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owladler

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Mein Trainer sagte immer vor dem Spiel: " Und denkt dran Leute, wir sind alle eine Gemeinheit."
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zitrone schrieb:
hi wollte mal fragen obs hier auch den ein oder anderen aus paderborn gibt


Aufwachen! Lies mal deine PN.Gruß
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Der vorübergehende Ausfall des Flutlichts steht aber immerhin im Spielbericht im Archiv.Gruß
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Ich möchte noch einmal einen Gegenstand aus dem Museum vorstellen, dieses Mal nicht so einen Augenschmaus wie den großen "La Coruña Pokal", sondern ein kleines unscheinbares Ding, dass vielleicht wenig Beachtung findet:
Es gibt da im Bereich der NS-Zeit die Vitrine, in der als auffälligstes Objekt die hölzerne Handgranatenkeule ausgestellt ist.
Dieses "Sportgerät" wurde zu solch herausragenden Darbietungen wie "Handgranatenweitwurf" benutzt, zum Beispiel anlässlich eines "SA-Sportfestes" in den braunen Zeiten der dreißiger Jahre.
Es waren diese zwölf Jahre, in denen das undeutsche Worte "Stadion" durch die Bezeichnung "Sportfeld" ersetzt wurde und in der im Stadion ( oh, Verzeihung ! ) der für Aufführungen gedachte Vorbau der Haupttribüne zugunsten einer Zuschauertribüne überbaut wurde.
Meine Aufmerksamkeit richtet sich aber nicht auf diesen obskuren Gegenstand, sondern auf das kleine Büchlein, dass in dieser Vitrine rechts unten daneben, leicht zerfleddert, aber ansonsten ganz gelassen an der Rückwand lehnt:
" Der lachende Fussball " von Richard Kirn.
Es erschien einst 1943, also in ganz schwerer Zeit und beherbergt eine Anekdotensammlung rund um die Anfänge des Fußballsports, schlicht bezeichnet als " wahre und fröhliche Fussballgeschichten "; hier von besonderer Bedeutung, weil auch eine Anzahl Frankfurter Begebenheiten versammelt sind.
Es tauchen dort also Personen auf, wie z. B. "Hennes" Stubb, Karl Ehmer, Franz Schütz, Hugo Mantel und und und… .
Eine Anzahl Frankfurter Vereine wird genannt, neben der Eintracht natürlich der Fußballsportverein, aber auch der alte F.F.V., Rot-Weiß, Union Niederrad, sogar die Britannia und der von Georg Leux in Berlin gegründete Fussballclub "Frankfurt".
Von dem Verfasser -Richard Kirn - sind mir leider nur Eckdaten bekannt. Er stammte aus Worms (* 1905 ), begann als junger Mann für eine Lokalzeitung zu schreiben, wechselte dann 1934 nach Frankfurt und arbeitete wohl bei der Rundschau und der Frankfurter Neuen Presse, auch für den Kicker. Aus den Kriegsjahren ist außer dem o.a. Buch insbesondere seine Mitarbeit am Drehbuch für den Fußballfilm "Das große Spiel " bekannt, einem Bavaria-Film mit Starbesetzung ( Deltgen, Knuth, Schönböck, etc.), der es dem Reichstrainer ( und später kurzzeitigem Eintrachttrainer ) Sepp Herberger ermöglichte, eine Anzahl von Nationalspielern, die als Statisten für den Film benötigt wurden, für längere Phasen aus dem Kriegsgeschehen herauszuhalten.
Richard Kirn kehrte nach dem Krieg in seine Heimatstadt zurück, blieb weiter journalistisch und schriftstellerisch tätig und verfasste zum Beispiel den Rückblick auf die Frankfurter Nachkriegszeit " Frankfurt und die drei wilden Jahre " und " Die lächelnde Olympiade. Bericht von den Spielen in Tokio 1964."
In den siebziger Jahren ist er dann verstorben; in Worms-Hochheim hat man eine Straße in Erinnerung an ihn benannt.
Faszinierend ist oft die Sprache von Richard Kirn, voller Tempo und voller assoziativer Bilder, sehr passend zur Schilderung schneller Sportarten.
Als Beispiel möchte ich hier einmal eine Stelle aus einer anderen Veröffentlichung, dem 1949 erschienenen Sportroman "Der Mann ohne Gnade. Roman um Fussball, Macht und Liebe" bringen. Da heißt es bei der Schilderung von Spielszenen:
"…Hallo, was ist das, Garcia hat das Leder seinem Linksaußen Rossi hinausgeschlagen, der kleine Kerl läuft los, als wäre ein Jaguar hinter ihm her oder ein Indianer hätte ihm einen Giftpfeil in den Rücken geblasen. Da rennt er die Linie herauf, ich bedauere Sie, meine Hörer, und Sie, meine reizenden Damen, dass Sie nicht dabei sein können, um zu bewundern, wie federleicht er dahinläuft, nein, was sage ich: dahinschwebt, aber - ja, was ist denn los, ist dieser neue Mann mit der Mütze auf dem Kopf, ist denn dieser Aguirre ein zweiter Jesse Owens, er läuft, er läuft, es sieht gar nicht so schnell aus, aber seine hageren Spinnenbeine fressen den Raum, er hat Rossi eingeholt, es entwickelt sich ein Zweikampf, wild will der Kleine den Ball weiterbringen, aber er verheddert sich jetzt doch - ja, Teufel, Aguirre ist Sieger geblieben, er zieht fort mit dem Leder und schickt es zu Pedro, dem Mittelläufer."
Das verdeutlicht wohl, was ich meine.
Sicher sind diese kurzen Notizen viel zu dürftig, um angemessen an den Autor zu erinnern, dass muss auch von kompetenterer Seite geschehen, mir geht es jetzt auch bloss um diesen kleinen Anekdotenband der so unscheinbar daherkommt, dass man nicht im Entferntesten ahnt, dass er auch Sprengstoff birgt.
Fussballgeschichtlichen Sprengstoff nämlich ( jawohl "Matze" Thoma, glaub es nur; nimm das Buch heraus aus der Vitrine, wenn das Museum geschlossen ist und lese nach. Auf Seite 41 steht die unglaubliche Geschichte ).
Es ist nämlich so, dass das erste Länderspiel des Deutschen Fußballbundes, das 3:5 am 05.04.1908 in Basel gegen die Schweiz, das Spiel, bei dem bekanntermaßen der Frankfurter Becker ( damals noch Frankfurter Kickers, später F.F.V., dann Eintracht ) das erste deutsche Länderspieltor geschossen hat ( in der 6.Spielminute und bald darauf in der zweiten Halbzeit noch ein Weiteres ), gar nicht 3:5 ausgegangen ist, obwohl es so in allen Statistiken steht.
Richard Kirn schreibt dazu:
" ……Ja also, das Spiel! Es war der erste Länderkampf des damaligen DFB. Wir verloren ihn in Basel; die Schweizer siegten 5:3. Zwei Tore hat Becker gemacht; ein drittes der Förderer vom großen Karlsruher Fußballverein.
So steht es in allen Chroniken, diesseits und jenseits der Alpen, in den Annalen der FIFA, in den Almanachen der Fußballnationen.
Aber Becker sagt: Nein. Es stimmt nicht. Wir haben 2:5 verloren. Das Tor von Förderer war kein Tor; es war ein Lattenschuß.
Man muß wissen, daß es damals noch kaum eine Berichterstattung gab und schon gar keine Zeitung, die einen Mann um eines Fußballspiels willen nach der Schweiz geschickt hätte. Zur Internationalen Ausstellung von Rassekarnickeln und Zuchthähnen, ja! Zum Treffen der besten Skatspieler Europens: mit Wonne!
Zu einem Wettkampf zwischen dem schnellsten Rennpferd und dem hurtigsten Radfahrer: nichts wie hin, und wenn´s einen Tausender kostete!
Aber Fußball? Nee, Fußball war eine odiose Angelegenheit. Und deshalb hat Beckers Begründung einen winzigen Hauch von Wahrscheinlichkeit: in dem Artikel eines Berichterstatters habe sich das 5:3 eingeschlichen und seit dieser Zeit werde es geglaubt. ( An der persönlichen Überzeugtheit und der Klarheit des Ehrenmannes Becker gibt es überhaupt keinen Zweifel )…… ".
Soweit Richard Kirn. Unstimmig ist nur, dass er Becker immer mit dem Vornamen "Willy" nennt, obwohl er doch "Fritz" geheißen hat. Aber sonst stimmt alles.
Die Karriere von Fritz Förderer könnte übrigens den Abzug eines geschossenen Tores verkraften: der Dribbelkönig machte insgesamt 11 Länderspiele mit ( offiziell ) 10 Treffern und es wären noch mehr Spiele geworden, wenn er nicht des öfteren "…durch die Meisterschaftsbeanspruchungen seines KFV für die Nationalmannschaft verhindert…" gewesen wäre; die Länderspielkarriere von Fritz Becker war dagegen unbegreiflicherweise nach dem ersten Auftritt schon wieder beendet.
Das kleine Museumsbuch hat dann übrigens etwas später noch einen kleinen Bruder bekommen: Richard Kirn "Der gestohlene Torwart".
In diesem Folgeband wird übrigens ein Fehler aufgeklärt, den man auf dem Titelbild des Vorgängers unschwer erkennen kann. Schaut nach und sucht selbst.
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Verflixt: Thomas Paris ist natürlich Thomas Parits. Und ein schönes Bild von dem Pokal zeigt der Beitrag Nr.96.Gruß
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Vielleicht kann es nützlich sein, hier einige Objekte des Museums näher darzustellen; einerseits können Hintergrundinformationen nie schaden, andererseits wecken möglicherweise diese Informationen die Lust auf mehr…
Einige Objekte sind ja auch bereits im Vorfeld der Museumseröffnung im Stadionheft vorgestellt worden; ich kann aber nicht abschätzen, wen dies alles erreicht hat.
Daher versuche ich mich einmal an dem " La Coruña - Pokal ", dem sehr auffälligen Ausstellungsobjekt in der Hauptvitrine mit Meisterschale, DFB-Pokal und UEFA-Cup.
Ein riesenhafter Pokal mit einer absoluten Höhe von 1,50 m, der nicht etwa für den Sieg in einem großen Turnier, sondern für ein kleines 1:0 im Freundschaftstreffen gegen Deportivo de la Coruña am Abend des 27.08.1972 steht.
Unter Trainer Erich Ribbeck bestritten diese Partie in Nordwestspanien die Spieler Peter Kunter - Peter Reichel - Lothar Schämer - Uwe Kliemann - Thomas Rohrbach - Wolfgang Kraus - Horst Heese - Roland Weidle - Jürgen Grabowski - Thomas Paris - Ender Konca ( vgl. www.eintracht-archiv.de ).
Mit Grabowski konnte die Eintracht dabei einen frischgebackenen Europameister präsentieren; zwar hatte "Grabi" nicht in der Finalelf gestanden, aber er hatte einen
Einsatz im Halbfinale gegen Belgien beim 2:1 - Sieg in Antwerpen gehabt und war - vielleicht noch relevanter - Mitglied der Elf gewesen, die im April mit einem überragendem 3:1 - Sieg  beim Viertelfinalhinspiel in London überhaupt erst den Weg zur Endrunde nach Belgien geebnet hatte.
Nicht dabei waren unter anderem Bernd Nickel und Jürgen Kalb, die beide in der deutschen Olympiaauswahl standen und am gleichen Tag im Münchner Olympiastadion das erste Gruppenspiel gegen Malaysia absolvierten - in einer Mannschaft, in der im übrigen auch der spätere Eintrachttorwart Günter Wienhold und die Herren Hoeneß und Hitzfeld als "Olympiaamateure" aufgeboten waren, um eine Chance gegen die "Staatsamateure" aus dem Ostblock zu haben.
In diesem August 1972 steckte die Eintracht schon mitten in der Saisonvorbereitung, mehrere Freundschafts- und Ligapokalspiele waren bereits absolviert und auch in Spanien war die Eintracht schon gewesen:
Am 14./15. August hatte die Eintracht um die "IV. Trofeo International de Futbol" in Palma de Mallorca gespielt, dabei auch Españyol Barcelona besiegt, war dann im Endspiel aber mit 0:1 der Olympiaauswahl Ungarns ( = Nationalmannschaft, späterer Silbermedaillengewinner ) unterlegen geblieben.
Internationale Auseinandersetzungen passten ganz gut in das Vorbereitungsprogramm, denn die Eintracht bereitete sich außer auf den Bundesligastart auch auf die Auseinandersetzung im UEFA - Cup gegen Liverpool vor; außerdem galt es, die neuformierte Abwehr einzuspielen, dort stand jetzt ein Neuzugang von Rot-Weiß Oberhausen im Zentrum: Uwe Kliemann, Abwehrspieler im xxl-Format.
Zum Programm der Begegnung gehörte nach der Schilderung in "Würstchen, Bomben, Fußballzauber" von Jörg Heinisch ( S. 118 ) auch eine Besichtigung der Wohnanlage des spanischen Diktators Franco, einem Komplex mit Villa und Strand und ein Frühschoppen mit Fisch + Wein ( und Bier für kulinarische Barbaren); spitze Bemerkungen von Seiten der Spanier soll es gegeben haben, wegen der seinerzeit typischen Langhaarfrisuren einiger Eintrachtspieler. Diese westliche Mode hatte sich im konservativen und auch isolierten Spanien noch nicht durchgesetzt.
Dafür setzte sich die Eintracht im Abendspiel durch: Nach der Spielschilderung gab es eine Abwehrschlacht um Kunter und Kliemann vor 20.000 Zuschauern inklusive einer gelungenen Frankfurter Offensivaktion, bei der Grabowski die galizische Abwehrreihe durchbrach und von rechts so genau auf den mitgelaufenen Ender Konca flankte, dass dieser keine Mühe hatte, den Ball zum spielentscheidenden Treffer einzunicken.
Zur Belohnung gab es die "Trofeo Conde de Fenosa" ( Jörg Heinisch nennt den Namen auf S. 18 in seinem Buch "Eintracht intim" ) und in dem Bildband "Im Herzen von Europa…" von Gotta/Hermann findet sich auf Seite 133 das schöne Photo, auf dem dieser ca. 40 kg schwere Pokal aus dem inzwischen dunklen Stadion in das helle Licht der Sportphotographen getragen wird.
"Geschleppt" wäre vielleicht der bessere Ausdruck, denn auf der einen Seite steht der riesige Uwe Kliemann, der genau der Richtige für diese Traglast ist, auf der anderen Seite aber heißt der Transportpartner ausgerechnet Thomas Rohrbach. Dem Leichtgewicht geht der Pokal bis zum Kinn und er muss sichtbar auch nach dem Abpfiff noch alles geben, um den Siegespreis wohlbehalten in die Kabine zu bringen.
Wie der Matthias Thoma erzählt hat, hat der Pokal mindestens noch ein weiteres Mal für große Freude gesorgt, nämlich als er ihn den Ausstellungsmachern von "Helden, Heilige, Himmelsstürmer -Fußball und Religionen-" präsentierte.
Denn Aufgabe der Ausstellung im Ikonenmuseum der Stadt Frankfurt vom 14.Mai 2006 - 20.August 2006 beim kulturellen Rahmenprogramm zur WM 2006 war es, Kultobjekte des Fußballs den Kultobjekten der Religion gegenüberzustellen und dabei auch Verbindungspunkte aufzuzeigen. Die "Trofeo Conde de Fenosa" erscheint genau dafür geschaffen zu sein; im Ausstellungskatalog kann auf den S. 114/115 einiges dazu nachgelesen werden.
Wer nun also im Museum vor diesen Pokal tritt, kann vielleicht nachempfinden, dass er kirchlichen Monstranzen aus dem Spanien des 15. Jhd. für vergleichbar gehalten wird. Erkennbar ist, dass der Pokal im Kern eigentlich eine Fackel darstellt; diese Fackel steht auf einer Basis mit der Aufschrift " La Coruña MCMLXXII R. Barros Proyecto Malde Orfebre Realizo", wohl eine Herstellerinschrift mit Orts- und Zeitangabe (1972).
Der untere Teil des Fackelschafts durchstößt einen Fußball, im Grunde das einzige Erkennungsmerkmal dafür, dass es sich um einen Fußballpokal handelt. Der mittlere Teil des Fackelschafts durchstößt einen Stern; außen auf den Sternzacken stehen vier gleichartige Engel mit wallenden Gewändern - Siegesengel, vielleicht der römischen Siegesgöttin Nike nachempfunden.
Mit ihren Gewändern und Flügeln stützen die Engel gleichzeitig eine Krone, durch die der obere Teil des Fackelschafts geführt wird. Diese Krone gleicht denen, die sich gleichermaßen im Stadtwappen, wie auch im Vereinswappen von Deportivo de la Coruña finden lassen.
Die Fackel mündet in eine Flamme, diese wiederum wird bekrönt von einem Turm, dem "Torre de Hercules" dem Leuchtturm der Stadt, zentralem Bestandteil auch des Stadtwappens von A Coruña, wie die Stadt eigentlich richtig genannt werden will.
Herkules soll dort der Sage nach auf dem Felsen mit dem Riesen Geryon drei Tage und drei Nächte gekämpft haben, also etwa so, wie Thommy Rohrbach mit dem Pokal nach dem Spiel.
Wichtiger Bestandteil des Pokals sind schließlich noch die acht Stangen, die aus der runden Basis bis etwa in Kniehöhe der Engel reichen, Ball und Stern quasi hinter Gitter bringen und an denen je Stangenpaar die Stadtwappen der galizischen Provinzhauptstädte A Coruña, Lugo, Ourense und Pontevedra angebracht sind.
Auf dem Wappen von A Coruña sieht man um den Herkulesturm herum 7 Jakobsmuscheln als Hinweis auf den Jakobsweg nach Santiago de Compostela angeordnet, das Stadtwappen von Pontevedra zeigt eine Brücke ( lat. pontis veteris = alte Brücke ), das Stadtwappen von Ourense ebenfalls eine Brücke, diesmal aber mit einem schwertschwingenden Löwen und Lugo wird von einem Turm mit zwei Löwen repräsentiert.
Der Pokal bietet also vielerlei - lokale und religiöse Bezüge, Symbolisches und Stilisiertes, eines aber bietet er nicht: Man kann nicht daraus trinken.
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Vielen Dank für die Resonanz. Wenn die Geschichte euch gefallen hat, hat sie ihren Sinn erfüllt - dafür war sie gedacht. Spezieller Dank an Kid, der den Thread noch einmal in den Blickpunkt gerückt hat.Jetzt gehe ich zum Briefkasten und werfe meine Genesungswünsche für unseren Ehrenspielführer ein.Frohe Weihnachten und ein Fest in Eintracht für alle.Gruß
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Jetzt ist die erste Halbserie gespielt und die ersten Aufgeregtheiten liegen hinter uns. Wie bewertet man den bisherigen Verlauf, wo geht es hin in der Rückrunde? Einbeziehen muss man zwangsläufig in solche Überlegungen auch den Beginn des Weges, also den Ausgangspunkt und wenn man schon einmal zurückblickt, geht der Blick auch noch weiter in die Vergangenheit …
Geschichtsinteressiert kann man dann letztendlich auch fragen: Wo kommt sie denn überhaupt her, die Eintracht?
Ich empfehle hierzu dringend einen Gang in das neue Museum im Stadion; dort kann man viel davon erfahren, wenn man sich etwas Zeit nimmt und versucht, hinter die Geschichten der Ausstellungsobjekte zu kommen.
Es stellt sich dann aber auch vielleicht die Frage, wo die Eintracht eigentlich ist, also wo sie greifbar und spürbar ist und nicht nur zu besichtigen durch das Lösen einer Eintrittskarte und durch das Bewundern von Fußballtricks, Mannschaftsgeist und Zuschauerbegeisterung.
Diese Frage muss sich wohl jeder selbst beantworten, weil jeder andere Zugänge zu dem Thema "Eintracht" hat und weil auch jeder andere Erfahrungen und Empfindungen mit der Eintracht hat.
Ein Teil meiner Antwort steckt in der Geschichte, die mir schon längere Zeit im Kopf herumgegangen ist und die ich jetzt aus privatem Anlass aufgeschrieben habe.
Für diejenigen, die Lust haben, sich darauf einzulassen:



                                       Wo ist die Eintracht ?      

„ Richtig ! Blau ist die Lösung ! “, rief der Moderator mit gehobener Stimme im Gesundheitsquiz des hessischen Fernsehens, „ Sie haben sich richtig entschieden. Blau ist die Farbe der Entspannung. In der chinesischen Naturheilkunde werden Farben nachgewiesenermaßen schon seit mehr als 2.000 Jahren zu therapeutischen Zwecken eingesetzt. Probieren Sie es aus ! Es soll schon genügen, wenn man die Augen schließt und sich die Farbe Blau einfach nur vorstellt. Machen Sie selbst den Versuch, es lohnt sich ! “.
Aha, jetzt wusste ich endlich auch, warum ich schon manchmal Künstler gesehen hatte, die Brillen mit blauen Gläsern trugen; das war offensichtlich nicht bloß ein Modegag, sondern es steckte mehr dahinter.
Einige Zeit später habe ich dann auch einmal den Versuch gemacht; es ist ja nicht schwer, sich in einer ruhigen Minute zu Hause kurz auf das Sofa zu legen, die Augen zu schließen und sich dann vorzustellen, die gesamte Umgebung sei blau eingefärbt.
Für besonders entspannungsbedürftig halte ich mich zwar nicht, aber es kann ja nicht schaden, wenn man schon für kommende schlechte Zeiten ein kleines, erprobtes Gegenmittel zur Verfügung hat.
Einige Minuten später musste ich aber leider feststellen, dass sich die erhoffte Wirkung nicht einstellen wollte.
Vielmehr passierte folgendes:
Immer dann, wenn es mir gelang, bei geschlossenen Augen die im Hintergrund erscheinende Fläche gedanklich ganz allmählich blau einzufärben, schob sich gleich von rechts oben eine kleine weiße Ecke störend ins Bild und das entstehende blau-weiße Gesamtbild verursachte ein ganz unangenehmes Kältegefühl im Nacken – von Entspannung keine Rede, eher Verkrampfung und Abneigung.
Konzentrierte ich mich dagegen ganz stark darauf , diese kleine weiße Ecke fernzuhalten, - und das gelang dann auch tatsächlich - hatte ich aber keinerlei zusätzlichen Energien mehr, um zu verhindern, dass sich die blaue Fläche von unten her wie durch Geisterhand in der gesamten Breite schwarz eingefärbte und auch dieses blau-schwarze Gesamtbild wirkte leider sehr unangenehm.
Wahrscheinlich, weil es mich irgendwie an Bielefeld erinnerte, woran mich blau-weiß erinnert, will ich hier gar nicht aussprechen.
Der Entspannungsversuch missglückte also gründlich.
Nun ist es aber trotzdem nicht so, dass ich annehme, der Fernsehmoderator hätte in seiner Sendung einfach nur irgendeinen Unsinn erzählt, um seinen Programmplatz zu füllen.
Farben haben schon – natürlich auch für mich - unzweifelhaft enorm wirkende Effekte, und auch Ergebnisse im Entspannungsbereich kann man damit ganz bestimmt erzielen; ich habe das auch schon selbst erlebt, nur eben mit anderen Farben. Vielleicht hat der Quizmoderator aus Vereinfachungsgründen in seiner Sendung auch bloß nicht erwähnt, dass in der chinesischen Naturheilkunde auch gelehrt wird, es gebe individuelle Komponenten, die eventuell genetisch oder sozialisationsbedingt ganz andere Wirkungsweisen und Wirkungszusammenhänge verursachen.
Also bei mir ist es nämlich ganz klar die Farbkombination schwarz – rot, wobei die Farbschichten allerdings eher bei nebeneinander, als bei übereinander angeordnet sein müssen. Beide Farben haben ein unterschwelliges Zusammenwirken von Lebendigkeit, Kraft und tiefer Ruhe, das mir im Gesamtbild sehr harmonisch erscheint.
Wenn die beiden Farben nebeneinander stehen, ist auch keine zu dominant, um den Eindruck zu stark zu prägen.
Bei einer bestimmten Situation im Sommer konnte ich das sehr deutlich zu spüren:
Wie alle anderen guten Kinder spielt mein Sohn natürlich ab und an im Garten mit ein paar Kumpels Fußball; das ist auch richtig so, denn Bewegung an frischer Luft ist gesund und Bewegungsarmut ist heutzutage gerade bei Kindern ein großes Problem.
Also freue ich mich, wenn er den Ball herausholt und loslegt.
Regelmäßig ereignet sich dann auf unserer Rasenfläche eines dieser unerklärlichen Vermehrungswunder; aus drei Kindern werden plötzlich fünf, dann sieben, dann raschelt es noch einmal im Gebüsch und schon stehen zwei Teams zu je fünf Mann auf dem Platz.
Ich habe also eine solche Gelegenheit vor einigen Wochen einmal beim Schopf gepackt und sämtliche Eintrachttrikots und –T-Shirts, die ich im Laufe der Zeit für meine beiden Kinder angeschafft hatte, herbeigeholt und leihweise an die kleinen Kicker verteilt.
Ein Bild für die Götter - jedenfalls für die Sportgötter, Fachsparte Fußball !
Zehn Jungs in verschiedenen Eintrachttrikots, alle mit hohen schwarz – roten Farbanteilen, hochaktiv einem Ball nachjagend, schießend, grätschend, köpfend, jubelnd, - alles war dabei.
Was soll ich lange darum herum erzählen: Es dauerte keine Minute und sofort setzte  eine deutliche Tiefenentspannung ein ! Alle Last fiel von mir ab ( in diesem Fall war es ganz konkret die aktuelle Gartenarbeit ), es galt einfach nur, sich hinzusetzen und die sich bietenden Bilder zu genießen. Und davon gab es zahlreiche.
Ich kann die Wiederholung dieser speziellen Versuchsanordnung jedem nur dringend empfehlen.
Der erreichte Zustand war insgesamt angenehm und hielt auch längere Zeit an - jedenfalls so lange, bis meine Frau mich aus der Tiefe des Raums heraus beherzt ansprach und vorschlug, etwas zur Rettung verschiedener, gerade aktuell aussterbender Blumenarten zu unternehmen. Nach ihren Vorstellungen sollte ich zunächst der Büffelherde auf dem Rasen etwas Einhalt gebieten und dann die trampelnde Horde auf die Naturschutzzonen hinweisen; anschließend war es meine Aufgabe, wieder aktiv in das Gartengeschehen einzugreifen, wobei sie mir auch freundlicherweise diverse Utensilien, wie zum Beispiel Spaten, Rechen, etc., zur Verfügung stellte.
So verging der schöne Augenblick schneller als gedacht, aber die schwarz – rote Entspannungswirkung war doch ganz klar zutage getreten.
Ist doch klar, dachte ich im Nachhinein, ich bin ja Eintrachtfan, da muß diese Farbkombination ja eine Wirkung haben. Oder ist es etwa umgekehrt ? Habe ich grundsätzlich eine Affinität zu diesen Farben und bin genau deswegen geradezu zwangsläufig Eintrachtfan geworden ? Wer weiß.
Es kommt sicher öfter vor, dass man Ursache und Wirkung in der Nachbetrachtung nicht mehr genau genug voneinander trennen kann.
Die angesprochene wohltuende Wirkung bemerke ich jedenfalls insbesondere regelmäßig dann, wenn ich nach langer Anfahrt endlich das Waldstadion erreicht habe oder wenn bei Auswärtsspielen – quasi im farblichen Feindgebiet – die Mannschaft zum Warmlaufen auf das Feld kommt und selbst wenn sie dann dort ab und zu einmal andersfarbige Trikots trägt, habe ich gar keine Schwierigkeiten, die Augen zu schließen und mir schwarz – rot vorzustellen. Bei mir spielt die Eintracht eigentlich gedanklich sowieso immer in schwarz – rot.
Das ist schon so, seit ich sie das erste Mal gesehen habe.
Das Betreten des Platzes durch die Mannschaft ist bei mir ohnehin immer erst ein Moment des Innehaltens, bei dem gleichzeitig eine tiefe Zufriedenheit aufkommt. Auch schon bei dem Warmlaufen, lange vor dem Spiel; die Begegnung des Tages selbst, tritt in solchen Momenten zunächst erst einmal weit in den Hintergrund.
Richtig wach, aufmerksam und leider auch nervös werde ich dann wieder erst wieder zum Anpfiff, wenn der Ball rollt.
Es scheint da also etwas tief verankert zu sein, etwas was auch unterhalb der Bewusstseinsebenen eine Wirkung entfaltet.
Vielleicht kann man daran auch feststellen, dass der Grad der Identifikation sehr hoch ist.
Wie übrigens nicht nur der Grad der eigenen Identifikation als hoch bezeichnet werden kann. Erstaunlich ist nämlich auch, wie oft man als Person von Anderen mit dem Thema „ Eintracht “ besetzt wird, obwohl man doch auch in zahlreichen anderen Rollen auftritt.
Ich bin doch z. B. auch Ehemann, Vater, Sohn, Enkel, Vorgesetzter, Kollege, Trainer, Verhandlungsgegner, Kunde, Patient, Antragsteller, etc... .
Wahrscheinlich ist aber bietet die Facette "Eintrachtfan" für viele Gesprächspartner eine sehr einfache Einstiegshilfe und wird deshalb entsprechend oft benutzt; bei männlichen Gesprächspartnern übrigens auch deutlich häufiger.
Wie verblüffend weit dies gehen kann, habe ich vor Jahren selbst in einer tiefgehend emotionalen Familiensituation erlebt:
Es war die Zeit Mitte der 90er Jahre, in der mein Großvater in hohem Alter ganz allmählich zwar zunächst nicht körperlich abbaute, dafür aber geistig immer mehr in sich selbst verschwand, erst manchmal kurzzeitig die Präsenz verlor, dann aber in immer längeren Phasen nicht mehr am äußeren Leben teilnahm und schließlich nur noch in ganz wenigen lichten Augenblicken von Außenstehenden erreicht werden konnte.
Er antwortete dann gar nicht mehr auf Fragen, schaute oft lange Stunden aus dem Fenster oder einfach nur im Zimmer umher, manchmal las er etwas oder saß einfach nur da, machte dabei aber insgesamt keinen unglücklichen Eindruck, sondern wirkte eben nur abwesend.
Er war früher – nur um den Zusammenhang darzustellen – neben Anderem auch sehr am Fußball interessiert gewesen, aber auf ganz andere Art als ich, er spielte nämlich immer die Fußball - Elferwette und 6 aus 45, hantierte immer mit Tippzetteln und Totoscheinen und wog die Kräfteverhältnisse der Mannschaften anhand der früheren Spielergebnisse ab, ging dabei nie ins Stadion, sondern studierte nur die Tabellenstände und sah sich die Sportschau an. Weil er in Berlin gelebt hatte und mit der Hertha sympathisierte, gab es zwischen uns die fußballüblichen Frotzeleien, natürlich immer auf freundlich-friedlichem Niveau zwischen Großvater und respektvollem Enkel.
Als ich Jahre später als Erwachsener beruflich und familiär in eine andere Region Deutschlands verschlagen wurde, wurden die Kontakte selten und beschränkten sich auf einige Telefonate und ein bis zwei Besuche im Jahr.
Einen Höhepunkt stellte in dieser Zeit der Nachmittag dar, an dem ich in seine Geburtstagsfeier hinein anrufen und ihm die Geburt seiner Urenkelin am gleichen Tage melden konnte; natürlich flossen da reichlich Tränen der Rührung.
Besorgniserregend waren dann aber die Anrufe, die mich im Herbst 1996 erreichten.
Sein Gesundheitszustand verschlechterte sich, jetzt auch körperlich, erst langsam, dann rapide. Es wurde höchste Zeit für mich, ihn noch einmal aufzusuchen.
Mir gelang es dann auch, ihn an drei aufeinanderfolgenden Tagen, jeweils für etwa eine Stunde zu besuchen. Es gab dabei nicht viel zu tun, er nahm offenbar nicht mehr viel wahr und zeigte keine Reaktionen auf meine Anwesenheit, wie übrigens  auch sonst nicht auf die Anwesenheiten anderer Familienmitglieder. Er sprach auch nicht.
Meine Eltern sagten, im Prinzip habe er schon seit Monaten nicht mehr gesprochen, alle paar Wochen bloß einen Satz in einem wachen Moment.
So blieb mir nur, bei ihm zu sitzen, langsam zu berichten, von meiner Familie und mir, ihm ein paar Bilder zu zeigen und ansonsten einfach nur eine Zeit lang da zu sein.
Ich wusste gar nicht, ob er mich erkannte oder überhaupt wahrnahm.
Sein Blick jedenfalls ging irgendwo hin, irgendwo ins Leere.
So lief es bei dem Besuch am ersten Tag und am zweiten Tag – die Eintracht verlor übrigens 1:3 in Gütersloh –, und auch zu Beginn des dritten Tages.
Als ich an diesem dritten Tag in sein Zimmer trat, hatte er allerdings eine Zeitung auf dem Tisch, die Sportseite war aufgeschlagen und ein Bleistift lag dort; gelesen hatte er also wohl, geschrieben aber hatte er nichts.
Während ich also wieder begann, ruhig mit ihm zu sprechen, hob er den Kopf und sah mich an. Dann glitt seine linke Hand langsam auf die untere Hälfte der Zeitungsseite; einen Moment später streckte er den Zeigefinger der rechten Hand aus und wanderte damit fast im Zeitlupentempo auf die Tabelle der ersten Bundesliga oben auf der Zeitungsseite.
Dann lächelte er ein wenig und fragte mich mit leiser Stimme: „ Wo ist die Eintracht ? “.
Natürlich war mir in diesem Moment zunächst einmal völlig gleichgültig, was er gesprochen hatte, die Tatsache, dass er gesprochen hatte und dass er etwas gesagt hatte, was ganz offensichtlich einen Bezug zu mir gehabt hatte, war wichtig, er hatte mich also wahrgenommen und zwar nicht nur als beliebige anwesende Person, sondern tatsächlich erkannt und natürlich versuchte ich diese Situation zu nutzen und weiterzuführen und antwortete sofort, war bestrebt den Kontakt zu halten, aber ich merkte schnell, dass es schon in diesem Moment wieder vorbei war und dass er  schon wieder in seiner Welt verschwunden war; er schaute nur noch leer vor sich hin, gab keine Antwort und zeigte äußerlich keine Regungen und Reaktionen mehr.
Ich habe dann seine linke Hand genommen, die noch auf der Zeitung lag und eine Weile gehalten. Zu sagen gab es dann nichts mehr.
Als ich nach einiger Zeit seine Hand wieder losließ und er sie etwas an sich heranzog, konnte ich erkennen, dass er vorher offenbar gezielt genau die Tabelle der 2. Liga zugehalten hatte.
Unglaublich - da hatte er noch einmal ein wenig Antriebsenergie gehabt und die hatte er dazu benutzt, sich einen kleinen Spaß mit mir zu machen!
Nach dem Besuch war ich eher froh als betroffen und zugleich war ich auch gerührt; es war ein innerlich bewegender Augenblick für mich, auch weil ja klar war, dass dies ein Moment des Abschieds gewesen sein konnte.
Es war dann schließlich tatsächlich meine letzte Begegnung mit meinem Großvater, zehn Tage später ist er dann abends friedlich eingeschlafen und morgens nicht mehr aufgewacht.
Wenn ich im Nachhinein über diese Szene nachdenke, finde ich es immer weniger erstaunlich, dass mein Großvater, diese kleine, sich gerade noch bietende Gelegenheit genutzt hat, ein winziges, fast nur angedeutetes Späßchen mit Hilfe der Eintracht über mich zu machen. Es ist wohl so, dass zwischen uns nichts Besonderes geklärt oder geregelt werden musste oder dass es etwas zu sagen gab,
was noch unbedingt gesagt werden musste. Es war eben ein ruhiges, friedliches und freundliches Verhältnis zwischen uns beiden, das hier seinen ebenso ruhigen, friedlichen und freundlichen, letzten Moment hatte.
Kurios finde ich es, das selbst in einem solchem Augenblick die Eintracht noch im Spiel war; sie taucht manchmal in Situationen auf, in denen man sie gar nicht erwartet.
So, das reicht jetzt; viel zu viel erzählt. Zeit, sich wieder aus den Erinnerungen zu lösen und dem Alltag zuzuwenden.
Was ich eigentlich sagen wollte, gerade jetzt, wo das Weihnachtsgeschäft läuft:
Lasst euch nicht lumpen, Leute. Kauft euren Kindern kleine Eintrachttrikots und lasst sie auf dem Rasen kicken, wann immer sie wollen.
Nehmt euch eure blaue oder schwarz  – rote Stunde oder wie immer ihr sie nennt, setzt euch daneben und genießt es.
Holt euch das Spiel zurück, vielleicht sogar direkt in den eigenen Garten oder auf die nächste Wiese beim Haus.
Vielleicht ist da die Eintracht.                
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Aber die beiden haben doch schon vor ein paar Jahren zugegeben, frühere, jetzt aber enttäuschte Fans zu sein, die sich die glorreichen Zeiten von Grabowski und Hölzenbein zurückwünschen. Sie sind also ehemals Erfolgsfans gewesen und jetzt in den Bereich der Lederhüte abgeglitten und gibt es von dort eine Wiederkehr?
Schließen wir sie in unser Abendgebet ein. Mehr gibt es nicht zu tun.
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Bei aller Enttäuschung über die Niederlage und aller Aufregung über die Vorkommnisse in Nürnberg - heute ist auch ein bißchen Geburtstag: Neugründung der Eintracht nach dem Krieg am 23.10.1945; Herzlichen Glückwunsch uns allen.
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"...sonst liefert jeder Anbieter...".
Kann ich nur bestätigen: Mein Buchhändler ( wie sicher jeder andere auch ) innerhalb von 24 Stunden.
Und noch einmal Werbung:Liebe Leute, es handelt sich um eine Pflichtlektüre.Wer den Abschluß zum geprüften Eintrachtologen anstrebt, kommt an dem Buch nicht vorbei.
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...also eine Sportsbar kenne ich dort nicht, aber ich bin mit meiner Tochter auch in Rom und wir versuchen in das Stadio Olimpico zu kommen, es spielt Lazio Rom vs US Cagliari...
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Habt ihr klasse gemacht. Danke von drei Eintrachtfans aus Ostwestfalen.  
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Bob Dylan hat auch eine Meinung dazu ( vgl. "Ballad of a thin man" ):
"...Something is happening here, but you don´t know what it is,
do you,Mr.Jones?...".
Ansonsten: Oh, no! Not another Jones-Thread!
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Großartig.Danke.
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Allgemein vielen Dank für die schöne Resonanz.
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Ärger mit dem Online-Ticketing?
Frust wegen der nicht verpflichteten Weltstars?
Langeweile wegen der blöden Fußballpause?
Ich versuche einmal euch abzulenken und erinnere an das schöne Auswärtshappening gegen Ende der letzten Saison.Vielleicht habt ihr auch die Fahrt nach Bielefeld mitgemacht.Ich war auch da....


Essen in Bielefeld

Gut, wir wissen es jetzt, Bielefeld gibt es doch! Leider. Ich wusste es bereits zuvor, ich habe hier zehn Jahre gearbeitet, obwohl ich den Begriff " Bielefeldverschwörung " kannte. Früh schon war ich gezwungen, meine Heimat zu verlassen (Beruf) und das Schicksal hat mich dann nach Ostwestfalen verschlagen (Ehefrau).Seither lebe ich weit entfernt vom Waldstadion, denke manchmal an die alten Zeiten im G-Block und habe zu jedem Heimspiel ca. 300 km Anfahrt.
Einmal im Jahr aber spielt die Eintracht fast vor meiner Haustür.Schön, dass gerade jetzt mein Vater im Rhein-Main-Gebiet Geburtstag feiert und ich ihn natürlich besuche.So bleibt es am Samstag bei dem gewohnten Rhythmus und ich habe wieder 300 km Anfahrt.
Aber jetzt zu Bielefeld.Einiges ist hier merkwürdig, zum Beispiel weiß hier niemand so ganz genau, warum die Arminia ihren Namen trägt.Selbst die Homepage des DSC Arminia Bielefeld und das heutige Stadionprogramm warten nur mit diffusen Theorien um Hermann (=Arminius) den Cherusker auf, der hier irgendwo in der Region den Gästen aus Rom eine schwere Auswärtsniederlage beigebracht hat.
DSC übrigens bedeutet " Deutscher Sport-Club ", wobei wiederum niemandem klar ist, weswegen damals das Nationale so betont wurde.
Und warum "Bielefelder Alm" ? Als der Verein in den zwanziger Jahren einen neuen Sportplatz anlegte, wurden Erdwälle für die Zuschauerränge aufgeschüttet.Ein Vereinsmitglied soll dann angesichts der ergrünten Hänge bemerkt haben, hier sähe es aus, wie auf der Alm.Der Name blieb dann hängen...Na ja.
Das heutige Stadion muss den erschütternden Namen "Schüco-Arena" tragen; mir kommt dabei immer das Wort "Schuhkarton" in den Sinn.
Seit dem 100jährigen Jubiläum hat der Verein im Emblem einen Lorbeerkranz.Diesen Ehrenkranz hat sich der Verein selbst verliehen; sonst wäre wohl auch niemand auf die Idee gekommen.
Leicht haben es die Arminen hier nicht: im näheren Umfeld aufmüpfige Lokalkonkurrenten, derer man sich durch die Jahre erwehren musste( Herford,Gütersloh, aktuell Paderborn ), im eigentlichen Hinterland spielt Handball (Lemgo,Minden,Nettelstedt) eine große Rolle und im weiteren Umfeld gibt es gegen Dortmund und Schalke keine Schnitte.Eine dürre Weide also, die in früheren Jahren auch schon mal zu der Überlegung geführt hat, dem ausbleibenden Erfolg könne man durch Zahlungen an richtiger Stelle etwas nachhelfen (1970/71).Die damalige Aktion hatte prägende Wirkung, warf den Verein schwer zurück und kostete ihn bis heute nahezu eine ganze Fangeneration.Stolz sind die Anhänger hier inzwischen trotzdem auf ihre Arminia und ich meine, aktuell auch zu Recht, denn einen kleinen Boom haben sie schon geschafft und mit etwas Werbeaufwand werden sie bald Mitglied Nr. 9000 begrüßen können.
Zu dem heutigen Spiel haben wir (Vater und Tochter) etwas Ungewöhnliches im Gepäck: VIP-Tickets.Einladung von einem Unternehmen, dass die Arminia sponsert und zu jedem Heimspiel ein paar Einladungen zu Haupttribüne und Lounge ausspricht.Uns widerfährt solche Wohltat zum ersten Mal und so betreten wir auf der Haupttribüne ( G-Block !) ungewohntes Terrain.Erst mal gibt´s ein gelbes Bändchen für das Handgelenk.Gut, dass ich ein Hemd mit langen Ärmeln trage.Dann wird allerlei geboten: warmes und kaltes Büffett,Kuchen,Getränke -all inclusive.Vater und Tochter mit klassischem schwarz-rotem und schwarz-weißem Schal wirken etwas deplaziert - auch im Konsumverhalten.Während ringsum Kalorien gebunkert werden, beschränken wir uns auf eine Tasse Kaffee und eine Cola light.Außerdem sind wir seit Cottbus noch ganz ohne Energie und angesichts der schwarz-blauen Übermacht ein bißchen mutlos.Frühzeitig verlassen wir das Schlaraffenland und begeben uns noch zwei Treppen höher auf unsere Plätze im Stadion.Wir wollen doch Oka begrüssen, wenn er mit dem Menger zum Warmmachen erscheint.Wunderbare Plätze in Höhe der Mittellinie, -um uns herum nur gähnende Leere.Drei Reihen hinter uns der Alexander Kolz, der gleich den Live-Ticker für die Eintracht-Seite schreiben wird, zehn Meter weiter begibt sich Werner Hansch auf seinen Arena-Arbeitsplatz.Linker Hand, weit ab von uns, die Jungs auf der niedrigen Bielefelder Stehtribüne und hinter dem Tor die Sitzplatztribüne der Gäste in praller Sonne.Auch dort halten langsam die Eintrachtler Einzug und singen sich in der Hitze allmählich warm.Deutlich zu sehen, wie dort die Bekleidung immer leichter wird und bald ins Hautfarbene übergeht.Bei uns bleibt es bis unmittelbar vor Anpfiff weitgehend leer, so dass wir vollkonzentriert den geistreichen Platzmoderator der Arminia verfolgen können, der holprig eine Menge Blödsinn von sich gibt, bis ihn verdienterweise der Strahl des Rasensprengers erwischt und vom Spielfeld vertreibt. Bis zur 5.Spielminute strömen nun die Besucher aus der Lounge auf ihre Plätze, - gut für uns, so können wir noch ungestraft ein wenig stehen bleiben und uns am Spiel erfreuen, bis uns auch gleich Amanatidis die Angst vertreibt.Daran ändert auch der Ausgleich der Arminia wenig und beim erneuten Führungstreffer der Eintracht können wir noch einmal das Gefühl geniessen, inmitten einer erstaunten und gleich darauf etwas verärgerten Menschenmenge ganz alleine aufzuspringen und zu jubeln.
Pünktlich zum Halbzeitpfiff haben wir schon wieder ziemlich viel Platz im Block: Bielefeld ist schon zu Tisch.
Als die Treppe leer ist, gehen wir auch auf eine zweite Cola.Ganz in der Nähe das halbe Mundstuhl-Duo, ordentlich gekleidet im schwarz-roten Trikot.Dann schnell wieder zurück auf die Plätze, wir wollen nichts verpassen.Unser Umfeld denkt offenbar nicht so und kehrt erst zurück, als Amanatidis nach seinem Elfmetertor jubelnd abdreht.
Als Mitte der zweiten Halbzeit die erwähnte Hautfarbe im Eintrachtblock leicht ins rötliche übergeht, kommt ein alter Bekannter zu Besuch: Die Angst.Kann das noch schiefgehen?Die Bielefelder glauben "Ja" und bekräftigen dies durch ihr Anschlusstor.
Im Spiel zu diesem Zeitpunkt bereits der Bielefelder Jonas Kamper, Filmheld eines Videoclips,den die Arminen vor Spielbeginn aus lauter Begeisterung gleich mehrfach laufen ließen.Im Western-Style durfte er dabei einen Ball in die Luft schießen, woraufhin ein Plüschadler vom Himmel fiel.Der lustig gemeinte Film konnte uns aber nicht beeindrucken, denn wir wissen: Im Teutoburger Wald gibt es zwar ein paar vereinzelte Adler, aber keine Dänen, die irgendetwas treffen können.Purer Quatsch also.
Unsinn auch die weiteren Bemühungen der Bielefelder Kicker.So sehen dies auch meine Nachbarn und erheben sich fünf Minuten vor Schluss, schließlich gilt es, Prioritäten zu setzen.Treppe runter und noch einen kleinen Nachtisch vor der Heimfahrt.
Marcel Heller erledigt den Rest -obwohl er natürlich hätte abspielen müssen.
Wir freuen uns noch am Jubel der Sieger in der Eintrachtkurve, obwohl wir lieber mittendrin, als nur dabei gewesen wären.Werner Hansch spricht übrigens immer noch in sein Mikrofon, sein Spiel dauert weitaus länger als bloß 90 Minuten.
Auch wir lassen uns noch Zeit an dem schönen Ort, bis die Spieler verschwunden sind.
Dann schließlich verlassen zwei fröhliche VIP´s den Block und holen sich noch ein Würstchen an der Bude, bevor sie durch den Oetker-Park zum Auto schlendern.
18.30 Uhr zu Hause.Schnell noch vor die Sportschau -gleich kommt die Eintracht.



Und jetzt bleibt locker Leute.Bald geht´s wieder los.
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In Vitro Fertilisation.
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Eintrachtfans haben prinzipiell Schwierigkeiten " OF " zu verarbeiten.Gruß
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...das waren die Rolling Stones. Die klauen bekanntlich ja auch Fähren...