Ich glaube die Attribute eines AV sind nicht das gute Kopfballspiel sondern eher die Beweglichkeit und Schnelligkeit gg die Offensiven Aussenspieler.
Grundsätzlich schon, aber wenn dem AV die Körperlichkeit fehlt, um den Gegner beim Kopfball entscheidend zu stören, wenn er das Kopfballduell per se schon nicht gewinnen kann, kriegt man halt so Gegentore wie bei Union.
Letztes Jahr war hier was los, als Amenda AV spielte (wenn auch nur ein verkappter)
Ich glaube die Attribute eines AV sind nicht das gute Kopfballspiel sondern eher die Beweglichkeit und Schnelligkeit gg die Offensiven Aussenspieler.
Ein Amenda (oder andere lange Lulatsche) ist dann doch eher wie ein Truck und für alles andere als Verteidigen sichtlich ungeeignet gewesen.
Dem stimme ich ausdrücklich zu, aber dann muss man sich fragen ob das Einrücken des ballfernen AV noch richtig ist oder es einer anderen Lösung bedarf. Ich habe da die Dreierkette vorgeschlagen
Ich kann gerade leider nicht auf jeden einzelnen Beitrag separat eingehen, dafür fehlt mir schlicht die Zeit. Ich greife deshalb mal ein paar Punkte gesammelt auf.
Vielleicht hilft es an der Stelle auch, wenn ich kurz beschreibe, wie ich selbst mit Profis arbeite. Denn manchmal entsteht hier der Eindruck, als würde ein Trainer morgens vor 25 Spielern stehen, 40 taktische Punkte herunterbeten und anschließend erwarten, dass sie das am Wochenende auswendig aufsagen. So läuft das natürlich nicht.
Bei Profis arbeite ich sehr viel über Prinzipien und wiederkehrende Spielsituationen. Ich gebe einem Spieler nicht für jede denkbare Situation einen eigenen Befehl mit. Er muss verstehen, welche Idee hinter unserem Spiel steckt und anhand welcher Auslöser er seine Entscheidung trifft.
Nehmen wir das Pressing. Ich erkläre einem Stürmer nicht zehn verschiedene Laufwege. Ich möchte, dass er versteht, welchen Pass wir provozieren wollen, wann der Moment zum Anlaufen da ist und welchen Raum er mit seinem Laufweg schließen soll. Dann trainieren wir genau solche Situationen immer wieder. Dasselbe mache ich positionsspezifisch. Mit einem Außenverteidiger geht es um Stellung zum Ball, Abstand zum Innenverteidiger, Herausschieben, Tiefensicherung und darum, was passiert, wenn der Nebenmann seinen Raum verlässt. Beim Sechser wiederum um seine Position hinter der ersten Pressinglinie, die Absicherung dahinter und darum, wo er nach Ballverlust den nächsten Zugriff herstellen kann. Dabei wird auch nicht jede Aktion sofort abgepfiffen und zehn Minuten erklärt. Vieles lasse ich erstmal laufen. Ich schaue, welche Entscheidung getroffen wurde und warum sie funktioniert hat oder eben nicht. Manchmal reichen zwei Meter Positionsveränderung oder ein anderer Körperwinkel und dieselbe Situation sieht komplett anders aus.
Dazu kommt Video. Aber auch da bombardierst du keinen Spieler mit 30 Szenen. Oft reichen ein paar ausgewählte Sequenzen. Eine gute Lösung, eine schlechte, vielleicht noch ein vergleichbares Bild vom kommenden Gegner. Der Spieler soll verstehen, was ich von ihm möchte und dieses Bild dann auf den Trainingsplatz mitnehmen.
Und Profis wollen auch wissen, warum sie etwas machen sollen. Wenn ich einem erfahrenen Spieler nur sage „steh da“, ohne ihm erklären zu können, was wir dadurch gewinnen, wird er mir zurecht Fragen stellen. Gute Spieler denken mit. Das will ich als Trainer auch.
Deshalb halte ich diese Angst vor einer angeblich zu komplizierten Taktik für überzogen. Fußball ist komplexer geworden, keine Frage. Aber diese Komplexität landet nicht als 40-seitige Gebrauchsanweisung im Kopf eines Spielers.
Vieles läuft über Spielformen. Kleine Felder, Überzahl, Unterzahl, festgelegte Zonen, bestimmte Auslöser. Ich kann eine Übung so bauen, dass genau die Situation immer wieder entsteht, die ich später im Spiel sehen möchte. Irgendwann ist ein Pressingtrigger dann kein bewusster Gedanke mehr. Der Rückpass kommt und der Stürmer geht. Der Nebenmann erkennt das und schiebt nach. Der Sechser reagiert darauf und die letzte Linie geht mit. Im Idealfall passiert das, ohne dass einer dabei im Kopf die Besprechung vom Dienstag durchblättert. Und das widerspricht dem sogenannten Instinktkicker überhaupt nicht. Eher im Gegenteil. Je besser die Mannschaft drumherum organisiert ist, desto mehr Freiheit kann ich einem kreativen Spieler geben. Uzun soll doch nicht 90 Minuten irgendwelche taktischen Formeln im Kopf lösen. Der soll in bestimmten Räumen seine Qualität ausspielen. Die Struktur um ihn herum sorgt nur dafür, dass nicht jeder Risikoball von ihm sofort die ganze Mannschaft aufreißt.
Bei Baum oder Kosugi sehe ich deshalb auch nicht, warum ich plötzlich „einfacheren Fußball“ spielen lassen müsste. Natürlich brauchen die Jungs Zeit für Bundesliga-Tempo, neue Mitspieler und Abläufe. Aber die kommen aus Leistungszentren und beschäftigen sich nicht seit gestern mit gruppen- und mannschaftstaktischen Dingen.
Wenn Hyundai das von außen für möglicherweise zu kompliziert hält, liegt das vielleicht auch ein Stück weit daran, dass er es eben von außen betrachtet und nicht täglich als Profi damit arbeitet. 😁 Was für den Zuschauer nach 20 Dingen gleichzeitig aussieht, ist für den Spieler im besten Fall nur eine klar trainierte Reaktion auf eine bekannte Situation.
Und diese Taktiktafel bei einer Einwechslung in der 85. Minute finde ich auch überhaupt nicht befremdlich.
Der Spieler hat zwar 85 Minuten zugeschaut, weiß aber trotzdem nicht automatisch, was ich mit seiner Einwechslung jetzt verändern will. Vielleicht soll er zehn Meter tiefer stehen. Vielleicht spielen wir gegen den Ball plötzlich 4-5-1. Vielleicht soll er innen statt außen verteidigen oder einen bestimmten Spieler im Aufbau anlaufen.
Das sind meist zwei, drei konkrete Hinweise und keine komplette Neuerklärung des Fußballs. Der Vergleich mit dem eigenen Beruf hinkt deshalb etwas. Dein Chef erklärt dir morgens wahrscheinlich auch nicht deinen kompletten Job neu. Wenn sich für die letzte Stunde aber deine Aufgabe verändert, wird er dir hoffentlich trotzdem sagen, was er jetzt konkret von dir möchte. 😁
Und bei den Expertenrunden nach den Spielen bin ich bei Hyundai ausnahmsweise sogar ein Stück weit bei ihm.
Von außen ist vieles schnell gesagt. „Da muss er schneller rausschieben.“ „Da muss er den Pass sehen.“ „Da darf er den Ball nicht verlieren.“ Im Standbild sieht das natürlich einfach aus. Auf dem Platz hat der Spieler teilweise eine halbe Sekunde, einen Gegner im Rücken, einen zweiten im Augenwinkel und gleichzeitig verschiebt sich das komplette Bild um ihn herum. Die Konsequenz daraus kann für mich aber nicht sein, den Spielern weniger zuzutrauen. Ich muss solche Situationen so oft und so sauber trainieren, dass die Reaktion irgendwann auch unter vollem Tempo und Gegnerdruck kommt. Taktik erklären ist relativ schnell erledigt. Taktik so zu trainieren, dass elf Spieler sie gleichzeitig unter Bundesliga-Bedingungen abrufen, ist eine andere Hausnummer.
Und genau diese normalen Trainingswochen braucht Hütter jetzt.
Da wird nicht jeden Dienstag drei Stunden Theorie gepaukt. Da werden Abläufe gespielt, korrigiert, wiederholt, unter Druck gesetzt und wieder neu gespielt.
Wenn das irgendwann sitzt, sieht es am Wochenende plötzlich völlig selbstverständlich aus.
Und meistens steckt hinter dem Fußball, der von außen so herrlich „einfach“ wirkt, vorher verdammt viel Arbeit. 😁
Nur noch als Hinweis: Ich kann hier zeitlich nicht dauerhaft solche Romane schreiben und auf jeden einzelnen Beitrag ausführlich eingehen. Das geht mal außer der Reihe, wenn es gerade passt, aber sicher nicht jedes Mal. 😁
Wenn jemand an einem tieferen Austausch zu Taktik, Training oder bestimmten Spielsituationen Interesse hat, kann er mir aber gerne eine PN schicken.
Auch wenn ich das nicht mit Fakten belegen kann, so beschleicht mich so langsam latent das Bauchgefühl, dass vielleicht was völlig anderes der Grund ist für das teilweise temporär vorhandene Gruppenversagen des Teams.
Ich glaube fest daran, dass alle Trainer die letzten Jahre das Bestmögliche aus unseren Adler-Jungs rausholen wollten. Es wurde ja auch viel versucht zu ändern/verbessern die letzten Jahre. Deshalb bin ich mal chronologisch zurückgegangen bis zum letzten Titelerfolg unter O.G.. Als O. G. bei uns angefangen hatte, hatte er gleich zu Beginn was gesagt in der Art "Mir ist die positive Stimmung in der Kabine wichtiger als irgendwelche Fähigkeiten von Spielern - wenn da wer schlechte Stimmung in der Kabine verbreitet, so fliegt er direkt raus!". Möglicherweise war dieser Ansatz ja die Basis für den Europapokaltitel!?!?
Vor O. G. hatten wir zu Hütters erster Eintrachtzeit die "´ic-Offensive". Bei den Jungs hat man ja quasi vermuten können das wären Brüder, so eng wie die miteinander waren. Später unter O. G. war es vielleicht tatsächlich der Teamgeist, welcher den Erfolg brachte. Wenn diese Theorie halbwegs passen sollte, so würde da auch rein passen: es wurde irgendwie immer schlimmer/schlechter, desto weniger Spieler noch da waren, welche den alten Teamgeist kannten. Dann hat mMn die sprühende Lebensfreude von Omar die Stimmung in der Kabine hochgehalten, was natürlich nicht mehr der Fall war als Omar dann weg war. Wir haben auch immer mehr "vermeintlich fragwürdige" Charaktere versucht ins Teams zu integrieren, in dem Glauben, dass dies keine negativen Auswirkungen auf den Teamgeist habe, weil der ja intakt schien.
Worauf ich hinaus will: Taktik, Formation, Einzelanweisungen, Grundausrichtungen, Spielideen wurden durch die letzten Trainer in allen denkbaren Varianten verändert - leider ohne sichtliche Verbesserung in den Ergebnissen. Deswegen beschleicht mich nun das Bauchgefühl, dass die Stimmung in der Kabine vielleicht der wahre Grund sein könnte für das teilweise unerklärbare Auftreten und manche unerklärbaren Individualfehler. Dazu würde dann auch das aktuelle Interview mit Dina Ebimbe passen (auch wenn ich wünschte, dass er das alles so nicht gesagt hätte öffentlich).
Aber wie gesagt: ich kann nichts davon belegen - es ist nur mein persönliches Bauchgefühl bzw. meine subjektive Befürchtung, weil ich wirklich glauben mag, dass alles andere bereits versucht wurde zwischenzeitlich zu verändern/verbessern.
Danke für die Blumen. 😁 So macht eine Diskussion ja auch Spaß, selbst wenn man am Ende bei der Lösung nicht zusammenkommt.
Bei der „einfachen Taktik“ bin ich aber komplett raus. Was soll denn einfach heißen? Tief stehen, zwei Viererketten, Ball weg und hoffen? Das sind Bundesligaprofis und keine E-Jugend, denen man zur Sicherheit erstmal drei Laufwege an die Tafel malt.
Ein Profi braucht nicht zwingend eine einfachere Taktik, sondern klare Aufgaben innerhalb einer anspruchsvollen Taktik. Das ist ein Unterschied. Hütter kann Pressingtrigger reduzieren, die Restverteidigung konservativer staffeln, nur einen Außenverteidiger gleichzeitig hochschieben lassen oder den Sechser stärker in der Tiefensicherung halten. Damit gibst du Orientierung, ohne den Spielern einen Fußball vorzusetzen, der mit der eigentlichen Idee nichts mehr zu tun hat.
Bei Brassier oder Kosugi sehe ich auch nicht, warum man sie dadurch schützen sollte, dass man ihnen taktisch weniger zutraut. Die spielen Profifußball auf höchstem Niveau. Natürlich brauchen sie Zeit für die Bundesliga, Tempo, Gegenspieler und die Abstimmung mit neuen Mitspielern. Aber die Herausforderung besteht doch darin, sie in funktionierende gruppentaktische Abläufe einzubinden und nicht darin, den Fußball für sie möglichst simpel zu machen.
Bei Hütter bin ich außerdem ziemlich sicher, dass da nicht nach drei weiteren schlechten Ergebnissen sofort die Reißleine gezogen wird. So einfach funktioniert das intern nicht. Man hat ihn gerade erst verpflichtet, einen stark veränderten Kader zusammengestellt und ihm damit einen Prozess übergeben, der erkennbar Zeit braucht. Wenn man ihn nach einer schwachen Hinrunde direkt wieder feuert, würde sich die Diskussion sehr schnell von Hütter weg und hin zur grundsätzlichen sportlichen Führung bewegen. Das wissen die Verantwortlichen ebenfalls.
Dass Hütter nicht zaubern kann, stimmt. Muss er auch nicht. Er muss trainieren. Und genau dafür hat er jetzt erstmals über längere Phasen normale Trainingswochen.
Dieses Moral-Argument sehe ich ebenfalls deutlich weniger dramatisch. Natürlich kann eine Negativserie am Selbstvertrauen nagen. Aber wenn ein niedriger Punktestand automatisch irgendwann die Moral zerstören würde, könnte sich keine Mannschaft der Welt mehr aus dem Tabellenkeller befreien. Fußballgeschichte ist voll von Teams, die miserabel gestartet sind, irgendwann einen Lauf bekommen haben und sich wieder herausgezogen haben.
Selbstvertrauen ist außerdem kein Tank, der irgendwann leer ist und dann bleibt er leer. Zwei gute Spiele, ein spätes Siegtor, ein dreckiges 1:0 und plötzlich verändert sich innerhalb einer Mannschaft sehr viel. Genauso schnell, wie eine Negativspirale entstehen kann, kann sie auch in die andere Richtung kippen.
Deshalb verstehe ich dieses permanente Vorwegnehmen des schlimmsten Szenarios nicht. „Wenn wir jetzt nur einen Punkt holen...“, „wenn Verletzte kommen...“, „wenn die Moral kippt...“, „wenn Hütter es nicht schafft...“ ; irgendwann diskutieren wir nur noch über Dinge, die noch gar nicht passiert sind. 😁
Ich gehe auch nicht davon aus, dass wir aus Mainz mit leeren Händen kommen. Mindestens einen Punkt traue ich der Mannschaft dort absolut zu. Und vielleicht reden wir danach schon wieder über eine ganz andere Stimmung.
Fehler werden kommen. Rückschläge ebenfalls. Mir wäre nur lieber, Hütter arbeitet diese mit der Mannschaft ab, statt nach jedem davon den nächsten Sicherheitsfußball auszupacken. Denn am Ende soll hier ja etwas entstehen und nicht nur irgendwie der nächste Samstag überlebt werden.
Ich gehe auch nicht davon aus, dass wir aus Mainz mit leeren Händen kommen. Mindestens einen Punkt traue ich der Mannschaft dort absolut zu. Und vielleicht reden wir danach schon wieder über eine ganz andere Stimmung.
Ich würde da auch gerne dran glauben können, aber ich befürchte, dass Du damit nur die Basis lieferst um Samstag selbst wieder enttäuscht zu werden.
Ich sage mal so: bei meiner aktuellen Erwartungshaltung wird es sehr schwierig mich am Samstag enttäuschen zu können ...
Ich sage mal so: bei meiner aktuellen Erwartungshaltung wird es sehr schwierig mich am Samstag enttäuschen zu können ...
Da sagst du aber was... da ich im Urlaub bin, hatte ich gleich mal für 2 Spieltage Tipps abgesetzt. Gegen Augsburg hatte ich auf einen 2:1 Heimsieg getippt. Gegen Mainz tippte ich auf ein 2:2. Da muss ich - mit dem jetzigen Wissensstand- nochmal nachjustieren.
Ich gehe auch nicht davon aus, dass wir aus Mainz mit leeren Händen kommen. Mindestens einen Punkt traue ich der Mannschaft dort absolut zu. Und vielleicht reden wir danach schon wieder über eine ganz andere Stimmung.
Ich würde da auch gerne dran glauben können, aber ich befürchte, dass Du damit nur die Basis lieferst um Samstag selbst wieder enttäuscht zu werden.
Ich sage mal so: bei meiner aktuellen Erwartungshaltung wird es sehr schwierig mich am Samstag enttäuschen zu können ...
Ich gehe auch nicht davon aus, dass wir aus Mainz mit leeren Händen kommen. Mindestens einen Punkt traue ich der Mannschaft dort absolut zu. Und vielleicht reden wir danach schon wieder über eine ganz andere Stimmung.
Ich würde da auch gerne dran glauben können, aber ich befürchte, dass Du damit nur die Basis lieferst um Samstag selbst wieder enttäuscht zu werden.
Ich sage mal so: bei meiner aktuellen Erwartungshaltung wird es sehr schwierig mich am Samstag enttäuschen zu können ...
Ich sage mal so: bei meiner aktuellen Erwartungshaltung wird es sehr schwierig mich am Samstag enttäuschen zu können ...
Da sagst du aber was... da ich im Urlaub bin, hatte ich gleich mal für 2 Spieltage Tipps abgesetzt. Gegen Augsburg hatte ich auf einen 2:1 Heimsieg getippt. Gegen Mainz tippte ich auf ein 2:2. Da muss ich - mit dem jetzigen Wissensstand- nochmal nachjustieren.
Ich kann gerade leider nicht auf jeden einzelnen Beitrag separat eingehen, dafür fehlt mir schlicht die Zeit. Ich greife deshalb mal ein paar Punkte gesammelt auf.
Vielleicht hilft es an der Stelle auch, wenn ich kurz beschreibe, wie ich selbst mit Profis arbeite. Denn manchmal entsteht hier der Eindruck, als würde ein Trainer morgens vor 25 Spielern stehen, 40 taktische Punkte herunterbeten und anschließend erwarten, dass sie das am Wochenende auswendig aufsagen. So läuft das natürlich nicht.
Bei Profis arbeite ich sehr viel über Prinzipien und wiederkehrende Spielsituationen. Ich gebe einem Spieler nicht für jede denkbare Situation einen eigenen Befehl mit. Er muss verstehen, welche Idee hinter unserem Spiel steckt und anhand welcher Auslöser er seine Entscheidung trifft.
Nehmen wir das Pressing. Ich erkläre einem Stürmer nicht zehn verschiedene Laufwege. Ich möchte, dass er versteht, welchen Pass wir provozieren wollen, wann der Moment zum Anlaufen da ist und welchen Raum er mit seinem Laufweg schließen soll. Dann trainieren wir genau solche Situationen immer wieder. Dasselbe mache ich positionsspezifisch. Mit einem Außenverteidiger geht es um Stellung zum Ball, Abstand zum Innenverteidiger, Herausschieben, Tiefensicherung und darum, was passiert, wenn der Nebenmann seinen Raum verlässt. Beim Sechser wiederum um seine Position hinter der ersten Pressinglinie, die Absicherung dahinter und darum, wo er nach Ballverlust den nächsten Zugriff herstellen kann. Dabei wird auch nicht jede Aktion sofort abgepfiffen und zehn Minuten erklärt. Vieles lasse ich erstmal laufen. Ich schaue, welche Entscheidung getroffen wurde und warum sie funktioniert hat oder eben nicht. Manchmal reichen zwei Meter Positionsveränderung oder ein anderer Körperwinkel und dieselbe Situation sieht komplett anders aus.
Dazu kommt Video. Aber auch da bombardierst du keinen Spieler mit 30 Szenen. Oft reichen ein paar ausgewählte Sequenzen. Eine gute Lösung, eine schlechte, vielleicht noch ein vergleichbares Bild vom kommenden Gegner. Der Spieler soll verstehen, was ich von ihm möchte und dieses Bild dann auf den Trainingsplatz mitnehmen.
Und Profis wollen auch wissen, warum sie etwas machen sollen. Wenn ich einem erfahrenen Spieler nur sage „steh da“, ohne ihm erklären zu können, was wir dadurch gewinnen, wird er mir zurecht Fragen stellen. Gute Spieler denken mit. Das will ich als Trainer auch.
Deshalb halte ich diese Angst vor einer angeblich zu komplizierten Taktik für überzogen. Fußball ist komplexer geworden, keine Frage. Aber diese Komplexität landet nicht als 40-seitige Gebrauchsanweisung im Kopf eines Spielers.
Vieles läuft über Spielformen. Kleine Felder, Überzahl, Unterzahl, festgelegte Zonen, bestimmte Auslöser. Ich kann eine Übung so bauen, dass genau die Situation immer wieder entsteht, die ich später im Spiel sehen möchte. Irgendwann ist ein Pressingtrigger dann kein bewusster Gedanke mehr. Der Rückpass kommt und der Stürmer geht. Der Nebenmann erkennt das und schiebt nach. Der Sechser reagiert darauf und die letzte Linie geht mit. Im Idealfall passiert das, ohne dass einer dabei im Kopf die Besprechung vom Dienstag durchblättert. Und das widerspricht dem sogenannten Instinktkicker überhaupt nicht. Eher im Gegenteil. Je besser die Mannschaft drumherum organisiert ist, desto mehr Freiheit kann ich einem kreativen Spieler geben. Uzun soll doch nicht 90 Minuten irgendwelche taktischen Formeln im Kopf lösen. Der soll in bestimmten Räumen seine Qualität ausspielen. Die Struktur um ihn herum sorgt nur dafür, dass nicht jeder Risikoball von ihm sofort die ganze Mannschaft aufreißt.
Bei Baum oder Kosugi sehe ich deshalb auch nicht, warum ich plötzlich „einfacheren Fußball“ spielen lassen müsste. Natürlich brauchen die Jungs Zeit für Bundesliga-Tempo, neue Mitspieler und Abläufe. Aber die kommen aus Leistungszentren und beschäftigen sich nicht seit gestern mit gruppen- und mannschaftstaktischen Dingen.
Wenn Hyundai das von außen für möglicherweise zu kompliziert hält, liegt das vielleicht auch ein Stück weit daran, dass er es eben von außen betrachtet und nicht täglich als Profi damit arbeitet. 😁 Was für den Zuschauer nach 20 Dingen gleichzeitig aussieht, ist für den Spieler im besten Fall nur eine klar trainierte Reaktion auf eine bekannte Situation.
Und diese Taktiktafel bei einer Einwechslung in der 85. Minute finde ich auch überhaupt nicht befremdlich.
Der Spieler hat zwar 85 Minuten zugeschaut, weiß aber trotzdem nicht automatisch, was ich mit seiner Einwechslung jetzt verändern will. Vielleicht soll er zehn Meter tiefer stehen. Vielleicht spielen wir gegen den Ball plötzlich 4-5-1. Vielleicht soll er innen statt außen verteidigen oder einen bestimmten Spieler im Aufbau anlaufen.
Das sind meist zwei, drei konkrete Hinweise und keine komplette Neuerklärung des Fußballs. Der Vergleich mit dem eigenen Beruf hinkt deshalb etwas. Dein Chef erklärt dir morgens wahrscheinlich auch nicht deinen kompletten Job neu. Wenn sich für die letzte Stunde aber deine Aufgabe verändert, wird er dir hoffentlich trotzdem sagen, was er jetzt konkret von dir möchte. 😁
Und bei den Expertenrunden nach den Spielen bin ich bei Hyundai ausnahmsweise sogar ein Stück weit bei ihm.
Von außen ist vieles schnell gesagt. „Da muss er schneller rausschieben.“ „Da muss er den Pass sehen.“ „Da darf er den Ball nicht verlieren.“ Im Standbild sieht das natürlich einfach aus. Auf dem Platz hat der Spieler teilweise eine halbe Sekunde, einen Gegner im Rücken, einen zweiten im Augenwinkel und gleichzeitig verschiebt sich das komplette Bild um ihn herum. Die Konsequenz daraus kann für mich aber nicht sein, den Spielern weniger zuzutrauen. Ich muss solche Situationen so oft und so sauber trainieren, dass die Reaktion irgendwann auch unter vollem Tempo und Gegnerdruck kommt. Taktik erklären ist relativ schnell erledigt. Taktik so zu trainieren, dass elf Spieler sie gleichzeitig unter Bundesliga-Bedingungen abrufen, ist eine andere Hausnummer.
Und genau diese normalen Trainingswochen braucht Hütter jetzt.
Da wird nicht jeden Dienstag drei Stunden Theorie gepaukt. Da werden Abläufe gespielt, korrigiert, wiederholt, unter Druck gesetzt und wieder neu gespielt.
Wenn das irgendwann sitzt, sieht es am Wochenende plötzlich völlig selbstverständlich aus.
Und meistens steckt hinter dem Fußball, der von außen so herrlich „einfach“ wirkt, vorher verdammt viel Arbeit. 😁
Nur noch als Hinweis: Ich kann hier zeitlich nicht dauerhaft solche Romane schreiben und auf jeden einzelnen Beitrag ausführlich eingehen. Das geht mal außer der Reihe, wenn es gerade passt, aber sicher nicht jedes Mal. 😁
Wenn jemand an einem tieferen Austausch zu Taktik, Training oder bestimmten Spielsituationen Interesse hat, kann er mir aber gerne eine PN schicken.
Wo genau ich trainiere, würde ich hier allerdings lieber für mich behalten. Nicht aus Geheimniskrämerei, sondern weil ich Berufliches und Forum ganz gerne voneinander trenne. Gerade in dem Bereich fände ich es ehrlich gesagt auch etwas unseriös und unprofessionell, öffentlich groß mit Verein oder Mannschaft hausieren zu gehen.
Ich hoffe, du nimmst mir das nicht krumm. 🙂
Und beim Kaiser ist sowieso was dran: Irgendwann ist genug geredet, analysiert und vorbereitet – dann müssen die Jungs raus und Fußball spielen. 😁
Wo genau ich trainiere, würde ich hier allerdings lieber für mich behalten. Nicht aus Geheimniskrämerei, sondern weil ich Berufliches und Forum ganz gerne voneinander trenne. Gerade in dem Bereich fände ich es ehrlich gesagt auch etwas unseriös und unprofessionell, öffentlich groß mit Verein oder Mannschaft hausieren zu gehen.
Ich hoffe, du nimmst mir das nicht krumm. 🙂
Und beim Kaiser ist sowieso was dran: Irgendwann ist genug geredet, analysiert und vorbereitet – dann müssen die Jungs raus und Fußball spielen. 😁
Wo genau ich trainiere, würde ich hier allerdings lieber für mich behalten. Nicht aus Geheimniskrämerei, sondern weil ich Berufliches und Forum ganz gerne voneinander trenne.
Wo genau ich trainiere, würde ich hier allerdings lieber für mich behalten. Nicht aus Geheimniskrämerei, sondern weil ich Berufliches und Forum ganz gerne voneinander trenne. Gerade in dem Bereich fände ich es ehrlich gesagt auch etwas unseriös und unprofessionell, öffentlich groß mit Verein oder Mannschaft hausieren zu gehen.
Ich hoffe, du nimmst mir das nicht krumm. 🙂
Und beim Kaiser ist sowieso was dran: Irgendwann ist genug geredet, analysiert und vorbereitet – dann müssen die Jungs raus und Fußball spielen. 😁
Wo genau ich trainiere, würde ich hier allerdings lieber für mich behalten. Nicht aus Geheimniskrämerei, sondern weil ich Berufliches und Forum ganz gerne voneinander trenne. Gerade in dem Bereich fände ich es ehrlich gesagt auch etwas unseriös und unprofessionell, öffentlich groß mit Verein oder Mannschaft hausieren zu gehen.
Ich hoffe, du nimmst mir das nicht krumm. 🙂
Und beim Kaiser ist sowieso was dran: Irgendwann ist genug geredet, analysiert und vorbereitet – dann müssen die Jungs raus und Fußball spielen. 😁
Wo genau ich trainiere, würde ich hier allerdings lieber für mich behalten. Nicht aus Geheimniskrämerei, sondern weil ich Berufliches und Forum ganz gerne voneinander trenne.
Wo genau ich trainiere, würde ich hier allerdings lieber für mich behalten. Nicht aus Geheimniskrämerei, sondern weil ich Berufliches und Forum ganz gerne voneinander trenne. Gerade in dem Bereich fände ich es ehrlich gesagt auch etwas unseriös und unprofessionell, öffentlich groß mit Verein oder Mannschaft hausieren zu gehen.
Ich hoffe, du nimmst mir das nicht krumm. 🙂
Und beim Kaiser ist sowieso was dran: Irgendwann ist genug geredet, analysiert und vorbereitet – dann müssen die Jungs raus und Fußball spielen. 😁
Wo genau ich trainiere, würde ich hier allerdings lieber für mich behalten. Nicht aus Geheimniskrämerei, sondern weil ich Berufliches und Forum ganz gerne voneinander trenne. Gerade in dem Bereich fände ich es ehrlich gesagt auch etwas unseriös und unprofessionell, öffentlich groß mit Verein oder Mannschaft hausieren zu gehen.
Ich hoffe, du nimmst mir das nicht krumm. 🙂
Und beim Kaiser ist sowieso was dran: Irgendwann ist genug geredet, analysiert und vorbereitet – dann müssen die Jungs raus und Fußball spielen. 😁
Nach der heutigen PK hatte ich kurz das Gefühl, Hütter hätte hier mitgelesen. 😉 Einige seiner Aussagen gehen jedenfalls ziemlich genau in die Richtung, über die wir hier die letzten Tage gesprochen haben.
Die heutige PK fand ich aus Trainersicht ziemlich aufschlussreich, weil Hütter bei einigen Punkten genau die Richtung beschreibt, über die wir hier seit Tagen diskutieren.
Vor allem seine Aussage, dass die sieben Gegentore für ihn keine Systemfrage sind, halte ich für wichtig. Eine Grundordnung ist erstmal nur das Ausgangsbild. Ob da 4-2-3-1, 4-4-2 oder 3-4-2-1 auf dem Zettel steht, sagt noch relativ wenig darüber aus, wie eine Mannschaft tatsächlich verteidigt.
Ich kann mit einer Dreierkette vogelwild stehen und mit einer Viererkette hervorragend abgesichert sein. Entscheidend sind Balldruck, Abstände, Herausrückverhalten, Tiefensicherung, Restverteidigung und die Frage, wie geschlossen die Mannschaft nach dem ersten überspielten Zugriff reagiert.
Hütter spricht heute von Zweikampfführung und davon, Bälle konsequenter zu klären. Das klingt erstmal banal, ist es aber nicht. Ein Trainer schaut sich nicht nur an, wer einen Zweikampf verliert. Er schaut sich die ganze Entstehung an. War vorher Druck auf dem Ball? Konnte der Gegner sauber aufdrehen? Hat die letzte Linie rechtzeitig nachgeschoben? War die Box vernünftig besetzt? Hatte der Verteidiger überhaupt Unterstützung?
Gegen Augsburg war das in der ersten Halbzeit über weite Strecken ordentlich. Wir hatten Zugriff, Augsburg kam kaum sauber hinter unsere erste Drucklinie und unsere Abwehr musste wesentlich weniger offene Räume verteidigen. Nach der Pause waren es dieselben Spieler im selben System – und trotzdem war das Verhalten plötzlich ein anderes.
Allein daran sieht man schon, warum ich nicht sofort anfangen würde, die Grundidee umzubauen.
Wenn etwas 45 Minuten funktioniert und danach auseinanderfällt, möchte ich als Trainer wissen, warum es nicht mehr abrufbar war. Ich werfe doch nicht den funktionierenden Teil gleich mit weg.
Hütter kann die Mannschaft trotzdem defensiv stabiler bekommen. Vielleicht wird die Restverteidigung etwas konservativer, vielleicht schiebt der ballferne Außenverteidiger früher ein, vielleicht wird Onyedika in bestimmten Phasen stärker in der Sicherung gehalten oder man verändert die Pressinghöhe. Auch eine Dreierkette kann eine Möglichkeit sein.
Das alles sind normale Anpassungen. Seine Fußballidee muss er dafür nicht beerdigen.
Interessant fand ich auch, dass er von einem Entwicklungsprozess spricht und davon, dass die Mannschaft jetzt seine Unterstützung braucht. Das ist für mich Trainerarbeit, gerade bei einer jungen und stark veränderten Gruppe.
Nach zwei solchen Spielen kann ich mich natürlich vor die Mannschaft stellen und alles in Frage stellen. Ich kann aber auch sagen: Wir wissen, was wir spielen wollen, wir wissen, welche Dinge gerade nicht funktionieren, und jetzt arbeiten wir daran.
Psychologisch ist das nicht zu unterschätzen. Die Spieler müssen irgendwann Vertrauen in ihre Abläufe bekommen. Wenn der Trainer nach jedem Rückschlag selbst anfängt, an seiner Idee zu zweifeln, brauche ich mich nicht wundern, wenn auf dem Platz irgendwann ebenfalls keiner mehr weiß, woran er sich orientieren soll.
Und Orientierung entsteht im Profifußball über Wiederholung. Pressingtrigger, Anschlussdruck, ballfermes Einrücken, Verhalten nach Ballverlust, Boxverteidigung; solche Sachen werden nicht einmal erklärt und sind dann erledigt. Die werden in Spielformen immer wieder provoziert, korrigiert und unter Gegnerdruck wiederholt, bis das irgendwann ohne langes Nachdenken abläuft.
Ich hatte ja schon geschrieben, dass ich als Trainer momentan genauso vorgehen würde. Nicht alles umwerfen, sondern Hütters Fußball erstmal sauber in die Mannschaft bekommen und dort nachschärfen, wo die Balance noch fehlt.
Und auch seine Ruhe nach außen gefällt mir. Was soll er jetzt machen? Sich vor die Kameras stellen und erzählen, dass sein Ansatz nicht funktioniert und die Mannschaft ein Problem hat? Intern wird ganz anders analysiert und gesprochen. Nach außen muss ein Trainer in so einer Phase Orientierung und Überzeugung ausstrahlen.
Hütter ist lange genug im Geschäft, um zu wissen, dass er nicht stur mit dem Kopf durch die Wand gehen kann. Er ist aber auch erfahren genug, nicht nach 180 Bundesligaminuten aus Nervosität einen Fußball spielen zu lassen, von dem er selbst nicht überzeugt ist.
Von daher musste ich bei der PK heute tatsächlich ein bisschen grinsen. 😉 Die berühmte Glaskugel habe ich zwar immer noch nicht, aber zumindest scheint mein Trainerhirn bei der Sache nicht völlig auf dem Holzweg gewesen zu sein. 😂
Jetzt muss das Ganze nur noch auf den Platz. Denn alle taktische Theorie ist irgendwann wertlos, wenn die Mannschaft sie unter Druck nicht abrufen kann. Und genau diese Stabilität muss Hütter in den nächsten Wochen reinbekommen.
Wo genau ich trainiere, würde ich hier allerdings lieber für mich behalten. Nicht aus Geheimniskrämerei, sondern weil ich Berufliches und Forum ganz gerne voneinander trenne. Gerade in dem Bereich fände ich es ehrlich gesagt auch etwas unseriös und unprofessionell, öffentlich groß mit Verein oder Mannschaft hausieren zu gehen.
Ich hoffe, du nimmst mir das nicht krumm. 🙂
Und beim Kaiser ist sowieso was dran: Irgendwann ist genug geredet, analysiert und vorbereitet – dann müssen die Jungs raus und Fußball spielen. 😁
Nach der heutigen PK hatte ich kurz das Gefühl, Hütter hätte hier mitgelesen. 😉 Einige seiner Aussagen gehen jedenfalls ziemlich genau in die Richtung, über die wir hier die letzten Tage gesprochen haben.
Die heutige PK fand ich aus Trainersicht ziemlich aufschlussreich, weil Hütter bei einigen Punkten genau die Richtung beschreibt, über die wir hier seit Tagen diskutieren.
Vor allem seine Aussage, dass die sieben Gegentore für ihn keine Systemfrage sind, halte ich für wichtig. Eine Grundordnung ist erstmal nur das Ausgangsbild. Ob da 4-2-3-1, 4-4-2 oder 3-4-2-1 auf dem Zettel steht, sagt noch relativ wenig darüber aus, wie eine Mannschaft tatsächlich verteidigt.
Ich kann mit einer Dreierkette vogelwild stehen und mit einer Viererkette hervorragend abgesichert sein. Entscheidend sind Balldruck, Abstände, Herausrückverhalten, Tiefensicherung, Restverteidigung und die Frage, wie geschlossen die Mannschaft nach dem ersten überspielten Zugriff reagiert.
Hütter spricht heute von Zweikampfführung und davon, Bälle konsequenter zu klären. Das klingt erstmal banal, ist es aber nicht. Ein Trainer schaut sich nicht nur an, wer einen Zweikampf verliert. Er schaut sich die ganze Entstehung an. War vorher Druck auf dem Ball? Konnte der Gegner sauber aufdrehen? Hat die letzte Linie rechtzeitig nachgeschoben? War die Box vernünftig besetzt? Hatte der Verteidiger überhaupt Unterstützung?
Gegen Augsburg war das in der ersten Halbzeit über weite Strecken ordentlich. Wir hatten Zugriff, Augsburg kam kaum sauber hinter unsere erste Drucklinie und unsere Abwehr musste wesentlich weniger offene Räume verteidigen. Nach der Pause waren es dieselben Spieler im selben System – und trotzdem war das Verhalten plötzlich ein anderes.
Allein daran sieht man schon, warum ich nicht sofort anfangen würde, die Grundidee umzubauen.
Wenn etwas 45 Minuten funktioniert und danach auseinanderfällt, möchte ich als Trainer wissen, warum es nicht mehr abrufbar war. Ich werfe doch nicht den funktionierenden Teil gleich mit weg.
Hütter kann die Mannschaft trotzdem defensiv stabiler bekommen. Vielleicht wird die Restverteidigung etwas konservativer, vielleicht schiebt der ballferne Außenverteidiger früher ein, vielleicht wird Onyedika in bestimmten Phasen stärker in der Sicherung gehalten oder man verändert die Pressinghöhe. Auch eine Dreierkette kann eine Möglichkeit sein.
Das alles sind normale Anpassungen. Seine Fußballidee muss er dafür nicht beerdigen.
Interessant fand ich auch, dass er von einem Entwicklungsprozess spricht und davon, dass die Mannschaft jetzt seine Unterstützung braucht. Das ist für mich Trainerarbeit, gerade bei einer jungen und stark veränderten Gruppe.
Nach zwei solchen Spielen kann ich mich natürlich vor die Mannschaft stellen und alles in Frage stellen. Ich kann aber auch sagen: Wir wissen, was wir spielen wollen, wir wissen, welche Dinge gerade nicht funktionieren, und jetzt arbeiten wir daran.
Psychologisch ist das nicht zu unterschätzen. Die Spieler müssen irgendwann Vertrauen in ihre Abläufe bekommen. Wenn der Trainer nach jedem Rückschlag selbst anfängt, an seiner Idee zu zweifeln, brauche ich mich nicht wundern, wenn auf dem Platz irgendwann ebenfalls keiner mehr weiß, woran er sich orientieren soll.
Und Orientierung entsteht im Profifußball über Wiederholung. Pressingtrigger, Anschlussdruck, ballfermes Einrücken, Verhalten nach Ballverlust, Boxverteidigung; solche Sachen werden nicht einmal erklärt und sind dann erledigt. Die werden in Spielformen immer wieder provoziert, korrigiert und unter Gegnerdruck wiederholt, bis das irgendwann ohne langes Nachdenken abläuft.
Ich hatte ja schon geschrieben, dass ich als Trainer momentan genauso vorgehen würde. Nicht alles umwerfen, sondern Hütters Fußball erstmal sauber in die Mannschaft bekommen und dort nachschärfen, wo die Balance noch fehlt.
Und auch seine Ruhe nach außen gefällt mir. Was soll er jetzt machen? Sich vor die Kameras stellen und erzählen, dass sein Ansatz nicht funktioniert und die Mannschaft ein Problem hat? Intern wird ganz anders analysiert und gesprochen. Nach außen muss ein Trainer in so einer Phase Orientierung und Überzeugung ausstrahlen.
Hütter ist lange genug im Geschäft, um zu wissen, dass er nicht stur mit dem Kopf durch die Wand gehen kann. Er ist aber auch erfahren genug, nicht nach 180 Bundesligaminuten aus Nervosität einen Fußball spielen zu lassen, von dem er selbst nicht überzeugt ist.
Von daher musste ich bei der PK heute tatsächlich ein bisschen grinsen. 😉 Die berühmte Glaskugel habe ich zwar immer noch nicht, aber zumindest scheint mein Trainerhirn bei der Sache nicht völlig auf dem Holzweg gewesen zu sein. 😂
Jetzt muss das Ganze nur noch auf den Platz. Denn alle taktische Theorie ist irgendwann wertlos, wenn die Mannschaft sie unter Druck nicht abrufen kann. Und genau diese Stabilität muss Hütter in den nächsten Wochen reinbekommen.
Sehr schöner Beitrag. Ich hoffe, man gibt Hütter die Zeit und hat die nötige Geduld. Er hat in seiner ersten Amtszeit bei uns auch einige schwere Phasen bewältigen müssen und die Mannschaft kam mit seinen Anpassungen immer wieder heraus. Ich bin mir sicher nach der Länderspielpause, ab dem Heimspiel gegen Köln geht es bergauf (bei den Dosen holen wir nie etwas).
Servus anpii, dank einer langen Rückreise vom Urlaub habe ich alle Deine Ausführungen verschlungen. Vielen Dank für Deine Bemühungen.
Du brauchst dich auch nicht genötigt sehen zu antworten. Ich habe sicher viel gelernt und deine Ausführungen taugen total als Erklärung für vieles, nicht nur die 2. HZ gegen die Puppenkiste.
Ich wollte aber unbedingt kommentieren, denn gerade wenn man unsere laienhaften Antworten sieht, naja, dann wurde mir die Diskrepanz zwischen dem, was wir Forum-User sehen und welche Rückschlüsse wir ziehen (40 Punkte werden schon in Frage gestellt. Ein inkompetenter MK muss weg. Hütter wird bald entlassen.) und auf welcher Basis Hütter, MK und der Rest des Vorstandes die Situation analysieren und warum sie eine andere Sicht auf den Kader, den Rückhalt des Trainers usw. sehen. Danke, gerne mehr davon. Neben den Analysen von Nikolai hilft mir das ungemein.
Hütter kann die Mannschaft trotzdem defensiv stabiler bekommen. Vielleicht wird die Restverteidigung etwas konservativer, vielleicht schiebt der ballferne Außenverteidiger früher ein, vielleicht wird Onyedika in bestimmten Phasen stärker in der Sicherung gehalten oder man verändert die Pressinghöhe. Auch eine Dreierkette kann eine Möglichkeit sein.
Das alles sind normale Anpassungen. Seine Fußballidee muss er dafür nicht beerdigen.
Interessant fand ich auch, dass er von einem Entwicklungsprozess spricht und davon, dass die Mannschaft jetzt seine Unterstützung braucht. Das ist für mich Trainerarbeit, gerade bei einer jungen und stark veränderten Gruppe.
Nach zwei solchen Spielen kann ich mich natürlich vor die Mannschaft stellen und alles in Frage stellen. Ich kann aber auch sagen: Wir wissen, was wir spielen wollen, wir wissen, welche Dinge gerade nicht funktionieren, und jetzt arbeiten wir daran.
[...]
Sorry für das Wasser in Deinen Wein, aber ich habe Deine Sammlung von Möglichkeiten, Eventualitäten und Basiswissen der Psychologie jetzt zweimal gelesen, finde aber so überhaupt keinen anpii-eigenen Griff daran. Das sind alles wachsweiche Aussagen, die aufgrund ihrer "Breite" am Ende des Tages zwangsläufig zu der Aussage führen werden, dass Du das ja gesagt bzw. gewusst oder auch darauf hingewiesen hast. Schade, hätte mich mal interessiert, was Du als angeblich ausgebildeter Pro-Lizenz-Trainer höchstselbst tun würdest. "Das ist für mich Trainerarbeit, gerade bei einer jungen und stark veränderten Gruppe" ist da ein wenig dünn, wenngleich blumig, dazu braucht man keinen Trainerschein.
Nach der heutigen PK hatte ich kurz das Gefühl, Hütter hätte hier mitgelesen. 😉 Einige seiner Aussagen gehen jedenfalls ziemlich genau in die Richtung, über die wir hier die letzten Tage gesprochen haben.
Die heutige PK fand ich aus Trainersicht ziemlich aufschlussreich, weil Hütter bei einigen Punkten genau die Richtung beschreibt, über die wir hier seit Tagen diskutieren.
Vor allem seine Aussage, dass die sieben Gegentore für ihn keine Systemfrage sind, halte ich für wichtig. Eine Grundordnung ist erstmal nur das Ausgangsbild. Ob da 4-2-3-1, 4-4-2 oder 3-4-2-1 auf dem Zettel steht, sagt noch relativ wenig darüber aus, wie eine Mannschaft tatsächlich verteidigt.
Ich kann mit einer Dreierkette vogelwild stehen und mit einer Viererkette hervorragend abgesichert sein. Entscheidend sind Balldruck, Abstände, Herausrückverhalten, Tiefensicherung, Restverteidigung und die Frage, wie geschlossen die Mannschaft nach dem ersten überspielten Zugriff reagiert.
Hütter spricht heute von Zweikampfführung und davon, Bälle konsequenter zu klären. Das klingt erstmal banal, ist es aber nicht. Ein Trainer schaut sich nicht nur an, wer einen Zweikampf verliert. Er schaut sich die ganze Entstehung an. War vorher Druck auf dem Ball? Konnte der Gegner sauber aufdrehen? Hat die letzte Linie rechtzeitig nachgeschoben? War die Box vernünftig besetzt? Hatte der Verteidiger überhaupt Unterstützung?
Gegen Augsburg war das in der ersten Halbzeit über weite Strecken ordentlich. Wir hatten Zugriff, Augsburg kam kaum sauber hinter unsere erste Drucklinie und unsere Abwehr musste wesentlich weniger offene Räume verteidigen. Nach der Pause waren es dieselben Spieler im selben System – und trotzdem war das Verhalten plötzlich ein anderes.
Allein daran sieht man schon, warum ich nicht sofort anfangen würde, die Grundidee umzubauen.
Wenn etwas 45 Minuten funktioniert und danach auseinanderfällt, möchte ich als Trainer wissen, warum es nicht mehr abrufbar war. Ich werfe doch nicht den funktionierenden Teil gleich mit weg.
Hütter kann die Mannschaft trotzdem defensiv stabiler bekommen. Vielleicht wird die Restverteidigung etwas konservativer, vielleicht schiebt der ballferne Außenverteidiger früher ein, vielleicht wird Onyedika in bestimmten Phasen stärker in der Sicherung gehalten oder man verändert die Pressinghöhe. Auch eine Dreierkette kann eine Möglichkeit sein.
Das alles sind normale Anpassungen. Seine Fußballidee muss er dafür nicht beerdigen.
Interessant fand ich auch, dass er von einem Entwicklungsprozess spricht und davon, dass die Mannschaft jetzt seine Unterstützung braucht. Das ist für mich Trainerarbeit, gerade bei einer jungen und stark veränderten Gruppe.
Nach zwei solchen Spielen kann ich mich natürlich vor die Mannschaft stellen und alles in Frage stellen. Ich kann aber auch sagen: Wir wissen, was wir spielen wollen, wir wissen, welche Dinge gerade nicht funktionieren, und jetzt arbeiten wir daran.
Psychologisch ist das nicht zu unterschätzen. Die Spieler müssen irgendwann Vertrauen in ihre Abläufe bekommen. Wenn der Trainer nach jedem Rückschlag selbst anfängt, an seiner Idee zu zweifeln, brauche ich mich nicht wundern, wenn auf dem Platz irgendwann ebenfalls keiner mehr weiß, woran er sich orientieren soll.
Und Orientierung entsteht im Profifußball über Wiederholung. Pressingtrigger, Anschlussdruck, ballfermes Einrücken, Verhalten nach Ballverlust, Boxverteidigung; solche Sachen werden nicht einmal erklärt und sind dann erledigt. Die werden in Spielformen immer wieder provoziert, korrigiert und unter Gegnerdruck wiederholt, bis das irgendwann ohne langes Nachdenken abläuft.
Ich hatte ja schon geschrieben, dass ich als Trainer momentan genauso vorgehen würde. Nicht alles umwerfen, sondern Hütters Fußball erstmal sauber in die Mannschaft bekommen und dort nachschärfen, wo die Balance noch fehlt.
Und auch seine Ruhe nach außen gefällt mir. Was soll er jetzt machen? Sich vor die Kameras stellen und erzählen, dass sein Ansatz nicht funktioniert und die Mannschaft ein Problem hat? Intern wird ganz anders analysiert und gesprochen. Nach außen muss ein Trainer in so einer Phase Orientierung und Überzeugung ausstrahlen.
Hütter ist lange genug im Geschäft, um zu wissen, dass er nicht stur mit dem Kopf durch die Wand gehen kann. Er ist aber auch erfahren genug, nicht nach 180 Bundesligaminuten aus Nervosität einen Fußball spielen zu lassen, von dem er selbst nicht überzeugt ist.
Von daher musste ich bei der PK heute tatsächlich ein bisschen grinsen. 😉 Die berühmte Glaskugel habe ich zwar immer noch nicht, aber zumindest scheint mein Trainerhirn bei der Sache nicht völlig auf dem Holzweg gewesen zu sein. 😂
Jetzt muss das Ganze nur noch auf den Platz. Denn alle taktische Theorie ist irgendwann wertlos, wenn die Mannschaft sie unter Druck nicht abrufen kann. Und genau diese Stabilität muss Hütter in den nächsten Wochen reinbekommen.
Sehr schöner Beitrag. Ich hoffe, man gibt Hütter die Zeit und hat die nötige Geduld. Er hat in seiner ersten Amtszeit bei uns auch einige schwere Phasen bewältigen müssen und die Mannschaft kam mit seinen Anpassungen immer wieder heraus. Ich bin mir sicher nach der Länderspielpause, ab dem Heimspiel gegen Köln geht es bergauf (bei den Dosen holen wir nie etwas).
Letzte Saison: Warum spielt der Jugendspieler nicht? Warum wird Formation und System ständig geändert?
Diese Saison: Warum spielt der Jugendspieler? Warum wird Formation und System nicht geändert?
Es ist so ermüdend.... Aktuell besonders, da wir quasi das selbe Theater mit dem selben Coach genau so schon mal hatten. Wirklich so schwer sich zu erinnern?
Interessante PK, hört sich auf jeden nicht nach Aktionismus an, welcher nach der Analyse erfolgen wird. Das ist schonmal positiv. Wohl kein Systemwechsel, die Gegentore hätten nichts mit dem System zu tun. Korrekt. Er hat dann nach dem 2:1 keine Mannschaft auf dem Platz, sondern Einzelkämpfer spielen gesehen. Das stimmt auch.
Scheint wohl doch auch einiges in den Köpfen zu passieren. Aber wenn Adi das verstanden hat, was zu tun ist, gibt es Hoffnung.
Sehr schöner Beitrag. Ich hoffe, man gibt Hütter die Zeit und hat die nötige Geduld. Er hat in seiner ersten Amtszeit bei uns auch einige schwere Phasen bewältigen müssen und die Mannschaft kam mit seinen Anpassungen immer wieder heraus. Ich bin mir sicher nach der Länderspielpause, ab dem Heimspiel gegen Köln geht es bergauf (bei den Dosen holen wir nie etwas).
Nach der heutigen PK hatte ich kurz das Gefühl, Hütter hätte hier mitgelesen. 😉 Einige seiner Aussagen gehen jedenfalls ziemlich genau in die Richtung, über die wir hier die letzten Tage gesprochen haben.
Die heutige PK fand ich aus Trainersicht ziemlich aufschlussreich, weil Hütter bei einigen Punkten genau die Richtung beschreibt, über die wir hier seit Tagen diskutieren.
Vor allem seine Aussage, dass die sieben Gegentore für ihn keine Systemfrage sind, halte ich für wichtig. Eine Grundordnung ist erstmal nur das Ausgangsbild. Ob da 4-2-3-1, 4-4-2 oder 3-4-2-1 auf dem Zettel steht, sagt noch relativ wenig darüber aus, wie eine Mannschaft tatsächlich verteidigt.
Ich kann mit einer Dreierkette vogelwild stehen und mit einer Viererkette hervorragend abgesichert sein. Entscheidend sind Balldruck, Abstände, Herausrückverhalten, Tiefensicherung, Restverteidigung und die Frage, wie geschlossen die Mannschaft nach dem ersten überspielten Zugriff reagiert.
Hütter spricht heute von Zweikampfführung und davon, Bälle konsequenter zu klären. Das klingt erstmal banal, ist es aber nicht. Ein Trainer schaut sich nicht nur an, wer einen Zweikampf verliert. Er schaut sich die ganze Entstehung an. War vorher Druck auf dem Ball? Konnte der Gegner sauber aufdrehen? Hat die letzte Linie rechtzeitig nachgeschoben? War die Box vernünftig besetzt? Hatte der Verteidiger überhaupt Unterstützung?
Gegen Augsburg war das in der ersten Halbzeit über weite Strecken ordentlich. Wir hatten Zugriff, Augsburg kam kaum sauber hinter unsere erste Drucklinie und unsere Abwehr musste wesentlich weniger offene Räume verteidigen. Nach der Pause waren es dieselben Spieler im selben System – und trotzdem war das Verhalten plötzlich ein anderes.
Allein daran sieht man schon, warum ich nicht sofort anfangen würde, die Grundidee umzubauen.
Wenn etwas 45 Minuten funktioniert und danach auseinanderfällt, möchte ich als Trainer wissen, warum es nicht mehr abrufbar war. Ich werfe doch nicht den funktionierenden Teil gleich mit weg.
Hütter kann die Mannschaft trotzdem defensiv stabiler bekommen. Vielleicht wird die Restverteidigung etwas konservativer, vielleicht schiebt der ballferne Außenverteidiger früher ein, vielleicht wird Onyedika in bestimmten Phasen stärker in der Sicherung gehalten oder man verändert die Pressinghöhe. Auch eine Dreierkette kann eine Möglichkeit sein.
Das alles sind normale Anpassungen. Seine Fußballidee muss er dafür nicht beerdigen.
Interessant fand ich auch, dass er von einem Entwicklungsprozess spricht und davon, dass die Mannschaft jetzt seine Unterstützung braucht. Das ist für mich Trainerarbeit, gerade bei einer jungen und stark veränderten Gruppe.
Nach zwei solchen Spielen kann ich mich natürlich vor die Mannschaft stellen und alles in Frage stellen. Ich kann aber auch sagen: Wir wissen, was wir spielen wollen, wir wissen, welche Dinge gerade nicht funktionieren, und jetzt arbeiten wir daran.
Psychologisch ist das nicht zu unterschätzen. Die Spieler müssen irgendwann Vertrauen in ihre Abläufe bekommen. Wenn der Trainer nach jedem Rückschlag selbst anfängt, an seiner Idee zu zweifeln, brauche ich mich nicht wundern, wenn auf dem Platz irgendwann ebenfalls keiner mehr weiß, woran er sich orientieren soll.
Und Orientierung entsteht im Profifußball über Wiederholung. Pressingtrigger, Anschlussdruck, ballfermes Einrücken, Verhalten nach Ballverlust, Boxverteidigung; solche Sachen werden nicht einmal erklärt und sind dann erledigt. Die werden in Spielformen immer wieder provoziert, korrigiert und unter Gegnerdruck wiederholt, bis das irgendwann ohne langes Nachdenken abläuft.
Ich hatte ja schon geschrieben, dass ich als Trainer momentan genauso vorgehen würde. Nicht alles umwerfen, sondern Hütters Fußball erstmal sauber in die Mannschaft bekommen und dort nachschärfen, wo die Balance noch fehlt.
Und auch seine Ruhe nach außen gefällt mir. Was soll er jetzt machen? Sich vor die Kameras stellen und erzählen, dass sein Ansatz nicht funktioniert und die Mannschaft ein Problem hat? Intern wird ganz anders analysiert und gesprochen. Nach außen muss ein Trainer in so einer Phase Orientierung und Überzeugung ausstrahlen.
Hütter ist lange genug im Geschäft, um zu wissen, dass er nicht stur mit dem Kopf durch die Wand gehen kann. Er ist aber auch erfahren genug, nicht nach 180 Bundesligaminuten aus Nervosität einen Fußball spielen zu lassen, von dem er selbst nicht überzeugt ist.
Von daher musste ich bei der PK heute tatsächlich ein bisschen grinsen. 😉 Die berühmte Glaskugel habe ich zwar immer noch nicht, aber zumindest scheint mein Trainerhirn bei der Sache nicht völlig auf dem Holzweg gewesen zu sein. 😂
Jetzt muss das Ganze nur noch auf den Platz. Denn alle taktische Theorie ist irgendwann wertlos, wenn die Mannschaft sie unter Druck nicht abrufen kann. Und genau diese Stabilität muss Hütter in den nächsten Wochen reinbekommen.
Servus anpii, dank einer langen Rückreise vom Urlaub habe ich alle Deine Ausführungen verschlungen. Vielen Dank für Deine Bemühungen.
Du brauchst dich auch nicht genötigt sehen zu antworten. Ich habe sicher viel gelernt und deine Ausführungen taugen total als Erklärung für vieles, nicht nur die 2. HZ gegen die Puppenkiste.
Ich wollte aber unbedingt kommentieren, denn gerade wenn man unsere laienhaften Antworten sieht, naja, dann wurde mir die Diskrepanz zwischen dem, was wir Forum-User sehen und welche Rückschlüsse wir ziehen (40 Punkte werden schon in Frage gestellt. Ein inkompetenter MK muss weg. Hütter wird bald entlassen.) und auf welcher Basis Hütter, MK und der Rest des Vorstandes die Situation analysieren und warum sie eine andere Sicht auf den Kader, den Rückhalt des Trainers usw. sehen. Danke, gerne mehr davon. Neben den Analysen von Nikolai hilft mir das ungemein.
Nach der heutigen PK hatte ich kurz das Gefühl, Hütter hätte hier mitgelesen. 😉 Einige seiner Aussagen gehen jedenfalls ziemlich genau in die Richtung, über die wir hier die letzten Tage gesprochen haben.
Die heutige PK fand ich aus Trainersicht ziemlich aufschlussreich, weil Hütter bei einigen Punkten genau die Richtung beschreibt, über die wir hier seit Tagen diskutieren.
Vor allem seine Aussage, dass die sieben Gegentore für ihn keine Systemfrage sind, halte ich für wichtig. Eine Grundordnung ist erstmal nur das Ausgangsbild. Ob da 4-2-3-1, 4-4-2 oder 3-4-2-1 auf dem Zettel steht, sagt noch relativ wenig darüber aus, wie eine Mannschaft tatsächlich verteidigt.
Ich kann mit einer Dreierkette vogelwild stehen und mit einer Viererkette hervorragend abgesichert sein. Entscheidend sind Balldruck, Abstände, Herausrückverhalten, Tiefensicherung, Restverteidigung und die Frage, wie geschlossen die Mannschaft nach dem ersten überspielten Zugriff reagiert.
Hütter spricht heute von Zweikampfführung und davon, Bälle konsequenter zu klären. Das klingt erstmal banal, ist es aber nicht. Ein Trainer schaut sich nicht nur an, wer einen Zweikampf verliert. Er schaut sich die ganze Entstehung an. War vorher Druck auf dem Ball? Konnte der Gegner sauber aufdrehen? Hat die letzte Linie rechtzeitig nachgeschoben? War die Box vernünftig besetzt? Hatte der Verteidiger überhaupt Unterstützung?
Gegen Augsburg war das in der ersten Halbzeit über weite Strecken ordentlich. Wir hatten Zugriff, Augsburg kam kaum sauber hinter unsere erste Drucklinie und unsere Abwehr musste wesentlich weniger offene Räume verteidigen. Nach der Pause waren es dieselben Spieler im selben System – und trotzdem war das Verhalten plötzlich ein anderes.
Allein daran sieht man schon, warum ich nicht sofort anfangen würde, die Grundidee umzubauen.
Wenn etwas 45 Minuten funktioniert und danach auseinanderfällt, möchte ich als Trainer wissen, warum es nicht mehr abrufbar war. Ich werfe doch nicht den funktionierenden Teil gleich mit weg.
Hütter kann die Mannschaft trotzdem defensiv stabiler bekommen. Vielleicht wird die Restverteidigung etwas konservativer, vielleicht schiebt der ballferne Außenverteidiger früher ein, vielleicht wird Onyedika in bestimmten Phasen stärker in der Sicherung gehalten oder man verändert die Pressinghöhe. Auch eine Dreierkette kann eine Möglichkeit sein.
Das alles sind normale Anpassungen. Seine Fußballidee muss er dafür nicht beerdigen.
Interessant fand ich auch, dass er von einem Entwicklungsprozess spricht und davon, dass die Mannschaft jetzt seine Unterstützung braucht. Das ist für mich Trainerarbeit, gerade bei einer jungen und stark veränderten Gruppe.
Nach zwei solchen Spielen kann ich mich natürlich vor die Mannschaft stellen und alles in Frage stellen. Ich kann aber auch sagen: Wir wissen, was wir spielen wollen, wir wissen, welche Dinge gerade nicht funktionieren, und jetzt arbeiten wir daran.
Psychologisch ist das nicht zu unterschätzen. Die Spieler müssen irgendwann Vertrauen in ihre Abläufe bekommen. Wenn der Trainer nach jedem Rückschlag selbst anfängt, an seiner Idee zu zweifeln, brauche ich mich nicht wundern, wenn auf dem Platz irgendwann ebenfalls keiner mehr weiß, woran er sich orientieren soll.
Und Orientierung entsteht im Profifußball über Wiederholung. Pressingtrigger, Anschlussdruck, ballfermes Einrücken, Verhalten nach Ballverlust, Boxverteidigung; solche Sachen werden nicht einmal erklärt und sind dann erledigt. Die werden in Spielformen immer wieder provoziert, korrigiert und unter Gegnerdruck wiederholt, bis das irgendwann ohne langes Nachdenken abläuft.
Ich hatte ja schon geschrieben, dass ich als Trainer momentan genauso vorgehen würde. Nicht alles umwerfen, sondern Hütters Fußball erstmal sauber in die Mannschaft bekommen und dort nachschärfen, wo die Balance noch fehlt.
Und auch seine Ruhe nach außen gefällt mir. Was soll er jetzt machen? Sich vor die Kameras stellen und erzählen, dass sein Ansatz nicht funktioniert und die Mannschaft ein Problem hat? Intern wird ganz anders analysiert und gesprochen. Nach außen muss ein Trainer in so einer Phase Orientierung und Überzeugung ausstrahlen.
Hütter ist lange genug im Geschäft, um zu wissen, dass er nicht stur mit dem Kopf durch die Wand gehen kann. Er ist aber auch erfahren genug, nicht nach 180 Bundesligaminuten aus Nervosität einen Fußball spielen zu lassen, von dem er selbst nicht überzeugt ist.
Von daher musste ich bei der PK heute tatsächlich ein bisschen grinsen. 😉 Die berühmte Glaskugel habe ich zwar immer noch nicht, aber zumindest scheint mein Trainerhirn bei der Sache nicht völlig auf dem Holzweg gewesen zu sein. 😂
Jetzt muss das Ganze nur noch auf den Platz. Denn alle taktische Theorie ist irgendwann wertlos, wenn die Mannschaft sie unter Druck nicht abrufen kann. Und genau diese Stabilität muss Hütter in den nächsten Wochen reinbekommen.
Hütter kann die Mannschaft trotzdem defensiv stabiler bekommen. Vielleicht wird die Restverteidigung etwas konservativer, vielleicht schiebt der ballferne Außenverteidiger früher ein, vielleicht wird Onyedika in bestimmten Phasen stärker in der Sicherung gehalten oder man verändert die Pressinghöhe. Auch eine Dreierkette kann eine Möglichkeit sein.
Das alles sind normale Anpassungen. Seine Fußballidee muss er dafür nicht beerdigen.
Interessant fand ich auch, dass er von einem Entwicklungsprozess spricht und davon, dass die Mannschaft jetzt seine Unterstützung braucht. Das ist für mich Trainerarbeit, gerade bei einer jungen und stark veränderten Gruppe.
Nach zwei solchen Spielen kann ich mich natürlich vor die Mannschaft stellen und alles in Frage stellen. Ich kann aber auch sagen: Wir wissen, was wir spielen wollen, wir wissen, welche Dinge gerade nicht funktionieren, und jetzt arbeiten wir daran.
[...]
Sorry für das Wasser in Deinen Wein, aber ich habe Deine Sammlung von Möglichkeiten, Eventualitäten und Basiswissen der Psychologie jetzt zweimal gelesen, finde aber so überhaupt keinen anpii-eigenen Griff daran. Das sind alles wachsweiche Aussagen, die aufgrund ihrer "Breite" am Ende des Tages zwangsläufig zu der Aussage führen werden, dass Du das ja gesagt bzw. gewusst oder auch darauf hingewiesen hast. Schade, hätte mich mal interessiert, was Du als angeblich ausgebildeter Pro-Lizenz-Trainer höchstselbst tun würdest. "Das ist für mich Trainerarbeit, gerade bei einer jungen und stark veränderten Gruppe" ist da ein wenig dünn, wenngleich blumig, dazu braucht man keinen Trainerschein.
Matzel, dass dir mein Beitrag zu allgemein ist, kann ich völlig akzeptieren. Dann sag mir gerne, an welcher Stelle du eine konkretere Aussage erwartest und was dir genau fehlt. Darüber kann man vernünftig diskutieren.
Den Zusatz „angeblich ausgebildeter Pro-Lizenz-Trainer“ finde ich allerdings ziemlich daneben. Wenn du Zweifel an meiner Person oder meiner Ausbildung hast, dann sprich das bitte offen an. Solche kleinen Unterstellungen nebenbei haben mit einer fachlichen Diskussion nichts zu tun.
Und zu deiner eigentlichen Frage, was ich tun würde, habe ich mich hier mehrfach ziemlich konkret geäußert: Ich würde Hütters Grundidee nicht verwerfen, sondern die Restverteidigung konservativer staffeln, die Pressingauslöser klarer begrenzen, den ballfernen Außenverteidiger situativ früher einrücken lassen und Onyedika stärker in der Sicherung halten. Dazu würde ich in den Trainingsformen gezielt die Situationen nach überspieltem ersten Zugriff und nach Ballverlust provozieren, weil dort momentan unsere größten Probleme entstehen.
Das sind für mich keine „Möglichkeiten und Eventualitäten“, sondern konkrete Stellschrauben.
Ob Hütter exakt dasselbe macht, weiß ich natürlich nicht. Ich sitze weder in seiner Kabine noch in seinem Trainerbüro. Und wenn du von mir erwartest, dass ich aus der Ferne eine einzige Maßnahme verkünde und anschließend behaupte, damit sei das Problem gelöst, dann kann ich dir diese Art Gewissheit tatsächlich nicht bieten.
Fußball funktioniert leider nicht so, dass ein Pro-Lizenz-Trainer nach zwei Spielen auf „Lösung A“ klickt und danach alles läuft.
Aber wenn du meine Aussagen für zu dünn hältst, können wir gerne über die konkreten Inhalte reden. Das ist mir deutlich lieber, als meine Ausbildung über ein „angeblich“ in Frage zu stellen.
Grundsätzlich schon, aber wenn dem AV die Körperlichkeit fehlt, um den Gegner beim Kopfball entscheidend zu stören, wenn er das Kopfballduell per se schon nicht gewinnen kann, kriegt man halt so Gegentore wie bei Union.
Gegen Augsburg hat Baum doch entscheidend gestört, das war doch gerade das Problem....
Was aber nicht mit seiner Körperlichkeit, sondern mit seiner Anwesenheit per se zu tun hatte. 🫢
Gegen Augsburg hat Baum doch entscheidend gestört, das war doch gerade das Problem....
Was aber nicht mit seiner Körperlichkeit, sondern mit seiner Anwesenheit per se zu tun hatte. 🫢
Wäre er kleiner und schwächer gewesen, wäre er abgeprallt und nicht an den Ball gekommen.
Ich glaube die Attribute eines AV sind nicht das gute Kopfballspiel sondern eher die Beweglichkeit und Schnelligkeit gg die Offensiven Aussenspieler.
Ein Amenda (oder andere lange Lulatsche) ist dann doch eher wie ein Truck und für alles andere als Verteidigen sichtlich ungeeignet gewesen.
Dem stimme ich ausdrücklich zu, aber dann muss man sich fragen ob das Einrücken des ballfernen AV noch richtig ist oder es einer anderen Lösung bedarf. Ich habe da die Dreierkette vorgeschlagen
Was aber nicht mit seiner Körperlichkeit, sondern mit seiner Anwesenheit per se zu tun hatte. 🫢
Wäre er kleiner und schwächer gewesen, wäre er abgeprallt und nicht an den Ball gekommen.
Vielleicht hilft es an der Stelle auch, wenn ich kurz beschreibe, wie ich selbst mit Profis arbeite. Denn manchmal entsteht hier der Eindruck, als würde ein Trainer morgens vor 25 Spielern stehen, 40 taktische Punkte herunterbeten und anschließend erwarten, dass sie das am Wochenende auswendig aufsagen. So läuft das natürlich nicht.
Bei Profis arbeite ich sehr viel über Prinzipien und wiederkehrende Spielsituationen. Ich gebe einem Spieler nicht für jede denkbare Situation einen eigenen Befehl mit. Er muss verstehen, welche Idee hinter unserem Spiel steckt und anhand welcher Auslöser er seine Entscheidung trifft.
Nehmen wir das Pressing. Ich erkläre einem Stürmer nicht zehn verschiedene Laufwege. Ich möchte, dass er versteht, welchen Pass wir provozieren wollen, wann der Moment zum Anlaufen da ist und welchen Raum er mit seinem Laufweg schließen soll. Dann trainieren wir genau solche Situationen immer wieder.
Dasselbe mache ich positionsspezifisch. Mit einem Außenverteidiger geht es um Stellung zum Ball, Abstand zum Innenverteidiger, Herausschieben, Tiefensicherung und darum, was passiert, wenn der Nebenmann seinen Raum verlässt. Beim Sechser wiederum um seine Position hinter der ersten Pressinglinie, die Absicherung dahinter und darum, wo er nach Ballverlust den nächsten Zugriff herstellen kann.
Dabei wird auch nicht jede Aktion sofort abgepfiffen und zehn Minuten erklärt. Vieles lasse ich erstmal laufen. Ich schaue, welche Entscheidung getroffen wurde und warum sie funktioniert hat oder eben nicht. Manchmal reichen zwei Meter Positionsveränderung oder ein anderer Körperwinkel und dieselbe Situation sieht komplett anders aus.
Dazu kommt Video. Aber auch da bombardierst du keinen Spieler mit 30 Szenen. Oft reichen ein paar ausgewählte Sequenzen. Eine gute Lösung, eine schlechte, vielleicht noch ein vergleichbares Bild vom kommenden Gegner. Der Spieler soll verstehen, was ich von ihm möchte und dieses Bild dann auf den Trainingsplatz mitnehmen.
Und Profis wollen auch wissen, warum sie etwas machen sollen. Wenn ich einem erfahrenen Spieler nur sage „steh da“, ohne ihm erklären zu können, was wir dadurch gewinnen, wird er mir zurecht Fragen stellen. Gute Spieler denken mit. Das will ich als Trainer auch.
Deshalb halte ich diese Angst vor einer angeblich zu komplizierten Taktik für überzogen.
Fußball ist komplexer geworden, keine Frage. Aber diese Komplexität landet nicht als 40-seitige Gebrauchsanweisung im Kopf eines Spielers.
Vieles läuft über Spielformen. Kleine Felder, Überzahl, Unterzahl, festgelegte Zonen, bestimmte Auslöser. Ich kann eine Übung so bauen, dass genau die Situation immer wieder entsteht, die ich später im Spiel sehen möchte.
Irgendwann ist ein Pressingtrigger dann kein bewusster Gedanke mehr. Der Rückpass kommt und der Stürmer geht. Der Nebenmann erkennt das und schiebt nach. Der Sechser reagiert darauf und die letzte Linie geht mit. Im Idealfall passiert das, ohne dass einer dabei im Kopf die Besprechung vom Dienstag durchblättert.
Und das widerspricht dem sogenannten Instinktkicker überhaupt nicht. Eher im Gegenteil. Je besser die Mannschaft drumherum organisiert ist, desto mehr Freiheit kann ich einem kreativen Spieler geben.
Uzun soll doch nicht 90 Minuten irgendwelche taktischen Formeln im Kopf lösen. Der soll in bestimmten Räumen seine Qualität ausspielen. Die Struktur um ihn herum sorgt nur dafür, dass nicht jeder Risikoball von ihm sofort die ganze Mannschaft aufreißt.
Bei Baum oder Kosugi sehe ich deshalb auch nicht, warum ich plötzlich „einfacheren Fußball“ spielen lassen müsste. Natürlich brauchen die Jungs Zeit für Bundesliga-Tempo, neue Mitspieler und Abläufe. Aber die kommen aus Leistungszentren und beschäftigen sich nicht seit gestern mit gruppen- und mannschaftstaktischen Dingen.
Wenn Hyundai das von außen für möglicherweise zu kompliziert hält, liegt das vielleicht auch ein Stück weit daran, dass er es eben von außen betrachtet und nicht täglich als Profi damit arbeitet. 😁 Was für den Zuschauer nach 20 Dingen gleichzeitig aussieht, ist für den Spieler im besten Fall nur eine klar trainierte Reaktion auf eine bekannte Situation.
Und diese Taktiktafel bei einer Einwechslung in der 85. Minute finde ich auch überhaupt nicht befremdlich.
Der Spieler hat zwar 85 Minuten zugeschaut, weiß aber trotzdem nicht automatisch, was ich mit seiner Einwechslung jetzt verändern will. Vielleicht soll er zehn Meter tiefer stehen. Vielleicht spielen wir gegen den Ball plötzlich 4-5-1. Vielleicht soll er innen statt außen verteidigen oder einen bestimmten Spieler im Aufbau anlaufen.
Das sind meist zwei, drei konkrete Hinweise und keine komplette Neuerklärung des Fußballs.
Der Vergleich mit dem eigenen Beruf hinkt deshalb etwas. Dein Chef erklärt dir morgens wahrscheinlich auch nicht deinen kompletten Job neu. Wenn sich für die letzte Stunde aber deine Aufgabe verändert, wird er dir hoffentlich trotzdem sagen, was er jetzt konkret von dir möchte. 😁
Und bei den Expertenrunden nach den Spielen bin ich bei Hyundai ausnahmsweise sogar ein Stück weit bei ihm.
Von außen ist vieles schnell gesagt. „Da muss er schneller rausschieben.“ „Da muss er den Pass sehen.“ „Da darf er den Ball nicht verlieren.“
Im Standbild sieht das natürlich einfach aus.
Auf dem Platz hat der Spieler teilweise eine halbe Sekunde, einen Gegner im Rücken, einen zweiten im Augenwinkel und gleichzeitig verschiebt sich das komplette Bild um ihn herum.
Die Konsequenz daraus kann für mich aber nicht sein, den Spielern weniger zuzutrauen. Ich muss solche Situationen so oft und so sauber trainieren, dass die Reaktion irgendwann auch unter vollem Tempo und Gegnerdruck kommt.
Taktik erklären ist relativ schnell erledigt. Taktik so zu trainieren, dass elf Spieler sie gleichzeitig unter Bundesliga-Bedingungen abrufen, ist eine andere Hausnummer.
Und genau diese normalen Trainingswochen braucht Hütter jetzt.
Da wird nicht jeden Dienstag drei Stunden Theorie gepaukt. Da werden Abläufe gespielt, korrigiert, wiederholt, unter Druck gesetzt und wieder neu gespielt.
Wenn das irgendwann sitzt, sieht es am Wochenende plötzlich völlig selbstverständlich aus.
Und meistens steckt hinter dem Fußball, der von außen so herrlich „einfach“ wirkt, vorher verdammt viel Arbeit. 😁
Nur noch als Hinweis: Ich kann hier zeitlich nicht dauerhaft solche Romane schreiben und auf jeden einzelnen Beitrag ausführlich eingehen. Das geht mal außer der Reihe, wenn es gerade passt, aber sicher nicht jedes Mal. 😁
Wenn jemand an einem tieferen Austausch zu Taktik, Training oder bestimmten Spielsituationen Interesse hat, kann er mir aber gerne eine PN schicken.
Danke euch. 🙂
Wo trainierst Du?
Am Ende, und das will ich nicht als polemische Kritik oder lustig machen verstanden wissen, hat der Kaiser es richtig gesagt:
Geht's raus, spielts Fussball!
Ich glaube fest daran, dass alle Trainer die letzten Jahre das Bestmögliche aus unseren Adler-Jungs rausholen wollten. Es wurde ja auch viel versucht zu ändern/verbessern die letzten Jahre. Deshalb bin ich mal chronologisch zurückgegangen bis zum letzten Titelerfolg unter O.G.. Als O. G. bei uns angefangen hatte, hatte er gleich zu Beginn was gesagt in der Art "Mir ist die positive Stimmung in der Kabine wichtiger als irgendwelche Fähigkeiten von Spielern - wenn da wer schlechte Stimmung in der Kabine verbreitet, so fliegt er direkt raus!". Möglicherweise war dieser Ansatz ja die Basis für den Europapokaltitel!?!?
Vor O. G. hatten wir zu Hütters erster Eintrachtzeit die "´ic-Offensive". Bei den Jungs hat man ja quasi vermuten können das wären Brüder, so eng wie die miteinander waren. Später unter O. G. war es vielleicht tatsächlich der Teamgeist, welcher den Erfolg brachte. Wenn diese Theorie halbwegs passen sollte, so würde da auch rein passen: es wurde irgendwie immer schlimmer/schlechter, desto weniger Spieler noch da waren, welche den alten Teamgeist kannten.
Dann hat mMn die sprühende Lebensfreude von Omar die Stimmung in der Kabine hochgehalten, was natürlich nicht mehr der Fall war als Omar dann weg war. Wir haben auch immer mehr "vermeintlich fragwürdige" Charaktere versucht ins Teams zu integrieren, in dem Glauben, dass dies keine negativen Auswirkungen auf den Teamgeist habe, weil der ja intakt schien.
Worauf ich hinaus will: Taktik, Formation, Einzelanweisungen, Grundausrichtungen, Spielideen wurden durch die letzten Trainer in allen denkbaren Varianten verändert - leider ohne sichtliche Verbesserung in den Ergebnissen.
Deswegen beschleicht mich nun das Bauchgefühl, dass die Stimmung in der Kabine vielleicht der wahre Grund sein könnte für das teilweise unerklärbare Auftreten und manche unerklärbaren Individualfehler. Dazu würde dann auch das aktuelle Interview mit Dina Ebimbe passen (auch wenn ich wünschte, dass er das alles so nicht gesagt hätte öffentlich).
Aber wie gesagt: ich kann nichts davon belegen - es ist nur mein persönliches Bauchgefühl bzw. meine subjektive Befürchtung, weil ich wirklich glauben mag, dass alles andere bereits versucht wurde zwischenzeitlich zu verändern/verbessern.
Bei der „einfachen Taktik“ bin ich aber komplett raus. Was soll denn einfach heißen? Tief stehen, zwei Viererketten, Ball weg und hoffen? Das sind Bundesligaprofis und keine E-Jugend, denen man zur Sicherheit erstmal drei Laufwege an die Tafel malt.
Ein Profi braucht nicht zwingend eine einfachere Taktik, sondern klare Aufgaben innerhalb einer anspruchsvollen Taktik. Das ist ein Unterschied. Hütter kann Pressingtrigger reduzieren, die Restverteidigung konservativer staffeln, nur einen Außenverteidiger gleichzeitig hochschieben lassen oder den Sechser stärker in der Tiefensicherung halten. Damit gibst du Orientierung, ohne den Spielern einen Fußball vorzusetzen, der mit der eigentlichen Idee nichts mehr zu tun hat.
Bei Brassier oder Kosugi sehe ich auch nicht, warum man sie dadurch schützen sollte, dass man ihnen taktisch weniger zutraut. Die spielen Profifußball auf höchstem Niveau. Natürlich brauchen sie Zeit für die Bundesliga, Tempo, Gegenspieler und die Abstimmung mit neuen Mitspielern. Aber die Herausforderung besteht doch darin, sie in funktionierende gruppentaktische Abläufe einzubinden und nicht darin, den Fußball für sie möglichst simpel zu machen.
Bei Hütter bin ich außerdem ziemlich sicher, dass da nicht nach drei weiteren schlechten Ergebnissen sofort die Reißleine gezogen wird. So einfach funktioniert das intern nicht. Man hat ihn gerade erst verpflichtet, einen stark veränderten Kader zusammengestellt und ihm damit einen Prozess übergeben, der erkennbar Zeit braucht. Wenn man ihn nach einer schwachen Hinrunde direkt wieder feuert, würde sich die Diskussion sehr schnell von Hütter weg und hin zur grundsätzlichen sportlichen Führung bewegen. Das wissen die Verantwortlichen ebenfalls.
Dass Hütter nicht zaubern kann, stimmt. Muss er auch nicht. Er muss trainieren. Und genau dafür hat er jetzt erstmals über längere Phasen normale Trainingswochen.
Dieses Moral-Argument sehe ich ebenfalls deutlich weniger dramatisch. Natürlich kann eine Negativserie am Selbstvertrauen nagen. Aber wenn ein niedriger Punktestand automatisch irgendwann die Moral zerstören würde, könnte sich keine Mannschaft der Welt mehr aus dem Tabellenkeller befreien. Fußballgeschichte ist voll von Teams, die miserabel gestartet sind, irgendwann einen Lauf bekommen haben und sich wieder herausgezogen haben.
Selbstvertrauen ist außerdem kein Tank, der irgendwann leer ist und dann bleibt er leer. Zwei gute Spiele, ein spätes Siegtor, ein dreckiges 1:0 und plötzlich verändert sich innerhalb einer Mannschaft sehr viel. Genauso schnell, wie eine Negativspirale entstehen kann, kann sie auch in die andere Richtung kippen.
Deshalb verstehe ich dieses permanente Vorwegnehmen des schlimmsten Szenarios nicht. „Wenn wir jetzt nur einen Punkt holen...“, „wenn Verletzte kommen...“, „wenn die Moral kippt...“, „wenn Hütter es nicht schafft...“ ; irgendwann diskutieren wir nur noch über Dinge, die noch gar nicht passiert sind. 😁
Ich gehe auch nicht davon aus, dass wir aus Mainz mit leeren Händen kommen. Mindestens einen Punkt traue ich der Mannschaft dort absolut zu. Und vielleicht reden wir danach schon wieder über eine ganz andere Stimmung.
Fehler werden kommen. Rückschläge ebenfalls. Mir wäre nur lieber, Hütter arbeitet diese mit der Mannschaft ab, statt nach jedem davon den nächsten Sicherheitsfußball auszupacken. Denn am Ende soll hier ja etwas entstehen und nicht nur irgendwie der nächste Samstag überlebt werden.
Ich würde da auch gerne dran glauben können, aber ich befürchte, dass Du damit nur die Basis lieferst um Samstag selbst wieder enttäuscht zu werden.
Ich sage mal so: bei meiner aktuellen Erwartungshaltung wird es sehr schwierig mich am Samstag enttäuschen zu können ...
Die Eintracht schafft manchmal auch sehr Schwieriges...
Da sagst du aber was... da ich im Urlaub bin, hatte ich gleich mal für 2 Spieltage Tipps abgesetzt. Gegen Augsburg hatte ich auf einen 2:1 Heimsieg getippt. Gegen Mainz tippte ich auf ein 2:2. Da muss ich - mit dem jetzigen Wissensstand- nochmal nachjustieren.
Ich würde da auch gerne dran glauben können, aber ich befürchte, dass Du damit nur die Basis lieferst um Samstag selbst wieder enttäuscht zu werden.
Ich sage mal so: bei meiner aktuellen Erwartungshaltung wird es sehr schwierig mich am Samstag enttäuschen zu können ...
Die Eintracht schafft manchmal auch sehr Schwieriges...
Ich würde da auch gerne dran glauben können, aber ich befürchte, dass Du damit nur die Basis lieferst um Samstag selbst wieder enttäuscht zu werden.
Ich sage mal so: bei meiner aktuellen Erwartungshaltung wird es sehr schwierig mich am Samstag enttäuschen zu können ...
Da sagst du aber was... da ich im Urlaub bin, hatte ich gleich mal für 2 Spieltage Tipps abgesetzt. Gegen Augsburg hatte ich auf einen 2:1 Heimsieg getippt. Gegen Mainz tippte ich auf ein 2:2. Da muss ich - mit dem jetzigen Wissensstand- nochmal nachjustieren.
Vielleicht hilft es an der Stelle auch, wenn ich kurz beschreibe, wie ich selbst mit Profis arbeite. Denn manchmal entsteht hier der Eindruck, als würde ein Trainer morgens vor 25 Spielern stehen, 40 taktische Punkte herunterbeten und anschließend erwarten, dass sie das am Wochenende auswendig aufsagen. So läuft das natürlich nicht.
Bei Profis arbeite ich sehr viel über Prinzipien und wiederkehrende Spielsituationen. Ich gebe einem Spieler nicht für jede denkbare Situation einen eigenen Befehl mit. Er muss verstehen, welche Idee hinter unserem Spiel steckt und anhand welcher Auslöser er seine Entscheidung trifft.
Nehmen wir das Pressing. Ich erkläre einem Stürmer nicht zehn verschiedene Laufwege. Ich möchte, dass er versteht, welchen Pass wir provozieren wollen, wann der Moment zum Anlaufen da ist und welchen Raum er mit seinem Laufweg schließen soll. Dann trainieren wir genau solche Situationen immer wieder.
Dasselbe mache ich positionsspezifisch. Mit einem Außenverteidiger geht es um Stellung zum Ball, Abstand zum Innenverteidiger, Herausschieben, Tiefensicherung und darum, was passiert, wenn der Nebenmann seinen Raum verlässt. Beim Sechser wiederum um seine Position hinter der ersten Pressinglinie, die Absicherung dahinter und darum, wo er nach Ballverlust den nächsten Zugriff herstellen kann.
Dabei wird auch nicht jede Aktion sofort abgepfiffen und zehn Minuten erklärt. Vieles lasse ich erstmal laufen. Ich schaue, welche Entscheidung getroffen wurde und warum sie funktioniert hat oder eben nicht. Manchmal reichen zwei Meter Positionsveränderung oder ein anderer Körperwinkel und dieselbe Situation sieht komplett anders aus.
Dazu kommt Video. Aber auch da bombardierst du keinen Spieler mit 30 Szenen. Oft reichen ein paar ausgewählte Sequenzen. Eine gute Lösung, eine schlechte, vielleicht noch ein vergleichbares Bild vom kommenden Gegner. Der Spieler soll verstehen, was ich von ihm möchte und dieses Bild dann auf den Trainingsplatz mitnehmen.
Und Profis wollen auch wissen, warum sie etwas machen sollen. Wenn ich einem erfahrenen Spieler nur sage „steh da“, ohne ihm erklären zu können, was wir dadurch gewinnen, wird er mir zurecht Fragen stellen. Gute Spieler denken mit. Das will ich als Trainer auch.
Deshalb halte ich diese Angst vor einer angeblich zu komplizierten Taktik für überzogen.
Fußball ist komplexer geworden, keine Frage. Aber diese Komplexität landet nicht als 40-seitige Gebrauchsanweisung im Kopf eines Spielers.
Vieles läuft über Spielformen. Kleine Felder, Überzahl, Unterzahl, festgelegte Zonen, bestimmte Auslöser. Ich kann eine Übung so bauen, dass genau die Situation immer wieder entsteht, die ich später im Spiel sehen möchte.
Irgendwann ist ein Pressingtrigger dann kein bewusster Gedanke mehr. Der Rückpass kommt und der Stürmer geht. Der Nebenmann erkennt das und schiebt nach. Der Sechser reagiert darauf und die letzte Linie geht mit. Im Idealfall passiert das, ohne dass einer dabei im Kopf die Besprechung vom Dienstag durchblättert.
Und das widerspricht dem sogenannten Instinktkicker überhaupt nicht. Eher im Gegenteil. Je besser die Mannschaft drumherum organisiert ist, desto mehr Freiheit kann ich einem kreativen Spieler geben.
Uzun soll doch nicht 90 Minuten irgendwelche taktischen Formeln im Kopf lösen. Der soll in bestimmten Räumen seine Qualität ausspielen. Die Struktur um ihn herum sorgt nur dafür, dass nicht jeder Risikoball von ihm sofort die ganze Mannschaft aufreißt.
Bei Baum oder Kosugi sehe ich deshalb auch nicht, warum ich plötzlich „einfacheren Fußball“ spielen lassen müsste. Natürlich brauchen die Jungs Zeit für Bundesliga-Tempo, neue Mitspieler und Abläufe. Aber die kommen aus Leistungszentren und beschäftigen sich nicht seit gestern mit gruppen- und mannschaftstaktischen Dingen.
Wenn Hyundai das von außen für möglicherweise zu kompliziert hält, liegt das vielleicht auch ein Stück weit daran, dass er es eben von außen betrachtet und nicht täglich als Profi damit arbeitet. 😁 Was für den Zuschauer nach 20 Dingen gleichzeitig aussieht, ist für den Spieler im besten Fall nur eine klar trainierte Reaktion auf eine bekannte Situation.
Und diese Taktiktafel bei einer Einwechslung in der 85. Minute finde ich auch überhaupt nicht befremdlich.
Der Spieler hat zwar 85 Minuten zugeschaut, weiß aber trotzdem nicht automatisch, was ich mit seiner Einwechslung jetzt verändern will. Vielleicht soll er zehn Meter tiefer stehen. Vielleicht spielen wir gegen den Ball plötzlich 4-5-1. Vielleicht soll er innen statt außen verteidigen oder einen bestimmten Spieler im Aufbau anlaufen.
Das sind meist zwei, drei konkrete Hinweise und keine komplette Neuerklärung des Fußballs.
Der Vergleich mit dem eigenen Beruf hinkt deshalb etwas. Dein Chef erklärt dir morgens wahrscheinlich auch nicht deinen kompletten Job neu. Wenn sich für die letzte Stunde aber deine Aufgabe verändert, wird er dir hoffentlich trotzdem sagen, was er jetzt konkret von dir möchte. 😁
Und bei den Expertenrunden nach den Spielen bin ich bei Hyundai ausnahmsweise sogar ein Stück weit bei ihm.
Von außen ist vieles schnell gesagt. „Da muss er schneller rausschieben.“ „Da muss er den Pass sehen.“ „Da darf er den Ball nicht verlieren.“
Im Standbild sieht das natürlich einfach aus.
Auf dem Platz hat der Spieler teilweise eine halbe Sekunde, einen Gegner im Rücken, einen zweiten im Augenwinkel und gleichzeitig verschiebt sich das komplette Bild um ihn herum.
Die Konsequenz daraus kann für mich aber nicht sein, den Spielern weniger zuzutrauen. Ich muss solche Situationen so oft und so sauber trainieren, dass die Reaktion irgendwann auch unter vollem Tempo und Gegnerdruck kommt.
Taktik erklären ist relativ schnell erledigt. Taktik so zu trainieren, dass elf Spieler sie gleichzeitig unter Bundesliga-Bedingungen abrufen, ist eine andere Hausnummer.
Und genau diese normalen Trainingswochen braucht Hütter jetzt.
Da wird nicht jeden Dienstag drei Stunden Theorie gepaukt. Da werden Abläufe gespielt, korrigiert, wiederholt, unter Druck gesetzt und wieder neu gespielt.
Wenn das irgendwann sitzt, sieht es am Wochenende plötzlich völlig selbstverständlich aus.
Und meistens steckt hinter dem Fußball, der von außen so herrlich „einfach“ wirkt, vorher verdammt viel Arbeit. 😁
Nur noch als Hinweis: Ich kann hier zeitlich nicht dauerhaft solche Romane schreiben und auf jeden einzelnen Beitrag ausführlich eingehen. Das geht mal außer der Reihe, wenn es gerade passt, aber sicher nicht jedes Mal. 😁
Wenn jemand an einem tieferen Austausch zu Taktik, Training oder bestimmten Spielsituationen Interesse hat, kann er mir aber gerne eine PN schicken.
Danke euch. 🙂
Wo trainierst Du?
Am Ende, und das will ich nicht als polemische Kritik oder lustig machen verstanden wissen, hat der Kaiser es richtig gesagt:
Geht's raus, spielts Fussball!
Wo genau ich trainiere, würde ich hier allerdings lieber für mich behalten. Nicht aus Geheimniskrämerei, sondern weil ich Berufliches und Forum ganz gerne voneinander trenne. Gerade in dem Bereich fände ich es ehrlich gesagt auch etwas unseriös und unprofessionell, öffentlich groß mit Verein oder Mannschaft hausieren zu gehen.
Ich hoffe, du nimmst mir das nicht krumm. 🙂
Und beim Kaiser ist sowieso was dran: Irgendwann ist genug geredet, analysiert und vorbereitet – dann müssen die Jungs raus und Fußball spielen. 😁
Wo trainierst Du?
Am Ende, und das will ich nicht als polemische Kritik oder lustig machen verstanden wissen, hat der Kaiser es richtig gesagt:
Geht's raus, spielts Fussball!
Wo genau ich trainiere, würde ich hier allerdings lieber für mich behalten. Nicht aus Geheimniskrämerei, sondern weil ich Berufliches und Forum ganz gerne voneinander trenne. Gerade in dem Bereich fände ich es ehrlich gesagt auch etwas unseriös und unprofessionell, öffentlich groß mit Verein oder Mannschaft hausieren zu gehen.
Ich hoffe, du nimmst mir das nicht krumm. 🙂
Und beim Kaiser ist sowieso was dran: Irgendwann ist genug geredet, analysiert und vorbereitet – dann müssen die Jungs raus und Fußball spielen. 😁
☝️ 🤫 🧐
Null, ich hatte es schon erwartet
Mach weiter so!
Wo genau ich trainiere, würde ich hier allerdings lieber für mich behalten. Nicht aus Geheimniskrämerei, sondern weil ich Berufliches und Forum ganz gerne voneinander trenne. Gerade in dem Bereich fände ich es ehrlich gesagt auch etwas unseriös und unprofessionell, öffentlich groß mit Verein oder Mannschaft hausieren zu gehen.
Ich hoffe, du nimmst mir das nicht krumm. 🙂
Und beim Kaiser ist sowieso was dran: Irgendwann ist genug geredet, analysiert und vorbereitet – dann müssen die Jungs raus und Fußball spielen. 😁
☝️ 🤫 🧐
Wo genau ich trainiere, würde ich hier allerdings lieber für mich behalten. Nicht aus Geheimniskrämerei, sondern weil ich Berufliches und Forum ganz gerne voneinander trenne. Gerade in dem Bereich fände ich es ehrlich gesagt auch etwas unseriös und unprofessionell, öffentlich groß mit Verein oder Mannschaft hausieren zu gehen.
Ich hoffe, du nimmst mir das nicht krumm. 🙂
Und beim Kaiser ist sowieso was dran: Irgendwann ist genug geredet, analysiert und vorbereitet – dann müssen die Jungs raus und Fußball spielen. 😁
Null, ich hatte es schon erwartet
Mach weiter so!
Die heutige PK fand ich aus Trainersicht ziemlich aufschlussreich, weil Hütter bei einigen Punkten genau die Richtung beschreibt, über die wir hier seit Tagen diskutieren.
Vor allem seine Aussage, dass die sieben Gegentore für ihn keine Systemfrage sind, halte ich für wichtig. Eine Grundordnung ist erstmal nur das Ausgangsbild. Ob da 4-2-3-1, 4-4-2 oder 3-4-2-1 auf dem Zettel steht, sagt noch relativ wenig darüber aus, wie eine Mannschaft tatsächlich verteidigt.
Ich kann mit einer Dreierkette vogelwild stehen und mit einer Viererkette hervorragend abgesichert sein. Entscheidend sind Balldruck, Abstände, Herausrückverhalten, Tiefensicherung, Restverteidigung und die Frage, wie geschlossen die Mannschaft nach dem ersten überspielten Zugriff reagiert.
Hütter spricht heute von Zweikampfführung und davon, Bälle konsequenter zu klären. Das klingt erstmal banal, ist es aber nicht. Ein Trainer schaut sich nicht nur an, wer einen Zweikampf verliert. Er schaut sich die ganze Entstehung an. War vorher Druck auf dem Ball? Konnte der Gegner sauber aufdrehen? Hat die letzte Linie rechtzeitig nachgeschoben? War die Box vernünftig besetzt? Hatte der Verteidiger überhaupt Unterstützung?
Gegen Augsburg war das in der ersten Halbzeit über weite Strecken ordentlich. Wir hatten Zugriff, Augsburg kam kaum sauber hinter unsere erste Drucklinie und unsere Abwehr musste wesentlich weniger offene Räume verteidigen. Nach der Pause waren es dieselben Spieler im selben System – und trotzdem war das Verhalten plötzlich ein anderes.
Allein daran sieht man schon, warum ich nicht sofort anfangen würde, die Grundidee umzubauen.
Wenn etwas 45 Minuten funktioniert und danach auseinanderfällt, möchte ich als Trainer wissen, warum es nicht mehr abrufbar war. Ich werfe doch nicht den funktionierenden Teil gleich mit weg.
Hütter kann die Mannschaft trotzdem defensiv stabiler bekommen. Vielleicht wird die Restverteidigung etwas konservativer, vielleicht schiebt der ballferne Außenverteidiger früher ein, vielleicht wird Onyedika in bestimmten Phasen stärker in der Sicherung gehalten oder man verändert die Pressinghöhe. Auch eine Dreierkette kann eine Möglichkeit sein.
Das alles sind normale Anpassungen. Seine Fußballidee muss er dafür nicht beerdigen.
Interessant fand ich auch, dass er von einem Entwicklungsprozess spricht und davon, dass die Mannschaft jetzt seine Unterstützung braucht. Das ist für mich Trainerarbeit, gerade bei einer jungen und stark veränderten Gruppe.
Nach zwei solchen Spielen kann ich mich natürlich vor die Mannschaft stellen und alles in Frage stellen. Ich kann aber auch sagen: Wir wissen, was wir spielen wollen, wir wissen, welche Dinge gerade nicht funktionieren, und jetzt arbeiten wir daran.
Psychologisch ist das nicht zu unterschätzen. Die Spieler müssen irgendwann Vertrauen in ihre Abläufe bekommen. Wenn der Trainer nach jedem Rückschlag selbst anfängt, an seiner Idee zu zweifeln, brauche ich mich nicht wundern, wenn auf dem Platz irgendwann ebenfalls keiner mehr weiß, woran er sich orientieren soll.
Und Orientierung entsteht im Profifußball über Wiederholung. Pressingtrigger, Anschlussdruck, ballfermes Einrücken, Verhalten nach Ballverlust, Boxverteidigung; solche Sachen werden nicht einmal erklärt und sind dann erledigt. Die werden in Spielformen immer wieder provoziert, korrigiert und unter Gegnerdruck wiederholt, bis das irgendwann ohne langes Nachdenken abläuft.
Ich hatte ja schon geschrieben, dass ich als Trainer momentan genauso vorgehen würde. Nicht alles umwerfen, sondern Hütters Fußball erstmal sauber in die Mannschaft bekommen und dort nachschärfen, wo die Balance noch fehlt.
Und auch seine Ruhe nach außen gefällt mir. Was soll er jetzt machen? Sich vor die Kameras stellen und erzählen, dass sein Ansatz nicht funktioniert und die Mannschaft ein Problem hat? Intern wird ganz anders analysiert und gesprochen. Nach außen muss ein Trainer in so einer Phase Orientierung und Überzeugung ausstrahlen.
Hütter ist lange genug im Geschäft, um zu wissen, dass er nicht stur mit dem Kopf durch die Wand gehen kann. Er ist aber auch erfahren genug, nicht nach 180 Bundesligaminuten aus Nervosität einen Fußball spielen zu lassen, von dem er selbst nicht überzeugt ist.
Von daher musste ich bei der PK heute tatsächlich ein bisschen grinsen. 😉 Die berühmte Glaskugel habe ich zwar immer noch nicht, aber zumindest scheint mein Trainerhirn bei der Sache nicht völlig auf dem Holzweg gewesen zu sein. 😂
Jetzt muss das Ganze nur noch auf den Platz. Denn alle taktische Theorie ist irgendwann wertlos, wenn die Mannschaft sie unter Druck nicht abrufen kann. Und genau diese Stabilität muss Hütter in den nächsten Wochen reinbekommen.
Null, ich hatte es schon erwartet
Mach weiter so!
Die heutige PK fand ich aus Trainersicht ziemlich aufschlussreich, weil Hütter bei einigen Punkten genau die Richtung beschreibt, über die wir hier seit Tagen diskutieren.
Vor allem seine Aussage, dass die sieben Gegentore für ihn keine Systemfrage sind, halte ich für wichtig. Eine Grundordnung ist erstmal nur das Ausgangsbild. Ob da 4-2-3-1, 4-4-2 oder 3-4-2-1 auf dem Zettel steht, sagt noch relativ wenig darüber aus, wie eine Mannschaft tatsächlich verteidigt.
Ich kann mit einer Dreierkette vogelwild stehen und mit einer Viererkette hervorragend abgesichert sein. Entscheidend sind Balldruck, Abstände, Herausrückverhalten, Tiefensicherung, Restverteidigung und die Frage, wie geschlossen die Mannschaft nach dem ersten überspielten Zugriff reagiert.
Hütter spricht heute von Zweikampfführung und davon, Bälle konsequenter zu klären. Das klingt erstmal banal, ist es aber nicht. Ein Trainer schaut sich nicht nur an, wer einen Zweikampf verliert. Er schaut sich die ganze Entstehung an. War vorher Druck auf dem Ball? Konnte der Gegner sauber aufdrehen? Hat die letzte Linie rechtzeitig nachgeschoben? War die Box vernünftig besetzt? Hatte der Verteidiger überhaupt Unterstützung?
Gegen Augsburg war das in der ersten Halbzeit über weite Strecken ordentlich. Wir hatten Zugriff, Augsburg kam kaum sauber hinter unsere erste Drucklinie und unsere Abwehr musste wesentlich weniger offene Räume verteidigen. Nach der Pause waren es dieselben Spieler im selben System – und trotzdem war das Verhalten plötzlich ein anderes.
Allein daran sieht man schon, warum ich nicht sofort anfangen würde, die Grundidee umzubauen.
Wenn etwas 45 Minuten funktioniert und danach auseinanderfällt, möchte ich als Trainer wissen, warum es nicht mehr abrufbar war. Ich werfe doch nicht den funktionierenden Teil gleich mit weg.
Hütter kann die Mannschaft trotzdem defensiv stabiler bekommen. Vielleicht wird die Restverteidigung etwas konservativer, vielleicht schiebt der ballferne Außenverteidiger früher ein, vielleicht wird Onyedika in bestimmten Phasen stärker in der Sicherung gehalten oder man verändert die Pressinghöhe. Auch eine Dreierkette kann eine Möglichkeit sein.
Das alles sind normale Anpassungen. Seine Fußballidee muss er dafür nicht beerdigen.
Interessant fand ich auch, dass er von einem Entwicklungsprozess spricht und davon, dass die Mannschaft jetzt seine Unterstützung braucht. Das ist für mich Trainerarbeit, gerade bei einer jungen und stark veränderten Gruppe.
Nach zwei solchen Spielen kann ich mich natürlich vor die Mannschaft stellen und alles in Frage stellen. Ich kann aber auch sagen: Wir wissen, was wir spielen wollen, wir wissen, welche Dinge gerade nicht funktionieren, und jetzt arbeiten wir daran.
Psychologisch ist das nicht zu unterschätzen. Die Spieler müssen irgendwann Vertrauen in ihre Abläufe bekommen. Wenn der Trainer nach jedem Rückschlag selbst anfängt, an seiner Idee zu zweifeln, brauche ich mich nicht wundern, wenn auf dem Platz irgendwann ebenfalls keiner mehr weiß, woran er sich orientieren soll.
Und Orientierung entsteht im Profifußball über Wiederholung. Pressingtrigger, Anschlussdruck, ballfermes Einrücken, Verhalten nach Ballverlust, Boxverteidigung; solche Sachen werden nicht einmal erklärt und sind dann erledigt. Die werden in Spielformen immer wieder provoziert, korrigiert und unter Gegnerdruck wiederholt, bis das irgendwann ohne langes Nachdenken abläuft.
Ich hatte ja schon geschrieben, dass ich als Trainer momentan genauso vorgehen würde. Nicht alles umwerfen, sondern Hütters Fußball erstmal sauber in die Mannschaft bekommen und dort nachschärfen, wo die Balance noch fehlt.
Und auch seine Ruhe nach außen gefällt mir. Was soll er jetzt machen? Sich vor die Kameras stellen und erzählen, dass sein Ansatz nicht funktioniert und die Mannschaft ein Problem hat? Intern wird ganz anders analysiert und gesprochen. Nach außen muss ein Trainer in so einer Phase Orientierung und Überzeugung ausstrahlen.
Hütter ist lange genug im Geschäft, um zu wissen, dass er nicht stur mit dem Kopf durch die Wand gehen kann. Er ist aber auch erfahren genug, nicht nach 180 Bundesligaminuten aus Nervosität einen Fußball spielen zu lassen, von dem er selbst nicht überzeugt ist.
Von daher musste ich bei der PK heute tatsächlich ein bisschen grinsen. 😉 Die berühmte Glaskugel habe ich zwar immer noch nicht, aber zumindest scheint mein Trainerhirn bei der Sache nicht völlig auf dem Holzweg gewesen zu sein. 😂
Jetzt muss das Ganze nur noch auf den Platz. Denn alle taktische Theorie ist irgendwann wertlos, wenn die Mannschaft sie unter Druck nicht abrufen kann. Und genau diese Stabilität muss Hütter in den nächsten Wochen reinbekommen.
dank einer langen Rückreise vom Urlaub habe ich alle Deine Ausführungen verschlungen. Vielen Dank für Deine Bemühungen.
Du brauchst dich auch nicht genötigt sehen zu antworten. Ich habe sicher viel gelernt und deine Ausführungen taugen total als Erklärung für vieles, nicht nur die 2. HZ gegen die Puppenkiste.
Ich wollte aber unbedingt kommentieren, denn gerade wenn man unsere laienhaften Antworten sieht, naja, dann wurde mir die Diskrepanz zwischen dem, was wir Forum-User sehen und welche Rückschlüsse wir ziehen (40 Punkte werden schon in Frage gestellt. Ein inkompetenter MK muss weg. Hütter wird bald entlassen.) und auf welcher Basis Hütter, MK und der Rest des Vorstandes die Situation analysieren und warum sie eine andere Sicht auf den Kader, den Rückhalt des Trainers usw. sehen.
Danke, gerne mehr davon. Neben den Analysen von Nikolai hilft mir das ungemein.
Sorry für das Wasser in Deinen Wein, aber ich habe Deine Sammlung von Möglichkeiten, Eventualitäten und Basiswissen der Psychologie jetzt zweimal gelesen, finde aber so überhaupt keinen anpii-eigenen Griff daran. Das sind alles wachsweiche Aussagen, die aufgrund ihrer "Breite" am Ende des Tages zwangsläufig zu der Aussage führen werden, dass Du das ja gesagt bzw. gewusst oder auch darauf hingewiesen hast. Schade, hätte mich mal interessiert, was Du als angeblich ausgebildeter Pro-Lizenz-Trainer höchstselbst tun würdest. "Das ist für mich Trainerarbeit, gerade bei einer jungen und stark veränderten Gruppe" ist da ein wenig dünn, wenngleich blumig, dazu braucht man keinen Trainerschein.
Die heutige PK fand ich aus Trainersicht ziemlich aufschlussreich, weil Hütter bei einigen Punkten genau die Richtung beschreibt, über die wir hier seit Tagen diskutieren.
Vor allem seine Aussage, dass die sieben Gegentore für ihn keine Systemfrage sind, halte ich für wichtig. Eine Grundordnung ist erstmal nur das Ausgangsbild. Ob da 4-2-3-1, 4-4-2 oder 3-4-2-1 auf dem Zettel steht, sagt noch relativ wenig darüber aus, wie eine Mannschaft tatsächlich verteidigt.
Ich kann mit einer Dreierkette vogelwild stehen und mit einer Viererkette hervorragend abgesichert sein. Entscheidend sind Balldruck, Abstände, Herausrückverhalten, Tiefensicherung, Restverteidigung und die Frage, wie geschlossen die Mannschaft nach dem ersten überspielten Zugriff reagiert.
Hütter spricht heute von Zweikampfführung und davon, Bälle konsequenter zu klären. Das klingt erstmal banal, ist es aber nicht. Ein Trainer schaut sich nicht nur an, wer einen Zweikampf verliert. Er schaut sich die ganze Entstehung an. War vorher Druck auf dem Ball? Konnte der Gegner sauber aufdrehen? Hat die letzte Linie rechtzeitig nachgeschoben? War die Box vernünftig besetzt? Hatte der Verteidiger überhaupt Unterstützung?
Gegen Augsburg war das in der ersten Halbzeit über weite Strecken ordentlich. Wir hatten Zugriff, Augsburg kam kaum sauber hinter unsere erste Drucklinie und unsere Abwehr musste wesentlich weniger offene Räume verteidigen. Nach der Pause waren es dieselben Spieler im selben System – und trotzdem war das Verhalten plötzlich ein anderes.
Allein daran sieht man schon, warum ich nicht sofort anfangen würde, die Grundidee umzubauen.
Wenn etwas 45 Minuten funktioniert und danach auseinanderfällt, möchte ich als Trainer wissen, warum es nicht mehr abrufbar war. Ich werfe doch nicht den funktionierenden Teil gleich mit weg.
Hütter kann die Mannschaft trotzdem defensiv stabiler bekommen. Vielleicht wird die Restverteidigung etwas konservativer, vielleicht schiebt der ballferne Außenverteidiger früher ein, vielleicht wird Onyedika in bestimmten Phasen stärker in der Sicherung gehalten oder man verändert die Pressinghöhe. Auch eine Dreierkette kann eine Möglichkeit sein.
Das alles sind normale Anpassungen. Seine Fußballidee muss er dafür nicht beerdigen.
Interessant fand ich auch, dass er von einem Entwicklungsprozess spricht und davon, dass die Mannschaft jetzt seine Unterstützung braucht. Das ist für mich Trainerarbeit, gerade bei einer jungen und stark veränderten Gruppe.
Nach zwei solchen Spielen kann ich mich natürlich vor die Mannschaft stellen und alles in Frage stellen. Ich kann aber auch sagen: Wir wissen, was wir spielen wollen, wir wissen, welche Dinge gerade nicht funktionieren, und jetzt arbeiten wir daran.
Psychologisch ist das nicht zu unterschätzen. Die Spieler müssen irgendwann Vertrauen in ihre Abläufe bekommen. Wenn der Trainer nach jedem Rückschlag selbst anfängt, an seiner Idee zu zweifeln, brauche ich mich nicht wundern, wenn auf dem Platz irgendwann ebenfalls keiner mehr weiß, woran er sich orientieren soll.
Und Orientierung entsteht im Profifußball über Wiederholung. Pressingtrigger, Anschlussdruck, ballfermes Einrücken, Verhalten nach Ballverlust, Boxverteidigung; solche Sachen werden nicht einmal erklärt und sind dann erledigt. Die werden in Spielformen immer wieder provoziert, korrigiert und unter Gegnerdruck wiederholt, bis das irgendwann ohne langes Nachdenken abläuft.
Ich hatte ja schon geschrieben, dass ich als Trainer momentan genauso vorgehen würde. Nicht alles umwerfen, sondern Hütters Fußball erstmal sauber in die Mannschaft bekommen und dort nachschärfen, wo die Balance noch fehlt.
Und auch seine Ruhe nach außen gefällt mir. Was soll er jetzt machen? Sich vor die Kameras stellen und erzählen, dass sein Ansatz nicht funktioniert und die Mannschaft ein Problem hat? Intern wird ganz anders analysiert und gesprochen. Nach außen muss ein Trainer in so einer Phase Orientierung und Überzeugung ausstrahlen.
Hütter ist lange genug im Geschäft, um zu wissen, dass er nicht stur mit dem Kopf durch die Wand gehen kann. Er ist aber auch erfahren genug, nicht nach 180 Bundesligaminuten aus Nervosität einen Fußball spielen zu lassen, von dem er selbst nicht überzeugt ist.
Von daher musste ich bei der PK heute tatsächlich ein bisschen grinsen. 😉 Die berühmte Glaskugel habe ich zwar immer noch nicht, aber zumindest scheint mein Trainerhirn bei der Sache nicht völlig auf dem Holzweg gewesen zu sein. 😂
Jetzt muss das Ganze nur noch auf den Platz. Denn alle taktische Theorie ist irgendwann wertlos, wenn die Mannschaft sie unter Druck nicht abrufen kann. Und genau diese Stabilität muss Hütter in den nächsten Wochen reinbekommen.
Abwarten.
Warum spielt der Jugendspieler nicht?
Warum wird Formation und System ständig geändert?
Diese Saison:
Warum spielt der Jugendspieler?
Warum wird Formation und System nicht geändert?
Es ist so ermüdend....
Aktuell besonders, da wir quasi das selbe Theater mit dem selben Coach genau so schon mal hatten.
Wirklich so schwer sich zu erinnern?
*seufz*
Ich geh jetzt wählen.
Scheint wohl doch auch einiges in den Köpfen zu passieren. Aber wenn Adi das verstanden hat, was zu tun ist, gibt es Hoffnung.
Abwarten.
Die heutige PK fand ich aus Trainersicht ziemlich aufschlussreich, weil Hütter bei einigen Punkten genau die Richtung beschreibt, über die wir hier seit Tagen diskutieren.
Vor allem seine Aussage, dass die sieben Gegentore für ihn keine Systemfrage sind, halte ich für wichtig. Eine Grundordnung ist erstmal nur das Ausgangsbild. Ob da 4-2-3-1, 4-4-2 oder 3-4-2-1 auf dem Zettel steht, sagt noch relativ wenig darüber aus, wie eine Mannschaft tatsächlich verteidigt.
Ich kann mit einer Dreierkette vogelwild stehen und mit einer Viererkette hervorragend abgesichert sein. Entscheidend sind Balldruck, Abstände, Herausrückverhalten, Tiefensicherung, Restverteidigung und die Frage, wie geschlossen die Mannschaft nach dem ersten überspielten Zugriff reagiert.
Hütter spricht heute von Zweikampfführung und davon, Bälle konsequenter zu klären. Das klingt erstmal banal, ist es aber nicht. Ein Trainer schaut sich nicht nur an, wer einen Zweikampf verliert. Er schaut sich die ganze Entstehung an. War vorher Druck auf dem Ball? Konnte der Gegner sauber aufdrehen? Hat die letzte Linie rechtzeitig nachgeschoben? War die Box vernünftig besetzt? Hatte der Verteidiger überhaupt Unterstützung?
Gegen Augsburg war das in der ersten Halbzeit über weite Strecken ordentlich. Wir hatten Zugriff, Augsburg kam kaum sauber hinter unsere erste Drucklinie und unsere Abwehr musste wesentlich weniger offene Räume verteidigen. Nach der Pause waren es dieselben Spieler im selben System – und trotzdem war das Verhalten plötzlich ein anderes.
Allein daran sieht man schon, warum ich nicht sofort anfangen würde, die Grundidee umzubauen.
Wenn etwas 45 Minuten funktioniert und danach auseinanderfällt, möchte ich als Trainer wissen, warum es nicht mehr abrufbar war. Ich werfe doch nicht den funktionierenden Teil gleich mit weg.
Hütter kann die Mannschaft trotzdem defensiv stabiler bekommen. Vielleicht wird die Restverteidigung etwas konservativer, vielleicht schiebt der ballferne Außenverteidiger früher ein, vielleicht wird Onyedika in bestimmten Phasen stärker in der Sicherung gehalten oder man verändert die Pressinghöhe. Auch eine Dreierkette kann eine Möglichkeit sein.
Das alles sind normale Anpassungen. Seine Fußballidee muss er dafür nicht beerdigen.
Interessant fand ich auch, dass er von einem Entwicklungsprozess spricht und davon, dass die Mannschaft jetzt seine Unterstützung braucht. Das ist für mich Trainerarbeit, gerade bei einer jungen und stark veränderten Gruppe.
Nach zwei solchen Spielen kann ich mich natürlich vor die Mannschaft stellen und alles in Frage stellen. Ich kann aber auch sagen: Wir wissen, was wir spielen wollen, wir wissen, welche Dinge gerade nicht funktionieren, und jetzt arbeiten wir daran.
Psychologisch ist das nicht zu unterschätzen. Die Spieler müssen irgendwann Vertrauen in ihre Abläufe bekommen. Wenn der Trainer nach jedem Rückschlag selbst anfängt, an seiner Idee zu zweifeln, brauche ich mich nicht wundern, wenn auf dem Platz irgendwann ebenfalls keiner mehr weiß, woran er sich orientieren soll.
Und Orientierung entsteht im Profifußball über Wiederholung. Pressingtrigger, Anschlussdruck, ballfermes Einrücken, Verhalten nach Ballverlust, Boxverteidigung; solche Sachen werden nicht einmal erklärt und sind dann erledigt. Die werden in Spielformen immer wieder provoziert, korrigiert und unter Gegnerdruck wiederholt, bis das irgendwann ohne langes Nachdenken abläuft.
Ich hatte ja schon geschrieben, dass ich als Trainer momentan genauso vorgehen würde. Nicht alles umwerfen, sondern Hütters Fußball erstmal sauber in die Mannschaft bekommen und dort nachschärfen, wo die Balance noch fehlt.
Und auch seine Ruhe nach außen gefällt mir. Was soll er jetzt machen? Sich vor die Kameras stellen und erzählen, dass sein Ansatz nicht funktioniert und die Mannschaft ein Problem hat? Intern wird ganz anders analysiert und gesprochen. Nach außen muss ein Trainer in so einer Phase Orientierung und Überzeugung ausstrahlen.
Hütter ist lange genug im Geschäft, um zu wissen, dass er nicht stur mit dem Kopf durch die Wand gehen kann. Er ist aber auch erfahren genug, nicht nach 180 Bundesligaminuten aus Nervosität einen Fußball spielen zu lassen, von dem er selbst nicht überzeugt ist.
Von daher musste ich bei der PK heute tatsächlich ein bisschen grinsen. 😉 Die berühmte Glaskugel habe ich zwar immer noch nicht, aber zumindest scheint mein Trainerhirn bei der Sache nicht völlig auf dem Holzweg gewesen zu sein. 😂
Jetzt muss das Ganze nur noch auf den Platz. Denn alle taktische Theorie ist irgendwann wertlos, wenn die Mannschaft sie unter Druck nicht abrufen kann. Und genau diese Stabilität muss Hütter in den nächsten Wochen reinbekommen.
dank einer langen Rückreise vom Urlaub habe ich alle Deine Ausführungen verschlungen. Vielen Dank für Deine Bemühungen.
Du brauchst dich auch nicht genötigt sehen zu antworten. Ich habe sicher viel gelernt und deine Ausführungen taugen total als Erklärung für vieles, nicht nur die 2. HZ gegen die Puppenkiste.
Ich wollte aber unbedingt kommentieren, denn gerade wenn man unsere laienhaften Antworten sieht, naja, dann wurde mir die Diskrepanz zwischen dem, was wir Forum-User sehen und welche Rückschlüsse wir ziehen (40 Punkte werden schon in Frage gestellt. Ein inkompetenter MK muss weg. Hütter wird bald entlassen.) und auf welcher Basis Hütter, MK und der Rest des Vorstandes die Situation analysieren und warum sie eine andere Sicht auf den Kader, den Rückhalt des Trainers usw. sehen.
Danke, gerne mehr davon. Neben den Analysen von Nikolai hilft mir das ungemein.
Die heutige PK fand ich aus Trainersicht ziemlich aufschlussreich, weil Hütter bei einigen Punkten genau die Richtung beschreibt, über die wir hier seit Tagen diskutieren.
Vor allem seine Aussage, dass die sieben Gegentore für ihn keine Systemfrage sind, halte ich für wichtig. Eine Grundordnung ist erstmal nur das Ausgangsbild. Ob da 4-2-3-1, 4-4-2 oder 3-4-2-1 auf dem Zettel steht, sagt noch relativ wenig darüber aus, wie eine Mannschaft tatsächlich verteidigt.
Ich kann mit einer Dreierkette vogelwild stehen und mit einer Viererkette hervorragend abgesichert sein. Entscheidend sind Balldruck, Abstände, Herausrückverhalten, Tiefensicherung, Restverteidigung und die Frage, wie geschlossen die Mannschaft nach dem ersten überspielten Zugriff reagiert.
Hütter spricht heute von Zweikampfführung und davon, Bälle konsequenter zu klären. Das klingt erstmal banal, ist es aber nicht. Ein Trainer schaut sich nicht nur an, wer einen Zweikampf verliert. Er schaut sich die ganze Entstehung an. War vorher Druck auf dem Ball? Konnte der Gegner sauber aufdrehen? Hat die letzte Linie rechtzeitig nachgeschoben? War die Box vernünftig besetzt? Hatte der Verteidiger überhaupt Unterstützung?
Gegen Augsburg war das in der ersten Halbzeit über weite Strecken ordentlich. Wir hatten Zugriff, Augsburg kam kaum sauber hinter unsere erste Drucklinie und unsere Abwehr musste wesentlich weniger offene Räume verteidigen. Nach der Pause waren es dieselben Spieler im selben System – und trotzdem war das Verhalten plötzlich ein anderes.
Allein daran sieht man schon, warum ich nicht sofort anfangen würde, die Grundidee umzubauen.
Wenn etwas 45 Minuten funktioniert und danach auseinanderfällt, möchte ich als Trainer wissen, warum es nicht mehr abrufbar war. Ich werfe doch nicht den funktionierenden Teil gleich mit weg.
Hütter kann die Mannschaft trotzdem defensiv stabiler bekommen. Vielleicht wird die Restverteidigung etwas konservativer, vielleicht schiebt der ballferne Außenverteidiger früher ein, vielleicht wird Onyedika in bestimmten Phasen stärker in der Sicherung gehalten oder man verändert die Pressinghöhe. Auch eine Dreierkette kann eine Möglichkeit sein.
Das alles sind normale Anpassungen. Seine Fußballidee muss er dafür nicht beerdigen.
Interessant fand ich auch, dass er von einem Entwicklungsprozess spricht und davon, dass die Mannschaft jetzt seine Unterstützung braucht. Das ist für mich Trainerarbeit, gerade bei einer jungen und stark veränderten Gruppe.
Nach zwei solchen Spielen kann ich mich natürlich vor die Mannschaft stellen und alles in Frage stellen. Ich kann aber auch sagen: Wir wissen, was wir spielen wollen, wir wissen, welche Dinge gerade nicht funktionieren, und jetzt arbeiten wir daran.
Psychologisch ist das nicht zu unterschätzen. Die Spieler müssen irgendwann Vertrauen in ihre Abläufe bekommen. Wenn der Trainer nach jedem Rückschlag selbst anfängt, an seiner Idee zu zweifeln, brauche ich mich nicht wundern, wenn auf dem Platz irgendwann ebenfalls keiner mehr weiß, woran er sich orientieren soll.
Und Orientierung entsteht im Profifußball über Wiederholung. Pressingtrigger, Anschlussdruck, ballfermes Einrücken, Verhalten nach Ballverlust, Boxverteidigung; solche Sachen werden nicht einmal erklärt und sind dann erledigt. Die werden in Spielformen immer wieder provoziert, korrigiert und unter Gegnerdruck wiederholt, bis das irgendwann ohne langes Nachdenken abläuft.
Ich hatte ja schon geschrieben, dass ich als Trainer momentan genauso vorgehen würde. Nicht alles umwerfen, sondern Hütters Fußball erstmal sauber in die Mannschaft bekommen und dort nachschärfen, wo die Balance noch fehlt.
Und auch seine Ruhe nach außen gefällt mir. Was soll er jetzt machen? Sich vor die Kameras stellen und erzählen, dass sein Ansatz nicht funktioniert und die Mannschaft ein Problem hat? Intern wird ganz anders analysiert und gesprochen. Nach außen muss ein Trainer in so einer Phase Orientierung und Überzeugung ausstrahlen.
Hütter ist lange genug im Geschäft, um zu wissen, dass er nicht stur mit dem Kopf durch die Wand gehen kann. Er ist aber auch erfahren genug, nicht nach 180 Bundesligaminuten aus Nervosität einen Fußball spielen zu lassen, von dem er selbst nicht überzeugt ist.
Von daher musste ich bei der PK heute tatsächlich ein bisschen grinsen. 😉 Die berühmte Glaskugel habe ich zwar immer noch nicht, aber zumindest scheint mein Trainerhirn bei der Sache nicht völlig auf dem Holzweg gewesen zu sein. 😂
Jetzt muss das Ganze nur noch auf den Platz. Denn alle taktische Theorie ist irgendwann wertlos, wenn die Mannschaft sie unter Druck nicht abrufen kann. Und genau diese Stabilität muss Hütter in den nächsten Wochen reinbekommen.
Sorry für das Wasser in Deinen Wein, aber ich habe Deine Sammlung von Möglichkeiten, Eventualitäten und Basiswissen der Psychologie jetzt zweimal gelesen, finde aber so überhaupt keinen anpii-eigenen Griff daran. Das sind alles wachsweiche Aussagen, die aufgrund ihrer "Breite" am Ende des Tages zwangsläufig zu der Aussage führen werden, dass Du das ja gesagt bzw. gewusst oder auch darauf hingewiesen hast. Schade, hätte mich mal interessiert, was Du als angeblich ausgebildeter Pro-Lizenz-Trainer höchstselbst tun würdest. "Das ist für mich Trainerarbeit, gerade bei einer jungen und stark veränderten Gruppe" ist da ein wenig dünn, wenngleich blumig, dazu braucht man keinen Trainerschein.
Den Zusatz „angeblich ausgebildeter Pro-Lizenz-Trainer“ finde ich allerdings ziemlich daneben. Wenn du Zweifel an meiner Person oder meiner Ausbildung hast, dann sprich das bitte offen an. Solche kleinen Unterstellungen nebenbei haben mit einer fachlichen Diskussion nichts zu tun.
Und zu deiner eigentlichen Frage, was ich tun würde, habe ich mich hier mehrfach ziemlich konkret geäußert: Ich würde Hütters Grundidee nicht verwerfen, sondern die Restverteidigung konservativer staffeln, die Pressingauslöser klarer begrenzen, den ballfernen Außenverteidiger situativ früher einrücken lassen und Onyedika stärker in der Sicherung halten. Dazu würde ich in den Trainingsformen gezielt die Situationen nach überspieltem ersten Zugriff und nach Ballverlust provozieren, weil dort momentan unsere größten Probleme entstehen.
Das sind für mich keine „Möglichkeiten und Eventualitäten“, sondern konkrete Stellschrauben.
Ob Hütter exakt dasselbe macht, weiß ich natürlich nicht. Ich sitze weder in seiner Kabine noch in seinem Trainerbüro. Und wenn du von mir erwartest, dass ich aus der Ferne eine einzige Maßnahme verkünde und anschließend behaupte, damit sei das Problem gelöst, dann kann ich dir diese Art Gewissheit tatsächlich nicht bieten.
Fußball funktioniert leider nicht so, dass ein Pro-Lizenz-Trainer nach zwei Spielen auf „Lösung A“ klickt und danach alles läuft.
Aber wenn du meine Aussagen für zu dünn hältst, können wir gerne über die konkreten Inhalte reden. Das ist mir deutlich lieber, als meine Ausbildung über ein „angeblich“ in Frage zu stellen.