
Enkhaamer
11521
Gude aus Doha,
der vorletzte Tag in Katar. Zeit für die Profis, mal wieder ein bisschen zu entspannen. Der Morgen beginnt um 9.50 Uhr mit lockerem Auslaufen nach dem lockeren 6:0-Sieg gegen ein junges Team der ortsansässigen Aspire Academy am gestrigen Nachmittag. Eine halbstündige Gammelrunde um das Trainingszentrum soll die Muskeln locker machen. Danach folgt noch ein zehnminütiges Rumlümmeln auf dem Vorplatz des Mannschaftshotels:
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Vage zu erkennen sind die Herren Matmour, Friend, Lehmann, Schildenfeld, Caio, Horn, Kessler, Meier, Seb Jung, Rode, Kittel, A. Jung, Bellaid, Butscher, Köhler, Hoffer und Korkmaz. Umschwänzelt wird das Team von ein paar gestrigen Gegnern, denen Falkenhains Spielerkarten offenbar nicht gereicht haben. Hibbelig würden sie am liebsten gleich mit ins Training einsteigen. Doch Bruchhagen und Hübner sind nicht vor Ort, und unser Lizenzspielerleiter hat die Blankoarbeitsverträge auf dem Zimmer vergessen. Wieder einmal also der typische Eintracht-Dilettantismus, wenn es um das Verpflichten von hoffnungsvollen Talenten geht. Mit Caio ist das nicht passiert. Um halb Elf Abmarsch ins Hotel, nur Rob Friend legt noch eine Sonderschicht ein, will sich offenbar auch den Zeh an der berüchtigten Schwegler-Treppe brechen.
Das Spiel gestern war im übrigen kein Gradmesser zur Form- und Stammformationsbestimmung, maximal ein Zehntelgradmesser. Caio im Sturm? Fraglich, ob er sich gegen kantige Zweitliga-Verteidiger an vorderster Front würde durchsetzen können. Weitere Versuche in ernsthafteren Tests wären sinnvoll, am besten gleich gegen Basel, wenn das Spiel denn stattfindet. Und immerhin wurde mit dem grandiosesten Fred-Eröffner aller Zeiten ja schon mal andersherum ein Stürmer zu einem Mittelfeldmann erfolgreich umoperiert.
Was sind die sonstigen Erkenntnisse aus dem Match? Tony Jung ist ein Forumsliebling, mich hat er gestern - wie bislang auch im Trainingslager - nicht überzeugt. Symptomatisch eine Situation im gestrigen Spiel: Unser junger LV schirmt den Ball gegen einen zweikampfsuchenden Aspirinen ab, hat aber erhebliche Mühe, sich des schmächtigen Bürschchens zu erwehren. Mit Glück holt er einen Pfiff wegen Foulspiels heraus. Kessler feuert ihn daraufhin von hinten an ("Tony, dagegenhalten, weiter so"), das klingt aber unterschwellig eher nach "Mensch Tony, jetzt lass dich doch net von so nem Knilch in Bedrängnis bringen".
Ein kleiner Gewinner gestern: Korki. Er spielte auf gutem Level und hat die ansprechenden Trainingseindrücke bestätigen können. Wäre schön, wenn der Ghetto-Fussballer aus Wien endlich mal die Kurve im schicken Waldstadion kriegen würde. Ohne Ü würde der Eintracht momentan etwas fehlen.
Der Nachmittag steht den Jungs heute zur freien Verfügung, eine Tour in die Innenstadt lohnt sich durchaus. Wobei es Vor- und Nachteile hat, sich als taxifahrender Touri durch Doha alexander kutschieren zu lassen. Spannend entspannend sind die Einfahrten in die dreispurigen Kreisel: Auf der linken Spur fährt Mr. Cabdriver in den Kringel, um nach wenigen Sekunden und wild hupend auf der rechten Spur aus der dritten Ausfahrt herauszustechen. Das Herumkurven in den Toyotas ist günstig - vorausgesetzt, der Mann hinterm Steuer stellt das Taxameter zu Beginn auf die amtlichen 4 Riyal ein. Gerne wird aber an der Uhr gedreht und auch mal mit 25 Riyal gestartet - oder das Gerät einfach ausgeschaltet und Phantasiepreise verlangt. Es gibt aber auch den Neuzugezogenen aus Sri Lanka, der ähnlich verpeilt den Stadtplan Dohas liest wie der Fahrgast - und das Taxameter einfriert, wenn er sich offensichtlich verfahren hat. Für die Strecke Hotel - Spochtplatz (ca. 11 km Luftlinie) wurden bislang zwischen vier und zwölf Euro vom Fahrersitz aufgerufen - da ist viel Spielraum wie bei den Transferverhandlungen um Helmes.
Die türkisfarbenen Taxis prägen das Stadtbild mit, ganz im Gegensatz zum Fortbewegungsmittel Fahrrad, das neben dem Schienenverkehr, den es erst gar nicht gibt, eine unbedeutende Rolle spielt. Die sechsetappige Tour of Qatar der Strampelprofis, die im Februar gefahren wird, mutet genauso exotisch an wie Kamelreiten in Paris. Und Verkehrszeichen wie dieses sind in ganz Doha eine Rarität, in etwa vergleichbar mit den Verkaufsstellen für Alkoholika:
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Drei oder vier Wagemutige habe ich in den Tagen von Doha gezählt, die auf ihren Drahtkamelen gegen die Allmacht der SUVs protestieren. Ein aussichtsloses Unterfangen auf Jahrzehnte, bis das Erdöl zur Neige geht - der Liter Sprit kostet hier etwa 25 Eurocent. Einer der Öko-Katarer kam mir auf der Corniche entgegen, dem kilometerlangen Boulevard direkt am Meer. Hier präsentiert sich Katars Hauptstadt in einer wilden Mischung aus Park- und Hafenanlagen, sechsspurig tosenden Straßen, idyllisch-grünen Ecken, Fluglärm des nahen Airports und atemberaubend schönen Blicken auf die Skyline. Zu sehen ist auch diese Wortakrobatik-Installation:
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Was hat das für die SGE zu bedeuten: Denke nach, so wirst Du den Aufstieg realisieren? Realisiere den Aufstieg, und denke an den Uefa-Cup? Hätte die Eintracht im vergangenen Winter in Doha statt in Belek ihre Zelte aufgeschlagen, dann wäre Gekas beim Anblick der gelben Riesenbuchstaben vielleicht das Daumsche Denkgefängnis erspart geblieben...
Katarische Grüße vom permanent an den Aufstieg und den Uefa-Cup denkenden
Enkhaamer
Bis morsche mittag!
der vorletzte Tag in Katar. Zeit für die Profis, mal wieder ein bisschen zu entspannen. Der Morgen beginnt um 9.50 Uhr mit lockerem Auslaufen nach dem lockeren 6:0-Sieg gegen ein junges Team der ortsansässigen Aspire Academy am gestrigen Nachmittag. Eine halbstündige Gammelrunde um das Trainingszentrum soll die Muskeln locker machen. Danach folgt noch ein zehnminütiges Rumlümmeln auf dem Vorplatz des Mannschaftshotels:
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Vage zu erkennen sind die Herren Matmour, Friend, Lehmann, Schildenfeld, Caio, Horn, Kessler, Meier, Seb Jung, Rode, Kittel, A. Jung, Bellaid, Butscher, Köhler, Hoffer und Korkmaz. Umschwänzelt wird das Team von ein paar gestrigen Gegnern, denen Falkenhains Spielerkarten offenbar nicht gereicht haben. Hibbelig würden sie am liebsten gleich mit ins Training einsteigen. Doch Bruchhagen und Hübner sind nicht vor Ort, und unser Lizenzspielerleiter hat die Blankoarbeitsverträge auf dem Zimmer vergessen. Wieder einmal also der typische Eintracht-Dilettantismus, wenn es um das Verpflichten von hoffnungsvollen Talenten geht. Mit Caio ist das nicht passiert. Um halb Elf Abmarsch ins Hotel, nur Rob Friend legt noch eine Sonderschicht ein, will sich offenbar auch den Zeh an der berüchtigten Schwegler-Treppe brechen.
Das Spiel gestern war im übrigen kein Gradmesser zur Form- und Stammformationsbestimmung, maximal ein Zehntelgradmesser. Caio im Sturm? Fraglich, ob er sich gegen kantige Zweitliga-Verteidiger an vorderster Front würde durchsetzen können. Weitere Versuche in ernsthafteren Tests wären sinnvoll, am besten gleich gegen Basel, wenn das Spiel denn stattfindet. Und immerhin wurde mit dem grandiosesten Fred-Eröffner aller Zeiten ja schon mal andersherum ein Stürmer zu einem Mittelfeldmann erfolgreich umoperiert.
Was sind die sonstigen Erkenntnisse aus dem Match? Tony Jung ist ein Forumsliebling, mich hat er gestern - wie bislang auch im Trainingslager - nicht überzeugt. Symptomatisch eine Situation im gestrigen Spiel: Unser junger LV schirmt den Ball gegen einen zweikampfsuchenden Aspirinen ab, hat aber erhebliche Mühe, sich des schmächtigen Bürschchens zu erwehren. Mit Glück holt er einen Pfiff wegen Foulspiels heraus. Kessler feuert ihn daraufhin von hinten an ("Tony, dagegenhalten, weiter so"), das klingt aber unterschwellig eher nach "Mensch Tony, jetzt lass dich doch net von so nem Knilch in Bedrängnis bringen".
Ein kleiner Gewinner gestern: Korki. Er spielte auf gutem Level und hat die ansprechenden Trainingseindrücke bestätigen können. Wäre schön, wenn der Ghetto-Fussballer aus Wien endlich mal die Kurve im schicken Waldstadion kriegen würde. Ohne Ü würde der Eintracht momentan etwas fehlen.
Der Nachmittag steht den Jungs heute zur freien Verfügung, eine Tour in die Innenstadt lohnt sich durchaus. Wobei es Vor- und Nachteile hat, sich als taxifahrender Touri durch Doha alexander kutschieren zu lassen. Spannend entspannend sind die Einfahrten in die dreispurigen Kreisel: Auf der linken Spur fährt Mr. Cabdriver in den Kringel, um nach wenigen Sekunden und wild hupend auf der rechten Spur aus der dritten Ausfahrt herauszustechen. Das Herumkurven in den Toyotas ist günstig - vorausgesetzt, der Mann hinterm Steuer stellt das Taxameter zu Beginn auf die amtlichen 4 Riyal ein. Gerne wird aber an der Uhr gedreht und auch mal mit 25 Riyal gestartet - oder das Gerät einfach ausgeschaltet und Phantasiepreise verlangt. Es gibt aber auch den Neuzugezogenen aus Sri Lanka, der ähnlich verpeilt den Stadtplan Dohas liest wie der Fahrgast - und das Taxameter einfriert, wenn er sich offensichtlich verfahren hat. Für die Strecke Hotel - Spochtplatz (ca. 11 km Luftlinie) wurden bislang zwischen vier und zwölf Euro vom Fahrersitz aufgerufen - da ist viel Spielraum wie bei den Transferverhandlungen um Helmes.
Die türkisfarbenen Taxis prägen das Stadtbild mit, ganz im Gegensatz zum Fortbewegungsmittel Fahrrad, das neben dem Schienenverkehr, den es erst gar nicht gibt, eine unbedeutende Rolle spielt. Die sechsetappige Tour of Qatar der Strampelprofis, die im Februar gefahren wird, mutet genauso exotisch an wie Kamelreiten in Paris. Und Verkehrszeichen wie dieses sind in ganz Doha eine Rarität, in etwa vergleichbar mit den Verkaufsstellen für Alkoholika:
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Drei oder vier Wagemutige habe ich in den Tagen von Doha gezählt, die auf ihren Drahtkamelen gegen die Allmacht der SUVs protestieren. Ein aussichtsloses Unterfangen auf Jahrzehnte, bis das Erdöl zur Neige geht - der Liter Sprit kostet hier etwa 25 Eurocent. Einer der Öko-Katarer kam mir auf der Corniche entgegen, dem kilometerlangen Boulevard direkt am Meer. Hier präsentiert sich Katars Hauptstadt in einer wilden Mischung aus Park- und Hafenanlagen, sechsspurig tosenden Straßen, idyllisch-grünen Ecken, Fluglärm des nahen Airports und atemberaubend schönen Blicken auf die Skyline. Zu sehen ist auch diese Wortakrobatik-Installation:
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Was hat das für die SGE zu bedeuten: Denke nach, so wirst Du den Aufstieg realisieren? Realisiere den Aufstieg, und denke an den Uefa-Cup? Hätte die Eintracht im vergangenen Winter in Doha statt in Belek ihre Zelte aufgeschlagen, dann wäre Gekas beim Anblick der gelben Riesenbuchstaben vielleicht das Daumsche Denkgefängnis erspart geblieben...
Katarische Grüße vom permanent an den Aufstieg und den Uefa-Cup denkenden
Enkhaamer
Bis morsche mittag!
es wird einsam um mich herum. Bell weg, Schwegler weg, Dr. wicht. Grevenstein weg, Exil-Bischemer weg. Und jetzt auch noch vier treue Trainingslagerbelagerer der SGE, die heute morgen zu unserem Trikotsponsor-Landeplatz abgeflogen sind: Grüße nach Walldorf und Dauborn.
Die Lage eskaliert dann vollends um 10 Uhr im Khalifa Stadium, als das komplette Trainerteam von der Mannschaft auf die Ehrentribüne verbannt wird. So schaut also eine freundliche Übernahme der Eintracht Frankfurt Fussball AG durch die Lehmann Brothers aus. Matze hat als neuer CEO aber so einige Startschwierigkeiten und muss eilig noch ein paar Hütche uffstelle, während seine Untergebenen schon am Warmmachen sind und ihn während der ersten Laufrunde mit einem Fegefeuer an Häme überschütten. Das wird Abmahnungen hageln, ganz bestimmt.
No-show ist heute Soriano, dafür macht Bamba erstmals das komplette, selbstgestaltete Trainingsprogramm mit. Auch Djakpa the Hutt ist nach seinem Aua Aua im Testspiel wieder voll dabei. Nach gemeinschaftlichem Dehnen und kurzen Sprints, bei denen dann doch mal die Ehrentribüne laut klatschend eingreift, werden zwei Achterkreise gebildet. Je zwei Tanzbären dürfen oder müssen in die Mitte.
Idrissou, der bislang einsam seine Runden gedreht hat, legt nach zwanzig Minuten einen unplanmäßigen Boxenstopp ein und wird vom Physio am linken Fuß verarztet. Ziemlich viele Tapes bekommt er da draufgebabbt, nach fünf Minuten dann aber Daumen hoch Richtung Fabacher auf den billigen Plätzen, es geht für ihn weiter. Auch die drei Physios sind erleichtert und machen die La Ola auf der Trainerbank, als Mo das nächste Mal vorbeitrottet.
Um 10.30 Uhr sagt Kapitän Meier die nächste Übung an: Flanken- und Torabschlusstraining. AJ und Djappi schnicken von links die Pille rein, SJ und Matmour von rechts. Oh Veh, mal schaun, ob das ohne Druck durch die Trainer besser als gewöhnlich läuft. Doch tatsächlich: Die Flanken werden im Schnitt 4,5 Zentimeter höher reingeschnitten, chapeau. Vorne drin schweißt Caio ein Ding per Direktabnahme rein, Kittel macht es ihm nach. Dann ein Wembley-Tor von Köhler, das ganz klar nicht doch drin war. Buddy Meier mit gefühlvollem Kopfball ins Langer Eck, Beifall der Kollegen.
Nach einer Dreiviertelstunde bekommt Horn von Oka den Auftrag, Kaffee zu kochen, zehn leere Seiten zu kopieren und die gelben Leibchen zu holen. Ein paar andere Azubis stellen das große Mobiltor auf ein Drittelfeld ein. Es dauert ewig, bis endlich zwei Teams zusammengestellt werden, mit Tip-Top wäre das schneller gegangen. Aber letztendlich schauts so aus:
Team Rot: Oka, Butscher, Bellaid, Lehmann, Schildenfeld, Djakpa, Meier, Matmour, Friend, Korkmaz.
Team Gelb: Kessler, Anderson, A Jung, Seb Jung, Rode, Kittel, Köhler, Horn, Caio, Hoffer.
Kessler muss gleich zu Beginn gegen Korkmaz die AG vor der Insolvenz retten. Dann lässt Friend eine Chance aus, der hat sischä Sisha gestern abend geraucht. Hoffer macht das erlösende 0:1 für Team Gelb, einen Schuss fälscht er ganz bewusst ganz leicht ab, und ganz knapp an Oka rauscht der Ball ins Tor. Auch das 0:2 geht auf Hoffer, schöner Drehschuss. Darauf einen Vehrnet Branca in der VIP-Loge. Anschluss für Team Rot durch Matmour aus spitzem Winkel, 1:2. Tormonster Hoffer erhöht auf 1:3, Seb Jung am rechten Pfosten auf 1:4. Und dann als Höchststrafe für Team Rot markiert Hüter Horn auch noch den 1:5-Endstand.
Um 11 Uhr ist fürs erste Ende Gelände. Heute Nachmittag gibt es dann noch das Abschlusstraining, bevor die Adler nachts in heimische Gefilde abheben.
Gruß aus Katar und bis nachher,
Enkhaamer