SemperFi
35013
SemperFi schrieb:
Etwas lokales aus meiner Berliner Ecke:
Im August vor 85 Jahren endete im Wilhelm-Griesinger Krankenhaus, heute UKB Berlin, das Euthanasieprogramm, welches über 1 Jahr lang lief.
Als Vater eines behinderten Kindes, der an dem Gedenkstein fast jeden Tag vorbei geht, dachte ich mir, dass es speziell heute mal wichtig wäre daran zu erinnern.
Mein Sohn wäre damals ermordet worden, ebenso die unzähligen wunderbaren Kinder, die ich auf der Reise mit meinem Sohn bisher kennen lernen durfte.
Das macht mich sehr betroffen, ebenso wie das furchtbare Wahlergebnis in Sachsen Anhalt.
Ich möchte Dir einfach mal von Herzen "Viel Kraft und Alles Gute" zurufen. Ich lese Deine Beiträge hier sehr gerne und wünsche Dir und Deiner Familie nur das Beste.
SemperFi schrieb:
Etwas lokales aus meiner Berliner Ecke:
Im August vor 85 Jahren endete im Wilhelm-Griesinger Krankenhaus, heute UKB Berlin, das Euthanasieprogramm, welches über 1 Jahr lang lief.
Als Vater eines behinderten Kindes, der an dem Gedenkstein fast jeden Tag vorbei geht, dachte ich mir, dass es speziell heute mal wichtig wäre daran zu erinnern.
Mein Sohn wäre damals ermordet worden, ebenso die unzähligen wunderbaren Kinder, die ich auf der Reise mit meinem Sohn bisher kennen lernen durfte.
Danke für diesen Beitrag @SemperFi! Und auch von mir viel Kraft für das Tragen der täglichen Zusatzlasten, aber auch viel Freude an dem, was Du dafür von Deinem Sohn und den anderen Kindern zurück bekommst.
anpii schrieb:SemperFi schrieb:
Auch wenn ich einige Aspekte etwas anders sehe, einfach mal 👍👍👍
Du darfst mir gerne deine Ansicht nennen. Dann können wir uns gerne diesbezüglich austauschen 🙂 so, wie es sich für ein Forum gehört 😉
Würde ich gerne machen, im Moment hab ich da leider die Energie nicht für, die das verdienen würde und es geht im Forumskontext wirklich nur um Kleinigkeiten, war vlt. unklar ausgedrückt.
In Relation zur hier vorherrschenden Hysterie sind wir de facto deckungsgleich.
SemperFi schrieb:anpii schrieb:SemperFi schrieb:
Auch wenn ich einige Aspekte etwas anders sehe, einfach mal 👍👍👍
Du darfst mir gerne deine Ansicht nennen. Dann können wir uns gerne diesbezüglich austauschen 🙂 so, wie es sich für ein Forum gehört 😉
Würde ich gerne machen, im Moment hab ich da leider die Energie nicht für, die das verdienen würde und es geht im Forumskontext wirklich nur um Kleinigkeiten, war vlt. unklar ausgedrückt.
In Relation zur hier vorherrschenden Hysterie sind wir de facto deckungsgleich.
Verstehe ich. Dann müssen wir das jetzt auch nicht künstlich auseinandernehmen. 😁 Wenn es im Grunde nur um ein paar Nuancen geht, sind wir in der Sache ja ziemlich nah beieinander.
Und gerade bei der aktuell teilweise völlig überdrehten Stimmung im Forum ist das ja schon fast wohltuend. 😉
Ich würde die beiden Halbzeiten gegen Augsburg weniger unter „Mentalität“ oder pauschal unter „fehlender Qualität“ betrachten, sondern zunächst über die Statik unseres Spielmodells. Denn ich glaube, dass genau dort momentan sowohl unsere große Chance als auch unser größtes Risiko liegt.
Hütter möchte proaktiv verteidigen. Das war in der ersten Halbzeit auch ziemlich deutlich zu erkennen. Interessant war dabei für mich weniger unser Ballbesitz als vielmehr die Positionierung gegen den Ball und unmittelbar nach Ballverlust.
Wir haben Augsburg häufig mit einer hohen letzten Linie verteidigt und versucht, den Raum bereits weit vor unserem eigenen Strafraum zu kontrollieren. Entscheidend dafür war das konsequente Nachschieben. Sobald Augsburg auf eine Seite gelenkt wurde, konnte die ballnahe Seite verdichten, während die letzte Linie aggressiv Anschluss gehalten hat.
Dadurch waren die vertikalen Abstände klein. Und genau das ist wichtig, weil ein Ballverlust dann nicht zwangsläufig sofort verteidigt werden muss, sondern zunächst gegengepresst werden kann.
Deshalb sah unsere Defensive in der ersten Halbzeit für mich auch wesentlich stabiler aus. Nicht weil Baum, Koch, Brassier oder Kosugi plötzlich individuell bessere Verteidiger waren, sondern weil sie wesentlich seltener isoliert verteidigen mussten.
Das ist ein elementarer Unterschied.
Eine Viererkette verteidigt nicht unabhängig vom Rest der Mannschaft. Wenn die Abstände zwischen Angriff, Mittelfeld und letzter Linie stimmen, kann ich nach Ballverlust sofort Anschlussdruck herstellen. Werden diese Abstände zu groß, entstehen Laufduelle, offene Halbräume und Situationen, in denen beispielsweise ein Außenverteidiger plötzlich gleichzeitig Breite und Tiefe kontrollieren soll.
Dann sieht am Ende häufig der Verteidiger schlecht aus, obwohl der eigentliche Fehler zehn oder zwanzig Meter weiter vorne entstanden ist.
Genau deshalb würde ich unsere Defensive momentan auch nicht isoliert anhand der Namen bewerten.
Viel interessanter finde ich beispielsweise die Besetzung des Zentrums.
Mit Onyedika haben wir im Grunde nur einen klassischen absichernden Mittelfeldspieler aufgestellt. Davor beziehungsweise daneben bewegen sich Spieler, deren natürliche Orientierung wesentlich offensiver ist.
Das kann sehr attraktiv sein, weil man viele Spieler zwischen und hinter die gegnerischen Linien bekommt. Gleichzeitig erzeugt diese Struktur aber eine enorme Verantwortung für Onyedika.
Wenn die Außenverteidiger Höhe geben und gleichzeitig mehrere offensive Spieler vor dem Ball positioniert sind, muss nach Ballverlust die erste Gegenpressingaktion sitzen. Tut sie das nicht, wird der Sechser zum Feuerwehrmann für eine Fläche, die ein einzelner Spieler überhaupt nicht kontrollieren kann.
Und genau hier liegt für mich einer der Schlüssel für die zwei Gesichter.
Solange unser Gegenpressing in Halbzeit eins Zugriff hatte, funktionierte diese mutige Besetzung. Augsburg kam kaum in Situationen, in denen unsere Restverteidigung offen verteidigen musste. Wir konnten Ballverluste häufig bereits im ersten oder zweiten Zugriff auffangen und Augsburg damit daran hindern, überhaupt kontrolliert in unsere letzte Linie zu kommen.
Genau darin liegt aber gleichzeitig die Fragilität dieses Ansatzes: Wird die erste Gegenpressinglinie überspielt, fehlt uns aktuell noch zu häufig der zweite Zugriff. Dann wird aus einer aggressiven Vorwärtsverteidigung innerhalb weniger Sekunden eine offene Rückwärtsbewegung.
Und dann reden wir plötzlich nicht mehr über Pressing, sondern über Notverteidigung.
Das ist für mich momentan einer der wesentlichen Punkte.
Denn eine Mannschaft, die hoch verteidigen möchte, muss nach einem überspielten Pressing sehr schnell erkennen, ob sie weiterhin Zugriff herstellen kann oder ob sie abbrechen, Tiefe sichern und sich neu organisieren muss.
Genau diese Entscheidungsfindung funktioniert noch nicht zuverlässig.
Und hier wird es für mich nach dem Augsburger Doppelschlag besonders interessant.
Nach einem Gegentor gibt es bei einer hoch verteidigenden Mannschaft grundsätzlich verschiedene Möglichkeiten. Ich kann meine Höhe beibehalten, benötige dann aber sofort wieder maximalen Druck auf den Ball. Oder ich nehme vorübergehend einige Meter heraus, verdichte zunächst das Zentrum, sichere Tiefe und stelle wieder Kontrolle her.
Was nicht funktioniert, ist die Zwischenlösung:
Vorne weiterhin attackieren wollen, während hinten bereits vorsichtiger verteidigt wird.
Genau dann verliert eine Mannschaft ihre vertikale Kompaktheit.
Die erste Linie presst, das Mittelfeld kommt nicht mehr sauber hinterher, die letzte Linie beginnt aufgrund fehlenden Balldrucks tiefer zu denken – und plötzlich entstehen zwischen den Mannschaftsteilen Räume, die vorher überhaupt nicht vorhanden waren.
Dann sieht es von außen schnell nach fehlender Mentalität oder individueller Qualität aus. In Wirklichkeit hat die Mannschaft aber zunächst ihre gemeinsame Raumordnung verloren.
Und damit bin ich auch bei der viel diskutierten Mentalität.
Mir ist die Gleichung „Rasmus und Theate weg = Mentalität weg“ deutlich zu einfach.
Bei Rasmus kann ich das aufgrund seiner Präsenz, Emotionalität und Zweikampfführung durchaus nachvollziehen. Bei Theate sehe ich das wesentlich kritischer. Seine aggressive Art zu verteidigen, seine Körpersprache und die Verbindung zu den Fans haben dieses Bild sicherlich begünstigt.
Nur ist das für mich nicht automatisch Führungsqualität.
Ein Abwehrchef definiert sich nicht darüber, wie spektakulär er einen Zweikampf führt oder wie sehr seine Art beim Publikum ankommt.
Er definiert sich vor allem über Steuerung.
Höhe der Kette vorgeben. Herausrücken kommandieren. Rückwärtspressing einfordern. Abstände korrigieren. Mitspieler verschieben. Nach Überspielen des Pressings erkennen, wann nicht mehr nach vorne verteidigt werden darf, sondern zunächst Raum gesichert und verzögert werden muss.
Gerade in der vergangenen Saison habe ich Theate nicht dauerhaft als diesen großen ordnenden Stabilisator wahrgenommen, als der er rückblickend gerade teilweise dargestellt wird.
Unser Problem gegen Augsburg war deshalb für mich auch nicht: „Uns fehlt Theate.“
Unser Problem war, dass nach dem Bruch im Spiel die kollektive Pressinglogik verloren ging.
Und genau dort sehe ich momentan Hütters größte Baustelle.
Für mich ist deshalb beispielsweise auch die Konstellation Götze/Onyedika wesentlich interessanter als die reflexartige Forderung nach dem nächsten Innenverteidiger.
Götze kann einem Spiel über seine Orientierung, sein Freilaufverhalten, seine Passwinkel und seine Fähigkeit, Drucksituationen spielerisch aufzulösen, enorme Qualität geben. Er ist aber naturgemäß kein zweiter Onyedika, der im defensiven Umschalten große Räume schließt.
Wenn ich diese Konstellation spielen möchte, muss ich strukturell dafür sorgen, dass entweder ein Außenverteidiger in der Restverteidigung tiefer bleibt, ein offensiver Achter nach Ballverlust sofort einrückt oder meine Gegenpressingstruktur so eng ist, dass der Gegner den ersten Pass nach Ballgewinn gar nicht sauber spielen kann.
Ansonsten entsteht hinter fünf oder sechs Spielern eine Fläche, die kaum noch kontrollierbar ist.
Das ist keine Kritik an Götze. Das ist eine Frage der Rollenkompatibilität.
Und genau deshalb finde ich auch Baum und Kosugi wesentlich interessanter, als sie momentan teilweise dargestellt werden.
Die Frage sollte nicht sein, ob beide heute bereits dieselbe defensive Sicherheit besitzen wie ein Außenverteidiger mit 150 Bundesligaspielen.
Die Frage muss lauten, welche Funktionen sie innerhalb von Hütters Spielmodell übernehmen sollen.
Beide können Dynamik erzeugen und Höhe geben. Dadurch kann die Breite über die Außenverteidiger hergestellt werden und offensive Spieler können enger in den Halbräumen positioniert werden. Das wiederum schafft andere Passwinkel, andere Anschlussaktionen und bessere Voraussetzungen für Überladungen.
Aber jede offensive Freiheit erzeugt irgendwo eine defensive Verpflichtung.
Wenn Baum hochschiebt, muss sein Rücken abgesichert werden. Wenn Kosugi auf der anderen Seite gleichzeitig Höhe gibt, verändert sich die gesamte Restverteidigung. Dann muss entweder Onyedika Räume vor beziehungsweise zwischen den Innenverteidigern schließen oder ein ballferner Spieler frühzeitig einrücken.
Deshalb interessiert mich auch nicht besonders, ob Baum am dritten Spieltag mal einen Zweikampf verliert.
Mich interessiert, ob die Absicherungsmechanismen um Baum herum in sechs Wochen besser funktionieren.
Genau dort zeigt sich Entwicklung.
Und aus diesem Grund gefällt mir der kleinere Kader grundsätzlich sogar.
Hütter muss gerade keine Ansammlung von Einzelspielern verwalten. Er muss eine gemeinsame Rauminterpretation entwickeln.
Pressinghöhe, Pressingtrigger, Rückwärtspressing, ballfernes Einrücken, Anschlussdruck, Tiefensicherung, Restverteidigung und das Verhalten nach Überspielen der ersten Linie entstehen nicht dadurch, dass man sie einmal auf eine Taktiktafel malt.
Sie entstehen durch Wiederholung.
Und dafür brauche ich Trainingskonstanz, klare Rollen und Spieler, die regelmäßig miteinander arbeiten.
Insofern sehe ich das Transferfenster sportlich auch nicht ausschließlich über die Frage: Wer ersetzt Theate? Wer ersetzt Rasmus? Wer ersetzt Spieler X?
Gute Kaderplanung bedeutet nicht zwingend, jedes abgegebene Profil eins zu eins durch dasselbe Profil zu ersetzen.
Man kann auch das Spielmodell verändern, weil die vorhandenen Spieler andere Stärken besitzen.
Das bedeutet ausdrücklich nicht, dass ich dieses Transferfenster für perfekt halte. Mir ist der Sturm quantitativ ebenfalls etwas dünn. Eine weitere defensive Option hätte ich auch genommen.
Aber Risiko und schlechte Kaderplanung sind für mich zwei verschiedene Dinge.
Genauso muss man zwischen Kaderplanung, individueller Form und Trainerentscheidungen unterscheiden.
Wenn Koch momentan nicht seine beste Form erreicht oder die letzte Linie nicht ausreichend führt, ist das ein Thema.
Wenn Hütter eine Zentrumsbesetzung wählt, die im defensiven Umschalten nicht funktioniert, ist das ein Thema.
Wenn ein junger Außenverteidiger einen individuellen Fehler macht, ist das ein Thema.
Aber aus drei unterschiedlichen Problemen automatisch ein einziges „Krösche hat den Kader schlecht zusammengestellt“ zu machen, ist mir deutlich zu simpel.
Kaderqualität, individuelle Form und taktische Umsetzung sind drei verschiedene Dinge.
Ähnlich sehe ich es offensiv.
Was uns gegenüber früheren Mannschaften möglicherweise tatsächlich fehlt, ist ein bestimmtes Profil: Spieler, die aus einer zunächst neutralen oder sogar schlecht vorbereiteten Situation über ein Tempodribbling selbstständig Raumgewinn herstellen und damit eine komplette gegnerische Linie überspielen.
Solche Spieler können strukturelle Unsauberkeiten kaschieren.
Fehlt diese individuelle Dynamik, muss ich Chancen anders vorbereiten.
Dann brauche ich saubere Halbraumbesetzung, Überladungen, Gegenbewegungen, dritte-Mann-Läufe, besseres Freiziehen von Räumen und vor allem Anschlussaktionen, nachdem eine gegnerische Linie überspielt wurde.
Dann muss der Gegner über Positionsspiel bewegt werden, anstatt darauf zu hoffen, dass ein Einzelspieler aus dem Stand Unordnung erzeugt.
Das benötigt deutlich mehr Abstimmung.
Deshalb halte ich auch Aussagen wie „Doan bringt keinen Output“ für viel zu eindimensional. Der Wert eines Spielers innerhalb eines Positionsangriffs bemisst sich nicht ausschließlich daran, wer am Ende Tor oder Assist bekommt. Entscheidend kann genauso sein, ob seine Positionierung einen Gegenspieler bindet, einen Halbraum öffnet, einen Passweg erzeugt oder die nächste Aktion vorbereitet.
Und damit komme ich wieder zu den „zwei Gesichtern“.
Für mich war Halbzeit eins nicht einfach gut und Halbzeit zwei einfach schlecht.
Halbzeit eins hat gezeigt, unter welchen strukturellen Bedingungen Hütters Idee funktionieren kann.
Halbzeit zwei hat gezeigt, wie fragil diese Bedingungen momentan noch sind, sobald der erste Zugriff verloren geht.
Das ist für mich ein wesentlich interessanterer Befund als die pauschale Aussage, der Mannschaft fehle Qualität.
Denn individuelle Qualität kann ich im Wesentlichen nur über Personal verändern.
Strukturelle Stabilität kann ich trainieren.
Und genau deshalb würde ich jetzt auch nicht hektisch irgendeinen Spieler verpflichten, nur weil wir sieben Gegentore in zwei Spielen bekommen haben.
Wenn wir in sechs oder acht Wochen noch immer dieselben Probleme haben, wenn unser Gegenpressing nach Überspielen der ersten Linie weiterhin keinen zweiten Zugriff besitzt, die Restverteidigung regelmäßig in Gleichzahl oder Unterzahl gerät, die Abstände zwischen den Linien nicht stimmen und Hütter keine Balance für seine Zentrumsbesetzung findet, dann haben wir ein strukturelles Problem, über das man sehr ernsthaft reden muss.
Momentan sehe ich aber zunächst einen Trainer, der versucht, die Mannschaft höher und proaktiver verteidigen zu lassen, gleichzeitig viele technisch starke Spieler auf den Platz bringen möchte und dafür bewusst Risiko in der Absicherung akzeptiert.
Seine Aufgabe besteht jetzt darin, dieses Risiko kontrollierbar zu machen.
Und genau deshalb bin ich auch vorsichtig mit dem Anspruchsdenken von uns Fans.
Natürlich darf jeder kritisieren. Ich mache das selbst. Aber nur weil jemand seit 20 Jahren Mitglied ist, eine Dauerkarte besitzt, Eintritt bezahlt oder jedes zweite Wochenende hunderte Kilometer auswärts fährt, besitzt er dadurch weder ein größeres Mitspracherecht bei sportlichen Entscheidungen noch automatisch eine höhere fachliche Kompetenz.
All diese Dinge tun wir freiwillig, weil wir Eintracht unterstützen und diesen Verein lieben.
Daraus entsteht aber kein Anspruch darauf, dass die sportliche Leitung den Kader nach unseren Vorstellungen zusammenstellt.
Eine Eintrittskarte ist eine Eintrittskarte und kein Anteilsschein an der Kaderplanung.
Wir kennen weder sämtliche Transferoptionen noch interne Gespräche, Trainingswerte, medizinische Daten, definierte Spielerprofile, finanzielle Grenzen oder die taktischen Überlegungen hinter einzelnen Personalentscheidungen.
Deshalb unterscheide ich ziemlich deutlich zwischen:
„Ich halte diese Entscheidung für falsch.“
und
„Ich weiß, dass diese Entscheidung falsch ist.“
Ersteres ist Kritik. Zweiteres setzt Informationen voraus, die wir Außenstehenden schlicht nicht besitzen.
Und genau deshalb würde ich nach zwei Bundesligaspielen weder die Kaderplanung abfeiern noch sie beerdigen.
Für mich lautet die entscheidende Frage nach Augsburg nicht:
„Wen hätte Krösche noch kaufen müssen?“
Sondern:
Warum konnte dieselbe Mannschaft Augsburg zunächst kontrollieren und verlor anschließend innerhalb kürzester Zeit ihre komplette Zugriffskontrolle?
Wenn Hütter darauf eine Antwort findet, verschwinden möglicherweise einige der momentan diskutierten vermeintlichen Kaderprobleme ganz von selbst.
Wenn er sie nicht findet, werden wir irgendwann ganz andere Diskussionen führen müssen.
Aber genau daran würde ich diese Mannschaft in den kommenden Wochen messen:
Nicht daran, ob jeder junge Spieler sofort fehlerfrei funktioniert. Nicht daran, ob nach zwei Spieltagen irgendeine Tabelle unseren Erwartungen entspricht.
Sondern daran, ob aus individuellem Verteidigen wieder kollektives Verteidigen wird, ob nach dem ersten verlorenen Zugriff ein zweiter entsteht, ob die Restverteidigung sauberer organisiert wird, ob die Abstände unter gegnerischem Druck stabil bleiben und ob diese Mannschaft lernt, nach einem Wirkungstreffer nicht ihre komplette Raumordnung zu verlieren.
Dann werden aus den zwei Gesichtern irgendwann nicht deshalb eines, weil plötzlich bessere Einzelspieler auf dem Platz stehen – sondern weil elf Spieler anfangen, dieselben Situationen gleich zu interpretieren.
Und genau das ist am Ende Trainerarbeit.
Hütter möchte proaktiv verteidigen. Das war in der ersten Halbzeit auch ziemlich deutlich zu erkennen. Interessant war dabei für mich weniger unser Ballbesitz als vielmehr die Positionierung gegen den Ball und unmittelbar nach Ballverlust.
Wir haben Augsburg häufig mit einer hohen letzten Linie verteidigt und versucht, den Raum bereits weit vor unserem eigenen Strafraum zu kontrollieren. Entscheidend dafür war das konsequente Nachschieben. Sobald Augsburg auf eine Seite gelenkt wurde, konnte die ballnahe Seite verdichten, während die letzte Linie aggressiv Anschluss gehalten hat.
Dadurch waren die vertikalen Abstände klein. Und genau das ist wichtig, weil ein Ballverlust dann nicht zwangsläufig sofort verteidigt werden muss, sondern zunächst gegengepresst werden kann.
Deshalb sah unsere Defensive in der ersten Halbzeit für mich auch wesentlich stabiler aus. Nicht weil Baum, Koch, Brassier oder Kosugi plötzlich individuell bessere Verteidiger waren, sondern weil sie wesentlich seltener isoliert verteidigen mussten.
Das ist ein elementarer Unterschied.
Eine Viererkette verteidigt nicht unabhängig vom Rest der Mannschaft. Wenn die Abstände zwischen Angriff, Mittelfeld und letzter Linie stimmen, kann ich nach Ballverlust sofort Anschlussdruck herstellen. Werden diese Abstände zu groß, entstehen Laufduelle, offene Halbräume und Situationen, in denen beispielsweise ein Außenverteidiger plötzlich gleichzeitig Breite und Tiefe kontrollieren soll.
Dann sieht am Ende häufig der Verteidiger schlecht aus, obwohl der eigentliche Fehler zehn oder zwanzig Meter weiter vorne entstanden ist.
Genau deshalb würde ich unsere Defensive momentan auch nicht isoliert anhand der Namen bewerten.
Viel interessanter finde ich beispielsweise die Besetzung des Zentrums.
Mit Onyedika haben wir im Grunde nur einen klassischen absichernden Mittelfeldspieler aufgestellt. Davor beziehungsweise daneben bewegen sich Spieler, deren natürliche Orientierung wesentlich offensiver ist.
Das kann sehr attraktiv sein, weil man viele Spieler zwischen und hinter die gegnerischen Linien bekommt. Gleichzeitig erzeugt diese Struktur aber eine enorme Verantwortung für Onyedika.
Wenn die Außenverteidiger Höhe geben und gleichzeitig mehrere offensive Spieler vor dem Ball positioniert sind, muss nach Ballverlust die erste Gegenpressingaktion sitzen. Tut sie das nicht, wird der Sechser zum Feuerwehrmann für eine Fläche, die ein einzelner Spieler überhaupt nicht kontrollieren kann.
Und genau hier liegt für mich einer der Schlüssel für die zwei Gesichter.
Solange unser Gegenpressing in Halbzeit eins Zugriff hatte, funktionierte diese mutige Besetzung. Augsburg kam kaum in Situationen, in denen unsere Restverteidigung offen verteidigen musste. Wir konnten Ballverluste häufig bereits im ersten oder zweiten Zugriff auffangen und Augsburg damit daran hindern, überhaupt kontrolliert in unsere letzte Linie zu kommen.
Genau darin liegt aber gleichzeitig die Fragilität dieses Ansatzes: Wird die erste Gegenpressinglinie überspielt, fehlt uns aktuell noch zu häufig der zweite Zugriff. Dann wird aus einer aggressiven Vorwärtsverteidigung innerhalb weniger Sekunden eine offene Rückwärtsbewegung.
Und dann reden wir plötzlich nicht mehr über Pressing, sondern über Notverteidigung.
Das ist für mich momentan einer der wesentlichen Punkte.
Denn eine Mannschaft, die hoch verteidigen möchte, muss nach einem überspielten Pressing sehr schnell erkennen, ob sie weiterhin Zugriff herstellen kann oder ob sie abbrechen, Tiefe sichern und sich neu organisieren muss.
Genau diese Entscheidungsfindung funktioniert noch nicht zuverlässig.
Und hier wird es für mich nach dem Augsburger Doppelschlag besonders interessant.
Nach einem Gegentor gibt es bei einer hoch verteidigenden Mannschaft grundsätzlich verschiedene Möglichkeiten. Ich kann meine Höhe beibehalten, benötige dann aber sofort wieder maximalen Druck auf den Ball. Oder ich nehme vorübergehend einige Meter heraus, verdichte zunächst das Zentrum, sichere Tiefe und stelle wieder Kontrolle her.
Was nicht funktioniert, ist die Zwischenlösung:
Vorne weiterhin attackieren wollen, während hinten bereits vorsichtiger verteidigt wird.
Genau dann verliert eine Mannschaft ihre vertikale Kompaktheit.
Die erste Linie presst, das Mittelfeld kommt nicht mehr sauber hinterher, die letzte Linie beginnt aufgrund fehlenden Balldrucks tiefer zu denken – und plötzlich entstehen zwischen den Mannschaftsteilen Räume, die vorher überhaupt nicht vorhanden waren.
Dann sieht es von außen schnell nach fehlender Mentalität oder individueller Qualität aus. In Wirklichkeit hat die Mannschaft aber zunächst ihre gemeinsame Raumordnung verloren.
Und damit bin ich auch bei der viel diskutierten Mentalität.
Mir ist die Gleichung „Rasmus und Theate weg = Mentalität weg“ deutlich zu einfach.
Bei Rasmus kann ich das aufgrund seiner Präsenz, Emotionalität und Zweikampfführung durchaus nachvollziehen. Bei Theate sehe ich das wesentlich kritischer. Seine aggressive Art zu verteidigen, seine Körpersprache und die Verbindung zu den Fans haben dieses Bild sicherlich begünstigt.
Nur ist das für mich nicht automatisch Führungsqualität.
Ein Abwehrchef definiert sich nicht darüber, wie spektakulär er einen Zweikampf führt oder wie sehr seine Art beim Publikum ankommt.
Er definiert sich vor allem über Steuerung.
Höhe der Kette vorgeben. Herausrücken kommandieren. Rückwärtspressing einfordern. Abstände korrigieren. Mitspieler verschieben. Nach Überspielen des Pressings erkennen, wann nicht mehr nach vorne verteidigt werden darf, sondern zunächst Raum gesichert und verzögert werden muss.
Gerade in der vergangenen Saison habe ich Theate nicht dauerhaft als diesen großen ordnenden Stabilisator wahrgenommen, als der er rückblickend gerade teilweise dargestellt wird.
Unser Problem gegen Augsburg war deshalb für mich auch nicht: „Uns fehlt Theate.“
Unser Problem war, dass nach dem Bruch im Spiel die kollektive Pressinglogik verloren ging.
Und genau dort sehe ich momentan Hütters größte Baustelle.
Für mich ist deshalb beispielsweise auch die Konstellation Götze/Onyedika wesentlich interessanter als die reflexartige Forderung nach dem nächsten Innenverteidiger.
Götze kann einem Spiel über seine Orientierung, sein Freilaufverhalten, seine Passwinkel und seine Fähigkeit, Drucksituationen spielerisch aufzulösen, enorme Qualität geben. Er ist aber naturgemäß kein zweiter Onyedika, der im defensiven Umschalten große Räume schließt.
Wenn ich diese Konstellation spielen möchte, muss ich strukturell dafür sorgen, dass entweder ein Außenverteidiger in der Restverteidigung tiefer bleibt, ein offensiver Achter nach Ballverlust sofort einrückt oder meine Gegenpressingstruktur so eng ist, dass der Gegner den ersten Pass nach Ballgewinn gar nicht sauber spielen kann.
Ansonsten entsteht hinter fünf oder sechs Spielern eine Fläche, die kaum noch kontrollierbar ist.
Das ist keine Kritik an Götze. Das ist eine Frage der Rollenkompatibilität.
Und genau deshalb finde ich auch Baum und Kosugi wesentlich interessanter, als sie momentan teilweise dargestellt werden.
Die Frage sollte nicht sein, ob beide heute bereits dieselbe defensive Sicherheit besitzen wie ein Außenverteidiger mit 150 Bundesligaspielen.
Die Frage muss lauten, welche Funktionen sie innerhalb von Hütters Spielmodell übernehmen sollen.
Beide können Dynamik erzeugen und Höhe geben. Dadurch kann die Breite über die Außenverteidiger hergestellt werden und offensive Spieler können enger in den Halbräumen positioniert werden. Das wiederum schafft andere Passwinkel, andere Anschlussaktionen und bessere Voraussetzungen für Überladungen.
Aber jede offensive Freiheit erzeugt irgendwo eine defensive Verpflichtung.
Wenn Baum hochschiebt, muss sein Rücken abgesichert werden. Wenn Kosugi auf der anderen Seite gleichzeitig Höhe gibt, verändert sich die gesamte Restverteidigung. Dann muss entweder Onyedika Räume vor beziehungsweise zwischen den Innenverteidigern schließen oder ein ballferner Spieler frühzeitig einrücken.
Deshalb interessiert mich auch nicht besonders, ob Baum am dritten Spieltag mal einen Zweikampf verliert.
Mich interessiert, ob die Absicherungsmechanismen um Baum herum in sechs Wochen besser funktionieren.
Genau dort zeigt sich Entwicklung.
Und aus diesem Grund gefällt mir der kleinere Kader grundsätzlich sogar.
Hütter muss gerade keine Ansammlung von Einzelspielern verwalten. Er muss eine gemeinsame Rauminterpretation entwickeln.
Pressinghöhe, Pressingtrigger, Rückwärtspressing, ballfernes Einrücken, Anschlussdruck, Tiefensicherung, Restverteidigung und das Verhalten nach Überspielen der ersten Linie entstehen nicht dadurch, dass man sie einmal auf eine Taktiktafel malt.
Sie entstehen durch Wiederholung.
Und dafür brauche ich Trainingskonstanz, klare Rollen und Spieler, die regelmäßig miteinander arbeiten.
Insofern sehe ich das Transferfenster sportlich auch nicht ausschließlich über die Frage: Wer ersetzt Theate? Wer ersetzt Rasmus? Wer ersetzt Spieler X?
Gute Kaderplanung bedeutet nicht zwingend, jedes abgegebene Profil eins zu eins durch dasselbe Profil zu ersetzen.
Man kann auch das Spielmodell verändern, weil die vorhandenen Spieler andere Stärken besitzen.
Das bedeutet ausdrücklich nicht, dass ich dieses Transferfenster für perfekt halte. Mir ist der Sturm quantitativ ebenfalls etwas dünn. Eine weitere defensive Option hätte ich auch genommen.
Aber Risiko und schlechte Kaderplanung sind für mich zwei verschiedene Dinge.
Genauso muss man zwischen Kaderplanung, individueller Form und Trainerentscheidungen unterscheiden.
Wenn Koch momentan nicht seine beste Form erreicht oder die letzte Linie nicht ausreichend führt, ist das ein Thema.
Wenn Hütter eine Zentrumsbesetzung wählt, die im defensiven Umschalten nicht funktioniert, ist das ein Thema.
Wenn ein junger Außenverteidiger einen individuellen Fehler macht, ist das ein Thema.
Aber aus drei unterschiedlichen Problemen automatisch ein einziges „Krösche hat den Kader schlecht zusammengestellt“ zu machen, ist mir deutlich zu simpel.
Kaderqualität, individuelle Form und taktische Umsetzung sind drei verschiedene Dinge.
Ähnlich sehe ich es offensiv.
Was uns gegenüber früheren Mannschaften möglicherweise tatsächlich fehlt, ist ein bestimmtes Profil: Spieler, die aus einer zunächst neutralen oder sogar schlecht vorbereiteten Situation über ein Tempodribbling selbstständig Raumgewinn herstellen und damit eine komplette gegnerische Linie überspielen.
Solche Spieler können strukturelle Unsauberkeiten kaschieren.
Fehlt diese individuelle Dynamik, muss ich Chancen anders vorbereiten.
Dann brauche ich saubere Halbraumbesetzung, Überladungen, Gegenbewegungen, dritte-Mann-Läufe, besseres Freiziehen von Räumen und vor allem Anschlussaktionen, nachdem eine gegnerische Linie überspielt wurde.
Dann muss der Gegner über Positionsspiel bewegt werden, anstatt darauf zu hoffen, dass ein Einzelspieler aus dem Stand Unordnung erzeugt.
Das benötigt deutlich mehr Abstimmung.
Deshalb halte ich auch Aussagen wie „Doan bringt keinen Output“ für viel zu eindimensional. Der Wert eines Spielers innerhalb eines Positionsangriffs bemisst sich nicht ausschließlich daran, wer am Ende Tor oder Assist bekommt. Entscheidend kann genauso sein, ob seine Positionierung einen Gegenspieler bindet, einen Halbraum öffnet, einen Passweg erzeugt oder die nächste Aktion vorbereitet.
Und damit komme ich wieder zu den „zwei Gesichtern“.
Für mich war Halbzeit eins nicht einfach gut und Halbzeit zwei einfach schlecht.
Halbzeit eins hat gezeigt, unter welchen strukturellen Bedingungen Hütters Idee funktionieren kann.
Halbzeit zwei hat gezeigt, wie fragil diese Bedingungen momentan noch sind, sobald der erste Zugriff verloren geht.
Das ist für mich ein wesentlich interessanterer Befund als die pauschale Aussage, der Mannschaft fehle Qualität.
Denn individuelle Qualität kann ich im Wesentlichen nur über Personal verändern.
Strukturelle Stabilität kann ich trainieren.
Und genau deshalb würde ich jetzt auch nicht hektisch irgendeinen Spieler verpflichten, nur weil wir sieben Gegentore in zwei Spielen bekommen haben.
Wenn wir in sechs oder acht Wochen noch immer dieselben Probleme haben, wenn unser Gegenpressing nach Überspielen der ersten Linie weiterhin keinen zweiten Zugriff besitzt, die Restverteidigung regelmäßig in Gleichzahl oder Unterzahl gerät, die Abstände zwischen den Linien nicht stimmen und Hütter keine Balance für seine Zentrumsbesetzung findet, dann haben wir ein strukturelles Problem, über das man sehr ernsthaft reden muss.
Momentan sehe ich aber zunächst einen Trainer, der versucht, die Mannschaft höher und proaktiver verteidigen zu lassen, gleichzeitig viele technisch starke Spieler auf den Platz bringen möchte und dafür bewusst Risiko in der Absicherung akzeptiert.
Seine Aufgabe besteht jetzt darin, dieses Risiko kontrollierbar zu machen.
Und genau deshalb bin ich auch vorsichtig mit dem Anspruchsdenken von uns Fans.
Natürlich darf jeder kritisieren. Ich mache das selbst. Aber nur weil jemand seit 20 Jahren Mitglied ist, eine Dauerkarte besitzt, Eintritt bezahlt oder jedes zweite Wochenende hunderte Kilometer auswärts fährt, besitzt er dadurch weder ein größeres Mitspracherecht bei sportlichen Entscheidungen noch automatisch eine höhere fachliche Kompetenz.
All diese Dinge tun wir freiwillig, weil wir Eintracht unterstützen und diesen Verein lieben.
Daraus entsteht aber kein Anspruch darauf, dass die sportliche Leitung den Kader nach unseren Vorstellungen zusammenstellt.
Eine Eintrittskarte ist eine Eintrittskarte und kein Anteilsschein an der Kaderplanung.
Wir kennen weder sämtliche Transferoptionen noch interne Gespräche, Trainingswerte, medizinische Daten, definierte Spielerprofile, finanzielle Grenzen oder die taktischen Überlegungen hinter einzelnen Personalentscheidungen.
Deshalb unterscheide ich ziemlich deutlich zwischen:
„Ich halte diese Entscheidung für falsch.“
und
„Ich weiß, dass diese Entscheidung falsch ist.“
Ersteres ist Kritik. Zweiteres setzt Informationen voraus, die wir Außenstehenden schlicht nicht besitzen.
Und genau deshalb würde ich nach zwei Bundesligaspielen weder die Kaderplanung abfeiern noch sie beerdigen.
Für mich lautet die entscheidende Frage nach Augsburg nicht:
„Wen hätte Krösche noch kaufen müssen?“
Sondern:
Warum konnte dieselbe Mannschaft Augsburg zunächst kontrollieren und verlor anschließend innerhalb kürzester Zeit ihre komplette Zugriffskontrolle?
Wenn Hütter darauf eine Antwort findet, verschwinden möglicherweise einige der momentan diskutierten vermeintlichen Kaderprobleme ganz von selbst.
Wenn er sie nicht findet, werden wir irgendwann ganz andere Diskussionen führen müssen.
Aber genau daran würde ich diese Mannschaft in den kommenden Wochen messen:
Nicht daran, ob jeder junge Spieler sofort fehlerfrei funktioniert. Nicht daran, ob nach zwei Spieltagen irgendeine Tabelle unseren Erwartungen entspricht.
Sondern daran, ob aus individuellem Verteidigen wieder kollektives Verteidigen wird, ob nach dem ersten verlorenen Zugriff ein zweiter entsteht, ob die Restverteidigung sauberer organisiert wird, ob die Abstände unter gegnerischem Druck stabil bleiben und ob diese Mannschaft lernt, nach einem Wirkungstreffer nicht ihre komplette Raumordnung zu verlieren.
Dann werden aus den zwei Gesichtern irgendwann nicht deshalb eines, weil plötzlich bessere Einzelspieler auf dem Platz stehen – sondern weil elf Spieler anfangen, dieselben Situationen gleich zu interpretieren.
Und genau das ist am Ende Trainerarbeit.
Maddux schrieb:
Mit dem Kader landen wir am Ende der Saison auf einem zweistelligen Tabellenplatz und die Frage ist nur wie sehr zweistellig.
Und Wahi ist ein hochwertiger Ersatz für Marmoush (Ich zitiere nur)... Kurzum: Wir werden es sehen Maddux. Aber klar ist, dass der jetzige Kader wenig Hoffnung für einen Platz Richtung Sonne gibt.
SGE_Werner schrieb:
Aber klar ist, dass der jetzige Kader wenig Hoffnung für einen Platz Richtung Sonne gibt.
Und letzte Saison wurde nach 2 Spieltagen von CL gefaselt.
Hütters erste Amtszeit:
Supercupdresche, Pokalaus bei Ulm, 3 Punkte nach 3 Spielen
Ich sage das, was ich in Hütters erster Amtszeit gesagt habe, wo hier 3/4 der User ihn rauswerfen wollten (du ja als einer der wenigen ebenfalls nicht), ich sehe was er spielen lassen will, ich sehe, dass das funktionieren kann, also habe ich Geduld.
Warum das Spiel heute daran irgendwas ändern sollte, erschließt sich mir nicht.
Die erste Halbzeit hat gezeigt, dass es funktionieren kann und die zweite, warum Geduld angebracht ist.
Wenn das Team so weiter spielt, wird der notwendige Sieg kommen, dann wird das Selbstvertrauen kommen, dass eben nicht immer alles irgendwann schief geht und dann sehen wir weiter.
7 bis 9 (+/-1 Fehlertoleranz) unverändert
SemperFi schrieb:SGE_Werner schrieb:
Aber klar ist, dass der jetzige Kader wenig Hoffnung für einen Platz Richtung Sonne gibt.
Und letzte Saison wurde nach 2 Spieltagen von CL gefaselt.
Hütters erste Amtszeit:
Supercupdresche, Pokalaus bei Ulm, 3 Punkte nach 3 Spielen
Ich sage das, was ich in Hütters erster Amtszeit gesagt habe, wo hier 3/4 der User ihn rauswerfen wollten (du ja als einer der wenigen ebenfalls nicht), ich sehe was er spielen lassen will, ich sehe, dass das funktionieren kann, also habe ich Geduld.
Warum das Spiel heute daran irgendwas ändern sollte, erschließt sich mir nicht.
Die erste Halbzeit hat gezeigt, dass es funktionieren kann und die zweite, warum Geduld angebracht ist.
Wenn das Team so weiter spielt, wird der notwendige Sieg kommen, dann wird das Selbstvertrauen kommen, dass eben nicht immer alles irgendwann schief geht und dann sehen wir weiter.
7 bis 9 (+/-1 Fehlertoleranz) unverändert
Sehe ich ähnlich. Wenn wir von Verletzungssorgen verschont bleiben, sehe ich uns auch in dieser Region.
Hätten wir die Chancen in der ersten Hz. genutzt, wären wir auch als Sieger vom Platz gegangen.
SemperFi schrieb:Wedge schrieb:
Trotzdem Shice
Ich fands gestern großartig.
Hat mich an fantechnisch schöne Zeiten bei uns erinnert.
So eine Stimmung wie das gestern, hatten wir jedenfalls schon ewig nicht mehr.
Kommt darauf an was man als ewig bezeichnet.
Aber stimmt schon , deswegen ist es vermutlich ganz gut, wenn wir endlich wieder ...
SemperFi schrieb:
Wie sieht denn so ein 4/5tel Tor aus?
Frag Gekas
U.Bein schrieb:Lattenknaller__ schrieb:
man kann auch schlicht auf die derzeitige kaderzusammenstellung im sturm gucken und das dort gesehene als den nächsten kader-zusammenstellungs-fuck- up krösches (von diversen) verbuchen.
Tja, und warum ist Adi dann mit dem Kader so zufrieden wie er ist? Wurde er gezwungen das zu sagen oder hat er bloß keine Ahnung wie besch... Krösche ist?
Das ist der eine Punkt. Zudem frage ich mich, wie er den Anspruch seiner Meinung auf Allgemeingültigkeit stichhaltig begründet.
underdog since 1899 schrieb:
Zudem frage ich mich, wie er den Anspruch seiner Meinung auf Allgemeingültigkeit stichhaltig begründet.
Aussagen des Trainers sind nur glaubhaft bei bestimmten Personen, wenn diese deckungsgleich zur eigenen Meinung sind.
Ansonsten wird aufgefordert diese nicht zu glauben.
Deswegen ist ja jede Diskussion sinnlos, da ja eben nicht diskutiert werden will.
saaradler78 schrieb:
Hat Herr Frankenbach auch unsere Strategie hinsichtlich der Transfers nicht auch etwas kritisch gesehen?
Ich meine, er hätte seinerzeit mal das finanzielle Risiko so manches Transfers angemahnt. Aber nagel mich jetzt bitte nicht darauf fest, denn eine belastbare Quelle habe ich dafür nicht zur Hand.
underdog since 1899 schrieb:saaradler78 schrieb:
Hat Herr Frankenbach auch unsere Strategie hinsichtlich der Transfers nicht auch etwas kritisch gesehen?
Ich meine, er hätte seinerzeit mal das finanzielle Risiko so manches Transfers angemahnt. Aber nagel mich jetzt bitte nicht darauf fest, denn eine belastbare Quelle habe ich dafür nicht zur Hand.
Na ja, man muss aber auch bedenken, dass viele finanzielle Entscheidungen, die uns jetzt natürlich noch beeinflussen in Frankenbachs Zeit fallen.
So ganz einfach ist da eine "seit er weg ist" Aussage dann halt nicht.
Und ich möchte hier keinen besser oder schlechter reden, sondern nur festhalten, dass auch bei diesem Thema es von außen schwer ist, die Lage wirklich einzuschätzen.
SemperFi schrieb:
Und ich möchte hier keinen besser oder schlechter reden, sondern nur festhalten, dass auch bei diesem Thema es von außen schwer ist, die Lage wirklich einzuschätzen.
Aus dem Grund sprach ich von meinem Gefühl. Aber du hast natürlich recht, ein solches ist immer subjektiv, und von daher nicht wirklich valide.
Ich weiß schon warum ich bei Union auf die erste Trainerentlassung getippt haben.
Ein Leckeres Bier
SemperFi schrieb:
Gegen Leverkusen lassen sie es halt passieren.
Und ich bin der Meinung halt, dass Leverkusen es so macht, dass Union praktisch keinerlei Hoffnung hat irgendwas da zu reißen. Aber vllt. liegt die Wahrheit zwischen unseren beiden Positionen. Union ist für mich ohnehin ein Abstiegskandidat.
SemperFi schrieb:
Hätten die gegen uns so dappig und körperlos verteidigt
Die haben gegen uns nicht so viel besser verteidigt finde ich. Die waren schon gegen uns miserabel. Leverkusen hat halt gefühlt 94 % Ballbesitz und stoppt jeden Union-Angriff dadurch, dass sie überhaupt keinen Zweifel daran lassen, dass sie die Kontrolle behalten werden. Bei uns spürst halt dagegen, dass alles sofort gefährlich werden kann.
SGE_Werner schrieb:
Die haben gegen uns nicht so viel besser verteidigt finde ich.
Ich rede nicht von besser, aber die waren halt immer dran und sind zumindest gelaufen.
124km bekommen die in dem Spiel jedenfalls im Leben nicht noch mal zusammen.
Oder neudeutsch, gegen uns waren die mit Intensität an.
Gegen Leverkusen lassen sie es halt passieren.
SemperFi schrieb:
Gegen Leverkusen lassen sie es halt passieren.
Und ich bin der Meinung halt, dass Leverkusen es so macht, dass Union praktisch keinerlei Hoffnung hat irgendwas da zu reißen. Aber vllt. liegt die Wahrheit zwischen unseren beiden Positionen. Union ist für mich ohnehin ein Abstiegskandidat.
Leverkusen vermutlich defensiv nicht so dumm gegen Union wie wir.
Elversberg weiterhin am Ärgern der Konkurrenz.
Elversberg weiterhin am Ärgern der Konkurrenz.
SemperFi schrieb:
Hätten die gegen uns so dappig und körperlos verteidigt
Die haben gegen uns nicht so viel besser verteidigt finde ich. Die waren schon gegen uns miserabel. Leverkusen hat halt gefühlt 94 % Ballbesitz und stoppt jeden Union-Angriff dadurch, dass sie überhaupt keinen Zweifel daran lassen, dass sie die Kontrolle behalten werden. Bei uns spürst halt dagegen, dass alles sofort gefährlich werden kann.
underdog since 1899 schrieb:
Atubolu
Baum - Koch - Brassier - Kosugi
Onyedika - Chaibi
Doan - Uzun
Ebnoutalib - Burkardt
Tipp: 3:1
Die Aufstellung würde ich mir genau so wünschen - gehe ich zu 100% mit!!!
Beim Tipp erhöhe ich auf 4:1 für unsere Adlerträger.
SemperFi schrieb:U.Bein schrieb:
Was von außen interpretiert und geschrieben wird, da können doch die Verantwortlichen nichts für und jede Äußerung pro Krösche wäre auch mit Sicherheit bezweifelt worden. Dein Punkt ist Dir ja unbenommen, dass Du Dir ein öffentliches Bekenntnis gewünscht hättest. Ich fand es gut, dass man sich nicht dazu nötigen ließ.
Nötigen?
Die Infos kommen doch permanent irgendwo aus dem inneren Kreis.... seit Monaten.
Die FAZ hat jetzt gerade erst einen Artikel online gestellt, wo es um die Grabenkämpfe und wer eigentlich noch das Sagen hat geht.
Das ganze hat eher was von Kind sieht aus wie der Postbote, aber man redet eben nicht drüber.
Aber während der WM konnte man in den USA lang und breit Interviews geben, warum das wirtschaftlich ja so wichtig ist und wie doof Hydration Breaks sind.
Joa... passt, das scheint wichtig, warum Internas eher bei der Bild als bei den Kollegen landen, ach, unwichtiger Krempel....
Hat ja anderen Traditionsvereinen auch nicht geschadet....
Und was schreiben die von der FAZ?
Innerer Kreis? Was ist das , wer soll das sein und warum? Cui bono?
Nfu, aber im Moment klingst Du wie der HR oder ID!
SemperFi schrieb:PeterT. schrieb:
Innerer Kreis? Was ist das , wer soll das sein und warum? Cui bono?
Wenn jemand direkt nach der AR Sitzung Informationen an die Presse geben kann, dann würde ich diese Person zum inneren Kreis zählen, sonst wäre sie ja bei der AR Sitzung nicht dabei.
Ja, gibt es diesen "jemand" wirklich?
Oder ist das ein "Fake"?
Was an wirklich brisanten Infos sind tatsächlich an die Medien gelangt?
Ich lese hier bisher nur BLABLA und Spekulationen bis hin zum Bashing!
Wenn es Ihn oder Sie gibt, sollte es einfach sein, diese Person zu identifizieren.
Was von außen interpretiert und geschrieben wird, da können doch die Verantwortlichen nichts für und jede Äußerung pro Krösche wäre auch mit Sicherheit bezweifelt worden. Dein Punkt ist Dir ja unbenommen, dass Du Dir ein öffentliches Bekenntnis gewünscht hättest. Ich fand es gut, dass man sich nicht dazu nötigen ließ.
U.Bein schrieb:
Was von außen interpretiert und geschrieben wird, da können doch die Verantwortlichen nichts für und jede Äußerung pro Krösche wäre auch mit Sicherheit bezweifelt worden. Dein Punkt ist Dir ja unbenommen, dass Du Dir ein öffentliches Bekenntnis gewünscht hättest. Ich fand es gut, dass man sich nicht dazu nötigen ließ.
Nötigen?
Die Infos kommen doch permanent irgendwo aus dem inneren Kreis.... seit Monaten.
Die FAZ hat jetzt gerade erst einen Artikel online gestellt, wo es um die Grabenkämpfe und wer eigentlich noch das Sagen hat geht.
Das ganze hat eher was von Kind sieht aus wie der Postbote, aber man redet eben nicht drüber.
Aber während der WM konnte man in den USA lang und breit Interviews geben, warum das wirtschaftlich ja so wichtig ist und wie doof Hydration Breaks sind.
Joa... passt, das scheint wichtig, warum Internas eher bei der Bild als bei den Kollegen landen, ach, unwichtiger Krempel....
Hat ja anderen Traditionsvereinen auch nicht geschadet....
SemperFi schrieb:U.Bein schrieb:
Was von außen interpretiert und geschrieben wird, da können doch die Verantwortlichen nichts für und jede Äußerung pro Krösche wäre auch mit Sicherheit bezweifelt worden. Dein Punkt ist Dir ja unbenommen, dass Du Dir ein öffentliches Bekenntnis gewünscht hättest. Ich fand es gut, dass man sich nicht dazu nötigen ließ.
Nötigen?
Die Infos kommen doch permanent irgendwo aus dem inneren Kreis.... seit Monaten.
Die FAZ hat jetzt gerade erst einen Artikel online gestellt, wo es um die Grabenkämpfe und wer eigentlich noch das Sagen hat geht.
Das ganze hat eher was von Kind sieht aus wie der Postbote, aber man redet eben nicht drüber.
Aber während der WM konnte man in den USA lang und breit Interviews geben, warum das wirtschaftlich ja so wichtig ist und wie doof Hydration Breaks sind.
Joa... passt, das scheint wichtig, warum Internas eher bei der Bild als bei den Kollegen landen, ach, unwichtiger Krempel....
Hat ja anderen Traditionsvereinen auch nicht geschadet....
Und was schreiben die von der FAZ?
Innerer Kreis? Was ist das , wer soll das sein und warum? Cui bono?
Nfu, aber im Moment klingst Du wie der HR oder ID!
Im August vor 85 Jahren endete im Wilhelm-Griesinger Krankenhaus, heute UKB Berlin, das Euthanasieprogramm, welches über 1 Jahr lang lief.
Als Vater eines behinderten Kindes, der an dem Gedenkstein fast jeden Tag vorbei geht, dachte ich mir, dass es speziell heute mal wichtig wäre daran zu erinnern.
Mein Sohn wäre damals ermordet worden, ebenso die unzähligen wunderbaren Kinder, die ich auf der Reise mit meinem Sohn bisher kennen lernen durfte.