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Xaver08

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Gerade im Spiegel gelesen:
In Südkorea steuert man die Pandemiebekämpfung aus dem
"Hauptquartier für zentrale Desaster-Bekämpfung"
Das nenn ich mal unverblümt bei der Sache!
Hätten wir so ein Hauptquartier, die müssten sich direkt um die Bund/Länder Konferenzen kümmern um das angerichtete Desaster zu bekämpfen.
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ich bin schon gestolpert ueber die woerter man steuert die pandemiebekaempfung...
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Xaver08 schrieb:

es ist definitiv auch ein hinweis darauf, was die gesellschaft bereit ist hinzunehmen.



Die Gesellschaft nimmt aber eben auch zehntausende Tote wegen Nikotin, Alkohol, Übergewicht, Krankenhauskeimen usw. hin.

Da muss ich dann schon recht geben, wenn plötzlich sich gewundert wird, warum die Toten bei Corona eine besondere Beachtung finden sollten.
Das Problem ist das Pandemische, die Überlastung der Krankenhäuser usw. , aber ganz ehrlich, die Masse an Toten war schon immer erheblichen Teilen der Bevölkerung vollkommen egal, vor allem, wenn es vornehmlich um Alte geht. Ein überfahrenes 3-jähriges Kind ist halt eine interessantere Meldung als wenn Opa Helmut mit 87 an Corona stirbt.
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warum sollen sie keine besondere beachtung finden? es sind menschen.

dass es bei anderen ursachen, die seit jahrzehnten vorhanden sind und bei denen es auch nicht aktzetabel ist, dass sie ignoriert und nicht ausreichend beachtet werden, ist keine begruendung dafuer, dass man es auf einmal bei einer neuen krankheit akzeptiert. es ist dieses schoene relativieren, dieses platte, pseudoabgeklaerte aber die anderen.

es gibt eine neue krankheit, dass uns die toten und kranken nicht unwichtig sind, zeigt sich daran, dass wir nach heilmitteln oder impfstoffen suchen.

es gibt  lediglich ein auessert ausgepraegtes unwillen, sich mit dem thema nocovid auseinanderzusetzen.

mit den gleichen argumenten koennen wir auch ops aussetzen, das thema sicherheit beim fliegen ist auch nciht relevant, die behandlung von depressionen einstellen, was kuemmern uns die paar tote, an alkohol sterben ja viel mehr.

ich habe das gefuehl, dass da auch ein geruetteltes mass an arroganz dabei ist.

europa und die usa haben es gepflegt verkackt, anstatt nach alternativen zu schauen, wo es besser laeuft und warum, welche methoden kann man uebertragen, werden ausreden gesucht.

das praktische ist ja, dass man diese ausrede fuer alles nutzen kann, es ist natuelrich auch sehr bequem zu sagen, dass es halt einfach so ist und schon immer so war, es ist aber auch extrem gefaehrlich.

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War es nicht der Bund, der die 35 ausgegeben hat? Ich meine mich nicht an solche Werte aus den Ländern gehört zu haben, bitte korrigiert mich.
Vielleicht sind wir mittlerweile einfach an einem Punkt, den man vielleicht besser mit dem Straßenverkehr vergleichen kann:
Millionen sind jeden Tag unterwegs, meistens passiert nichts, aber Unfälle sind trotzdem an der Tagesordnung. Manche mit leichten, manche mit schweren Verletzungen und manche sind tödlich. Das wäre alles vermeidbar, wenn man den Verkehr komplett einstellen würde, aber man nimmt die vergleichsweise wenigen Schäden in Kauf. Um das Risiko zu minimieren braucht man einen Führerschein (Impfpass, neg. Test), wohingegen auch viele Radfahrer und Fußgänger ohne eine solche Bescheinigung am Verkehr teilnehmen dürfen. Dabei aber nur auf begrenzten Wegen, Autobahnen z.B. (Restaurants, Kultur) sind verboten.
Das ist jetzt nur eine Metapher, die mir in den Sinn kommt. Ohne jede Wertung, ob ich das, was gerade so passiert gut oder schlecht finde.
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dein vergleich ist schlecht.

es geht nicht darum den verkehr einzustellen, sondern ihn so sicher wie moeglich zu machen. dafuer gibt es geschwindigkeitsbegrenzungen etc.

genauso ist es bei corona, es gibt ein konzept, der einen weg rauszeigen koennte, der das ziel hat, ein normaleres leben zu ermoeglichen.

das wird aber zerredet, ueber die negativen folgen diskutiert, dass es gar nicht gehen koenne und und und. die "gegenargumente" sind legion.

300, 400, 1000 tote am tag sind aber akzetabel. das sind sie schon, wo ist die diskussion darueber?

es steht eine 3. welle vor der tuer, was machen wir, wir ignorieren die festgelegten grenzwerte und lockern.
parallel dazu dichtet die politik der bevoelkerung eine lockdownmuedigkeit an,

es ist wie vor 1 jahr, da habe ich die fragen auch schon gestellt.

was haben wir gewonnen, wenn die zahlen wieder hochgehen? was?

Ist es uns dann wieder egal, wenn die anzahl der todesfaelle ansteigt, wenn die intensiv wieder ueberlastet ist und wenn 20-30% der menschen, die erkrankt sind (und da geht es nicht nur um die risikogruppen) long covid hat.

was haben wir dann gewonnen?
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reggaetyp schrieb:

Ach du meine Güte.


Wenn du mal deine Antipathie ablegst und genauer nachdenkst und dich in die ganzen Kleinunternehmer, Gaststätten, Hotels, Schausteller usw. dazu deren Mitarbeiter reinversetzt, dann sollte auch klar sein das es nicht nur eine Seite der Medaille gibt. Der Druck ist enorm. Kaum Einnahmen, staatliches Geld kommt spärlich und deckt oft nicht alle kosten. Irgendwann bist du einfach am Limit. Wie lange geht der Lockdown jetzt. 4 Monate + der erste Lockdown. Stell dir einfach vor du hockst jetzt 4 Monate zuhause rum und weißt nicht wie du mit der Situation klar kommen willst. Hast vielleicht den Job verloren, Frau ist zuhause und hat kleine Kinder. Du verrennst dich einfach zu sehr und vergisst die anderen. Niemand sagt alles aufsperren, aber etwas mehr Perspektive und schrittweise Lockerungen hilft mehr als nur alles zu zulassen.
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was hilft das lockern jetzt, wenn man in drei wochen wieder zumachen muss?

waere es nicht sinnvoller, jetzt den menschen nciht einzureden, dass gelockert werden muss, sondern die informatoinen der wissenschaft endlich mal ernst zu nehmen, adaequat zu reagieren (verschaerfter lockdown) und die entsprechenden zielinzidenzen als feste werte zu kommunizieren, bei denen vorher festgelegte schritte passieren.
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SGE_Werner schrieb:

70.000 Tote, immerhin ein Tag später als ich es bei Erreichen der 60.000 prognostiziert habe, aber immer noch zu schnell... Für die letzten 10.000 haben wir etwas mehr als 22 Tage gebraucht.


Wisst ihr noch, als vor ein paar Jahren die Germanwings-Maschine in den französischen Alpen abgestürzt ist? Wisst ihr noch, wie viele Sondersendungen es gab, wie viele mitfühlende Worte es von Politikern und Politikerinnen gab? Jetzt sind also in den letzten gut 3 Wochen mehr als 66 Germanwings-Maschinen auf deutschen Intensivstationen zerschellt. Und was die Bild-Zeitung und deutsche Ministerpräsidenten und Ministerpräsidenten dazu zu sagen haben:
„Lasst uns mal über umfangreiche Lockerungen der  Schutzmaßnahmen sprechen, weil: Die Leute haben die Schnauze voll.“
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es ist definitiv auch ein hinweis darauf, was die gesellschaft bereit ist hinzunehmen.

bisher war es so, dass ein technischer defekt, bei dem 2 boeings abgestuerzt sind, dazu gefuehrt haben, dass die maschine aus dem verkehr gezogen wurde und nachgebessert werden musste.

mittlerweile ist klar, dass die bereitschaft tote zu akzeptieren deutlich hoeher ist, wir muessen das nicht machen, boeing kann sich die kosten sparen und wir koennen weitermachen.

es wird und wurde sehr viel ueber die probleme diskutiert, die loesungsansaetze verursachen wuerden, ansaetze wie nocovid.

nocovid waere nicht zu realisieren, nicht zumutbar usw.. aber 300, 400 oder 1000 tote am tag, das ist zumutbar.



die diskussion ueber diese bis zu 1000 toten am tag, habe ich kaum wahrgenommen.

ja, 1 eine tragoedie usw... es ist sowas von zynisch.
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Wedge schrieb:

Diegito schrieb:

[Oder ist das alles nur lautes klappern?


Es ist natürlich nur lautes klappern.
Was verstehen Intensievmediziener schon von eine COVID Welle?

Naja, ganz unberechtigt ist Diegitos Frage nicht.
Es wären nicht die ersten Mediziner mit einer merkwürdigen Einschätzung. Streeck hat letztes Jahr mit seiner Heinsbergstudie ja auch viel Kritik einstecken müssen und da hätte man auch ironisch fragen können, was ein Virologe schon von Virologie versteht.
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die kritik war ja dann aber sachlich begruendet, so wie sie bei den vielen anderen merkwuerdigen aussagen von streeck auch ist.

jetzt ist halt die frage, was die grundlage fuer diegitos frage ist, gibt es eine? oder ist diegitos frage nur unbegruendbares raunen?

am ende sind die zahlen szenarien... so wie ich es verstanden habe, ist die modellrechnung die dem zugrundeliegt nicht sonderlich umstritten (da mag ich aber auch falsch liegen) und dann haengt es halt davon ab, was man in das modell reinsteckt.

mein eindruck ist, dass man aktuell sehr viel dafuer tut, das worst case scenario zu erfuellen:

1.) man weiss, dass die dritte welle ansteht (2 faktoren, die das noch verhindern koennten, hohe saisonalitaet und erhoehung des ansteckungsrisikos durch die mutation am unteren limit)
2.) man zettelt trotz zustimmung in der bevoelkerung fuer die massnahmen eine oeffnungsdiskussion an
3.) dadurch diskreditiert man die zustimmung zu massnahmen und macht es umso schwerer bei der zu erwartenden dritten welle massnahmen zu verhaengen.

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Xaver08 schrieb:

die zahlen werden auch noch einige zeit weiter fallen koennen, waehrend die infektionszahlen stagnieren oder schon wieder steigen.



Das werden sie selbstverständlich noch tun. Und wenn die Älteren immer weniger Infektionen haben (auch dank Impfschutz) wird selbst bei leicht steigenden Zahlen bei den Infektionen wohl die Zahl der Intensivpatienten 2-3 Wochen später nicht steigen.

Wie gesagt: Ich hab ja gesagt, dass man bei unter 3.000 über erste Lockerungen nachdenken kann. Und Frisöre und vllt. paar Kleinigkeiten sind ja Lockerungen. Mir wäre eine harte Strategie auch lieber gewesen, aber die wird nicht mehr kommen und jetzt sie noch einzuführen, würde vermutlich auf wenig Gegenliebe stoßen. Also wird man sich weiter irgendwie durchschlängeln.
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SGE_Werner schrieb:

Das werden sie selbstverständlich noch tun. Und wenn die Älteren immer weniger Infektionen haben (auch dank Impfschutz) wird selbst bei leicht steigenden Zahlen bei den Infektionen wohl die Zahl der Intensivpatienten 2-3 Wochen später nicht steigen.


falls irgendwas wieder zu steigenden infektionszahlen fuehrt und man dann noch lockert egal wie wenig, hat man exponentielles wachstum.

SGE_Werner schrieb:

Mir wäre eine harte Strategie auch lieber gewesen, aber die wird nicht mehr kommen und jetzt sie noch einzuführen, würde vermutlich auf wenig Gegenliebe stoßen. Also wird man sich weiter irgendwie durchschlängeln.


ich hoffe, dass durchschlaengeln reichen wird.

falls der sich abzeichnende knick real ist und schon durch die mutation kommt, sehen wir ja jetzt das infektionsgeschehen von vor 1-2 wochen, drauf kommen dann noch schuloeffnungen und andere lockerungen.

ich hoffe sehr, dass du richtig liegst und wir schlaengeln koennen und nicht in 2-4 wochen nochmal richtig durchgreifen muessen.
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Xaver08 schrieb:

ich verstehe die polemik infektionszahlen oder inzidenzen als mutter aller zahlen zu bezeichnen nicht.

anno-nym schrieb:

jedoch war immer die Prämisse, die ITS Belegung und somit die Situation in den Krankenhäusern zu kontrollieren


hier schreibst du es doch selbst, die its belegung zu kontrollieren. ich finde es wenig sinnvoll eine zahl, die dem eigentlichen geschehen 3-4 hinterherhinkt als steuerungsinstrument zu nutzen, wenn ich einen zahl habe, die dem infektionsgeschen 1-2 wochen hinterhinkt.

dazu kommt (auch das wurde schon mehrfach thematisiert), dass bei steigender immunitaet in der bevoelkerung die wahrscheinlichkeit fuer mutationen mit der anzahl der infektionen waechst, deshalb ist die steuerung der pandemie ueber die inzidenz immer noch das sinnvollste kriterium.


Keine Polemik, das "Mutter aller Zahlen" stammte mal von Jens Spahn.

Es ist korrekt das die Zahlen der ITS Belegung deutlich hinterherhinken und eine gewisse Vorsicht besser als Nachsicht ist.
Ich gebe jedoch nur zu bedenken das es aber einem gewissen Zeitpunkt, wahrscheinlich wenn die Impfgruppe 2 komplett durch ist, nun mal nicht mehr die reinen Infektionszahlen und Inzidenzen beachtet werden dürfen.
Man sieht ja jetzt schon das die Altersgruppen ab 75 eine sinkende Fallzahlentwicklung haben und somit ein erster Impfeffekt eintritt.
Eine Infektion die einen milden Verlauf hat oder sogar gar keine Symptome hervorbringt, muss dann ab einem gewissen Punkt akzeptiert werden ohne das dies einen Einfluss auf das weitere Leben hat.
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ok, sorry. das hatte ich missverstanden.

anno-nym schrieb:

Eine Infektion die einen milden Verlauf hat oder sogar gar keine Symptome hervorbringt, muss dann ab einem gewissen Punkt akzeptiert werden ohne das dies einen Einfluss auf das weitere Leben hat


richtig, nur kann eine schwere infektion und non-covid bei jedem ungeimpften auftreten auch bei juengeren, nur halt mit geringerer wahrscheinlichkeit, ein plus an infektionen erhoeht dann auch die anzahl der long covid faelle, der schweren verlaeufe und todesfaelle, wie man in israel auch beobachten kann.

ich kann nur die gruende nennen, die dagegen sprechen zu frueh zu lockern, weil ja in juengeren altersgruppen nix passieren wuerde.

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Xaver08 schrieb:

ich hatte das gesehen, mir leuchten allerdings die "argumente" nicht wirklich ein, zumal schon alleine der zeitartikel  schon gewichtige gegenargumente auffuehrt, bzw ich finde ehrlich gesagt keinen ansatz fuer eine strategie in dem zeitartikel.

das infektionsgeschehen in juengeren altersgruppen weniger zu kontrollieren, fuehrt in summe zu einem mehr an infektionen, damit dann am ende auch wieder zu einem mehr an schwereren verlaeufen, long covid und todesfaellen. dazu kommt, dass weder kinder, noch jugendliche noch juengere menschen in sich abgeschlossene gruppen sind. die haben familie, mitschueler, eltern, grosseltern oder kollegen.

dazu kommt, wie bereits geschrieben, ein erhoehtes risiko fuer mutationen, dass sich aus der kombination infektionen und einer teilimmunisierten bevoelkerung ergibt.

dazu moechte ich auf die neue studie des rki verweisen, due bei mehr als 50% aller menschen aelter 15 jahren ein erhoehtes risiko fuer schwere coronaverlaeufe sieht.
https://www.zeit.de/wissen/2021-02/rki-studie-covid-19-risiko-erkrankung-gefahr

besonders lustig finde ich die aussage, dass sie das infektionsgeschehen immer unter kontrolle gehabt haetten bzw jederzeit herr der lage gewesen waeren. bei vielen infektionen haetten sich halt die erkrankten kuemmern muessen.

die berliner amtsaerzte formulieren z.t. sicher valide kritik, s. z.b. auch der verweis auf anzahl der tests und anzahl der infektionen, aber eine brauchbare alternative strategie kann ich nicht erkennen.


Na dann zeigt dir vielleicht der Stufenplan des RKI eine alternative Strategie auf, dessen Wissenschaftler ebenfalls der Meinung sind, dass "Ein einzelner Indikator wie die Inzidenz sei „nicht ausreichend“, um die Komplexität der Pandemie korrekt zu bewerten."
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ich habe nicht geschrieben, dass die inzidenz der einzige indikator sein muss, ich halte ihn nachwievor aber fuer einen den wichtigsten, warum habe ich begruendet, dass man die inzidenz ergaenzen kann und muss, z.b. ueberpruefen muss und kann (kontrollieren) ob eines der ziele intensivstationen nicht zu ueberfuellen, erfuellt wird, sollte klar sein. aber nachwievor halte ich die inzidenz fuer die wichtigste steuerungsgroesse, was fuer mich nicht das gleiche ist wie ein indikator. fuer die steuerung von  teiloeffnungen koennte man z.b. wie auch schon von werner vorgeschlagen durchaus auch auf die belegung von intensivstationen bzw. auslastung in krankenhaeusern schauen (wie ich schon schrieb, ist die last nachwievor hoch, da im moment ops nachgeholt werden), aber fuer schliessungen oder das wiederaufnehmen von massnahmen ist die inzidenz fuer mich der wichtigste wert.

der von dir ins rennen gefuehrte zeitartikel bzw. begleitende beitrag im forum habe ich generell als werbung fuer das vorgeschlagene vorgehen der amtsaerzte verstanden.

ich habe mich in der sache mit deinem artikel und beitrag auseinandergesetzt, das ignorierst du und klatschst einfach einen link rein und 1,5 zeilen zitat. ein bisschen mehr koennte es schon sein, mir fehlt gerade die zeit mich jetzt auch noch mit dem neuen artikel zu befassen.

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anno-nym schrieb:

Xaver08 schrieb:

SGE_Werner schrieb:

Das war für mich vor 5 Wochen die Marke, bei der man über erste Lockerungen nachdenken könnte, aber da war die Mutationsfrage auch noch nicht so ausgeprägt.

infektionszahlen sind deshalb aus meiner sicht, das deutlich sinnvollere steuerungsinstrument.



Die Frage ist aber, wie lange die "Mutter aller Zahlen" noch das wichtigste Steuerungsinstrument ist.
Wir werden ja in einigen Wochen dahin kommen, das wir die Risikopatienten geimpft haben. Wir sehen ja jetzt schon einen Rückgang der Zahlen (wenn alle anderen Altersgruppen steigen) in den Altersgruppen ab 75.

Natürlich ist ein schwerer Verlauf mit dann leider tödlichem Ausgang auch bei jungen Menschen ohne Vorerkrankung möglich, jedoch war immer die Prämisse, die ITS Belegung und somit die Situation in den Krankenhäusern zu kontrollieren. Da sind wir zwar mit der jetzigen Zahl noch lange nicht über den Berg, jedoch muss man das auch in der Diskussion berücksichtigen.

An der Stelle möchte ich nochmal auf den ZEIT-Artikel verweisen, in dem u.a. die Berliner Amtsärzte eine differenzierte Betrachtung fordern und den Inzidenzwert als derzeit alleinige Messgröße ergänzen wollen:

https://community.eintracht.de/forum/diskussionen/135998/goto/5283680
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ich hatte das gesehen, mir leuchten allerdings die "argumente" nicht wirklich ein, zumal schon alleine der zeitartikel  schon gewichtige gegenargumente auffuehrt, bzw ich finde ehrlich gesagt keinen ansatz fuer eine strategie in dem zeitartikel.

das infektionsgeschehen in juengeren altersgruppen weniger zu kontrollieren, fuehrt in summe zu einem mehr an infektionen, damit dann am ende auch wieder zu einem mehr an schwereren verlaeufen, long covid und todesfaellen. dazu kommt, dass weder kinder, noch jugendliche noch juengere menschen in sich abgeschlossene gruppen sind. die haben familie, mitschueler, eltern, grosseltern oder kollegen.

dazu kommt, wie bereits geschrieben, ein erhoehtes risiko fuer mutationen, dass sich aus der kombination infektionen und einer teilimmunisierten bevoelkerung ergibt.

dazu moechte ich auf die neue studie des rki verweisen, due bei mehr als 50% aller menschen aelter 15 jahren ein erhoehtes risiko fuer schwere coronaverlaeufe sieht.
https://www.zeit.de/wissen/2021-02/rki-studie-covid-19-risiko-erkrankung-gefahr

besonders lustig finde ich die aussage, dass sie das infektionsgeschehen immer unter kontrolle gehabt haetten bzw jederzeit herr der lage gewesen waeren. bei vielen infektionen haetten sich halt die erkrankten kuemmern muessen.

die berliner amtsaerzte formulieren z.t. sicher valide kritik, s. z.b. auch der verweis auf anzahl der tests und anzahl der infektionen, aber eine brauchbare alternative strategie kann ich nicht erkennen.

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Xaver08 schrieb:

SGE_Werner schrieb:

Das war für mich vor 5 Wochen die Marke, bei der man über erste Lockerungen nachdenken könnte, aber da war die Mutationsfrage auch noch nicht so ausgeprägt.

infektionszahlen sind deshalb aus meiner sicht, das deutlich sinnvollere steuerungsinstrument.



Die Frage ist aber, wie lange die "Mutter aller Zahlen" noch das wichtigste Steuerungsinstrument ist.
Wir werden ja in einigen Wochen dahin kommen, das wir die Risikopatienten geimpft haben. Wir sehen ja jetzt schon einen Rückgang der Zahlen (wenn alle anderen Altersgruppen steigen) in den Altersgruppen ab 75.

Natürlich ist ein schwerer Verlauf mit dann leider tödlichem Ausgang auch bei jungen Menschen ohne Vorerkrankung möglich, jedoch war immer die Prämisse, die ITS Belegung und somit die Situation in den Krankenhäusern zu kontrollieren. Da sind wir zwar mit der jetzigen Zahl noch lange nicht über den Berg, jedoch muss man das auch in der Diskussion berücksichtigen.
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ich verstehe die polemik infektionszahlen oder inzidenzen als mutter aller zahlen zu bezeichnen nicht.

anno-nym schrieb:

jedoch war immer die Prämisse, die ITS Belegung und somit die Situation in den Krankenhäusern zu kontrollieren


hier schreibst du es doch selbst, die its belegung zu kontrollieren. ich finde es wenig sinnvoll eine zahl, die dem eigentlichen geschehen 3-4 hinterherhinkt als steuerungsinstrument zu nutzen, wenn ich einen zahl habe, die dem infektionsgeschen 1-2 wochen hinterhinkt.

dazu kommt (auch das wurde schon mehrfach thematisiert), dass bei steigender immunitaet in der bevoelkerung die wahrscheinlichkeit fuer mutationen mit der anzahl der infektionen waechst, deshalb ist die steuerung der pandemie ueber die inzidenz immer noch das sinnvollste kriterium.


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anno-nym schrieb:

Zum ersten Mal seit dem 08.11.20 haben wir die Schwelle von 3000 Coronapatienten auf der ITS unterschritten (Heute 2955)


Das war für mich vor 5 Wochen die Marke, bei der man über erste Lockerungen nachdenken könnte, aber da war die Mutationsfrage auch noch nicht so ausgeprägt.

Zumindest ist eine Überlastung der Intensivstationen in den nächsten Wochen nicht mehr zu erwarten.
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SGE_Werner schrieb:

Das war für mich vor 5 Wochen die Marke, bei der man über erste Lockerungen nachdenken könnte, aber da war die Mutationsfrage auch noch nicht so ausgeprägt.


das ist genau der grund, weshalb die belegung der intensivstationen kein gutes steuerungsinstrument fuer reaktionen auf die pandemie ist.

als kontrollwert sicher nicht verkehrt, aber in anbetracht der tatsache, dass es den infektionen hinterherhinkt, ist es definitiv weniger gut bis gar nicht geeignet, um es als steuerungsinstrument zu nutzen.

die zahlen werden auch noch einige zeit weiter fallen koennen, waehrend die infektionszahlen stagnieren oder schon wieder steigen.

eine ueberlastung der intensiv gilt es zwar zu vermeiden, das ist aber nicht das einzige kriterium, besser ist es die menschen erst gar nicht auf die intensiv zu bekommen, denn ein grosser anteil der menschen auf der intensiv stirbt. infektionszahlen sind deshalb aus meiner sicht, das deutlich sinnvollere steuerungsinstrument.

dazu kommt, dass die situation in den krankenhaeusern nachwievor nicht entspannt ist. betten moegen zwar mehr frei sein, das personal ist allerdings nachwievor sehr stark eingebunden, da jetzt nicht lebensnotwendige eingriffe nachgeholt werden.
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Vieles spricht dafür, dass du recht hast. Es sind ja nicht nur die Folgeschäden - auch bei jungen Infizierten und Symptomfreien - noch nicht geklärt. Auch bei den Eigenschaften der Mutationen steht man noch ziemlich am Anfang.

So hat Drosten wohl erklärt, dass die britische Variante nur 20 - 35% mehr ansteckend sei als bislang angenommen 50 - 70%. Sie scheint dafür nach Angaben aus GB tödlicher zu sein. Gleichzeit ist eine Variante dieser Mutation in Erscheinung getreten (B.1.1.7 E484K), die im Verdacht steht,  dass sie das Virus unempfindlicher gegen die derzeit angewandten Impfstoffe macht.
Dies gilt auch für die brasilianische und südafrikanische Mutation, die beide auf dem Vormarsch sind, die südafrikanische bereits in Deutschland.
Und fast wöchentlich bilden sich neue Virenstämme, die immer neue Eigenschaften aufweisen.

Insofern könnten uns die Öffnungen jetzt noch böse auf die Füße fallen. Im schlimmsten Fall werden wir um eine NullCovid-Strategie nicht herumkommen.
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WuerzburgerAdler schrieb:

So hat Drosten wohl erklärt, dass die britische Variante nur 20 - 35% mehr ansteckend sei als bislang angenommen 50 - 70%.


das waeren gute nachrichten, erhoeht das doch die wahrscheinlichkeit, dass die saisonalitaet die neue mutation wenigstens ausgleichen koennte.

weisst du noch, auf was fuer quellen sich drosten bezog?
die "experimentelle" ermittlung aus dem zuwachs von b117 in d und dk laesst aktuell eher auf eine hoheren zuwachs in der ansteckungswahrscheinlichkeit schliessen, da steckt aber natuerlich auch die unsicherheit in der datenerfassung drin.
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Ich verstehe deine Antwort auf meinen Beitrag nicht.
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ich habe deinen beitrag verstanden und gedanken meinerseits ergaenzt...

ichglaube dieses eine mehrheit moechte den lockdown jetzt beenden der politik nicht.
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Ich glaube, ich habe mich unmissverständlich ausgedrückt.
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?
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Finde die Leitlinie für die Strategie, dass "die Leute die Schnauze voll haben" befremdlich.
Und stelle mir das für andere gesellschaftliche und politische Bereiche vor, dann schauder ich etwas.

Und es bestätigt mich in meiner Meinung, dass Referenden und Bürgerabstimmungen oft genug eine böse Überraschung bereit halten können, zumal sich dort so viele von emotionalen Befindlichkeiten leiten lassen.

Aktuelles Beispiel Brexit.
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was heisst die schnauze voll haben, ich habe auch die schnauze voll, wuerde es aber trotzdem begruessen, wenn die massnahmen fuer 3-4 wochen verschaerft wuerden. dann haetten wir ein klares ziel vor augen.

lt. umfrage fuers morgenmagazin ard halten immer noch 70% der menschen die massnahmen fuer angemessen oder gehen sie nicht weit genug (davon 13%)

https://www.infratest-dimap.de/umfragen-analysen/bundesweit/umfragen/aktuell/corona-massnahmen-gut-die-haelfte-haelt-sie-weiter-fuer-angemessen-zahl-der-kritiker-waechst/

nachwievor ist es kritisch zu oeffnen, nur weil die leute angeblich die nase voll haben....
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Werner will im August ins Stadion, andere ins Tattoostudio... jetzt fallen ja langsam alle Hemmungen hier.
Bei Bouffier übrigens auch... "die Leute haben die Schnauze voll", Öffnungen ab März für den Einzelhandel, ab April für die Gastronomie

https://www.hessenschau.de/politik/bouffier-kuendigt-lockerungen-fuer-handel-und-gastronomie-an,bouffier-corona-lockerungen-100.html

Dann ist das mit den Mutationen wohl doch nur halb so wild...
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Diegito schrieb:

Dann ist das mit den Mutationen wohl doch nur halb so wild...


in daenemark steigen die zahlen wieder. dort wird ausgiebig sequenziert, der anteil der mutation scheint mittlerweile bei 57% zu liegen, das ganze trotz lockdown, der vorher fuer fallende zahlen gesorgt hat.
In KW1 lag der Anteil von B117 bei ca. 1%


das ganze kommt nicht ueberraschend, dass man mit dem wiederanstieg der zahlen durch b117 gerechnet hat, zeigt der artikel von kai kupferschmidt von anfang februar

https://www.sciencemag.org/news/2021/02/danish-scientists-see-tough-times-ahead-they-watch-more-contagious-covid-19-virus-surge

den wiederanstieg der zahlen sieht man in europa in vielen laendern, daenemark ist allerdings eins der laender mit dem intensivsten beobachtung des anteils der mutationen und sie scheinen auch etwas weiter fortgeschritten zu sein, deshalb lohnt es sich immer wieder nach daenemark zu schauen.
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Xaver08 schrieb:

60revax schrieb:

Der Chef von dem Verein war mal bei den Linken. Ist jetzt fraktionslos im Ortsbeirat 7.
Allein der Abgang von der Truppe macht André Leitzbach doch sympathisch.


irgendwie erklaert dieses kriterium fuer pol. sympathien dein faible fuer soeder, der ja auch gaenzlich prinzipienfrei daher kommt.

Warum schätze ich Deine Texte? Sie lassen sich so flüssig lesen. Noch besser wäre, wenn es ohne Satz- und Leerzeichen ginge.
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dieses jahr waren die grossbuchstaben noch schneller aus als sonst
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reggaetyp schrieb:

Ich halte inzwischen grundsätzlich solche Pläne, die sich an Daten orientieren anstatt an infektiologischen und virologischen Werten sowie der Auslastung im Gesundsheitswesen für falsch.


Oder derartige "klaren Ziele" sorgen dafür, dass ggf. doch ein paar mehr Menschen zur Impfung gehen, der Hausarzt noch eine Überstunde mehr macht, sich mehr Leute als Impfhelfer melden - dass man es eben als Marathonlauf mit einem klaren Ziel versteht und nicht ein "wir laufen mal los und hoffen, dass wir bis September die Ziellinie erreichen". Aber natürlich: Das weckt jetzt bei den Briten Hoffnungen, die unter Umständen enttäuscht werden und den lokalen Querdenkern Auftrieb geben könnten.


By the way: Die Diskussion über Friseure und Frisuren irritiert mich zutiefst, zerstört sie doch mein lange aufgebautes, stereotypes Weltbild: reggaetyp hat keine Dreads, Raggamuffin gar keine Haare mehr. Was kommt als nächstes? Hawischer mit Cornrows? Wenn Würzi jetzt nicht eine gewisse Ähnlichkeit mit Rainer Langhans oder einem in Würde gealtertem jungen Paul Breitner hat, weiß ich auch nicht weiter...

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dann waere es besser es nicht an ein datum zu koppeln, an dem es eh passiert, sondern an einen impfanteil in der bevoelkerung.

das thema motivation ist nicht verkehrt, nocovid hat ja eine aehnliche grundlage....
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brockman schrieb:

Also ich bereite mich schon mal mental auf den dritten Lockdown vor. Der kommt wahrscheinlich so im Juni.


Im Juni dürften wohl Impfgruppe 1 und 2 definitiv und Impfgruppe 3 großteils geimpft sein. Ich zweifle stark an, dass es ab Mai noch irgendwelche Verschärfungen geben wird. Da wird auch der Unmut der Bevölkerung zu groß werden.
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das sehe ich auch so, wenn noch was kommt, kommt es zuegig, denn dann wird sich bestaetigt haben, dass die saisonalitaet nicht ausreicht um den zuwachs durch die mutationen auszugleichen.

noch hoffe ich...