
emjott
11155
Xaver08 schrieb:
wenn die politik etwas cleverer gewesen wäre, wäre sie nie in die atomenergie eingestiegen. atomenergie wurde mit mind. 240 milliarden euro durch den steuerzahler finanziert (nachvollziehbare posten).
Interessante Bemerkung in Klammern! Seh ich jetzt von dir zum ersten Mal.
Was sagt das eigentlich über die anderen Zahlen aus, die du hier so verbreitest !?!
Ich gebe dir allerdings Recht.
Aus heutiger Sicht ständen wir wahrscheinlich jetzt besser da, wenn man sich zu Wirtschaftswunderzeiten auf einen Strommix aus Braun- und Steinkohle (plus ein bisschen Wasserkraft) beschränkt hätte. Aber Adenauer und Erhard waren halt genauso wie du der Meinung, dass ein breit(er) gestreuter Mix der Energieträger sinnvoll ist.
Bei einem Blick in die Vergangenheit muss man jedoch zwingend folgendes beachten: Geld, das bereits ausgegeben ist, bekommt man nicht mehr zurück! Alles, was du als Subvention bezeichnest und in der Vergangenheit stattfand, ist geschehen und kann nicht mehr geändert werden! Auch werden wir uns kaum um die Kosten der Endlagerung drücken können. Das steht seit ungefähr 50 Jahren fest.
Was wir allerdings noch beeinflussen können, sind Ausgaben der Gegenwart und der Zukunft! Deswegen weise ich hier ständig auf die Ineffizienz der Photovoltaik hin! Diese Kosten, die heute und in Zukunft anfallen, können wir noch vermeiden oder zumindest reduzieren, und das Geld viel effizienter einsetzen.
Ich fände beispielsweise einen einheitlichen EEG-Vergütungssatz für alle grünen Energieträger sinnvoll. Es ist doch völlig egal ob Windräder, Solarmodule, tiefe Löcher in der Erdkruste, Algenkraftwerke oder Dynamos an Hamsterlaufrädern. Wer Strom ohne Schadstoffe erzeugen kann und ohne, dass wir irgendwelche Rohstoffe aus Arabien importieren müssen, der soll einen Zuschuss bekommen. Wer das am günstigsten macht, der soll das Rennen machen und so viel produzieren wie möglich!
Xaver08 schrieb:
der unterschied zwischen erneuerbaren und atom/kohle/öl und gas ist, daß die erneuerbaren immer günstiger werden, der ganze rest aber immer teurer.
Es gibt noch einen weiteren, ganz entscheidenden Unterschied: Kohle/Öl/Uran funktionieren!
Seit Jahrzehnten! Ob Sommer oder Winter, Tag oder Nacht, Feier- oder Werktag, Regen oder Nebel oder Sonnenschein. Der Strom der gebraucht wird, der steht auch zur Verfügung. Das ist toll!
Und nur weil dieser Umstand in (West-)Deutschland seit Jahrzehnten selbstverständlich ist, ist es nicht grundsätzlich selbstverständlich!
Eine funktionierende Energieversorgung ist notwendig für ein starke Wirtschaft. Und nur mit einer starken Wirtschaft und einer daraus folgenden wohlhabenden Gesellschaft kann man sich so einen Luxus wie Solarmodule leisten. 100 Mrd Euro für 2% der Stromversorgung können sich weltweit nicht viele Länder leisten.
Von den von dir propagierten Energieträgern hat einzig die Wasserkraft in der Praxis nachgewiesen, dass sie genauso funktioniert (in Norwegen). Wasserkraft stellt einerseits natürlich auch in Deutschland seit Ewigkeiten niemand (naja fast) in Frage (der Atomkonzern Eon ist seit langer langer Zeit größter deutscher Produzent). Andererseits hat sie wenig Wachstumspotenzial.
Deshalb müssen wir auf Wind, Solar, etc schauen. Und die funktionieren zurzeit weltweit nirgends! Ob sie jemals funktionieren ist noch offen, auch wenn du ständig etwas anderes behauptest. Zwischen Visionen bzw. Forschungsprojekten und Praxistauglichkeit liegen Welten!
Selbst die deutschen Anbieter von echtem Ökostrom setzen zum allerallergrößten Teil auf Wasserkraft. Einer Technologie, die seit 100 Jahren funktioniert, aber quasi kein Wachstumspotenzial hat - was hat das mit Energiewende zu tun?
Nichts! Außer Marketing.
Wer tatsächlich die Stromversorgung komplett umbauen will, hat keine andere Wahl als Schritt für Schritt mit Verstand (!) voranzugehen. Die Frage, ob dieser Weg mal zum Ziel führen wird, ist noch offen! Es ist auch noch offen, ob Deutschland so reich bleibt um sich dieses gigantische Experiment auch in Zukunft leisten zu können. Für große Probleme, die man bereits kennt, gibt es noch keine praxistauglichen Lösungen. Probleme, die man noch nicht kennt, werden auch noch auftauchen.
Unter diesen Umständen hast du nichts besseres zu tun als ausschließlich für blinden Aktionismus und Chaos zu werben. Viel hilft viel scheint deine Devise zu sein. Pragmatismus, Realismus, Vernunft interessieren dich überhaupt nicht.
Hauptsache das Geld fließt. V.a. in die Photovoltaik.
Xaver08 schrieb:emjott schrieb:
Da die variablen Kosten von Solarstrom exakt Null Euro betragen, wird in genau diesen Stunden mit sehr hohem PV-Anteil der Preis an der Strombörse extrem niedrig sein.
das wird dann so sein, aber nach deiner einschätzung sind das ja nur sehr kurze zeiten... ist verkraftbar.
Hier meine Einschätzung: 75% des Ertrags kommen in 15% der Zeit zustande. Für die restlichen 7500 Stunden eines Jahres verbleibt das restliche Viertel der erzeugten Menge. Das meiste davon logischerweise in den Sommermonaten, wenn die Stromnachfrage etwas niedriger ist.
Verkraftbar ist das für die Betreiber exakt so lange wie eine staatlich garantierte Vergütung existiert. Dass die PV irgendwann mal ohne diese planwirtschaftliche Regelung auskommt, glaubst vermutlich nicht mal du.
Wie bereits geschrieben, sorgt die extrem hohe Fluktuation dafür, dass die PV nur sehr sehr schwer ein verlässlicher Teil der deutschen Stromversorgung werden kann. Will sie es werden, bedarf dies enormer finanzieller und technischer Anstrengungen (Speicher und Netze). Erschwerend kommt hinzu, dass hierfür nicht nur viel Geld und anspruchsvolle technische Lösungen gefragt sind, sondern auch unzählige protestfreudige Bürgerinitiativen berücksichtigt werden müssen.
Doch warum eigentlich dieser Irrsinn?
Zahlen von 2010:
Installierte Leistung Wind: 27,2 GW
Installierte Leistung Solar: 17,3 GW
Erzeugung durch Wind: 37,8 GWh
Erzeugung durch Solar: 11,7 GWh
Einspeisevergütung Wind: 3,3 Mrd Euro
Einspeisevergütung Solar: 5,0 Mrd Euro
50% höhere Kosten für weniger als ein Drittel des Ertrags!
Warum also dieser Irrsinn?
Windkraft hat fast die gleichen Nachteile wie PV. Allerdings in deutlich abgeschwächter Form. Sie bringt deutlich mehr Ertrag, der deutlich gleichmäßiger verteilt ist und ist zudem um Faktor 5 günstiger!
Wenn die Politik in den letzten 10 Jahren etwas cleverer gewesen wäre, hätten wir bereits 25-30% aus Erneuerbaren.
Nochmal zur extrem hohen Fluktuation des Solarstroms und den Merit-Order-Effekt:
Obwohl mit Photovoltaik nur mickrige 2-3% des jährlichen Stromverbrauchs gedeckt werden, erzeugen die deutschen Solaranlagen schon heute in der Spitze mehr als 30% des tatsächlichen Bedarfs (z.B. Mittags am 2. August 2011 laut der oben verlinkten Quelle von EnBW).
So, jetzt lassen wir mal den Anteil der Photovoltaik am Strommarkt steigen und steigen. Selbst wenn es in der Jahresbilanz noch bei einstelligen Prozentzahlen bleibt, wird es immer mehr Sommertage geben, an denen zur Mittagszeit einige Stunden lang mit Solarstrom deutlich mehr als die Hälfte des gesamten Bedarfs gedeckt wird.
Da lacht das grüne Herz ...
Wenige Beiträge zuvor wurde der Merit-Order-Effekt erwähnt. Da die variablen Kosten von Solarstrom exakt Null Euro betragen, wird in genau diesen Stunden mit sehr hohem PV-Anteil der Preis an der Strombörse extrem niedrig sein.
Das hat (etwas übertrieben ausgedrückt) die Folge, dass entweder die Sonne scheint, der Strom aber verschenkt wird. Oder, dass die Sonne nicht scheint und auch kein Solarstrom verkauft werden kann. Wie sollen da eigentlich die Investitionskosten wieder reinkommen?
Fazit:
Betriebswirtschaftlich machen PV-Module nur Sinn, wenn es Deutschlandweit nicht zuviele davon gibt.
Oder aber wenn dauerhaft (!) eine staatlich garantierte Einspeisevergütung existiert, die völlig losgelöst von Angebot und Nachfrage gezahlt wird.
Obwohl mit Photovoltaik nur mickrige 2-3% des jährlichen Stromverbrauchs gedeckt werden, erzeugen die deutschen Solaranlagen schon heute in der Spitze mehr als 30% des tatsächlichen Bedarfs (z.B. Mittags am 2. August 2011 laut der oben verlinkten Quelle von EnBW).
So, jetzt lassen wir mal den Anteil der Photovoltaik am Strommarkt steigen und steigen. Selbst wenn es in der Jahresbilanz noch bei einstelligen Prozentzahlen bleibt, wird es immer mehr Sommertage geben, an denen zur Mittagszeit einige Stunden lang mit Solarstrom deutlich mehr als die Hälfte des gesamten Bedarfs gedeckt wird.
Da lacht das grüne Herz ...
Wenige Beiträge zuvor wurde der Merit-Order-Effekt erwähnt. Da die variablen Kosten von Solarstrom exakt Null Euro betragen, wird in genau diesen Stunden mit sehr hohem PV-Anteil der Preis an der Strombörse extrem niedrig sein.
Das hat (etwas übertrieben ausgedrückt) die Folge, dass entweder die Sonne scheint, der Strom aber verschenkt wird. Oder, dass die Sonne nicht scheint und auch kein Solarstrom verkauft werden kann. Wie sollen da eigentlich die Investitionskosten wieder reinkommen?
Fazit:
Betriebswirtschaftlich machen PV-Module nur Sinn, wenn es Deutschlandweit nicht zuviele davon gibt.
Oder aber wenn dauerhaft (!) eine staatlich garantierte Einspeisevergütung existiert, die völlig losgelöst von Angebot und Nachfrage gezahlt wird.
Xaver08 schrieb:
der peak der solarstromerzeugung befindet sich in der zeit des größten bedarfes.
Echt?
Ich hätte gedacht, wenn die Tage lang sind und weder Wolken noch Nebel vorhanden ...
Die tatsächliche Einspeisung von PV-Strom wird übrigens von den Netzbetreibern veröffentlicht. Genauso wie der Lastverlauf des gesamten Netzes.
Teilweise auch in Form hübscher Grafiken z.B. hier und hier
Diese Information bieten alle Netzbetreiber in Deutschland an. Sie zeigen wunderbar wie stark PV-Strom fluktuiert und wie gleichmäßig hingegen die Stromnachfrage in Deutschland verläuft.
Es ist (quasi) unmöglich mit deutschem Solarstrom verlässlich einen wesentlichen Teil des Stromverbrauchs zu decken.
S-G-Eintracht schrieb:
[Plädoyer für eine Versachlichung der Diskussion]
Dem kann ich mich nur anschließen.
Bei einem so weitreichenden Thema wie der Umgestaltung der deutschen Energieversorgung sollten niemals subjektive Emotionen maßgeblich sein. Um welchen Teilaspekt es auch geht, es sollte stets die unaufgeregte, sachliche, rationale Abwägung von Vor- und Nachteilen, Kosten und Nutzen, Chancen und Risiken sein, die entscheidet.
Leider wird dieser Aufruf wirkungslos verpuffen.
Die Zahl der "Diskussions"teilnehmer, die sich bei diesem (teils sehr komplexen) Thema lieber nicht auf Daten und Fakten verlassen, sondern mehr auf ihre subjektive Empfindung (einerseits Angst teilweise Hass, anderseits Hoffnung und Sehnsucht), ist einfach zu groß. Oder besser gesagt, die Zahl der von dieser Gruppe verfassten Beiträge ist einfach zu groß.
Immohai schrieb:In Übereinstimmung mit anderen aufklärerischen Blätter scheint der thematisierte Rechenfehler überhaupt keine Folgen zu haben.emjott schrieb:
Was bedeutet das konkret?
Die "Bild" klärt heute auf! ,-)
Es standen einige Monate lang falsche Zahlen in der Bilanz. Was zwar ärgerlich und peinlich ist, aber keinerlei negative Auswirkungen hatte. Ansonsten ist außer der Produktion von enormen Mengen heißer Luft nichts passiert.
Die Zahlen werden korrigiert und fertig.
Stoppdenbus schrieb:
Kritiker forderten seit Jahren eine strengere Regulierung, ...
Eine Option für die SPD ist es, sich richtig schön und andauernd zu empören, aus der Sicht des kleinen Mannes mit dem Finger auf irgendeinen auserwählten Schuldigen zu zeigen und vorzugaukeln, dass es für die großen Probleme dieser Zeit ganz einfache Lösungen gibt.
Ein wesentlicher Teil der Wählerschaft ist dafür sicherlich empfänglich. Aber mit Gysi, Özdemir, Lafontaine und Roth hat Gabriel in dieser Zielgruppe harte Konkurrenz.
Bevor die SPD einen Kanzlerkandidaten ernennt, muss sie sich erstmal entscheiden welche Richtung sie einschlagen will.
Heiße Luft von Gabriel, Hausfrauenpolitik von Kraft und weltfremde Träumereien von Nahles?
Oder eher pragmatische, sachliche und vernünftige Politik wie in der letzten großen Koalition auf Bundesebene oder wie von Scholz in Hamburg umgesetzt?
Für zweiteres wäre Steinbrück geeignet.
Heiße Luft von Gabriel, Hausfrauenpolitik von Kraft und weltfremde Träumereien von Nahles?
Oder eher pragmatische, sachliche und vernünftige Politik wie in der letzten großen Koalition auf Bundesebene oder wie von Scholz in Hamburg umgesetzt?
Für zweiteres wäre Steinbrück geeignet.
Ist halt eine andere Preispolitik als bei uns, aber nicht grundsätlich schlechter.
Fußball bleibt bezahlbar, nur nicht jedes einzelne Spiel.