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Erinnerungen und Anekdoten aus der Bundeswehrzeit

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Fantastisch schrieb:

Schwimmbrücken, das stelle ich mir technisch sehr anspruchsvoll und auch nicht ungefährlich vor. Habt ihr das auch tatsächlich auf den Rhein geübt, die Dinger aufzubauen, bei Schiffsverkehr etc.?


Unser Standardübungsplatz war an einem Seitenarm des Rheins. Wir haben aber auch "scharfe" Übungen über den Rhein und auch einmal über den Neckar gemacht. Wir haben es aber auch hinbekommen, in etwas mehr als 10 Minuten eine Brücke auf- und wieder abzubauen.
Bezüglich gefährlich: Das ist einem damals nicht so bewusst gewesen. Wir hatten aber tatsächlich leider einen Vorfall gehabt. Von daher kann ich bezüglich "KzH bis DZE" nicht so richtig lachen. Die Schwimmelemente werden quasi als "Koffer" ins Wass geschmissen. Zuvor entriegelt man an Land starre Verriegelungen. Man kann sich das wie ein "W" vorstellen: Also: Ein Element hat auf jeder Seite 3 Achsen, die verriegelt sind. Da ist ein Seilwindensystem drinnen.. und bei Aufschlag auf dem Wasser geht dann das Element auf und wird schlussendlich zur Plattform.
Zuvor müssen jedoch Soldaten auf der Plattform diese Elemente wieder verriegeln bzw. auch mehrere Elemente miteinander verbinden (ein bissi Lego für Große). Und bei einer Übung gab es eine Welle und hatte eine noch nicht verriegelte Schwimmbrücke leicht angehoben. Ein Soldat stand dummerweise zu diesem Zeitpunkt genau auf der Mittelachse (die, wie auf dem ersten Bild zu sehen, nach oben auf gehen kann). Fuß ist nach unten gerutscht. Element hat sich wieder geschlossen. 5,4 Tonnen wiegt so ein Element. Den armen Kerl haben wir erst zum Ende der Bundeswehrzeit wieder gesehen.
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Steigflug_verpflichtet schrieb:

Unser Standardübungsplatz war an einem Seitenarm des Rheins. Wir haben aber auch "scharfe" Übungen über den Rhein und auch einmal über den Neckar gemacht.

Mal eine technische Frage: Wie wurde da der Schiffsverkehr flussauf- und -abwärts gesperrt? Auf dem Rhein ist ja einiges los mit Frachtern, Ausflugsdampfern und Freizeitbooten... Stelle ich mir nicht so einfach vor.
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Steigflug_verpflichtet schrieb:

Unser Standardübungsplatz war an einem Seitenarm des Rheins. Wir haben aber auch "scharfe" Übungen über den Rhein und auch einmal über den Neckar gemacht.

Mal eine technische Frage: Wie wurde da der Schiffsverkehr flussauf- und -abwärts gesperrt? Auf dem Rhein ist ja einiges los mit Frachtern, Ausflugsdampfern und Freizeitbooten... Stelle ich mir nicht so einfach vor.
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In nem weiteren Beitrag hatte er den Ort verlinkt ... auf dem Altarm wird im Zweifel außer Bisamratten und Hechten wenig Verkehr herrschen.
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In nem weiteren Beitrag hatte er den Ort verlinkt ... auf dem Altarm wird im Zweifel außer Bisamratten und Hechten wenig Verkehr herrschen.
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Den Altarm habe ich mir auf Maps angeschaut. Da war sicher nix los. Aber ich habe den Satz mit den "scharfen Übungen" so interpretiert, dass damit der "echte" Rhein bzw Neckar gemeint war, also der Hauptstrom, die Wasserstraße mit dem Schiffsverkehr. Und es würde für mich Sinn ergeben, auch das mal für den Ernstfall zu üben, denn da herrschen ja ganze andere Strömungsverhältnisse und es muss eine längere Strecke überbrückt werden.
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Den Altarm habe ich mir auf Maps angeschaut. Da war sicher nix los. Aber ich habe den Satz mit den "scharfen Übungen" so interpretiert, dass damit der "echte" Rhein bzw Neckar gemeint war, also der Hauptstrom, die Wasserstraße mit dem Schiffsverkehr. Und es würde für mich Sinn ergeben, auch das mal für den Ernstfall zu üben, denn da herrschen ja ganze andere Strömungsverhältnisse und es muss eine längere Strecke überbrückt werden.
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Fantastisch schrieb:

Den Altarm habe ich mir auf Maps angeschaut. Da war sicher nix los. Aber ich habe den Satz mit den "scharfen Übungen" so interpretiert, dass damit der "echte" Rhein bzw Neckar gemeint war, also der Hauptstrom, die Wasserstraße mit dem Schiffsverkehr. Und es würde für mich Sinn ergeben, auch das mal für den Ernstfall zu üben, denn da herrschen ja ganze andere Strömungsverhältnisse und es muss eine längere Strecke überbrückt werden.


Jap. Aber der Rhein ist ein bissi zu breit. Wenn ich das recht in Erinnerung hatte, haben wir dort nur Teilaufbauten gemacht. Den Altarm konnten wir ja auch mit ein paar Elementen überbrücken. Bei der Neckarübung muss ich echt überlegen. Der war nicht so breit an der Stelle, an der wir das gemacht hatten. Bin mir nicht mehr sicher, ob das auch ein Nebenarm war. Da hatten wir uns aber Zeit genommen, da es das einzige Mal war, dass wir mit unseren Fahrzeugen drüber sind.
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Den Altarm habe ich mir auf Maps angeschaut. Da war sicher nix los. Aber ich habe den Satz mit den "scharfen Übungen" so interpretiert, dass damit der "echte" Rhein bzw Neckar gemeint war, also der Hauptstrom, die Wasserstraße mit dem Schiffsverkehr. Und es würde für mich Sinn ergeben, auch das mal für den Ernstfall zu üben, denn da herrschen ja ganze andere Strömungsverhältnisse und es muss eine längere Strecke überbrückt werden.
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Fantastisch schrieb:

Und es würde für mich Sinn ergeben, auch das mal für den Ernstfall zu üben, denn da herrschen ja ganze andere Strömungsverhältnisse und es muss eine längere Strecke überbrückt werden.

Sicher. Aber da ist wohl tatsächlich der Leidensdruck nicht groß genug, die von Dir genannten Einschränkungen in Kauf zu nehmen.
Aber klar, jedes Manöver war für sich eine nette Übung aber sicher nicht praxisgerecht, da immer nur eine Waffengattung und so. Diese Großübungen die da in letzter Zeit bei der Nato mal stattfinden und schon lange bei Russland und Weißrussland kann sowas sicher nicht ersetzen.
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Fantastisch schrieb:

Und es würde für mich Sinn ergeben, auch das mal für den Ernstfall zu üben, denn da herrschen ja ganze andere Strömungsverhältnisse und es muss eine längere Strecke überbrückt werden.

Sicher. Aber da ist wohl tatsächlich der Leidensdruck nicht groß genug, die von Dir genannten Einschränkungen in Kauf zu nehmen.
Aber klar, jedes Manöver war für sich eine nette Übung aber sicher nicht praxisgerecht, da immer nur eine Waffengattung und so. Diese Großübungen die da in letzter Zeit bei der Nato mal stattfinden und schon lange bei Russland und Weißrussland kann sowas sicher nicht ersetzen.
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Am Kornsand am Rhein, Geinsheim gegenüber Nierstein, gab es sehr lange zu Zeiten des kalten Krieges eine Pontonbrücke, die komplett in Einzelpontons im Rhein lag. Der Aufbau wurde mind 1x jährlich geübt. Die Pontons, motorisiert,  wurden dazu ca. 500m Rheinauf an die vorhandene Nato-Rampe gefahren und hier zusammen gefügt. Danach überquerten Fahrzeuge, auch Panzer, die Brücke.
Der Schiffsverkehr war dazu gesperrt
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Ein Heiligabend in Olivgrün

Hier noch eine verspätete kleine BW-Weihnachtsgeschichte, musste daran denken, als ich zwei Tage vor Heiligabend auf der A5 durch den Vogelsberg fuhr.

Nein, es ging nicht um „Blackborn City“, den berüchtigten Truppenübungsplatz Schwarzenborn, der blieb mir zum Glück erspart. Aber ich musste an einen Uffz von dort aus der Gegend denken, nennen wir ihn mal Uffz H., und zu allem Überfluss lief auch gerade das Hörbuch „Sorge dich nicht, stirb!“ von Dietrich Faber, das wie viele seiner Kriminalromane dort spielt, in diesem Fall sogar in Mücke, direkt neben der Autobahn.

Vorweg: Ich habe nichts gegen den Vogelsberg, es ist eine wunderschöne Landschaft mit unverfälschter Natur, leckeren Spezialitäten, einem unvergleichlichen Dialekt und sicher sehr, sehr vielen netten Menschen. Aber, wie es Faber in seinen „Kommissar Bröhmann“-Geschichten beschreibt, halt auch mit seinen Schattenseiten und Abgründen, wie wohl jede ländliche Region.

Und auch jener Uffz H. stand wohl eher auf der Schattenseite des Lebens. Oder, wie es ein anderer von mir geschätzter Autor, Sven Regener, in „Neue Vahr Süd“ in Bezug auf einen anderen Uffz, der seinem Romanhelden das Leben schwer macht, so treffend beschreibt, er war ein „armes Schwein auf Urlaub“. Jemand, für den die Bundeswehr eine Art geschütztes Biotop ist und der es nach seiner Entlassung im echten Leben wohl nicht so leicht haben wird. Ein kleines, verhutzeltes Männlein, krumme Nase, Schnauzer, vernuschelte Ausdrucksweise, und er fuhr nicht wie die meisten anderen Uffze und Stuffze stilecht Golf GTI, Kadett GSI oder VW Scirocco mit Hosenträgergurten, sondern einen merkwürdigen Japaner, an dem er einige klägliche Versuche des Auftunens gemacht hatte.

Auch an Heiligabend 1985 war er ein armes Schwein, denn er war als UvD eingeteilt, aber vermutlich war es ihm auch egal, weil er keine Freundin, keine Familie hatte, zumindest hat er nie davon erzählt, vielleicht hatte er sich deswegen auch freiwillig für diesen Dienst gemeldet. Wir Rekruten in der Kompanie hatten fast alle zum 1. Juli angefangen, hatten also die „Grundi“ und damit das Schlimmste hinter uns und waren kurz davor, zu Gefreiten befördert zu werden. Doch solche Ärgerlichkeiten und Schikanen wie Stuben- und Revier reinigen standen natürlich noch immer auf der Tagesordnung.

Und – alle anderen waren nach einer Sportstunde und einer langen Ansprache des Kompaniechefs („Fahren Sie vorsichtig!“) schon in die Weihnachtspause entschwunden – lässt mich Hutzelmann H., da ich in dieser Woche leider Revierdienst habe und er nun mal der Vorgesetzte ist, mit einem fiesen Grinsen und den Worten „Nochmaaal!“ die Klos im Kompaniegebäude nicht nur einmal, sondern dreimal schrubben. Jetzt, wo ich das schreibe, hab ich sofort wieder diesen widerlichen Chlorkalkgeruch des Reinigungsmittels in der Nase.

Vor Wut zitternd mache ich zum dritten Mal vor dem Uffz die Meldung „Revier reinigen erfolgt“. Und endlich darf ich gehen, zwei Stunden später als die anderen. Aus dem UvD-Zimmer lugt der GvD heraus und schaut mich mitfühlend an, es ist an diesem Tag der Panzergrenadier B., ein unglaublich sanftmütiger und geduldiger Typ, der beim Bund eigentlich fehl am Platze ist und lieber hätte Zivi machen sollen. Und ich beneide ihn nicht darum, den restlichen Tag und die Nacht mit Uffz H. verbringen zu müssen. B. ist ein sehr christlicher Mensch, vielleicht sieht er dies als Prüfung Gottes an. Und er würde am ersten und zweiten Feiertag, wie er mir berichtete, noch genügend Gelegenheit haben, in die Kirche zu gehen.

So knattere ich wütend mit meinem VW Käfer durch das Kasernentor in zumindest ein paar Tage Freiheit. Ich habe sowohl den Heiligabend-Frühschoppen mit meinen Kumpels im Bistro am Dom in Wetzlar verpasst, über den ich hier an anderer Stelle berichtet habe, als auch das Mittagessen zuhause. Zum Glück hat mir, als ich dann endlich mit einem ziemlich dicken Hals zuhause ankomme, meine Mutter noch etwas von den Innereien des Karpfens aufgehoben und brät sie mir in der Pfanne schnell an. Jetzt riechen meine Hände zwar immer noch penetrant nach Scheuerpulver, aber auch ein bisschen nach Karpfen, Wacholder, Lorbeer und den anderen Gewürzen, die meine Ma nach traditionellem schlesischen Rezept verarbeitet.

Abends dann Gottesdienst im Wetzlarer Dom mit meiner alten Freundin Steffi, die nach dem Abi ein Studium in Gießen angefangen hat und mir aus diesem völlig anderen Universum berichtet, das ich erst fünf Jahre später kennen und schätzen lernen sollte. Wir sprechen auch über unsere Schulfreundin und Leichtathletik-Vereinskameradin Silke, die – in einer Kleinstadt wie Wetzlar sind solche Dinge wohl unvermeidlich – zufällig die Tochter meines Spießes ist. Dieser Umstand sorgt dafür, dass dieser mich wenigstens einen Hauch humaner behandelt als die Anderen. Aber ich muss einen grausamen Preis dafür bezahlen: Der Hauptfeld hat den Ehrgeiz, unsere Kompanie jedes Jahr zur Brigade-Waldlaufmeisterschaft zu führen. Also macht er aus mir, einem (wie er weiß) ganz guten Sprinter und Weitspringer, der vorher im Wettkampf nie weiter als 400 Meter lief, einen Mittelstreckler. Aber was solls, diese merkwürdige Welt in Olivgrün und (im Fall des Sports) in Dunkelblau hält schlimmere Dinge bereit, als 5 Kilometer durch den schönen Wald oberhalb der Stadt laufen zu müssen, durch den schon Goethe mit seiner Lotte wandelte. Ach ja, es fehlt noch der Hand-Test nach der Kirche: Chlor und Weihrauch und ein selbstgebackenes Plätzchen von Steffi.

Vorher hatte noch mein Kumpel Sven angerufen, er hat am 25. Dezember Geburtstag und feiert wie immer rein. So hocken wir dort noch lange im Gartenhüttchen am Ofen und quatschen. Ich erzähle ihm von meinen Erlebnissen, worauf er nur trocken sagt: „Bei uns in der 4. Kompanie sind fast alle Uffze und Fahnenjunker so drauf wie dein UvD. Reine Kampfkompanie, auf MTW aufgesessen, da ist nicht viel Hirn gefordert. Sei froh, dass ihr in der Fünften die Mörser habt, da braucht man wenigstens ein bisschen Verstand und Köpfchen, um die zu bedienen.“ Hm, da ist was dran. Bei uns gibt es neben einigen Volldeppen wirklich erstaunlich viele Vorgesetzte, die in Ordnung sind. Kürzlich hat uns ein Fahnenjunker sogar mal im Vertrauen gesagt, dass er 80 Prozent von dem, was wir so machen müssen, für ziemlich sinnlos und bescheuert hält, aber wir müssten nun mal gemeinsam da durch.

Dann aber haben wir in der bunt gemischten Geburtstags-Runde zum Glück ganz viele andere Themen. Ein anderer Kumpel, Thomas, ist Zivi in der Urologie des Krankenhauses, er berichtet, wie man einen Blasen-Katheter anlegt, das ist auch spannend, wohl eine ähnliche Herausforderung für das Feingefühl wie den Verschluss eines G3 zu zerlegen.

Und irgendwann, Scheixx drauf, stoße ich auch nochmal auf Uffz H. und vor allem auf PG B. an, die nur einen Kilometer Luftlinie südlich von uns in ihrer GvD-Stube hocken. Dann schaue ich mir kurz meine Hände an und schnuppere daran. Sie riechen jetzt vor allem nach Licher Pils, denn beim Anstoßen ging etwas von dem Mittelhessen-Elixier verschüttet, und nur noch ein kleines bisschen nach Chlor. Bald wird es endgültig verflogen sein. Nur noch 278 Tage…
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Ein Heiligabend in Olivgrün

Hier noch eine verspätete kleine BW-Weihnachtsgeschichte, musste daran denken, als ich zwei Tage vor Heiligabend auf der A5 durch den Vogelsberg fuhr.

Nein, es ging nicht um „Blackborn City“, den berüchtigten Truppenübungsplatz Schwarzenborn, der blieb mir zum Glück erspart. Aber ich musste an einen Uffz von dort aus der Gegend denken, nennen wir ihn mal Uffz H., und zu allem Überfluss lief auch gerade das Hörbuch „Sorge dich nicht, stirb!“ von Dietrich Faber, das wie viele seiner Kriminalromane dort spielt, in diesem Fall sogar in Mücke, direkt neben der Autobahn.

Vorweg: Ich habe nichts gegen den Vogelsberg, es ist eine wunderschöne Landschaft mit unverfälschter Natur, leckeren Spezialitäten, einem unvergleichlichen Dialekt und sicher sehr, sehr vielen netten Menschen. Aber, wie es Faber in seinen „Kommissar Bröhmann“-Geschichten beschreibt, halt auch mit seinen Schattenseiten und Abgründen, wie wohl jede ländliche Region.

Und auch jener Uffz H. stand wohl eher auf der Schattenseite des Lebens. Oder, wie es ein anderer von mir geschätzter Autor, Sven Regener, in „Neue Vahr Süd“ in Bezug auf einen anderen Uffz, der seinem Romanhelden das Leben schwer macht, so treffend beschreibt, er war ein „armes Schwein auf Urlaub“. Jemand, für den die Bundeswehr eine Art geschütztes Biotop ist und der es nach seiner Entlassung im echten Leben wohl nicht so leicht haben wird. Ein kleines, verhutzeltes Männlein, krumme Nase, Schnauzer, vernuschelte Ausdrucksweise, und er fuhr nicht wie die meisten anderen Uffze und Stuffze stilecht Golf GTI, Kadett GSI oder VW Scirocco mit Hosenträgergurten, sondern einen merkwürdigen Japaner, an dem er einige klägliche Versuche des Auftunens gemacht hatte.

Auch an Heiligabend 1985 war er ein armes Schwein, denn er war als UvD eingeteilt, aber vermutlich war es ihm auch egal, weil er keine Freundin, keine Familie hatte, zumindest hat er nie davon erzählt, vielleicht hatte er sich deswegen auch freiwillig für diesen Dienst gemeldet. Wir Rekruten in der Kompanie hatten fast alle zum 1. Juli angefangen, hatten also die „Grundi“ und damit das Schlimmste hinter uns und waren kurz davor, zu Gefreiten befördert zu werden. Doch solche Ärgerlichkeiten und Schikanen wie Stuben- und Revier reinigen standen natürlich noch immer auf der Tagesordnung.

Und – alle anderen waren nach einer Sportstunde und einer langen Ansprache des Kompaniechefs („Fahren Sie vorsichtig!“) schon in die Weihnachtspause entschwunden – lässt mich Hutzelmann H., da ich in dieser Woche leider Revierdienst habe und er nun mal der Vorgesetzte ist, mit einem fiesen Grinsen und den Worten „Nochmaaal!“ die Klos im Kompaniegebäude nicht nur einmal, sondern dreimal schrubben. Jetzt, wo ich das schreibe, hab ich sofort wieder diesen widerlichen Chlorkalkgeruch des Reinigungsmittels in der Nase.

Vor Wut zitternd mache ich zum dritten Mal vor dem Uffz die Meldung „Revier reinigen erfolgt“. Und endlich darf ich gehen, zwei Stunden später als die anderen. Aus dem UvD-Zimmer lugt der GvD heraus und schaut mich mitfühlend an, es ist an diesem Tag der Panzergrenadier B., ein unglaublich sanftmütiger und geduldiger Typ, der beim Bund eigentlich fehl am Platze ist und lieber hätte Zivi machen sollen. Und ich beneide ihn nicht darum, den restlichen Tag und die Nacht mit Uffz H. verbringen zu müssen. B. ist ein sehr christlicher Mensch, vielleicht sieht er dies als Prüfung Gottes an. Und er würde am ersten und zweiten Feiertag, wie er mir berichtete, noch genügend Gelegenheit haben, in die Kirche zu gehen.

So knattere ich wütend mit meinem VW Käfer durch das Kasernentor in zumindest ein paar Tage Freiheit. Ich habe sowohl den Heiligabend-Frühschoppen mit meinen Kumpels im Bistro am Dom in Wetzlar verpasst, über den ich hier an anderer Stelle berichtet habe, als auch das Mittagessen zuhause. Zum Glück hat mir, als ich dann endlich mit einem ziemlich dicken Hals zuhause ankomme, meine Mutter noch etwas von den Innereien des Karpfens aufgehoben und brät sie mir in der Pfanne schnell an. Jetzt riechen meine Hände zwar immer noch penetrant nach Scheuerpulver, aber auch ein bisschen nach Karpfen, Wacholder, Lorbeer und den anderen Gewürzen, die meine Ma nach traditionellem schlesischen Rezept verarbeitet.

Abends dann Gottesdienst im Wetzlarer Dom mit meiner alten Freundin Steffi, die nach dem Abi ein Studium in Gießen angefangen hat und mir aus diesem völlig anderen Universum berichtet, das ich erst fünf Jahre später kennen und schätzen lernen sollte. Wir sprechen auch über unsere Schulfreundin und Leichtathletik-Vereinskameradin Silke, die – in einer Kleinstadt wie Wetzlar sind solche Dinge wohl unvermeidlich – zufällig die Tochter meines Spießes ist. Dieser Umstand sorgt dafür, dass dieser mich wenigstens einen Hauch humaner behandelt als die Anderen. Aber ich muss einen grausamen Preis dafür bezahlen: Der Hauptfeld hat den Ehrgeiz, unsere Kompanie jedes Jahr zur Brigade-Waldlaufmeisterschaft zu führen. Also macht er aus mir, einem (wie er weiß) ganz guten Sprinter und Weitspringer, der vorher im Wettkampf nie weiter als 400 Meter lief, einen Mittelstreckler. Aber was solls, diese merkwürdige Welt in Olivgrün und (im Fall des Sports) in Dunkelblau hält schlimmere Dinge bereit, als 5 Kilometer durch den schönen Wald oberhalb der Stadt laufen zu müssen, durch den schon Goethe mit seiner Lotte wandelte. Ach ja, es fehlt noch der Hand-Test nach der Kirche: Chlor und Weihrauch und ein selbstgebackenes Plätzchen von Steffi.

Vorher hatte noch mein Kumpel Sven angerufen, er hat am 25. Dezember Geburtstag und feiert wie immer rein. So hocken wir dort noch lange im Gartenhüttchen am Ofen und quatschen. Ich erzähle ihm von meinen Erlebnissen, worauf er nur trocken sagt: „Bei uns in der 4. Kompanie sind fast alle Uffze und Fahnenjunker so drauf wie dein UvD. Reine Kampfkompanie, auf MTW aufgesessen, da ist nicht viel Hirn gefordert. Sei froh, dass ihr in der Fünften die Mörser habt, da braucht man wenigstens ein bisschen Verstand und Köpfchen, um die zu bedienen.“ Hm, da ist was dran. Bei uns gibt es neben einigen Volldeppen wirklich erstaunlich viele Vorgesetzte, die in Ordnung sind. Kürzlich hat uns ein Fahnenjunker sogar mal im Vertrauen gesagt, dass er 80 Prozent von dem, was wir so machen müssen, für ziemlich sinnlos und bescheuert hält, aber wir müssten nun mal gemeinsam da durch.

Dann aber haben wir in der bunt gemischten Geburtstags-Runde zum Glück ganz viele andere Themen. Ein anderer Kumpel, Thomas, ist Zivi in der Urologie des Krankenhauses, er berichtet, wie man einen Blasen-Katheter anlegt, das ist auch spannend, wohl eine ähnliche Herausforderung für das Feingefühl wie den Verschluss eines G3 zu zerlegen.

Und irgendwann, Scheixx drauf, stoße ich auch nochmal auf Uffz H. und vor allem auf PG B. an, die nur einen Kilometer Luftlinie südlich von uns in ihrer GvD-Stube hocken. Dann schaue ich mir kurz meine Hände an und schnuppere daran. Sie riechen jetzt vor allem nach Licher Pils, denn beim Anstoßen ging etwas von dem Mittelhessen-Elixier verschüttet, und nur noch ein kleines bisschen nach Chlor. Bald wird es endgültig verflogen sein. Nur noch 278 Tage…
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Chapeau,  liest sich wie ein guter Roman.
Solche Uffz'e, im normalen Leben Zivilversager, hatten wir auch. Dicke Fresse und Schikaninski, aber nach 5km Blasen an den Füssen und keine Karte einnorden können.
...aber was fürs Leben gelernt: Im Beruf auch so was als Vorgesetzte gehabt, irgendwann geht das dann vorbei!
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War Ende der 80er Elo-Maat auf U13.
Lange Fahrt mit Manöver und 3 Wochen Tauchfahrt (mit zeitweisem Schnorcheln) in der Nähe von Bodø aufgetaucht.
War damals starker Raucher. Hat super funktioniert die 3 Wochen unter Wasser nicht zu rauchen.
Dann kam der Befehl vom Alten "Klarmachen zum Auftauchen"...... Kippen gesucht wie verrückt. Hoch auf die Brücke "Frage, ein Mann Brücke ?" - "Jop".
Hoch -  2 Kippen durchgezogen und wie ein Engel wieder runtergeschwebt. Hab gedacht ich hätt ne Tüte drinnen.

Fazit: Wenn mann nicht rauchen DARF, geht es. Wenn man dann wieder darf ist jeder Vorsatz dahin.

Grüsse
Jörg
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War Ende der 80er Elo-Maat auf U13.
Lange Fahrt mit Manöver und 3 Wochen Tauchfahrt (mit zeitweisem Schnorcheln) in der Nähe von Bodø aufgetaucht.
War damals starker Raucher. Hat super funktioniert die 3 Wochen unter Wasser nicht zu rauchen.
Dann kam der Befehl vom Alten "Klarmachen zum Auftauchen"...... Kippen gesucht wie verrückt. Hoch auf die Brücke "Frage, ein Mann Brücke ?" - "Jop".
Hoch -  2 Kippen durchgezogen und wie ein Engel wieder runtergeschwebt. Hab gedacht ich hätt ne Tüte drinnen.

Fazit: Wenn mann nicht rauchen DARF, geht es. Wenn man dann wieder darf ist jeder Vorsatz dahin.

Grüsse
Jörg
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Das muss krass gewesen sein, auf einem U-Boot zu fahren.

Ich glaube, wir als Landratten und (in bezug auf die BW) Angehörige des Heeres konnten uns das gar nicht richtig vorstellen, wie es da zuging (auch wenn wir alle den Film "Das Boot" gesehen hatten).

Ich hatte Respekt für diejenigen (es waren aber nur sehr wenige) meiner Kumpels und Schulkameraden, die zur Marine gegangen sind, allein schon wegen der weiten Wege heim ins Wochenende und der langen Abwesenheiten "auf großer Fahrt". Ich glaube, dafür muss man (und heute auch frau) wirklich eine gewisse Mentalität haben.

Für mich zählte ehrlich gesagt nur, heimatnah stationiert zu sein und am Wochenende (und nach der Grundi auch unter der Woche abends und nachts) daheim und in meinem gewohnten Umfeld zu sein. Da nahm ich auch die teilweise ziemlich beschixxene Existenz als "Greni" in Kauf.
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Meine Bundeswehrzeit war relativ kurz.
Ich gab der Ärztin bei der Musterung zwei Atteste. Sie las sich beide durch, gab mir eins wieder mit den Worten: "Das ist nicht so gut." Sie schaute auf das andere und sagte: "Das ist schon besser, damit können wir sie vermutlich ausmustern, ... also das wollen sie doch, oder?" Ich: "Ja also, wenns geht, gerne".
Tja und so kam das dann auch. Hach, eine nette Frau, hab sie in bester Erinnerung.
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Juno267 schrieb:

Meine Bundeswehrzeit war relativ kurz.
Ich gab der Ärztin bei der Musterung zwei Atteste. Sie las sich beide durch, gab mir eins wieder mit den Worten: "Das ist nicht so gut." Sie schaute auf das andere und sagte: "Das ist schon besser, damit können wir sie vermutlich ausmustern, ... also das wollen sie doch, oder?" Ich: "Ja also, wenns geht, gerne".
Tja und so kam das dann auch. Hach, eine nette Frau, hab sie in bester Erinnerung.


freitags im Bundeswehrkrankenhaus zur Nachmusterung, es war 15.30, ich werde reingerufen, Arzt schaut nicht mal auf...schaut auf seine Uhr...auf die Mappe..."sind Sie traurig, wenn wir Sie ausmustern?"....nein...."ja, dann schönes Wochenende". Ich gehe raus und höre wie er direkt hinter mir herkommt und die Tür von außen abschließt. Hatte viel von "richtiger Zeitpunkt"
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Das muss krass gewesen sein, auf einem U-Boot zu fahren.

Ich glaube, wir als Landratten und (in bezug auf die BW) Angehörige des Heeres konnten uns das gar nicht richtig vorstellen, wie es da zuging (auch wenn wir alle den Film "Das Boot" gesehen hatten).

Ich hatte Respekt für diejenigen (es waren aber nur sehr wenige) meiner Kumpels und Schulkameraden, die zur Marine gegangen sind, allein schon wegen der weiten Wege heim ins Wochenende und der langen Abwesenheiten "auf großer Fahrt". Ich glaube, dafür muss man (und heute auch frau) wirklich eine gewisse Mentalität haben.

Für mich zählte ehrlich gesagt nur, heimatnah stationiert zu sein und am Wochenende (und nach der Grundi auch unter der Woche abends und nachts) daheim und in meinem gewohnten Umfeld zu sein. Da nahm ich auch die teilweise ziemlich beschixxene Existenz als "Greni" in Kauf.
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Fantastisch schrieb:

Da nahm ich auch die teilweise ziemlich beschixxene Existenz als "Greni" in Kauf.


Er war kein Mensch, er war kein Tier, er war ein Panzergrandier.
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Fantastisch schrieb:

Da nahm ich auch die teilweise ziemlich beschixxene Existenz als "Greni" in Kauf.


Er war kein Mensch, er war kein Tier, er war ein Panzergrandier.
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Grenadier
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Grasgrüne Grenies graben grausam große  Gruben!


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