Luzbert
20391
Nunja, bis wohin soll dieser Krieg geführt werden und wie kann er beendet werden?
Eine Kapitualation mit anschließenden Verhandlungen ist doch nichts anderes als eine Atempause im gegenseitigen Abschlachten, die für Verhandlungen über einen Ausweg genutzt wird.
Lässt Putin sich auf die Atempause ein und begibt sich an den Verhandlungstisch, kann der Konflikt enden.
Entscheidet er, den Krieg fortzuführen, war es ein wichtiger Versuch.
Eine Kapitualation mit anschließenden Verhandlungen ist doch nichts anderes als eine Atempause im gegenseitigen Abschlachten, die für Verhandlungen über einen Ausweg genutzt wird.
Lässt Putin sich auf die Atempause ein und begibt sich an den Verhandlungstisch, kann der Konflikt enden.
Entscheidet er, den Krieg fortzuführen, war es ein wichtiger Versuch.
Luzbert schrieb:
Nunja, bis wohin soll dieser Krieg geführt werden und wie kann er beendet werden?
Eine Kapitualation mit anschließenden Verhandlungen ist doch nichts anderes als eine Atempause im gegenseitigen Abschlachten, die für Verhandlungen über einen Ausweg genutzt wird.
Lässt Putin sich auf die Atempause ein und begibt sich an den Verhandlungstisch, kann der Konflikt enden.
Entscheidet er, den Krieg fortzuführen, war es ein wichtiger Versuch.
Eine kapitulation ist die bedingungslose Niederlage, da ist nix mehr mit großen Verhandlungen
FrankenAdler schrieb:
Wenn er/sie sich dann abwendet, ist dann alles was vorher war obsolet?
Nein. Aber wer bestimmt, wann jemand als geläutert gelten darf? Und wer bestimmt die Kriterien?
SGE_Werner schrieb:
Nein. Aber wer bestimmt, wann jemand als geläutert gelten darf? Und wer bestimmt die Kriterien?
Vielleicht sollte man sich dahingehend von einem Absolutheitsgedanken verabschieden.
Ich für meinen Teil interessiere mich nicht für den Menschen Xavier Naidoo und schaue keine Fernsehsendungen in denen er potentiell auftreten könnte. Nicht seinetwegen, sondern weil mich derartige Sendungen nicht interessieren.
Meine einzigen Berührungspunkte mit ihm sind seine Aussagen zu Corona und QAnon, weil beides gesellschaftliche Relevanz hat und er dabei eine sehr negative Rolle spielt.
Sollte er dieses Gewicht jetzt nutzen, um ein paar Verlorene zurück in die Normalität zu holen, freut mich das, weil es gesellschaftlich einen Nutzen hat.
Ich anerkenne dann auch, dass er den schwierigen und konfliktbehafteten Weg der öffentlichen Entschuldigung gegangen ist.
Ansonsten soll er einfach sein Leben leben und immer dann die Klappe halten, wenn er meint etwas sagen zu müssen.
In dem Video hat er erst einmal nur gesagt, dass er sich auf dem Holzweg befunden habe. Welchen der vielen von ihm eingeschlagenen Holzwege er meint, ist unklar.
Er wird sich sicherlich nicht von all dem Schwachsinn, den er die letzten 10 (15? 20?) Jahre von sich gab, distanzieren. Das ist aber auch nicht wichtig. Wichtig ist eine Distanzierung von dem ganzen Coronaunfug, den er von sich gab. Die Aussagen zu QAnon wären eine hilfreiche Dreingabe.
Ich sehe darin dennoch eine Chance, dass einigen Verrannten die Augen ein klein wenig geöffnet werden.
Dafür muss er zeitnah aufzeigen, wovon er sich konkret distanziert und das gut begründen.
Sollte er diesen Schritt gehen, kann man mit Popcorn zuschauen, wie sich die Querdenkerszene dazu verhält.
Er wird sich sicherlich nicht von all dem Schwachsinn, den er die letzten 10 (15? 20?) Jahre von sich gab, distanzieren. Das ist aber auch nicht wichtig. Wichtig ist eine Distanzierung von dem ganzen Coronaunfug, den er von sich gab. Die Aussagen zu QAnon wären eine hilfreiche Dreingabe.
Ich sehe darin dennoch eine Chance, dass einigen Verrannten die Augen ein klein wenig geöffnet werden.
Dafür muss er zeitnah aufzeigen, wovon er sich konkret distanziert und das gut begründen.
Sollte er diesen Schritt gehen, kann man mit Popcorn zuschauen, wie sich die Querdenkerszene dazu verhält.
Barcelona en blanco
Nyon – Freitag, 18. März 2022. Männer in dunklen Anzügen greifen in Kunststoffbehälter und ziehen Kugeln. „FC Barcelona“ steht auf dem Bällchen, das Eintracht Frankfurt zugelost wird. Die UEFA hat der SGE eben eines der prestigeträchtigsten Spiele ihrer Vereinsgeschichte zugelost.
Fast Forward.
Weeze – Dienstagabend, 12. April 2022. Ich bin zum ersten Mal an diesem ehemaligen Militärflughafen an der niederländischen Grenze und besteige einen Ryanair-Flieger nach Palma. Ich will weder an den Ballermann noch auf der Insel bleiben. Ich will nach Barcelona. Und das wollen – soviel ist schon klar – mehrere zehntausende andere SGE-Fans aus der ganzen Welt ebenfalls. In Palma habe ich einen Anschlussflug nach Katalonien. Meine Frage auf Englisch nach „Gate D“ missinterpretiert die Info-Dame mit gelber Weste offenbar mit „Exit“ und ich stehe plötzlich wieder vor dem Flughafen. Noch 20 Min bis zum Start. Ich muss nochmal durch den Securitycheck. Ticketcode funktioniert nicht. Ich schwitze durch die Rennerei aus allen Poren. Da! Code funktioniert doch. Ich sprinte zum Flugzeug, bin der Letzte, der in den Flieger steigt. Ich schwitze immer noch, wie ein Irrer.
Landung in Barcelona. Ab zum Hotel. Pennen. Aufwachen und feststellen: Es regnet! Dabei wollte ich am Tag vor dem Spiel die vielen Skateparks der Stadt abchecken und am berühmten MACBA skaten. Das Einzige, was mich milde stimmt, ist die tiefe Überzeugung, dass der Zirkus gestern in Palma und das miese Wetter mein Karma-Tribut an einen Sieg am Donnerstag sind. Ist geil, wenn man sich sowas einreden kann.
Ich lasse mich durch das verregnete Barcelona treiben. Eintracht-Fans überall. Sie singen. Trotz Regen und trotz einer geringen statistischen Wahrscheinlichkeit, gegen den fast 700-Millionen-Kader des FC Barcelona gleich zwei Mal irgendeine Chance zu haben. Im Old Irish Pub trifft man sich. Trinkt das erste Bier des Tages. „Wenn wir das morgen wirklich schaffen – dann renne ich nackt durch die Ramblas“, hört man häufiger. Je tiefer die Sonne steht, desto mehr Eintracht-Fans werden es in den Ramblas. Jede Kneipe, jeder Platz – in Eintracht-Hand. Am Abend überlegt man, die Stadt in „Barcelona am Main“ umzubenennen. Es liegt etwas Magisches in der katalonischen Abendluft.
Barcelona – Donnerstagmorgen, 14. April 2022. Alle in weiß! Das war die Ansage. Bestellt, geliefert. Ich bin auf dem Weg vom Hotel am Diagonal Port zum Hafen. Die See-Adler laden zu einer lustigen Bootsfahrt auf dem Mittelmeer. Der unglaublich heftige Wellengang lässt die Fahrt kürzer ausfallen als geplant. Viele erfahren physisch, was sie am Abend emotional erwartet.
Es ist Nachmittag. Gerüchte über den Fanmarsch kursieren. Placa de Catalunya oder Rambla Raval? Egal. Die komplett in weiß gekleidete Eintracht-Meute füllt die Strecke zwischen beiden Plätzen aus. Das sind immerhin 1,7 km Luftlinie. Für die einen war das eine verrückte Touristen-Attraktion für die anderen ist es der Inbegriff des Fantums. Eintracht Frankfurt ist in diesen Stunden wie eine Sprudelflasche, die über Jahre geschüttelt und nun geöffnet wurde. Seit Jahrzehnten wünscht sich dieser Traditionsverein ein Szenario wie dieses. Die Reiserouten der 30.000 führten über London, Paris, Sarajevo, Palma, manche über Marokko bis zum Placa de Catalunya. Mittendrin Vereinspräsident Peter Fischer mit San Miguel-Bierdose.
Ich laufe alleine durch die Menge. Versuche, die Stimmung zu inhalieren. Irgendwie in Dosen zu packen. Setze mich auf eine Bank, genieße das Treiben. Es ist historisch und es soll gerade erst losgehen. Plötzlich jault eine Polizei-Sirene. Der Startschuss zum Fanmarsch. 30.000 Alemanes und ihre Alliierten aus der ganzen Welt setzen sich in Bewegung. Es ist ein mehrere Kilometer lange Truppe, die sich in Richtung Camp Nou wälzt. Einheimische stehen auf ihren Balkonen, filmen und fotografieren uns. Sobald eine Barcelona-Fahne auf einem Balkon gehisst wird, ertönt ein monumentales Pfeifkonzert. Auf dem Weg gelegene Supermercats werden binnen Minuten leer gekauft. Jedes Eintracht-Lied, das ich kenne, wird angestimmt. Der Zug ist so lang, dass parallel fünf verschiedene Lieder gesungen werden. Immer wieder stelle ich mich an die Seite und lasse diese fußballerische Völkerwanderung an mir vorbei mäandern. Sie will einfach nicht enden. Eine volle Stunde Genuss. 60 Minuten Machtdemonstration einer Fanliebe, die ein solches Spiel seit Dekaden ersehnt. Die perfekte Vorbereitung für die folgenden, epochalen 99 Minuten.
Camp Nou – Donnerstagabend, 14. April 2022. Die Polizei versucht die Menschen in Weiß zum Gästeeingang zu geleiten. Es rumort. Hier sind mehrere Zehntausend. Im Gästeblock ist Platz für 5.000. Irgendwas ist heute anders. Das wurde in diesem Moment auch den Sicherheitskräften klar. Man öffnet die Sperren. Wir verteilen uns vor allen Eingängen des Camp Nou, das von außen recht unspektakulär wirkt. Barcelona-Fans, die für spanische Fan-Kultur untypisch schon am Stadion sind, sehen sich einem surrealen Szenario gegenüber. Es sieht so aus als habe der FC Barcelona ein Auswärtsspiel. Und noch viel schlimmer: Bei Rivale Real Madrid. „¡Increíble!“ „¿Qué está pasando aquí?” “Diez mil alemanes.” “Este es un partido fuera de casa.”, sind Sätze, die in apnische WhatsApp-Chats gehackt werden.
Die Tore öffnen sich. Der Puls erhöht sich. Öffnet sich die Schranke für mich? Funktioniert der Code? Ja und ja. Ich bin drinnen. In diesem altehrwürdigen Stadion. Ich dachte schon häufiger dran, hier mal eine der typischen Touri-Touren zu machen. Jetzt stehe ich da, bei einem Pflichtspiel meines Vereins. In einem Viertelfinale der Europa League. Als ich in Block 355 gehe – direkt über den „Animateuren des FCB“ – beeindruckt mich die schiere monumentale Größe des Runds. Noch mehr aber, dass gerade fast nur Menschen in Weiß zu sehen sind. Kevin Trapp kommt raus. Die Menge applaudiert. Kurz darauf kommt Ter Stegen – und wird ausgepfiffen. Der Legende nach soll er in die Kanine zurückgekehrt sein und gesagt haben: „Leute, heute ist es anders. Wir haben ein Auswärtsspiel.“
Was jetzt passiert, ist epochal. Was ich da unten auf dem Rasen sehe, ist eine Mischung aus taktischer Cleverness, absolutem Siegeswillen und den Anfeuerungen der rund 30.000 in Weiß. Lindström geht zu Boden. Elfmeter für die Eintracht! Kostic – cool wie Sau – nimmt den Ball und hämmert ihn in die rechte Ecke. Die Barcelona-Fans um mich herum werden mich als el alemán in Erinnerung behalten, der erst jubelt und sich dann ungläubig mit beiden Händen an den Kopf fasst und mit großen Augen 360-Grad umherblickt. 2:0 Borré. Das Ding kommt so ansatzlos wie mächtig. Ich gucke noch ungläubiger. Noch verwirrter. Meine Angst vor Aubameyang und Dembelè, die uns den Pokalsieg 2017 vermiesten, sinkt gen null. Gooooooooooooool de Eintracht! Kostic! Du Teufelskerl! Der Ron Jeremy-Lookalike im Barca-Trikot vor mir tritt sein Popcorn weg und geht heim. Guckt nochmal zu mir, schlägt sich auf sein Wappen und ruft: „Cinco veces campeones de la liga!!“
Ich so: “We'll meet again. Adios!” Und dann diese neun Minuten Nachspielzeit. Meine Pulsuhr zeigt 130. Plötzlich dreht Barca nochmal auf. Die Eintracht verliert den Zugriff. Das Spiel hätte keine Minute länger dauern dürfen. Hätte es 3:3 gestanden, ich hätte in Therapie gemusst.
Was ist da passiert? Natürlich, für den Weltclub Barcelona ist diese Niederlage, dieses Ausscheiden eine Schmach. Für den Fußball-Romantiker ist dieser Abend von Malmö bis Sevilla ein einziges Joseph von Eichendorff-Gedicht. Es sollte auch den FC Barcelona und alle Super League-Phantasten inspirieren. Kümmert euch um eure Fans. Und an die Fans: Kümmert euch um euren Verein. Eine Fusion aus Mannschaft und Fans kann exorbitante Marktwerte egalisieren. Mehr noch. Die Stimmung, die Motivation kann Spieler 20- 30 % besser machen. Und wie der ESPN-Kommentator Derek Mae sagte: „This is grown organic. You can’t fake your way to it.” Fankultur ist erhaltenswert. Eine echte Fankkultur ist für Vereine unbezahlbar. „Höhepunkte eines Sportlerlebens, die du für kein Geld kaufen kannst“, sagte Trainer Oliver Glasner. Worte, die sich auch die Spieler immer wieder gewahr werden sollten, wenn demnächst Millionenangebote verhandelt werden. Was da in Barcelona geschah, macht den Fußball wieder ein Stück ehrlicher. Greifbarer.
Barcelona en blanco – und ich durfte dabei sein. Gracias an diese großartige Stadt.
In Bergamo – wo am selben Abend RB Leipzig spielte – waren 900 Fans mitgereist….
Nyon – Freitag, 18. März 2022. Männer in dunklen Anzügen greifen in Kunststoffbehälter und ziehen Kugeln. „FC Barcelona“ steht auf dem Bällchen, das Eintracht Frankfurt zugelost wird. Die UEFA hat der SGE eben eines der prestigeträchtigsten Spiele ihrer Vereinsgeschichte zugelost.
Fast Forward.
Weeze – Dienstagabend, 12. April 2022. Ich bin zum ersten Mal an diesem ehemaligen Militärflughafen an der niederländischen Grenze und besteige einen Ryanair-Flieger nach Palma. Ich will weder an den Ballermann noch auf der Insel bleiben. Ich will nach Barcelona. Und das wollen – soviel ist schon klar – mehrere zehntausende andere SGE-Fans aus der ganzen Welt ebenfalls. In Palma habe ich einen Anschlussflug nach Katalonien. Meine Frage auf Englisch nach „Gate D“ missinterpretiert die Info-Dame mit gelber Weste offenbar mit „Exit“ und ich stehe plötzlich wieder vor dem Flughafen. Noch 20 Min bis zum Start. Ich muss nochmal durch den Securitycheck. Ticketcode funktioniert nicht. Ich schwitze durch die Rennerei aus allen Poren. Da! Code funktioniert doch. Ich sprinte zum Flugzeug, bin der Letzte, der in den Flieger steigt. Ich schwitze immer noch, wie ein Irrer.
Landung in Barcelona. Ab zum Hotel. Pennen. Aufwachen und feststellen: Es regnet! Dabei wollte ich am Tag vor dem Spiel die vielen Skateparks der Stadt abchecken und am berühmten MACBA skaten. Das Einzige, was mich milde stimmt, ist die tiefe Überzeugung, dass der Zirkus gestern in Palma und das miese Wetter mein Karma-Tribut an einen Sieg am Donnerstag sind. Ist geil, wenn man sich sowas einreden kann.
Ich lasse mich durch das verregnete Barcelona treiben. Eintracht-Fans überall. Sie singen. Trotz Regen und trotz einer geringen statistischen Wahrscheinlichkeit, gegen den fast 700-Millionen-Kader des FC Barcelona gleich zwei Mal irgendeine Chance zu haben. Im Old Irish Pub trifft man sich. Trinkt das erste Bier des Tages. „Wenn wir das morgen wirklich schaffen – dann renne ich nackt durch die Ramblas“, hört man häufiger. Je tiefer die Sonne steht, desto mehr Eintracht-Fans werden es in den Ramblas. Jede Kneipe, jeder Platz – in Eintracht-Hand. Am Abend überlegt man, die Stadt in „Barcelona am Main“ umzubenennen. Es liegt etwas Magisches in der katalonischen Abendluft.
Barcelona – Donnerstagmorgen, 14. April 2022. Alle in weiß! Das war die Ansage. Bestellt, geliefert. Ich bin auf dem Weg vom Hotel am Diagonal Port zum Hafen. Die See-Adler laden zu einer lustigen Bootsfahrt auf dem Mittelmeer. Der unglaublich heftige Wellengang lässt die Fahrt kürzer ausfallen als geplant. Viele erfahren physisch, was sie am Abend emotional erwartet.
Es ist Nachmittag. Gerüchte über den Fanmarsch kursieren. Placa de Catalunya oder Rambla Raval? Egal. Die komplett in weiß gekleidete Eintracht-Meute füllt die Strecke zwischen beiden Plätzen aus. Das sind immerhin 1,7 km Luftlinie. Für die einen war das eine verrückte Touristen-Attraktion für die anderen ist es der Inbegriff des Fantums. Eintracht Frankfurt ist in diesen Stunden wie eine Sprudelflasche, die über Jahre geschüttelt und nun geöffnet wurde. Seit Jahrzehnten wünscht sich dieser Traditionsverein ein Szenario wie dieses. Die Reiserouten der 30.000 führten über London, Paris, Sarajevo, Palma, manche über Marokko bis zum Placa de Catalunya. Mittendrin Vereinspräsident Peter Fischer mit San Miguel-Bierdose.
Ich laufe alleine durch die Menge. Versuche, die Stimmung zu inhalieren. Irgendwie in Dosen zu packen. Setze mich auf eine Bank, genieße das Treiben. Es ist historisch und es soll gerade erst losgehen. Plötzlich jault eine Polizei-Sirene. Der Startschuss zum Fanmarsch. 30.000 Alemanes und ihre Alliierten aus der ganzen Welt setzen sich in Bewegung. Es ist ein mehrere Kilometer lange Truppe, die sich in Richtung Camp Nou wälzt. Einheimische stehen auf ihren Balkonen, filmen und fotografieren uns. Sobald eine Barcelona-Fahne auf einem Balkon gehisst wird, ertönt ein monumentales Pfeifkonzert. Auf dem Weg gelegene Supermercats werden binnen Minuten leer gekauft. Jedes Eintracht-Lied, das ich kenne, wird angestimmt. Der Zug ist so lang, dass parallel fünf verschiedene Lieder gesungen werden. Immer wieder stelle ich mich an die Seite und lasse diese fußballerische Völkerwanderung an mir vorbei mäandern. Sie will einfach nicht enden. Eine volle Stunde Genuss. 60 Minuten Machtdemonstration einer Fanliebe, die ein solches Spiel seit Dekaden ersehnt. Die perfekte Vorbereitung für die folgenden, epochalen 99 Minuten.
Camp Nou – Donnerstagabend, 14. April 2022. Die Polizei versucht die Menschen in Weiß zum Gästeeingang zu geleiten. Es rumort. Hier sind mehrere Zehntausend. Im Gästeblock ist Platz für 5.000. Irgendwas ist heute anders. Das wurde in diesem Moment auch den Sicherheitskräften klar. Man öffnet die Sperren. Wir verteilen uns vor allen Eingängen des Camp Nou, das von außen recht unspektakulär wirkt. Barcelona-Fans, die für spanische Fan-Kultur untypisch schon am Stadion sind, sehen sich einem surrealen Szenario gegenüber. Es sieht so aus als habe der FC Barcelona ein Auswärtsspiel. Und noch viel schlimmer: Bei Rivale Real Madrid. „¡Increíble!“ „¿Qué está pasando aquí?” “Diez mil alemanes.” “Este es un partido fuera de casa.”, sind Sätze, die in apnische WhatsApp-Chats gehackt werden.
Die Tore öffnen sich. Der Puls erhöht sich. Öffnet sich die Schranke für mich? Funktioniert der Code? Ja und ja. Ich bin drinnen. In diesem altehrwürdigen Stadion. Ich dachte schon häufiger dran, hier mal eine der typischen Touri-Touren zu machen. Jetzt stehe ich da, bei einem Pflichtspiel meines Vereins. In einem Viertelfinale der Europa League. Als ich in Block 355 gehe – direkt über den „Animateuren des FCB“ – beeindruckt mich die schiere monumentale Größe des Runds. Noch mehr aber, dass gerade fast nur Menschen in Weiß zu sehen sind. Kevin Trapp kommt raus. Die Menge applaudiert. Kurz darauf kommt Ter Stegen – und wird ausgepfiffen. Der Legende nach soll er in die Kanine zurückgekehrt sein und gesagt haben: „Leute, heute ist es anders. Wir haben ein Auswärtsspiel.“
Was jetzt passiert, ist epochal. Was ich da unten auf dem Rasen sehe, ist eine Mischung aus taktischer Cleverness, absolutem Siegeswillen und den Anfeuerungen der rund 30.000 in Weiß. Lindström geht zu Boden. Elfmeter für die Eintracht! Kostic – cool wie Sau – nimmt den Ball und hämmert ihn in die rechte Ecke. Die Barcelona-Fans um mich herum werden mich als el alemán in Erinnerung behalten, der erst jubelt und sich dann ungläubig mit beiden Händen an den Kopf fasst und mit großen Augen 360-Grad umherblickt. 2:0 Borré. Das Ding kommt so ansatzlos wie mächtig. Ich gucke noch ungläubiger. Noch verwirrter. Meine Angst vor Aubameyang und Dembelè, die uns den Pokalsieg 2017 vermiesten, sinkt gen null. Gooooooooooooool de Eintracht! Kostic! Du Teufelskerl! Der Ron Jeremy-Lookalike im Barca-Trikot vor mir tritt sein Popcorn weg und geht heim. Guckt nochmal zu mir, schlägt sich auf sein Wappen und ruft: „Cinco veces campeones de la liga!!“
Ich so: “We'll meet again. Adios!” Und dann diese neun Minuten Nachspielzeit. Meine Pulsuhr zeigt 130. Plötzlich dreht Barca nochmal auf. Die Eintracht verliert den Zugriff. Das Spiel hätte keine Minute länger dauern dürfen. Hätte es 3:3 gestanden, ich hätte in Therapie gemusst.
Was ist da passiert? Natürlich, für den Weltclub Barcelona ist diese Niederlage, dieses Ausscheiden eine Schmach. Für den Fußball-Romantiker ist dieser Abend von Malmö bis Sevilla ein einziges Joseph von Eichendorff-Gedicht. Es sollte auch den FC Barcelona und alle Super League-Phantasten inspirieren. Kümmert euch um eure Fans. Und an die Fans: Kümmert euch um euren Verein. Eine Fusion aus Mannschaft und Fans kann exorbitante Marktwerte egalisieren. Mehr noch. Die Stimmung, die Motivation kann Spieler 20- 30 % besser machen. Und wie der ESPN-Kommentator Derek Mae sagte: „This is grown organic. You can’t fake your way to it.” Fankultur ist erhaltenswert. Eine echte Fankkultur ist für Vereine unbezahlbar. „Höhepunkte eines Sportlerlebens, die du für kein Geld kaufen kannst“, sagte Trainer Oliver Glasner. Worte, die sich auch die Spieler immer wieder gewahr werden sollten, wenn demnächst Millionenangebote verhandelt werden. Was da in Barcelona geschah, macht den Fußball wieder ein Stück ehrlicher. Greifbarer.
Barcelona en blanco – und ich durfte dabei sein. Gracias an diese großartige Stadt.
In Bergamo – wo am selben Abend RB Leipzig spielte – waren 900 Fans mitgereist….
Danke.
Es gibt aber nur einen Bruchteil dieses epischen Trips wieder
Es gibt aber nur einen Bruchteil dieses epischen Trips wieder
Andy schrieb:
Danke für den Tipp!
Gerne.
Der dritte Teil ist draußen.
Der WA und er FA haben es schon immer gewusst:
"Die denken nicht quer; die denken egoman"
Und jetzt ist auch der vierte Teil draußen.
Diesmal geht es um die Radikalisierung von Prominenten am Beispiel vor allem von Hildmann und Wendler.
Fand ich sehr hörenswert.
Xavier Naidoo wird zum Ende hin erwähnt. Auf seine Äußerungen der letzten Woche sind sie leider nicht eingegangen.
Diesmal geht es um die Radikalisierung von Prominenten am Beispiel vor allem von Hildmann und Wendler.
Fand ich sehr hörenswert.
Xavier Naidoo wird zum Ende hin erwähnt. Auf seine Äußerungen der letzten Woche sind sie leider nicht eingegangen.
Hups... gar nicht mitbekommen.
Da er auch ein ehemaliger war, poste ich es hier mal rein.
Ex-Eintracht-Star von Barcelona-Fans verprügelt
t-online.de/sport/fussball/bundesliga/id_92028056/brutaler-angriff-auf-ex-eintracht-star-martin-fenin-in-barcelona-attackiert.html
Da er auch ein ehemaliger war, poste ich es hier mal rein.
Ex-Eintracht-Star von Barcelona-Fans verprügelt
t-online.de/sport/fussball/bundesliga/id_92028056/brutaler-angriff-auf-ex-eintracht-star-martin-fenin-in-barcelona-attackiert.html
Tschock schrieb:
Sehr interessante Ansicht !
Die aber schon 1980 so funktioniert hat. Habe keine Ahnung wie Gladbach parallel in der Liga stand, die Bayern spielten um den Titel gegen den HSV und wir haben die Liga sausen gelassen. Vor dem 5:1 gegen die Bayern setzte es fünf Niederlagen in Folge. Gerade noch mal nachgeschaut. Nach der Gala gegen die Bayern ein 0:1 daheim gegen Bochum.
Andy schrieb:
Die aber schon 1980 so funktioniert hat. Habe keine Ahnung wie Gladbach parallel in der Liga stand, die Bayern spielten um den Titel gegen den HSV und wir haben die Liga sausen gelassen. Vor dem 5:1 gegen die Bayern setzte es fünf Niederlagen in Folge. Gerade noch mal nachgeschaut. Nach der Gala gegen die Bayern ein 0:1 daheim gegen Bochum.
Das war mir gar nicht bewusst. Aber wie hatte es auch anders sein können!
Luzbert schrieb:
Das war mir gar nicht bewusst. Aber wie hatte es auch anders sein können!
Habe gerade noch mal geschaut, vor dem 5:1 gab es sogar sechs (!) Pflichtspielniederlagen in Folge. Ich hatte das Rückspiel in Brünn nicht mitgezählt, was ja auch verloren wurde (2:3), aber aufgrund des 4:1 im Hinspiel keine negative Auswirkung hatte.
Gude
Offizielle Website der SNCF (Betreiber des TGV): https://www.sncf.com/de/fahrtstrecke-buchung/buchung-tickets
Normalerweise ist die Platzreservation nur zusammen mit dem Ticketkauf möglich und ein Ticket muss vor Fahrtantritt gekauft werden.
Offizielle Website der SNCF (Betreiber des TGV): https://www.sncf.com/de/fahrtstrecke-buchung/buchung-tickets
Normalerweise ist die Platzreservation nur zusammen mit dem Ticketkauf möglich und ein Ticket muss vor Fahrtantritt gekauft werden.
Brodo, ich finde es mega schön, dass Du die Freude an der Eintracht wiedergefunden hast. Wenn ein stark geschriebener Bericht über Dein Reise- und Stadioneindrücke sowie die Entwicklung Deines Verhältnisses zur Eintracht an der möglichen Reaktion eines einzelnen Users scheitert, fände ich das extrem schade!
Da Du die auf die mögliche Reaktion folgende Emotion sowieso bereits in Dir trägst, spricht doch ohnehin nichts gegen den Bericht!
@theeaglehaslanded - gute Besserung!
Da Du die auf die mögliche Reaktion folgende Emotion sowieso bereits in Dir trägst, spricht doch ohnehin nichts gegen den Bericht!
@theeaglehaslanded - gute Besserung!
Caramac schrieb:
Wenn man sich jetzt auch (furious) gegen die Hammers durchsetzt und dann im Finale (vielleicht sogar deutlich) gegen die Dosen verliert, glaube ich nicht, dass das mit etwas weniger Schmerzen ausreichend beschrieben ist. Dazu deren erster Titel. Und dann siehst Du da die 1.300 Fans feiern im Stadion...
Aber natürlich ist das nur eine Dystopie.
Diese Vorstellung ist so gruselig, dass ich jetzt schon die Nase voll hätte von einer solchen Begegnung.
Der EL-Titel wäre absoluter Zuckerguss. Nichts auch nur annähernd Erwartbares.
Aber gegen RB dürfte nicht verloren werden. Niemals. Das hätte für mich das Tragik-Niveau von Alesia anno '92. So etwas ewig Unauslöschbares.
Gelöschter Benutzer
Danke und frohe Ostern Euch allen
Gelöschter Benutzer
Der weiß mehr als wir. Ist sein Trikot für nächste Saison.
Hier die Analyse zum großen Spiel:
https://sgefussballanalyse.com/2022/04/16/fc-barcelona-sge-23-02/
https://sgefussballanalyse.com/2022/04/16/fc-barcelona-sge-23-02/
NickHenig schrieb:
Hier die Analyse zum großen Spiel:
https://sgefussballanalyse.com/2022/04/16/fc-barcelona-sge-23-02/
👍
Noch etwas interessantes und lustiges aus Düsseldorf. (Da es über 180 Beiträge sind, nur der Link)
https://www.95erforum.de/forum/index.php?thread/21992-uefa-europa-league-saison-2021-22/&pageNo=7
beginnt übrigens mit dem Hinspiel.
https://www.95erforum.de/forum/index.php?thread/21992-uefa-europa-league-saison-2021-22/&pageNo=7
beginnt übrigens mit dem Hinspiel.
Adler-Woerth schrieb:
Noch etwas interessantes und lustiges aus Düsseldorf. (Da es über 180 Beiträge sind, nur der Link)
https://www.95erforum.de/forum/index.php?thread/21992-uefa-europa-league-saison-2021-22/&pageNo=7
beginnt übrigens mit dem Hinspiel.
"haha was für Muschi Fans....Block leer weil zuviele Frankfurter rein durften 😅"
Das hat er schön gesagt 😄
Ich selbst war immer gegen Montagsspiele, aber nun geht's halt wirklich nicht anders. Schätze die Proteste deswegen werden sich in Grenzen halten.
Luzbert schrieb:franzzufuss schrieb:
Ich selbst war immer gegen Montagsspiele, aber nun geht's halt wirklich nicht anders.
*hust* Bremen 1992...
Da lagen keine 48 Stunden zwischen den beiden Spielen.
Gesundheit 🤭
Irgendwie sehr unfreundlich die Verkäufer im Barca Shop am Flughafen.
Dabei habe ich nur ganz nett nach dem neuen weißen Heimtrikot gefragt, welches ich gestern so oft im Stadion gesehen hatte.
Zuerst mussten sie mal jemanden finden, der meine Frage auf Englisch überhaupt versteht. Habe noch darauf hingewiesen, dass es das ganz neue Trikot sein müsste.
Am Ende haben sie mich sozusagen aus dem Shop geworfen.
Dabei habe ich nur ganz nett nach dem neuen weißen Heimtrikot gefragt, welches ich gestern so oft im Stadion gesehen hatte.
Zuerst mussten sie mal jemanden finden, der meine Frage auf Englisch überhaupt versteht. Habe noch darauf hingewiesen, dass es das ganz neue Trikot sein müsste.
Am Ende haben sie mich sozusagen aus dem Shop geworfen.
Trimonium schrieb:
Irgendwie sehr unfreundlich die Verkäufer im Barca Shop am Flughafen.
Dabei habe ich nur ganz nett nach dem neuen weißen Heimtrikot gefragt, welches ich gestern so oft im Stadion gesehen hatte.
Zuerst mussten sie mal jemanden finden, der meine Frage auf Englisch überhaupt versteht. Habe noch darauf hingewiesen, dass es das ganz neue Trikot sein müsste.
Am Ende haben sie mich sozusagen aus dem Shop geworfen.
🤣
Barca (Xavi, deren Präsident etc ) hat zwei Dinge vergessen, die immer wieder zutreffen, auch außerhalb des Fussballs:
- Hochmut kommt vor dem Fall (Rasendebatte etc.)
- wer meint etwas zu sein , hört auf etwas zu werden! Ohne Demut geht es nicht!
Viel Spaß bei der Aufarbeitung!
Wir sind da schon ein Schritt weiter! Zum Glück!
- Hochmut kommt vor dem Fall (Rasendebatte etc.)
- wer meint etwas zu sein , hört auf etwas zu werden! Ohne Demut geht es nicht!
Viel Spaß bei der Aufarbeitung!
Wir sind da schon ein Schritt weiter! Zum Glück!
Luzbert schrieb:Trimonium schrieb:
Irgendwie sehr unfreundlich die Verkäufer im Barca Shop am Flughafen.
Dabei habe ich nur ganz nett nach dem neuen weißen Heimtrikot gefragt, welches ich gestern so oft im Stadion gesehen hatte.
Zuerst mussten sie mal jemanden finden, der meine Frage auf Englisch überhaupt versteht. Habe noch darauf hingewiesen, dass es das ganz neue Trikot sein müsste.
Am Ende haben sie mich sozusagen aus dem Shop geworfen.
🤣
Stark 💪
Auch deren Meinung gehört zur Abrundung der Diskussion dazu.
Ich bin anderer Meinung und halte ein de facto Einknicken vor dem Aggressor für absolut falsch.
Aus einem offenen Brief, u.a. von Konstantin Wecker und Antje Vollmer.
"Wir fordern daher die Bundesregierung, die EU- und NATO-Staaten auf, die Waffenlieferungen an die ukrainischen Truppen einzustellen und die Regierung in Kiew zu ermutigen, den militärischen Widerstand ‒ gegen die Zusicherung von Verhandlungen über einen Waffenstillstand und eine politische Lösung ‒ zu beenden."
https://www.berliner-zeitung.de/politik-gesellschaft/offener-brief-fordert-von-scholz-stopp-der-waffenlieferungen-an-die-ukraine-li.223704