Litera-Lättchen

#
So, nachdem die wunderbare Latte bedauerlicherweise am ausklingen ist, erlaube ich mir mal hier in unregelmäßigen Abständen auf Bücher hinzuweisen die mir außerordentlich gut gefallen haben.
Es wäre schön wenn , auch ihr eure Literaturtipps einbringen würdet.
Toll wäre es wenn ihr vielleicht noch ein oder zwei Sätze dazu schreiben könntet warum diese Buch so lesenswert ist. Erlaubt ist was gefällt. Lesen ist ja bekanntlich der Feind der Dummheit.


1) Der Meister und Margarita.
von Michail Bulgakow

http://www.amazon.de/Meister-Margarita-Michail-Bulgakow/dp/3630620930/sr=1-1/qid=1166453761/ref=sr_1_1/028-2432531-3874107?ie=UTF8&s=books


Dieses Buch ist meines Erachtens wirklich genial.   Nicht ganz einfach zu lesen da die Handlung auf mehreren Ebenen stattfindet aber sehr lohnenswert. Worum geht%uFFFDs?

Ich zitiere mal:

%uFFFDMoskau, Ende der 1920er Jahre. Karwoche. Auftritt der Teufel persönlich, der in der Freitagnacht seinen alljährlichen Hexenball geben will. Bis es dazu kommt, ist in Moskau buchstäblich der Teufel los, und Funktionäre (insbesondere die regimekonformen Literaten), Denunzianten, Mitläufer und sozialistisch übertünchte Spießer bekommen gründlich ihr Fett weg; Schadenfreude darf sich hier auf höchstem Niveau ausleben Bulgakov scheint hier die alte Regisseurs-Weisheit in die Literatur zu übertragen, der zufolge man die Handlung mit einem Erdbeben zu beginnen und dann allmählich zu steigern habe. Aber der satirische Rundumschlag ist nur einer der vielen Aspekte dieses Jahrhundert-Romans..%uFFFD

Mit einer Rasanz und Leichtigkeit wie man es von russischen Schriftstellen nicht gewohnt ist beginnt eine wilde verwegene Jagd um menschliche Schwäche und Eitelkeiten. Das ganze auch noch sprachgewaltig und humorvoll geschriebnen. Der Tipp für eine einsame Insel. Das legt man so schnell nicht mehr aus der Hand.


Auf eine Tour d`horizon ganz anderer Art führt und dieses Buch.


2)  Das Buch vom Stein   Matthias Bärmann (Hg.):

http://www.amazon.de/Buch-Stein-Texte-f%C3%BCnf-Jahrtausenden/dp/3902497025/sr=1-2/qid=1166455553/ref=sr_1_2/028-2432531-3874107?ie=UTF8&s=books


Ich darf auch hier wieder zitieren:

.%uFFFD Das Buch von Stein" ist ein überaus freigiebiges Band, der sich nicht in einem Zug verschlingen lässt. Vielmehr sollte man das Buch über einen langen Zeitraum bei sich haben. Jedenfalls, wenn man Gedanken über die Welt und den Menschen mit jenen teilen möchte, die sie sich irgendwann und irgendwo über Stein gemacht haben
Die Anthologie enthält 169 Texte, die mehr oder weniger chronologisch geordnet sind: Vorhistorischer Mythos, literarischer Mythos (Antike), Bibel und Islam, Mittelalter, Ostasien, europäische Neuzeit, 20. Jahrhundert I und II und eine wissenschaftliche Aussicht

Man glaubt es kaum , aber ich kann euch versichern auch dieses Buch ist vergnüglich (nicht immer ) zu lesen. Jedenfalls regt es zum Nachdenken an und das kann ja nie verkehrt sein.




Ich wechsele das Genre

3) Tod im Ebbelwoi-Expreß. Dritte Sachsenhäuser Kriminalepisode
von Frank Demant


http://www.amazon.de/Tod-Ebbelwoi-Expre%C3%9F-Dritte-Sachsenh%C3%A4user-Kriminalepisode/dp/3980991520/sr=1-2/qid=1166455842/ref=sr_1_2/028-2432531-3874107?ie=UTF8&s=books


Worum gehts? Ein Krimi ,aha.

Die Mafia will Sachsenhausen im großen Stil  Schutzgeld erpressen..  Lebenskünstler Taugenichtse und Wirte schließen sich zusammen um die Bedrohung abzuwehren.
Sprachlich nicht so stark wie die beiden ersten Werke . Dafür aber  mit sehr viel Lokalkolorit und einer guten Portion Humor ausgestattet.
Es geht übrigens um die Eintracht ,einen Herren namens Schoppenpetzer und Schriftsteller die auch noch Taxifahren. Man könnte meinen der Autor liest im Forum mit.
#
Den Herrn Frank Demant kannt ich noch gar nicht.
Muß ich mir merken und bei Gelegenheit mal lesen.[/i]


Tipp von mir:
Watching the Boys Play
Frauen als Fußballfans
von Nicole Selmer

Warum wohl??

Aber paßt dann nicht so recht hierher, weil eher Sachbuch.
#
Hatte auch schon mal an sowas gedacht, mir dann aber letztlich den Ruck nicht gegeben. Respekt, HG!

Also, für Krimifreunde ein zwar nicht sehr origineller, aber nachdrücklicher Hinweis auf den niederländischen, schon lange aber in den USA  lebenden Janwillem van de Wetering. Seine Bücher um den namenlosen „Commisaris“ und dessen jazzliebende Assistenten Grjipstra und de Gier sind spannend und mit gutem Sinn für Komik geschrieben, vermitteln ausgezeichnete Einblicke in ganz unterschiedliche Milieus und warten auf angenehm unangestrengte Weise mit schönen Einsichten auf, gut ironisch-sarkastisch verpackt.

„Janwillem Lincoln van de Wetering wurde am 12. Februar 1931 in Rotterdam geboren. Nach seiner Schulzeit absolviert er ein Business College und sein Vater, ein Kaufmann, besorgt ihm einen Job für eine holländische Firma in Südafrika, wo er sechs Jahre verbringt und auch heiratet. Den Job macht er nur kurz, dann schlägt er sich mit Gelegenheitsarbeiten durch [sowie als Anführer einer Motorradgang  , AK].

Danach besucht er in London Philosophie-Seminare und beschäftigt sich mit Zen-Buddhismus. Dadurch kommt er nach Kyoto in Japan, wo er ab 1958 zwei Jahre lang Zen-Lehren in einem Kloster studiert. Wegen Geldproblemen arbeitet er in den nächsten Jahren wieder als Kaufmann in Kolumbien und Peru, danach als Grundstücksmakler in Australien. Ab 1965 leitet er dann die Textilfabrik seines verstorbenen Schwiegervaters in Holland.

Als Ersatz für seinen Wehrdienst wird er nebenbei Hilfspolizist. Dadurch inspiriert wird er Inspektor und arbeitet sieben Jahre lang bei der Polizei. Beeinflusst von Simenon und Sartre begann er 1975 mit dem Schreiben. Seine Buchreihe um die Amsterdam-Cops, die er in verschiedenen Versionen sowohl in niederländisch als auch in englisch schreibt, ist eine der eigentümlichsten Serien der Kriminalliteratur.

Van de Wetering zieht nach Maine in die USA, wo er zehn Jahre lang im Sommer mit einem kleinen Boot an der Küste entlangfährt und im Winter seine Romane schreibt.“

http://www.krimi-couch.de/krimis/janwillem-van-de-wetering.html
(hier auch Hinweise auf die einzelnen Bände)

Melde mich bald nochmal.
#
Mein erstes ganz gelesenes Buch war Fanny Hillvon John Cleland.
"Memoiren eines Freudenmädchens"
Als ca.9-10 jähriger Bub habe ich es in Papas Bücherregal gefunden.
Plötzlich war meine sonstige Lektüre wie Akim,Sigurd und Bodo Nebensachen.
Was ich hier zu lesen bekam stockte mir den Atem, da gab es Jungs die Mädchen mochten und auch noch küssten.
So ab Seite 50 hatte ich soviel Gefallen gefunden,so dass einige Sachen Tage später in der Schule nachgespielt wurden.
Scheinbar haben die Mädchen das Buch auch gelesen.Die machten munter mit.
Über den Inhalt brauch ich wohl nicht berichten.
Früher war alles so einfach.
schee wars
#
Glücklicher Petermann! Das Erotischste, was ich im elterlichen Bücherschrank auftun konnte, waren 'Die Ahnen' von Gustav Freytag, 'Der Kampf um Rom' (Felix Dahn, immerhin besser als Adolfs Schwarte), 'Sinuhe der Ägypter' (von Weißichnichtmehr) sowie ein Stapel Readers Digest. Ich kann in aller Öffentlichkeit nur sagen: es gibt nichts Unerotischeres! (Obwohl Sinuhe der Ägypter sich einmal, wenn ich mich recht erinnere, einer etwas durchsichtigen Toga gegenübersah - aber das war auch eher gemunkelt als ausgeschrieben, ganz zu schweigen von einer Beschrebung dessen, was in der Toga drinsteckte    )

Nun, hier eine Reihe von Büchern, die allesamt stark jedenfalls in ihrem literarischen Eros    sind.

Während in den USA die Politik auf ziemlich gruselige Weise rummurkst, die Schere zwischen Nix-, Sosolala- und Großbesitzern immer weiter auseinander klafft (woher kenn ich das bloß?) und die Hispanos heimlich zur Mehrheit werden, wird dort nach wie vor Literatur der Extraklasse geschrieben.

Hinweisen möchte ich gerne auf 3 Autoren und eine Autorin:

Wer die USA von New York her verstehen möchte, ist bestens bedient mit: Don DeLillo, Unterwelt. Ein dicker Brocken von Roman, es braucht ein wenig Geduld, um sich reinzulesen, aber es lohnt sich, je länger, desto mehr. Die einzelnen Kapitel nehmen ganz unterschiedliche Perspektiven ein, aber durch eine Reihe von Leitmotiven (darunter ein Ball   , leider nur ein Baseball    ) wird das Ganze zusammengehalten, am Ende bildet sich so etwas wie ein Kristall mit unendlich vielen Brechungen, die aber allesamt ineinander gespiegelt sind.

Auch alle weiteren Bücher des Autors sind empfehlenswert, namentlich ‚Körperzeit’, ‚Weißes Rauschen’ und ‚Die Namen’

http://de.wikipedia.org/wiki/Don_DeLillo

Wer, was keinesfalls weniger aufschlussreich ist, einen Blick auf die USA von ihren gewaltig weit ausgedehnten ländlichen Räumen her nehmen möchte, der lese die wunderbare Annie Proulx (keine Angst, kein neuer Torwart-Fred   ). Bekannt geworden ist sie durch ihren Roman ‚Schiffsmeldungen’ (nun ja, ausgerechnet dieses Buch spielt in Neufundland) sowie durch den in diesem Jahr mit einigem Erfolg auch in die deutschen Kinos gekommenen Film ‚Brokeback Mountain’ (Regie: Ang Lee), der auf einer Erzählung von ihr aufbaut. Proulx gelingen durchweg eindringliche Schilderungen von Menschen und menschlicher Gemeinschaft im ländlichen Amerika. Traditioneller erzählt wie DeLillo, aber ebenso gut. Neben den beiden genannten Titeln sehr zu empfehlen: ‚Postkarten’ und ‚Mitten in Amerika’.

http://de.wikipedia.org/wiki/Annie_Proulx

Eine ganz eigene zeitgenössische amerikanische Stimme: Denis Johnson. Empfehle von ihm seinen Roman ‚Schon tot’ (genialer Titel) sowie die Erzählung ‚Train Dreams’ sowie, sogar sehr, den Erzählungsband 'Jesus' Sohn'. Wer auf außerordentlich bannende Weise miterleben möchte, wie Menschen beides können: zugrunde richten (sich und andere) und durchstehen, hat hier einen Autor gefunden, der es ihm erzählt.

http://de.wikipedia.org/wiki/Denis_Johnson

Und schließlich eine (für mich) ganz überraschende Neuerscheinung: ‚Das Echo der Erinnerung’ von Richard Powers. Powers ist von Hause aus Physiker, Literaturwissenschaftler und Programmierer, eine Menge Zeug also , was ihm u.a. den Genie-Preis der McArthur-Stiftung eingebracht hat (ich erwähne das hier nur, weil sich das prima macht und ich den auch gern mal kriegen würde * habenwoll *). Normalerweise würde ich den Teufel tun und das Buch eines Literaturwissenschaftlers empfehlen, aber bei Powers ist alles anders. Er wurde zum Autor, merkwürdig genug, als er eines Tages eine Fotografie des berühmten deutschen Fotografen August Sander sah (Drei Bauern aus dem Westerwald, 1914) ...



Der besagte Roman ‚Das Echo der Erinnerung’ hat als sehr spannendes Grundthema die Frage, wie unser Bewusstsein Wirklichkeit konstruiert. Ein junger Mann hat einen schweren Autounfall, und als er aus dem Koma erwacht, ist nichts mehr so, wie es „früher“ war. Er findet sich wieder in einem Gespinst von – eingebildeten, tatsächlichen? – Intrigen und Verschwörungen.

http://de.wikipedia.org/wiki/Richard_Powers

So, das wärs für heute. Für morgen empfehle ich vorausgreifend schon mal: Hier wird nicht gemeckert : Feine Ziegenrezepte von HeinzGründel – buchstäblich brandneu, exclusiv publiziert hier, im Forum Ihres Vertrauens.  
#
Oh ja, Petermann!
Deine "Geschichte" kommt mir bekannt vor. Ich war damals in etwa im gleichen zarten Kindesalter als ich beim Babba die "Geschichte der Josefine Mutzenbacher" gefunden habe. Fand ich -im Vergleich zu Karl May-doch wesentlich spannender
#
Mmmh, sehr cooler Fred...und wie es mit schönen Themen einem so geht, man gerät ins Träumen, überlegt hin und her, viele Ideen und Gedanken wirren im Kopf und zum Schluss weiß man gar nicht, welche guten Sachen man zuerst posten soll.

Also, ich sortiere mal nach Büchern, die ich mehrmals und immer wieder gerne lese:
da wäre z.B. von Paulo Coelho "Am Ufer des Rio Piedra saß ich und weinte".  Ein wunderbares, sehr schönes Buch. Und abgesehen davon kann ich fast alles von Paulo Coelho empfehlen.

Oder auch Stan Nadolny "Die Entdeckung der Langsamkeit" - wurde mir durch einen Freund empfohlen und ich empfehle es gerne weiter.
Eine kleine Inhaltsbeschreibung:
Inhalt: Der Roman erzählt das Leben des englischen Seefahrers und Nordpolforschers John Franklin (1786–1847), der schon als Jugendlicher an Seeschlachten teilnahm (Kopenhagen 1801, Trafalgar 1805). Sein Lebensziel war die Entdeckung der Nord-West-Passage nördlich des Nordamerikanischen Festlandes, der Verbindung von Atlantik und Pazifk. Nach zwei Arktisexpeditionen war Franklin kurzzeitig Gouverneur in Australien, bevor er auf der dritten Forschungsreise einen Schlaganfall erlitt und mit seiner Mannschaft im ewigen Eis starb.
Die Entdeckung der Langsamkeit ist zugleich Abenteuer- wie Entwicklungsroman. Nadolny greift die biografischen Fakten aus dem Leben Franklins auf, ergänzt das Porträt des Kapitäns jedoch um einen wesentlichen Punkt: Franklin ist ein langsamer Mensch, im Denken, Sprechen und Handeln, eigentlich zu langsam für die moderne Zeit der industriellen Revolution. Die vermeintliche Schwäche des Außenseiters wird jedoch als Ausdauer, Gründlichkeit und Gelassenheit zur Stärke. Franklin entzieht sich der Beschleunigung des Zeitalters und setzt ihr seine Haltung und Anschauung entgegen, nach der jedes Individuum seinen Fähigkeiten entsprechend einen sinnvollen Beitrag zur Gesellschaft leisten kann.



Da ich solche Romane - Biographien, vermischt mit Fiktion und Humor, sehr gerne lese, habe ich mir von Daniel Kehlmann "Die Vermessung der Welt" zum Geburtstag schenken lassen. Und was kann ich dazu sagen - einfach nur wunderbar.
Der Roman porträtiert zwei deutsche Geistesgrößen: Das Mathematikgenie Carl Friedrich Gauß und den Universalgelehrten und großen Naturforscher Alexander von Humboldt. Im Zentrum steht ein Treffen der beiden 1828 in Berlin, auf einem Naturforscherkongress, für den Gauß nur sehr widerwillig sein Göttingen verlässt. Die zwei Großdenker haben sich beide auf ihre eigene Weise der Vermessung der Welt gewidmet, kommen sich aber nur zaghaft näher.

Und wenn wir schon bei den Lebensgeschichten von wichtigen oder unwichtigen Menschen sind, möchte ich den weiblichen Forumsmitgliedern noch von Joan Aiken "Anderland" und den Roman "Die Party-Köchin" ans Herz legen.
#
Dirty-Harry schrieb:
Oh ja, Petermann!
Deine "Geschichte" kommt mir bekannt vor. Ich war damals in etwa im gleichen zarten Kindesalter als ich beim Babba die "Geschichte der Josefine Mutzenbacher" gefunden habe. Fand ich -im Vergleich zu Karl May-doch wesentlich spannender


Mal ne indiskrete Frage: wie kann man als Bub vom Titel her auf die Idee kommen, dass da Erotik drinsteckt? Mutzenbacher?! (Beiseite gefragt: was macht eigentlich Michael Mutzel? Spielt der noch?) War's das Cover? Oder einfach das Vertrauen, was der Papa liest, ist gut  



#
HeinzGründel schrieb:
eine wilde verwegene Jagd um menschliche Schwäche und Eitelkeiten (...) sprachgewaltig und humorvoll geschrieben ...


 Also im Forum abgekupfert    
#
Gut Heinz !

Es sind genug Literaturliebhaber ( oder einfach eben Schmökerer )  die diesen fred-titel und seine Pflege durch dich begrüßen werden.

Wie wärs mit monatlichen Hinweisen durch dich und wenn der Titel dann mal voll ist ist gibts den nächsten.
Wär mal was interessantes Neues .

Beteiligung für jeden so wie er ein Buch eben beschreiben will.
Wird hier bestimmt gut ankommen.

xmaz
#
adlerkadabra schrieb:
Dirty-Harry schrieb:
Oh ja, Petermann!
Deine "Geschichte" kommt mir bekannt vor. Ich war damals in etwa im gleichen zarten Kindesalter als ich beim Babba die "Geschichte der Josefine Mutzenbacher" gefunden habe. Fand ich -im Vergleich zu Karl May-doch wesentlich spannender


Mal ne indiskrete Frage: wie kann man als Bub vom Titel her auf die Idee kommen, dass da Erotik drinsteckt? Mutzenbacher?! (Beiseite gefragt: was macht eigentlich Michael Mutzel? Spielt der noch?) War's das Cover? Oder einfach das Vertrauen, was der Papa liest, ist gut  







Neugierde ! Wollte einfach Wissen , welche feinsinnige Literatur der "Alte" ausgerechnet -zugegeben etwas Abseits-im Schlafzimmer verwaltet.
#
Aha, Art und Ort der Verwahrung eines Buches können tatsächlich sehr  verräterisch sein  

@ Mods: Stell uns doch bitte Einer mal 'ne Stehlampe hier rein  
#
"Stehlampe" draußen angebracht. Sollte reichen, um auch drinnen lesen zu können.

Ich muss gestehen, dass ich kaum mehr lese. Also privat

Früher als kleiner Bub habe ich alles gelesen, was mir so vor die Flinte gekommen ist. Habe damals Drei-?-Bücher gesammelt.
Nach und nach habe ich dann immer weniger gelesen. Inzwischen lese ich eigentlich fast nur noch im Urlaub. Dann aber viel und sehr gerne. Daheim lungere ich leider eher vor dem PC rum, anstatt mal ein Buch in die Hand zu nehmen.

Seit einigen Wochen schon schimmelt auf meinem Nachttisch von Orhan Pamuk - Das schwarze Buch. Wenn ich es in ca 3 Jahren gelesen habe und mich dann noch an den Inhalt erinnern sollte, schreibe ich gerne, wie ich es gefunden habe.

Grundätzlich lese ich aber tendenziell gerne "leichte" Kost. Ich habe z.B. alle Wallander-Romane gelesen, sowie die Dan Brown - Bücher. Mankells Art zu schreiben gefällt mir sowieso sehr gut. Komischerweise mag ich auch einen anderen nordischen Krimiautor: Hakan Nesser.
Das letzte Buch, was ich richtig lustig fand, war Glenkill - ein Schafskrimi von Leonie Swan. Ich glaube, das ist eigentlich eher ein Kinderbuch. Aber mir hat es wirklich gut gefallen. Nachdem ich es durchgelesen hatte, habe ich tagelang bei allen möglichen Gelegenheiten Anekdoten aus dem Buch erzählt. Kann es also nur weiter empfehlen. Seitdem mag ich auch stefank.

Wenn jemand Lust auf "schwere" Kost und soziologische Klassiker hat, kann ich gerne Tipps geben. Das ist allerdings wohl nicht die Art von Büchern, die hier im Fokus stehen sollen. Trotzdem sei hier mal dezent auf Max Weber hingewiesen

Ich gehöre übrigens zu den Leuten, die Bücher, die sie gelesen haben, verkaufen, wegschmeißen oder verschenken. Fällt mir gerade so auf, wenn ich rüber zu den Büchern schiele und sehe, dass dort fast nur die Nesser, Brown und Mankell-Bücher stehen.

Hat hier jemand schon mal einen Roman mehrfach gelesen? Ich habe das noch nie getan. Deswegen lege ich auch keinen Wert darauf, dass die gelesenen Bücher die Wand schmücken. Ich brauche sie einfach nicht mehr und sie nehmen der Plattensammlung eh nur unnötig Platz weg.

Achja, ich glaube, ich brauche mal wieder Urlaub..
#
Nochmal ich.

Angefangen hat meine Leserei mit Heinrich Böll speziell seinen: "Ansichten eines Clowns".
Habe dabei Rotz und Wasser geheult, denn ich war damals fürchterlich katholisch.

- Der Film, obwohl unter seiner Mitwirking entstanden, hat mich sowas von enttäuscht. Alle "meinen" Szenen wurden einfach ausgelassen oder uminterpretiert. -


Anfang der 80er - glaube ich - war Erica Jongs: "Angst vorm Fliegen" dran.

Nachdem ich viel später alle Bücher von Henning Mankell gelesen hatte, entdeckte ich mit sehr großer Verspätung auch Per Wahlöa/Maj Sjöwall.

Sowas habe ich nie wieder gefunden, aber vlt. hat ja jemand einen Tipp für mich.

Ganz große Freuenliteratur sind zwei Bücher von Marilyn French.
Als erstes "Frauen", welches Frauen bei ihrem Versuch der Emanzipation  in den 50igern über 20 Jahre hinweg beschreibt und eines der weinigen Bücher ist, das ich mehrmals gelesen habe; obwohl es richtige "Schwarte" ist.
Sowie "Mein Sommer mit George" eine Liebesgeschichte einer "nicht mehr so ganz jungen Frau".
(Enthält die für mich beste Stelle über weibliche Sexualität die ich je gelesen habe.)

Und natürlich der größe Liebesroma überhaupt: Gabriel Garcia Marquez: "Die Liebe in Zeiten der Cholera".
(Es lohnt sich doch zu warten, und seien es 60 Jahre!!!)

Wie komme ich jetzt auf diese Zusammenstellung????
Ist vielleicht alles hochmoralisch, von Böll über die French bis zu Marquez; wobei auch die schwedischen Krimis mit einbezogen sind.  ,-)  ,-)  ,-)
#
Weil es gerade weihnachtet und viele hier sich für Religion interessieren:
Didier Van Cauwelaert: "Die Jesus-Formel - Auf der Suche nach dem heiligen Gen"
Meschuggene Forscher würden gerne Jesus klonen. Diese und andere Geschehnisse rund um das Grabtuch von Turin, welches den toten Leib von Jesus bedeckt haben soll, waren Objekt der Recherchen des französischen Autors Didier Van Cauwelaert und zweier Fernsehjournalisten. Ein Ausflug in die Kirchenarchive und Gen-Labors, spannend und interessant.

Derselbe Autor ließ sich hiervon auch zu einer teils witzigen, teils aber auch mit Ergebnissen obiger Recherche angereicherte (und damit etwas überladene, aber dennoch unterhaltende) Gesellschaftssatire inspirieren:
Didier Van Cauwelaert: "Das Evangelium nach Jimmy"
„Ich heiße Jimmy Wood, bin 32 Jahre alt und repariere Swimmingpools in Connecticut.Drei Abgesandte des Weißen Hauses haben mir soeben mitgeteilt, daß ich der Klon Christi bin.“
Was tun wenn ein Jurist, ein Priester und ein Arzt behaupten, daß man göttliche Gene in sich trägt ? Jimmy hat keine Wahl, denn George W. Bush hat Großes mit ihm vor. Und wenig später macht sich eine Armada aus Presseleuten, Stylisten, Psychologen, Ernährungsberatern und Geistlichen ans Werk, um Jimmy in seine neue Funktion als Messias einzuführen.

Das gefällt auf jeden Fall auch im Bistum Essen:

http://www.bistum-essen.de/713+M51f1b48667a.html
#
Tube schrieb:
Hat hier jemand schon mal einen Roman mehrfach gelesen? Ich habe das noch nie getan. Deswegen lege ich auch keinen Wert darauf, dass die gelesenen Bücher die Wand schmücken. Ich brauche sie einfach nicht mehr und sie nehmen der Plattensammlung eh nur unnötig Platz weg.

Achja, ich glaube, ich brauche mal wieder Urlaub..


Ein paar Bücher habe ich tatsächlich schon mehrmals gelesen.
Aber nicht nur deshalb, bewahre ich meine Bücher auf. Wenn mir ein Werk besonders gut gefällt (Dan Simmons "Hyperion/Endymion" Saga eines der größten Werke der modernen Literatur, Stephen King "Der dunkle Turm" der mich 10 Jahre lang in seinen Bann gezogen hat und dessen Ende ich auch nach zwei Jahren noch nicht verkraftet habe...), kann es durchaus vorkommen, das ich mir nach dem lesen die Bücher nochmals als Sammelexemplar kaufe  
Die stehen dann zwar tatsächlich nur im Regal, sind dafür aber noch unberührt.  Ein Vorteil dabei ist, dass ich die zuerst gelesenen Exemplare getrost verleihen kann


Hier mal ein paar Auszüge aus Amazon zu Hyperion:

"Mit diesem Opus hat Dan Simmons ein faszinierendes und komplexes Zukunftsgemälde komponiert und es brillant in Worte gefasst. Dass Simmons (be)schreiben kann wie ein Gott, ist längst kein Geheimnis mehr. Er beherrscht die Höhen und Tiefen der Sprache wie ein Virtuose, ja selbst das Telefonbuch von Kastrop-Rauxel wäre, wenn von Simmons geschrieben, noch eine sprachliche Orgie und damit lesenswert.
Seinen Pilger, die von ungleichen Schichten und Planeten stammen und von den seltsamsten Motiven getrieben sind, verpasst er Denkmodelle, Biografien und natürlich auch Ausdrucksweisen, die so atemberaubend wie geistreich sind. Dabei hängen deren einzelne Geschichten nicht im luftleeren Raum sondern sind dicht mit dem spannenden Handlungsbogen und dem Geheimnis um Hyperion verwoben. "


Und noch ein bißchen was zum Inhalt:

"Im Vordergrund stehen die sieben Protagonisten, die zu einer letzten Pilgerfahrt nach Hyperion aufbrechen, um dort eines der letzten ungelösten Geheimnisse des Universums zu lüften: die Zeitgräber, die sich scheinbar aus der Zukunft kommend rückwärts in der Zeit bewegen. Umgeben von einem "Anti-Entropiefeld", das zuweilen starke Störungen in der Zeitlinie hervorrufen kann, dient es zugleich als Gefängnis für das Shrike. Dieses legendäre Dornenwesen -- gefürchtet von den meisten, angebetet von seinen Jüngern -- besitzt Kontrolle über die Zeit und kann so in Sekundenschnelle Armeen abmetzeln. Und eben diese Felder, die als einzige ein planetenweites Massaker verhindern, beginnen sich seit einiger Zeit aufzulösen und drohen bald vollkommen zu verfallen.

Die Wichtigkeit der Pilgerfahrt ergibt sich auch aus einer weiteren Tatsache. Vor langer Zeit, als die Erde durch den "Großen Fehler" zerstört wurde, hatten sich die Menschen auf viele entlegene Planeten, die nur aufgrund der sie verbindenden "Farcaster" ein Netz bilden, zerstreut. Nur ein kleiner Teil, die sogenannten "Ousters", hatten sich vom Rest losgesagt und die Reise in unbekannte Teile der Galaxie angetreten. Diese "Ousters" planen nun eine Offensive gegen das "Netz", und der Planet, den sie zuerst in ihre Gewalt bringen wollen, ist Hyperion. Falls sie das Geheimnis der Zeitgräber lösen können, kann sich ihnen nichts mehr in den Weg stellen.

All dies dient jedoch nur als Hintergrundgeschehen, denn eigentlich passiert im Laufe des Buches nicht viel. Die sieben Pilger treffen sich, treten ihre Reise zu den Zeitgräbern an und erreichen es. Wenn jetzt jemand vermutet, daß sie viele Abenteuer auf ihrem Weg zu bestehen hätten, liegt leider falsch, denn außer daß der "Tempelritter" -- einer der Pilger und Kapitän des Schiffes, das sie nach Hyperion brachte -- verschwindet, ereignet sich nicht viel. Die Funktion der Reise liegt vielmehr darin, den Protagonisten genug Zeit zu geben, um sich gegenseitig ihre Lebensläufe zu erzählen. Sie hoffen, so herauszufinden, warum gerade sie auserwählt wurden und wie sie das "Shrike" im Ernstfall besiegen können.

So wie die Charaktere sind auch deren Geschichten von grundlegend unterschiedlicher Thematik und Struktur: da gibt es den Geistlichen, der bei der Suche nach einem auf Hyperion verschollenen Priester eine unglaubliche, mit dem Menschen symbiotisch verschmelzende Lebensform entdeckt; den Soldaten, der sich bei seinen Kampfsimulationen in ein vermeintliches Konstrukt der Matrix verliebt und es dann nach einem Absturz auf Hyperion in persona trifft; den Dichter, der nach einigen, ihm gewissermaßen aufgezwungenen Bestsellerromanen erkennt, daß ihn seine einstige Muse verlassen hat, und der auf der Suche nach ihr in die "Stadt der Dichter" auf Hyperion reist; den Gelehrten, dessen Tochter bei den Zeitgräbern einen Unfall erleidet, und seitdem stetig jünger wird; die Detektivin, die von einer KI beauftragt wird, die Lücke in ihrem Gedächtnis zu füllen, sowie den Politiker, dessen Schicksal den Lauf der Geschichte am meisten beeinflusste. All diese Geschichten decken langsam aber sicher die Hintergründe auf, die Dinge, die unter der Oberfläche des "Netzes" geschehen: sei es das "Technocore", eine Vereinigung von KIs, die die Geschicke der Menschheit in Wirklichkeit leitet, oder seien es nur die geheimen Hoffnungen und Ängste, die die verschiedenen Parteien mit Hyperion verbinden."
#
Petermann schrieb:

So ab Seite 50 hatte ich soviel Gefallen gefunden,so dass einige Sachen Tage später in der Schule nachgespielt wurden.
Scheinbar haben die Mädchen das Buch auch gelesen.Die machten munter mit.
Über den Inhalt brauch ich wohl nicht berichten.
Früher war alles so einfach.
schee wars




Wenigstens hat der Herr dir die Erinnerungen gelassen....
#
Na, dann will ich doch auch mal einen kleinen Literaturtip beisteuern:

"Die geheime Geschichte" von Donna Tartt

Einer der besten Krimis, die ich je gelesen habe, obwohl Krimi die Sache auch nicht ganz trifft, ist eher ein Drama und hat mich vor allem dadurch fasziniert, dass die Hauptpersonen zunächst als Gruppe netter, etwas verschrobener Studenten erscheinen und nach und nach die derbsten Abgründe hinter der bürgerlichen Fassade auftauchen.

Hier noch ein kleiner Auszug aus der Beschreibung bei Amazon:

An einem College in Vermont führen fünf Studenten zusammen mit ihrem Professor für Altgriechisch auf dem Campus ein skuril ästhetisches Leben, das ihnen den Ruf von isolierten Sonderlingen einbringt. Von diesen Außenseitern fühlt sich der Neuling Richard Papen magisch angezogen und es gelingt ihm, in den erlesenen Kreis aufgenommen zu werden.

Aus seiner Sicht wird das dekadente Treiben der Gruppe zwischen Homer, Whiskey und dionysischer Raserei erzählt. Bei der letzten ausschweifenden Huldigung des Dionysos wollen seine Freunde in Trance das Gefühl der Unsterblichkeit erfahren, aber das Ritual endet mit der bestialischen Ermordung eines unschuldigen Farmers. Was als geheimnisvolles, elitäres Spiel begann und in dem nie aufgeklärten Mord seine Fortsetzung fand, endet mit tödlichen Spannungen unter den Freunden, die emotionell die Kontrolle über sich und die ganze Situation verlieren.

Gruss

Wedge
#
Hallo zusammen,

das find ich mal eine coole Idee. Büchertipps.

Für alle Krimi- und Thrillerliebhaber: Ich kann euch nur wärmstens die Bücher von Andreas Franz empfehlen. Diese sind allesamt sehr spannend geschrieben und spielen in Frankfurt. Es ist schon cool, wenn man das dann so liest und genau weiß, wo es spielt. Es gibt eine ganze Serie von den Büchern, die in Frankfurt spielen. Das erste heißt "Jung, blond, tot". Da solltet ihr dann auch zuerst lesen.
#
Na, dann will ich auch mal drei Empfehlungen zum besten geben. Als erste "Was ich liebte" von Siri Hustvedt. Die Autorin ist die Frau von Tom Austin und beschreibt in diesem Buch die Geschichte eines Malers in New York. Wie der Ich-Erzähler (bemerkenswert, dass eine Autorin die Geschichte aus der Sicht eines Mannes schildert!) wird der Leser in die privaten Verwicklungen und Schicksalsschläge im Umfeld hineingezogen.
Zweitens "Das Hotel New Hampshire" von John Irving. Schon etwas älter, aber sicherlich Irvings bestes Buch. Eine komische, traurige, anarchische, turbulente, ruhige, einfach alles zusammen schöne Familiengeschichte. Der Familienhund heisst Kummer, und, wie Irving weiss, "Kummer schwimmt immer oben"!
Zum Schluss auf den ersten Blick leichte Kost, aber mit Tiefgang und hohem Suchtfaktor: Die "Sternenkadett Nick Seaford"-Reihe (8 Bände) von David Feintuch. Ein Held wider Willen, der ständig Dinge tun muss, für die er sich hasst, aber von Gott und der Welt dafür gelobt wird. Es geht um Moral, um die ewige Frage "wie handele und lebe ich richtig".  

Alle drei Empfehlungen erfüllen in meinen Augen die Anforderung, die Irving so schön formuliert hat: "Der einzige Grund, warum man in einem Buch die Seite umblättert, ist, dass man unbedingt wissen muss, wie es weiter geht".

Ich wünsche euch allen hier schon mal ein schönes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch.      


Teilen

Du befindest Dich im Netzadler Modus!