Nochmal zur Klimakatastrophe

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Ich war letzten Sommer ja im Harz und hatte von den tiesigen Flächen toter Bäume ja ne heftige depressive Phase bekommen.
Hilfreich war da meine Frau, bzw. deren Idee als Kontrastprogramm den bayrischen Wald zu nehmen. Dort hatten wir diese Situation schon vor knapp 30 Jahren und wenn man das jetzt ansieht, dann ist das richtig geiles gesunden.
Eine totale Abkehr von der Fichtenmonokultur.
Hat mir richtig gut getan und Hoffnung gegeben.
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Gude, an den bayerischen Wald musste ich auch denken. Allerdings hat man da der Natur freien Lauf gelassen, Totholz nicht abgeräumt und nichts neues angepflanzt. Der Taunus bspw. ist ein größtenteils ein reiner Wirtschaftswald. Hier wurde alles platt gemacht, was nur nach Borkenkäferbefall roch. Wer auf der 661 in Richtung Bad Homburg fährt, sieht das verheerende Ausmaß an den Hängen. Jedes Stämmchen wurde rausgeholt, um damit noch ein paar Euros zu verdienen. So lässt man dem Wald halt keine Chance, klima- und schädlingsangepasste Resistenzen zu entwickeln. An einigen Stellen wurde auch wieder etwas angepflanzt, sieht wieder nach Mono-Nadelkultur aus. Der Wald ist ein riesen Wirtschaftsfaktor und man scheint vielerorts nicht bereit, ihn der Natur zurück zu geben.
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Luzbert schrieb:

Apropos Regenwald.
Ich war letzte Woche mit dem Rad im Taunus und dachte teilweise, ich hätte mich verfahren, weil ich die Gegend schlichtweg nicht wiedererkannt habe. Vom Wald ist stellenweise fast nichts übrig. Das sieht fürchterlich aus und es ist zu befürchten, dass es noch weitaus schlimmer wird.

Das ist bei uns nicht anders. Direkt im sog. Stadtwald, dem einstigen Vorzeigewald "Guttenberger Forst" sieht es aus wie am Mt. St. Helens nach dem Vulkanausbruch.
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WuerzburgerAdler schrieb:

Luzbert schrieb:

Apropos Regenwald.
Ich war letzte Woche mit dem Rad im Taunus und dachte teilweise, ich hätte mich verfahren, weil ich die Gegend schlichtweg nicht wiedererkannt habe. Vom Wald ist stellenweise fast nichts übrig. Das sieht fürchterlich aus und es ist zu befürchten, dass es noch weitaus schlimmer wird.

Das ist bei uns nicht anders. Direkt im sog. Stadtwald, dem einstigen Vorzeigewald "Guttenberger Forst" sieht es aus wie am Mt. St. Helens nach dem Vulkanausbruch.


Rüsselsheim Opelrennbahn und die Strecke Rüsselsheim Trebur : Waldschaden galore.
Wird irgendwann mal das Holz da raus geholt ?
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Gestern im HR1 gehört das die Fichte eh so ein ding ist. Da fallen jetzt jedes Jahr drei generationen an Borkenkäfer über sie her. Lt einem Mitarbeiter des Hessischen Forstamtes kann es sein das wir in 10-15 Jahren keine einzige Fichte mehr in unseren Hessischen Wäldern stehen haben, weil sie einfach vom Fichtenborkenkäfer vernichtet wurden.

Dazu Hitze, Trockenheit und Wetterkapriolen die der Buche nicht wirklich gut tun. Um den Hessischen Wald schaut es im Moment böse aus.
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Gestern im HR1 gehört das die Fichte eh so ein ding ist. Da fallen jetzt jedes Jahr drei generationen an Borkenkäfer über sie her. Lt einem Mitarbeiter des Hessischen Forstamtes kann es sein das wir in 10-15 Jahren keine einzige Fichte mehr in unseren Hessischen Wäldern stehen haben, weil sie einfach vom Fichtenborkenkäfer vernichtet wurden.

Dazu Hitze, Trockenheit und Wetterkapriolen die der Buche nicht wirklich gut tun. Um den Hessischen Wald schaut es im Moment böse aus.
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Die suchen doch Baumarten , die den verhältnissen besser angepasst sind. Ich seh schon Pinienwälder. Fehlt noch der Ballermann , dann könnte man sich auf den Balearen wähnen.
Im Ernst : Das wird wohl der einzige Weg sein.
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Da wir gerade beim Wald sind.

Der Amazonas produziert inzwischen mehr CO2 als er verbraucht.
Und bei der aktuellen Entwicklung steht sogar zu befürchten, dass das ganze noch viel schlimmer wird.

https://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/brasilien-amazonas-regenwald-stoesst-derzeit-mehr-co-aus-als-er-absorbiert-a-317b8ed5-a9c0-4b33-900d-8fcafb437d7b

Es bringt die beste Lunge nichts, wenn man 4 Schachteln Roth Händle jeden Tag zuführt...

p.s. Es ist jetzt 10 Jahre her, dass ich die 661 lang bin (war früher eine Stammstrecke von mir, da Freundin in Oberursel), ich mag es mir nicht vorstellen...
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Mein Eindruck ist, dass bei Waldbesitzern und Forstverwaltungen seit Jahren ein Umdenkungsprozess läuft und die  wirtschaftliche Holzerzeugung nicht mehr im Mittelpunkt steht.

Aus einer Veröffentlichung der Forstverwaltung meiner bayrischen Gemeinde.

1. Auf Gifteinsatz jeglicher Art wurde grundsätzlich verzichtet.

2. Schutz und Pflege von naturschutzwürdigen Flächen und Neuanlage von Biotopen.

3. Artenschutz durch Förderung des Totholzanteils ( = Belassung von abgestorbenen Bäumen im Wald), Vogelschutzmaßmahmen für Höhlenbrüter durch Anbringung von Nistkästen; Schutz für Waldameisen und Fledermäuse.

4. Pflege der Waldbestände unter dem Gesichtspunkt der Baumartenvielfalt; Förderung der Laubbaumarten ( Aufbau einer standortgerechten Mischwaldstruktur).

5. Einstellung der Kahlschlagwirtschaft. Fällung von Einzelstämmen zur Förderung von Naturverjüngung ( = Jungpflanzen wachsen von selbst auf).

6. Aufbau von natürlichen Waldrändern u. a. durch Pflanzung von Sträuchern

7. Instandsetzung der Wald- und Wanderwege unter Berücksichtigung des Oberflächenwassers ( Wasser bleibt im Wald ).

8. Sicherung und Verbesserungsmaßnahmen für die vielfältigen Erholungsfunktionen der städtischen Wälder und Lenkung des Erholungsverkehrs, um Ruhezonen für den Wald zu schaffen (sanfte Naherholung, aber nicht auf Kosten der natürlichen Grundlagen!).

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Mein Eindruck ist, dass bei Waldbesitzern und Forstverwaltungen seit Jahren ein Umdenkungsprozess läuft und die  wirtschaftliche Holzerzeugung nicht mehr im Mittelpunkt steht.

Aus einer Veröffentlichung der Forstverwaltung meiner bayrischen Gemeinde.

1. Auf Gifteinsatz jeglicher Art wurde grundsätzlich verzichtet.

2. Schutz und Pflege von naturschutzwürdigen Flächen und Neuanlage von Biotopen.

3. Artenschutz durch Förderung des Totholzanteils ( = Belassung von abgestorbenen Bäumen im Wald), Vogelschutzmaßmahmen für Höhlenbrüter durch Anbringung von Nistkästen; Schutz für Waldameisen und Fledermäuse.

4. Pflege der Waldbestände unter dem Gesichtspunkt der Baumartenvielfalt; Förderung der Laubbaumarten ( Aufbau einer standortgerechten Mischwaldstruktur).

5. Einstellung der Kahlschlagwirtschaft. Fällung von Einzelstämmen zur Förderung von Naturverjüngung ( = Jungpflanzen wachsen von selbst auf).

6. Aufbau von natürlichen Waldrändern u. a. durch Pflanzung von Sträuchern

7. Instandsetzung der Wald- und Wanderwege unter Berücksichtigung des Oberflächenwassers ( Wasser bleibt im Wald ).

8. Sicherung und Verbesserungsmaßnahmen für die vielfältigen Erholungsfunktionen der städtischen Wälder und Lenkung des Erholungsverkehrs, um Ruhezonen für den Wald zu schaffen (sanfte Naherholung, aber nicht auf Kosten der natürlichen Grundlagen!).

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Gratuliere. Diese Forstverwaltung hätten sicher alle Vorschreiber inkl. mir auch gerne.

Was noch zu fragen wäre: 10 % des Waldbestandes sollen nach dem bayer. Volksbegehren Artenvielfalt reiner Naturwald werden. Steht denn dazu nichts in der Veröffentlichung?
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https://www.bilder-upload.eu/bild-d05ba4-1620118977.jpg.html
https://www.bilder-upload.eu/bild-1e1e57-1620119043.jpg.html

Hier mal zwei Bilder aus dem letzten Sommer, die ich zwischen Sandplacken und Herzberg aufgenommen habe. Bild 1 zeigt im Hintergrund das generelle Ausmaß, Bild 2 die "Bekämpfung des Problems".

Wie gesagt, letzten Sommer. Diesen Winter wurde viel gearbeitet.
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Gratuliere. Diese Forstverwaltung hätten sicher alle Vorschreiber inkl. mir auch gerne.

Was noch zu fragen wäre: 10 % des Waldbestandes sollen nach dem bayer. Volksbegehren Artenvielfalt reiner Naturwald werden. Steht denn dazu nichts in der Veröffentlichung?
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Explizit 10% werden nicht erwähnt. Vermutlich sind es mehr.
Zitate:
"Die naturnahe Waldwirtschaft orientiert sich an der Gesamtheit der Pflanzenwelt vor Ort. Hierbei steht das Ziel der Biodiversität ( = Lebensraumvielfalt, Artenvielfalt, genetische Vielfalt ) im Vordergrund."


- Begründung von Laubholzneukulturen auf überdüngten landwirtschaftlichen Flächen im Wasserschutzgebiet (Wasserwerkswald) auf ca. 100 Hektar-  Anlage zahlreicher Biotope

- Waldumbau durch Unterpflanzung der Kiefernreinbestände mit standortgerechten Laubhölzern

- Kalamitäten in Nadelholzbeständen werden konsequent mit autochthonen Laubhölzern wiederaufgeforstet (autochthon sind Waldbäume, die besonders gut an die jeweiligen Standortbedingungen angepasst sind)

Die sensible Art und Weise der Waldbewirtschaftung bringt es mit sich, dass große Bereiche des Stadtwaldes den Zielen und Grundsätzen des Naturschutzes und der Landschaftspflege entsprechen.
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Explizit 10% werden nicht erwähnt. Vermutlich sind es mehr.
Zitate:
"Die naturnahe Waldwirtschaft orientiert sich an der Gesamtheit der Pflanzenwelt vor Ort. Hierbei steht das Ziel der Biodiversität ( = Lebensraumvielfalt, Artenvielfalt, genetische Vielfalt ) im Vordergrund."


- Begründung von Laubholzneukulturen auf überdüngten landwirtschaftlichen Flächen im Wasserschutzgebiet (Wasserwerkswald) auf ca. 100 Hektar-  Anlage zahlreicher Biotope

- Waldumbau durch Unterpflanzung der Kiefernreinbestände mit standortgerechten Laubhölzern

- Kalamitäten in Nadelholzbeständen werden konsequent mit autochthonen Laubhölzern wiederaufgeforstet (autochthon sind Waldbäume, die besonders gut an die jeweiligen Standortbedingungen angepasst sind)

Die sensible Art und Weise der Waldbewirtschaftung bringt es mit sich, dass große Bereiche des Stadtwaldes den Zielen und Grundsätzen des Naturschutzes und der Landschaftspflege entsprechen.
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Das hört sich vielleicht gut an, aber das war es auch schon. Bayern ist das Bundesland in dem jährlich der meiste Wald für Gewerbegebiete abgeholzt wird, auch in Naturschutzgebieten. Täglich werden 13 Hektar (Zahl aus dem Jahr 2018) platt gemacht. Der Grund ist weil jede noch so kleine Gemeinde Gewerbe ansiedeln will um Gewerbesteuer zu kassieren.

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Explizit 10% werden nicht erwähnt. Vermutlich sind es mehr.
Zitate:
"Die naturnahe Waldwirtschaft orientiert sich an der Gesamtheit der Pflanzenwelt vor Ort. Hierbei steht das Ziel der Biodiversität ( = Lebensraumvielfalt, Artenvielfalt, genetische Vielfalt ) im Vordergrund."


- Begründung von Laubholzneukulturen auf überdüngten landwirtschaftlichen Flächen im Wasserschutzgebiet (Wasserwerkswald) auf ca. 100 Hektar-  Anlage zahlreicher Biotope

- Waldumbau durch Unterpflanzung der Kiefernreinbestände mit standortgerechten Laubhölzern

- Kalamitäten in Nadelholzbeständen werden konsequent mit autochthonen Laubhölzern wiederaufgeforstet (autochthon sind Waldbäume, die besonders gut an die jeweiligen Standortbedingungen angepasst sind)

Die sensible Art und Weise der Waldbewirtschaftung bringt es mit sich, dass große Bereiche des Stadtwaldes den Zielen und Grundsätzen des Naturschutzes und der Landschaftspflege entsprechen.
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Das ist damit nicht gemeint. Naturwälder sind nur dann Naturwälder, wenn sie sich selbst überlassen werden.

Warum ich frage: solche "Veröffentlichungen" von Forstämtern gibt es hier auch, ich nehme an, überall. Nimmst du dann die Wälder in Augenschein oder gehst der Sache auf den Grund, sieht das dann ganz anders aus. Die Entwässerungsgräben gibt es unverändert nach wie vor, der Harvester versiegelt nach wie vor die Böden und der Wald ist übersät mit entasteten, aber kerngesunden Buchenstämmen.

Hier haben die Forstämter ihrer "Pflicht" bezüglich Naturwälder Genüge getan: es gibt eine Kartierung, welche Waldgebiete zum Naturwald werden sollen. Das Ganze ist der blanke Hohn: ein Flickenteppich, teilweise bestehend aus wenigen Quadratmetern, verstreut über das gesamte Waldgebiet. Macht man sich dann noch die Mühe und rechnet nach, kommen ca. 4 % heraus.

Auf den Vorhalt, die Ergebnisse des Volksbegehrens zu unterlaufen, antwortet das Forstamt: Ja, schon, aber es steht nirgendwo, dass die 10 % überall gelten. Woanders kann man dann ja 16 % machen, wenn es hier nur 4 % sind.
Ist das zu fassen? Ganz abgesehen davon bekommt der Normalbürger solche Kartierungen, die immer noch nur auf dem Papier stehen, gar nicht zu Gesicht.

Fazit: solche "Veröffentlichungen" sind nicht das Papier wert, auf dem sie aufgeschrieben wurden. Die Resultate sind ja aus den o.a. Beiträgen abzulesen. Und trotzdem haben Politik und Waldwirtschaft den Schlag noch immer nicht gehört. Dies trifft auch auf alle zu, die davon ausgehen, "das wird schon wieder".
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Die suchen doch Baumarten , die den verhältnissen besser angepasst sind. Ich seh schon Pinienwälder. Fehlt noch der Ballermann , dann könnte man sich auf den Balearen wähnen.
Im Ernst : Das wird wohl der einzige Weg sein.
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fromgg schrieb:

Die suchen doch Baumarten , die den verhältnissen besser angepasst sind.

Hab vor einer Weile mal einen Bericht dazu gelesen, dass das gar nicht so einfach ist, wie es sich anhört, weil das ein wahnsinnig komplexes Thema ist und besser angepasst nicht gleich besser angepasst ist. Ein Baum kann z.B. für trockeneres Klima gut geeignet sein aber dann beispielsweise starken Winden nicht trotzen, die durch den Klimawandel auch häufiger werden. Da spielen einfach diverse Faktoren (Bodenzusammensetzung, Geländerelief, Wasserbedarf, Winde, lokale Fauna, just to name a few) eine Rolle und nicht zuletzt ist es knifflig, weil wachsende Wälder und unterschiedliche Baumarten auch wieder das lokale Mirkoklima beeinflussen.
Dass 1:1 mediterranere Bäume gepflanzt werden, ist jedenfalls wenig wahrscheinlich. Und die Liste an potentiell geeigneten Kandidaten ist bereits ziemlich kurz.
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fromgg schrieb:

Die suchen doch Baumarten , die den verhältnissen besser angepasst sind.

Hab vor einer Weile mal einen Bericht dazu gelesen, dass das gar nicht so einfach ist, wie es sich anhört, weil das ein wahnsinnig komplexes Thema ist und besser angepasst nicht gleich besser angepasst ist. Ein Baum kann z.B. für trockeneres Klima gut geeignet sein aber dann beispielsweise starken Winden nicht trotzen, die durch den Klimawandel auch häufiger werden. Da spielen einfach diverse Faktoren (Bodenzusammensetzung, Geländerelief, Wasserbedarf, Winde, lokale Fauna, just to name a few) eine Rolle und nicht zuletzt ist es knifflig, weil wachsende Wälder und unterschiedliche Baumarten auch wieder das lokale Mirkoklima beeinflussen.
Dass 1:1 mediterranere Bäume gepflanzt werden, ist jedenfalls wenig wahrscheinlich. Und die Liste an potentiell geeigneten Kandidaten ist bereits ziemlich kurz.
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Raggamuffin schrieb:

Dass 1:1 mediterranere Bäume gepflanzt werden, ist jedenfalls wenig wahrscheinlich.

Das ist extrem unwahrscheinlich und wäre auch nicht gut für die hier ansässige Flora und Fauna.
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FrankenAdler schrieb:

Eine totale Abkehr von der Fichtenmonokultur

Die Fichtenmonokulturen waren auch der "epic fail" der Forstwirtschaft der 60er und 70er Jahre. In diesem Ausmaß wie damals Fichten gepflanzt wurden war das auch für die Wald- und Bodenökologie schlecht. Da haben rein wirtschaftliche Komponenten eine Rolle gespielt.

Ich hoffe das man wieder mehr auf Trauben- und Stileichen, Hainbuchen, Kiefern und Linden um schwenkt. Alles Bäume die wesentlich besser mit Trockenheit umgehen können und ein wesentlich schöneres Waldbild abgeben.
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vonNachtmahr1982 schrieb:

FrankenAdler schrieb:

Eine totale Abkehr von der Fichtenmonokultur

Die Fichtenmonokulturen waren auch der "epic fail" der Forstwirtschaft der 60er und 70er Jahre. In diesem Ausmaß wie damals Fichten gepflanzt wurden war das auch für die Wald- und Bodenökologie schlecht. Da haben rein wirtschaftliche Komponenten eine Rolle gespielt.

Ich hoffe das man wieder mehr auf Trauben- und Stileichen, Hainbuchen, Kiefern und Linden um schwenkt. Alles Bäume die wesentlich besser mit Trockenheit umgehen können und ein wesentlich schöneres Waldbild abgeben.

Vergiss nicht, dass die Forstwirtschaft auch Geld machen möchte bzw. muss.

Linden sind nicht ohne Grund keine forstliche Hauptbaumart. Sie sind intensiv zu pflegen, wachsen afaik recht langsam und geben gemessen am Aufwand wenig brauchbares Nutzholz. Zumindest sind die Strategien dahingehend noch nicht ausgereift.
Dito Hainbuche. Als Nutzbaumart kannst du die völlig vergessen. Das Holz steht unter Spannung, ist krummwüchsig, niedrige Wuchshöhe, wenig ertragreich bei hohem Risiko der Verbuschung. Außerdem ist das Holz steinhart. Nicht ohne Grund nennt man die HBu im Volksmund auch Eisenbuche. Man nutzt die HBu eigentlich nur als Begleitbaumart, zB bei Eiche oder Ahorn. Ökonomisch ist da wenig zu holen.

Vorsicht auch mit der Eiche. Meine Waldbauzeiten liegen weit zurück, aber soweit ich erinnere, braucht die Eiche gerade in der Jugend Feuchtigkeit. Außerdem ist sie recht konkurrenzschwach ggü der Buche sowie aus verschiedenen Gründen besonders pflege- und damit kostenintensiv, was ne Stange Geld und vor allem Zeit kostet. Es gibt nur wenig Regionen in Deutschland (zB Spessart oder Region Kaiserslautern), wo mit Eiche viel Geld verdient werden kann - die machen sonst aber auch fast nix anderes.

Kiefer ja, aber deren Holz ist so leicht und meppern, dass a) die Preise niedrig sind und b) es kein Ersatz für Fichte und Tanne darstellt. Außerdem sind Kie-Reinbestände das hässlichste, das es gibt, s. bspw. Uckermark.

Hoffnung machten bei den Laubbaumarten mediterrane Eichenarten (Quercus pubescens, Qu. ilex). Auch die heimische Buche könnte sich als klimastabil herausstellen. Bei den Nadelbäumen die Douglasie als Ersatz für die Fichte, aber hier bekriegen sich seit Jahrzehnten die Förster mit den Naturschützern ohne auch nur einen Jota weiterzukommen.
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Explizit 10% werden nicht erwähnt. Vermutlich sind es mehr.
Zitate:
"Die naturnahe Waldwirtschaft orientiert sich an der Gesamtheit der Pflanzenwelt vor Ort. Hierbei steht das Ziel der Biodiversität ( = Lebensraumvielfalt, Artenvielfalt, genetische Vielfalt ) im Vordergrund."


- Begründung von Laubholzneukulturen auf überdüngten landwirtschaftlichen Flächen im Wasserschutzgebiet (Wasserwerkswald) auf ca. 100 Hektar-  Anlage zahlreicher Biotope

- Waldumbau durch Unterpflanzung der Kiefernreinbestände mit standortgerechten Laubhölzern

- Kalamitäten in Nadelholzbeständen werden konsequent mit autochthonen Laubhölzern wiederaufgeforstet (autochthon sind Waldbäume, die besonders gut an die jeweiligen Standortbedingungen angepasst sind)

Die sensible Art und Weise der Waldbewirtschaftung bringt es mit sich, dass große Bereiche des Stadtwaldes den Zielen und Grundsätzen des Naturschutzes und der Landschaftspflege entsprechen.
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Das klingt mir alles sehr nach FSC-Zertifizierung. Kann das sein?
Übrigens ist auch Hessen-Forst zertifiziert (noch!).
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vonNachtmahr1982 schrieb:

FrankenAdler schrieb:

Eine totale Abkehr von der Fichtenmonokultur

Die Fichtenmonokulturen waren auch der "epic fail" der Forstwirtschaft der 60er und 70er Jahre. In diesem Ausmaß wie damals Fichten gepflanzt wurden war das auch für die Wald- und Bodenökologie schlecht. Da haben rein wirtschaftliche Komponenten eine Rolle gespielt.

Ich hoffe das man wieder mehr auf Trauben- und Stileichen, Hainbuchen, Kiefern und Linden um schwenkt. Alles Bäume die wesentlich besser mit Trockenheit umgehen können und ein wesentlich schöneres Waldbild abgeben.

Vergiss nicht, dass die Forstwirtschaft auch Geld machen möchte bzw. muss.

Linden sind nicht ohne Grund keine forstliche Hauptbaumart. Sie sind intensiv zu pflegen, wachsen afaik recht langsam und geben gemessen am Aufwand wenig brauchbares Nutzholz. Zumindest sind die Strategien dahingehend noch nicht ausgereift.
Dito Hainbuche. Als Nutzbaumart kannst du die völlig vergessen. Das Holz steht unter Spannung, ist krummwüchsig, niedrige Wuchshöhe, wenig ertragreich bei hohem Risiko der Verbuschung. Außerdem ist das Holz steinhart. Nicht ohne Grund nennt man die HBu im Volksmund auch Eisenbuche. Man nutzt die HBu eigentlich nur als Begleitbaumart, zB bei Eiche oder Ahorn. Ökonomisch ist da wenig zu holen.

Vorsicht auch mit der Eiche. Meine Waldbauzeiten liegen weit zurück, aber soweit ich erinnere, braucht die Eiche gerade in der Jugend Feuchtigkeit. Außerdem ist sie recht konkurrenzschwach ggü der Buche sowie aus verschiedenen Gründen besonders pflege- und damit kostenintensiv, was ne Stange Geld und vor allem Zeit kostet. Es gibt nur wenig Regionen in Deutschland (zB Spessart oder Region Kaiserslautern), wo mit Eiche viel Geld verdient werden kann - die machen sonst aber auch fast nix anderes.

Kiefer ja, aber deren Holz ist so leicht und meppern, dass a) die Preise niedrig sind und b) es kein Ersatz für Fichte und Tanne darstellt. Außerdem sind Kie-Reinbestände das hässlichste, das es gibt, s. bspw. Uckermark.

Hoffnung machten bei den Laubbaumarten mediterrane Eichenarten (Quercus pubescens, Qu. ilex). Auch die heimische Buche könnte sich als klimastabil herausstellen. Bei den Nadelbäumen die Douglasie als Ersatz für die Fichte, aber hier bekriegen sich seit Jahrzehnten die Förster mit den Naturschützern ohne auch nur einen Jota weiterzukommen.
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Wow, ich wurde gerade über Bäume aufgeklärt. Ist ja ein Knüller. 😂
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Mein Eindruck ist, dass bei Waldbesitzern und Forstverwaltungen seit Jahren ein Umdenkungsprozess läuft und die  wirtschaftliche Holzerzeugung nicht mehr im Mittelpunkt steht.

Aus einer Veröffentlichung der Forstverwaltung meiner bayrischen Gemeinde.

1. Auf Gifteinsatz jeglicher Art wurde grundsätzlich verzichtet.

2. Schutz und Pflege von naturschutzwürdigen Flächen und Neuanlage von Biotopen.

3. Artenschutz durch Förderung des Totholzanteils ( = Belassung von abgestorbenen Bäumen im Wald), Vogelschutzmaßmahmen für Höhlenbrüter durch Anbringung von Nistkästen; Schutz für Waldameisen und Fledermäuse.

4. Pflege der Waldbestände unter dem Gesichtspunkt der Baumartenvielfalt; Förderung der Laubbaumarten ( Aufbau einer standortgerechten Mischwaldstruktur).

5. Einstellung der Kahlschlagwirtschaft. Fällung von Einzelstämmen zur Förderung von Naturverjüngung ( = Jungpflanzen wachsen von selbst auf).

6. Aufbau von natürlichen Waldrändern u. a. durch Pflanzung von Sträuchern

7. Instandsetzung der Wald- und Wanderwege unter Berücksichtigung des Oberflächenwassers ( Wasser bleibt im Wald ).

8. Sicherung und Verbesserungsmaßnahmen für die vielfältigen Erholungsfunktionen der städtischen Wälder und Lenkung des Erholungsverkehrs, um Ruhezonen für den Wald zu schaffen (sanfte Naherholung, aber nicht auf Kosten der natürlichen Grundlagen!).

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60revax schrieb:

Mein Eindruck ist, dass bei Waldbesitzern und Forstverwaltungen seit Jahren ein Umdenkungsprozess läuft und die  wirtschaftliche Holzerzeugung nicht mehr im Mittelpunkt steht.

Aus einer Veröffentlichung der Forstverwaltung meiner bayrischen Gemeinde.

1. Auf Gifteinsatz jeglicher Art wurde grundsätzlich verzichtet.

2. Schutz und Pflege von naturschutzwürdigen Flächen und Neuanlage von Biotopen.

3. Artenschutz durch Förderung des Totholzanteils ( = Belassung von abgestorbenen Bäumen im Wald), Vogelschutzmaßmahmen für Höhlenbrüter durch Anbringung von Nistkästen; Schutz für Waldameisen und Fledermäuse.

4. Pflege der Waldbestände unter dem Gesichtspunkt der Baumartenvielfalt; Förderung der Laubbaumarten ( Aufbau einer standortgerechten Mischwaldstruktur).

5. Einstellung der Kahlschlagwirtschaft. Fällung von Einzelstämmen zur Förderung von Naturverjüngung ( = Jungpflanzen wachsen von selbst auf).

6. Aufbau von natürlichen Waldrändern u. a. durch Pflanzung von Sträuchern

7. Instandsetzung der Wald- und Wanderwege unter Berücksichtigung des Oberflächenwassers ( Wasser bleibt im Wald ).

8. Sicherung und Verbesserungsmaßnahmen für die vielfältigen Erholungsfunktionen der städtischen Wälder und Lenkung des Erholungsverkehrs, um Ruhezonen für den Wald zu schaffen (sanfte Naherholung, aber nicht auf Kosten der natürlichen Grundlagen!).

Kannst Du denn bestätigen, ob es sich dabei um einen FSC-Betrieb handelt? Das würde mich in der Tat interessieren.

Hier gibt es eine Liste, wo Du nachschauen kannst, ob Deine Kommune dabei ist:

https://www.fsc-deutschland.de/de-de/wald/waldzertifizierung-/zahlen-und-fakten
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60revax schrieb:

Mein Eindruck ist, dass bei Waldbesitzern und Forstverwaltungen seit Jahren ein Umdenkungsprozess läuft und die  wirtschaftliche Holzerzeugung nicht mehr im Mittelpunkt steht.

Aus einer Veröffentlichung der Forstverwaltung meiner bayrischen Gemeinde.

1. Auf Gifteinsatz jeglicher Art wurde grundsätzlich verzichtet.

2. Schutz und Pflege von naturschutzwürdigen Flächen und Neuanlage von Biotopen.

3. Artenschutz durch Förderung des Totholzanteils ( = Belassung von abgestorbenen Bäumen im Wald), Vogelschutzmaßmahmen für Höhlenbrüter durch Anbringung von Nistkästen; Schutz für Waldameisen und Fledermäuse.

4. Pflege der Waldbestände unter dem Gesichtspunkt der Baumartenvielfalt; Förderung der Laubbaumarten ( Aufbau einer standortgerechten Mischwaldstruktur).

5. Einstellung der Kahlschlagwirtschaft. Fällung von Einzelstämmen zur Förderung von Naturverjüngung ( = Jungpflanzen wachsen von selbst auf).

6. Aufbau von natürlichen Waldrändern u. a. durch Pflanzung von Sträuchern

7. Instandsetzung der Wald- und Wanderwege unter Berücksichtigung des Oberflächenwassers ( Wasser bleibt im Wald ).

8. Sicherung und Verbesserungsmaßnahmen für die vielfältigen Erholungsfunktionen der städtischen Wälder und Lenkung des Erholungsverkehrs, um Ruhezonen für den Wald zu schaffen (sanfte Naherholung, aber nicht auf Kosten der natürlichen Grundlagen!).

Kannst Du denn bestätigen, ob es sich dabei um einen FSC-Betrieb handelt? Das würde mich in der Tat interessieren.

Hier gibt es eine Liste, wo Du nachschauen kannst, ob Deine Kommune dabei ist:

https://www.fsc-deutschland.de/de-de/wald/waldzertifizierung-/zahlen-und-fakten
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Nein, eine FSC-Zertifizierung gibt es lt. Liste keine. Scheint auch noch nicht in allen Bundesländern gleich verbreitet zu sein, wie man der Karte entnehmen kann. So ist in Bayern nur 1% der Gesamtwaldfläche zertifiziert.

Die Stadt Aschaffenburg ist aber insgesamt recht aktiv und ist 2020 mit dem 1. Platz des Nachhaltigkeitspreises für mittelgroße Städte in Deutschland ausgezeichnet worden. Da geht's aber nicht nur, aber auch um den Wald.
https://www.nachhaltigkeitspreis.de/kommunen/preistraeger-staedte-und-gemeinden/2019/staedte-mittlerer-groesse/aschaffenburg/


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