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eintrachtfrankfurt2005

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Ich hab mal wieder die A.rschkarte gezogen - nachdem die Zustände im Klopapier-Krieg immer schlimmer werden, muss einer den Thread endlich aufmachen. Es geht um eines der letzten Tabuthemen - das Kackverhalten der Bevölkerung. Damit ist nicht das Hamstern gemeint, sondern wirklich das Scheißen.

Was in den letzten Tagen in Deutschland rund um Klopapier abgeht, da kann man nur noch mit dem Kopf schütteln.
In mehreren Märkten kam es zu Streits bis knapp vor Faustschlag:
https://www.youtube.com/watch?v=oZmm34IiNR0

In Mannheim wurde einem Supermarktmitarbeiter von einem Klopapier-Wahnsinnigen das Knie ins Gesicht getreten, dass er ins Krankenhaus musste, in Nürnberg wurden Rollenvorräte aus Schulen geklaut:
https://www.donaukurier.de/nachrichten/panorama/Kriminalitaet-Krankheiten-Gesundheit-Covid-19-Deutschland-Supermarkt-Mitarbeiterin-geschlagen-wegen-Klopapier;art154670,4529084

Die Deutsche Bahn macht inzwischen Durchsagen das Klopapier doch bitte an Bord zu lassen:
https://www.youtube.com/watch?v=hV6OOEoel_E

Selbst die Satire-Grafik: "Lassen Sie keine Wertgegenstände im Auto liegen"
https://pbs.twimg.com/media/ETZEreoXsAAfC8M.jpg

ist inzwischen trauriger ernst gemeinter Rat geworden:
https://www.rtl.de/cms/aachen-dieb-bricht-in-auto-ein-um-klopapier-zu-klauen-4508898.html

In nahezu allen Märkten sind die Regale geräumt, obwohl bei Herstellern wie fripa aus Miltenberg/Main täglich 250 LKW die Laderampen verlassen. Hakle, tork und wie sie alle heißen produzieren bis zum Anschlag.

Selbst pearl TV verkauft jetzt Klopapier mit aufgedruckten 500-Euro-Noten zum Preis von 5,65 EUR.

Und trotzdem reicht es nicht. Das gipfelte in der persönlichen Erfahrung am Samstag im Edeka, wo alles ausverkauft war, ich an dem Hygieneprodukte-Regal vorbei kam und verzweifelt einen Mann stammeln hörte: "Das gibt's doch nicht, ich brauch doch nur zwei Rollen. Ich war schon in fast zehn Märkten!"
Eine Supermarkt-Angestellte bekam das mit und es kam zwischen uns drei zum kurzen Gespräch.
Sie: "Wir bekommen das Zeug morgens geliefert, nach spätestens einer Stunde ist nichts mehr da!"
4 Packungen Küchenpapier standen noch im Regal, da kam ein älteres Paar und griff beherzt zu.
Ich: "Was machen die denn alle mit dem Zeug?"
Sie meinte dann, als das Klopapier alle war, hätte sie sogar mitbekommen, wie Leute stattdessen zu mehreren Packungen Küchenpapier griffen und sagten: "Die kann man zurechtschneiden und drei Rollen draus machen!"

Abgesehen von der beknackten Horter-Fraktion, die sich zu Hause mit 1000 Rollen Klopapier verschanzt und auf die Apokalypse wartet, gibt es noch die asozialen Pseudo-Spekulanten, die meist zu blöd sind, in echte Wertanlagen zu investieren, aber glauben, mit dem Klopapier eine neue Goldmine aufgetan zu haben und gehen mit ihren Ersparnissen voll in diese neue Asset-Klasse. So manchen fliegen dann bei eBay die Rezensionen um die Ohren:

https://www.ebay.de/urw/KATRIN-104872-Toilettenpapier-plus/product-reviews/27028689597

Keine Ahnung, was da passiert ist, der Preis von dem Anbieter klingt auf den ersten Blick ja noch human, 3,99 EUR für 8 Rollen - vermutlich sind die Versandkosten von 7,50 EUR der Stein des Anstoßes, was den Einkaufspreis von einst 20 Cent pro Rolle insgesamt um 500% anziehen lässt. Wenn man aber dann noch die ebay-VKP und 3,99 Euro für den Paketversand abzieht, dann fragt man sich echt, warum man sich wegen den paar Kröten gegenseitig das Leben schwer macht und sich sein eBay-Bewertungsprofil versaut?

Aber die Apokalypsen-Fraktion, die sich mit so viel Klopapier eindeckt, dass sie mit einer Ausgangssperre bis zum Jahr 2030 rechnet und die Spekulanten, die in weiße neue "Wert"papiere investieren einfach mal außen vor gelassen, weil die stellen offenbar gar nicht das echte Hauptproblem dar. Vor allem sind sie auch nicht unbegreiflich, sie sind nachvollziehbar. Solche merkwürdigen Gruppierungen gibt es halt in der Krise.

Aber es wird ja auf breiter Front gebunkert - entsetzlicher als die oben Genannten sind schon eher Personen, die - ich lese ja in zahlreichen Online-Foren mit - damit argumentieren, dass sie das Zeug in diesen Mengen wirklich dringend brauchen!

So zum Beispiel diese nette Diskussion bei WELT:
https://abload.de/img/klopapier5ikjdo.png

Während im Artikel steht, dass ein Interviewter antwortete, dass er einmal die Woche Klopapier kaufe, kommentiert einer (Cailean): "Wohl eher im Monat!"
Woraufhin eine Christina W. schreibt, dass sie ernsthaft pro Tag eine Rolle benötigt.
Ein Chilli pflichtet ihr bei, dass seine vierköpfige Familie ebenfalls 8 Rollen pro Woche wegspült.

Zeit für die Frage: Was ist normaler Klopapierverbrauch?
Die Frage beschäftigte schon vor der Krise den einen oder anderen:
https://www.gutefrage.net/frage/eine-rolle-klopapier-pro-tag

Auch hier beschwert sich ein User, dass eine Rolle pro Tag draufgeht, ein Francis meinte, das sei nicht normal, ihm reiche eine Rolle pro Woche.

In anderen Foren gibt's noch weit mehr solcher interessanter Fälle exzessiven Verbrauchs, kann man selbst mühelos finden.

Also müssen wir die Frage etwas tiefgründiger angehen --> tiefgründig .
Wie kriegt man es überhaupt hin, eine Rolle am Tag zu verballern?
Es soll ja da angeblich die Falter- und die Knüller-Fraktion geben. Die einen reißen sich einige Blatt Papier ab, falten es. Die Knüller-Fraktion reißt deutlich mehr ab und formt aus dem Abriss eine Kugel. Ganz davon abgesehen, dass der Abriss von mehr als 10-15 Blatt schnell mal die Rohre verstopfen kann, könnte selbst die Knüller-Fraktion bei einem Toilettengang "groß" pro Tag von einer Rolle gute zwei Wochen zehren, denn im Durchschnitt hat die 250 Blatt.
Was zum Geier muss man anstellen, um eine ganze Rolle am Tag draufgehen zu lassen?

Inzwischen ist die Frage wohl auch für andere so dringend geworden, wie der Gang auf die Schüssel nach nem Löffel Rizinus, sonst gäbe es diese Rechner nicht:

https://reichtmeinklopapier.de/

Hier gibt es auch eine Profi-Variante, die gleich mehrere Variablen berücksichtigt:
https://www.blitzrechner.de/toilettenpapier/

Man kommt mit einer Rolle dem Rechner nach also mindestens 10-15 Tage aus.
Ich verbrauche bei einem Gang pro Tag 7-10 Blatt, d.h. knapp eine Rolle pro Monat. Deshalb das Entsetzen. Das, was andere nach eigener Beschreibung binnen einer Woche verbrauchen, da kann ich fast ein dreiviertel Jahr von kacken.

Deutschland verbraucht laut Statistik 134 Rollen pro Kopf (zweithöchster Wert weltweit, nur die USA verbrauchen noch mehr) :
https://www.general-anzeiger-bonn.de/news/panorama/klopapier-verbrauch-in-deutschland-besonders-hoch_aid-43909857

Diese Seite berichtet von 46 Rollen pro Kopf und Jahr:
https://ps-hygiene.de/unser-blog/unser-toilettenpapier-in-zahlen
merkwürdige große Differenzen zur ersten Quelle - vermutlich ist der zweite Link die Befragung der Verbraucher und die ersten werten die Payback-Daten aus .

Und international auch nochmal ne Übersicht:
https://de.statista.com/infografik/15624/klopapierverbrauch-pro-kopf-in-ausgewaehlten-laendern/

Ich verbrauche 12-15 (!) Rollen pro Jahr! Und ich lege sehr viel Wert auf Sauberkeit.
Wenn eine durchschnittliche Rolle Klopapier 250 Blatt hat und man verbraucht im Schnitt 7 Blatt, dann reicht die bei einem Toilettengang pro Tag 35 Tage. Etwas großzügiger gerechnet mindestens 25. Das kommt dann auch hin.
Natürlich kann der Megaverbraucher sich jetzt einfach hinstellen und sagen: Nicht ich verbrauche so viel, du verbrauchst zu wenig, mit dir stimmt was nicht!

Aber: Sieht eher auf meiner Seite ganz gut aus:
https://www.floraglueck.de/news/bei-gesundem-darm-kaum-toilettenpapier-noetig/

Ich hab noch 7 Rollen hier und hab noch keine Schweißperlen auf der Stirn. Damit komm ich locker bis in den Spätsommer.
Wenn der Durchschnittsscheißer also echt zwischen 46 und 134 Rollen Klopapier im Jahr verbraucht, weil es gibt ja für jeden, der weniger als 30 Rollen pro Jahr verbraucht also auch welche, die dann mindestens bei 140-150+x Rollen pro Jahr liegen, und man nimmt die Info:

Pro Toilettengang verbrauchen wir in Deutschland rund neun Blatt Klopapier. (siehe vorheriger Link, graue Infobox in der Mitte) heißt das, dass jeder von den Megaverbrauchern 5-7x am Tag auf dem Lokus sitzt???

In dem Fall sei wirklich allen Hamsterern und Ellbogenschubsern schon aus Mitleid verziehen - unter den Voraussetzungen würde ich dann auch 20 x 8 Rollen mitnehmen; je nachdem, wie wichtig es einem ist, dass es am Hintern nicht kratzt, kann man sich mit viel Empathie in den Zustand hineinversetzen, dass es jemanden beim permanenten Anblick gähnend leerer Toilettenpapier-Regale zumindest in den Fingern juckt, auf dem Supermarktparkplatz die Seitenscheibe von einem parkenden Auto zu zertrümmern, weil man auf dem Rücksitz eine Großpackung floralys supersoft erspäht hat.
Vielleicht aber sollte die Truppe, die im Schnitt laut Statista 134 Rollen im Jahr verbraucht, einfach mal dringend den Arzt aufsuchen. Und ich will ja nicht unnötig neidisch machen, aber mein Ernährungsverhalten ist gar nicht mal vorbildlich - ich esse überdurchschnittlich viel Fleisch, vor allem das angeblich so ungesunde rote und seeehr viele Süßigkeiten, das ganze abgerundet mit einem Liter Cola pro Tag, also demnach sehr viel böser Industriezucker.

Die Seite hier behauptet hingegen:
Wer es ganz genau wissen will: Durchschnittlich benutzt man im Mittel 57 Blätter pro Person. Jährlich entstehen dabei rund 20.000 Blätter Toilettenpapier als Verbrauch pro Person.
https://ps-hygiene.de/unser-blog/unser-toilettenpapier-in-zahlen
Wenn das wirklich wahr ist, dann kann man nur den Tipp aus Schulheften vom Blauen Engel, Greenpeace und Co. an der Stelle gleich mit auf die Packung drucken: Damit nichts unnötig verschwendet wird: Klopapier bitte beidseitig beschreiben!

Die Frage bleibt also: Wofür geht das ganze Papier drauf?
Das ist ja auch alles nicht mehr wirklich witzig, weil durch das massenhafte Klauen im öffentlichen Raum oder gar in Krankenhäusern das Papier fehlt und ein Ausweichen auf Küchenpapier inzwischen die Kanalisationen zu verstopfen droht.
Sollten diese Zahlen auch nur zum Teil stimmen, dann kann man aus der Corona-Krise nur die Erkenntnis ziehen (und den Beweis kann man aktuell jeden Tag im Supermarkt oder der Drogerie sehen):
Ein großer Teil von Deutschland ist einfach zu blöd zum Scheißen!
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Ich war jetzt seit Freitag in verschiedenen Supermarkt-Läden (Rewe/Aldi) und Drogerien in Hessen und RLP...

Erstaunlich wie diszipliniert die Menschen mittlerweile sind. Ich frag mich ernsthaft wie und wo man sich jetzt noch irgendwo anstecken soll. Da muß man sich schon enorm anstrengen.
Bei uns auf der Arbeit wird penibel Sicherheitsabstand eingehalten, desinfiziert wo es nur geht, die Leute sitzen mittlerweile überwiegend in Einzelbüros oder sind im Home-Office.

Wenn diese Maßnahmen keine massiven Auswirkungen auf die Infektions-Kurve haben weiß ich auch nicht mehr weiter... dann sind wir wohl wirklich verloren.
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Diegito schrieb:
Erstaunlich wie diszipliniert die Menschen mittlerweile sind. Ich frag mich ernsthaft wie und wo man sich jetzt noch irgendwo anstecken soll. Da muß man sich schon enorm anstrengen.


Na zum Beispiel wenn man Pech hat bei den unverschämten Jugendlichen, die bewusst ältere Menschen anspucken:
https://www.rheinpfalz.de/lokal/artikel/mieser-corona-scherz-jugendliche-in-mannheim-bespucken-senioren/

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So. Bin jetzt nach Hause. Kratziger Hals, mattes Gefühl heute. Kann sein, dass es nur ne kurze Phase ist, aber man weiß es ja nie... lieber ne Nacht drüber schlafen und schauen, ob es besser wird.
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Gute Besserung!
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Die vom Bund bestellten sechs Millionen Schutzmasken sind entweder nicht geliefert oder aber in Kenia geklaut worden:
https://www.welt.de/politik/deutschland/article206762429/Corona-Sechs-Millionen-Schutzmasken-fuer-Deutschland-verschwunden.html

Auch in Belgien sind sechs Millionen Masken verschwunden.
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Zum Thema fehlende Solidarität:
https://kurier.at/politik/ausland/corona-lieferung-fuer-italien-polen-und-tschechien-kassieren-masken-und-beatmungsgeraete-ein/400789163

Ungeheuerlich! Am besten nur direkt beliefern, nicht über Zwischenstops.
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Das hat übrigens nichts mit Solidarität zutun. Der Begriff ist Quatsch in dem Zusammenhang und ich kann ihn nicht mehr hören den so inflationär herumgeworfen zu sehen.

Da gehts um Humanität. Wenn wir freie Betten haben und 2 Meter daneben stirbt jemand weil er nicht in dieses Bett kann ist das unmenschlich. Darüber muss man gar nicht diskutieren. Das schließt aber nicht nur den Franzosen oder Italiener ein, sondern auch den Ghanaen, wenn die Krise sich vll hier abschwächt und woanders stärker auftritt.

Aber wenn das Bett halt nicht mehr leer ist und da schon eine alte Frau aus dem Land für ansteht, dann tut es mir Leid, so grausam es ist, aber dann muss diese alte Dame nuneinmal das Bett bekommen.

Wenn man unbedingt mit Fingern zeigen will sollte man das vll. mal auf die ganzen Ländern die uns West und Südeuropäern und den Amerikanern jetzt in der Krise zusehen, während alle die Mauern hochgezogen haben.
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Sesser90 schrieb:
Da gehts um Humanität. Wenn wir freie Betten haben und 2 Meter daneben stirbt jemand weil er nicht in dieses Bett kann ist das unmenschlich. Darüber muss man gar nicht diskutieren. Das schließt aber nicht nur den Franzosen oder Italiener ein, sondern auch den Ghanaen, wenn die Krise sich vll hier abschwächt und woanders stärker auftritt.

Aber wenn das Bett halt nicht mehr leer ist und da schon eine alte Frau aus dem Land für ansteht, dann tut es mir Leid, so grausam es ist, aber dann muss diese alte Dame nuneinmal das Bett bekommen.


Die Betonung liegt auf: Wenn wir freie Betten haben...das hört sich so an, als hätten wir ggf. Intensivbetten in Überkapazität. 80% aller Intensivbetten sind bereits belegt, von Herzkranken, Schlaganfallpatienten usw. Wir rüsten uns quasi um nur dem Anstieg der Fallzahlen selbst Herr zu werden.

Dass wir an Italiens Misere Schuld sein sollen, das ist auch ein haltloses Argument. Italien ist vorrangig für sich selbst verantwortlich und wenn das Land durch Korruption regiert wird, dann sinkt eben das Vertrauen in den Staat. Im Gegenteil - dem Staat wurde die letzten Jahre wie wahrscheinlich keinem anderen Staat weltweit unter die Arme gegriffen, denn das hochverschuldete Land würde keine einzige Staatsanleihe absetzen. Wer wäre schon so blöde und kauft die? Das übernimmt die EZB, die mit Staatsanleihenkäufen reine Staatsfinanzierung betreibt. Da haftet Deutschland mit dem größten Anteil für.
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Ich weiß ja nicht, wie gut die Zahlen von der JHU-Seite ist, da steht heute immer noch  Total Recovered : 453 für Germany, während das RKI schon von über 2500 Genesenen offiziell sprach.
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SGE_Werner schrieb:

Nicht so schön die Entwicklung in den USA

Todesfälle - Steigerung - 7 Tage Zeitraum

12.03.2020 bis 19.03.2020 - 342,5%
13.03.2020 bis 20.03.2020 - 393,8%
14.03.2020 bis 21.03.2020 - 434,5%
15.03.2020 bis 22.03.2020 - 554,0%
16.03.2020 bis 23.03.2020 - 660,2%



Wie befürchtet. Große Ballungsräume, viele unterversicherte, unfähige Führung. Allein 15 Tsd. Infizierte in New York. Ich befürchte schlimmes.
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Wenn die Leute vor drei Tagen noch Spring Break in Florida feiern, dann wundert einen aber auch nichts mehr.
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SemperFi schrieb:
Leider falsch.

Auch wir gehen an zu wenig Wettbewerb zugrunde. Zuwenige haben zu viele Ressourcen.
Richtiger Wettbewerb entsteht nicht mehr, sondern nur noch Ausbeutung des Systems durch die mit Ressourcen.

Wo ist denn der Wettbewerb für Amazon? Wo für Google? Wo für Facebook? Selbst Apple hat sein Reich klar von den Androids abgegrenzt.

Egal welche Branche, maximal 4 oder 5 Big Player, teilen sich den Kuchen, tun sich gegenseitig nicht weh und heulen in Rotation warum gerade ihre Branche Steuererleichterungen benötigt.

Wir haben schon lange keinen wirklichen Wettbewerb mehr.
Nein, das ist kein Widerspruch zu meinen Thesen. Es ist vielmehr der Endzustand der von mir skizzierten Entwicklung. Wenn die Ausbeutung von Umwelt und Mitarbeitern am Anschlag und hier nicht mehr möglich ist, um die Wettbewerbsfähigkeit zu steigern, dann bleibt als nächster Schritt zur Erhöhung der Kapitalrendite nur noch die Mono-/Oligopolbildung.

Dazu aus dem von mir verlinkten Artikel von Stiglitz:
Einzelpersonen und Unternehmen können zwar durch Marktmacht, Preisdiskriminierung und andere Formen der Ausbeutung reich werden. Das heißt aber nicht, dass sie damit irgendeinen Beitrag zum Wohlstand der Gesellschaft geleistet hätten. Im Gegenteil: Durch derartiges Verhalten geht es allen anderen insgesamt oftmals schlechter. Ökonomen bezeichnen diese Wohlstandsfresser – die versuchen, sich ein Stück des wirtschaftlichen Kuchens unter den Nagel zu reißen, der größer ist als ihr Beitrag – als Rent-Seekers. Der Ausdruck stammt ursprünglich von der im Englischen als Rent bezeichneten Pachtzahlung für Grund und Boden: Die Empfänger dieser Zahlungen erhielten diese nicht aufgrund eigener Leistungen, sondern lediglich aufgrund oftmals ererbter Besitztümer.

Derart abträgliches Verhalten ist besonders in der US-Wirtschaft verbreitet, wo immer mehr Sektoren von lediglich ein paar Unternehmen beherrscht werden. Diese Megakonzerne nutzen ihre Marktmacht, um sich auf Kosten aller anderen zu bereichern. Durch die Festsetzung höherer Preise haben sie den Lebensstandard der Verbraucher effektiv gesenkt. Neue Technologien ermöglichen diesen Unternehmen Massendiskriminierung, die sie auch praktizieren. Das liegt daran, dass die Preise nicht auf dem Markt festgesetzt werden (als Einheitspreis, der Angebot und Nachfrage abbildet), sondern durch die algorithmische Bestimmung dessen, welchen Höchstpreis ein Kunde zu zahlen bereit ist.
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SemperFi schrieb:
Wo ist denn der Wettbewerb für Amazon? Wo für Google? Wo für Facebook? Selbst Apple hat sein Reich klar von den Androids abgegrenzt.


Den gibt es. Ich kann für mich (stolz) sagen, dass ich in meinem ganzen Leben 3-4 mal bei Amazon bestellt habe. Das erste mal so um 1999, das zweite mal 2001, aber auch nur deshalb weil die ein Abi-Vorbereitungsbuch hatten, das es sonst nirgendwo gab und noch in den Folgejahren 2-3 andere Artikel. Das letzte mal glaub ich 2014/2015.
Wem immer ich das erzähle, ich werde nur blöd angeglotzt und quasi zum rebellischen Exot erklärt.
Weil nahezu alle aus dem Umfeld bestellen dort wöchentlich. Jeden zweiten Tag klingelt bei uns in der Firma gegen 10 jemand, der Päckchen für die Mitarbeiter erst mal hat - von Amazon.
Begründung: Ist einfacher als in die Stadt zu gehen. Retouren, überteuertes Zeug usw. spielen da keine Rolle. Man hat Amazon prime und bindet sich an den Laden.
Ist das die Schuld des Konzerns? Nein, die tumbe Masse ist so blöd und liefert sich denen freiwillig aus und bedankt sich noch dafür!
Hinzu kommt, dass inzwischen durch diese Umstände in der Tat eine Monopolisierung eingetreten ist, weil viele stationäre Händler nur noch überleben, wenn sie auf dem Marketplace tätig sind.
Und last but not least kommt noch die Unternehmensbesteuerung hinzu. Wenn die Politik es zulässt, dass quasi alle Umsätze zu 2% in Luxemburg über irgendeine S.a.r.L. versteuert werden, obwohl die Milliardenerlöse in Deutschland erzielt werden - ist das die Schuld von Amazon?

Bei Apple ist es doch genauso. Die tumbe Masse ist es, die sich wenn das iPhone 11 für 1000 irgendwas Euros rauskommt schon nachts um drei an die Läden stellt und selbst im Winter noch campiert, nur um ihr Geld für ein Gerät abzuliefern, das lediglich ein Lifestyle-Produkt ist. Wenn irgendwelche Apple-Anhänger immer behaupten, das funktioniere alles so perfekt - am ***** - nur im Apple-eigenen Mikrokosmos. Die Geräte streichen selbst bei Standardfunktionen wie der Interpretation von Ankerlinks die Segel.
Aber die Leute kaufen's - vor allem doch, damit sie zeigen können, dass sie sich ein iPhone für 1000 Euro leisten können. Aber es ist wie mit Ed Hardy-Klamotten - es ist gut, dass es sowas gibt, weil dann kann man die Knallschoten schon auf einen Blick erkennen. .

Und wenn Politiker erst LiMux in München einführen und dann dem Druck von MS nachgeben, weil die versprechen von Unterschleißheim ihren Sitz nach München zu verlegen, wenn man das Projekt Linux in der Stadtverwaltung begräbt - ist das die Schuld der Konzerne?
Face the truth: Die Masse ist halt dumm und bequem und will es so.

LDKler_ schrieb:
Egal welche Branche, maximal 4 oder 5 Big Player, teilen sich den Kuchen, tun sich gegenseitig nicht weh und heulen in Rotation warum gerade ihre Branche Steuererleichterungen benötigt.


Ja, aber das Problem der Regularien. Die Konzerne beschäftigen ganze WiPrüs und Großkanzleien, um Steuerlücken aufzuspüren und zu nutzen und um sich ihre Claims abzustecken und Marktbarrieren für andere aufzubauen.
Es muss nicht unbedingt IT sein, man schaue sich mal, wie das z.B. Ströer, der Vermarkter von Werbeflächen macht.
Wenn du in Frankfurt z.B. nur Flyer verteilen willst, dann genehmigt dir das die Stadt oft nicht, denn sie hat alle öffentlichen Werbemaßnahmen an den Konzern verkauft. Ob Plakatwände, Litfasssäulen oder Flyerverteilung - die haben sich in hunderten Städten eingekauft und besitzen quasi darauf das Monopol.
Ein Unding! Wenn es liberal wär, sollte jeder Hausbesitzer seine Wand von mir aus als Plakatfläche nutzen dürfen. Jeder, der etwas bewerben will, soll es tun. Das wäre freier Wettbewerb. Aber ob man seine Produkte auf öffentlichen Plätzen bewerben darf, diese Hoheit haben hunderte Groß- und Mittelstädte verkauft.
Schuld des Konzerns? Oder Blödheit der öffentlichen Hand?

LDKler_ schrieb:
 Wenn die Ausbeutung von Umwelt und Mitarbeitern am Anschlag und hier nicht mehr möglich ist, um die Wettbewerbsfähigkeit zu steigern, dann bleibt als nächster Schritt zur Erhöhung der Kapitalrendite nur noch die Mono-/Oligopolbildung.


Oder signifikant bessere Produkte herstellen. Firefox hat den Internet Explorer, der einst 96% Marktanteil hatte quasi vernichtet.
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Laura Karasek, Radio- und Fernsehmoderatorin und Kolumnistin.
Gerade erwähnt in der Quarantäne-WG
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Wie sieht es eigentlich aus mit Handwerksbetrieben, wo Not am Mann ist?
Gasleitung defekt? Wasserrohrbruch im Haus? Dach undicht geworden?
Dürfen die noch ausrücken?
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Bedingungsloses Grundeinkommen haben wir schon. Nennt sich ALG2.
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Basaltkopp schrieb:

Bedingungsloses Grundeinkommen haben wir schon. Nennt sich ALG2.


Du spielst wahrscheinlich auf das Urteil vom BVerfG im November an.
Dem stehe ich auch recht skeptisch gegenüber, weil mit der fehlenden Sanktion unter eine gewisse Grenze tatsächlich quasi eine bedingungslose Auszahlung erfolgen muss, egal wie kooperativ sich die Person bei der Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt verhält, aber bei den Verfechtern der BGE-Idee ist das wohl nur ein Anfang.
Xtreme schrieb:
Ich denke auch, es wird so laufen, es wäre halt gut, wenn es ein Weg geben würde, der beides stärker schützt, Wirtschaft und Bevölkerung,
Nein! Das gegenwärtige Wirtschaftssystem ist nicht schützenswert!!! Im Gegenteil, die Corona-Krise ist eine riesige Chance, auf ein humaneres Wirtschaftssystem umzustellen, dass nicht mehr abhängig von Wachstum ist.
Es müssen jetzt Diskussionen geführt werden zu Renditeobergrenzen und wo ein Existenzmaximum liegen soll. Es hat ja im Kleine schon begonnen, die Bundesregierung führt ja jetzt neue Mieterschutzgesetze ein, um in Not geratene Mieter zu schützen. Das brauchen wir überall.

Und wenn ich jetzt höre, dass 150 Mrd. neue Schulden zur Bekämpfung der Wirtschaftskrise ausgegeben werden sollen, dann bedeutet das ja, dass weiter zusätzliches Geld geschaffen wird. Und wo landet es am Ende? Da, wo alles andere Geld auch schon letztlich gelandet ist: Bei Quandt, bei Schwarz, bei Hopp, bei Blackrock, bei Bezos, bei den Koch-Brüdern und all den anderen aus der kleinen Clique der Geld- und Machtelite, die den Rest der Menschheit ausbeutet, aussaugt und ausblutet.
Nein, macht keine neuen Schulden sondern holt euch das Geld in Form einer einmaligen Abgabe auf die Milliardenvermögen und verteilt das dann als adhoc-Maßnahme auf alle, die jetzt durch Corona in Existenzsorgen stecken.
Und wenn Corona überstanden ist, dann lasst uns ein neues Wirtschaftssystem errichten, dass nicht mehr auf der Ausbeutung der Massen zugunsten der kleine Clique der Finanzoligarchen beruht.

Wie so ein Wirtschaftssystem aussehen kann, hat Joseph Stiglitz hier beschrieben:
https://www.blaetter.de/ausgabe/2019/oktober/die-wirtschaft-die-wir-brauchen

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Wie das globale Wirtschaftssystem aussieht, bestimmen aber nicht wir. Das wird vorgeblich aus den USA und China bestimmt. Und je liberaler die wirtschaften, desto mehr Wachstum haben die. Und dann können deren Konzerne mit prall gefüllten Kassen unsere Konzerne übernehmen, Patente abziehen, Sachvermögen ausschlachten, usw.
Davor hat man ja gerade Sorge, dass China sich überdurchschnittlich schnell berappelt, während der Westen noch mit der Krise und den Auswirkungen kämpft und die Firmen zum Übernahmekandidat werden.

Ideen wie neues Wirtschaftssystem, Bedingungsloses Grundeinkommen, etc. sind Szenarien, die nur dann funktionieren, wenn es globale Richtlinien gibt, an die sich auch alle halten. Aber das ist ja selbst bei common sense Themen wie dem Pariser Abkommen schon nicht umsetzbar. Scheren die USA aus, dann scheren die nächsten aus, weil sie Nachteile gegenüber den USA für ihre eigene Wirtschaft befürchten.
Oder dem Walfang - was nützt es groß, wenn 190 Staaten dies verurteilen und Japan, Island und noch ein paar andere sagen dann "dankeschön für's Überlassen"?
Und so Themen wie Artenschutz sind eher minimale Themen, wo kein Land echte Einbußen befürchten muss, wenn es einfach nur mitzieht.

Deswegen sind Fantasien von einem anderen "humaneren" Wirtschaftssystem, die es ja in den letzten Jahren immer gab (ich erinnere nur mal an die Debatten der Piratenpartei dazu), mit oder ohne Corona-Krise etwas sehr unrealistisch.

Als überzeugter Marktwirtschaftler bin ich ganz klar der Auffassung, dass diese Wirtschaftsform der größtmöglichen Anzahl an Teilnehmern den größtmöglichen Wohlstand bringt.
Es gibt aber verschiedene Formen sich marktwirtschaftlich zu betätigen und richtige oder falsche Entscheidungen zu treffen.
Es gibt sehr viele, die studierten mit mir BWL, da waren viele bei, die das einfach nur so taten, weil sie nichts besseres wussten (das ist meist dann die Fraktion, die dann im Anschluss "irgendwas mit Medien" macht), dann gab es die Fraktion, die fraß alles unkritisch, was der Prof. ihnen vorsetzte (die heuern dann vorzugsweise bei den Big4 an) usw.
Ich stand vielem in meinem Studium immer kritisch gegenüber. Vor allem im Fach "Finanzierung" sträubten sich mir oft die Haare, weil irgendwelche Modellannahmen auch nur in der Theorie stimmig sind und für langfristiges unternehmerisches Handeln nicht taugen.

Vorgänge wie "feindliche Übernahmen" waren bis in die 90er Jahre in Deutschland undenkbar, weil sich die Deutschland AG gegenseitig mit Beteiligungen schützte. Daraus speiste sich ein großer Teil von Deutschlands Wohlstand. Die Industrie konnte produzieren, innovativ entwickeln, wachsen, ohne zuviel von ihren Erlösen dem Shareholder ausschütten zu müssen und war gleichzeitig trotzdem vor Aufkäufen der Konkurrenz geschützt.
Dieser deutsche Sonderweg hat uns zu dem Land nach dem Zweiten Weltkrieg gemacht, das wir heute sind.
Mit Mannesmann wurde dann erstmals eine deutsche Industrieperle zugunsten der Shareholder plattgemacht.

Und dann folgten immer mehr Firmen bzw. Eigentümer und verkauften an Hedge Fonds, Private Equity Gesellschaften oder Marktkonkurrenten.
Allein die fatale Entscheidung, solche Wirtschaftssubjekte ans Ruder zu lassen, die es oft nur auf die Vermögensgegenstände abgesehen haben und liquide Mittel absaugen wollen.

Es gibt den richtigen und den falschen Weg. Und ein Unternehmen, das seine Immobilien verkauft und sie dann zurückmietet, nur um z.B. davon die Dividende an irgendwelche Shareholder auszuschütten, die außer dass sie Anteile der Firma halten nichts zur Produktivität beitragen, so eine Firma glaubt nicht mehr an ihre eigene Zukunft und hat auch keine. Es handelt quasi selbstmörderisch.

Bezogen auf die Corona-Krise werden vor allem all jene Firmen in Bredouille kommen und nach dem Staat schreien, die durch kurzfristiges und/oder shareholder-value-getriebenes Handeln keinen Überbrückungsspielraum mehr haben.
In der BWL werden wie schon erwähnt, irgendwelche Annahmemodelle gemacht, wie die optimale Finanzierung ist - konkret mündet das dann in Empfehlungen, dass man Firmengebäude verkaufen und zurückmieten kann, weil man die Erlöse verzinst wieder besser an den Kapitalmärkten platzieren kann, usw.

Zum Glück hab ich mir meinen Abstand diesen Thesen gegenüber bewahrt und halte nach wie vor überhaupt nichts davon, sich in Abhängigkeit zu begeben.
Bezogen auf die Coronakrise dürfte daher all jenen Firmen der Laden um die Ohren fliegen, die dem Rat solcher Finanzierungsexperten gefolgt sind.
Ich für meinen Teil gehe dann lieber zurück auf das altgediente Sprichwort: "Eigner Herd ist goldes Wert".

Bezogen auf die Firmen oder aber auch Privatpersonen heißt das: Wer in Eigentum lebt und keine Miete zahlen muss, der kann sich jetzt deutlich entspannter zurücklehnen. Firmen wie ALDI, denen fast jeder Supermarkt als Eigentum gehört (war ein Credo der Albrecht-Brüder) kommen viel sicherer durch die Krise als wenn sie hohe Mietzahlungen stemmen müssen, wobei die Supermarkte noch nichts von Krise merken dürften.
Viel eher trifft es da schon die Autohersteller, die dramatischst einbüßen. Aber BMW und VW dürften zumindest was eine feindliche Übernahme anbelangt deutlich entspannter sein. Solange Quandt, Klatten, Piech und Porsche nicht verkaufen wollen, solange sind diese Firmen auch nicht angreifbar. Um Daimler hingegen muss man sich eher Sorgen machen.
Und selbst innerhalb der Bundesliga sollte sich das Prinzip des eigenen Herdes bewahrheiten - ein Bundesligist, dem das Stadion allein gehört, der hat keine millionenschweren Mietzahlungen. Während wir vermutlich mit 0 oder 51500 Zuschauern noch eine gewisse Grundzahlung an den Eigentümer leisten dürften.

Beim Prinzip Verschuldung ist es genauso. Wer sich in der Niedrigzinsphase dazu verleiten ließ, richtig Kapital aufzunehmen, weil das geschenktes Geld ist, dessen Unternehmen darf sich jetzt nicht wundern, wenn plötzlich in der Krise der ausgemalte Zins- und Tilgungsplan wegen fehlender Einnahmen ins Wanken gerät. Denn auch Gelder zum Zins von 1% müssen zurückgezahlt werden.

Sinnloses Gebashe gegen irgendwelche Milliardäre, die die Arbeiterklasse ausbeuten, bringt überhaupt niemanden weiter und geht an der Sache völlig vorbei. Trifft man zur rechten Zeit die richtigen Entscheidungen, dann kann man ein Unternehmen sicher durch eine Krise bringen. Wer langfristig denkt, macht sowas in der Regel automatisch. D.h., man macht sich nicht vom Kapitalmarkt abhängig und man legt Reserven an, von denen man zehren kann statt Verschuldungen einzugehen ("Spare in der Zeit, dann hast du in der Not").

Es wäre deshalb schon viel gewonnen, wenn Entscheider und Firmeneigentümer in der Krise mal reflektieren, ob sie die richtigen Entscheidungen treffen und ob man das nicht durch geeignete Maßnahmen verbessern könnte.
Jeder Wirtschaftsratgeber aus der Bahnhofsbuchhandlung gibt Privatpersonen den Tipp, für Krisenzeiten oder unvorhergesehene Ausgaben mindestens 3 Monatsgehälter auf die hohe Kante zu legen. Warum sollte ein verantwortungsvoller Unternehmer nicht auch mindestens so viel Cash thesaurieren, um seine Mitarbeiter davon drei Monate bezahlen zu können ohne dass gleich nach Staatsknete geschrien wird?
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Ich hoffe, das Krisenmanagement hat alles unter Kontrolle. Vorhin auf Pro7 meinte ein Intensivmediziner aus einem Krankenhaus, dass man mit Ausrüstungen wie Schutzanzügen, Desinfektionsmitteln und Atemschutzmasken jetzt schon an seine Grenzen komme.
Auf der anderen Seite hat ein mittelständisches Unternehmen aus NRW offenbar sehr guten Kontakt nach China zu einem Hersteller von Atemschutzmasken, die bis zu 5,5 Mio. Stück mit Schutzklasse bis zu FFP2 binnen 14 Tagen verbindlich liefern können. Können aber nicht importieren, weil denen die Liquidität dafür fehlt, die Lieferung per Vorkasse zu bezahlen. Hatten angeblich schon bei Bundesregierung angefragt, keine Reaktion. Und eine Bank finanziert praktisch kaum Zukunftsgeschäft, wenn irgendwelche Hard Facts nach Basel-Kriterien dagegen sprechen. Und selbst Crowdfunding würde viel zu lange dauern, vor allem, weil sich das für solche Geschäfte auch nicht eignet.
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Aber wir sind uns doch einig, dass mögliche Ausgangssperren nur die Folge der Dummheit und Verantwortungslosigkeit von noch zu vielen Menschen ist.

Wenn sich jeder vernünftig verhalten würde, müsste man nicht mit Verboten eingreifen.

Ich für meinen Teil bleibe freiwillig daheim und minimiere meine sozialen Kontakte auf ein Minimum. Dafür brauche ich keine Verbote.
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Basaltkopp schrieb:
Aber wir sind uns doch einig, dass mögliche Ausgangssperren nur die Folge der Dummheit und Verantwortungslosigkeit von noch zu vielen Menschen ist.

Sind wir.

Basaltkopp schrieb:
Wenn sich jeder vernünftig verhalten würde, müsste man nicht mit Verboten eingreifen.
Ich für meinen Teil bleibe freiwillig daheim und minimiere meine sozialen Kontakte auf ein Minimum. Dafür brauche ich keine Verbote.

Mach ich auch so. Und ich seh auch darin nichts Unverlangbares. Manche begreifen halt leider die Notwendigkeit nicht, aber ein Blick nach Italien genügt, um zu wissen, wofür man das tut.
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eintrachtfrankfurt2005 schrieb:

kann auch nur eine zuständige Stelle belehren und bestrafen und nicht jeder, der meint, er sei im Recht, auch dann nicht wenn die Mehrheit endlich eine Strafe sehen will.

Und das wäre bei der Ausgangssperre anders?
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Basaltkopp schrieb:

eintrachtfrankfurt2005 schrieb:

kann auch nur eine zuständige Stelle belehren und bestrafen und nicht jeder, der meint, er sei im Recht, auch dann nicht wenn die Mehrheit endlich eine Strafe sehen will.

Und das wäre bei der Ausgangssperre anders?


Nein, gottseidank nicht, aber mein Einwand bezog sich eigentlich auch auf das Agieren im Forum selbst, wo der eine oder andere meint, im Recht sich glaubend die Keule schwingen zu müssen.
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FrankenAdler schrieb:

54teltakt schrieb:

Ja wenn man meint jeden belehren und bestrafen zu müssen.

Du könntest allmählich mal deine Pauschalierungen zurück fahren! Niemand meint hier jeden belehren und bestrafen zu müssen!

Nach der Logik können wir auch das StGB direkt in die Tonne kloppen. Soll jeder das machen dürfen was er für richtig hält, ohne dafür belehrt oder bestraft zu werden.
Und die StVO brauchen wir dann beispielsweise auch nicht mehr. Man muss sich doch nicht vorschreiben lassen wie man zu fahren hat. Man fährt einfach wie man will oder es für richtig hält. Sollen die anderen eben aufpassen.
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Basaltkopp schrieb:

FrankenAdler schrieb:

54teltakt schrieb:

Ja wenn man meint jeden belehren und bestrafen zu müssen.

Du könntest allmählich mal deine Pauschalierungen zurück fahren! Niemand meint hier jeden belehren und bestrafen zu müssen!

Nach der Logik können wir auch das StGB direkt in die Tonne kloppen. Soll jeder das machen dürfen was er für richtig hält, ohne dafür belehrt oder bestraft zu werden.
Und die StVO brauchen wir dann beispielsweise auch nicht mehr. Man muss sich doch nicht vorschreiben lassen wie man zu fahren hat. Man fährt einfach wie man will oder es für richtig hält. Sollen die anderen eben aufpassen.


Nur dass es außer der Netiquette bzw. den Forumsbedingungen keine Regelwerke gibt, was wer wie zu argumentieren hat. Und auch bei den von dir genannten Gesetzen kann auch nur eine zuständige Stelle belehren und bestrafen und nicht jeder, der meint, er sei im Recht, auch dann nicht wenn die Mehrheit endlich eine Strafe sehen will.

Das Diskussionsumfeld hat sich allgemein leider extrem verschlechtert. Aus dem Grund haben sich viele frühere geschätzte Teilnehmer zurückgezogen.
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SGE_Werner schrieb:

Xaver08 schrieb:

Die absoluten Zahlen sind sicher nicht vergleichbar, die Zuwachsraten, die Werner hier aufstellt, sind aber miteinander vergleichbar, solange sich das Testraster nicht aendert.


Korrekt. Daher schwenke ich auch immer mehr auf diese Zahlenbasis um.

Einziges Problem ist, dass natürlich ein Test-Maximum erreicht wird. Wenn Deutschland pro Tag 20.000 Menschen testen kann und der Anstieg so hoch ist, dass nicht mehr jeder getestet werden kann, sinken natürlich die Zuwachsraten automatisch, wenn der Zuwachs höher ist als das Test-Volumen. Das ist dann aber ein schleichender Prozess, der übrigens auch in allen Ländern passieren wird.

Richtig. Ich habe heute von einer Bekannten gehört, deren Freund erkrankt aus einem Risiko-Gebiet kam und die jetzt auch die klaren Syptome zeigt. Es gibt für die keine Möglichkeit sich testen zu lassen. Der Hausarzt verweist auf das Gesundheitsamt und die winken ab, da es sowieso keine Therapie gibt und verweist auf den Hausarzt.
Das ist doch unerträglich, dass eine höchstwahrscheinlich ansteckende Frau frei herumlaufen.kann. Sie bleibt jetzt freiwillig zu Hause.Aber machen das alle? Gerade die Infizierten identifizieren und isolieren und die gefährdeten abschotten ist viel effektiver als 3 Jugendliche aus dem Park scheuchen, die sich dann zu Hause treffen in engen Räumen mit Kontakt zu Eltern und Großeltern.
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Nifunifa schrieb:
Das ist doch unerträglich, dass eine höchstwahrscheinlich ansteckende Frau frei herumlaufen.kann. Sie bleibt jetzt freiwillig zu Hause.Aber machen das alle? Gerade die Infizierten identifizieren und isolieren und die gefährdeten abschotten ist viel effektiver als 3 Jugendliche aus dem Park scheuchen

Von denen Fällen wird aber viele geben, vor allem, weil es eben eine gute sechsstellige Zahl an Personen in diesem Land gibt, die nicht krankenversichert sind.
Mal angenommen, jemand ohne Versicherung ist infiziert und sogar symptomatisch - derjenige geht erst gar nicht zum Arzt, weil er glaubt, das Problem erst mal mit der Großpackung Grippostad C in den Griff zu bekommen. In der Zwischenzeit kann er hunderte Leute anstecken und es bleibt von der Öffentlichkeit unbemerkt.
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Ich schau mir gerade die Tageszahlen an...Italien wieder sehr viele Tote hinzugekommen.

Was hoffnungsvoll stimmt, sind die Zahlen aus Südkorea. China ist zwar schwer zu glauben, dass die keine Neuinfektionen haben, aber Südkorea hat die Rate ebenfalls stark gesenkt. Was machen die anders?
Sind harte Ausgangssperren das Mittel der Wahl oder haben die keine Tests mehr?
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Interessant auch zu sehen, wie das RKI in einem Szenario für den Katastrophenschutz die Entwicklung vorhersah:

https://dipbt.bundestag.de/dip21/btd/17/120/1712051.pdf

Als ich ab S.55 las, dachte ich, der Istzustand wird beschrieben.
Dann guckte ich mir noch mal genauer die URL an, ob da nicht evtl. jemand ein Fake lanciert hat, aber dipbt.bundestag.de ist als Quelle wohl nicht zu hinterfragen.

Pandemie durch Virus „Modi-SARS“
Eintrittswahrscheinlichkeit: bedingt wahrscheinlich
ein Ereignis, das statistisch in der Regel einmal in einem Zeitraum von 100 bis 1.000 Jahren eintritt

Das vorliegende Szenario beschreibt ein außergewöhnliches Seuchengeschehen, das auf der Verbreitung eines neuartigen Erregers basiert. Dem Szenario ist der zwar hypothetische Erreger „Modi-SARS“zu Grunde gelegt...

Das hypothetische Modi-SARS-Virus ist mit dem natürlichen SARS-CoV in fast allen Eigenschaften identisch. Die Inkubationszeit, also die Zeit von der Übertragung des Virus auf einen Menschen bis zu den ersten Symptomen der Erkrankung, beträgt meist drei bis fünf Tage, kann sich aber in einem Zeitraum von zwei bis 14 Tagen bewegen. Fast alle Infizierten erkranken auch. Die Symptome sind Fieber und trockener Husten, die Mehrzahl der Patienten hat Atemnot, in Röntgenaufnahmen sichtbare Veränderungen in der Lunge, Schüttelfrost, Übelkeit und Muskelschmerzen. Ebenfalls auftreten können Durchfall, Kopfschmerzen, Exanthem (Ausschlag),Schwindelgefühl, Krämpfe und Appetitlosigkeit.

Als Annahme der Verbreitung vermutete man:
Die Ausbreitung in Deutschland erfolgt über eine Messestadt in Norddeutschland und eine Universitätsstadt in Süddeutschland

--> das ist jetzt zwar nicht so eingetreten.

Zeitpunkt: Wann passiert das Ereignis? (Jahreszeit/ggf. Tageszeit)Das Ereignis beginnt im Februar in Asien, wird dort allerdings erst einige Wochen später in seiner Dimension/Bedeutung erkannt. Im April tritt der erste identifizierte Modi-SARS-Fall in Deutschland auf.

--> Fast getroffen.

Welche Geschehnisse führen zu diesem Ereignis?/Wodurch wird das Ereignis ausgelöst?Der Erreger stammt aus Südostasien, wo der bei Wildtieren vorkommende Erreger über Märkte auf den Menschen übertragen wurde.

--> Wie kann man sowas praktisch im Jahr 2012 so treffsicher prognostizieren? Es ist immer noch ein Annahmemodell, eine Hypothese, aber dagegen ist Nostradamus, so es ihn gegeben hat, eine Witzfigur gegen.


Wie lange dauern das Ereignis und/oder seine direkten Auswirkungen an?Es ist so lange mit Neuerkrankungen zu rechnen, bis ein Impfstoff verfügbar ist. Für das vorliegende Szenario wird ein Gesamtzeitraum von drei Jahren zugrunde gelegt mit der Annahme, dass nach dieser Zeit ein Impfstoff entwickelt, freigegeben und in ausreichender Menge verfügbar ist. Der Erreger verändert sich im Verlauf der drei Jahre durch Mutationen so, dass auch Personen, die eine Infektion bereits durchlebt haben, wieder anfällig für eine Infektion werden.

Das Szenario zeichnete damals das RKI. Die beschwichtigen nun, dass das Szenario auf den heutigen Verlauf nicht abbildbar sei. Aber das würde ich zur Beruhigung der Leute auch sagen, wenn Passagen wie diese hier drin stehen:

Über den Zeitraum der ersten Welle (Tag 1 bis 411) erkranken insgesamt 29 Millionen, im Verlauf der zweiten Welle (Tag 412 bis 692) insgesamt 23 Millionen und während der dritten Welle (Tag 693 bis 1052) insgesamt 26 Millionen Menschen in Deutschland. Für den gesamten zugrunde gelegten Zeitraum von drei Jahren ist mit mindestens 7,5 Millionen Toten als direkte Folge der Infektion zu rechnen.

--> Das sind Zahlen bezogen auf Deutschland.

Auf Italien bezogen trifft aber sogar selbst die auf S.64 erstellte Prognose fast zu: Von den Erkrankten sterben rund 10%...wahrscheinlich ist die Überlastung des Gesundheitssystems in die Prognosen mit eingepreist.

2.5 Vorhersagbarkeit/Vorwarnung/Kommunikation
Ist das Ereignis erwartet?


Das Auftreten von neuen Erkrankungen ist ein natürliches Ereignis, das immer wieder vorkommen wird. Es ist aber in der Praxis nicht vorhersehbar, welche neuen Infektionskrankheiten auftreten, wo sie vorkommen werden und wann dies geschehen wird. Daher ist eine spezifische Prognose nicht möglich. Der Erreger Modi-SARSwurde erst wenige Wochen vor dem ersten Auftreten in Deutschland entdeckt. Die offizielle Warnung über die regulären WHO-Meldewege erfolgt erst zu dem Zeitpunkt, als bereits die ersten beiden Erkrankungen in Deutschland festgestellt werden.

Modi-SARS beschreibt das Szenario mit einem modifizierten Coronavirus.
Und der liegt ja wohl vor. Wenn die Experten des RKI revidieren möchten und sagen, dass das 2012 erstellte Szenario, eine schwerere Pandemie beschreibe als jetzt vorliege, dann glaub ich denen mal.
Aber selbst wenn es nur 10% so schlimm käme, wären die Totenzahlen immer noch ungeheuer hoch.

Jedenfalls liest sich diese Bundestagsdrucksache wie das Drehbuch zu dem Film, in dem wir uns gerade befinden.