhigt" (...) und die chinesische Regierung auf Mönche schießen lässt?"
Der allergrößte Teil der vor der Flucht des Dalai Lama in Tibet praktizierenden Mönche wurde v.a. in den zwei darauf folgenden Jahrzehnten von den chinesischen Kulturrevolutionären und der Armee ermordet, in Umerziehungslager gesteckt, gedemütigt, gefoltert. Die Mönche von Klöstern, die sich ihrer Auflösung widersetzten, wurden erschossen oder verbrannten aus freiem Entschluss mit ihrem Kloster. Dies waren auch keine Einzelfälle, sondern gängige Praxis jener Zeit.
Was geschieht also, wenn die chinesische Regierung wieder auf Mönche schießen lässt? Heute, im Gegensatz zu damals, einiges. Und das ist gut so.
Nun ja, der Zusammenhang, in dem das steht, ist ja die Möglichkeit einer sich steigernden Eskalation der Schwere des momentanen Konflikts. Die bombenlegenden Tibeter und die auf Mönche schießende chinesische Regierung werden dabei als Beispiele für diese Eskalation angeführt.
Ohne das Leid, das China hier verursacht hat, beschönigen zu wollen, im geschilderten Zusammenhang muß man darauf nicht extra hinweisen.
Peking will Vertreter des Dalai Lama treffen
TIBET-KONFLIKT
Chinas Staatsmedien beschimpfen Dalai Lama
Sie nennen ihn einen "Kriminellen" und "Zerstörer": Kurz vor den Gesprächen mit tibetischen Gesandten attackieren Chinas Medien den Dalai Lama.
http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,551235,00.html
Perfekt inszeniert würde ich sagen...
DIALOG MIT DALAI LAMA
Peking spielt bei Tibet-Gesprächen auf Zeit
Erstmals seit den Unruhen in Tibet haben sich Vertreter der chinesischen Regierung mit Abgesandten des Dalai Lamas getroffen. Einziges Ergebnis der Verhandlungen: Sie sollen fortgesetzt werden. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,551357,00.html
http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,551577,00.html
PROPAGANDA AUS PEKING
China lügt die Geschichte Tibets um
Von Andreas Lorenz, Peking
Die Bauern darben, während der Dalai Lama im Luxus lebt: So deutet eine Ausstellung im Pekinger Nationalitätenpalast die Geschichte Tibets um. Zentrale Botschaft der Propaganda-Offensive gegen die "Dalai-Clique": Erst mit China kam die Zivilisation nach Tibet.
Diese Vorgänge betreffen allerdings die Politik der KP Chinas bezüglich des gesamten Chinas und nicht nur Tibets. Auch die Herrschaft der als "Viererbande" in die Geschichte der KP Chinas eingegangenen Führer betraf ganz China, ebenso wie die Auswüchse der "Kulturrevolution". Unter diesen Verhältnissen litt die gesamte Chinesische Bevölkerung und nicht nur die Tibeter. Das in dieser Ausstellung lediglich Wohltaten und Geschichtsklitterung
gezeigt wird, kann man sicher kritisieren. Dies und die verschwiegenen historischen Vorgänge haben allerdings gerade damit zu tun, daß Tibet eben als Teil Chinas diese Zeiten durchlebte, wie dies die übrigen Chinesen auch erdulden mußten.
Auch die Indianer Nordamerikas können aus ihrer Ausrottung und Unterdrückung heute keinen ernsthaften Anspruch auf Loslösung ihrer ehemaligen oder gegenwärtigen Territorien von der USA herleiten, sondern lediglich eine kulturelle und wirtschaftliche Autonomie beanspruchen. Diese sollte allerdings bei den anstehenden Verhandlungen zwischen dem DL und der KP Chinas schon herausspringen.
Dalai-Lama-Interview
"Echte Autonomie ist der einzige Weg"
Nächste Woche besucht der Dalai Lama, das religiöse Oberhaupt der Tibeter, Deutschland. Im Gespräch mit stern.de-Reporter Teja Fiedler erklärt er, was für eine Form von Autonomie er von China fordert, weshalb es für Peking besser wäre, seine Tibet-Politik langfristig zu korrigieren - und was er von seiner Deutschlandvisite erwartet.
http://www.stern.de/politik/ausland/619728.html
NATURKATASTROPHE
Tausende sterben bei Erdbeben in China
Die Folgen des Erdbebens in Südwestchina sind weit gravierender als zunächst angenommen: Inzwischen sprechen die chinesischen Behörden von mindestens 3000 bis 5000 Toten und mehr als 10.000 Verletzten. Offenbar stürzten mehrere Schulen ein.
http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,552785,00.html
Aufstand für den Gottkönig