>

owladler

5997

#
Danke für diese Schilderung; ich freue mich schon auf Teil 2.
#
Vielleicht kein günstiger Tag heute, einen Tag vor dem letzten Spieltag der Saison, aber morgen ist eben der Stichtag. Morgen, am 08.Mai hätte er nämlich Geburtstag gefeiert. Er war einer von den Schnellen, genauer betrachtet sogar einer von den Schnellsten, sogar noch schneller als unser Ümit Korkmaz in seinen besten Momenten, wenn er ein bißchen Platz hat auf der linken Seite und dann mit dem Ball am Fuß mit kurzen, schnellen Schritten loszieht und mit rasanten Wendungen nach vorne kommt. Aber wie lang sind solche Fußballersprints? 20, 30 Meter? Vielleicht 40 Meter?

Unser Mann lief die 100 Meter und er war kein Fußballer, sondern ein Sprinter.

Unser Mann? Ja, das war er, ein echter Eintrachtler und er gehörte nicht nur so ungefähr zu den Schnellsten, sondern er war offizieller Inhaber des 100-Meter Weltrekordes, ein Vorgänger von Usain Bolt also.

Es handelt sich um Eugen Eldracher, einen der vielen Pfeile im Köcher der Eintracht-Leichtathletik, mit der insbesondere in den Zwanziger und beginnenden Dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts die Sprintabteilung gut bestückt war. Diese Abteilung zählte zu den führenden in Deutschland und half, etliche Meisterschaftstitel für Eintracht Frankfurt zu erringen. Eugen Eldracher selbst hatte etwas Pech in Bezug auf die Teilnahme an olympischen Spielen, da sein persönlicher Leistungshöhepunkt genau zwischen den Spielen 1928 in Amsterdam und 1932 in Los Angeles lag, aber er nahm 1928 (Paris) und 1930 (Darmstadt) an den Weltspielen der Studenten teil, errang dort Silber- und Bronzemedaillen und er wurde mit der 4 x 100 Meter Staffel von Eintracht Frankfurt 1928, 1931 und 1932 Deutscher Meister. Im Juli 1929 wurde er zwar bei den Deutschen Meisterschaften in Breslau auf der 100- und 200-Meter Einzelstrecke jeweils knapp geschlagener Zweiter, aber drei Wochen zuvor in Mannheim war ihm bereits die Sensation gelungen: Bestleistung in 10,4 Sekunden und damit Einstellung des Weltrekordes! Der schnellste Mann der Welt war ein Sportler von Eintracht Frankfurt.

Er war es nicht ganz alleine; mit dem Weltrekord verhielt es sich damals so, dass ein Amerikaner – Charles Paddock – bereits im April 1920 die Zeit von 10,4 Sek. erzielt hatte und das genau diese Zeit bis zum August 1930 in 26 Läufen von 10 verschiedenen Athleten ( darunter 7 Deutsche ) erzielt werden konnte. Und die Bedingungen mit Aschenbahn und handgestoppter Zeit, etc.  sind natürlich mit den heutigen kaum zu vergleichen.

Dennoch ein großartige Leistung, die beinahe noch eine Steigerung erfahren hätte:

Ich zitiere aus der Festschrift „ 50 Jahre Eintracht Frankfurt “ :

„…Der Adler flog und flog. In Florenz, Budapest, Amsterdam, Straßburg, überall war er als erster am Ziel. Auf dem Trikot von Eldracher schwebte er auch in Japan vor allen Gegnern her. Auf koreanischem Boden zeigten die Uhren nach Eldrachers Lauf und Sieg einen neuen Weltrekord an: 10,3 Sekunden. Er wurde wegen fehlender Formalitäten nicht anerkannt. Allein der hohe asiatische Würdenträger, der Eldracher für seinen Erfolg zu beglückwünschen hatte, neigte sich vor dem schnellen Eintrachtmann in Ehrfurcht, wie vor einem begnadeten Sohn des Himmels….“.

Selbst wenn man in Rechnung stellt, das an den oben genannten Siegen mehrere Eintrachtsprinter beteiligt waren und man den Zeitgeist aus den Formulierungen abzieht, bleibt eine besondere sportliche Leistung  übrig, die es zu würdigen gilt.

Eugen Eldracher nahm an Länderkämpfen teil und wurde mit der goldenen Ehrennadel von Eintracht Frankfurt ausgezeichnet. Seine Leistung steht noch heute in den Bestenlisten; von ihm selbst aber gibt es kaum noch Spuren. 1942 war er als Soldat in Rußland und galt dann lange Jahre als vermisst, 1960 wurde er für tot erklärt.

Im Eintrachtmuseum kann man noch etwas von ihm spüren; bei den Leichtathleten, Abteilung schnelle Männer.
#
Ich fände es überlegenswert, in dieser Endphase tatsächlich noch einmal ein kurzes Trainingslager zu beziehen. Erstens um der Mannschaft klar zu machen, dass es jetzt auch noch um etwas geht - die Endplatzierung ist viel Geld wert -, andererseits hat es auch eine Außenwirkung. Schließlich wäre auch Gelegenheit, einige Spieler, die noch nicht so recht zum Zuge kamen, stärker ins Team zu integrieren und dann tatsächlich auch noch einmal zu bringen. Auch wenn es  kostet, so ein Trainingslager...
#
Vielen Dank für den freundlichen Zuspruch und insbesondere das Photo. Das schmückt doch ungemein. Mal sehen, was das HSV-Museum am nächsten Samstag zu bieten hat.
#
Das Museum präsentiert seit längerem auch einige schöne Medaillen, die Eintrachtsportler bei Wettkämpfen errangen und dann erfreulicherweise der interessierten Öffentlichkeit zur Verfügung stellten. So findet sich hier zum Beispiel die Weltmeisterschaftsgoldmedaille der Hammerwerferin Betty Heidler oder die olympische Goldmedaille der Speerwerferin Tilly Fleischer.
Anhand dieser Prunkstücke wird auch ersichtlich, dass es sich bei dem Eintrachtmuseum keineswegs um ein Fussballmuseum handelt, sondern um einen Ort der Darstellung der geschichtlichen Entwicklung des Gesamtvereins, der als echter Großsportverein eine Vielzahl von sportlichen Aktivitäten aufzuweisen hat.

Bedeutenden ideellen Wert hat dabei die olympische Bronzemedaille des großen Eintrachtathleten Heinz Ulzheimer von den Sommerspielen in Helsinki 1952. Wer dieses Objekt in der Vitrine betrachtet, freut sich vielleicht, wenn er einige der Aspekte kennt, die sich hinter diesem schönen Schaustück verbergen.

Nach dem zweiten Weltkrieg war die junge Bundesrepublik Deutschland zunächst vom großen internationalen Sportgeschehen ausgeschlossen, auch die Teilnahme an den Olympischen Spielen 1948 war sowohl für die Sommerspiele in London wie auch für die Winterspiele in St. Moritz verwehrt.
Erst 1952 in Helsinki nahmen wieder deutsche Athleten teil und es blieb Heinz Ulzheimer vorbehalten, hierbei im 800-Meter-Lauf die erste Medaille für die deutsche Mannschaft überhaupt zu erringen; die Erste von ohnehin lediglich 24, denn mit 7 x Silber und 17 x Bronze und keiner einzigen Goldmedaille blieb die Ausbeute der westdeutschen Mannschaft vergleichsweise bescheiden. Eine gesamtdeutsche Mannschaft war seinerzeit übrigens noch nicht am Start, da die ostdeutschen Sportfunktionäre mit dem IOC-Beschluss zur gemeinsamen Teilnahme des geteilten Deutschlands nicht einverstanden waren.

Der Erfolg der Frankfurters Heinz Ulzheimer beruhte im Übrigen nicht lediglich auf der läuferischen Qualität des Eintrachtsportlers, er zeigte auch das angemessene Maß an Selbstbewusstsein, als er im Vorfeld des Laufes das Ersuchen des damaligen DLV-Präsidenten ablehnte, die „Lokomotive“ für einen weiteren deutschen Starter zu spielen, sondern im richtigen Vertrauen auf die eigenen Fähigkeiten erklärte, seine sportliche Chance selbst suchen zu wollen. Der Erfolg gab ihm Recht.

Die Darstellung dieses entscheidenden Laufes in der Deutschen Wochenschau soll kurios gewesen sein – ohne das ich das aber aus eigener Anschauung bestätigen kann:
Die technischen Möglichkeiten und die Ausstattung des Sportstadions in Helsinki mit Übertragungskameras waren von den Bedingungen der heutigen Sportberichterstattung weit entfernt. Den packenden Endspurt im 800-Meter-Lauf sollen die Kameraleute in Helsinki schlichtweg verpasst haben. Da aber wegen der großen Entfernung der Tribünenkamera von der Laufbahn alle Läufer ohnehin nur in ganz geringer Größe dargestellt waren, riskierten es die Wochenschauregisseure,
dem Publikum einfach das Finale im 400-Meter-Lauf ein zweites Mal zu präsentieren
– mit entsprechender textlicher Neugestaltung.

Betrachtet man im Museum die von Heinz Ulzheimer errungene Medaille einmal genauer, fällt der Blick auf die klassische Abbildung einer jungen Frau, die mit der linken Hand einen Palmwedel im Schoß hält und mit der hoch erhobenen Rechten dem Athleten die Siegeskrone – vielleicht einen Kranz aus Olivenzweigen – entgegenstreckt. Bei der jungen Frau handelt es sich wohl um die Siegesgöttin Viktoria; sie sitzt in einem etwas abschüssigen Gelände, da der Künstler, der Florentiner Giuseppe Cassioli noch etwas Platz für weitere Darstellungen auf der Medaille benötigte. Unterzubringen war noch die Aufschrift, - hier „ XV Olympia Helsinki 1952 „ und eine weitere Reminiszenz an die antike Herkunft der Olympiagedankens, nämlich ein stilisiertes Amphitheater, ähnlich dem Amphitheatrum Flavium, dem sogenannten Kolosseum.
Diese Darstellung wurde auf den Olympiamedaillen der Sommerspiele von 1928 (Amsterdam) bis 1968 (Mexico) benutzt, bis dem Olympischen Komitee auffiel, dass die olympische Idee zwar aus der Antike stammt, aber eben nicht aus der römischen, sondern der griechischen.
Den Italiener Cassioli, der auch selbstbewusst genug war, sich in einem Eigenporträt auf dem Bronzeportal des Florentiner Domes Santa Maria del Fiore zu verewigen, konnte dies nicht irritieren, das Olympische Komitee lässt jedoch seit 1972 neue Medaillengestaltungen zu.

Ich muss an dieser Stelle allerdings bekennen, dass ich leider gar nicht genau weiß, welche Bronzemedaille von Heinz Ulzheimer das Eintrachtmuseum zur Schau stellen kann, denn er gewann am Abschlusstag der Leichtathletikwettkämpfe noch eine Weitere mit der 4 x 400-Meter Staffel.
Auch hier ging es kurios zu, denn einer seiner Staffelkameraden bemerkte bei den letzten Vorbereitungen vor dem Start, dass er unter der Trainingshose keine weitere Sporthose trug. Ein Tribünengast im Athletenblock rettete die Einhaltung der Kleiderordnung und damit auch den 3. Platz.

Ohne größere Störungen verlief schließlich nach den Spielen die Rückreise in die Heimat, lediglich eine Kleinigkeit wurde vergessen. Ich zitiere hierzu aus dem Abendblatt vom 07.08.1952:

„ Von unserer Frankfurter Redaktion.

Frankfurt, 7.August

Einen fast echten Schildbürgerstreich hat sich die Frankfurter Stadtverwaltung geleistet. Als man sah, daß andere deutsche Städte ihre Olympiasieger bei der Rückkehr von Helsinki im Triumphzug durch die Straßen geführt hatten, entsann man sich, daß ja auch innerhalb der Frankfurter Stadtmauern ein solcher Sieger wohnt: Heinz Ulzheimer. Er war zwar schon Ende letzter Woche mit dem Flugzeug eingetroffen und niemand außer einigen Photoreportern hatte davon Notiz genommen, doch das konnte man ja ändern.
Ein zweites, diesmal „ offizielles „ Eintreffen Ulzheimers wurde angeordnet.
„ Achtung, Achtung! Es fährt der Triebwagen aus Höchst ein “, klang es aus dem Lautsprecher im Frankfurter Hauptbahnhof. Höchst, das sollte in diesem Fall Helsinki sein. Ohne Koffer, ohne Hut und Mantel stieg der Bronzemedaillen-Gewinner Ulzheimer aus. Eine begeisterte Menge rief „ Hoch “.
„ Straße frei für der Welt besten weißen Läufer! “, riefen die Polizisten. Dann ging es im Triumphzug durch die Hauptstraßen. Der Verkehr stockte, huldvoll grüßten Ulzheimer und seine Frau aus dem stadteigenen Wagen. Vor der Paulskirche standen die Stadtväter. OB Kolb grüßte den Helsinki-Sieger. Schließlich kam auch „ Heinz “ zu Worte. Er dankte ebenfalls und konnte dann beruhigt wieder nach Höchst zurückfahren.“


Schaut euch die Medaille einmal an. Und alles Andere auch, es lohnt sich. Und geht am Sonntag ins Stadion, da ist noch Platz.
#
Wir haben schon einmal gegen die gespielt, am 27.06.1993. Schaut nach in Franks großartigem Archiv: www.eintracht-archiv.de
#
Erstklassig; gleichermaßen informativ, wie auch unterhaltend. Vielen vielen Dank.
#
Optisch macht´s natürlich mehr her. Vielen Dank dafür. Und natürlich auch für die sonstige Resonanz. Ich finde, der Ort des Geschehens hat immer seinen Einfluss auf das Geschehen selbst und da sollte man doch wissen, wo man sich bewegt.
#
Kennt jemand von euch in Frankfurt eigentlich den Sommerweg?
Doch, doch, ihr kennt ihn alle, ihr wisst es vielleicht bloß nicht!
Mir ging es ganz genauso, bis ich vor kurzem auf der Museumsseite einmal den Stadionplan angeklickt und genauer betrachtet habe.
Der Sommerweg ist nämlich nach diesem Plan der gerade Weg vom Stadionhaupteingang an der Mörfelder Landstraße direkt auf die Haupttribüne zu, also der Weg, den Viele von uns schon so oft gegangen sind.
Er liegt zwischen – auch diese Wege tragen im Plan Bezeichnungen – dem Westtribünen- und dem Osttribünenweg.
Ich kenne den Sommerweg noch unter einem älteren, martialischerem Namen: „Aufmarsch-Allee“ hieß er in den alten Stadionplänen aus den 20´er Jahren. Er ist dort beschrieben als 400 Meter lange, gerade Linie, die nach einem kleinen Linksschwenk direkt auf das Hauptgebäude des gesamten Stadionareals führt.
Durch diese Linienführung entfaltet der Weg auch seine besondere Wirkung, in dem er automatisch unseren Blick auf den zentralen Ort des Geschehens lenkt. Wie oft sind schon Bekannte, die ich zum ersten Mal zum Stadionbesuch verführt hatte, genau an dieser Stelle, an der sich der Blick erstmals voll entwickeln kann, stehen geblieben, um das Bild erst einmal auf sich wirken zu lassen.
Hierbei spielen auch die beiden Medientürme links und rechts vom Stadionbau, die an die alten Flutlichtmaste erinnern, eine große Rolle.
Die Plätze links und rechts vom Sommerweg – heute Trainingsgelände der Eintrachtspieler – hießen früher „Übungs- und Festwiese“ oder auch „Fest- und Spielwiese“; fast zehntausend Sportler haben dort bei der ersten Großveranstaltung, der Arbeiterolympiade 1925, für Massenübungen Platz gefunden.
Noch vor hundert Jahren wäre dies übrigens ein lebensgefährlicher Standort gewesen; bekanntermaßen befand sich ja auf dem Gelände die Militärschießbahn und da die Gegentribüne den Kugelfang für die Gesamtanlage darstellte, hätte man hier mitten im Feuer der Übungsschützen gestanden.
Historisch interessant ist die Wegstrecke vom Haupteingang zum Stadion noch unter einem weiteren Aspekt; der alte Forstmeister Otto Fleck beschreibt es in dem Festbuch zur Stadionweihe am 21.Mai 1925 wie folgt: „...Die von SW ( Südwest ) nach NO (Nordost ) das Gelände aufteilende Mittellinie, bezeichnet die Wegmitte der zum ehemaligen Kaiserlichen Gundhof führenden alten Gundstraße, die noch in ihrer südwestlichen Fortsetzung erhalten geblieben ist...“.
Wenn auch heute der Sommerweg = Aufmarsch-Allee als Mittellinie erscheint, wird beim Betrachten der alten Pläne doch deutlich, dass eher der etwa 50 Meter weiter östlich verlaufende jetzige Osttribünenweg mit dieser Beschreibung gemeint ist.
Hinter der Gegentribüne durch das heutige Gelände der Sportverbände führte der gerade Weg früher ganz durch den Stadtwald, vorbei am jetzigen Flughafengebiet, bis zum Gundhof, heute noch in Überresten als heutiges Ausflugslokal im Norden von Mörfelden-Walldorf erfahrbar.
Land- und Forstwirtschaftliche Güter wurden hier über die Jahrhunderte produziert und zur Versorgung der Frankfurter Stadtbevölkerung über die Gundstraße transportiert.
Der Name Gundhof hängt mit der früheren – bereits unter den Merowingern als fränkische Militärkolonie gegründeten-  Siedlung Guntheim ( Gundheim ) und dem kleinen Fließgewässer Gundbach zusammen. Die Siedlung wurde im frühen Mittelalter aufgegeben ( Wüstung ), der Hof aber war jedoch offenbar ertragreich und blieb in seiner Funktion erhalten. Ende des 17.Jhd. wurde hier eine größere Gruppe der religionsverfolgten Waldenser aus Südfrankreich angesiedelt; in den letzten Kriegsjahren des 2. Weltkriegs spielt sich hier ein dunkles Kapitel ab, als russische Zwangsarbeiter für Land- und Forstarbeit untergebracht werden.
Zurück zu den Wegen im Waldstadion. Lassen sich nicht vielleicht bessere Namen für die genannten Wege finden?
Ost- und Westtribünenweg sind ja sicher zweckmäßige Bezeichnungen, aber schön sind sie nicht.
Der Hintergrund für den Namen „Sommerweg“ erschließt sich mir leider gar nicht.
Vielleicht könnte der Weg „Waldstadionallee “ heißen oder „ United-Colours-Avenue “, aber ganz bestimmt fällt jemandem noch etwas Besseres ein.
Einen „Jan-Aage-Fjörtoft-Platz“ soll es in Frankfurt ja auch schon geben...
#
...Mose entschloß sich, bei dem Mann zu bleiben, und dieser gab seine Tochter Zippora Mose zur Frau.
#
Ich möchte einmal für einen kurzen Moment die „Olympia-Eiche“ im Bereich des Haupteingangs in das Blickfeld rücken. Sie steht ein wenig unscheinbar und wohl auch unbeachtet an der linken Seite des Weges und es ist inzwischen auch gar nicht mehr die Ursprungseiche, da diese in den neunziger Jahren vom Forstamt aus Sicherheitsgründen gefällt werden musste.
Nachdem die frühere Eiche immerhin etwas über 50 Jahre dort stand, hat die große Frankfurter Sportlerin „Tilly“ Fleischer die jetzige Nachfolgereiche im November 1998 noch selbst gepflanzt – wie auch bereits die Vorgängerin.
Die Eiche sieht mir, - ohne das ich hier aber Fachkenntnisse einbringen kann – leider nicht recht gesund aus und das Hinweisschild ( Olympia-Eiche ) zu ihren Füßen hat auch schon einmal bessere Tage gesehen; möglicherweise können sich Interessierte kein Bild davon machen, worum es hier geht.
Heute vor 98 Jahren - das ist mein eigentlicher Anlass für den Text -  wurde Ottilie "Tilly" Fleischer am 02.Oktober 1911 in Frankfurt geboren.
"Tilly" Fleischer ist die wohl erfolgreichste Sportlerin der Vergangenheit in der langen Geschichte der Eintracht-Leichtathletikabteilung.
Die klassische Allrounderin aus der Schäfergasse begann als 10-jähriges Mädchen mit dem Vereinssport. Bei der Stadioneinweihung 1925 soll sie schon einen glanzvollen Auftritt gehabt haben, als sie den Schlagball über eine Distanz warf, die die Leistungsfähigkeit ihrer Mitbewerberinnen weit übertraf.
Bereits als 16-jährige stand „Tilly“ Fleischer dann schon im Starterfeld der Erwachsenen bei Deutschen Leichtathletik-Meisterschaften in ihrem Eintrachttrikot auf dem Siegertreppchen; in den Jahren von 1928 bis 1934 gelangen ihr dabei solche Erfolge jedes Jahr sogar gleich mehrfach: als Speer- und Diskuswerferin, Kugelstoßerin, Mehrkämpferin und als Mitglied der 4 x 100 Meter Sprintstaffel der Eintracht.
Neben der vielfachen Teilnahme an Länderkämpfen vertrat sie Deutschland international bei den Frauen-Weltspielen 1930 und 1934 und der "Olympiad of Grace" (Vorgängerin der Europameisterschaften) 1931, bei denen sie Gold- und Silbermedaillen errang.
Zweimal wurde die Eintrachtsportlerin zur Teilnahme bei Olympischen Sommerspielen ausgewählt; zunächst 1932 in Los Angeles, wo für Frauen lediglich sechs Leichtathletikwettkämpfe ausgeschrieben waren.
„Tilly“ Fleischer startete gleich in drei Disziplinen: Speerwerfen ( Bronzemedaille ), Diskuswerfen ( 4.Platz ) und 4 x 100 Meter ( 6.Platz ).
1936 nahm sie als amtierende Deutsche Meisterin im Speerwerfen an mehreren
Olympia-Vorbereitungslehrgängen teil; sie wurde hier unter anderem von dem Olympiatrainer Georg Brechenmacher, dem früheren Eintrachtler und Werferspezialisten, betreut.
Am 02.August 1936 trug sie sich dann im Berliner Olympiastadion am ersten Wettkampftag der Sommerspiele endgültig in die Sportgeschichtsbücher ein:
Bei ihrem Wurf im 5.Versuch erzielte sie mit 45,18 Metern einen neuen olympischen Rekord und gewann die erste Goldmedaille für die deutsche Mannschaft.
Die bewegenden Momente vor rund 100.000 Zuschauern schilderte sie später selbst:
„ Die Leute haben derart getobt, dass die nächsten Wettkämpfe verschoben werden mussten.“Tilly, Tilly", hat das ganze Stadion geschrien. Dann kam die Siegerehrung. Ich bekam die Goldmedaille, einen Lorbeerkranz und ein Eichenbäumchen, dass ich später im Frankfurter Waldstadion gepflanzt habe" (die Goldmedaille kann jetzt übrigens im Eintrachtmuseum bewundert werden).
„Tilly “ Fleischer beendete auf diesem Höhepunkt ihre internationale Leichtathletikkarriere - was aber nicht mit ihrem Abschied vom Sport gleichzusetzen war.
Sie blieb aktive Tennisspielerin und rundete 1942/43 ihre überaus erfolgreiche Sportlerlaufbahn in einer weiteren Eintracht-Abteilung ab, in der sie seit 1928 aktiv war:
die wurfstarke Athletin gewann als Mitglied der Handballerinnen die Deutsche Meisterschaft.
Am 14.Juli 2005 ist Ottilie „Tilly“ Fleischer in ihrem Wohnort im Schwarzwald gestorben.
Passt mir bitte auf das Bäumchen auf.
#
Also: Callmund macht Calli-TV und braucht dafür kurze TV-Beiträge. Und die FR gehört genauso wie der Kölner Express oder der Kölner Stadtanzeiger zur Verlagsgruppe DuMont und die schieben sich offenbar untereinander Artikel zu. Ein Hoch auf die moderne Medienvielfalt.
#
In einer ostwestfälischen Regionalzeitung steht übrigens heute, dass Wichniarek bei Arminia um Vertragsauflösung gebeten hat, dass es einen Interessenten gibt, der 800.000 Ablöse bietet, Arminia aber 1,2 Mill. fordert und dass die Zeichen auf Einigung stehen, eventuell noch heute. Who knows?
#
Papa, was sind das eigentlich für große Bäume, die da im Waldstadion stehen?

Welche meinst du, die Laub- oder die Nadelbäume?

Also, wenn ich mir das Waldstadion vorstelle, dann habe ich eigentlich immer diese Nadelbäume mit den langen Stämmen vor Augen, die meine ich auch.

Das sind Kiefern, Waldkiefern und Weymouthkiefern; die gab es nicht immer hier, son-  
dern die wurden früher extra angepflanzt. Diese Weymouthkiefern so vor etwa 150 Jahren,
die kommen eigentlich aus Nordamerika.

Hast du nicht mal gesagt, der Stadtwald sei eigentlich ein Eichen- und Buchenwald?

Das war er wohl auch, aber als man anfing, den Wald wirtschaftlich zu nutzen, ging es darum, auch die Lücken im Wald aufzuforsten. Da nahm man die Kiefern, weil die gut zum Boden passten und auch einigermaßen schnell wachsen. Das war eine Art Waldexperiment.

Warum waren denn Lücken im Wald?

Es gab Weiden; im Mittelalter wurde aus den umliegenden Dörfern das Vieh auf Koppeln geweidet. Dafür nahm man natürlich nicht das wertvolle Ackerland, sondern Waldränder, Lichtungen und die wurden dadurch immer größer.

Ach so und die Schweine wurden ja auch in den Wald getrieben.

Genau, im Herbst. Zu den Eicheln und Bucheckern, um die Schweine zu mästen. Deswegen ja auch die Namen „Obere und Untere Schweinstiege“, hier ganz in der Nähe vom Stadion.

Klingt wie Schweinsteiger.

Hat bestimmt auch etwas damit zu tun. Stiege ist ein altes Wort für Stall. Die Schweine wurden nachts nicht immer zurück auf die Bauernhöfe getrieben, sondern blieben hier im Stadtwald in den Stiegen und ein Schweinsteiger hat vielleicht darauf aufgepasst, oder hat solche Stiegen gebaut oder besessen.

Warum eigentlich Stadtwald, hast du nicht mal gesagt, der Wald gehörte früher dem deutschen Kaiser?

Sehr viel früher, 13hundertirgendwann. Das hieß damals noch Wildbann Dreieich.

Wildbann?

Du kennst doch das Wort verbannen. Der Wald war nicht für jeden frei, sondern das Recht ihn zu nutzen, also zum Beispiel darin zu jagen oder so, stand nur dem Landesherrn, also hier dem Kaiser zu. Der Kaiser brauchte aber ziemlich viel Geld für seinen Lebensstil und so hat er den Wald verpfändet und später hat ihn die Stadt Frankfurt dann gekauft.

Und die Förster haben ihn gepflegt und die Kiefern angepflanzt?

Genau, als das Stadion gebaut wurde, 1925, zum Beispiel der Otto Fleck.

Der von der Schneise?

Die hat man nach ihm benannt. Und zum Dank für seine Dienste hat seine Gewerkschaft auch ihre Gebäude dort errichtet.

Welche Gebäude?

Na, die hinter dem Stadion, die vom D.F.B., vom Deutschen Förster Bund.

Papa!
#
Vielen Dank für die Resonanz. Meine Tochter hatte mich gefragt...
#
Wer das Stadion durch den Haupteingang betritt, sieht sie schon nach ein paar Metern auf der linken Seite am Wegesrand, die „Läuferin am Start“.
Auf einem Sockel ruht die Figur seit vielen Jahren, wer sich aber die Zeit nimmt und näher herantritt, kann erkennen, welche Spannung ihr innewohnt.
Die Bronzeskulptur ist ein weiblicher Akt in der Position des Tiefstarts bei einem Sprint. Mit beiden Händen, das Gewicht des Körpers auf den abgespreizten Fingern lagernd, stützt sich die Läuferin ab; die Position des Körperschwerpunktes ist leicht nach vorne geschoben, um nach dem unmittelbar bevorstehenden Startschuss sofort in die günstige Vorlage zu kommen. Das linke Knie schwebt knapp über dem Boden, das rechte Knie dagegen ist angehoben und nach vorne gestreckt; die Muskulatur des rechten Beines ist angespannt, um sofort für den nötigen Vortrieb sorgen zu können.
Der Blick der Läuferin ist erhoben, sie sieht in Laufrichtung, das Ziel fest im Visier.

Was hat es mit dieser Statue auf sich? Warum steht sie dort?

Gut, zum Einen ist sicher bekannt, dass es im Waldstadion früher eine Laufbahn um den Platz herum gab, dass dort auch große Leichtathletikwettkämpfe ausgetragen wurde, vielleicht ist auch bekannt, dass dort sogar ein Laufweltrekord erzielt wurde ( Rudolf Harbig, 400 m, August 1939 ) und dass die Sprinter der Eintracht früher zu den ganz Großen ihrer Zunft gezählt wurden.

Ist die „Läuferin am Start“ also eine Reminiszenz an diese Zeiten?

Geschaffen wurde sie jedenfalls als Wettbewerbsbeitrag für die olympischen Sommerspiele 1936 von dem Bildhauer Richard Martin Werner ( 1903 – 1949 ).
Von 1912 – 1948 wurden bei den olympischen Spielen neben den Sportwettkämpfen auch Kunstwettbewerbe ausgetragen, um außer der Förderung von geistiger und körperlicher Gesundheit auch die Gebiete des Sports und der Kunst miteinander zu verbinden. Medaillen wurden in den Bereichen Architektur, Literatur, Musik, Malerei und Bildhauerei verliehen, die Kunstwerke mussten hierbei natürlich einen Bezug zum Sport aufweisen.
Die „Läuferin am Start“ kann daher als echte Olympiateilnehmerin gelten; Gold, Silber und Bronze wurden zwar anderweitig vergeben, Richard Martin Werner erhielt aber eine Ehrenmedaille für sein Kunstwerk.
Der Bildhauer dürfte im Übrigen den Allermeisten von uns bekannt sein, jedenfalls eines seiner Werke.
Kurz nach dem Ende des 2.Weltkrieges nahm er an einem Wettbewerb teil, den er mit seinem künstlerischen Entwurf – vorgelegt durch ein Gipsmodell – gewann.
Seine Vorlage stellte eine Frau dar, die einen kleinen Baumsetzling behutsam in die Erde pflanzt und mit ihren Händen beschützend umfasst; Richard Martin Werner wollte damit den friedlichen Neuanfang nach dem Schrecken des Krieges symbolisieren.
Sein Werk wurde millionen-, sogar milliardenfach verbreitet: es handelt sich um das
50-Pfennig-Stück; nach Umfragen die optisch beliebteste aller im Umlauf befindlichen
DM-Münzen.
Der Bildhauer hat den großen Erfolg nicht mehr erlebt, er verstarb bereits 1949 an den Folgen eines Herzinfarktes.
Modell für die Münze war seine Ehefrau, Modell aber für die „Läuferin am Start“ soll – um damit wieder den Bogen zurück zum Sport zu schlagen – die Eintrachtleichtathletin Emmi Haux gewesen sein.
Die großen sportlichen Erfolge von Emmi (teilweise in den Siegerlisten auch: Emmy) Haux liegen in den Jahren 1923 – 1932; sie startete erst im Trikot von SC 1880, dann von Eintracht Frankfurt.
Ihre Fähigkeiten waren breit gefächert: sie errang deutsche Meistertitel sowohl im 100-Meter-Sprint, wie auch in der 4 x 100 Meter Staffel, stand aber auch im Weitsprung, bei den 80- Meter Hürdenwettbewerben, beim Speerwurf und sogar im Kugelstoßen auf dem Siegertreppchen. Sie vertrat Deutschland bei Länderkämpfen und nahm auch an den Frauenweltspielen teil; 1929 stellte sie einen Weltrekord im beidhändigen (!) Speerwerfen auf, weiteren Weltrekordleistungen im 100-Meter Lauf und in der 4 x 100 Meter Staffel blieb nach den damaligen Wettkampfbestimmungen die offizielle Anerkennung versagt.
1987 ist Emmi Haux  verstorben; in ihrer Darstellung lebt sie fort.
Am Wegesrand, im Eingangsbereich des Waldstadions.
#
Wenn wir bis zur Halbzeit nicht führen, geh´ich wieder heim. Auf die letzten 45 Minuten Bundesliga kann ich dann gerne verzichten...
#
Es pfeift übrigens Jürgen Jansen aus Essen, dass ist ein ganz lockerer Typ; einer von der Sorte, die das Spiel laufen lassen. Vielleicht hilft´s.
#
...und von wegen "World gone wrong". Eher " Beyond here lies nothin´". Heute geht´s für mich los: Hannover, Berlin und Erfurt. Dann Pause, Cottbus und dann sehen, was noch geht. Gruß  
#
..und jetzt wird Kahn absagen und Schnusenberg nicht mehr kandidieren. Der Letzte macht dann das Licht aus ( gute Wahl, Herr Jones, Respekt ).