MRSA-Eine Geißel der Menschheit ???

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Jedem dürfte bekannt sein, dass bei hochinfektiösen Krankheiten wie Gelbfieber, Pfeiffersche``s Drüsenfieber oder gar Ebola, ganze Stationen, Krankenhäuser, ja ganze Dörfer und Städte dicht gemacht werden. Wer sich dann darin befindet, hat die A-Karte gezogen.

Nicht so bei MRSA oder ESBL, dabei handelt es sich um merkwürdige Keime, die sehr unangenehm werden können und abstruse Auftretens Formen annehmen können.
Folgeerkrankungen an inneren Organen oder Folgeoperationen an Lebenserhaltenden Körperteilen können durchaus zum Tode führen, aber nur bei Menschen, die Immungeschwächt sind und von diesem Keim besiedelt werden.

Diese Keime unterliegen schon lange nicht mehr einer Meldepflicht an das Bundesgesundheitsamt.
In Holland z.B. sind diese so gut wie ausgerottet, da jeder Patient als infiziert gilt, solange bis der Unschuldsbeweis vorliegt. D.h. jeder Patient eines KH`s wird isoliert in einem Einzelzimmer untergebracht, bis die Unschuldsvermutung eintritt.
Ich möchte Euch meine gesundheitliche Vorgeschichte ersparen, nur so viel, ich bin Immungeschwächt.
Im Frühsommer 2012 musste ich mich einer sehr schmerzhaften Vorfußamputation unterziehen. Dabei zog ich mir auf der Station, im OP, im Krankenhaus einen MRSA zu.
Ich möchte hier nur über den bei mir festgestellten MRSA schreiben, über die Vorkommnisse und Erlebnisse im KH.

Beim MRSA (Multi Resistenter Staphyloccoccuuss aureus) handelt es sich um einen Krankenhaus-und Altenheimspezifischen Keim, der fast nur hier auftritt, weil er sich resistent gemacht hat, gegen alle bekannten Desinfektionsmittel und somit auch in unseren OP`s grassiert.
Er ist nur gefährlich für Immungeschwächte Personen!
Der MRSA hängt an allem was ihr jemals in der Hand gehabt habt. An dem Spielzeug der Kinder, an Tellerchen und Löffelchen, an jedem Scheißwerkzeug, überall.

Bei mir doch nicht?
Doch, auch bei Dir!

Ihr habt es nur dem Zufall zu verdanken, dass ihr nicht Immungeschwächt seid und dass bei Euch nicht die Desinfektionsmittel zum Einsatz kommen, die im Krankenhaus verwendet werden.
Der MRSA hat Zuhause keine Überlebenschance.
Ich ging mit der Sache sehr offensiv um und informierte Vorsichtshalber Freunde, Bekannte und Familie.

Großer Fehler, Großer Fehler!!

Ich habe bis auf 2-3 Freunde alles verloren!!!

Ich betone, von mir ging „nie“ eine Ansteckungsgefahr aus. Ich war „niemals“ eine Gefahr für andere Menschen, da sich der Keim nur am Knochen im Vorfuß befand.
Auch der Gefäßkoordinator des KH`s beteuerte mir immer wieder, dass ich keinen Sprungkeim hätte, der also mal „husch“ in der Gegend rumfliegt, so wie bei einer Tröpfcheninfektion.
Ich wurde wieder und wieder und immer wieder an Nasenöffnung, Rachen, Achseln, Nabel, Leiste und am Vorfuß getestet, die Abstriche haben immer dasselbe ergeben, ich war immer nur am Vorfuß positiv. (in diesem Fall schlecht, da negativ=gut bedeutet)

Ich hätte mit meinem offenen Vorfuß einem anderen in den offenen ***** (Hämorrhoiden) treten müssen und diese Person hätte Immungeschwächt sein müssen, um ihn zu infizieren.
Oder eine Immungeschwächte Person, hätte mir am offenen Fuß rumlutschen müssen.

Macht das jemand???

Hat das irgendwann, irgendjemanden interessiert???

Mitte November 2012 wurde an meinem linken Knöchel (Vorfuß schon amputiert) ein schöner, fetter Abszess festgestellt. Ich wurde gegen 17.00 Uhr eingewiesen und morgens um 4.30 als letzter Patient operiert. Dabei wurde der Abszess abgeschlagen. (So nennt man das)

Als ich am Vorabend mit meinem Elektro-Rolli auf die Station kam, begrüßte man mich mit: „Na, wen haben wir denn da“ Hinter mir eine Stimme: „Das ist der Herr XY… und der hat MRSA“ Die Schwester: „Dann aber husch, husch ins Zimmer“ Man gab mir unmissverständlich zu verstehen, dass ich das Einzelzimmer (keine Dusche, keine Toilette) nicht unaufgefordert zu verlassen habe.

Naja, ich wurde operiert und fortan eiterte mein Knöchel vor sich hin.
Am nächsten Morgen wollte ich auf die Schwerbehindertentoilette, den Zutritt verweigerte man mir, da ich ja alle meine Keime dort verstreue und außerdem eine Ansteckungsgefahr für andere wäre, durch meine Keime in den Fäkalien. (Ja auch das gibt es bei gewissen MRSA-Patienten, bei mir großer Schwachsinn)
Außerdem hätte man dann ja die zusätzliche Arbeit einer Desinfektion.

Ich also in den Elektro-Rolli, den Gang über die ganze Station hinunter, (hinter mir ein riesen Geschrei) in den Aufzug, hinunter, bei der Rezeptionistin den Schlüssel für die Schwerbehindertentoilette und erst mal schön Porzellan.

Mit dieser Aktion hatte ich sofort 25% der Schwesternschaft gegen mich. 50% waren mir gegenüber neutral, die anderen 25% waren mir gegenüber sehr herzlich und freundlich.

Danach an die frische Luft und ein wenig Nikotin inhalieren.
Jaja ich höre schon die ganzen Nichtraucher und die noch schlimmeren Ex-Raucher mit ihren Kommentaren.
Vergesst es, gebt es auf. Ich bin ein unverbesserlicher, unbeugsamer und unbelehrbarer Mensch.

Bis auf ein paar kleinere Scharmützel verging gut eine Woche.

Samstags, ich durfte wieder mit offenem Fuß duschen, wurde ich, wie immer mit dem Kackstuhl, zur Schwerbehindertendusche kutschiert. Mit einem Notverband um den Fuß, den ich in einer Ecke der Dusche entsorgte. Ich vollendete mein Werk und die Schwester, die mich nach dem Klingeln abholte, schloss Sicherheitshalber die Dusche ab, damit kein anderer sie benutzte, bevor sie nicht gereinigt wurde.
Am Samstagabend bemängelte ich freundlich, dass die gesamte Klingelanlage nicht richtig funktioniere.
Am Sonntagmorgen klingelte ich, da ich noch eine Tasse Kaffee wollte. Ich hätte sie mir ja auch gerne selbst geholt, (dasselbe Dilemma am Abend mit Tee) aber das ging nicht.
Rechts den Joystick vom Rolli, Links Kaffee/Tee und vor mir eine Tür die ständig von alleine zufiel.
Soll ich mir vllt. die Brühe zwischen die Beine stellen und mir die Eier verbrühen?

Keine Regung!

Also fuhr ich nach dem Frühstück ans Schwesternzimmer, bat um eine Tasse Kaffee, fragte freundlich nach, ob man mein Klingeln nicht gehört habe. „Nein, da müsse wohl was nicht mit der Klingelanlage stimmen“ Ich bemerkte beiläufig, „das ich auf dem Zimmer verrecken könne“ eine Schwester ging in ein Patientenzimmer, schraubte etwas an der Klingel und im selben Moment gingen in 6-oder 7 Zimmern die roten Lampen an. Da war ein Tohuwabohu auf der Station, alle sprangen wie wild geworden umher. Mir sagte man: „Ich solle hier nicht so rumschreien“ und in allen Zimmern war Panik.
Der eine hatte schon ins Bett geschissen, der andere schrie nach der Bettpfanne, in jedem Zimmer war etwas anderes.

Ich denke man war etwas säuerlich, weil ich beim gemeinsamen Frühstück gestört habe!

Später fragte ich nach dem Oberarzt wegen dem Verbandwechsel nach dem täglichen Duschen, so wie er es mir aufgetragen hatte. Keine Antwort!
Also machte ich mich Duschfertig, auf dem Kackstuhl, den man mir nach mehrmaliger Nachfrage endlich gebracht hatte.
Ich saß nur in der Unterhose, mit meinem Originalverband um den Fuß vor der Tür, da stand der Oberarzt auf einmal vor mir und bemängelte, dass ich ja noch gar nicht fertig sei, mit einem Din A 4 Blatt in der Hand, dass er seit 4.00 Uhr früh im OP stehe und für solche Späße keine Zeit habe.
Ich hatte in diesem Moment nur ein verschämtes Achselzucken übrig.

In diesem Moment erkannte ich aber auch, dass diese Truppe mich nur mobben und dissen wollte.

Ich stand also mit meinem Kackstuhl, halbnackt da und wartete darauf, dass mich jemand an die Dusche fährt.
Da fragte ich eine vorbeikommende Schwester nach der Stationsleitung.
Sie: „ Da müssen sie schon mit mir und meiner Kollegin XY vorlieb nehmen und überhaupt, sie müsse mich jetzt zur Dusche bringen, ich würde auf der ganzen Station und in der Dusche meine Keime verteilen, ich gehöre gar nicht auf diese Station (Kardiologisch/Internistisch/Geriatrisch/Neurologisch ich glaube das wissen die selbst nicht) sondern auf die Gefäßchirurgische Station, ich dürfte gar nicht aus dem Zimmer, bräuchte ein Zimmer mit eigener Dusche/Toilette und müsse auf dem Zimmer den Kackstuhl benutzen.
Ein Gezeter kann ich Euch sagen.

Sie fuhr mich tatsächlich zur Dusche, die Tür war abgeschlossen, sie musste den Schlüssel holen, sie schloss auf und da lag Original mein Provisorischer Verbandsmüll vom Vortag. Sie war auch nicht in der Lage, meinen aktuellen Verband loszumachen, also entledigte ich mich diesem selbst und entsorgte alles in einem Müllsack.
Später hatte ich noch eine Riesenschreierei mit einem Aushilfspfleger, da er mir unterstellte, ich hätte eine Notklingel bedient. Ich weiß bis heute nicht, wie das funzt!.
(Ein richtiger Vollpfosten)

Noch eine Anekdote zur Hygiene:

An einem Freitag war eine Reinigungskraft auf meinem Zimmer. Das roch man und das sah man.
Am Freitagabend fiel mir ein kleines Stück Papier einer Knäckebrot-Verpackung runter. Dieses lag auch noch am Samstag und am Sonntag. Am Sonntagabend verteilte ich ein paar kleine Stückchen Mandarinenschalen im Zimmer, diese lagen auch noch alle am Dienstagmorgen.
Nachdem ich mich massiv bei der Pflegedienstleitung über die Hygienezustände beschwert hatte, wurden die Mandarinenschalen beseitigt, eine Schwester kam hastig mit einem Müllsack aus meinem Zimmer.
Das Knäckebrotpapier lag am Mittwoch noch da, als ich verlegt wurde.
Auf Anfrage wegen der Putzerei bekam ich zu hören: „Die Reinigung erfolgte täglich, ich sei ja so oft unten.“
Darauf ich: „Aha die sitzt also da draußen und wartet auf mich, egal ob ich um 9.00, 10.00, oder 11.00 Uhr runter fahre und springt dann in mein Zimmer.
Übrigens hat genau diese Person eine Woche zuvor auf freundliche Anfrage gepöbelt. „Seit wann werden denn die Zimmer täglich geputzt“
Noch ein Beweis:
Jeder der eine Putzfrau hat weiß, dass sie niemals die Sachen wieder so hinstellt wie sie gestanden haben. Alle meine Wasch-und Kosmetikartikel waren letztmals Freitag an einem anderen Platz. D.h. von Freitag bis Mittwoch wurde mein Waschbecken nicht gesäubert. Außerdem riecht und sieht man das.

Um meine vom Chefarzt genehmigte Verlegung auf die Gefäßchirurgische Privatstation gab es zwar auch noch Diskussionen. Ich fragte aber: „Ob man glaube, dass ich doof sei. Ohne Verlegung, keine Unterschrift für Narkose und OP.
Verlegung am selben Tag.

Nach diesen Erlebnissen kam mir ein Gedanke!

Entschuldigung, ich weiß, der Vergleich hinkt weit!

So müssen sich die Juden im Zweiten Weltkrieg gefühlt haben, Schlafen, Waschen, Fressen, Saufen, Scheißen alles in einem Raum!
Der Unterschied, ich bin mit dem Leben davon gekommen!

Ich habe mich gefühlt wie ein Mensch Dritter Klasse.

Und das sagte mir nachmittags auch der Oberarzt, dass man als MRSA-Patient immer hinten ansteht und als letzter behandelt wird.

Der Oberarzt kam tatsächlich nochmal zum Verband anlegen!

Nachmittags erschien er nochmal und erklärte mir, dass die Vorfußamputation ein Versuch war, meinen Fuß zu retten und das sich der Fuß nach Genesung immer wieder entzünden würde. Der MRSA wäre mal weg, dann wäre er wieder da, dann würde sich der Fuß wieder entzünden.
Dies würde so lange gehen, bis ich es vor Schmerzen nicht mehr aushalten würde und ihn darum anflehen würde, mir den Haxen abzunehmen.

Ein paar Tage später hatte ich ein sehr angenehmes und langes Gespräch mit dem Chefarzt. Er sicherte mir einen TOP-gereinigten OP, Assistenzarzt und eine 95-98%tige Chance zu, dass der MRSA nach einer Unterschenkelamputation weg sei und ich mit einer Prothese wieder laufen könne.

Da fiel mir die Entscheidung etwas leichter.

Ich habe das aber auch aus einer großen Verantwortung heraus, gegenüber meines 9-jährigen Kindes und meiner Lebensgefährtin gemacht, die zwangsweise die letzten 6-7 Monate mit mir und meinen Problemen leben mussten.
Auch in der Hoffnung irgendwann mal wieder meine Enkel in den Händen zu halten.
Und mit dem Mut dazu.

Ich möchte mit meinem Beitrag keine Panik verbreiten, keine Angst machen, lediglich zur Vorsicht mahnen. Betretet z.B. niemals den Fußboden eines KH`s mit nackten Füßen usw. ihr wisst nie was da lauert. Bazillen, Bakterien, Keime, freiwillig wird Euch kein KH sagen, welche Ansteckungsgefahren lauern.
Gegen das, was im OP abgeht seid ihr eh machtlos!

Abschließend möchte ich anmerken, dass es eine beschissene Sache ist, für die, die sich sowas im KH einfangen.
Ich bin dem Chefarzt aber auch sehr dankbar, dass er mich von dem MRSA befreit hat, eben auf Kosten eines Unterschenkels.
Ich habe in den letzten 12 Monaten eine sehr große Erfahrung gemacht.


Ich bin stinksauer!

Ich bin sauwütend und

ich bin sehr traurig!!!

Krankenschwestern, Pfleger und Ärzte, gerne Willkommen in diesem Thread.

Ihr findet einen bitterbösen und gut informierten Gesprächspartner vor!
Allen schöne Feiertage!  (Nach fröhlich ist mir nicht Zumute)

EINTRACHT
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Das ist ja Wahnsinn, ich wünsche Dir alles erdenklich Gute.
Ich hatte wegen einer hochgradig schmerzhaften aber nicht so gefährlichen Sache das Vergnügen 9 Wochen im KH zu verbringen. Ich war nicht infektiös. Ich kann aber nur ein Lob an alle Pflegekräfte aussprechen, die einen super harten Job machen müssen. Dass du sauer bist, ist absolut nachvollziehbar. Die 2-3 Freunde sind dann aber die echten Freunde.
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Ich wünsche dir alles Gute Stormfather.

Was MRSA bedeutet weiß ich, wie ich im Job damit umzugehen habe weiss ich auch.
Das sehr viele Menschen in Pflegeberufen, ob Privat oder Krankenhaus, das nicht wissen und keinerlei Ahnung haben wissen wir beide aus unserem ehemaligen gemeinsamen Beruf. (KvD)

In den Niederlanden wird es richtig gemacht, doch kostet das viel Geld, Zeit und Personal. Das ist hier leider alles nicht vorhanden bzw. es anscheinend nicht wert.

Ich wünsche dir trotz allem durchlebten alles Gute und hoffe das du deine Enkel bald wieder auf den Arm nehmen kannst.

Gruß
Twist
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Guude stormfather,

auch von mir beste Genesungswünsche und baldige Gesundung (inkl. Handhabung Deiner Enkel).
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concordia-eagle schrieb:
Guude stormfather,

auch von mir beste Genesungswünsche und baldige Gesundung (inkl. Handhabung Deiner Enkel).



Auch von mir: Alles Gute. Mehr kann ich im Augenblick nicht sagen.
Frohes Fest - trotz alledem!  
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Sch... Sache.
Gute Besserung
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Die besten Wünsche für Dich. Stormfather.

Ich wünsche dir von ganzem Herzen, daß Du 2013 diese schlimme Geschichte insoweit verarbeitest, daß Du mit der Prothese für Dich klar kommst..Lebensfreude und -Qualität zurückgewinnen kannst.

tja. Dieser MRSA Mist ist mir nur insofern hinlänglich bekannt, als insgesamt viel zu oft alte Menschen damit infiziert aus dem Krhs. zurück in die Pflgeheime gekommen sind.

Das hat dann regelmäßig den ganzen aufwendigen Pflegemüll bedingt.Ich hätte sie regemäßig Knutschen können diese Krankenhäuser

ich finde es toll und gut, daß Du hier auf die MRSA- Gefahren für die entsprechenden Personenkreise aufmerksam machst(Hinweise hast du ja gegeben..u.a. keine nackten Füße auf dem Boden usw......


Aber primär bleiben an erster Stelle die Krankenhäuser(oder natürlich übergeordnete Stellen) gefordert, hier endlich was in Bewegung zu bringen.Der Patient kann gewisse Dinge vorsorglich machen, ist aber letzendlich trotzdem und ansonsten hilflos ausgeliefert

Ich räume ein, daß ich ohnehin Panik vor Krankenhausern habe. Aus mehren persönlichen  Gründen, aber daneben auch wegen diesem MRSA Käse. :neutral-face  :neutral-face

Toi,toi ,toi für Dich !! ,-)
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Hi, gute Besserung, lieber stormfather. Das Problem mit MRSA oder ESBL Patienten kenne ich nur zu gut, leider wird in deutschen Kliniken am falschen Ende gespart. Mir  als Pflegekraft wären niederländische Verhältnisse viel lieber als diese " schwammigen" Hygienemassnahmen, die hierzulande praktiziert werden. Man müsste Geld investieren, um langfristig dies zu sparen. Da sitzen wir als Pflegekräfte am falschen Ende und finden selten bzw. nie Gehör.
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Dirty-Harry schrieb:
Die besten Wünsche für Dich. Stormfather.

Ich wünsche dir von ganzem Herzen, daß Du 2013 diese schlimme Geschichte insoweit verarbeitest, daß Du mit der Prothese für Dich klar kommst..Lebensfreude und -Qualität zurückgewinnen kannst.

tja. Dieser MRSA Mist ist mir nur insofern hinlänglich bekannt, als insgesamt viel zu oft alte Menschen damit infiziert aus dem Krhs. zurück in die Pflgeheime gekommen sind.

Das hat dann regelmäßig den ganzen aufwendigen Pflegemüll bedingt.Ich hätte sie regemäßig Knutschen können diese Krankenhäuser

ich finde es toll und gut, daß Du hier auf die MRSA- Gefahren für die entsprechenden Personenkreise aufmerksam machst(Hinweise hast du ja gegeben..u.a. keine nackten Füße auf dem Boden usw......


Aber primär bleiben an erster Stelle die Krankenhäuser(oder natürlich übergeordnete Stellen) gefordert, hier endlich was in Bewegung zu bringen.Der Patient kann gewisse Dinge vorsorglich machen, ist aber letzendlich trotzdem und ansonsten hilflos ausgeliefert

Ich räume ein, daß ich ohnehin Panik vor Krankenhausern habe. Aus mehren persönlichen  Gründen, aber daneben auch wegen diesem MRSA Käse. :neutral-face  :neutral-face

Toi,toi ,toi für Dich !! ,-)







Ich möchte noch eine Ergänzung nachreichen. Ich hab  einen Menschen mit Unteschenkelprothese-zufällig sogar aus unserem Forum hier- persönlich kennengelernt.

Ich hab es nicht mal gemerkt-obwohl ich als ausgebildete Pflegekraft wirklich eine besonders geschulte und aufmerksame Beobachtungsgabe habe-bis er es mir erzählt hat, So gut und normal hat er sich damit bewegt.

Pack es bitte entsprechend an , insgesamt .
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Von mir auch erstmal beste Genesungswünsche!

Zu dem Thema, krank sein und Freunde verlieren... das kenn ich zu gut. Ich bin stark Depressiv und habe mich erst sehr sehr spät jemanden anvertraut, da ich mir selbst nicht eingestehen konnte krank zu sein, sondern meinte es wäre nur eine Phase....
Nachdem ich es mir aber selbst eingestanden habe, habe ich auch meinen Freunden davon berichtet, weshalb ich mich immer weiter zurückzog etc. End vom Lied: Ich habe noch zwei echte Freunde, die mich unterstützen und aktiv versuchen, mich zu unterstützen.

Zum Thema Krankenhaus, deren Pfleger etc:
Die Bedingungen als Patient sind oftmals mehr als fragwürdig. Das Problem liegt aber vorallem im System und, wie schon paar mal angesprochen daran, dass am falschen Ende gespart wird. Ich habe einen großen Respekt vor Krankenschwestern und Pflegern egal ob im Krankenhaus oder zB Altenheim. Was diese Menschen leisten müssen, verdient jede Menge Respekt. Jegliche, von Kommunen oder anderen öfftl. Einrichtungen geführten Krankenhäuser mussten in den letzten 10 Jahren so dermaßen Einsparungen treffen, dass dies immer zu Lasten des Personals geführt wurde. Unterbesetzung, arschlange Schichten, Repressalien durch Hygienebestimmungen die, wie du schon angemerkt hast, vollkommen unter aller Sau sind, und das alles für schlechte Bezahlung.... Das da eine Arbeitskraft i-wann kapituliert kann ich verstehen. I-wann hat ein Mensch nicht mehr die Kraft, sich für "Sonderfälle" zu kümmern, da der Alltag einem schon alles abverlangt.

Versteh mich bitte nicht falsch, ich habe kein Verständnis dafür, dass du im Krankenhaus wie Dreck behandelt wirst. Das kann und darf man nicht akzeptieren.  Ich kann aber Personal verstehen, die am Ende mit ihrem Latein sind, weil die Politik und Versicherungen meinen, an der Gesundheit der Menschen Geld einzusparen.

Ich wünsche dir alles erdenklich Gute, und hoffe, solche Vorfälle werden viel öfter diskutiert und öffentlich gemacht. Nur durch aktive Teilhabe kann man als Volk auch etwas in dieser Hinsicht ändern. Solang aber immernoch die Meinung herscht, bei mir passiert das nicht, also juckt es mich auch nicht, wird es sehr sehr schwierig gerade im Gesundheitsbereich wesentliche, dem Patienten und Pflegekräften helfende Änderungen zu erreichen.
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OK, wo fang ich da jetzt an? Am besten mit dem wichtigsten Punkt:

Gute Besserung an dich. Auf dass die letzte OP geglückt ist und du nun die Genesung angehen kannst. Und wie schon jemand sagte... heuer kann es sich auch nach einer Unterschenkelamputation gut leben. Der Prothesen-Technik sei dank.

Weiterhin noch ein paar Sachen zu MRSA, ESBL, Mikrobiologie, Desinfektionsmitteln, Antibiotika, Resistanzentwicklung und letztendlich den "holländischen Weg" (warum die uns in so vielem voraus sind ist mir ein Rätsel? Gesundheitspolitik, Bildungspolitik, Drogenpolitik... nur beim Fussball sicher nicht ).

Wie du ja schon richtig gesagt hast, handelt es sich bei MRSA um multi-resistant staphylococcus aureus. ESBL steht für "extended spectrum beta-lactamase" und bescheibt keine Bakterienart, sondern einen Genotyp, welcher bei diversen Bakterien (meist gram-negative Bakterien, wie etwa E. coli) beobachtet werden kann.

S. aureus ist ein sehr weit verbreitetes Bakterium und eigentlich überall zu finden. Dabei ist es in der Regel nicht pathogen, dh. krankheitserregend. Es besiedelt ua. die Haut des Menschen. Halb so wild. Problematisch wird es bei, wie du schon sagtest, immungeschwächten Menschen, da hier die körpereigene Abwehr kaum oder garnicht funktioniert. Denn S. aureus besitzt diverse Pathogenitätsfaktoren. Pathogenitätsfaktoren sind Eigenschaften, welche unter bestimmten Bedingungen beim Wirt (in dem Falle beim Menschen) Krankheiten auslösen können. Das können zb. gewisse Gene sein, die für Proteine kodieren, welche die Schädigung des Wirtes bewirken - sei es nun direkt oder über die Produktion von Toxinen oder ähnliches.

Da bei Immunschwäche (oder sonstigen ungünstigen Umständen) die Bakterien nicht rechtzeitig von den Abwehrzellen beseitigt werden kommt es zur Krankheit. Im Falle von S. aureus können die Atemwege betroffen sein, aber auch Sepsis ("Blutvergiftung") und andere Krankheitsbilder sind möglich. Um in diesem Falle Bakterien bekämpfen zu können werden Antibiotika eingesetzt.

Antibiotika sind Stoffe, welche im Allgemeinen die Vermehrung (bakteriostatisch) hemmen oder die Bakterien abtöten (bakteriozid). Auch diverse Stoffe, welche gegen Pathogene wirken, welche nicht zu den Bakterien zählen (Viren, Protozoen) werden zu den Antibiotika gezählt, sind für die weitere Betrachtung an dieser Stelle jedoch irrelevant.

Gegen bakterielle Infektionen eingesetzte Antibiotika weisen Eigenschaften auf, welche lebensnotwendige Vorgänge in Bakterien blockieren. Dabei beeinflussen sie nicht die Funktionsweise in Zellen des Menschen. So wirken einige Antibiotika dahingehend, dass sie die Proteinsynthese in Bakterien lahmlegen. Proteine bestehen aus verknüpften Aminosäuren. Diese werden anhand der Basensequenz (3 Basen = 1 Aminosäure) einer Vorlage, der sog. mRNA (oder messenger-RNA), durch das Ribosom kovalent verknüpft. Das Ribosom kommt in allen Zellen vor. Allerdings unterscheidet sich die Struktur des bakteriellen Ribosoms von der des menschlichen Ribosoms. Bakterien besitzen sog. 70S-Ribosomen. Eukaryoten (und somit auch der Mensch) weisen 80S-Ribosomen auf. Dieser Unterschied ermöglicht es, bakterielle 70S-Ribosomen über Antibiotika zu blockieren, ohne gleichzeitig das eukaryotische 80S-Ribosom zu beeinträchtigen. Denn das wäre schlecht, da tödlich. Ein Beispiel für ein solches Antibiotikum wäre das Makrolidantibiotikum "Erythromycin". Aber auch Tetracycline gehören zu dieser Klasse, welche bakteriostatisch wirkt.

Ein weiterer, bakterien-spezifischer Angriffsort für Antibiotika ist die bakterielle Zellwand. So kann die Synthese der Zellwand gehemmt werden. Die Zellwand wird löchrig. Das osmotische Gleichgewicht wird gestört. Das Bakterium platzt und ist put. Zu dieser Gruppe der bakteriolytischen (bzw. bakterioziden) Antibiotika-Klasse gehören etwa beta-Lactame. Weitere, bakterienspezifische Wirkmechnismen diverser Antibiotika sind bekannt und werden ausgenutzt. Allerdings will ich auf die Beschreibung dieser an der Stelle verzichten, um den Rahmen nicht zu sprengen.

Das Problem ist nun jedoch, dass Bakterien den Antibiotika nicht schutzlos gegenüber stehen. Es können sich sogenannte Resistenzen entwickeln. Und die Möglichkeiten der Resistenzentwicklung sind vielfältig. Denkbar ist etwa eine Mutation im Genom eines Bakteriums. Beispielsweise könnte ein spezifisches Enzym, welches für die Zellwandsynthese nötig ist und durch Antibiotika blockiert wird, durch eine Amplifikation (bzw. Verfielfältigung) des entsprechenden Gens in sehr viel größeren Mengen vom Bakterium hergestellt werden. Somit sind nun, trotz Antibiotika, noch ausreichend funktionstüchtige Enzyme vorhanden. Eine weitere Möglichkeit der Resistanzbildung wäre auch eine Mutation eines Gens, dessen Genprodukt Ziel eines Antibiotikums ist. Im Extremfall kann es ausreichen, eine einzige Base in der Gensequenz zu verändern. Das anhand des Gens synthetisierte Proteine besitzt nun an einer spezifischen Stelle eine andere Aminosäure als zuvor und weist eine veränderte Struktur auf. Sofern die Funktionalität weiter gegeben ist, jedoch das Antibiotikum nun nicht mehr binden und blockieren kann, ist eine Resistenz entstanden. Weitere Resistenzmechanismen können Gene sein, welche für Proteine kodieren, die Antibiotika wieder aus der Bakterienzelle befördern, bevor diese ihre Arbeit verrichten können. Oder die Antibiotika einfach abbauen. Ein prominentes Beispiel hierfür ist das Enzym beta-Lactamase. Namensgeber für ESBL. Es gibt diverse beta-Lactam-Antibiotika, die sich hinsichtlich der Grundstruktur gleichen, aber diverse Modifikationen tragen. Normale beta-Lactamase spaltet die beta-Lactam-Ringe einiger beta-Lactam-Antibiotika. Extended spectrum beta-Lactamase spaltet praktisch alle beta-Lactam-Antibiotika, ungeachtet ihrer Modifikation. Und somit sind bei diesen Bakterien beta-Lactam-Antibiotika wirkungslos (wobei es auch hier mittlerweile Gegenmittel gegen das Gegenmittel gibt, die in extremen Fällen eingesetzt werden).

Die Entstehung von Resistenzen nach dem og. Muster ist kein Hokuspokus, sondern ganz normale Evolution. Eine genetische Mutation führt zu Vorteilen unter bestimmten Bedingungen. Und wenn diese Bedingung eintritt, in diesem Falle die Antibiotika-Therapie, haben entsprechend ausgerüstete Bakterien einen Vorteil. Sie überleben, wo ihre nicht-resistenten Artgenossen hopps gehen. Sie breiten sich folglich schneller aus. Und mit ihnen die Resistenz. Erschwerend kommt hinzu, dass Bakterien auch genetisches Material untereinander über diverse Mechanismen austauschen können. Erwirbt ein Bakterium durch den og. Prozess eine Resistenz, kann es diese u.U. auf weitere Bakterien übertragen. Und das ganze kann sogar, unter bestimmten Voraussetzungen, artübergreifend funktionieren. Da Selektionsdruck, also in diesem Falle die Gabe von Antibiotika, die evolutive Entwicklung beschleunigt, ist auch die massenhafte Gabe von Antibiotika in der Tiermast ein Skandal, der nicht genug Aufmerksamkeit bekommt. Aber das ist ein anderes Thema, dass eigentlich gesondert diskutiert gehört. Auch wird nun wohl sofort klar, wieso man Antibiotika grundsätzlich solange nehmen MUSS, bis die Infektion sicher überwunden ist. Nämlich um sicherzustellen, dass die Abwehrzellen genug Zeit haben sich noch mit einer Hand voll Bakterien zu beschäftigen, welche Resistenzen ausgebildet haben könnten. Packen dies die Abwehrzellen nicht, da noch zu viele Bakterien (auch normale ohne Resistenz) vorhanden sind, flammt die Infektion wieder auf. Aber diesmal mit einem sehr hohen Anteil an resistenten Bakterien. Und das ist schlecht.

MRSA sind ein Produkt einer solchen Evolution. Die entsprechenden Stämme von. S. aureus haben über die Zeit, dank des reichlich vorhandenen Selektionsdruckes durch übermässige und unsachgemäße Anwendung von Antibiotika, etliche Resistenzmechanismen entwickelt bzw. erworben. Somit sind sie gegen fast alle Antibiotika resistent und können nicht mehr mit diesen bekämpft werden. Als Folge können Krankheitsverläufe auftreten, wie du sie nun durchleben muss.

Wichtig ist mir noch zu Erwähnen, dass Antibiotika und Desinfektionsmittel zwei grundverschiedene Dinge sind. Zum einen möchte ich das erwähnen, da du in deinem Post diese Begriffe wohl irrtümlicherweise synonym verwendet hast. Und weil MRSA nicht gegen Desinfektionsmittel resistent geworden sind. Desinfektionsmittel können chemisch wirkende Substanzen sein, wie reiner Ethanol. Oder große Hitze, etwa durch einen Autoklaven. Aber auch UV-Strahlung wird zur Desinfektion, etwa von Sterilbanches im Bereich der Biologie oder mWn. auch zur Desinfektion eines OP-Saals, weitläufig eingesetzt. Daher ist entsprechend gewissenhafte, saubere Arbeit im Krankenhaus so wichtig. Denn hier kommen viele Pathogene zusammen, es entwickeln sich schnell neue Stämme. Die uU. dann auch erweiterte Resistenzeigenschaften aufweisen.

Und dies ist nun die perfekte Überleitung zum "holländischen Modell". Denn dabei geht es nicht nur um effizientere Isolation von betroffenen Patienten. Auch wird dort sehr viel mehr Geld in Hygiene investiert. Wurden in Deutschland früher OP-Sääle täglich über Nacht mittels UV-Licht deinfiziert, so geschieht dies heuer vielleicht noch alle 3-4 Nächte. Denn eine Nacht bestrahlen mit UV-Licht kostet. Aber auch an der Anzahl und der Qualifikation der Reinigungskräfte wird massiv gespart. Desinfektionsmittel kosten auch, und auch hier wird gespart. Diese Sparmanie ist in Holland nicht so ausgeprägt, da man sich dort scheinbar bewusst ist, dass die langfristig zu erwartenden Kosten durch Ausbreitung von MRSA und Konsorten sehr viel höher sind als eine gescheite Hygiene in Krankenhäusern. Die geringere Anzahl an betroffenen Patienten, die wie du leiden müssen, ist da scheinbar nur das Bonbon.  

Es lässt sich also sagen, dass letztlich der Sparzwang bei den Krankenkassen (bzw. der unweigerlich folgende Sparzwang bei Krankenhäusern) eine der Hauptursachen für die rasante Ausbreitung von multiresistenten Bakterien ist. Dies ist übrigens auch einer der Gründe, wieso mir der Privatisierungswahn bei Krankenhäusern so sauer aufstößt. Denn jedes Kind weiss doch: Private Unternehmen arbeiten IMMER Gewinnorientiert. Und dabei wird exzessives Sparen auch an solchen Dingen wie Hygiene und Personal (hinsichtlich Qualifikation und Quantität) als legitimes Werkzeug zur Gewinnmaximierung angesehen. Und die Zeche zahlt dann der Patient. Hurra!

Aber auch noch eine kleine Moralkeule zieh ich dir am Ende, trotz deiner beschissenen Situation, über. Wenn du schon weisst, wie wichtig gescheite Quarantäne ist, um eine weitere Ausbreitung multiresistenter Bakterien zu verhindern, dann versuch doch nicht dieser zu entwischen. Die, die deshalb von deiner Art des Leids verschont bleiben, werden es dir danken. Vor diesem Hintergrund ist deine Unterbringung ohne eigenes Bad aber natürlich auch nicht hinnehmbar. Die Gründe vermute ich allerdings weniger bei böswilligen Krankenschwestern als vielmehr bei den Sparbrötchen im Gesundheitsministerium und bei den Krankenkassen. Zu guter letzt noch, weil ich schon die Krankenschwestern erwähnt habe: An diesen deinen verständlichen Frust rauszulassen bringt dir nix und den Schwestern nix. Denn die sind, nach den Patienten, die zweiärmsten Schweine im System. Schreib lieber mal mit deiner Story einen Brief an den Gesundheitsminister. Oder die Presse. Das würde mehr bringen.

Also dann weiterhin noch gute Besserung. Auf dass sich für dich alles wieder zum Guten wendet. Ich drücke dir beide Daumen!
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Alles Gute und Kopf hoch. Deine Genesung wird gelingen!

Die Menschen, die in den Krankenhäusern oder Altenheimen arbeiten,sei es nun in der Pflege oder Reinigung, denen steht das Wasser, auch oft bis zum Hals.
Sie werden nur noch als Kostenfaktor angesehen.
Das Thema, gerechtes Arbeitsentgeld und damit auch Wertschätzung  zu erfahren,  wird sehr oft mit Füßen getreten.
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Die Geschichte ist ganz schön harter Tobak - tut mir Leid was dir da wiederfahren ist.
Danke für den Post, er bringt mich zum Nachdenken. Ich hoffe, ich bin da keine Ausnahme!
Alles erdenklich Gute!
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Ich schließe mich den Genesungswünschen an und wünsche Dir trotz allem ein (möglichst) schönes Weihnachtsfest und vor allem ein besseres Jahr 2013.

Deine Schilderung ist ja wirklich unglaublich (und damit meine ich nicht, dass ich Dir nicht glaube). Eine Mischung aus Gewinnmaximierung seitens der Klinik und Folge der Gesundheitspolitik, wo an allen Ecken und Enden gespart wird. Leidtragende sind hier nicht nur die Patienten, sondern auch das Pflegepersonal. Schlimm(st)e Verhältnisse!
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... und leider kein Einzelfall!!!
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Von mir auch alles Gute.

Besonders geschockt war ich auch über das Verhalten deiner Bekannten. Das ist echt traurig.
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Eintracht-Er schrieb:
Das ist ja Wahnsinn, ich wünsche Dir alles erdenklich Gute.
Ich hatte wegen einer hochgradig schmerzhaften aber nicht so gefährlichen Sache das Vergnügen 9 Wochen im KH zu verbringen. Ich war nicht infektiös. Ich kann aber nur ein Lob an alle Pflegekräfte aussprechen, die einen super harten Job machen müssen. Dass du sauer bist, ist absolut nachvollziehbar. Die 2-3 Freunde sind dann aber die echten Freunde.


Erstmal Vielen Dank an alle die hier gepostet haben, es ist schön, solchen Zuspruch zu bekommen. Ich versuche auch die PN zu beantworten, das Augenlicht spielt leider nicht immer so mit!

Ich war dieses Jahr insgesamt 15 Wochen im KH.
Ich habe alles gesehen!

Ärzte die morgens um 7.00 Uhr, um 15.00 Uhr, um23.00 Uhr, um 9.00 Uhr am nächsten Tag, um 18.00 Uhr und morgens um 5.00 Uhr zwischen Station und OP rumrennen.
Schwestern und Pfleger die 10-14 Tage ohne Unterbrechung arbeiten.
Ich habe allerhöchsten Respekt vor diesen Leuten und habe gesehen unter welchem Druck sie stehen.
Ich habe allerdings keinen Respekt vor diesen Misantrophen (Sorry) auf der Station, auf der ich zuerst war.
Ich halte fast alle Ärzte in diesem KH für "TOP", es ist aber oftmals das Ende des Rattenschwanzes, dass das Essen vergiftet.

Ich habe dort alte, nein sehr alte Menschen gesehen, die 6-8 Stunden, in viel zu großen Roll-Liege-Stühlen am Tropf hängend, vor sich hindösend am Tisch gesessen haben und gefüttert werden mussten
Da habe ich gedacht, ich bin auf der Geriatrie!

Dann sind mir die ganzen armen Verwirrten aufgefallen, die anscheinend wirklich echte Probleme haben.
Da dachte ich, das ist eine Neurologie!

Diese Menschen, können sich doch der Wachsoldaten garnicht erwehren.

Die waren bei mir genau richtig, die gehören selbst in die Klatsche.
#
Twist schrieb:
Ich wünsche dir alles Gute Stormfather.

Was MRSA bedeutet weiß ich, wie ich im Job damit umzugehen habe weiss ich auch.
Das sehr viele Menschen in Pflegeberufen, ob Privat oder Krankenhaus, das nicht wissen und keinerlei Ahnung haben wissen wir beide aus unserem ehemaligen gemeinsamen Beruf. (KvD)

In den Niederlanden wird es richtig gemacht, doch kostet das viel Geld, Zeit und Personal. Das ist hier leider alles nicht vorhanden bzw. es anscheinend nicht wert.

Ich wünsche dir trotz allem durchlebten alles Gute und hoffe das du deine Enkel bald wieder auf den Arm nehmen kannst.

Gruß
Twist



Ja, Du weißt aber auch, als wir 1999 das erste mal von MRSA hörten, war die Konfusion groß.
War die Informations-und Aufklärungspolitik in diesem Verein ausreichend? Nein!
Hatten wir Schutzkittel u.a. Maßnahmen auf den Wagen? Nein!
Hätten wir MRSA-Patienten überhaupt befördern dürfen? Nein!

Meine Mutter wurde 2003 am Kopf operiert, in einem Frankfurter Krankenhaus, das bekannt war für die Abschiebung MRSA Kranker. 2 Tage später wurde sie wieder am Kopf operiert, wie ich erst 3 Monate später erfuhr, weil sie sich einen MRSA eingefangen hatte. Sie war seit dieser erneuten Operation ein absoluter Pflegefall und starb ein Jahr später mit 68 Jahren.
Die Beweisdokumente habe ich noch heute.
Ich wollte gegen dieses KH vorgehen!
Meine Geschwister haben gesagt. "Lass mal, bringt eh nix"

19999, 2003, jetzt schon wieder. Wird der Drexx-MRSA zu meiner Lebensaufgabe?
Aber von verschiedenen Arztpraxen und KH gerade in FFM wurden uns immer wieder MRSA-Patienten untergejubelt. Nur schnell weg mit dem, egal wie, totschweigen und fertig.

Deshalb mein offensiver Umgang mit der Sache!

Es sieht schon lustig aus, wenn 3 oder 4 Mann/Frau im Patientenzimmer erscheinen.
Mit Haarhaube, Mundschutz, grünem Kittel und blauen Füßlingen. Ganz wie eine Karnevalsparade1

Genau dasselbe wen das DRK, die Johanniter oder Malteser zum Transport kommen müssen.
Da stehen die Nachbarn: "Was ist denn hier los, Ja ist denn schon Weihnachten, kommen die vom Mars, Nein Ebola, Tür zu, weg

Ist ja verständlich, dass alle Beteiligten sich schützen müssen, da sie ja noch zu möglicherweise gefährdeten Patienten müssen.
Fahrzeuge und Behandlungsräume fallen bis zu 1 Std. aus wegen Desinfektion.

Aber Danke, ich nehm dann mal meine Enkel kräftig auf den Arm!
#
stormfather3001 schrieb:
Twist schrieb:
Ich wünsche dir alles Gute Stormfather.

Was MRSA bedeutet weiß ich, wie ich im Job damit umzugehen habe weiss ich auch.
Das sehr viele Menschen in Pflegeberufen, ob Privat oder Krankenhaus, das nicht wissen und keinerlei Ahnung haben wissen wir beide aus unserem ehemaligen gemeinsamen Beruf. (KvD)

In den Niederlanden wird es richtig gemacht, doch kostet das viel Geld, Zeit und Personal. Das ist hier leider alles nicht vorhanden bzw. es anscheinend nicht wert.

Ich wünsche dir trotz allem durchlebten alles Gute und hoffe das du deine Enkel bald wieder auf den Arm nehmen kannst.

Gruß
Twist



Ja, Du weißt aber auch, als wir 1999 das erste mal von MRSA hörten, war die Konfusion groß.
War die Informations-und Aufklärungspolitik in diesem Verein ausreichend? Nein!
Hatten wir Schutzkittel u.a. Maßnahmen auf den Wagen? Nein!
Hätten wir MRSA-Patienten überhaupt befördern dürfen? Nein!

Meine Mutter wurde 2003 am Kopf operiert, in einem Frankfurter Krankenhaus, das bekannt war für die Abschiebung MRSA Kranker. 2 Tage später wurde sie wieder am Kopf operiert, wie ich erst 3 Monate später erfuhr, weil sie sich einen MRSA eingefangen hatte. Sie war seit dieser erneuten Operation ein absoluter Pflegefall und starb ein Jahr später mit 68 Jahren.
Die Beweisdokumente habe ich noch heute.
Ich wollte gegen dieses KH vorgehen!
Meine Geschwister haben gesagt. "Lass mal, bringt eh nix"

19999, 2003, jetzt schon wieder. Wird der Drexx-MRSA zu meiner Lebensaufgabe?
Aber von verschiedenen Arztpraxen und KH gerade in FFM wurden uns immer wieder MRSA-Patienten untergejubelt. Nur schnell weg mit dem, egal wie, totschweigen und fertig.

Deshalb mein offensiver Umgang mit der Sache!

Es sieht schon lustig aus, wenn 3 oder 4 Mann/Frau im Patientenzimmer erscheinen.
Mit Haarhaube, Mundschutz, grünem Kittel und blauen Füßlingen. Ganz wie eine Karnevalsparade1

Genau dasselbe wen das DRK, die Johanniter oder Malteser zum Transport kommen müssen.
Da stehen die Nachbarn: "Was ist denn hier los, Ja ist denn schon Weihnachten, kommen die vom Mars, Nein Ebola, Tür zu, weg

Ist ja verständlich, dass alle Beteiligten sich schützen müssen, da sie ja noch zu möglicherweise gefährdeten Patienten müssen.
Fahrzeuge und Behandlungsräume fallen bis zu 1 Std. aus wegen Desinfektion.

Aber Danke, ich nehm dann mal meine Enkel kräftig auf den Arm!  


Kopf hoch, und ich hoffe trotzdem, dass du ein sehr familiäres und schönes Weihnachtsfest hast.

Das eigentlich schlimme ist, dass du kein Einzelfall und das Produkt der aktuellen Zustände in Krankenhäusern bist. Ich habe irgendwo einen "Medizinische Zustände"-Thread aufgemacht. Einfach schlimm...
#
miraculix250 schrieb:
OK, wo fang ich da jetzt an? Am besten mit dem wichtigsten Punkt:

Gute Besserung an dich. Auf dass die letzte OP geglückt ist und du nun die Genesung angehen kannst. Und wie schon jemand sagte... heuer kann es sich auch nach einer Unterschenkelamputation gut leben. Der Prothesen-Technik sei dank.

Weiterhin noch ein paar Sachen zu MRSA, ESBL, Mikrobiologie, Desinfektionsmitteln, Antibiotika, Resistanzentwicklung und letztendlich den "holländischen Weg" (warum die uns in so vielem voraus sind ist mir ein Rätsel? Gesundheitspolitik, Bildungspolitik, Drogenpolitik... nur beim Fussball sicher nicht ).

Wie du ja schon richtig gesagt hast, handelt es sich bei MRSA um multi-resistant staphylococcus aureus. ESBL steht für "extended spectrum beta-lactamase" und bescheibt keine Bakterienart, sondern einen Genotyp, welcher bei diversen Bakterien (meist gram-negative Bakterien, wie etwa E. coli) beobachtet werden kann.

S. aureus ist ein sehr weit verbreitetes Bakterium und eigentlich überall zu finden. Dabei ist es in der Regel nicht pathogen, dh. krankheitserregend. Es besiedelt ua. die Haut des Menschen. Halb so wild. Problematisch wird es bei, wie du schon sagtest, immungeschwächten Menschen, da hier die körpereigene Abwehr kaum oder garnicht funktioniert. Denn S. aureus besitzt diverse Pathogenitätsfaktoren. Pathogenitätsfaktoren sind Eigenschaften, welche unter bestimmten Bedingungen beim Wirt (in dem Falle beim Menschen) Krankheiten auslösen können. Das können zb. gewisse Gene sein, die für Proteine kodieren, welche die Schädigung des Wirtes bewirken - sei es nun direkt oder über die Produktion von Toxinen oder ähnliches.

Da bei Immunschwäche (oder sonstigen ungünstigen Umständen) die Bakterien nicht rechtzeitig von den Abwehrzellen beseitigt werden kommt es zur Krankheit. Im Falle von S. aureus können die Atemwege betroffen sein, aber auch Sepsis ("Blutvergiftung") und andere Krankheitsbilder sind möglich. Um in diesem Falle Bakterien bekämpfen zu können werden Antibiotika eingesetzt.

Antibiotika sind Stoffe, welche im Allgemeinen die Vermehrung (bakteriostatisch) hemmen oder die Bakterien abtöten (bakteriozid). Auch diverse Stoffe, welche gegen Pathogene wirken, welche nicht zu den Bakterien zählen (Viren, Protozoen) werden zu den Antibiotika gezählt, sind für die weitere Betrachtung an dieser Stelle jedoch irrelevant.

Gegen bakterielle Infektionen eingesetzte Antibiotika weisen Eigenschaften auf, welche lebensnotwendige Vorgänge in Bakterien blockieren. Dabei beeinflussen sie nicht die Funktionsweise in Zellen des Menschen. So wirken einige Antibiotika dahingehend, dass sie die Proteinsynthese in Bakterien lahmlegen. Proteine bestehen aus verknüpften Aminosäuren. Diese werden anhand der Basensequenz (3 Basen = 1 Aminosäure) einer Vorlage, der sog. mRNA (oder messenger-RNA), durch das Ribosom kovalent verknüpft. Das Ribosom kommt in allen Zellen vor. Allerdings unterscheidet sich die Struktur des bakteriellen Ribosoms von der des menschlichen Ribosoms. Bakterien besitzen sog. 70S-Ribosomen. Eukaryoten (und somit auch der Mensch) weisen 80S-Ribosomen auf. Dieser Unterschied ermöglicht es, bakterielle 70S-Ribosomen über Antibiotika zu blockieren, ohne gleichzeitig das eukaryotische 80S-Ribosom zu beeinträchtigen. Denn das wäre schlecht, da tödlich. Ein Beispiel für ein solches Antibiotikum wäre das Makrolidantibiotikum "Erythromycin". Aber auch Tetracycline gehören zu dieser Klasse, welche bakteriostatisch wirkt.

Ein weiterer, bakterien-spezifischer Angriffsort für Antibiotika ist die bakterielle Zellwand. So kann die Synthese der Zellwand gehemmt werden. Die Zellwand wird löchrig. Das osmotische Gleichgewicht wird gestört. Das Bakterium platzt und ist put. Zu dieser Gruppe der bakteriolytischen (bzw. bakterioziden) Antibiotika-Klasse gehören etwa beta-Lactame. Weitere, bakterienspezifische Wirkmechnismen diverser Antibiotika sind bekannt und werden ausgenutzt. Allerdings will ich auf die Beschreibung dieser an der Stelle verzichten, um den Rahmen nicht zu sprengen.

Das Problem ist nun jedoch, dass Bakterien den Antibiotika nicht schutzlos gegenüber stehen. Es können sich sogenannte Resistenzen entwickeln. Und die Möglichkeiten der Resistenzentwicklung sind vielfältig. Denkbar ist etwa eine Mutation im Genom eines Bakteriums. Beispielsweise könnte ein spezifisches Enzym, welches für die Zellwandsynthese nötig ist und durch Antibiotika blockiert wird, durch eine Amplifikation (bzw. Verfielfältigung) des entsprechenden Gens in sehr viel größeren Mengen vom Bakterium hergestellt werden. Somit sind nun, trotz Antibiotika, noch ausreichend funktionstüchtige Enzyme vorhanden. Eine weitere Möglichkeit der Resistanzbildung wäre auch eine Mutation eines Gens, dessen Genprodukt Ziel eines Antibiotikums ist. Im Extremfall kann es ausreichen, eine einzige Base in der Gensequenz zu verändern. Das anhand des Gens synthetisierte Proteine besitzt nun an einer spezifischen Stelle eine andere Aminosäure als zuvor und weist eine veränderte Struktur auf. Sofern die Funktionalität weiter gegeben ist, jedoch das Antibiotikum nun nicht mehr binden und blockieren kann, ist eine Resistenz entstanden. Weitere Resistenzmechanismen können Gene sein, welche für Proteine kodieren, die Antibiotika wieder aus der Bakterienzelle befördern, bevor diese ihre Arbeit verrichten können. Oder die Antibiotika einfach abbauen. Ein prominentes Beispiel hierfür ist das Enzym beta-Lactamase. Namensgeber für ESBL. Es gibt diverse beta-Lactam-Antibiotika, die sich hinsichtlich der Grundstruktur gleichen, aber diverse Modifikationen tragen. Normale beta-Lactamase spaltet die beta-Lactam-Ringe einiger beta-Lactam-Antibiotika. Extended spectrum beta-Lactamase spaltet praktisch alle beta-Lactam-Antibiotika, ungeachtet ihrer Modifikation. Und somit sind bei diesen Bakterien beta-Lactam-Antibiotika wirkungslos (wobei es auch hier mittlerweile Gegenmittel gegen das Gegenmittel gibt, die in extremen Fällen eingesetzt werden).

Die Entstehung von Resistenzen nach dem og. Muster ist kein Hokuspokus, sondern ganz normale Evolution. Eine genetische Mutation führt zu Vorteilen unter bestimmten Bedingungen. Und wenn diese Bedingung eintritt, in diesem Falle die Antibiotika-Therapie, haben entsprechend ausgerüstete Bakterien einen Vorteil. Sie überleben, wo ihre nicht-resistenten Artgenossen hopps gehen. Sie breiten sich folglich schneller aus. Und mit ihnen die Resistenz. Erschwerend kommt hinzu, dass Bakterien auch genetisches Material untereinander über diverse Mechanismen austauschen können. Erwirbt ein Bakterium durch den og. Prozess eine Resistenz, kann es diese u.U. auf weitere Bakterien übertragen. Und das ganze kann sogar, unter bestimmten Voraussetzungen, artübergreifend funktionieren. Da Selektionsdruck, also in diesem Falle die Gabe von Antibiotika, die evolutive Entwicklung beschleunigt, ist auch die massenhafte Gabe von Antibiotika in der Tiermast ein Skandal, der nicht genug Aufmerksamkeit bekommt. Aber das ist ein anderes Thema, dass eigentlich gesondert diskutiert gehört. Auch wird nun wohl sofort klar, wieso man Antibiotika grundsätzlich solange nehmen MUSS, bis die Infektion sicher überwunden ist. Nämlich um sicherzustellen, dass die Abwehrzellen genug Zeit haben sich noch mit einer Hand voll Bakterien zu beschäftigen, welche Resistenzen ausgebildet haben könnten. Packen dies die Abwehrzellen nicht, da noch zu viele Bakterien (auch normale ohne Resistenz) vorhanden sind, flammt die Infektion wieder auf. Aber diesmal mit einem sehr hohen Anteil an resistenten Bakterien. Und das ist schlecht.

MRSA sind ein Produkt einer solchen Evolution. Die entsprechenden Stämme von. S. aureus haben über die Zeit, dank des reichlich vorhandenen Selektionsdruckes durch übermässige und unsachgemäße Anwendung von Antibiotika, etliche Resistenzmechanismen entwickelt bzw. erworben. Somit sind sie gegen fast alle Antibiotika resistent und können nicht mehr mit diesen bekämpft werden. Als Folge können Krankheitsverläufe auftreten, wie du sie nun durchleben muss.

Wichtig ist mir noch zu Erwähnen, dass Antibiotika und Desinfektionsmittel zwei grundverschiedene Dinge sind. Zum einen möchte ich das erwähnen, da du in deinem Post diese Begriffe wohl irrtümlicherweise synonym verwendet hast. Und weil MRSA nicht gegen Desinfektionsmittel resistent geworden sind. Desinfektionsmittel können chemisch wirkende Substanzen sein, wie reiner Ethanol. Oder große Hitze, etwa durch einen Autoklaven. Aber auch UV-Strahlung wird zur Desinfektion, etwa von Sterilbanches im Bereich der Biologie oder mWn. auch zur Desinfektion eines OP-Saals, weitläufig eingesetzt. Daher ist entsprechend gewissenhafte, saubere Arbeit im Krankenhaus so wichtig. Denn hier kommen viele Pathogene zusammen, es entwickeln sich schnell neue Stämme. Die uU. dann auch erweiterte Resistenzeigenschaften aufweisen.

Und dies ist nun die perfekte Überleitung zum "holländischen Modell". Denn dabei geht es nicht nur um effizientere Isolation von betroffenen Patienten. Auch wird dort sehr viel mehr Geld in Hygiene investiert. Wurden in Deutschland früher OP-Sääle täglich über Nacht mittels UV-Licht deinfiziert, so geschieht dies heuer vielleicht noch alle 3-4 Nächte. Denn eine Nacht bestrahlen mit UV-Licht kostet. Aber auch an der Anzahl und der Qualifikation der Reinigungskräfte wird massiv gespart. Desinfektionsmittel kosten auch, und auch hier wird gespart. Diese Sparmanie ist in Holland nicht so ausgeprägt, da man sich dort scheinbar bewusst ist, dass die langfristig zu erwartenden Kosten durch Ausbreitung von MRSA und Konsorten sehr viel höher sind als eine gescheite Hygiene in Krankenhäusern. Die geringere Anzahl an betroffenen Patienten, die wie du leiden müssen, ist da scheinbar nur das Bonbon.  

Es lässt sich also sagen, dass letztlich der Sparzwang bei den Krankenkassen (bzw. der unweigerlich folgende Sparzwang bei Krankenhäusern) eine der Hauptursachen für die rasante Ausbreitung von multiresistenten Bakterien ist. Dies ist übrigens auch einer der Gründe, wieso mir der Privatisierungswahn bei Krankenhäusern so sauer aufstößt. Denn jedes Kind weiss doch: Private Unternehmen arbeiten IMMER Gewinnorientiert. Und dabei wird exzessives Sparen auch an solchen Dingen wie Hygiene und Personal (hinsichtlich Qualifikation und Quantität) als legitimes Werkzeug zur Gewinnmaximierung angesehen. Und die Zeche zahlt dann der Patient. Hurra!

Aber auch noch eine kleine Moralkeule zieh ich dir am Ende, trotz deiner beschissenen Situation, über. Wenn du schon weisst, wie wichtig gescheite Quarantäne ist, um eine weitere Ausbreitung multiresistenter Bakterien zu verhindern, dann versuch doch nicht dieser zu entwischen. Die, die deshalb von deiner Art des Leids verschont bleiben, werden es dir danken. Vor diesem Hintergrund ist deine Unterbringung ohne eigenes Bad aber natürlich auch nicht hinnehmbar. Die Gründe vermute ich allerdings weniger bei böswilligen Krankenschwestern als vielmehr bei den Sparbrötchen im Gesundheitsministerium und bei den Krankenkassen. Zu guter letzt noch, weil ich schon die Krankenschwestern erwähnt habe: An diesen deinen verständlichen Frust rauszulassen bringt dir nix und den Schwestern nix. Denn die sind, nach den Patienten, die zweiärmsten Schweine im System. Schreib lieber mal mit deiner Story einen Brief an den Gesundheitsminister. Oder die Presse. Das würde mehr bringen.

Also dann weiterhin noch gute Besserung. Auf dass sich für dich alles wieder zum Guten wendet. Ich drücke dir beide Daumen!


Erst mal schönen Dank für Deinen ausführlichen, informativen und expliziten Beitrag.
Nicht ganz einfach zu lesen und zu verstehen, da doch einige spezielle Fachwörter drin sind.
Ich bin nur ein dummer Bub". Hauptschulabschluss 1973!

Ich nahm beim lesen an, dass Du Mediziner, Laborfuzzie oder Biologe bist, habe eben nachgeschaut, ich nehme an Du studierst irgendwas davon!

Eine kleine Anekdote, die eigentlich noch in meinen Anfangspost gehört und einige Deiner Fragen beantworten wird:

Ich war sehr unzufrieden, da ich Tagelang keinen Chirurgen zu Gesicht bekam. Glaubte gar vergessen worden zu sein auf dieser Fremdstation und redete mir schon eine Sepsis der inneren Organe ein.
Da dachte ich mir, den Haxen kannst Du Dir auch in Heidelberg abhacken lassen.

Ich schaffte es und telefonierte sehr lange mit einem Oberarzt der Gefäßchirurgie in Heidelberg.
Dieser riet mir dann auch an, wenn die Chirurgen nicht zu mir kommen, dann soll ich die Chirurgen aufsuchen.
Er versicherte mir auch, dass diese Chirurgen super Ärzte seien, da er sie aus der Studienzeit kenne.

Ich mit meinem Rolli auf die Gefäßstation zur Stationsleitung, eine sehr offenherzige und freundliche Begrüßung von allen, da die mich ja schon kannten.
Dann kam die Frage: "Wie es mir denn gehe" ich erwiderte: "Schlecht, ich möchte gerne einen Chirurgen sprechen"
Die Dame hatte ein kurzes Telefonat mit der Stationsärztin (schwanger)
Im selben Moment wurde ich sehr harsch, unfreundlich und mit ausgestrecktem Arm der Station verwiesen, mit den Worten: "Herr XY, sie haben hier nichts zu suchen, bitte sofort die Station verlassen, gehen sie auf ihre Station, in ihr Zimmer, sie dürfen hier gar nicht sein".

Ich fragte nach dem Sekretariat des Chefarztes, mir wurde auch geantwortet.

Ich auf die Station wo sich das Sekretariat des Chefarztes befindet.
Da kam mir ein eine Schwester, die ich vom Sommer kannte und ein Pfleger entgegen.
Ich frage nach dem Büro, stehe 3 Meter davor, Pfleger klopft und fragt freundlich, Schwester: "Hat der Herr XY nicht MRSA, der darf gar nicht ins Wartezimmer"

"Anschnallen"

Kommt die Oberärztin raus geschossen, schließt die Tür, hängt förmlich rücklings an der Tür bzw. im Türrahmen, die Türklinke in der Hand, so als wenn ich Ebola hätte!
Mit piepsiger Stimme:
Herr XY, ich darf gar nicht mit Ihnen reden Mimimimimi bitte haben sie Verständnis Mimimimimi, ich bin schwanger Mimimimimi, gehen sie bitte auf ihre Station, in ihr Zimmer Mimimimimi"!

Ich bin bald abgebrochen.

Ich: "MRSA ist keine meldepflichtige Infektionskrankheit"
Sie MRSA ist aber eine Isolationspflichtige Infektionskrankheit"

Die selbe Ärztin, die mitverantwortlich war, dass ich im Mai mit offenem Fuß und MRSA in die offene Wildnis entlassen wurde, zu Freundin und Kind, Freigang in die Stadt nach Belieben, zieht hier so eine Wambule ab, die selbe Ärztin will mir jetzt eine Isolationspflicht angedeihen?
Ich lach mich tot!

Ich wurde im Mai nicht entlassen, sondern rausgeschmissen, weil nach 11 Wochen (fast 3 Monate) nämlich „Schluss mit Lustig“ da zahlt die Krankenkasse nur noch in Ausnahmefällen.

Na dann bin ich erst mal losgetuckert, ihr wisst schon wohin.
.
Das habe ich in den 15 Wochen so oft gehört. "Isolationspflichtig"

Das steht in unserer Krankenhausverordnung, das steht in einer Verordnung des Gesundheitsamtes, das steht in einem Schreiben des Bundesgesundheitsamtes.

Dazu sage ich Schwachsinn, Schwachsinn und nochmal großer Schwachsinn

In den 15 Wochen konnte mir keiner der Schwestern, Pfleger, Ärzte auch nur ein Papier vorlegen, in dem das drin gestanden hätte!

Soll es doch drinstehen, es hat keine Rechtsgültigkeit, weil es nicht im Gesetz steht.
MRSA ist nicht Isolationspflichtig. Da kann einer erzählen, was er will.

Durch anonyme Isolation anderen helfen, bringt gar nix. Ich bin da eher der Anarchist.
Eine Isolationspflicht kann nur höchst richterlich angeordnet und durchgesetzt werden.

Ich bin doch kein Knasti!

Dann soll mir der Richter 2 Vollzugsbeamte vor die Tür stellen, die 24 Std. rund um die Uhr die Isolationspflicht überwachen, denn abschließen dürfen die nicht, das ist doch keine Isolationshaft.
Und wenn die Bube schön brav sind und mir en Aschebecher reinstellen, dann halte ich auch mal einen Moment Ruhe, ansonsten müssen die mir mind. 16 Std. am Tag erklären, warum ich da drin bin.
Da kann ich nämlich ganz schön nervig sein.
Und wenn auf jeder Station, in jedem Krankenhaus 10 Mann Wache stehen, wird man vllt. über die Kosten der Gesundheit und der Überwachung debattieren.
(Krankenkassen 21 Milliarden Überschuss, ich lach mich schon wieder tot)

Willst Du wissen, wie es mir wirklich geht?

Ich fresse 10 verschiedene Pillen jeden Tag, 15 insgesamt, ich spritze seit fast 48 Jahren Insulin, grauer Star, beginnender grüner Star, ich kann mein eigenes Wort nicht mehr lesen, komme bei Fred`s kaum noch nach, weder mit dem lesen, noch mit dem schreiben, habe manchmal auch gar keine Lust mehr, weil das alles eine graurote Scheiße ist.
Im Sept. 2005 kurz hinter einander 2 Schlaganfälle, (viel Glück gehabt) ich stehe morgens auf, als wenn ich 1 Flasche Wodka gesoffen hätte, gehe abends ins Bett, als hätte ich 2 gesoffen. Zwischendurch muss ich aufpassen, das ich mit meinem Gehbock nicht nach rechts auf die Fresse falle.
Sicher fühle ich mich nur auf dem Bürostuhl, im Rolli oder bis vor 10 Monaten im Auto, da habe ich 4 Räder unter mir.

Ich mache dafür niemanden verantwortlich, höre mir seit 48 Jahren das Geheule über die Folgen eines nicht richtig eingestellten Diabetes an, Hurra, höre mir seit knapp 40 Jahren das Geheule über die Folgen des Rauchens an, haha

Glaubst Du ich lasse mir von jemandem ne F... auf den Backen malen oder was vom toten Gaul erzählen?

Ich soll einen Brief schreiben, an die Presse oder das Bundesgesundheitsministerium.
Im Lebe ned!
Da sitz ich 3 Std. vorm PC bis ich das große A gefunden habe, geschweige denn einen sinnergebenden Brief habe.

Da brauch ich schon so ne gewiefte Type wie Dich, Bier und selbstgemachter Ebbelwein stehen immer kalt.


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